Schmuddel ist Schimanskis Kennmarke  

Am Ende stehen Artigkeiten. Der Schmuddel charakterisiere Schimanski, nicht Duisburg, läßt Götz George mitteilen. "Spielfilme sind Kunst, es gibt keine Zensur", reagiert die Stadt. Das Ende einer Ruhrposse, die jetzt zum zweiten Mal ausgestrahlt wurde.

Eine Jacke ist eine Jacke ist eine Jacke... 
Der Stein des Anstoßes
Am 28. Juni 1981 um 20.15 Uhr fiel Duisburg aus Wolke sieben. Und es war ein harter Aufschlag. Hatte man zuvor die Dreharbeiten noch freudig erregt begleitet ("Wie aufregend! Wir werden Filmstadt" hieß ein Artikel), wandelte sich das nun in heiligen Zorn.

"Duisburg-Ruhrort" hieß der Tatort, Horst Schimanski hieß der Kommissar. Haute sich in Szene 1 zwei rohe Eier rein, raste durch ein verrottetes Duisburg und erschien alsbald - ebenso unrasiert wie verkatert - zur Leiche. Groß war die Aufregung, lang waren die Protestschreiben: Duisburg sah sein Ansehen geschändet.

Prügelkommissar wurde Kultfigur

Schimanski aber blieb bei seinem Stil, Film-Duisburg blieb ein Dreckloch; und mit den Jahren wandelte sich der Ton. Der Prügelkommissar wurde Kultfigur; und der damalige Oberbürgermeister Josef Krings erzählte immer gern von jenem Berliner, dem zu Duisburg positiv einfielen: Köpi und Schimanski.

Happy-End - bis vor kurzem. Denn unter der Regie von Bürgermeister Heinz Pletziger legte Duisburg jetzt das alte Stück neu auf. "Rattennest" hieß der letzte Schimanski; er präsentierte Duisburg, finster wie gehabt, als die Stadt, der Müll und der Tod - und entpuppte sich als Wespennest.

Antrag im Kulturausschuß von Duisburg

Pletziger (CDU) nämlich nahm Anstoß und stellte Antrag im Kulturausschuß, den Dank der Produktionsfirma an die Stadt im Abspann zu verbieten. Der Grund: "Die Auswirkungen der Schimanski-Filme auf das Image unserer Stadt sind fatal." Und zitatensicher bemühte er Erich Kästner: "Kein Mensch kann so tief sinken, den Kakao, durch den er gezogen wird, auch noch zu trinken."

Großstadt der Kleingeister

Der Antrag verendete im Ausschuß, aber - man ahnt es schon - der Schuß des Bürgermeisters ging nach hinten los. Tenor der Kritik: Zensurversuch. Drehverbot. Oder: Großstadt der Kleingeister.

Letzte Szene: Scherbengericht in Pletzigers lieblichem Bad Duisburg. In dieser Woche sägte der CDU-Vorstand ihn ab: Er soll dem nächsten Rat nicht mehr angehören, nicht mehr Bürgermeister sein. Der Grund: parteiinterne Kämpfe. "Hier regiert der kalte Haß", stellt Pletziger jetzt fest. "Kalter Haß" - der nächste Schimanski? Pletziger, schreiben Sie ein Drehbuch.

Hubert Wolf, WAZ - 4. Dezember 1998

Hinweis: Sämtliche Fotos in der Dia-Show stammen vom Presse- und Informationsamt der Stadt Duisburg.

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