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 William Seward Burroughs der Zweite wurde am 5.2.1914 in St.Louis in eine wohlhabende Familie geboren, die für die Addiermaschine und die Predigertätigkeit der Lees bekannt ist. Er ging in Los Alamos zur Schule, dort wurde auch die Atombombe entwickelt, und in Harvard, wo er Literatur, Linguistik und Anthropologie studierte und sich ein Frettchen hielt. Reiste durch Europa und ein Medizinstudium in Wien fiel aus wegen der Nazis. Erst wollte er zur Armee und sie ihn nicht haben, dann war es Krieg und umgekehrt. Die Atombombe wird abgeworfen und Burroughs wird Junkie. Und Kammerjäger. Queer ist er sowieso. Darüber schreibt er. Und über Hassan I Sabbah, die Nova Polizei und die wilden Jungs, aber erst nachdem er seine Frau Joan Vollmer in Mexico City 1951 erschossen hat. Da war er dem bösen Geist begegnet und mußte fortan schreiben. Als Agent in Interzone/Tanger, ziemlich breit und mit weitgereisten Gästen, Allen Ginsberg und Jack Kerouac von der Beat Generation, und Timothy Leary, den er nicht besonders mochte und Brion Gysin der ihn mit den Cut-ups ordentlich aufgemöbelt hat. Dann nach London zum Entzug mit Apomorphin bei Dr.Dent, der hat funktioniert im Gegensatz zu den Therapien bei Dr.Wilhelm Reich und L.Ron Hubbards Scientology, über die er sehr interessiert und clear berichtet. Später ging es nach New York zu den Punks, für die er wohl, wie in Drugstore Cowboy zu sehen, the priest, they called him, war, wozu Kurt Cobain ihn auf der Gitarre begleitete. Viele Freigeister zitieren ihn in ihrer Musik. Dann starb sein Sohn Billy an Leberzirrhose und Burroughs wurde rückfällig. Sein Manager James Grauerholz rettete ihn nach Lawrence in die Provinz, wo der Alte malte und mit Schrotflinten schoß oder beides gleichzeitig tat, wenn er nicht gerade in Popbezügen auftauchte. Und am 3.8.1997 starb er dort auch. Älter als Bukowski - ätschbätsch!
     

lex on BURROUGHS: off

Wo ihr auch seid, hört alle meine letzten Worte - ich mache Euch allen die Rechnung auf, Ihr Mächte und Drahtzieher schmieriger Geschäfte. Geschäfte, in denen Ihr für alle Zeiten den Boden unter den Füßen der noch Ungeborenen verschachert...

He´s still spilling vinegar, sagte mein Buchhändler, als ich versuchte Speed von

  wiederkehrenden Abläufe von Menschen in einem konditionierten Universum die er im Sinne eines durch die Erfahrung und Assoziation geprägten Ablaufs montierte, durch Fold-Ins, die quasi Samples aus der umgebenden Welt sind, erweitert und durch die wörtlich zu nehmende Cut Up-Technik in einer zufälligen Zusammensetzung befreit von Logik und Syntax ihren eigenen Zusammenhang bilden lässt. Bilder aus Träumen, Bilder aus dem Rausch, Bilder
     
dem 1981 verstorbenen William Burroughs jr. zu bekommen. Damit meinte er den zu dieser Zeit noch munteren Vater, doch den hat es jetzt auch erwischt: William Seward Burroughs II schied am 3.8.1997 nach 83 abgefahrenen Jahren durch einen Herzinfarkt aus dem Leben. Endlich können wir uns über seinen köstlichen Kadaver hermachen...eine Ikone der   aus einem verrückten pulsierenden Leben folgen einander in einem Bewußtseinsstrom, fließen ineinander und geben den Eindruck, einer mächtig degenerierten Wirklichkeit, darin, wie Leuchtreklame im Gewühl einer nächtlichen Stadt, tauchen die gleichen Charaktäre wieder und wieder auf, Agenten dieser oder jener Verschwörung. Oh von Ängsten gequält das Herz, das
     
Moderne, sehr delikat seine Augen zu picken,die unbeteiligt freundlich blicken in eine Welt die von Marionetten und kontrollsüchtigen Scheißern bevölkert wird,von Junkies und Gangstern,dieser oder jener Familie. Eine Welt, degenerierend unter dem Einfluß eines außerirdischen Virus, der den menschlichen Organismus zu seinen Zwecken manipuliert. Im Wort   wir hier nun verzehren, wurde es doch stark. Burroughs war amerikanisch genug um auf eine Briefmarke zu gelangen, ein gewagter Unternehmer. Just do it gap. Die Anmerkung mit dem Pursuit of happyness nahm er beim Wort und mit seinen Neigungen zur Homosexualität, zu Rauschdrogen, zum Kleinkriminellen, führte er ein Leben außerhalb der starren Welt des bürgerlich-humanistischen
     
manifestiert sich dieser Virus, zwingt den Menschen zu vorgegebenen Reaktionen entsprechend der Programmierung des biologischen Films.

Am Anfang war das Wort. Oh ja die Zunge, ein mächtiger Brocken. Burroughs Sprache ist die eines Agenten,wo er beobachtet und die eines Predigers,wo er aufdeckt was er erfahren hat, in Phantasmagorien extremer Erfahrung.
  Moralisten der imstande ist, Atomwaffen einzusetzen. Er lebte in den Freihäfen der Welt, in chaotisch-unkontrollierbaren Stätten, mit dem Ausschuß und den Abtrünnigen einer anständigen Gesellschaft, die er mit wachsendem Ekel bedachte, während er stundenlang seine Schuhspitzen betrachtete. Äußerlich korrekt, im Anzug, Harvard-Abschluß, 2mal verheiratet.-Die eine Frau heiratete
     
Kristallklar und gezielt, auch wenn er tief in der Scheiße wühlt. Um den Anforderungen eines sich verändernden Bewußtseins zu genügen und um sich von den innewohnenden Kontrollmechanismen zu befreien, modifizierte er seine Erzählweise entsprechend. In seinen Routines erfasst er die zwanghaften immer   er, um sie vor den verdammten Nazis zu retten, die andere weil sie cool war und sich bei einer Wilhelm Tell Party in den Kopf schießen ließ, weswegen er weinte. Äußerlich korrekt gekleidet nährte er unaussprechliche Phantasien in sich und speiste daraus seine Bücher, die uns einen kurzen Schlupp erlauben.They don´t come back, won´t come back once they´re gone. Cheers. War lecker.

Matthias Lex im August 1997

 

William S. Borroughs - Links

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