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Staatliche Landesbildstelle Nordbayern |
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MEDIENZEIT aktuell 1_99 |
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Spielfilm
im Unterricht
Homo Faber
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Barbara Mörig Referentin für Medienpädagogik an der Staatlichen Landesbildstelle Südbayern |
Inhalt:
Walter
Faber ist ein Mann um die Fünfzig, ein erfolgreicher Ingenieur
der im Auftrag der UNESCO rund um die Welt reist. Auf dem Rückweg
von Venezuela muss seine Maschine in der mexikanischen Sierra Madre
notlanden. Gestrandet in der Wüste erkennt er in einem
Mitpassagier den Bruder eines verschollenen Freundes: Joachim Hencke,
den er zuletzt kurz vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs in Zürich
gesehen hatte. Wie Hanna, seine Jugendliebe, die er verließ,
weil sein Beruf ihm wichtiger war. Hanna war schwanger, Joachim
wollte ihr helfen, das Kind abzutreiben. Jetzt erfährt Faber,
dass Joachim und Hanna damals heirateten. Die beiden haben eine
Tochter, sind inzwischen aber geschieden. Joachim lebt auf einer
Tabakplantage in Südamerika. Was aus Hanna geworden ist, weiß
Joachims Bruder nicht: Hanna ist Jüdin, die Nazis werden sie
ermordet haben. Faber muss erst in zehn Tagen zu einer Konferenz in
Paris sein.
Spontan beschließt er, den Freund zu besuchen.
Doch er kommt zu spät: Joachim hat sich erhängt. Zurück
in New York kann Faber nicht mehr weiterleben wie bisher. Er trennt
sich von Ivy, seiner Geliebten, und bucht eine Überfahrt auf
einem Transatlantik-Dampfer. Auf dem Schiff lernt er die junge Sabeth
kennen, die ihn an Hanna erinnert. Die Erscheinung des Mädchens
verwirrt ihn, und sie zieht ihn zugleich an. In Le Havre angekommen,
verabschiedet er sich von Sabeth. Er kann sie jedoch nicht vergessen.
Er sucht und findet sie im Louvre und beschließt, Sabeth auf
ihrer Fahrt nach Athen zu begleiten, wo ihre Mutter lebt. In
Südfrankreich werden Sabeth und er ein Liebespaar. Doch mit
jedem Reisetag nähert sich Faber auch seinem Schicksal. Als er
hört, dass Sabeths Mutter die Ex-Frau Joachims ist, seine Hanna,
verdichtet sich sein Verdacht. In Griechenland, der Wiege der
abendländischen Kultur, holt die Vergangenheit Walter Faber
endgültig ein. Von einer Schlange gebissen, verletzt sich Sabeth
tödlich. An ihrem Krankenbett trifft Faber Hanna wieder - und
erhält die Gewissheit, dass er Sabeths Vater ist.
Kommentar:
"[...]
Mit formbewusster Kontrolle der filmischen Mittel hat Schlöndorff
für die Glaubwürdigkeit spannungserzeugender
Handlungsmomente sowohl die 50er-Jahre als auch die griechische
Mythologie als wichtigen Hintergrund der Erkenntnistragödie
unangetastet gelassen, die Max Frisch in dramaturgischer Anlehnung an
die "Oedipus"-Tragödie des Sophokles geschaffen hat
[...]. Günther Bastian in Film-Dienst Nr. 5/1991
Unterrichtlicher
Bezug:
Deutsch: Literaturverfilmung,
Ethik, Religion:
Weltbild, Gesellschaft, Liebe
Anregungen zur pädagogischen
Arbeit:
In der Jahrgangsstufe 9 haben die Schülerinnen
und Schüler oft wenig Bezug zum Lesen von Literatur. Mit diesem
Film kann eine Hinführung und Einstimmung zum Lesen erfolgen.
Ein Vergleich des Films mit dem Roman schließt sich daran an.
Dazu einige Auswertungsmöglichkeiten,
vorgeschlagen von Prof. Dr. Karl Stocker:
Die Erörterung der Lebensfrage: Willenstragödie oder Schicksalstragödie? (Gilt für den Roman wie für den Film)
Wie weit ist einem "technischen", rationalen Weltbild zu trauen und wo liegen die Grenzen?
Die Aufgaben des Films waren die Verbindung von Aktionsteilen (Episoden, Schauplätze) und den Reflexionspassagen über (Mit)Bestimmbarkeit, Rolle des Zufalls, Fremdbestimmtheit und Fügung.
Die Frage nach einem offenen oder geschlossenen Buch- oder Filmkunstwerk: Eigentlich ist die Lebensthese (Machbarkeit, Technik-Euphorie, Planungskompetenz) am Leben gescheitert.
Traumepisoden (Weichzeichner), Rückblenden (Vorspann, Schwarz-Weiß-Tönung), Schauplatzwechsel verdichten Buch und Film (Wechsel von filmischen Mitteln und Erzählstrategien).
Im Film gut herausgebracht: Anknüpfungen an das antike Erbe (Kopftorso der Plastik, abgehandeltes Ödipus-Motiv, Hannas Scherbenarbeit).
Kann man Fügung und Schicksal durch Berechnung ersetzen? Homo Faber, der Mensch als Arbeiter. Im Gegensatz dazu das Mädchen als Trägerin von Poesie, Traum und Fantasie. Nach Faber ist alles, Natur und Schicksal berechenbar. Bis die Liebe in sein Leben einbricht und keine Berechnung mehr möglich ist.
Die Kontrastfiguren: Sabeth verkörpert das Musische, Romantische, Mystische, Gefühlsmäßige; Homo Faber ist lebensgewandt, lebenserfahren, aber nicht bindungsfähig; der Skeptiker vertraut den Formeln, Statistiken, Erkenntnissen, Forschungsergebnissen und Zahlen.
Typisierung des "Faber" als Arbeitsmenschen: nüchtern, wenig redselig, in sich verkrampft, wenig kommunikativ, zu keinen Gefühlen fähig.
Ein Film über einen modernen Nomaden des Jetset, dabei Versuch einer filmischen Umsetzung des hier gegebenen "maskulinen Sachstils" beim Autor Max Frisch.
Beide mediale Formen (Buch und Film) geben Einsicht in die Problematik des modernen Menschen: Können Fügung und Schicksal ersetzt werden durch Wahrscheinlichkeitsrechnung?
Bestellmöglichkeiten:
Weitere Informationen im Internet:
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Volker
Schlöndorff zum 60. Geburtstag |
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Bericht über die Begegnungen Volker Schlöndorffs mit den Literaten, deren Stoffe er verfilmte (aus: Die Welt vom 07.05.1999) |
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Porträt Volker Schöndorffs im Berliner Tagesspiegel vom 07.12.1997 |
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Schülerreferat: Textinterpretation von Max Frischs "Homo Faber" |
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Fundstelle des Artikels Frischs und Schlöndorffs "Homo Faber". Möglichkeiten und Grenzen sogenannter Literaturverfilmungen in "Medien praktisch" |
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Auszug "Homo Faber" aus der amerikanischen Filmdatenbank The Internet Movie Database (in Englisch, aber wegen guten Links zu weiteren Informationen über Autor, Regisseur, Darsteller sehr interessant) |
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Gegen
den Strich: Wozu weibisch werden?
Reisenotizen (4): Aus Max Frischs 'Homo Faber' |
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Anmerkung:
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