| Der folgenden Zusammenfassung der Werke Shakespeares liegt die Gesamtausgabe zugrunde, die die beiden Schauspieler John Heminge und Henry Condell zu Ehren "des würdigen Freundes und Kameraden" 1623 herausgaben. Die Folios, die der Shakespeareforschung als zuverlässige Quellen dienen, enthalten 14 Komödien, 10 Historien (Königsdramen) und 12 Tragödien, die von den Herausgebern ohne Rücksicht auf die richtige Folge der Entstehungsjahre in diese drei Gruppen geteilt wurden. Es ist bisher nicht gelungen, eine unbedingt zuverlässige chronologische Reihenfolge der Werke Shakespeares aufzustellen, was dem Inhalt dieses kleinen "Shakespeare Breviers" jedoch keinen Abbruch tut. "William, der Stern der höchsten Höhe" nannte Goethe den Genius des Dramas: Shakespeare. Kein Dramatiker der Weltgeschichte hat so allumfassend wie dieser die Höhen und Tiefen irdischen Daseins in ewig gültige Worte zu kleiden gemocht, kein Dichter der Bühne hat, weder vor noch nach ihm, seelischen Adel und niedrige Instinkte, zarte Romantik und erschütternde Realistik, weltweisen Humor und schmerzliche Tragik so hinreißend dargestellt, kein Schauspieler-Dichter hat je solche Rollen geschrieben, deren dynamische Kraft und poetische Schönheit in ewig junger Sprache erglänzt, keinem außer Shakespeare ist es gelungen, dürftige Kolportage und trockene Historie in klassische Bühnenwerke zu verwandeln, die alle Epochen des Theaters überlebt haben. Shakespeare holte seine Motive vorwiegend aus alten Chroniken und überlieferten Sagen, sowie älteren Bühnenwerken und gab ihnen nicht nur Fleisch und Blut, sondern auch den farbenfrohen Glanz der Renaissance . Es war jene Epoche, die das Ende des mittelalterlichen Weltbildes bedeutete, es war die Zeit der Erfindungen und Entdeckungen, in der das Ideal eines neuen Menschenbildes entstand, das deutliche Züge eines erwachenden Individualismus trug. Wenn auch das Wort Renaissance meist als Wiedergeburt des klassischen Altertums und als Wiederaufblühen der Künste verstanden wird, so darf doch nicht vergessen werden, daß das Weltgefühl der Menschen in der Antike ein anderes war als in der Zeit ihrer Wiedererweckung. Glaubten sich die Menschen jener Zeit dem anonymen Schicksal unterworfen und den Mächten des Kosmos ausgesetzt, und war die Tragik in den antiken Dramen darum oft schicksalsbedingt, so trat der Mensch jetzt einer entgötterten Natur mit völlig neuartiger Bewußtheit gegenüber, denn man hatte die in ihr waltenden Gesetze zu erkennen begonnen und verlegte darum die Voraussetzungen zu tragischem Geschehen weit mehr als zur Zeit der Antike in den Menschen selbst. Shakespeares Schauspiele, die Handlungen und die Figuren, sind in diesem Sinne ein getreues Spiegelbild dieser Epoche. Seine Helden handeln nach Gesetzen ihres Wesens, nach ihrem eigenen Gewissen; sie sind ausgeprägte Charaktere, starke Persönlichkeiten - im Guten wie im Bösen. | | Renaissance | | | (franz. = Wiedergeburt) allg. Wiedergeburt, jedes Wiederaufleben vergangener Kulturerscheinungen, insbesondere der Antike, im engeren Sinne die große gemeineuropäische Kulturepoche an der Wende des Mittelalters zur Neuzeit (1350 - 1600), abendländische Erneuerungsbewegung mit individualistischem Persönlichkeitsideal als Überwindung des theozentralistischen mittelalterlichen Weltbildes. Die Wurzeln lagen nicht in gelehrter Forschung, sondern in einer all-gemeinen Sehnsucht nach geistiger Erneuerung, Wiedergeburt des diesseitigen Menschen, die schon bei Dante und Pe-trarca ausgeprägt ist, und einer umfassenden Belebung aller Künste (Gero von Wilpert, Kröner, 89) zurück | | Antike: | | | (lateinisch: antiquus = alt); zusammenfassende Bezeichnung der klassischen griechisch-römischen Kulturwelt des Altertums bis zur Völkerwanderung (Spät-Antike) und damit dem christlichen Mittelalter im Gegensatz zu anderen gleichzeitigen oder späteren Kulturkreisen. In sich räumlich und zeitlich verschiedenartig gestaltet, bildet sie als geschlossene Gesamtheit neben dem Christentum die Grundlage aller abendländischen Kultur und wirkte fruchtbar auf alle europäischen Literaturen bis in die Gegenwart hin-ein. Die Übernahme antiker Elemente und selbständige Auseinandersetzung mit ihnen geschieht in den einzelnen Epochen und Völkern verschieden nach Art und Stärkegrad, naiv-kritiklos in Inhaltsübersetzungen oder höchst bewußt in kunstvollen Nachdichtungen, auch Anregungen zu Eigenschöpfungen; sie wurde angegriffen als Verlust völkischer Eigenständigkeit und verteidigt als gemeinsame Erbschaft des Abendlandes, als seine ständige Aufgabe. Der Einfluß der antiken Literatur beginnt besonders seit der Karolingischen Renaissance (siehe dort) mit Glossarien, Übersetzungen und Nachdichtungen (insbesondere von Werken des Vergil, Ovid, Terenz, Plautus, Statius, des Alexanderromans, lateinische Darstellungen des Trojanerkrieges und des Apolloniusromans) im frühen Mittelater und wirkt nachhaltig auf die Abfassung eigener Heldenepen; Cicero wurde Vorbild höfischer Moral; Gestalten antiker Legenden und Mythen fanden Eingang in neue Schöpfungen. Renaissance (siehe dort) und Humanismus (siehe dort) brachten die bewußte Belebung klassischer Studien und erweitern die Zahl der Übersetzungen nun auch griechischer Autoren; antike Formideale des Aristoteles und Horaz (für das Drama Terenz, im Barock (siehe dort) Seneca) werden durch die Poetiken verbindlich für die zeitgenössische Literatur; antike Fabeln und Exempla sind Allgemeingut ebenso wie mythologische Umschreibungen und Allegorien. Der französische Klassizismus (siehe dort) orientiert sich noch an lateinischer Literatur, doch mit dem 18. Jahrhundert erst beginnt die breitere Wirkung der griechischen Tragiker und Homers. In der deutschen Literatur bemühen sich besonders Winckelmann, Lessing, Herder, später Nietzsche um echte Erfassung des antiken Geistes; in den Dichtungen Goethes, Hölderlins und (mit breiterer Wirkung) Schillers findet er seinen reifsten Niederschlag; in der Gegenwartsdichtung Erneuerung antiker Stoffe besonders bei Hofmannsthal, R. A. Schröder, T. S. Eliot, J. Anouilh, J. Cocteau, R. Jeffers, P. Hacks, H. Müller, W. Jens u. a. (Gero v. Wilpert, Kröner, 89) zurück |
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