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Christina Ohlrogge, Dipl. Museologin (CAOhlrogge@aol.de)


'Kunst für Schüler'.
Eine CD-ROM zum Kennenlernen

Umsetzung eines Ideen-Konzepts auf einem digitalen Medium.


Kurzfassung der gesamten Diplomarbeit:

Die vorliegenden Diplomarbeit behandelt im theoretischen Teil eine 'museale Vermittlungsaufgabe' und stellt eine inhaltliche Verbindung zwischen einer Institution, einer speziellen Altersgruppe von Rezipienten und dem Einsatz von multimedialen Vermittlungsanwendungen her.
Anhand von ausgewählten Objekten der Gemäldegalerie, SMBPK werden Kunstwerke
des 15. - 18. Jahrhunderts 10- bis16-jährigen Schülern exemplarisch durch Verwendung des Speichermediums CD-ROM vermittelt.
Daraufhin wird ein Konzept zur Realisierung einer solchen CD-ROM erstellt, das im praktischen Teil in eine Demoversion umgesetzt wird.

Die Schwerpunkte sind:

  1. Die Definition der museumsbesuchenden Zielgruppe und eine auf diese zugeschnittene altersgerechte Didaktik.
  2. Die Methodik der Vermittlung wird anhand ausgewählter Kunstobjekte präsentiert, die als Informationsträger exemplarisch Kunst aus Kultur-/ Historischer Sicht darstellen.
  3. Das Speichermedium CD-ROM als Teilaspekt multimedialer Anwendungen wird erläutert und anhand eines Ideen-Konzepts zur Gestaltung und Vorbereitung der Vermittlungsumsetzung werden die unter 1. und 2. ausgearbeiteten Ergebnisse umgesetzt.

Kapitel 3 befaßt sich mit dem Medium CD-ROM und seinen Nutzungsmöglichkeiten bei der Vermittlung musealer Objekte, insbesondere der didaktischen Aufbereitung von Gemälden.
Kurz werden der Inhalt der CD sowie die Suchkriterien beschrieben.

Kapitel 5 ist eine Zusammenfassung der Ziele der Diplomarbeit hinsichtlich der Zielgruppe, des Vermittlungsgegenstandes (Gemälde) und des Datenträgers. Das letztendliche Ziel der Arbeit ist es, den zu vermittelnden Inhalt für das Medium so aufzuarbeiten, daß Kunst- und Kultur-/ Geschichte einem jungen Publikum attraktiv dargeboten werden.


Ausschnitte aus der Diplomarbeit -- Inhalt

Kap. 3: CD-ROM -- Medium zur Umsetzung didaktischer Vermittlung

Kap. 5: Resümee


Kap. 3: CD-ROM -- Medium zur Umsetzung didaktischer Vermittlung

Es gibt heute die unterschiedlichsten Arten von Datenträgern, die auf verschiedene Weisen museale Themen präsentieren. Hierzu zählen unter anderem Bücher und Kataloge, Führungsblätter, Videoprogramme, Dias, Disketten, CD-ROMs, Audio-CDs, CD-Videos, Computerprogramme und Internet Datenbanken.
Als Medium für die Umsetzung des Themas der Diplomarbeit wurde die CD-ROM (96) gewählt, weil sie unterschiedliche herkömmliche Repräsentationsformen bündelt, und sich die Zielgruppe erfahrungsgemäß für elektronische und digitale Medien interessiert.
Die Abrufbarkeit dieses Mediums setzt das Vorhandensein entsprechender Hardware voraus.
Die multimediale Anwendung ermöglicht dem Nutzer einen wahlfreien Zugriff auf Informationen, die nicht linear vorgegeben sein müssen (97), zum Beispiel durch sogenannte Links (98) zwischen Text - Text, Text - Bild/Video und Bild - Detailbild.
Die CD-ROM ist benutzerorientiert strukturiert und ermöglicht eine individuelle Herangehensweise zur Erlangung von themenspezifischen Informationen.
Der Datenträger hat den Vorzug, daß beliebige Verknüpfungen und Sprünge möglich sind. Das Medium erfüllt den hier erwünschten Zweck der optimalen Kombination aus Text, Foto, Kommentar und Musik.
Bei der Zusammensetzung der Komponenten für die CD-ROM ist es wichtig, eine ausgewogene Kombination von Text, Sprache und Bild zu finden, durch welche die zur Verfügung gestellten Informationen vermittelbar erscheinen.
Das Bild an sich ist nur bedingt verständlich und es bedarf klarer gesprochener Worte und verständlicher Schrift zur weiteren Erläuterung. Diese muß so eingesetzt werden, daß vor allem der jugendliche Benutzer nicht überansprucht wird. Die Bildinformation wird durch den Kommentar erläutert, und durch weitere Ergänzungen bei Bedarf mit Hilfe der Hyperlinks (99) vervollständigt. Die Verständlichkeit der Texte, gelesen (100) oder gehört (101), hängt vor allem von der altersgerechten Präsentation ab.
Die Gestaltung der einzelnen Seiten sollte somit einem ständig wiederkehrenden Muster untergeordnet sein.
Der Vorteil der CD-ROM als Datenträger ist ihre große Speicherkapazität (102), die umfangreiche Informationen komprimiert bereithält, welche nach Bedarf abgefragt werden können. Dieses geschieht, entsprechend dem Interesse der betreffenden Schüler, nach individuellen Wissensgebieten sowie nach diversen weiteren Suchkriterien (siehe unten). Dieser Datenträger beinhaltet Elemente, die das Wissen gezielt oder spielerisch vermitteln sollen. Sie helfen, die Fähigkeiten zum differenzierten Wahrnehmen (auditiv und visuell), Verstehen und Begreifen ästhetisch-kultureller Erscheinungen zu erlernen und zu verbessern.
Die Aufgabe des Museums ist es zu sammeln, zu bewahren, zu forschen, zu präsentieren und zu vermitteln. Die letzten beiden Punkte greift die CD-ROM auf, indem die Objekte auf dem Monitor zu erkennen sind und Inhalte visuell und auditiv anschaulich gemacht und mitgeteilt werden. Sie macht somit das Betrachten, Deuten und Verstehen der Gemälde gleichermaßen in einer Handlung möglich.
Die Umsetzung des Diplomthemas für eine CD-ROM hat unter anderem die Ausbildung und Förderung visueller und auditiver Kompetenzen als Zielsetzung. Dieses umfaßt die Bereiche Rezeption (sehen, analysieren, interpretieren, verstehen), Produktion (Eigengestalten, ästhetische Praxis), Urteilsbilden (vergleichen, werten) und Verwerten (interessengerechtes und selbstbewußtes Mitplanen und Mitdenken) (103). Das Medium hilft, gesellschaftlich relevante Inhalte und Gegenstandsbereiche zu erschließen und fordert zu Interpretationen heraus. Diese unterstützen die individuellen Ausprägungen der einzelnen Schüler, hinsichtlich der Betrachtung ihrer eigenen Umwelt, der Beziehung von Kunst der vergangenen Jahrhunderte zu damaligen und heutigen Epochen, das Erkennen von Unterschieden, der Ausbildung des Gefühls für Ästhetik, des vergleichenden Sehens, der Ausbildung des Lebensstils etc. (104).
Die Daten auf dem Träger können Fragen beantworten zu den Künstlern, den Stilen, den Maltechniken, den Bildträgern, den Gestaltungsprinzipien der jeweiligen Epochen, der möglichen Idee hinter den Objekten, den denkbaren Auftraggebern, der Symbolik, etc. Diese helfen den Schülern beim Durchspielen der CD-ROM die Kunstobjekte wahrzunehmen, zu verstehen und zu beurteilen.
Das Erfassen, Deuten und Begreifen eines Objektes hängt von den vorhandenen Erfahrungen des Betrachters ab. Manche haben eine Vorbildung, andere betrachten den Inhalt der CD-ROM zum ersten mal intensiver und dementsprechend erleben sie jedes Objekt individuell verschieden.
Die Objekte auf dem Datenträger werden in einen gesellschaftlichen und historischen Zusammenhang gestellt durch die Vermittlung von frei abzurufenden Zusatzinformationen.
Hier muß auf der Autorenebene vorsichtig inszeniert (105) werden. Alles was im Zusammenhang mit einem Objekt oder Künstler dargestellt wird muß der damaligen Wirklichkeit entsprechen und auch so gedeutet werden. Zum Beispiel sollte die Musik, die bei dem Holbeingemälde "Das Bildnis des Kaufmanns Georg Gisze" eingespielt wird, ein authentisches Stück vom Hofe Heinrich des VIII sein, da Holbein als Künstler dort verkehrte und Georg Gisze ein Kaufmann in London zu dieser Zeit war. Zudem muß immer deutlich werden, daß nur nachempfunden und nachgestellt wird, was die Authentizität des geschichtlichen Kontextes des Objektes betrifft.
Aus der Verbindung von bekanntem Wissen des Betrachters und der auf dem Datenträger zur Verfügung gestellten Inhalte wird beabsichtigt, dem Nutzer einen Zugang zu den Werken zu ermöglichen und daraus seine eigenen Ergebnisse zu ziehen (106). Den Usern gibt die CD-ROM die Möglichkeit, spielerisch zu lernen und aufzuhören, wenn die Aufnahmefähigkeit (107) erschöpft ist. Sie soll Informationen in angenehmer Weise vermitteln und nicht überflüssige Interaktion sein, im Gegensatz zu den vielen Spielen (108), die für die jungen Menschen heutzutage hergestellt werden.
Solange das Thema für die Zielgruppe interessant gestaltet ist, ist es nicht zwingend notwendig, daß sie immer handwerklich in Aktion treten (109), wie es viele Kinderprogramme oder Kindermuseen vorsehen oder praktizieren (110).
Die diversen Nutzungsmöglichkeiten (111) der CD-ROM sind im Folgenden aufgelistet und beziehen sich auf einen weiter gefaßten Altersumfang als die detailliert begründeten Zielgruppe.

Privater Gebrauch:

  • für Kinder und Jugendliche (Schüler von 10 bis 16 Jahren)
  • für Erwachsene (unter anderem Eltern, um ihren Kindern doch noch einen Schritt voraus zu sein oder um die junge Generation bei einem eventuellen Museumsbesuch vorinformiert zu begleiten)
  • Kinder (6 bis 10 Jahre) (spielerisch lernen)

Schulgebrauch:

  • Unterricht
  • Lehrervorbereitung

Museumsgebrauch:

  • als Anregung vor dem Museumsrundgang auf einem PC (112) im Eingangsbereich (steht für die vollständig erarbeitete CD-ROM ein Terminal im Museum, ist es ihr Zweck, den gezielten Besuch in der Ausstellung vor den originalen Objekten anzuregen)
  • als Nachbereitung eines Rundgangs (zum Beispiel im Medienraum)
  • als Verleihmöglichkeit (zum Beispiel des Museumspädagogischen Dienstes an Schulen, Jugendgruppen, Seniorengruppen, etc. (113))

Die Laufzeit der vollständig erarbeiteten CD-ROM beträgt bei Betrachtung des komplett Inhalts mehrere Stunden. Da jegliche Aufnahmefähigkeit in diesem Zeitraum überschritten ist, kann angeregt werden, sich einen Teilbereich der Ausstellung auszusuchen, diesen zuvor auf der CD-ROM kennenzulernen und dann die Exponate vor Ort zu betrachten und intensiv und im Detail zu ergründen. So kann sich ein Bereich der CD-ROM mit dem "Bildnis des Kaufmann Georg Gisze" und weiteren Werken von Hans Holbein d.J. befassen, möglicherweise ein Gemälde von Heinrich VIII eines zeitgenössischen englischen Malers zeigen und mit Bildern deutscher Künstler des 16. Jahrhunderts ergänzt werden. Dieses im gesellschaftlichen und kulturellen Zusammenhang zu begreifen genügt für einen Museumsbesuch. Ein weiterer Bereich kann beim nächsten Aufenthalt erarbeitet werden. Am besten mit dem Erwerb der CD-ROM für eine Vorbereitung an anderem Ort (114).
Bei der Nutzung der Datenträger im privaten oder schulischen Gebrauch hat das Medium den Vorteil, daß es die Kunst 'nach Hause' holt und somit außerhalb des Museums zugänglich macht, im Gegensatz zu schweren und teuren Bildbänden (115).
Zum Beispiel kann der Schüler sich anstelle des gerade herausgekommenen Kataloges "200 Meisterwerke der Gemäldegalerie", SMPBK, 1998 die hier vorgestellte und vollständig umgesetzte CD-ROM zulegen.
Ein weiteres Ziel der Arbeit ist es, dem Benutzer die Fähigkeit zu geben, beim Vergleich der Exponate im Museum und auf dem Medium, in der realen und der digital-virtuellen Welt zurechtzukommen und beide Welten zu kombinieren, denn ein souveräner Umgang mit diesen Medien (116) reduziert die Gefahr von Manipulation aus technischer und inhaltlicher Sicht (117). Hat der Betrachter Kenntnis vom originalen Gemälde, hat er ein Verständnis von der Abbildung auf dem Monitor und somit einen besseren Vergleich.
Die Kunstwerke der Gemäldegalerie sind weiterhin dreidimensionale Gegenstände mit theoretisch ertastbarer Struktur, die so nicht auf der CD-ROM erfahren werden, dennoch weiß der Betrachter von ihrer Dreidimensionalität und kann sich in dieses Thema vertiefen. Er kann die Kunst durch neue Möglichkeiten kreativ und experimentell erleben unter anderem hinsichtlich seiner eigenen Aufnahmefähigkeit, seinem wachsenden Interesse an 'alter' Kunst und seinen zeitlichen Grenzen.
Ansprüche von Kultur und Pädagogik überschneiden sich auf der CD-ROM. Sie stellt eine Möglichkeit dar, Bildung und Erfahrungen in dem Kontext der 'Neuen Medienwelt' qualifiziert zu vermitteln und so den Nutzer Althergebrachtes auf innovativen Wegen erfahren zu lassen, denn innerhalb der Entwicklung der Informationsgesellschaft wird die Bildkommunikation immer bedeutender (118), der Mensch kann heute vieles von 'zu Hause' erleben.
"Digitale Wirklichkeitskonstruktionen" (119) ermöglichen das 'Eintreten' des Betrachters in das Bild. Die Zielgruppe muß die Fähigkeit entwickeln, Unterschiede zwischen den dargestellten Konstruktionen auf dem Medium und der Kunst im Museum zu erkennen.
Es wird auf der hier geplanten CD-ROM vorwiegend stehende Bilder geben. In dem Zusammenwirken von Abbildung, Ton und Text verbinden sich Kunst, Musik und Literatur, die speziell für diese Anwendung ausgewählt sind. Diese Komponenten stellen eine vergangene gesellschaftliche Wirklichkeit dar, die aber ebenfalls unabhängig voneinander stehen kann. Die Möglichkeiten der Verknüpfung von Informationen fördert das Denken und Recherchieren in komplexen vernetzten Zusammenhängen.

Die CD-ROM beinhaltet Einstiegsmöglichkeiten nach folgenden Suchbereichen:

  • Topographische Zuordnung der Exponate (einzelne Länder) der Gemäldegalerie
  • Lexikon
    -- Nachschlagewerk zu Künstlern
    -- Nachschlagewerk zu Begriffen und Schlagworten
        (Material, Techniken, Ikonographie, Kunstgeschichte)
    -- Nachschlagewerk zu Symbolen
  • Zeitschiene zu Kunst- und Kulturgeschichte sowie historischen Begebenheiten des 15.-18. Jahrhunderts
  • Spiel (rein spielerische Spiele werden angeboten sowie solche mit Fragen zu Inhalten der CD-ROM); auch soll eine weitere Slide-Show zu Gattungen der Malerei (Porträt, Genre, Stilleben, Historienbild, Landschaft, Architektur) abrufbar sein.

Das hier vorgeplante Medium ist eine Lern-CD mit angegliederter Spielfunktion, einem Lern- und Wissensspiel.
Diese Art der unterhaltenden und spielerischen Informationsgewinnung faßt man in der neueren Literatur unter dem Begriff 'Edutainment' (Education & Entertainment) zusammen.
Der Inhalt der konzipierten CD-ROM ist ein 'Konzentrat darstellbarer Aussagen' zu den Objekten der Gemäldegalerie.
Die Navigationsmöglichkeiten auf der prospektierten CD-ROM sind nach thematischen Hauptpfaden geordnet, die an sinnvollen Stellen (Schlagworte, Künstler, etc.) das Querspringen zum Vertiefen der Informationen und Objekte ermöglichen.
Durch 'Anklicken' von Worten werden diese erläutert sowie bei Gemälden Details vergrößert und entsprechend erklärt. Zudem wird auf Nachschlagewerke verwiesen.
Der Benutzer sieht durch die auf dem Bildschirm vorhandenen Bildsymbole, auf welcher Ebene des Datenträgers er sich befindet.
Ausschlaggebend für den Erfolg der CD-ROM ist die Datenstruktur, die Zielsetzung und die Gestaltung. Es muß vorab geklärt sein: Was soll mitgeteilt werden? Wie logisch ist die Botschaft? Was soll beim Betrachter erreicht werden? Welches Eigeninteresse hat er? Wie muß die Struktur sein, daß die Botschaft richtig dargestellt und interessant vermittelt wird? Wie wird die Information gestaltet?
Die CD-ROM ist dafür konzipiert, die Kunstwerke und ihre Ausarbeitung in Verbindung mit der Kultur-/ Geschichte zur Entstehungszeit der Gemälde zu ergründen, damit diese Zusammenhänge erkannt und verstanden werden.
Die Inhalte der einzelnen Themen müssen sorgfältig durchleuchtet werden, bevor sie zur Vermittlung kommen. Die unterschiedlichen Voraussetzungen und Ansprüche der Zielgruppe müssen beachtet werden, damit geeignete Methoden der Didaktik und eine gezielte Medienwahl zu vermittelbaren Ergebnissen führen. Die auf der CD-ROM dargestellte Kunst soll erlebt und nicht didaktisch aufgezwängt werden.
Der Nutzer muß bei der Betrachtung der Informationen gezieltes Interesse aufbringen, um sich durch die Wissensgebiete durchzuarbeiten, sich die Bilder anzusehen, Vertonungen zu hören, Texte zu lesen und die Links zu weiteren Hinweisen zu ergründen.
Es gibt ebenfalls einen spielerischen Bereich [...], in dem der Betrachter sein aus den vorgegebenen Informationen erlerntes Wissen anwenden soll und weiteres Interesse für die Materie erwachen kann. Geschickte Such- oder Rätselfragen nach verborgenen Bildgegenständen aktivieren das 'Sehen' und bilden Erkennungsqualitäten der Schüler im visuellen Bereich aus (120).
Eine 'Hilfefunktion' ist auf der Anwendung vorhanden, dennoch sollte der Nutzer ohne große 'Leseinitiative' innerhalb der Benutzerführung die vielfältigen Möglichkeiten der CD-ROM verstehen und somit direkt an die gewünschten Informationen herankommen.
Die Farben und Bildsymbole müssen der Zielgruppe entsprechend verwendet werden. Ebenfalls sollen Musik (121) und Geräuscheffekte anregend wirken, denn über das Gehör kann unbewußt die Wirkung der Gemälde verstärkt werden und auf den Benutzer der multimedialen Anwendung positiv einwirken (122).
Ebenfalls müssen Bildästhetik und Screen-Design für diese digitale Anwendung gründlich überlegt und übersichtlich und logisch gestaltet werden.
Als Ergebnis soll eine eher ruhige, mit stillen Bildern versehene CD-ROM entstehen, die durch gezielt gewählte Reize das Interesse weckt und erhält. Zeitlich gesehen gibt es keine Begrenzung, der Nutzer muß nicht innerhalb einer Frist ein Ziel (123) erreichen. Der Betrachter kann nach der ihm zur Verfügung stehenden Zeit das Programm entdecken. Er kann verschiedenste Bereiche abfragen oder Gesamtzusammenhänge ergründen. Er kann einzeln oder in Gruppen die Informationen erarbeiten.
Zudem spielen ebenfalls die geistigen Voraussetzungen der Nutzer eine Rolle. Im Allgemeinen soll die CD-ROM Informationsebenen beinhalten, die einfach zu verstehen sind.
Ein Besuch im Museum ist eine intensive Erfahrung, der den Schülern die konkrete Realität, die originalen Objekte in ihren Ausmaßen, Farben, Materialien etc. zeigt. Ein Vorteil des Datenträgers ist es, daß er viele weitere Informationen zu den Objekten und ihren Hintergründen beinhaltet, die in einer Ausstellung, wie zum Beispiel in der neuen Berliner Gemäldegalerie am Kulturforum, nicht am Objekt dargestellt werden.
Durch eine schülergerechte Einführung in das Thema Kunst-/ Kultur-/ und Geschichte erfährt der Betrachter Ansatzpunkte, die ihm helfen, die Bilder ikonographisch und ikonologisch anzugehen, er erkennt den zeitlichen und gesellschaftlichen Zusammenhang, er fühlt sich vertrauter mit den Objekten und kann weitere Gemälde gedanklich mit denen auf der konzipierten CD-ROM vergleichen und seine eigenen Schlüsse daraus ziehen.
Die Umsetzung der für die CD-ROM erarbeiteten Informationen im Bezug auf das ausgewählte Medium soll ein Beispiel für die Museen sein, wie sie als 'fortschrittlicher Lernort' mit außerschulischer Bildungsarbeit agieren könnten.


Kap. 5: Resümee

Die Zielsetzung der Autorin in ihrer Diplomarbeit war es, einer spezifisch ausgewählten Zielgruppe, Schülern von 10 bis 16 Jahren, Kunst des 15.-18. Jahrhunderts anhand von Gemälden der Berliner Gemäldegalerie vorzustellen. Zudem sollte mit diesen Objekten ebenfalls die Kunst- und Kultur-/ Geschichte der durch die Bilder repräsentierten Epochen, Stilrichtungen, Gattungen und Länder vermittelt werden. Das Vermittlungsinstrument ist eine CD-ROM.
[...]
Im Schulunterricht werden Fragen zur europäischen Vergangenheit und zur Entwicklung unser Kultur mit ihren Einflüssen auf die heutige Zeit nur relativ kurz abgehandelt (150). Aber gerade diese Informationen wären notwendig, um den historischen Zusammenhang von Kulturentwicklungen an Schüler weiterzugeben.
Museen als Kommunikationseinrichtungen vermitteln Schülern durch ausgestellte Objekte Informationen zu ihrer spezifischen Sammlung. Sie stellen Objekte aus, die für private oder öffentliche Auftraggeber zu unterschiedlichen Anlässen und Funktionen gefertigt wurden. Sie präsentieren Gegenstände, die nicht für das Gebäude geschaffen wurden. Diese Objekte sind "ein Beleg, ein Dokument für weiterreichende Informationen und stehen beispielhaft für andere Werke" (151).
Ebenfalls sollte seitens der Aussteller eine Vermittlung ihrer Sammlung, durch Schülerprogramme (152) oder andere Projekte, wie die hier vorgestellte CD-ROM gefördert werden.
Allzuoft zielen die Ausarbeitungen der Museen für Schüler auf Nachbereitungen praktischer Art, die nicht unbedingt ein Verständnis der Exponate fördern. Oftmals sind diese Konzepte nicht für eine Begleitung des Ausstellungsrundganges konzipiert (153).
Die hier vorgestellte CD-ROM, mit den in der Diplomarbeit entwickelten Methoden, kann möglicherweise durch ihre interessant gestalteten Vermittlungs- und Vernetzungsmöglichkeiten Berührungsängste der Schüler, und ebenfalls anderer Besuchergruppen, überwinden helfen. Die Informationen sollen die jugendlichen Betrachter anregen, Kunstmuseen zu besuchen. Auf dem Medium wird eine Einführung in die Museumsgattung gegeben, wodurch der Ausstellungsort mit seinen Kunstwerken anziehender wird. Zum Besuch der Kunstmuseen ist nicht unbedingt eine Vorbildung notwendig, aber es werden meiner Ansicht nach dem Betrachter gerade in Kunstmuseen Informationen spärlich dargeboten. Es ist für die meisten Menschen schwierig, Kunstwerke ganz ohne zusätzliche Hilfsmittel zu verstehen.
Eine weiterer Vorteil "der Qualität der elektronischen Medien liegt in der Struktur der Vermittlung. Lineare Ordnungen herkömmlicher Printmedien werden zugunsten mehrschichtiger Annäherung an Werke verlassen, die Bild, Ton und Text in gleicher Weise beinhalten" (154). Die CD-ROM bietet die Möglichkeit einer Verknüpfungen dieser verschiedener Ebenen der Informationen. "Die Menge und die Schnelligkeit der Verfügbarkeit machen in erster Linie die Vorzüge einer digitalen Kunst-Sammlung aus" (155).
In den Augen der Schüler ist diese Vermittlungsart modern, interessant und sicher auch zukunftsorientiert. Sie ist nicht als Alternative zum Unterricht in der Schule, sondern als Ergänzung und Kombination zu diesem und als Erweiterung der außerschulischen Bildungsmöglichkeiten gedacht.
'Neue Medien' beeinflussen die Wahrnehmung von Schülern, ihr Denken und Formulieren. Als Produzentin des Konzeptes dieser Multimediaanwendungen habe ich versucht, diese Tendenzen bei der Planung mit einzubeziehen. Es gibt leider immer viel Material, von dem meiner Ansicht nach nur ein geringer Prozentsatz akzeptabel im Sinne von pädagogisch wertvoll, lehrreich und informativ ist.
Multimedia ist ein Gebrauch verschiedener Medien, die zwischen 'Ich' und 'Welt' vermitteln, zwischen "dem Reich der Sinne und den digitalen Informationen und virtuellen Welten" (156). Es muß deutlich gemacht werden, wie die Jugend dieses Medium nutzt und wie sie von ihm beeinflußt wird. Die Existenz der Gemälde ist real und der Inhalt der CD-ROM zielt auf Bildung und Weiterentwicklung der Benutzer ab, die in der Regel im Umgang mit 'Neuen Medien' versiert sind. Das Medium ist ein Träger von Informationen, eine visuelle Wiedergabe von Darstellungen, die ebenfalls als Objekt im Museum betrachtet werden könnten.
Die CD-ROM ist nicht als Lehrerersatz gedacht, sondern ist für diejenigen Schüler oder auch Erwachsenen konzipiert, die sich über den Schulunterricht hinaus mit diesem Thema beschäftigen möchten. Ich sehe den Unterricht in der Schule nachträglich nur als Lernanstoß an. Die Institution Schule vermittelt das Basiswissen, worauf der Jugendliche aus eigenem Interesse den für ihn gewünschten Bildungsstand aufbauend erreichen kann.
Aus ähnlicher Sicht sollte auch ein Nutzer dieser CD-ROM die Kunstwerke betrachten, aus Eigeninteresse, um eben die eigenen Sinne zu schärfen.
Für den Besucher liegt die Bedeutung der Exponate nicht in deren Marktwert, sondern in der Möglichkeit das Gemälde zu betrachten und zu verstehen (157).
Die Einsatzmöglichkeiten der CD-ROM sind vielfältig, zum Beispiel kann sie in einem Informationsbereich (158) des Museums eingesetzt werden, sollte aber im Besonderen der Vertiefung im Unterricht und zur privaten Nutzung am PC zu Hause dienen. Sie ist eine Möglichkeit, der Zielgruppe die Kunst auf computergestützte Weise näher zu bringen. Sie soll eine lehrreiche und animierende CD-ROM mit vielfältigen Informationsebenen sein. Damit soll erreicht werden, daß der jugendliche Betrachter sich auch weiterhin mit Kunst- und Kultur-/ Geschichte auseinandersetzt. Die CD-ROM kann eine Ergänzung der visuellen und auditiven sinnlichen Wahrnehmung sein.
Ziel der Arbeit war es, eine CD-ROM als Speichermedium vorbereitend zu planen, theoretisch nach historischen Gesichtspunkten für die Vermittlung der Gemälde an die gewählte Zielgruppe zu belegen und praktisch umzusetzen.
Zeitabschnitt, Darstellungsweise und topographische Zuordnung aus Teilbereichen der europäischen Geschichte werden durch die hier vorgestellte multimediale Anwendung aufgegriffen und anhand ausgewählter Kunstwerke vermittelt.
Die CD-ROM ersetzt gewiß nicht einen Besuch im Museum oder die Betrachtung des Originals. Sie ermöglicht es aber "ein Höchstmaß an musealem Kontext außerhalb der Museen herzuleiten und das Umfeld eines Exponats zeit- und ortsunabhängig nachzuvollziehen" (159). Das Medium kann die Gemälde und die Informationen nebeneinanderstellen und somit an einem Ort zugänglich machen. Ihre abfragbare Informationsmenge, ihre Datenmenge und die audio-visuellen Möglichkeiten erleichtern es den Schülern die Gemälde besser zu verstehen (160).
[...]

Anmerkungen:

96 Compact Disk mit Read Only Memory
97 Im Gegensatz zu einem Buch kann der Benutzer der CD-ROM in die Reihenfolge der Seiten eingreifen und durch die vorgegebenen Möglichkeiten der Programmierung Wege durch die Daten selber wählen und muß nicht linear blättern. Er kann durch einen Mouseklick die gewünschte Seite aufschlagen lassen.
98 Verknüpfung, die auf dem hier beschriebenen Medium eine Vernetzung (nach inhaltlichen Kriterien) zu anderen Bildschirmseiten hat.
99 auch: Hypertext, Hyperlink; Aktionswort mit Verknüpfung, Verbindung
100 Es gibt Bereichs-/ Einführungstexte, Gruppentexte, Objekttexte mit Schlüsselworten und Leitbegriffen: vgl.: Museumsmagazin: (1992/5): S. 139f.
101 Hörtexte müssen in der Hör- und nicht als Schreibsprache verfaßt werden: ebd.: S. 142
102 ca. 650MB, im Gegensatz zu den 3,5 Zoll Disketten mit 1,4 MB, die im Privatgebrauch üblich sind
103 vgl.: Grünewald, D. der seine Äußerung auf einen Museumsbesuch bezieht aus: Ohde, M. & K. Wiedehold (1994): S. 16
104 vgl.: Rese, B.: (1995): S. 45f.
105 Inszenieren: auf der CD-ROM die Zusammenstellung von Bild, Schrift, Ton und grafischer Unterlegung der Hintergründe und Bildsymbole
106 vgl.: Ohde, M. & K. Wiedehold (1994): S. 20
107 vgl.: Jensen, G. (1990): S. 36f.
108 Nach Meinung der Autorin sind dieses die oberflächlichen, gewaltreichen, wenig interaktiven,.. Spiele auf dem Markt, die in ihrer Anzahl CD-ROMs mit belehrenden Informationen übersteigen.
109 vgl.: z.B. Museumstip 2/98, MD Berlin; Museumsdienst Köln: (1997): S. 32
110 Ein Beleg hierfür ist die folgende Äußerung: "Da die Bildbetrachtung in der Vergangenheit zugunsten der Bildgestaltung vernachlässigt worden ist, ist es erforderlich, diesen Bereich auszuschalten und Sensorien dafür zu entwickeln, wie Kinder Bilder sehen" Ohde, M. & K. Wiedehold (1994): S. 19
111 Das ist das Ziel der Diplomandin, die die CD nicht zu explizit für eine zu eng gefaßte Zielgruppe erarbeiten würde, sondern als Informationsmöglichkeit aller Altersstufen denkbar erachtet, ohne dieses theoretisch zu belegen
112 Personal Computer, wobei im Text dieser Ausdruck auf die Gesamte zum Abspielen einer CD-ROM notwendige Hard- und Softwarevoraussetzungen inklusive Bildschirm bezogen ist. Dieser Ausdruck bezieht sich im Zusammenhang mit dem vorliegenden Text gleichfalls auf den Mac (Macintosh)
113 Solch ein Vorhaben ist momentan in der Konzeption der SMBPK im Bereich der Gemäldegalerie nicht geplant und ist nach der Vorstellung der Museumspädagogin auch eher über die Landesbildstelle durchzuführen: siehe: Anlagen: Quellen
114 So sieht meiner Ansicht nach eine Zielstellung einer Betrachtung der CD-ROM in Verbindung mit einem Besuches im Museum für diese gewählte Altersgruppe aus.
115 Auch die CD-ROM ist nicht umsonst, bei der Preisfestlegung sollte der Vertreiber die Zielgruppe und den Zweck der CD berücksichtigen.
116 Medienkompetenz
117 vgl.: Fuchs, M.: Ein virtuelles Würstchen kann man nicht essen: aus: Zacharias, W.: (1997): S.55
118 ebd.: S.18
119 Wortschöpfung entnommen aus: Freiberg, H.: Digitale Wirklichkeitskonstruktionen und Ästhetische Bildung: ebd.: S. 173
120 vgl.: Ästhetische Bildung: in: Kunst und Unterricht: (1988): Sonderheft Bildung: S. 50
121 Der funktionale Charakter von Musik - unterhaltend, animierend, kaufreizfördernd, weiterbildend u.s.w., hierauf wird im Inhalt der Diplomarbeit nicht intensiver eingegangen.
122 "Die vielfältigen Beziehungen von Musik und Bildender Kunst... für die Vermittlungsarbeit... durch die Verbindung von Hören und Sehen didaktisch sinnvoll und methodisch erlebnisreich nutzen... 1. Erhöhte Motivation der Rezeptionsbereitschaft 2. Förderung ästhetischer Wahrnehmungsformen 3. Verfügbarmachung von... intrinsisch aktivierten Ansätzen für eine eigene Interpretation des visuell Wahrnehmbaren" vgl.: Mette, H.: in: Museumsdienst Köln: (1997): S. 131f
123 Gesetzte Ziele haben eine didaktische Funktion, auf die hier nicht eingegangen wird. Der Nutzer lernt beim Betrachten der CD-ROM und kann das Erlernte in den Spielfunktionen ausprobieren und hat dadurch seinen Lernerfolg.
150 das ist umfassend in der Kürze der Zeit des Unterrichts nicht möglich: z.B. muß in der 7.u.8. Klasse das Thema Mittelalter bis bürgerliche Revolution in 2 Unterrichtsstunden abgehandelt werden vgl.: Landesregierung Berlin: (1995): Klasse 7-10: unpaginiert
151 vgl.: Schuck-Wersig, P. (1985): S. 82
152 am Beispiel Berlin: vgl.: Unterlagen der SMBPK: Außenamt: Pädagogischer Dienst
153 vgl. Unterlagen des Museumspädagogischen Dienstes der Schirn Kunsthalle Frankfurt, diese sind Ausstellungsbezogen laufen aber nicht in den Ausstellungsräumen ab
154 Fabo, S.: (1997): Kunstunterricht und Museen: aus: Museumsdienst Köln: S. 164
155 Staarmann, S.: Zur Digitalisierung von Kunst und Museen: in: Zacharias, W.: (1996): S. 387
156 Zacharias, W.(1997): S. 16
157 vgl.: Museumsmagazin: (1992): S. 133f
158 z.B. im Eingangsbereich oder im Medienraum der Berliner Gemäldegalerie
159 Fabo, S.: (1997): Kunstunterricht und Museen: aus: Museumsdienst Köln: S. 164
160 Es ist immer wichtig auch das Original eines Gemäldes einmal betrachten zu können, da dieses in der Regel nur in den Museen, Galerien oder Schlössern möglich ist und nicht jeder am Ort dieser wohnt, könnte die CD-ROM ein Ersatz, eine Reproduktion sein. Sie gibt die Möglichkeit sich dennoch mit der Kunst zu beschäftigen und eventuell soweit Interesse zu erzeugen, daß der Betrachter sich zum Ort des Originals begibt.