"Lebende Ente"


Mit Zähnen und Klauen verteidigt der Jagdgebrauchshund-Verband e.V. (JGHV) seit Jahren sein überkommenes Prüfungsfach an künstlich flugunfähig gemachten Enten. Unter dem Druck der Öffentlichkeit verzichtet man nach wie vor nicht darauf, lenkt allerdings gerne davon ab und gewährt Außenstehenden keine Einblicke.

In der Übersicht:
1. Begriffsbestimmung und Übungs- und Prüfungsablauf
2. Tierschutzrelevante Belastungen der Enten
3. Einschlägige Rechtsprechung
4. Aus den Ländern
5. Jägerstimmen
6. Sonstiges
7. Alternativmethoden
         


1.1 Allgemeines
Das JGHV-Prüfungsfach an der lebenden Ente hat, wie die Zuschauerzahlen belegen, unter Jagdhundeliebhabern einen ähnlich hohen Unterhalts- und Stellenwert wie für Sportbegeisterte die Fußballspiele oder für Spanier die Stierkämpfe. "Spielort" ist das Prüfungsgewässer, in dem die hoch trainierten und eingearbeiteten Jagdhunde ihre Überlegenheit gegenüber flugunfähig gemachten, unbedarften (Haus-)Enten dokumentieren sollen.
Historisch betrachtet gehört das JGHV-Prüfungsfach in die lange Reihe überkommener  jagdkynologisch-geschichtlicher Tier- und Schaukämpfe, die zucht- und gebrauchsfestigenden Charakter und tierschützerischen Nutzen bei späteren Nachsuchen in der Jagdpraxis haben sollen. 
Die wildfarbenen, flugunfähig gemachten Hausenten stehen dabei sozusagen als Stellvertreter für angeschossene Wildenten, die auf Grund jägerischem Versagen nur krankgeschossenen wurden.
Am Ende des streng geregelten Prüfungsplans steht immer die Tötung des Prüfungstieres.
Wer hochdekorierte Prüfungshunde hat, kann diese und die Nachzuchten gut vermarkten, auch wenn die goldenen Zeiten des Jagdhundegeschäfts vorbei sind.  


1.2 Begriffsklärung
Jagdintern wird gerne von "lebender Ente" gesprochen, wenn es um das Ausbildungs- und Prüfungsfach von Jagdhunden an lebenden, wildfarbenen (Haus-)Enten geht, die vor ihrem "Gebrauch als Lebendobjekte" künstlich flugunfähig gemacht werden. Diese willentlich erzeugte Flugunfähigkeit soll ein arttypisches Wegfliegen ausschließen und damit eine angeschossene, geflügelte Wildente im Jagdalltag simulieren(= künstliche Krankschüsse oder funktionelle Probenachsuche)!

Der JGHV hat die bisherige Fachbezeichnung "Stöbern im Schilf hinter Ente" in "Verlorenbringen aus der Deckung" und/oder "Stöbern mit Ente im deckungsreichen Gewässer" umbenannt.
Die aus gutem Grund verschleiernden und für Nichtjäger unverständlichen Bezeichnungen werten selbst Jäger als Etikettenschwindel. Entschlüsselnd stehen diese Bezeichnungen für "Hetzarbeit an flugunfähiger Ente", zumal der Abschluss der Hetzarbeit einen gewollten, aggressiven "Crash-Kurs" beinhaltet, d.h. der Jagdhund muss auf die Ente zugreifen, da er ansonsten als wildscheu eingestuft wird. Hierbei werden Enten öfters lebend gegriffen.

Die zur Ausbildung und Prüfung von Jagdhunden verwendeten Haus- oder Hochbrutflugenten werden in Insiderkreisen auch "JGHV-Enten" genannt, weil sie zur Einarbeitung und Prüfung alleine auf JGHV-Veranstaltungen Verwendung finden.

1.3 Einarbeitung der Junghunde
In seinem Beitrag "Apport!" geht Hans Joachim Steinbach in der "Deutsche Jagd-Zeitung", Heft 4/2000, auffallend offen auf das nach wie vor übliche Einmaleins der brutalen Einarbeitung von Jagdhunden an lebenden Enten, verbunden mit dem absichtlichen Greifenlassen der lebenden Ente, ein. Er schreibt:
"Erst wenn das Bringen aus dem Wasser sitzt, wird der Apportierbock in tieferes Wasser geworfen, wohin der Hund schwimmen muss. Er muss ihn vorschriftsmäßig aufnehmen und wie oben beschrieben apportieren.

Hinter der lebenden Ente
Wenn diese Übungen perfekt sitzen kommt es zur Arbeit hinter der lebenden Ente (siehe Kasten: Hinter der lebenden Ente). In den Teich wird eine lebende Ente eingesetzt, die fluguntauglich ist (Manschette über die Handschwingen gestreift). Die Ente wird in tiefes Wasser getrieben, der Hund mit einer richtungsweisenden Armbewegung unter dem Zuruf: "Such voran, mein Hund!" hinterhergeschickt. Der Hund soll die Ente greifen und bringen.
Gelingt dieser Versuch nicht, wird die Ente mit der Flinte geschossen. Nun muss der Hund die geschossene Ente bringen, wobei auf exaktes Bringen und Apportieren zu achten ist."

1.4 Prüfungsziele und Prüfungsablauf

1.4.1 Prüfungsziel
Prüfungen an künstlich flugunfähig gemachten Enten haben nicht zum Ziel, die Fähigkeit der Jagdhunde darauf zu testen, ob sie die Schwimmspur einer "angeschossenen Ente" ausarbeiten können. Ziel ist vielmehr, die Wildschärfe der Jagdhunde zu prüfen. Dazu Armin Freiherr von Freyberg, Vorsitzender des Jagdkynologischen Arbeitskreises Bayern, in einem Interview in "Jagd in Bayern", Heft 12/1999:
"Wir prüfen "hinter" der fluchtüberlegenen Ente in erster Linie, ob ein Hund wildscheu ist oder nicht, zusätzlich ob dieser Schlüsselreiz den Jagdtrieb auslöst und ob der Hund diesen Jagdtrieb in zielgerichtete Arbeit umsetzen kann, um seine gesetzliche Tierschutzaufgabe zu erfüllen."

1.4.2 Prüfungsablauf
Die Prüfung an lebenden Enten nach der festgelegten JGHV-Methode ist eine gezielt eingeengte und improvisierte Nachsuchensimulation.  Nachfolgend der Auszug aus den JGHV-Prüfungsvorschriften:

Stöbern mit Ente im deckungsreichen Gewässer
(§ 37 VZPO; § 61 VGPO; § 71 VPSO)

(1) Eine Ente wird in der Deckung ausgesetzt, ohne daß ein Anschuß markiert wird. Diese Vorbereitung darf der Hund nicht eräugen können.

(2) Nach dem Aussetzen führen die Richter den Führer zu einem Punkt in Schrotschußentfernung vom Aussetzort bzw. von der Ente und geben ihm die Richtung an. Hier fordert der Führer seinen Hund zur Nachsuche auf.

(3) Der Hund soll die Ente selbständig suchen und finden. Der Führer darf ihn bei der Arbeit lenken und unterstützen, jedoch mindern ausdauernde Einwirkungen das Prädikat.

(4) Sobald der Hund die Ente aus der Deckung drückt und sichtig verfolgt, ist sie vom Führer oder einer dazu bestimmten und berechtigten Person zu erlegen, wenn das ohne Gefährdung der Sicherheit möglich ist.

(5) Die erlegte Ente muß vom Hund selbständig gebracht werden.

(6) Die Richter sollen die Arbeit eines Hundes beenden, sobald sie sich ein abschließendes Urteil gebildet haben. Das gilt auch dann, wenn die Ente nicht vor dem Hund erlegt wurde.

(7) Ein Hund, der eine Ente beim erstmaligen Finden nicht selbständig bringt, kann die Prüfung nicht bestehen. In diesem Fall gilt auch das "Verlorensuchen im deckungsreichen Gewässer" bzw. das "Stöbern mit Ente im deckungsreichen Gewässer" als nicht bestanden.
Eine vom Hund eräugte Ente gilt als gefunden.

(8) Stößt der Hund bei seiner Arbeit zufällig auf eine andere Ente, so ist auch diese Arbeit zu bewerten.

(9) Die Richter können die Arbeit beenden, wenn sie den Eindruck gewonnen haben, daß der Hund den Anforderungen nicht genügt.

1.4.3 Umfang des "Entenverbrauchs"
Eine Frage, die jedem jetzt einfällt, ist die, wie groß das Ausmaß des Übens und Prüfens an lebenden Enten eigentlich ist? Der JGHV jedenfalls liefert dazu keine genauen Zahlen, auch nicht gegenüber den staatlichen Behörden!
Klar ist indes die Entenverwendungskette:
1. Einarbeitung  des Jagdhundes an lebenden Enten ohne Aufsicht an privatem Weiher;
2. Überwachte Übungen an lebenden Enten an JGHV-Gewässern;
3. Prüfung an lebender Ente;
4. Evtl. Wiederholungsprüfung an lebender Ente.

Jährlich wiederkehrender Übungs- und Prüfungskreislauf
In jedem Prüfungsjahr, nach Abschluss der Ausbildung, werden insgesamt mindestens 5.000 Hunde jährlich an lebenden Enten geprüft. Der tatsächliche "Verbrauch" an Enten ist jedoch weitaus größer, weil erfahrungsgemäß die meisten Enten zur Einarbeitung der Jagdhunde auf die Prüfungen benötigt werden.
Anlässlich der JGHV-Hauptversammlung am 18.03.1990 in Fulda berichtete JGHV-Präsident Frucht von Hundeführern, die bis zu 150 Übungsenten pro Hund verwenden würden.

Realistischerweise muss man davon ausgehen, dass heute noch Jahr für Jahr -trotz verschärfter Überwachung- schätzungsweise 70.000 lebende Enten jährlich für die Ausbildung und Prüfung von Jagdhunden regelrecht "verbraucht" werden.

Gert Bottler zum "Sportführertum" und zum Entenverbrauch in "Jäger", Heft 9/1999, S. 77:
"Wenn ein schlecht veranlagter Hund, ausgebildet von einem Profiführer, erst nach 30 Übungsenten "hegewaldreif" ist, dann müssen eben 30 Enten sterben. Dabei ist nicht nur die Zahl, sondern oft auch das "Wie" ein Problem. Und dass dann diese Töle genauso viele Punkte am Wasser bekommt wie der gut veranlagte Hund, dessen Führer sich an die rechtlichen Bestimmungen -drei Enten- gehalten hat, trägt nicht unbedingt dazu bei, dass wir mit unserer Zucht weiterkommen."
Den Ausführungen Gerd Bottlers ist zuzustimmen. Bei der "Entenarbeit" geht es um das Erlernen eines einfachen Prüfungsablaufes; es ist ein reines Lernfach. Mit jeder neuen Ente wird das "Entengedächtnis" des Jagdhundes aktiviert und es wird das dort gespeicherte Entenhetzprogramm abgerufen. Je mehr Wiederholungen an lebenden Enten, um so besser wird der Jagdhund, unabhängig von seiner Veranlagung!

JGHV-Update-System
Nach wie vor können an der lebenden Ente erfolgreich geprüfte Hunde in diesem gleichen Prüfungsfach erneut eine reine Wiederholungsprüfung ablegen. Statt das bei der ersten bestandenen Prüfung erzielte Prädikat an der lebenden Ente zu übernehmen, müssen die Hunde z.B. bei Zuchtausleseprüfungen ihre Leistung an lebenden Enten erneuern. Dies ist aus Tierschutzgründen nicht hinnehmbar.

1.4.4 Spielzeug und Wegwerfware
Die Gedankenlosigkeit und die Gefühlskälte, mit der viele Jäger die lebenden Mitgeschöpfe "Enten" zur Jagdhundeausbildung und -prüfung verwenden, lässt nur den Schluss zu, dass die Tiere als billige "Apportiergegenstände" und "Spielzeug" für die Jagdhunde gelten. Anscheinend ist sich kaum jemand seiner Verantwortung auch gegenüber diesen Tieren bewusst, Leiden und Qualen von ihnen fernzuhalten.

Statt phantasieloser, archaischer Verwendung lebender Tiere bei der Ausbildung und Prüfung von Jagdhunden sollten die Jäger endlich moderne Alternativmethoden anwenden. Die überkommenen Übungen und Prüfungen von Jagdhunden an künstlich flugunfähig gemachten Enten beweisen für deren Jagdtauglichkeit nämlich wenig. Denn hierbei geht es um geübte Verhaltensweisen an flugunfähigen, unerfahrenen Hausenten in einem kleinen Prüfungsareal und nicht um Nachsuchen im Jagdalltag.

1.4.5 Schutzmöglichkeiten nicht gewollt
Durch das Flugunfähigmachen und das Aussetzen der Ente in einem kleinen Prüfungsareal, das diese durch Wegfliegen nicht mehr verlassen kann, wird die Ente in eine hilflose und schutzlose Lage gebracht. Damit soll erreicht werden, dass sich die Ente dem ungehemmten Verfolgungs- und Hetztrieb des Hundes nicht entziehen kann, sondern erzwungenermaßen stellen muss.
Beschämend ist, dass die Jäger, die die Enten in diese Situation bringen, bei den Übungen und Prüfungen nicht alle Möglichkeiten ausschöpfen, um z.B. ein lebendes Greifen und ein damit oft verbundenes Tötwürgen der Enten zu verhindern. In seinem von DJV und JGHV am 14.07.1988 in Auftrag gegebenen Gutachten weist Dr. Peter Meile auf die Möglichkeit der Verwendung eines Gitterzaunes mit Schlupflöchern hin, um den Enten eine sichere Zufluchtsmöglichkeit zu schaffen, damit die Hunde mit ihnen nicht in Berührung kommen.


2. Tierschutzrelevante Belastungen der Enten
Leider wird vielfach übersehen, dass das Hetzen von flugunfähig gemachten Enten mit erheblichen Belastungsfolgen im Zusammenhang steht. Es gibt kaum eine andere Übungs- und Prüfungsmethode, die so intensiv auf die Psyche eines Hetzopfers einwirkt, wie diese "Entenarbeit". Es geht dabei nicht nur um mehrfache Angst- und Schockzustände, sondern auch um Leiden und oft um Zufügen von Schäden, letztlich dann sogar um Tötung der Enten. Viele der Leidens- und Angstzustände sind leider unsichtbar, manche jedoch mit objektivierbarem körperlichen Befund. 

Nicht nur im letzten Stadium ihrer Ausbildungs- oder Prüfungsverwendung müssen die Tiere leiden. Meist in Zuchtbatterien aufgezogen, werden sie nach Bestellung eingefangen, mit mehreren zusammen in Versandkisten verpackt und zu ihrem Bestimmungsort transportiert. Dort werden sie wieder in die Hand genommen und bis zur Prüfung in kleine "Gehege" oder Behältnisse umgesetzt.
Oft ist es nicht möglich, die Enten ihrer Art und ihren Bedürfnissen entsprechend verhaltensgerecht unterzubringen und angemessen zu pflegen. Am Prüfungsmorgen werden sie wieder eingefangen und zum Prüfungsgewässer transportiert. Dort werden sie oft Stunden im Transportbehältnis "aufbewahrt".

Die Prüfungsenten, oft noch im Jugendstadium, sind durch die vorausgegangenen Einwirkungen bei Fang, Versand, Haltung, Präparieren zum Prüfungseinsatz und das anschließende abrupte, isolierte Aussetzen in einer für sie völlig fremden Umgebung einer als höchst bedrohlich empfundenen Situation ausgesetzt. Für die natürlicherweise in Schoofen und kleinen Flügen gesellig lebende "Herdentiere" bedeutet dieses Aussetzen ganz alleine in fremder, unbekannter Umgebung schon deshalb intensiv empfundener Stress. Die nach dem Aussetzen häufig zu beobachtende, angestrengte Gefiederpflege ist ein bekanntes Übersprungverhalten, das als Indikator für Stress interpretiert werden kann. Unorientiert und verängstigt, muss man bei manchen Enten sogar mit Steinwürfen nachhelfen, um sie zum Flüchten zu bringen.  
Dies alles löst Stress aus, führt zu erheblich mehr Bewegungs-Maxima, verursacht höhere Herzschlagraten und führt über komplizierte psychische und physiologische Abläufe zu einer weiteren Beschränkung der Fluchtfähigkeit nicht nur infolge erhöhter Adrenalin- und Noradrenalin-Ausschüttungen.

Erlernte Hilflosigkeit
Manche Enten, die sich der Hetze nicht durch überlebenssicherndes Wegfliegen entziehen können, reagieren auf ihre wiederholt erlebte Hilflosigkeit schließlich passiv. Dies bedeutet, dass sie nicht mehr weiter vor dem Hund flüchten, sondern sich irgendwo in ihrer Todesangst drücken. Dadurch können sie vom Hund leicht gegriffen werden.
Gerade stark unterlegenen Enten werden keine Ausweichmöglichkeiten geboten. Um ein lebendes Greifen weitgehend auszuschließen, wäre z.B. das vorübergehende Anbringen eines Zaunes mit Durchschlupfmöglichkeiten denkbar. 

Konfrontationstheorie
Enten sind Distanztiere, die bei Angst und Stress wegfliegen. Der JGHV bringt bei diesem Prüfungsverfahren jedoch gezielt einen Jagdhund mit einer lebenden Ente zusammen. Damit die Ente ihr zur Feind- und Schadensvermeidung am stärksten ausgeprägtes natürliches und verhaltensgerechtes Wegfliegverhalten nicht ausüben kann, wird sie vorher (einseitig) flugunfähig gemacht. Da das Wegfliegverhalten damit nicht mehr zielführend ist, flattern die Enten zunächst unbeholfen weg (einerseits Leerlaufverhalten, weil sie ihre Flugunfähigkeit und die geänderte Gleichgewichtsverteilung noch nicht begreifen, andererseits ein Notprogramm, mit dem sie ihre Flugunfähigkeit durch gesteigerte Lokomotion auszugleichen versuchen), schwimmen weg, suchen sich zu verstecken und zu drücken oder tauchen in höchster Not ab. Die Fluchtaktivität einer Ente ist ein gutes Hilfsmittel für das Angsterkennen und für den aktuellen Leidenszustand.
 Im Prüfungsablauf  ist die Sichthetze gewollt, das (Beinahe-)Greifen der lebenden Ente durch den Jagdhund wird als besondere Leistung gewertet. Das jederzeit mögliche lebende Greifen der Prüfungsenten durch die auf sie angesetzten Jagdhunde ist damit kein sogenanntes typisches Restrisiko, das aufgrund praktischer Vernunft ausgeschlossen scheint. Bei dieser freien Arbeit hinter der flugunfähig gemachten Prüfungsente, ohne jede Schutzeinrichtung, liegt ein lebendes Greifen der Prüfungsenten vielmehr nahe und ist real. Selbst Zeitbeschränkungen können die Wahrscheinlichkeit des lebenden Greifens nicht auf Null minimieren. Zu berücksichtigen ist dabei auch, dass die Prüfungsenten von ihrer Aufzucht, Flügel-Bemuskelung und körperlichen Fitness her gar nicht auf solche Hetzen eingestellt sind.

Unter den Überschriften "Vom Musterprozess in Niedersachsen" und "Wer die Hosen voll hat, kann nicht kämpfen! -oder: Wer sich nicht wehrt, der lebt verkehrt!" berichtet der Angeklagte Klaus-Dieter S. im JGHV-Organ "Der Jagdgebrauchshund", Heft 8/1992 S. 5:
"Diese Prüfung wurde mit der lebenden Ente durchgeführt. Prüfungsgelände und -gewässer wurden nicht beanstandet. Der 2. geprüfte Hund brachte die Ente lebend. Sie wurde vom Führer sofort abgenommen und waidgerecht getötet. Der 4. Hund brachte ebenfalls eine Ente lebend."
Anlässlich dieser VGP brachten also von nur 8 durchgeprüften Hunden 2 die ausgesetzten künstlich geflügelten Enten lebend. Es ist im Sinne des Tierschutzes ein Glück, dass hier nicht mehr Jagdhunde zur Durchprüfung anstanden.

Im Gegensatz zu den oft noch an den Prüfungsteichen gezielt eingearbeiteten Hunden trifft die Situation die Prüfungsenten völlig unvorbereitet, eine Adaptionszeit am Prüfungsgewässer wird ihnen nicht zugestanden. Je nach Grad ihrer Unbedarftheit sowie ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit und Gewandtheit können diese künstlich hergerichteten Tierkrüppel den gut vorbereiteten Hunden mehr oder weniger gut entkommen. Ein Teil wird nach wie vor lebend gegriffen, der größte Teil wird vor den Hunden totgeschossen. So gut wie keine der Prüfungsenten verlässt das Prüfungsgewässer lebend.

2.1 Jägerische Geisterhaltung
Für Rechtsanwalt Gerhard Delhougne, DJV-Jagdhundereferent, ist eine Übungsente mit zusammengebundenen Schwingen dem hinterherhetzenden Hund allemal fluchtmäßig überlegen. In der Jäger eigenen Sprach- und Denkkultur meinte er auf der JGHV-Hauptversammlung 1998 in Fulda weiter, genauso gut könne man verbieten, einen Igel auf einen Hasen zu hetzen. Manche Geisteshaltung wird eben erst aus den Worten verständlich!

2.2 Jägerische Feigenblatt-Theorie
Jäger weisen gerne zur Bagatellisierung ihres Tuns auf den Existenzkampf der Tiere in freier Natur hin. Dieser Vergleich hinkt jedoch gewaltig und verniedlicht nur die Vorgänge rund um das JGHV-Prüfungsfach. 

Käfigeffekt: Wegfliegen unmöglich
Wildenten beobachten genau ihre Umgebung. Kommen ihnen Bodenfeinde zu nahe, löst dies sofort den normalen Fluchtreflex aus und sie fliegen weg. Diese fundamentale Fluchtreaktion des Wegfliegens schließen die Jäger bei den Übungs- und Prüfungsenten aus, indem sie sie künstlich flugunfähig machen. Damit sind die Enten den Jägern (und den Hunden) in dem räumlich beengten Prüfungsgewässer zu 100 % ausgeliefert. Keine Ente kann sich die Übung oder Prüfung, den Hund, das Gewässer oder den Umgang mit ihr aussuchen, keine kann die Umgebung vorher erkunden. Sie wird regelrecht vergewaltigt und kaputtgemacht.
Hinzu kommt, dass die Schwimmspuren von Zuchtenten leicht auszuarbeiten sind, da diese Enten durch ihre Massenaufzucht, ihre Aufbewahrung in engen Behältnissen sowie durch die Verschmutzung des Federkleides mit Kot pp. eine besonders intensive Witterung für den Jagdhund abgeben. 

 


3. Einschlägige Rechtsprechung
Eine umfangreiche Rechtsprechungs-Übersicht kann separat angefordert werden

3.1 Verwaltungsgerichtsurteile
Verwaltungsgerichte befassen sich mit Angelegenheiten der öffentlichen Verwaltung, so auch mit den präventiven behördlichen Verboten der Entenverwendung.

Nach dem Urteil des Hessischen Verwaltungsgerichtshofes vom 06.11.1996, Az. 11 TG 4486/96, stellten das Oberverwaltungsgericht Schleswig am 17.03.1998, Az. 4 L 219/94, und das OVG Rheinland-Pfalz am 20.03.2001, Az. 12 A 11997/00.OVG, fest, Ausbildung und Prüfung von Jagdhunden an flugunfähig gemachten Enten sind tierschutzwidrig.

Der aus Tierschutzsicht völlig abwegigen und nicht auszurottenden Jägerauffassung, zur Ausbildung und Prüfung von Jagdhunden sei das Quälen und Töten von Übungstieren weidgerecht, trat damit erneut ein Obergericht entgegen. Es entschied, dass die tierverachtende Jägerideologie, lebende Tiere als Übungsobjekte für Jagdhunde zu verwenden, eben nicht weidgerecht ist. Die von den Jägern gerne ins Feld geführte Rechtfertigung, die Jagdhundeausbildung an lebenden Tieren knüpfe an die späteren Nachsuchen angeschossener Wildenten und sei damit voneinander abhängige Notwendigkeit, wurde nicht gefolgt.

Die Auffassung des OVG Schleswig ist rechtlich und sachlich logisch. Von der Argumentation her wäre es geradezu absurd, Tierschutz durch Tierquälerei zu betreiben, also unter dem Deckmantel des Tierschutzes Übungstiere gewollt zu quälen und zu töten, nur um in ferner Zukunft mit solcherart vorsorglich ausgebildeten Jagdhunden möglicherweise Leiden angeschossener Wildenten durch Nachsuche abzukürzen. Diese Koppelung stellt Tierschutzgedanken und Leidensvermeidungspflicht des § 1 TierSchG völlig auf den Kopf. Einerseits kommt damit nur zum Ausdruck, dass die Jäger den Nicht-Wildtieren keinen ethischen und fürsorgerischen Wert zugestehen, Übungstiere für sie also nur Mittel zum Zweck sind, andererseits erhöht man damit nur die Zahl gequälter und getöteter Mitgeschöpfe. Im übrigen haben die Jäger ausreichende Ersatz- und Alternativmethoden zur Hand.

Trotz laufendem Revisionsverfahren zu dem Urteil des OVG Schleswig beim Bundesverwaltungsgericht, Az. 3 C 18.98, entschied das OVG Münster, Az. 20 A 592/96, am 30.07.1998 in ähnlicher Sache und hob das Urteil des VG Düsseldorf auf. Es bewertete ein Prüfungsverbot als unzulässig; Revision wurde nicht zugelassen. Flugs, und ohne Beschwerde gegen das Urteil einzulegen, erlaubte letztlich das Jagd- und Umweltministerium wieder das Üben und Prüfen von Jagdhunden an lebenden Enten.

Am 03.11.1998 verwarf das Bundesverwaltungsgericht die Revision der klagenden Jäger gegen das Urteil des OVG Schleswig aus formellen Gründen (verspätet eingegangene Revisionsbegründung). Damit hat zwar Berlin entschieden, und das Verbot ist in Schleswig-Holstein rechtswirksam, die Rechtsfrage ist indes bundesweit immer noch nicht eindeutig entschieden.

3.2 Strafgerichtsurteile
Strafgerichte befassen sich mit Straftaten und Ordnungswidrigkeiten und regeln die Durchsetzung des staatlichen Strafanspruchs.

Das OLG Celle, Az. 2 Ss 147/93(115/94), bestätigte am 12.10.1993 das Urteil des AG Stolzenau und damit den Freispruch von Jägern vom Vorwurf der Tierquälerei.

Bemerkenswert zu dem Verfahren vor dem AG Stolzenau ist die Auswahl der Gutachter. Es sprechen Gründe für eine einseitige Beweisaufnahme, wenn das Gericht neben dem vom Angeklagten benannten Partei- oder Privatgutachter, dem langjährigen JGHV-Präsidenten Heinrich Uhde, mit Prof. Dr. Dr. Paul Müller einen weiteren Jagdfunktionär und klaren Befürworter als Gerichtsgutachter bestimmt hat. Der für sich sprechende Hinweis des OLG Celle, man habe nicht zu beurteilen, ob sich nicht bei Auswahl eines anderen Sachverständigen eine andere Beurteilung ergeben hätte, bringt es zwar auf den Punkt, ohne jedoch die zwingenden juristischen Konsequenzen zu ziehen.

Patentrezept:
Die unterschiedlichen Gerichtsurteile machen die Notwendigkeit einer klareren Verbotsregelung im Tierschutzgesetz durch den Gesetzgeber deutlich.

 


4. Aus den Ländern

4.1 Bestehende Verbote
Die Ausbildung und Prüfung von Jagdhunden an künstlich flugunfähig gemachten Enten ist derzeit in Hessen, Berlin, Bremen, Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz verboten. In Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen bestehen Sondervereinbarungen.
Im europäischen Ausland ist das JGHV-Verfahren an lebenden Enten überwiegend verboten.

4.1.1 Sondervereinbarungen mit Eigenkontrollsystem
Unter dem Eindruck zahlreicher für sie ungünstiger Gerichtsurteile sehen die Jäger in den Sondervereinbarungen eine Möglichkeit, die an sich tierquälerische Ausbildung und Prüfung von Jagdhunden an lebenden Enten auf Jahre hinaus ungehindert weiter zu betreiben.
Diese Sondervereinbarungen stellen in der Jagdpraxis aus Tierschutzsicht keine Verbesserung dar, denn sie ersetzen nicht die Verwendung lebender Enten, sondern sie verringern nur die Anzahl der eingesetzten Enten und reduzieren deren Belastungsdauer, schmälern nicht jedoch die erheblichen Leiden und Schmerzen der verwendeten Enten. Die Vereinbarungen, mit Eigenkontrollsystem konzipiert, sind zudem kaum überwachbar und die Weiterlauffrist bewirkt ebenfalls keine im Sinne des Tierschutzes positive Veränderung.
Kritisch zu bewerten ist die freiwillige Selbstkontrolle der Jäger auch deswegen, weil zu Übungen und Prüfungen nur sehr selten Außenstehende zugelassen werden und damit eine öffentliche Kontrolle kaum gewährleistet ist.

Vereinbarungen statt Rechtsverordnungen ?
Mit "freiwilligen" vertraglichen Vereinbarungen wollen Jagd- und Jagdhundeverbände vor allem für jedermann geltende Rechtsverordnungen verhindern oder entbehrlich machen, die auch gegen den Willen Uneinsichtiger durchgesetzt werden könnten. Bindend sind die Vereinbarungen nur für die Vertragspartner. In der Praxis können zumeist aber kaum die gesamten Mitglieder eines Verbandes davon überzeugt werden, die Regelungen auch einzuhalten. Gegenüber Nichtmitgliedern entfalten solche Regelungen keine oder kaum Wirkung und sind faktisch unverbindlich. Realistisch sind solche Vereinbarungen in der Praxis nur bei wenigen Vertragsmitgliedern, die auch bereit sind, freiwillig die Vereinbarungen einzuhalten.
Während die Verletzungen der Vorschriften einer Verordnung mit einem Bußgeld geahndet werden können, bleibt eine Vertragsverletzung meist folgenlos.  

4.2 LJV Bayern startete 1999 einen Ideen-Wettbewerb
Der Landesjagdverband Bayern e.V., und nicht der Jagdgebrauchshund-Verband e.V.,  startete einen bundesweiten Ideenwettbewerb für Alternativ-Methoden zur "Prüfung von Jagdhunden hinter der lebenden Ente". Einsendeschluss war der 31.03.1999!

Für den Jagdgebrauchshundverband e.V. bestand die Gefahr, dass der Ideen-Wettbewerb zu Ergebnissen führt, die die lebende Ente entbehrlich machen. Eingeweihte wissen jedoch, wie man zu genehmen Entscheidungen kommt, je nachdem, welches Ergebnis man haben will. Da Tierschützer bei einer freien Diskussion der Vorschläge nur stören, benannte man zu Mitgliedern der Jury die Herren Dr. Baumer, Putz, Piening, Reiner, Urbach, Mittel und von Freyberg. Nach Prüfung der eingegangenen Vorschläge war es angeblich nicht möglich, einen Preis zu vergeben. Keine der gebotenen Alternativen habe einen vollen Ersatz der lebenden Ente geboten. Die eingegangenen Vorschläge wurden natürlich nicht veröffentlicht.

Damit schließt sich der Kreis des Ideen-Wettbewerbs. Von einer tierschutzgerechten Lösung ist man weit entfernt und die Jagdhundefanatiker freuen sich, weiter verkünden zu können, Alternativmethoden gäbe es nicht.
(08.1999)


5. Jägerstimmen
Hanstheo L., Tholey, schreibt dazu in "Jäger", Heft 10/1998:
"Ich würde keinesfalls einen Hund an der lebenden Ente ausbilden. Dass es auch anders geht, kann ich beweisen. Ausbildung von Hunden an lebenden Enten ist weder für die Jagd und schon gar nicht für die Zucht notwendig. Sie ist Tierquälerei überlebter Art."

In dem Beitrag "Die Sache mit der Ente ... ist bald keine mehr!", Heft 5/1992, S. 18 des "Schweizer Jäger", bewertet Ernst Mühlethaler vom im JGHV assoziierten Schweizerischen Vorstehhund-Club die Entwicklung in Deutschland wie folgt:
"Man kann die Sache drehen wie man will, unsere dürftigen Argumente für die angeblich zwingende Notwendigkeit der Arbeit hinter der lebenden Ente schleckt uns kein Hund weg, geschweige denn ein nur einigermaßen kritisch und intelligent denkender Mensch! ...

Die ständige Suche nach Schlupflöchern, um eine klare Position zu umgehen -ob aus Bequemlichkeit oder aus Mangel an akzeptierbaren Argumenten- ist nichts anderes als unbeholfene Augenwischerei. Unsere Unfähigkeit und der fehlende Wille zur Problemlösung finden wir bis an die Spitzen des VDD -dessen Mitläufer wir leider immer noch sind. ...

Die immer wiederkehrende Argumentation, es sei humaner und ethisch durchaus vertretbar, für die Einübung und Prüfung junger Hunde 2-3(?) gesunde Enten zu opfern, damit der Hund im Ernstfall eine krankgeschossene Ente finden und "tierschutzgerecht" zu apportieren vermag, ist nur ein Beispiel unserer Weisheit. ...

Wen wundert es bei einer solch hahnebüchernen, schwachsinnigen Begründung des Tierschutzgedankens, dass viele normal denkende Menschen unseren Ideen sehr kritisch gegenüberstehen. Als Jäger und aktiver Tierschützer ermuntere ich die Befürworter der Lehrmethode mit lebenden, gesunden Wildtieren, sich selbst einem jungen Arzt zu Übungszwecken zur Verfügung zu stellen, damit dieser für eine künftige Operation an kranken Menschen praktische Erfahrung sammeln kann! Dieser Vergleich entstammt notabene nicht etwa einem kranken Hirn, sondern ist die Antwort eines Arztes und Ethikers, die ich im Zusammenhang mit einer Diskussion über den umstrittenen Problemkreis bekommen habe.



6. Sonstiges

6.1 Übungen und Prüfungen Geheimsache
Wer sich als Nicht-Jäger, Tierschützer oder gar als Journalist selbst ein Bild zu diesem Thema machen will, erfährt schnell die ablehnende Haltung der Jäger. Zuschauer oder Medien werden von den Jägern zu den Übungen und Prüfungen von Jagdhunden an lebenden Enten natürlich nicht zugelassen! 
Auch die entsprechenden Termine werden gegenüber  Außenstehenden geheimgehalten -nicht nur wegen militanter Tierschützer, wie gerne behauptet wird!
Insider sind dagegen gern gesehene Gäste.

6.2 Jagdkultur der Tierquälerei
Eigentlich gilt Tierschutz jederzeit und für jedes Tier. Ungleichbehandlung ist bei Jägern jedoch üblich.
Was man mit an "lebenden Enten" ausgebildeten und geprüften Jagdhunden erreichen will, nämlich die Leiden und Schmerzen angeschossener Wildenten zu verkürzen, erzeugt man absichtlich bei den Übungsenten. Deutlich muss daher hervorgehoben werden, dass es sich um Tierquälerei handelt und nicht um Tierschutz!

6.3 Auftragsgutachten bleibt unter Verschluss
Empörend ist, dass das von JGHV und DJV bei Dr. Peter Meile in Auftrag gegebene Gutachten nur auszugsweise offengelegt wird. Grund dafür könnte sein, dass in dem Gutachten Fehler und Mängel des JGHV-Prüfungsverfahrens aufgedeckt werden. Weiterhin führt diese fehlende Transparenz dazu, dass das Gutachten nicht ausreichend überprüfbar ist.

6.4 Einseitige Gutachter
Ein Sachverständiger muss noch lange nicht sachverständig und vor allem nicht unabhängig und glaubwürdig sein. Selbst die Auswahl von Prozessgutachtern kann empörend sein.

Misstrauen gegen Unparteilichkeit und eine zu befürchtende Voreingenommenheit treten leicht auf, wenn Sachverständige als Funktionäre in Vereinen tätig sind, die klare, einseitige (Rechts-)Positionen vertreten. In dem Verfahren vor dem AG Stolzenau wurden ausschließlich  JGHV- und DJV-Funktionäre als Sachverständige beigezogen, von denen jeder wusste, dass sie eindeutige Befürworter des Prüfungsfaches an der lebenden Ente sind:
Heinrich Uhde:
Jahrgang 1937, Amtsgerichtsrat, Präsident des JGHV von 1971 - 1986, ab 1986 Ehrenpräsident des JGHV; Vorsitzender des JGHV-Prüfungsvereins "Jagdgebrauchshundverein Braunschweig e.V.".
Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Paul Müller:
Jahrgang 1940, Leiter des Biogeographischen Institutes im Zentrum für Umweltforschung der Universität des Saarlandes; stellv. Landesjägermeister des Saarlandes seit 1988, Mitglied des DJV-Ausschusses "Wildtier und Umwelt" und des DJV-Schalenwildausschusses; Mitglied in der AINC(= Aktion Interregionale Nature et Chasse). Auf ihrer Sitzung am 19.02.1993 kamen die Funktionäre der Jagdverbände der AINC von Rheinland-Pfalz, Saarland, Lothringen und Luxemburg zu der Auffassung, dass zur Prüfung brauchbarer Jagdhunde die Arbeit hinter lebenden Enten zwingend notwendig sei.
Wenn das Gericht neben dem vom Angeklagten benannten Parteigutachter Heinrich Uhde mit Prof. Dr. Dr. Paul Müller einen weiteren klaren Befürworter als Gerichtsgutachter bestimmt hat, so gleicht es einer beweisverzerrenden Einseitigkeit. Der für sich sprechende Hinweis des OLG Celle, man habe nicht zu beurteilen, ob sich nicht bei Auswahl eines anderen Sachverständigen eine andere Beurteilung ergeben hätte, bringt es zwar auf den Punkt, ohne jedoch die zwingenden juristischen Konsequenzen zu ziehen.

6.5 Kriegsplan "Ente"
Die Angst der Jäger vor dem "Domino-Effekt" im juristischen Streit um die "lebende Ente" ist allgegenwärtig. Man sieht die Ablehnung dieser JGHV-Methode durch die Tierschützer nur als Ouvertüre hin zu einem Verbot aller Prüfungen an lebenden Tieren. Fiele die "lebende Ente" durch ein Grundsatzurteil, könnten juristische Kettenreaktionen die Folge sein! Aus diesem Grunde koordiniert man taktische Abwehr- und Prozess-Strategien:
      1. Abstreiten des Problems
      2. Vorlegen eines Beleg-Gutachtens
(Jäger- oder Parteigutachten)
      3. Einsetzen einer Arbeitsgruppe.

 
6.6 Schlupfloch Ausland
Leider ist auch bei Prüfungen von Jagdhunden an lebenden Tieren nicht das Tierschutzgesetz des Landes maßgebend, in dem der Hundehalter zum Zeitpunkt der Prüfung seinen Wohnsitz hat, sondern das des Landes, in dem die Prüfung absolviert wird. Dies führt zu "Prüfungstourismus" in die Länder, in denen Ausbildung und Prüfung von Jagdhunden an lebenden Enten noch erlaubt sind oder nicht so streng gesehen wird. So bringen Jagdhundebesitzer ihre Hunde kurzzeitig über die Grenze und lassen sie in einem anderen Bundesland oder im nahen Ausland an lebenden Enten prüfen. Da sich nichts an den Besitzverhältnissen ändert, geht es den Beteiligten offensichtlich nur um die Aushebelung des Tierschutzgesetzes.
 
6.7 FCI erkennt deutsche Jagdhundeprüfungen an
Die Féderation Cynologique International (FCI), 1911 gegründet und mit Sitz in Brüssel, ist ein nichtstaatlicher Zusammenschluss kynologischer Organisationen der ganzen Welt. Landesvertretung in Deutschland ist der Verband für das Deutsche Hundewesen e.V. (VDH).
1999 hat die FCI erstmals Rahmenbedingungen für Jagdhundeprüfungen aufgestellt. Mit Unterstützung des VDH wurden die deutschen Jagdhundeprüfungsordnungen in das FCI-Prüfungsspektrum aufgenommen, darunter auch Prüfungen an lebenden Enten.
Rechtliche Auswirkungen hat dies allerdings kaum, allenfalls psychologische.


7. Alternativmethoden
Immer noch glauben viele Nichtjäger, dass ein Verbot der "lebende Ente" zu einem völligen Wegfall der Ausbildungs- und Prüfungsmöglichkeiten der Jagdhunde für die Wasserwildjagd führen und deren Jagdtauglichkeit gravierend beeinträchtigen würde. Diese vor allem durch Äußerungen von JGHV-Vertretern genährten  Schlussfolgerungen/Hypothesen sind falsch. Ein Verbot des "konventionellen JGHV-Prüfungsfachs an der lebenden Ente" würde lediglich zu einem reduzierten Prüfungsverfahren "Wasser" führen; Qualität von Ausbildung und Prüfung blieben auf annähernd gleich hohem Niveau. Einschlägige Erfahrungen im In- und Ausland können als Beleg dafür gewertet werden.

7.1 JGHV-Fächergruppe "Wasser"
Wir möchten ausdrücklich anführen, dass der JGHV –auch bei völligem Verbot der Prüfung von Jagdhunden an künstlich flugunfähig gemachten Enten, eine Reihe von anderen Wasserprüfungsfächern hat. So enthält die JGHV-Prüfungsfachgruppe Wasser bei der Verbands-Gebrauchsprüfung z.B. folgende Fächer:
1.  Stöbern ohne Ente im deckungsreichen Gewässer
2.  Verlorensuche ohne Enten im deckungsreichen Gewässer
3.   Stöbern mit Ente im deckungsreichen Gewässer
4.   Bringen einer toten Ente.

7.2 Hervorragende Alternativen
Seit Bestehen des JGHV-Prüfungsfaches an der "lebenden Ente" war diese Methode nie alternativlos. So gab und gibt es eine Reihe jagdpraktisch hervorragender Alternativen (treffender als Ersatzmethoden zu bezeichnen), bei denen die "Lebendobjekte" durch tote Enten ersetzt werden. Welche Alternativen es konkret gibt, wollen wir hier aufzeigen:

7.2.1. JGHV-Alternativmethoden
Kaum bekannt ist, dass der JGHV seine Jagdhunde bereits seit Jahren schon nach eigenen Alternativmethoden prüfte, indes sich aber vehement gegen ein Verbot der lebenden Ente wehrt.
Die JGHV-Alternativmethoden werden verschleiernd als „Notlösungen“ bezeichnet.

JGHV-Notlösung
Wurde am 20.03.1994 in Künzell beschlossen. Prüfungen können hiernach ohne Verwendung lebender Enten absolviert werden, erhalten jedoch den Zusatz „o.l.E.“ (= ohne lebende Ente bestanden).

VBRE-Modell des DK-Verbandes
Am 01.09.1994 hat der Deutsch-Kurzhaar-Verband e.V. (Mitgliedsverband des JGHV) beschlossen, Prüfungen auch ohne Verwendung lebender Enten anzuerkennen. Als davon unabhängiger Nachweis der Brauchbarkeit von Jagdhunden für die Wasserwildjagd wurde die Ergänzungsprüfung „Verlorenbringerarbeit hinter der Ente“ geschaffen. Dieser Nachweis darf nur während der normalen Jagdausübung erbracht werden und nur erst dann, wenn der Jagdhund bereits eine Prüfung mit Wasserarbeit ohne lebende Enten absolviert hat. Der DK-Verband nutzt dabei die Informationsquelle "tatsächliche Jagdleistung" im Jagdbetrieb.

Interimslösung Wasser
Der Kurzhaarklub Artland/Emsland konzipierte 1994, vorgeblich in der Übergangszeit bis zur Aufhebung der Verbote der Arbeit hinter lebenden Enten, eine „Interimslösung Wasser“. Jagdhunde werden hierbei im Rahmen tatsächlich anfallender Nachsuchen nach Entenjagden auf ihre Tauglichkeit hin bewertet. Auch diese Jagdhunde sind vorher bereits ohne lebende Enten ausgebildet worden.

7.2.2 Gesetzliche Brauchbarkeitsprüfungen
Die gesetzlichen Brauchbarkeitsprüfungen kommen seit ihrem Bestehen im Jahre 1934(also in der NS-Zeit, in der Tierschutz noch nicht besonders ausgeprägt war), ohne Verwendung lebender Enten aus. Der Gesetzgeber hat damit den Vorrang der Ausbildung und Prüfung von Jagdhunden an toten Tieren deutlich gemacht. Die so ausgebildeten und geprüften Jagdhunde haben sich später bei Nachsuchen im Jagdbetrieb bewährt.

Grundlagen der gesetzlichen Brauchbarkeitsprüfungen sind zumeist praktische, jagdnahe Übungseinheiten außerhalb des Jagdbetriebes im Rahmen von Hundeführerlehrgängen. Nach Beendigung der Übungseinheiten wird zumeist die Brauchbarkeitsprüfung absolviert. Erst nach Bestehen der gesetzlichen Brauchbarkeitsprüfung dürfen die Hundeführer ihren Jagdhund im Real-Jagdbetrieb zu den Aufgaben verwenden, für die brauchbare Jagdhunde vorgeschrieben sind. Bei dieser Einarbeitung im Jagdbetrieb müssen die Hundeführer selbstverständlich darauf achten, dass z.B. Nachsuchen dem Leistungsstand des Hundes angepasst sind, um die tierschutzrelevanten Risiken und Belastungen für die nachzusuchenden Tiere so gering wie möglich zu halten. Unter Umständen ist ein erfahrener Jagdhund bereit zu halten.  

7.2.3 Staatliche Alternativmodelle
Das Bundesland Nordrhein-Westfalen konzipierte am 09.12.1991 in einer Arbeitsgruppe (mit jagdkynologischen Fachleuten des Landesjagdverbandes zusammen) eine NRW-Alternativmethode und verbot danach die Prüfung an lebenden Enten. Die zweistufige NRW-Alternativmethode wurde leider faktisch durch das Urteil des OVG Münster vom 30.07.1998 ausgehebelt. Damit kann der JGHV in NRW seine Hunde –leider- wieder an lebenden Enten prüfen.

7.2.4 Ausland
Z.B. in den Niederlanden oder in der Schweiz ist die Ausbildung und Prüfung von Jagdhunden an lebenden Enten seit vielen Jahren verboten, obwohl auch hier Entenjagden nach wie vor stattfinden.

In den Niederlanden werden die Jagdhunde z.B. an künstlichen Wasser-Land-Schleppen (mit toten Enten gelegt) sowie an Stöberarbeiten an im dichten Schilf ausgelegten bzw. ausgeworfen toten Enten ausgebildet. Diese Verfahren ohne lebende Enten haben sich bewährt.

Am 15.10.1999 eröffnete der Obersteirische Jagdgebrauchshundeklub in Schörgendorf, in der Nähe von Bruck/Mur, eine neuzeitliche Jagdgebrauchshunde-Ausbildungsstätte. Auf so manche überkommene Ausbildungspraktik wurde dabei bewusst verzichtet. So werden keine gezüchteten Enten eingesetzt und bei der Bauarbeit setzt man einen Schwerpunkt auf das Ziehen des erlegten Fuchses aus dem Bau. Selbst rüde Umgangsformen der Hundeführer mit dem Hund werden hier nicht geduldet.

7.3 Versuchsreihen und Evaluation abgelehnt
Die gebetsmühlenhaft vorgetragene Behauptung von JGHV und DJV, die "lebende Ente" sei für die Brauchbarkeit von Jagdhunden unverzichtbar, entbehrt jeder Begründung. Man setzt bei den Jagdverbänden anscheinend darauf, dass durch ständige Wiederholung die nicht bewiesene Behauptung allmählich zur anerkannten Wahrheit avanciert und keines Beweises mehr bedarf.
Logisch wäre es eigentlich, wenn JGHV und DJV mehrjährige Versuchsreihen mit entsprechenden Jagdhundewürfen starten würden, um zu klären, ob das "reduzierte Prüfungsverfahren ohne lebende Ente" dem "konventionellen JGHV-Verfahren mit lebender Ente" ebenbürtig ist. In "fairem, wissenschaftlich begleitetem Wettstreit" könnten sich die unterschiedlich ausgebildeten Nachzuchten einer Hündin miteinander messen und die Qualität unterschiedlicher Ausbildungsmethoden dokumentieren.
Eine solche externe Evaluation, also die Überprüfung der JGHV-Methode durch JGHV- und DJV-unabhängige Experten, ist leider nicht in Sicht.

7.4 Wissenschaftliche Untersuchungen über Stress und Leiden der Enten fehlen
Bisher wurde noch nicht untersucht, welchem Stress und welchem Leiden die Enten ausgesetzt sind. Ethologen könnten anhand von kontinuierlichen Videoaufzeichnungen mehrerer Prüfungen die Verhaltensreaktionen der Enten bewerten, Tiermediziner und Biologen den Stress und die Leiden der Enten anhand von mittels Transmitter festgestellter Herzschlagraten und chemischer Stressreaktionen (Hypophysen-Nebennierenrinden-Aktivität, Katecholamin erzeugende Enzyme, Corticosteron- und Testosteron-Ausschüttung) belegen.
Die Stresshormone führen nicht nur zu körperlichen Belastungen, sondern auch zu ethologischen Stressreaktionen, indem sie das Fluchtverhalten beeinflussen (Einengung der Aufmerksamkeit und der Entscheidungsgeschwindigkeit, die Fehlerhäufigkeit wird gesteigert und das Erinnerungsvermögen beeinträchtigt). 

7.5 Ersatzmethoden stärker staatlich fördern
Bundes- und Landesgesetzgeber sollten die Entwicklung und Anwendung von alternativen Prüfungsverfahren deutlich stärker fördern, als das bisher der Fall ist. Hierzu gehört, gesetzliche Brauchbarkeitsprüfungen für die Jäger noch attraktiver zu machen und dabei auch Jagdhunde ohne vom JGHV anerkannte Zuchtpapiere zuzulassen.

Behördlicherseits sollten Prüfungsfächer an künstlich flugunfähig gemachten Enten nicht zum Nachweis der gesetzlichen Brauchbarkeit akzeptiert werden.

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