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Upgrade your Browser

Upgrade-Titel

Seit dem kleinen Redesign meiner Site deutet meine Eingangsseite an daß ich auf meiner Site keinerlei Optimierungen mehr für die Netscape-Browser der 4ten Generationen machen werde.

Damit habe ich einer seit Mitte Februar angelaufenen Aktion der Lobby-Gruppe für Webstandards "The Web Standards Project" (WaSP) vorgegriffen. Diese Kampagne wirbelt zumindest in der US-Gemeinde viel Staub auf. In erster Linie soll die Aktion dazu führen daß mehr Leute Standard-kompatible Browser einsetzen. Der zweite wichtige Aspekt ist aber auch das Schaffen des entsprechenden Problembewußtseins bei Kunden und Webentwicklern.

Der Doppelschlag

Es hat sich bereits im Vorfelde durch einige mysteriösen Bemerkungen angedeutet, doch am 16.Februar landete man den Doppelschlag: Das WaSP veröffentlichte ihre Kampagne und "Alistapart" veröffentlichte zwei Artikel sowie Diskussionsforen zu diesem Thema. Seitdem quillen diese Diskussionsforen über, ein Artikel auf Slashdot führte innerhalb kürzester Zeit zu über 900 Wortmeldungen (von teilweise erschreckend schwachem Niveau!), und Web-Designer-Mailinglisten hatten ellenlange Threads.

In ihrer Pressemeldung erläuterte das WaSP seine Ziele. Webdesigner sollen in Sites die W3C-Standards verwenden, auch wenn diese Sites dadurch für einige Browser gar nicht mehr, oder nicht korrekt angezeigt werden können.

Dies ist in der Tat ein wichtiger Paradigmenwechsel der eingefordert wird, galt doch bisher die Prämisse der Selbstbeschränkung (nicht alle Features ausnutzen, damit die Site für viele Browser lesbar bleibt) oder des Fleißes (Programmierung von verschiedenen Versionen einer Seite, jeweils angepaßt an die Marotten der jeweiligen Browser). Stattdessen soll es nun heißen: "If the web page is valid and you can't view it in your browser, the problem is your browser" (WaSP-Mitglied Dori Smith).

Warum eigentlich?

Um die Problematik besser zu verstehen, lege ich meinen "Cross Browser Publishing"-Artikel ans Herz: Seit 1997 existieren für Inhalte im Web verschiedene Standards. Doch die Browser-Hersteller haben die Standards nur sehr zögerlich umgesetzt. Dadurch sind Webproducer gezwungen viel Zeit (und damit Geld) für das Schreiben von "Workarounds", testen und Bugfixes zu investieren. Wenn genügend Sites teilnehmen, gibt es Hoffnung daß die typische Übergangsfrist von 18 Monaten für den "User Upgrade"-Zyklus abgekürzt werden können.

Das WaSP hält nun aber den Moment für gekommen um damit Schluß zu machen und eine gewisse Kompromißlosigkeit an den Tag zu legen um das Web einen Schritt weiterzubringen und für zukünftige Entwicklungen vorzubereiten. Entwicklungen wie z.B. UMTS oder das Internet-Auto.

Mit dem Erscheinen von Netscape 6 bzw. dem Heranreifen des Mozilla-Browsers, stehen nun auf vielen Plattformen entsprechende, standard-kompatible Alternativen zu Verfügung.

Es wird zwar vom WaSP nicht expressis verbis erwähnt, aber die Kampagne zielt klar auf Netscape 4.x und den MS IE 4/4.5 ab, die beide ingesamt noch einen Marktanteile von ca. 20%-25% besitzen.

Was sehr viele Kritiker der Kampagne übersehen, ist die Problematik auf die Jeffrey Zeldman ausdrücklich hinweist. Natürlich wird nicht jede Site einen derartig radikalen Schnitt vornehmen können. Yahoo und Amazon haben kein Interesse auch nur einen einzigen Besucher zu verlieren. Oder wie es Cameron Barrett formuliert: "It's all about your audience". In einem Essay erläutert er Gründe weswegen es Sinn machen könnte bei der Kampagne nicht mitzumachen. Für Edwards Bilodeau geht das WaSP sehr egoistisch mit dem Thema um weil sie die "Focus"-Mantra umkehren: "Immer an die Entwickler denken".

Technik, please!

Für "kosher" erklärt das WaSP derzeit den MS IE5.5/Windows, MS IE5/Mac, Netscape 6, Opera 5 und Konqueror.

Diese Auflistung verdeutlicht aber gleichzeitig die Problematik der Kampagne. Viele Kritiker werfen dem WaSP mit seinem vermeitlichen "Upgrade-Zwang" vor, nicht an die Modem-Surfer zu denken, die für jede Sekunde Online-Zeit zahlen müssen, wie es z.B. in Europa noch weit verbreitet ist. Und da würden 26MB Download für die neuen Browser ins Gewicht fallen.

Hier ist es an dem Webproducer auf Alternativen aufmerksam zu machen. Opera 5 ist gerademal 2MB groß. Zudem erscheinen Woche für Woche zahlreiche Zeitschriften die irgendwelche CDs mit irgendwelchen Browsern auf ihrem Cover gepappt haben.

Weitaus größer ist sicherlich das Problem wenn man noch auf alte Betriebssysteme wie Windows 3.1 angewiesen ist. Hier gibt es wohl in der Tat keine modernen Browser, also auch keine Upgrade-Möglichkeit.

So what? Wer wichtige Informationen hat, von denen er weiß daß sie auch von Win3.1-Usern abgerufen werden, kann ja auf "schnickschnacklose" Seiten setzen. Aber daß diese Leute ein Teil des Webs nicht mitbekommen, ist kein neues Phänomen, da für zahlreiche Plug-Ins keine Win3.1-Versionen besitzen.

Die Umsetzung

Die WaSP-Kampagne setzt zwei technische Umsetzungen ein. Grundprinzip: Wenn erkannt wird daß es sich um einen nicht-standard-kompatiblen Browser handelt, wird entweder auf eine neue Seite weitergeleitet, oder ein Text eingeblendet.

[1] DOM Sniff

Im <HEAD>-Bereich wird JavaScript eingesetzt. Wenn dabei ein bestimmtes, standardisiertes Merkmal (das Element getElementById) nicht erkannt wird, gilt der Browser als nicht Standard-kompatibel und wird zu einer bestimmten Seite weitergeleitet:

if (!document.getElementById) {
    window.location = 
	   "http://www.webstandards.org/upgrade/"
}

Diese Methode entbehrt zwar nicht einer gewissen Eleganz, hat aber den Nachteil daß sie ohne eingeschalteten JavaScript nicht läuft. Und JavaScript ist eine Technologie die einige Systemadministratoren von Firmennetzen Kopfschmerzen bereitet. Vulgo: JavaScript kann ausgeschaltet worden sein, also wird auch in diesem Fall das getElementById-Element nicht erkannt, und trotz eines evtl. Standard-kompatiblen Browsers auf die Upgrade-Seite weitergeleitet.

[2] IFRAME

Während es beim DOM-Sniff um das Erkennen eines JavaScript-Elementes ging, geht es bei der zweiten Methode um das Erkennen eines CSS-Befehls: display:none. Dieser Befehl wird an einen "Absatz" angehängt. Standard-kompatible Browser werden diesen Absatz aufgrund des CSS-Befehls nicht anzeigen, während "unfähige" Browser den display-Befehl ignorieren und den Absatz anzeigen.

In die Stilvorlage schreibt man:

.ahem {
	display:	none;
	}

Und im <BODY>-Bereich der Seite schreibt man einen entsprechenden Absatz:

<iframe class="ahem">
   <big>Please 
      <a href="http://www.webstandards.org/upgrade/" 
      title="The Web Standards Project's BROWSER UPGRADE initiative.">
      upgrade</a> to a browser that supports web standards.
   </big>
</iframe>

Ich bin mir nicht ganz sicher wie narrensicher diese Methode ist. Bei einem ersten, schnell ausgeführten Test, sprang die Methode nicht auf den MS IE4.01/Mac an. Auch erschließt sich mir nicht wieso das <IFRAME>-Element benützt wird.

Unterm Strich halte ich die Kampagne, sorgfältig eingesetzt, für eine gute Geschichte, und werde sie demnächst auf meiner Site einsetzen (Sobal ich die IFRAME-Methode eingehender studiert habe...). Wenn ich aber meine Blicke über meine Web-Projekte schweifen lasse, sehe ich keine Chance die Aktion in "kommerziellen" Sites einzusetzen.

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