Einige Anmerkungen zur Diskussion um den Tucholsky-Satz "Soldaten sind Mörder"

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Dietrich Kittner: Eine Frage der Ehre

Wiglaf Droste: Sind Soldaten Faxgeräte?

 

 

Dietrich Kittner:

Eine Frage der Ehre

 

Angezettelt hat die ganze Chose neben dem Herrn Tucholsky das Bundesverfassungsgericht. Nicht nur, daß eine schamlos in rote Kampfanzüge gewendete Karlsruher Terrortruppe, wie man sie in offiziellem Sprachgebrauch höchster Bayerischer Regierungsstellen seitdem staatstragend zu titulieren beliebt, vermittelst eines Schandurteils den freiheitlich-demokratischen Zwang außer Kraft gesetzt hat, gewisse obligatorisch an Schulzimmerwänden befestigte Hinrichtungsgeräte allgemeinverbindlich als Seelentrost empfinden zu müssen und damit sowohl dem Satan eine Tür ins arglose bayerische Schülerherz als auch dem christlichen Abendland das Tor zum Abgrund öffnete; mehr noch, das Höchstgericht setzte zum pazifistischen Sturmangriff an auf einen Wert, der in herrschenden Kreisen dann meist doch noch höher bewertet wird als der Kirchgang: die heilige Pflicht nämlich, falls der Herr Bundesverteidigungsminister es so befiehlt (oder meinetwegen auch nur der Herr Feldwebel), irgendwelchen, einem sonst nicht näher bekannten Mitmenschen das Bajonett ins Gedärm zu stoßen oder per Knopfdruck ein paar Kilometer weiter Gliedmaßen und Hirnmasse in Mengen durch die Luft fliegen zu lassen. Die Karlsruher Richter sprachen ganz recht: Die Äußerung "Soldaten sind Mörder" sei gedeckt durch das verfassungsmäßig verbriefte Recht auf freie Meinungsäußerung.

Ich gehe sogar noch weiter: Das bewußte Tucholsky-Zitat ist schlicht und einfach wahr, eine Sachfeststellung, nichts weiter. Auch Albert Einstein stellte schließlich fest: "Töten im Krieg ist nach meiner Auffassung um nichts besser als gewöhnlicher Mord". Der große Physiker war eben auch sonst ein begnadeter Logiker.

 

Gehen wir es sprachwissenschaftlich an: Das Wort Soldat entstammt bewiesenermaßen der italienischen Vokabel soldi, also Geld, abgeleitet von der römischen Goldmünze soildus, später, im 12. Jahrhundert, soldo. "Soldateska" war schon im 17. Jahrhundert die Fachvokabel für wüste Killer- und Kommandotruppen. Obwohl kein Anglist, bin ich doch bombensicher: Den j oke "the soldier sold himself" gibt es im Englischen längst schon, weil er ja nicht nur wortstammäßig begründet scheint. Und eingedeutscht gibt es fürs Töten - oder während der Ausbildung dazu - logischerweise den "Wehr"-Sold, das Soldbuch, gelle. Ein Soldat ist also - strikt etymologisch gesehen - einer, der für Geld tötet.

Ein Typ aber, der für Geld tötet, erfüllt laut Strafgesetzbuch eines der klassischen Tatbestandsmerkmale des Mordes. Er ist ein Mörder. Punkt. Soldaten sind Mörder.

Soldat, das heißt letztlich nur und ausschließlich eines: töten, töten, töten; mit allen Mitteln, vom Klappspaten bis zur bakteriologischen Kriegführung. Auch Militärmusiker, Schreibstubenhengste und Küchenbullen dienen; aber eben nur dazu, dem Töten Vorschub zu leisten. Die Armee ist - wertfrei betrachtet - eine Killertruppe.

 

An dieser Definition ändert im Prinzip auch nichts die Tatsache, daß junge Menschen unter Strafandrohung per Gesetz gezwungen werden, sich gegen einen Mini-Lohn vom Staat zu Killern und - wenigstens potentiellen - Mördern ausbilden zu lassen; ja mehr noch: zu Bruder- und Muttermördern in spe. Schon Wilhelm II. hatte 1891 von seinen Soldaten gefordert: "Bei den jetzigen sozialistischen Umtrieben kann es vorkommen, daß Ich euch befehle, eure eigenen Verwandten, Brüder, ja Eltern niederzuschießen - aber auch dann müßt ihr Meine Befehle ohne Murren (! - D.K.) befolgen." Und dieser Wilhelm wurde immerhin erst jüngst von einer offiziellen staatlichen Stelle der Bundesrepublik Deutschland ausdrücklich als "bedeutende Person der deutschen Zeitgeschichte" apostrophiert, die trotz Behinderung (durch die Sozialisten?) "Bedeutendes geleistet" habe. Eben: einen bedeutenden Beitrag zum grandiosen Massenmord des Ersten Weltkriegs.

Alice Schwarzer hat öffentlich bedauert, daß die von ihr erkämpften Soldatinnen beim Bund keine große Karriere machen könnten, weil sie im Gegensatz zu Männern nicht so richtig schön mengenmäßig, sondern nur zur Selbstverteidigung töten dürften...

Sixtewoll. Das ist der Beweis. Karriere macht man beim Militär eben nur durch größere Mengen Toter. Und am Rande, wenn es Frau Schwarzer beruhigt, und weil ich wirklich kein Chauvi bin, will ich Tucholsky gern noch modifizieren: Soldatinnen und Soldaten sind Mörderinnen und Mörder.

Nun muß ein Soldat sich ja nicht unbedingt selbst als Mörder begreifen. (Das sind doch immer die anderen.) Vaterlandsverteidigung, gerechter Krieg, alles ja nur zur Abschreckung... Nicht erst seit der wohl. im Wortsinne generalstabsmäßigen Medienvorbereitung militärischer Aktionen jüngerer Zeit weiß man: In Sachen Kriegspropaganda wird gelogen, daß sich die Balken biegen. Selbst Hitler nannte seine Angriffsarmee schönfärberisch "Wehr"macht. Auch heute noch reden Politiker gern von "Wehrdienstverweigerern", obwohl die Verfassung ausdrücklich von der Verweigerung des Kriegsdienstes spricht. Kein Krieg der Weltgeschichte ist jemals vom Zaune gebrochen worden, ohne das offizielle Ziel des Friedens; des Sieges, wie der Fachmann sagt. Das verlogene Mundwerk gehört zum Kriegs-Handwerk. Das stelle ich mir als Ia prima Offizierswitz vor: Feuerbefehl. Und da sagt doch dieser dämliche Gefreite: "Moment Mal, Herr Hauptmann. Ich will mir zunächst mal in Ruhe über die internationale Rechtslage klar werden." - Brüllendes Kasinogelächter.

Und dann: Kriegsgericht. Für den Gefreiten.

Exekutionskommandos (Soldaten sind also auch Henker) kennt fast jede Armee. Auch bei der Bundesregierung liegen die Kriegsgerichtsgesetze schon seit zwei Jahrzehnten in der Schublade für den Ernstfall. - Der Soldat gelobt aus schlechtem Grund meist unter Zwang unbedingten Gehorsam bis in "die letzte Konsequenz soldatischen Dienens", wie der Generalinspekteur der Bundeswehr (zitiert nach Otto Köhler) den Soldatentod vornehm umschreibt. Befehl ist Befehl: Töte und laß Dich töten! Richtige Soldaten müssen natürlich auch risikobereite Totmacher sein.

Soweit meine Meinung über Soldaten (zugegeben nur kurz angerissen; ich könnte noch viel mehr dazu sagen.), und die zu äußern ist mir - dem BVG sei Dank! - erlaubt. Allerdings gibt es da einen Haken, an dem die juristische Logik in schöner Idealkonkurrenz mit der Realsatire aufgehängt ist: Ich darf solch herbe Ansichten nur über Soldaten sehr schlechthin verbreiten. Beleidigung wäre es, wenn ich damit die Bundeswehr speziell oder bestimmte einzelne Soldaten (das läge mir bei Generälen z.B. echt am Herzen) oder Soldatengruppen im Auge hätte. Oder wenn ich mich in der "Umgebung einer Bundeswehrkaserne" (10m oder 30km? Letzteres wäre BRD-flächendeckend) ähnlich mörderschmähend ausließe.

 

Ich darf also beispielsweise straflos erklären: "Soldaten sind Mörder. Nur deutsche Soldaten sind keine Mörder." Das wäre machbar. Nur neu wäre es nicht. So etwas hätte man doch schließlich schon Anno 1939 bis 1945 glatt sagen dürfen. Eigentlich sogar glauben müssen, wenn man nicht dran glauben müssen wollte. Aggressoren, verzierte Bestien, Banditen, Mordschützen, Terrorbanden, das sind ja eben immer die anderen, der jeweilige Feind also. Problematischer dagegen wäre wohl schon die dabei an sich doch noch etwas globalere Formulierung: "Alle Soldaten sind Mörder"; denn das schlösse unsere brave Bundeswehr ausdrücklich ein...

Wie wäre es dann mit "Soldaten sind Mörder. Nur die Bundeswehr-Soldaten - na, das sind ja keine Soldaten..."? Hei, da gäbe es vermutlich Ärger und Beleidigungsklagen im Multipack! Denn da wollen sie dann wohl doch wieder richtige Mordskerle sein.

Wie soll man es sagen, ohne zu lügen? Ein Abgrund an Rechtsunsicherheit, den uns das Verfassungsgericht da beschert hat! Hätte man doch Tucholsky, wie es der Bundesgerichtshof schon mit Carl von Ossietzky so schön vorexerziert hat, posthum verurteilt! Dann wüßten wir schließlich genau, was wir nicht sagen dürfen. Aber nein, Meinungsfreiheit muß sein, haben die sich in den Kopf gesetzt! Da mögen sich nun die Leute, speziell die Satiriker, doch bitte schön mal selber die Birne zermartern, wie weit es nun geht mit dem frei Meinen!

Zum Glück sind da ein paar strafmaßgebende Kreise zornbebend ob des Karlsruher Spruchs mutig in die klaffende Gesetzeslücke gesprungen. Ihnen geht die Gerichtsauffassung, derzufolge alle ihre Meinung frei äußern dürfen, nicht weit genug, jeder muß sogar ihre Meinung frei äußern! - So liberal sehen es die Bonner Mehrheitspolitiker. Und dann haben sie den Fort-Schritt der Freiheit hurtig durch eine Gesetzesvorlage beflügelt, wonach bei Strafe jedermann unsere brave Bundeswehr nur noch verglimpfen darf. Wer dieselbe verunglimpft, wird, wenn alles klappt, zukünftig selbst nicht mehr allzu glimpflich davonkommen und bis zu drei Jahren staatlich garantierter Bedenkzeit in strikter Klausur, vulgo Knast, gewärtig sein müssen. Es ist nämlich wegen der Ehre.

Nun hat zwar im Prinzip eine jegliche Deutsche und ein jeglicher Deutscher eine solche, die wird legitimerweise geschätzt; und beleidigen darf man sowieso niemanden, auch und gerade deutsche Soldaten nicht. Das war ja nun auch nach dem Karlsruher Urteil schon strafbar - siehe oben. Aber, so haben die Politiker festgestellt, die Bundeswehr bedarf wegen besonderer Ehre eines besonderen Ehrenschutzes. Und doppeltes Strafmaß hält besser.

 

Elektriker genießen keinen besonderen Ehrenschutz, Kindergärtnerinnen müssen eines solchen entraten, die Ehre von Eisverkäufern wird nicht gesondert geschätzt, geschweige denn die von Kriegsdienstverweigerern (wenngleich dies angesichts einschlägiger Politiker-Äußerungen zu begrüßen wäre). Niemandes Ehre wird doppelt geschätzt - aber die Bundeswehr!! Na ja, wenn sie es nötig hat... Besonderer Soldaten-Ehrenschutz: BSE. Wahnsinn! Nicht Bullenwahn.

Nachvollziehbar ist es schon. Organisationen, die ihre Tätigkeit berechtigterweise als irgendwie anrüchig begreifen müssen, geben sich häufig einen speziellen Ehrenkodex. Sie wissen schließlich selbst am besten um die Brutalität, aber auch Erbärmlichkeit ihres miesen Tuns. Die "Ehre" soll hier manches nach innen kompensieren und bemänteln nach außen.

Ganz profan wegelagernde und mordende Raubritter besaßen in Sache "Ehre" überdurchschnittliche Empfindlichkeit. Die "Ganovenehre", die "Zuhälterehre" sind sprichwörtlich. "Ein Mann von Ehre" ist das beinahe offiziöse, euphemistische Synonym für den Mafioso, Mitglied jener anderen weltweit verbreiteten Mörderbande, die doch ausdrücklich als "die ehrenwerte Gesellschaft" firmiert.

 

Solch krankhaft ausgeprägtes Ehrgefühl bedarf selbstverständlich des dazugehörigen Gepränges, feierlicher Initialgelübde etwa oder pomphafter Begräbnisse mit möglichst hochrangiger Besetzung aus den Reihen von Politik, Verwaltung und Wirtschaft. Bürgermeister, Minister und Konzernbosse sind bekanntermaßen bei Mafiaveranstaltungen keine Seltenheit.

So ist es auch bei den Soldaten - natürlich nur bei Soldaten im allgemeinen, also bei Mördern. Die Reputation unserer Bundeswehr liegt auf einem anderen Felde der Ehre begraben. Zwar gibt auch sie Showveranstaltungen, denen Minister, Bürgermeister und Bosse gern beiwohnen. Aber dieses vaterländische Brimborium im Gleichschritt aufstampfender Marschstiefel, dieses martialische Staatsballett dient einem edleren Zweck. Einem Zweck, für den man auch "die Anwendung von Gewalt ... nicht länger verdrängen oder tabuisieren darf".

Es geht hier um etwas Heiliges: um Deutschland. Und darum, seine "Interessen durchzusetzen", auch im "erweiterten geografischen Umfeld". Es geht um die "deutsche militärische Interessenvertretung nach außen" (und nach innen, wenn sich Herr Schäuble mit seiner Forderung durchsetzt, die Armee auch im Innern einzusetzen und wenn dann noch mal jemand wagen sollte zu streiken). Es geht der Bundeswehr um die "Aufrechterhaltung des freien Welthandels und des ungehinderten Zugangs zu Märkten und Rohstoffen in aller Welt..." Das klingt doch viel schöner als Macht, Geschäft und Ausbeutung, oder? Die Zitate stammen aus den "Verteidigungspolltischen Richtlinien" des Bundesministers für Verteidigung (und deutsche militärische Interessenvertretung in aller Welt!) vom 26. November 1992. Wers nicht glaubt, kann sie nachlesen bei Otto Köhler, der dieses in schöner Offenheit unglaublich dreiste Papier verdienstvollerweise gewürdigt hat.

Es geht bei der Bundeswehr, anders als bei der Mafia, nicht um profane Dinge, wie Geld, Macht, Einfluß und Gewalt. Es geht um etwas Hehres: um deutsches Geld, deutsche Macht, deutschen Einfluß, deutsche Gewalt, um die deutschen Interessen also, und die sind, wie ja überhaupt Deutschland unter allen Ländern etwas Besonderes darstellt, etwas Besonderes. Das sollte sich der Rest der Welt mal hinter die Ohren schreiben. Und darum hat die Bundeswehr eben eine besondere Ehre, die es besonders zu schützen gilt.

Dank den Bonner Gesetzesvorlegern dafür, daß sie hier endgültig Klarheit geschaffen haben! Wir wissen dann doch endlich, wie bzw. wann wir dran sind.

Manches wird sich zweifellos ändern. Neulich sah ich in der Zeitung das Bild einiger Demonstranten vor dem Zugang zu einem Truppenübungsplatz. Die Leute hielten ein Transparent hoch; da stand nichts drauf als schlicht und ergreifend der Name: "Tucholsky". Zweieinhalb Jahre wird es zukünftig wohl dafür geben. Mildernde Umstände, weil das Zitat als solches fehlte.

Beim Transparent "Einstein" wird es vielleicht doch ein wenig teurer. Immerhin hat der neben seinem Mordzitat ja auch noch gesagt: "Wenn einer mit Vergnügen in Reih und Glied zu einer Musik marschieren kann, dann verachte ich ihn schon; er hat sein großes Gehirn nur aus Irrtum bekommen, da für ihn das Rückenmark schon völlig genügen würde. Diesen Schandfleck der Zivilisation sollte man so schnell wie möglich zum Verschwinden bringen..." Das ist aktiver tätlicher Verbalangriff! "Mörder"-Geschrei allein wäre schon schlimm genug, aber den Gleichschritt lächerlich zu machen, das ist der Stoß ins Herz der Deutschen! - Höchststrafe.

Was wäre mit der schlichten Tafel: "Goethe"? Was der ausdrücklich einem Hauptmann sagen ließ, war immer schon strafbar und wurde von der Militärgerichtsbarkeit keineswegs nur mit dem an sich naheliegenden "Du mich auch!" geahndet.

"Soldaten sind Totschläger" als gegenüber dem "Mörder" Juristisch ein wenig abgeschwächter Vorwurf? - zwei Jahre. Denn natürlich ist die Bundeswehr - als ganzes! - eine auf die Tötung größerer Menschenmengen hin konzipierte Maschinerie; aber so etwas sagt man nicht.

Der Satiriker wird gut daran tun, seine Worte bezüglich deutscher Militärs zukünftig sorgsam zu wählen. Auch für ihn kann es zu einer Frage der Ehre werden, gelingt es ihm nicht, unsere schimmernde Wehr deftig genug zu beleidigen. Leicht könnten doch die Leute sagen: "Zu dem Wadenbeiß gehe ich nicht ins Programm, der kann nicht gut sein: der hat ja nur lächerliche anderthalb Jahre gekriegt. Ich sehe mir lieber den Knusebier an mit seinen vollen drei Jahren. Da sitzt wohl mehr Wumm dahinter..."

Natürlich, drei Jahre sind eine lange Zeit. Wenn man andererseits jedoch bedenkt, wieviel große Werke der Weltliteratur schon im Gefängnis geschrieben wurden, scheint die Satire hierzulande einer Hochblüte entgegenzugehen.

Für wie viele eigenhändig zerschmetterte Menschenschädel gibt es beim Militär einen Orden? - Nein, die Ehrenschützer haben irgendwie recht: Soldaten sind keine gewöhnlichen Mörder. Letztere haben immer ein Motiv: Geldmangel, Aggressionen, Triebe, Angst, eine kranke Psyche. Gute Soldaten sollen emotionslos töten, kalt, auf Befehl. Ohne persönlichen Grund. - Nein, Soldaten sind keine Mörder. Schlimmer: Soldaten sind Soldaten.

Das mußte mal raus. Ich wollte aus meinem Herzen keine Soldatengrube gemacht haben.

 

(Aus dem Programm "Das Vierte Reicht")

 

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Wiglaf Droste:

Sind Soldaten Faxgeräte?

 

Sind Soldaten Faxgeräte?

Mörder darf man sie nicht nennen

Denn Soldaten sind sensibel

Legen Hand auf Herz und Bibel

Fangen dann noch an zu flennen:

"Ihr sollt uns nicht Mörder nennen!"

 

Ja, wie soll man sie denn nennen?

Faxgeräte? Sackgesichter?

Zeugungsfähiges Gelichter?

Freddies, die auf Totschlag brennen?

Weder Geist noch Güte kennen?

 

Oder sind sie Schnabeltassen?

Tennisschläger? Liebestöter?

Kleiderständer? Brausepöter?

Die sich das gefallen lassen:

"Schütze Arsch! Los! Essen fassen!"

 

Sind sie vielleicht Käsesocken

Die auf Pils und Deutschland schwören?

Und gern "Tote Hosen" hören

Wenn sie auf der Stube hocken

Und um Gonokokken zocken?

Ach, wie soll man Mörder nennen?

Man zerfleddert nur die Wörter

Nennt man Militärs nicht Mörter.

Selbst wer schlicht ist, muß erkennen:

 

Mörder soll man Mörder nennen.

 

In: "Die Tageszeitung", 17.4.1996

 

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