Das leckt die Kuh nicht ab

"Zufällige Gedanken" zu Schriftlichkeit und Erinnerungskultur der Strafgerichtsbarkeit

© Klaus Graf 1999-2000

Gedruckt in: Andreas Blauert/Gerd Schwerhoff (Hg.): Kriminalitätsgeschichte. Beiträge zur Sozial- und Kulturgeschichte der Vormoderne,
Konstanz: UVK 2000, 245-288 [Ausführliche Verlagsinformation mit englischer und französischer Zusammenfassung des Beitrags].
Hier mit Nachträgen und Ergänzungen.


Im Januar 1773 erschien in den "Westfälischen Beiträgen", der Beilage zum "Osnabrücker Intelligenzblatt", ein kurzer Aufsatz unter dem Titel Zufällige Gedanken bei Durchlesung alter Bruchregister. Er beginnt mit folgenden Sätzen: Die Strafgesetze und Strafregister dienen ungemein, den Charakter einer Nation in gewissen Zeitpunkten zu bestimmen. Man gehe ein Straf- oder, wie wir sprechen, Bruchregister von hundert Jahren durch: so wird man mit Vergnügen bemerken, wie gewisse Verbrechen zu einer Zeit sehr häufig vorkommen, die sich zu einer andern ganz verloren haben; nicht sowohl, weil der Mensch tugendhafter geworden, denn sonst würde ein solches Register gegen Rousseau beweisen, daß die Wissenschaften die Menschen frömmer gemacht hätten, sondern weil die Leidenschaften einen feinern Weg zum Ausbruche genommen haben. Es folgt eine Auswertung der Strafregister des osnabrückischen Amts Fürstenau aus den Jahren 1550 bis 1600. Der Verfasser dieser Miszelle war einer der bedeutendsten deutschen Publizisten der Aufklärungszeit, der osnabrückische Staatsmann und Historiker Justus Möser [Anm. 1]. Seine Aufmerksamkeit richtete sich auf eine seriell auswertbare Quelle aus der frühen Neuzeit, und dies erklärt auch, weshalb der Ansatz Mösers und der anderen vergessenen Rechtsantiquare, Historiker und Publizisten seiner Zeit, die sich in ähnlicher Weise für die Geschichte und Altertümer der Strafjustiz interessierten [Anm. 2], ohne Resonanz blieb. Die germanistische Rechtsgeschichte des 19. Jahrhunderts war überwiegend einem romantischen Paradigma verpflichtet, für das Jacob Grimms "Rechtsaltertümer" [Anm. 3] stehen können: Statt Sozial- oder Gesellschaftsgeschichte zu betreiben, blickte man in eine mythenerfüllte Vorzeit zurück und spürte am liebsten Relikte germanisch-deutschen Volksrechts auf.

"Die Überlieferung ist selbst Geschichte"

Wenn sich die historische Kriminalitätsforschung als ein "relativ lockerer Zusammenhang von Fragen, die sich vor allem aus den gemeinsam benutzten Quellen über deviantes Verhalten und Sanktionen ergeben" verstehen läßt [Anm. 4], so kommt der Frage nach den Gerichts- und Kriminalquellen und ihrer Eigenart größte Bedeutung zu.

Die juristische Dissertation herkömmlicher Prägung beschränkte sich in der Regel darauf, aus den Quellen zur historischen Strafpraxis passende Beispiele zur Anwendung der Rechtsnormen herauszupicken. Über die Form, den Entstehungskontext, die Funktion und die Aussagekraft der herangezogenen Akten oder Protokolle erfährt man in diesen Arbeiten in der Regel nichts [Anm. 5]. Ein besonders krasses Beispiel scheint mir vorzuliegen in einem 1956 an prominenter Stelle publizierten Aufsatz von Friedrich Merzbacher. Über den Entstehungszusammenhang des von ihm ausgewerteten "Alten Halsgerichtsbuchs" des Hochstifts Eichstätt schreibt Merzbacher buchstäblich nichts. Der Band wurde aufgrund älterer, bis in den Anfang des 15. Jahrhunderts zurückreichender archivalischer Aufzeichnungen, die regestenartig wiedergegeben werden, erst in der Mitte des 16. Jahrhunderts angelegt - vermutlich in den 1560er Jahren - und dürfte mit territorialen Konflikten um die Hochgerichtsbarkeit (beispielsweise mit dem Deutschen Orden) in Verbindung stehen [Anm. 6].

Marc Bloch, einer der Väter der französischen Sozialgeschichtsschreibung, betont in seiner "Apologie der Geschichte": "Die Probleme der Quellenüberlieferung sind keineswegs nur Übungsaufgaben methodischen Charakters; sie berühren den innersten Lebensbereich der Vergangenheit: es geht um nichts geringeres als um die Weitergabe der Erinnerung im Ablauf der Generationen. Bei ernstzunehmenden historischen Werken gibt der Autor normalerweise in einer Liste an, welche Archivakten er durchgesehen hat und welche Sammlungen er verwendet hat. Das ist sehr gut, aber nicht genug. Jedes historische Werk, das diesen Namen verdient, müßte außerdem ein Kapitel enthalten [...] etwa mit dem Titel `Wie kann ich das wissen, was ich jetzt sagen werde?'" [Anm. 7]. Für jede kriminalitätshistorische Studie mit ungedrucktem Material sollte daher selbstverständlich sein, daß sie die verwendeten Hauptquellen so ausführlich charakterisiert, daß sowohl ihre Genese und Form als auch ihr spezifischer Informationsgehalt transparent werden [Anm. 8]. Zu begrüßen wäre die Beigabe von ausführlichen Textproben. Kurz: Der Leser oder die Leserin sollte sich ein anschauliches Bild von den Quellen machen können und aufgrund der Beschreibung ungefähr wissen, was er oder sie in ihr vorfinden wird und was nicht. Wichtig wären auch Editionen geeigneter Texte, doch bedarf es dazu eines selbstlosen Engagements, das nur die wenigsten ForscherInnen aufbringen wollen und können [Anm. 9].

Nötig wären aber auch zusammenfassende Studien etwa zu einzelnen Quellentypen, die Quellenkunde und Quellenkritik verbinden müßten. Eine solche Quellenkunde jenseits der engen Grenzen der juristischen Rechtsquellenlehre [Anm. 10] hätte einerseits der Heuristik zu dienen, indem sie den Weg zu erschlossenen und unerschlossenen Archivalien bahnt [Anm. 11] und die quellenkundlichen Einsichten der Spezialliteratur kritisch sichtet, andererseits aber einer bereichsspezifischen Geschichte der Schriftlichkeit vorzuarbeiten, die gemäß Hermann Heimpels Devise "Die Überlieferung ist selbst Geschichte" [Anm. 12] nicht bei rechtshistorischen Konstrukten, sondern bei der Überlieferung anzusetzen hätte.

"Zufällige Gedanken" - der Titel von Mösers kleiner Abhandlung - läßt sich auch auf den Zufall der Überlieferung [Anm. 13] beziehen, der die von ihm besprochenen Strafregister erhalten hatte. Anders als privatrechtliche Aufzeichnungen, die aufgrund fortwirkender Rechtsverhältnisse als überlieferungswürdig galten, war das Schriftgut der Strafgerichtsbarkeit besonders gefährdet. Die durch bewußte Vernichtung - vergleichbar der Tilgung einer Vorstrafe - oder das Unverständnis der Verwaltungsbediensteten und Archivare eingetretenen Verluste können kaum überschätzt werden. So wurden 1814 die Lübecker Aufzeichnungen über Verfestungen als "völlig werthlos" verkauft [Anm. 14].

Sind Kriminalquellen doch erhalten, kommt es darauf an, sie mit größter Vorsicht zu lesen. Quellenkunde und Quellenkritik sind für eine Beurteilung der Aussagekraft der aus ihnen erhobenen Daten unerläßlich, und dies betrifft nicht nur die besonderen Probleme eines quantifizierenden Zugriffs [Anm. 15]. Es geht nicht an, etwa die spätmittelalterliche Stadtchronistik auf die strafrechtlich relevanten Einträge zu durchmustern, ohne sich Gedanken darüber zu machen, welche Art von "Straffällen" dort registriert wurde, aus welchen Gründen und in welchem Kontext dies erfolgte [Anm. 16].

Nach der Schriftlichkeit der Strafjustiz zu fragen, sollte sich jedoch nicht auf das Aufstellen einer Reihe methodischer Warntafeln beschränken. Ebenso wie normative Quellen und gelehrte Reflexionen sind auch die in Form von Urkunden, Akten und Geschäftsbüchern erhaltenen Kriminalquellen als eigenständige Zeugnisse eines gesellschaftlichen Diskurses über das Strafen und die soziale Kontrolle [Anm. 17] zu würdigen. Daß in diesen Texten nicht nur die Stimme der Obrigkeit, sondern auch die der Untertanen zu vernehmen ist, haben die Forschungen der letzten Jahre wohl zur Genüge dargetan [Anm. 18].

Der obrigkeitlichen Perspektive verpflichtet bleiben allerdings Thomas Lentes und Thomas Scharff, die vor kurzem "Schriftlichkeit als Technik der Disziplinierung, Normierung und Interiorisierung" in einem Aufsatz in den Blick genommen haben. Ihr Beitrag ist aus dem hier thematisch einschlägigen Münsteraner Sonderforschungsbereich 231 "Pragmatische Schriftlichkeit" hervorgegangen [Anm. 19]. Beobachtungsfelder von Lentes und Scharff sind das spätmittelalterliche Schriftgut der Inquisition und der Frömmigkeitspraxis. Es geht ihnen dabei um das "Erfassen und Speichern von Personennamen, das Sichern und Belegen von mit diesen Personen verbundenen Sachverhalten, das Veröffentlichen und Verlesen von Texten und das Ermahnen und Verändern des einzelnen anhand schriftlicher Aufzeichnungen" [Anm. 20]. Für die frühe Neuzeit lassen sich ausführlichere theoretische Reflexionen der Zeitgenossen heranziehen, die Schriftlichkeit weit systematischer als Instrument sozialer Kontrolle einsetzen wollten, als es die damalige Verwaltungspraxis zuließ. Besonders signifikant erscheint mir die zentrale Rolle schriftlicher Aufzeichnungen in der Polizeitheorie des Straßburger Ratsherrn Georg Obrecht aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts, die mit ihrem Ideal eines "gläsernen Menschen" entfernt an George Orwells "1984" erinnert. Die Deputaten, eine Art Präventivpolizei, führen verschiedene Matrikeln über die gesamte Einwohnerschaft, die sowohl Planungsdaten für die Obrigkeit liefern als auch der Überwachung des Einzelnen dienen sollen. Alle erwachsenen Männer sollen in dem halbutopischen Plan alle drei Jahre inskribiert werden, wobei erforscht werden soll, was eins jeden Leben und Wandel seye. Dazu Hans Maier: "Ähnlich ist es bei Hochzeiten, Ortswechseln, Anvogtungen, Heiratserlaubnissen: überall steht hinter dem registrierenden Deputaten der Censor, der mit Rügerecht ausgestattete Tugendwächter und Sittenrichter" [Anm. 21].

Nun ist das ins Auge gefaßte Thema wahrlich, mit Fontane zu sprechen, "ein weites Feld". Um es nicht bei programmatischen Forderungen zu belassen, werde ich zwei Aspekte näher beleuchten: die Bedeutung der Eintragung in vornehmlich spätmittelalterliche Strafbücher ("schwarze Bücher") und die Verewigung denkwürdiger Straffälle in Form dauerhaft konzipierter Erinnerungszeichen. Eingerahmt wird die Behandlung der im Zentrum des Beitrags stehenden Schanddenkmäler, die in Deutschland hauptsächlich in der frühen Neuzeit errichtet wurden, von kritischen Ausführungen zu Justiz-Erinnerungen in Gestalt der sogenannten "Sagen" und von vorläufigen Bemerkungen zum "historischen" Diskurs über die Strafgerichtsbarkeit.

Die Frage nach der Schriftlichkeit wird somit auszuweiten sein auf die Frage nach der Erinnerungskultur der Strafjustiz, nach ihrem Gedächtnis. Das Konzept "Erinnerungskultur" [Anm. 22] verstehe ich als Ensemble von Medien, die Erinnerung stiften oder sichern sollen, sei es prospektiv durch Überlieferungsbildung, also Weitergabe historischer Erfahrung, sei es retrospektiv durch Bewahren und Aufgreifen von Traditionen.

Da es an systematischen Vorarbeiten zu den im folgenden behandelten Aspekten fehlt, versteht es sich von selbst, daß ich hier nur erste Hinweise geben kann. Was die herangezogenen Belege betrifft, war ich weitgehend auf Zufallsfunde in der gedruckten Literatur angewiesen. Die archaisierende Möser-Reminiszenz im Untertitel meines Beitrags ist daher leider alles andere als Koketterie.

Im schwarzen Buch stehen

In der 1529 erstmals erschienenen Sprichwörtersammlung des Johannes Agricola wird das Sprichwort Grosse herren gedencken lang (Nr. 338) mit der Führung von Geschichtsbüchern für ehrliche und unehrliche Taten in wohlgeordneten Gemeinwesen in Verbindung gebracht. Während ehrliche Taten ihren Urheber erhöhen, dienen Aufzeichnungen über Verfehlungen der Spezialprävention: Wer eyn ubelthat begehet, und entrinnet, der ist darumb noch nicht frey, kumpt er einmal widder, so wird er eben so wol gestrafft, als were er nie entrunnen. Agricola benennt als Beispiel einen Magdeburger Prediger, der in seiner Jugend mutwillig und frech gewesen sei und nach der Stürmung eines Hauses entfliehen konnte. Sein name aber was in dem schwartzbuch (so nennen sie das bu+och der ubelthat) verzeychnet. Da er nun zu einem manne, und yhr Prediger ward, bat er den Radt, sie wölten seinen namen außleschen, aber er konde es nicht erlangen, unnd diß gedechtnuß bleibt noch, denn grosse herren gedencken lang [Anm. 23]. Das nächste Sprichwort steht damit unmittelbar im Zusammenhang, denn es betrifft die Rechtskraft deutscher Stadtbücher, deren Einträge unanfechtbar und mit ewiger Geltung versehen sind: Es ist dahyn geschriben, daß es keyn ku+owe ablecket, noch keyn Kro+e außkratzet. Was im Stadtbuch steht, bleibt darin zu+o ewigen zeitten, es kann die Kuh nicht ablecken und die Krähe nicht auskratzen [Anm. 24].

Der obrigkeitlichen Buchführung über Straftaten korrespondierte also eine negative Wahrnehmung dieser Praxis durch die Betroffenen, die ungern "im Buch stehen" wollten und dies als Schande empfanden [Anm. 25]. Dies wirft die Frage auf, ob der Eintrag in einem Strafbuch nicht als Bestandteil des Sanktionsinventars, als eine Art Ehrenstrafe [Anm. 26], verstanden werden kann.

Über das Stadtbuch von Oschatz in Sachsen aus dem 15. Jahrhundert heißt es in einer älteren Arbeit: "Auch wenn keine Bestrafung erfolgte, werden strafbare Handlungen, z.B. Frevelreden wider den Rat, 'zu gedechtnisse' notiert" [Anm. 27]. Es handelt sich wohl um so etwas wie eine Verwarnung mit Strafvorbehalt im Wiederholungsfalle [Anm. 28]. Sebastian Francks 1541 gedruckte Sprichwörtersammlung vergleicht die Langmut Gottes mit dieser Praxis. Ausgehend von dem bereits von Agricola genannten Sprichwort Groß herrn dencken lang führt Franck aus: Es mag leicht einer ein punct im blu+ot oder schwartzen bu+och haben, kompt noch einer, so helff dir got. Ein punct mag dir wol verzihen sein, aber nit vergessen, kompstu noch ein mal ins blu+ot bu+och, so rechnet mann den ersten verzihen, aber nit vergessen punct zu dem andern, also wil jm auch Got thu+on, Ezech. 18 [Anm. 29].

Friedrich Battenberg hat angesichts der feierlichen Devise auf dem Einbanddeckel des erhaltenen Achtbuchs König Sigmunds vermutet, "daß den Eintragungen eine gewisse sakrale, wenn nicht gar magische Wirkung zugeschrieben wurde. Es ist durchaus daran zu denken, daß der mittelalterliche Mensch zu ihm das Buch des Lebens der Apokalypse assoziierte, nur hier mit umgekehrtem Vorzeichen im Sinne eines Buches, das die Namen all derer enthielt, die aus der Friedens- und Rechtsgemeinschaft ausgestoßen waren" [Anm. 30]. Populär war im Mittelalter die Vorstellung von einem Sündenregister, das der Teufel führte. In einem verbreiteten Predigtexempel wird dieses Register auf einer Kuhhaut geführt - Ursprung des Sprichworts "Das geht auf keine Kuhhaut" [Anm. 31]. In den Hexenprozessen ist die Vorstellung, daß in einem schwarzen Buch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Teufelssabbat verzeichnet werden, bereits im 15. Jahrhundert gängiges Traditionsgut [Anm. 32].

Die Farbsymbolik bei der Benennung der Strafbücher [Anm. 33] liegt auf der Hand: Schwarz war die Farbe des Unheils und des Teufels [Anm. 34]. Als schwarze Bücher wurden vor allem die Zauberbücher der Nigromanten ("Schwarzkünstler") bezeichnet [Anm. 35]. Ebenfalls unheilvolle Konnotationen vermochte der Name eines 1498 bis 1513 geführten Görlitzer Stadtbuchs zu wecken: es heißt in der Aufschrift das swarcze buch, auf dem ersten Blatt aber Acheldemach - offenbar eine Anspielung auf den in der Apostelgeschichte 1, 19 erwähnten "Blutacker" (Hakeldamach) in Jerusalem, dem Grundstück, auf dem Judas seinen schrecklichen Tod gefunden hat [Anm. 36].

Sprichwörtliche Redewendungen in der Art von "im schwarzen Buch eingeschrieben sein" [Anm. 37] sind bereits im 16. Jahrhundert nachweisbar: "Einen ins schwarze Buch schreiben" [Anm. 38], "Das schwarze Register, darin wir mit einem langen Item stehen", "Einen ins schwarze Register bringen", "ins schwartz Register kommen" [Anm. 39]. Belege liefert aber nicht nur die Sprichwörter-Literatur: In Halle an der Saale wird in amtlichen Unterlagen aus der Mitte des 16. Jahrhunderts auf die verbreitete Sprechweise angespielt: wie man spricht du stehest auch im rotthen buche (das Rote Buch war das Register der Brandmarkungen) [Anm. 40]. Und von der Straftäterin Anna Ulmer heißt es in Esslingen 1564: sie kumpt wider einmal ins buoch [Anm. 41].

Neben schwarzen Büchern gab es schwarze Tafeln. Das Grimmsche Wörterbuch weiß von einem bei Handwerksgesellen üblichen Brauch, Übeltäter, die ohne Sühne fortgezogen waren, durch Anschreiben an die Schwarze Tafel zu strafen [Anm. 42]. Sogar das Reichskammergericht mußte sich 1745 bis 1759 mit einem Streit zwischen den Lübecker Schonenfahrern und der dortigen Kaufleute-Compagnie befassen, bei der es um die Frage ging, inwieweit die Praxis schwarzer Hohn- und Spott-Tafeln rechtmäßig sei [Anm. 43]. 1742 wurde ein Mitglied der Kaufleute-Compagnie, der die Wahl zum Bruder des Schonenfahrer-Collegiums ablehnte, auf das schwartze Brett gesetzt. Als der Name eines weiteren Kaufmanns gleichfalls dort angeschrieben wurde, setzte die Compagnie im Gegenzug die Alterleute der Schonenfahrer auf ihre schwartze Tafel. Da das Schwarze Brett als Hohn- und Spott-Tafel bezeichnet wurde und folglich gegen denjenigen, dessen Nahmen darauf gesetzet wird, als Beschimpfung anzusehen sei, kam das Reichskammergericht zum Schluß, dieses Medium coercendi injuriosum sei widerrechtlich und beide schwarze Bretter seien von Amts wegen zu beseitigen [Anm. 44].

Ein Beispiel für ein schwarzes Schand-Schild aus der höfischen Kultur Frankreichs: 1468 ersetzte der Wappenkönig des Ordens vom Goldenen Vließ auf dem Ordenskapitel in Brügge das Wappenschild des der Zauberei und anderer Verbrechen beschuldigten Ordensritters Jean de Bourgogne durch ein schwarzes Schild, auf dem alle Anklagen schriftlich fixiert waren und das im Chorgestühl der Kirche belassen wurde, damit es tout le monde kopieren könne [Anm. 45].

Alle diese Zeugnisse verweisen auf den engen Konnex zwischen schriftlicher Fixierung, Ehre und Öffentlichkeit. Besonders bezeichnend erscheint mir die im Jahr 1489 vor dem Bamberger Landgericht vorgebrachte Klage eines Mannes gegen die Verleumdung seiner Ehefrau. Er warf der Verleumderin vor, sie behaupte über seine Frau, in welchs haws sein hawßfrau gee, dorinn nemen die lewt abe an leybe und gut, das auch dieselbe sein haußfrau fur ein wissenliche hüren in das statbuch geschriben und sie solle der vier hüren eine in eelichem standt, die die ergsten genant sein sollen, eine sey[n] [Anm. 46]. Die rechtliche Eigenschaft des Stadtbuchs als Buch öffentlichen Glaubens, das vollen Beweis über die darin niedergelegten Vorgänge zu führen vermag, wird hier zur Steigerung der Beleidigung benützt.

Bei der Auswertung der zahlreich erhaltenen städtischen Acht- oder Verfestungsbücher [Anm. 47] ist zu beachten, daß vielfach erst der Bucheintrag die Rechtswirkungen der Acht bzw. Verfestung entstehen ließ. Zwischen dem Urteil und dem Bucheintrag bestand somit ein Spielraum, den die Kontrahenten bei einer zivilrechtlichen Auseinandersetzung zu einer gütlichen Beilegung des Konflikts nutzen konnten. Dank der Parallelüberlieferung von Ächterverzeichnissen und Achtbuch des Züricher Hofgerichts am Ende des 14. Jahrhunderts konnte festgestellt werden, daß sehr viele Ächtungen nicht in das Achtbuch eingetragen wurden [Anm. 48].

Ein Schlaglicht auf das Nebeneinander mündlicher und schriftlicher Dokumentation gerichtlicher Vorgänge wirft das Verfahren des "Verzählens" in Freiberg in Sachsen [Anm. 49]. Dabei handelt es sich um ein Strafverfahren gegen Abwesende, das der niederdeutschen Verfestung entsprach [Anm. 50]. Nach dem Ausspruch des Urteils über den Verzählten hatte der Kläger das Gericht, Richter und Dingwarte, zu "besetzen" [Anm. 51]. Die Besetzung des sächsischen Rechts, die eine Analogie im sogenannten "Verboten" des Ingelheimer Rechts besitzt [Anm. 52], war ein ganz an der Mündlichkeit des Verfahrens orientierter Rechtsakt: Die Erinnerung an einen gerichtlichen Vorgang sollte durch Zahlung einer Beweisgebühr dem Gedächtnis der Gerichtspersonen eingeprägt werden. Volle Rechtskraft erhielt die Verzählung jedoch erst durch den vom Rat auf Antrag des Klägers vorzunehmenden Eintrag im Verzählbuch, das als der burger brief bezeichnet wurde [Anm. 53]. Hatte man einen Verzählten ergriffen, so konnte er von Rechts wegen seine Unschuld nicht mehr beweisen und die Hinrichtung abwenden. Es genügte, wenn sein Name "an dem Briefe" stand [Anm. 54]. Ebenso erbrachte der Eintrag in das Achtbuch den vollen Beweis dafür, daß der Eingetragene sich in der Acht befand [Anm. 55]. (Faktisch war natürlich immer ein Handlungs- und Verhandlungsspielraum gegeben.)

Daß die Städte mit dem Verfestungsverfahren im Spätmittelalter ein politisch zu nutzendes Instrument gegen die sogenannten "Raubritter", die adeligen Fehdegegner und "Städtefeinde" [Anm. 56], besaßen, kann hier nur am Rande erwähnt werden [Anm. 57]. Zwischen Acht- bzw. Verfestungsbüchern, Schadensverzeichnissen und Aufzeichnungen über Fehdehandlungen [Anm. 58] besteht jedenfalls ein enger Sachzusammenhang. Diese Geschäftsbücher sind als sachbezogene Dossiers über Konflikte zugleich auch Geschichtsbücher, indem sie geschichtliche Erfahrungen als Exempla und Präzedenzfälle im Medium der Schrift aufbewahrten. Zwischen der Unterrichtung der Mitwelt, die man auch als Herstellung von Öffentlichkeit bezeichnen könnte (auch wenn diese meist verwaltungsintern blieb), und der - gleichsam "historiographischen" - Aufzeichnung besonders denkwürdiger Straftaten für die Nachwelt [Anm. 59] läßt sich keine scharfe Grenze ziehen.

Wiederholt trifft man strafrechtliche Entscheidungen im Kontext von spätmittelalterlichen städtischen Statutenbüchern an. Der Einzelfall wird als Präzedenzfall vermerkt, damit bei einer gleichgearteten Straftat die gefundene Lösung übernommen werden kann [Anm. 60]. Neben der Spezialprävention, die sich mit der Fixierung des Namens des Missetäters verband, steht das Bemühen der Obrigkeit, das Gedächtnis an die Art der Verletzung der Rechtsordnung und die darauf gefundene Antwort, die Strafe, dauerhaft festzuhalten.

Die angenommene Bedrohung der Gesellschaft durch Schwerverbrecher ließ einen besonderen Informationsbedarf über ihre heimlichen Praktiken entstehen. Eine - noch nicht geschriebene - Überlieferungsgeschichte von Prozeßschriftgut in "literarischen" Handschriften des Mittelalters würde, soweit ich sehe, nur wenige Bereiche des Strafrechts erfassen, wobei an erster Stelle natürlich das Schriftgut der Inquisition stünde. Exemplarisch sei die Chronik des Heidelberger Hofkaplans Matthias von Kemnat aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts genannt, in der eigenständige Texte über die Verfolgung von Ketzern und Hexen sowie über Gauner und Landstreicher, aber auch ein Bericht über den angeblichen jüdischen Ritualmord an Simon von Trient integriert sind [Anm. 61]. Literarisch verbreitet, so jedenfalls mein Eindruck, wurden im Mittelalter hauptsächlich Exempla und Berichte über Straftaten, die man als Teil einer Verschwörung gegen die Gemeinschaft verstand.

Dieser Publizitätsaspekt ist Anlaß, zum Abschluß dieses Abschnitts nochmals auf die Kategorie "Öffentlichkeit" zurückzukommen. Natürlich ist die Eintragung in einem verwaltungsinternen Strafbuch nicht mit dem Vollzug einer öffentlichen Schand- oder Ehrenstrafe gleichzusetzen. Sehr häufig blieben die in den Einträgen ausgesprochenen Drohungen folgenlos, wenn die Obrigkeit bei Wiederholungstätern die Aufzeichung vergaß oder sich nicht erinnern wollte. Hier sollte lediglich mit Nachdruck darauf hingewiesen werden, daß die Anlage und Führung von Strafbüchern in der öffentlichen Verständigung über das Strafen eine nicht zu vernachlässigende Rolle spielte. Das sprichwörtliche "Sündenregister" des schwarzen Buchs verweist auf die wachsende Bedeutung der Schriftlichkeit, läßt aber auch die Autorität obrigkeitlicher Aufzeichnungen im allgemeinen Diskurs erkennen. Es kann als allgemein bekanntes "Symbol" für die Erfassung und Ahndung von Normverstößen gelten, als ein Zeichen, das immer auch Sünde, Verdammung und Teufel assoziieren ließ.

Im Mai 1317 rief die Bannglocke die Koblenzer Bürgerschaft zusammen, damit die Bürgerversammlung die Anlage eines Buches beschließen sollte, in das der Stadtschreiber die verurteilten Verbrecher eintragen sollte - um künftigen Untaten entgegenzutreten und damit sich die Bösen nicht des gleichen Rechts erfreuten wie die Guten, so die Vorrede [Anm. 62]. Innerstädtischer Konsens sollte die Buchführung über Straftaten absichern. Mag es sich dabei auch um eine Ausnahme gehandelt haben, so warnt dieses Beispiel doch davor, die Führung von Strafbüchern zu sehr als "verwaltungsinterne" Angelegenheit zu betrachten.

Die in der Koblenzer Aufzeichnung beurkundete individuelle Rechtsminderung der Übeltäter - zu denken ist an das Verbot von Zeugenschaften [Anm. 63] - durfte und sollte zur Kenntnis der Öffentlichkeit gelangen. Weshalb aber hat man die Namen Hingerichteter registriert? Wollte man sich gegenüber möglichen Ansprüchen der Verwandten absichern, Rechenschaft über die Ausübung der Strafgerichtsbarkeit ablegen oder war es womöglich ein symbolischer Akt der Ausstoßung aus der städtischen Rechtsgenossenschaft? Die Frage mag offenbleiben, doch setzt ein angemessenes Verständnis spätmittelalterlicher Strafbücher voraus, daß man bei ihrer Interpretation nicht nur die "modernen" Aspekte Rationalität und Effizienz im Auge hat. Meine fragmentarischen Bemerkungen wollten dazu anregen, der symbolischen Dimension und den religiösen Konnotationen der "schwarzen Bücher" mehr Beachtung zu schenken.

Justiz-Erinnerungen

Die bisher vorgeführten Beispiele schriftlicher Fixierung und Registrierung von Straftätern und Straftaten illustrieren zugleich die Rolle der Erinnerung auf dem Feld der Strafjustiz. Neben der obrigkeitlichen Tradierung verdienen die "Justiz-Erinnerungen" der einfachen Leute besondere Aufmerksamkeit. Der Sohn des am 23. Juli 1653 von der Luzerner Obrigkeit hingerichteten Entlebucher Bauernführers Hans Emmenegger notierte sich zur bleibenden Erinnerung an den schrecklichen Tod seines Vaters auf einem Zettel Tag und Stunde der Hinrichtung, die er der Obrigkeit nie verzeihen wollte [Anm. 64]. Gefangenen-Grafitti in Gefängnissen und Verliesen bezeugen den Wunsch nach persönlicher Verewigung in einer Extremsituation [Anm. 65]; Aufzeichnungen von Gefangenen und "Gefängnis-Literatur" machen deutlich, wie sehr sie der Aufenthalt innerlich bewegt hat [Anm. 66]. Umgekehrt sind von einer Reihe von Scharfrichtern der frühen Neuzeit persönliche Aufzeichnungen über ihre Amtsführung erhalten geblieben [Anm. 67].

Auch "auf starke Bauernnerven erregend" hätten Räuber-, Diebs- und Mordgeschichten wirken müssen, meinte Bruno Markgraf 1907 bei der Besprechung von Erzählungen über Straffälle, die anscheinend "lange Zeit unvergessen blieben" und in frühneuzeitliche ländliche Weistümer des Moselraums Eingang gefunden haben [Anm. 68]. Für das Spätmittelalter liegt nunmehr eine jüngst erschienene eindringliche Studie von Dorothee Rippmann vor, die aus Zeugenverhören ("Kundschaften") von 1458 und 1466 die Erinnerungen von Bauern an Gewalttaten und Delikte in ihrem Dorf bzw. in ihrer Herrschaft erheben konnte [Anm. 69]. Solche Erinnerungen waren der Nährboden des sogenannten "boshaften Gedächtnisses" (Karl-Sigismund Kramer [Anm. 70]), das "über Jahrzehnte, ja Generationen hinweg der allgemeinen Mißbilligung anheimgefallene Handlungen einzelner dem Betroffenen immer wieder vorhielt" [Anm. 71]. Peinliche Strafen konnten die Nachkommen stigmatisieren, die sich bei Ehrenhändeln nicht selten mit einer Art Vererbung der Unehrlichkeit konfrontiert sahen [Anm. 72]. Ob es sich tatsächlich um Erinnerungen "über Generationen hinweg" gehandelt hat, muß allerdings in den meisten Fällen offen bleiben. Skepsis ist angebracht: Vielfach wird man in der Hitze des Wortgefechts einfach zu einer naheliegenden Beleidigung [Anm. 73] gegriffen haben.

Beachtung verdient Rippmanns unter Heranziehung der Resultate der historisch-volkskundlichen Erzählforschung gewonnene Einsicht, daß die in den Kundschaften vermeintlich genau und detailgetreu geschilderten Szenen aus dem Rechtsleben nicht ohne weiteres als authentische Erinnerungen gelten können, daß also stets mit der Verformung durch die mündliche Überlieferung und ihre Erzählschemata gerechnet werden muß [Anm. 74].

Bekannt ist, daß Frevel und Verbrechen in den gemeinhin als "Sagen" bezeichneten Erzählungen eine große Rolle spielen [Anm. 75], doch eine von romantischen Klischees über "Volkssagen" [Anm. 76] unbelastete Untersuchung dieses Problemkomplexes steht noch aus. Die in den Sagensammlungen des 19. Jahrhunderts enthaltenen literarischen Texte sind zuallererst als Zeugnisse für den Justiz-Diskurs des 19. Jahrhunderts wahrzunehmen, wobei es durchaus fraglich ist, ob sie naiv als "Zugang zum Rechtsdenken des Volkes" [Anm. 77] oder als dessen "geschichtliche[s] Gewissen" [Anm. 78] beansprucht werden dürfen. Wenn ein Stuttgarter Gymnasiast 1847 für seinen Lehrer zu Papier brachte, im Katharinenstift, dem ehemaligen Palast des berüchtigten Juden Süß, gehe noch die Sage, daß sein Geist und der eines unschuldig Gemordeten spuke [Anm. 79], so ist die deutlich antisemitisch eingefärbte Geister-Story alles andere als ein Beweis für das "Volksgedächtnis", das noch weit über hundert Jahre nach der aufsehenerregenden Hinrichtung des Joseph Süß Oppenheimer 1738 die Erinnerung an den verhaßten Hofjuden festgehalten hätte. In Anbetracht der enormen publizistischen Resonanz der Affäre ist es evident, daß jederzeit das historische Wissen um Oppenheimer mit einer gängigen Spukgeschichte verbunden werden konnte. Am wahrscheinlichsten aber ist die Entstehung der anscheinend nur dieses einzige Mal faßbaren Stuttgarter "Geistersage" nicht lange vor ihrer Aufzeichnung im Jahr 1847. Es dürfte sich um ein indirektes Rezeptionszeugnis der 1827 im Cottaschen "Morgenblatt" erschienenen antisemitischen Novelle "Jud Süß" von Wilhelm Hauff handeln [Anm. 80].

So wie die Femegericht-Sagen des 19. Jahrhunderts deutlich den Einfluß der seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Mode gekommenen Ritterromane und Ritterdramen erkennen lassen [Anm. 81], ist auch bei aus Akten erhobenen frühneuzeitlichen Nachweisen zu gängigen Erzählmotiven zum Thema Strafe und unschuldig Hingerichtete [Anm. 82] auf die ständige Wechselwirkung etwa zwischen der gedruckten Exempel- und Kompilationsliteratur und der mündlichen Tradition [Anm. 83] zu achten. Rudolf Schenda, der einem auch als Exemplum im juristischen Diskurs zur Folter verbreiteten Erzählstoff über einen zu Unrecht Verurteilten eine instruktive kleine Studie gewidmet hat, stellt fest: "Horror-Erzählungen von unschuldig Hingerichteten machten im 16. Jahrhundert weit und breit, bei denen da oben und bei denen da unten, die Runde" [Anm. 84]. Erinnerungs- und Wahrzeichen, seien es als solche gestiftete, seien es im nachhinein so gedeutete, verweisen gleichfalls auf die Faszination des Themas. Das wunderbare Anlanden einer in Breslau zum Ertränken in der Oder verurteilten Frau wurde 1503 als Beweis ihrer Unschuld gewertet: Zum Gedächtniß ist ihr rother Rock von Tuch in die Kirche zu St. Niclas aufgehangen worden, gleich als wenn ihr St. Niclas herausgeholfen und sie am Leben erhalten hätte [Anm. 85]. Die Darstellung eines Geräderten an der Tübinger Stiftskirche, vermutlich der heilige Georg, hat man im 16. Jahrhundert als Mahnmal eines tragischen Justizirrtums verstanden [Anm. 86].

Es geht also nicht an, die "Sagen" von den anderen Justiz-Erzählungen [Anm. 87] zu isolieren, wie sie etwa in "Newen Zeyttungen" und Flugschriften [Anm. 88] faßbar sind. Diese Produkte frühneuzeitlicher Publizistik verstanden sich auch als Erinnerungsmedien: Wie der gehängte Täter, formuliert ein Flugblatt, soll es zu eim Exempel sta+et dienen [Anm. 89]. Die Publizistik betonte die "Zerbrechlichkeit der sozialen Ordnung" [Anm. 90] und machte sich vorwiegend die Perspektive des Justizapparats zu eigen. Ohne die Unterstützung der Obrigkeit wäre das im 18. und 19. Jahrhundert blühende Genre der sogenannten Armesünderblätter, Urgichten oder Urteln mit Wiedergabe von Geständnis und Gerichtsurteil nicht möglich gewesen. Spezielle Kolporteure - in Wien die sogenannten "Urteilsweiber" - vertrieben sie oft schon vor der Urteilsverkündung [Anm. 91]. Bezeichnenderweise versprach sich 1789 im Zuge der Diskussion über die Strafrechtsbelehrung des Volkes ein aufgeklärter Jurist einiges von der "Begünstigung der Bänkelsänger" [Anm. 92].

Schand-Denkmäler: Prospektive Verewigung als pathetisches Ausrufezeichen

Die schriftliche Fixierung besonders bemerkenswerter Straftaten erfaßt, wie bereits deutlich wurde, nur einen Teilbereich der Erinnerungskultur der Strafgerichtsbarkeit. Mitunter sollten Bilder, Zeichen und Denkmale das Andenken an besonders schwere Verbrechen dauernd bewahren. Sie müssen als Bestandteil der öffentlichen Inszenierung und des Bestrafungsrituals verstanden werden, das auf möglichst einprägsame, exemplarische Wirkung angelegt war.

Nach der Hinrichtung von 63 Frauen in der Herrschaft Schongau als vermeintliche Hexen plante man 1594 ein Denkmal, ein ewige Merckhsäul, Zaichen und Gedechtnuß, das der erfolgreichen Obrigkeit zum Ruhm, den Vorbeireisenden aber zur Abschreckung dienen sollte [Anm. 93]. Gewiß handelt es sich wohl um ein singuläres Vorhaben, doch die Absicht, die erfolgreiche Ahndung besonders schwerer Verbrechen zu verewigen, läßt sich noch mit einer Reihe anderer Beispiele belegen.

Am bekanntesten sind die noch heute am Turm der Lambertikirche zu Münster aufgehängten drei Käfige für die 1536 hingerichteten Haupträdelsführer der Wiedertäufer [Anm. 94]. An den Pfeilern des Rathauses in Münster stellte man die vier Zangen, mit denen sie zu Tode gequält wurden, zur Schau - "Aufrührern zum Beispiel und Schrecken", wie der Chronist Hermann Kerssenbroch schreibt [Anm. 95]. Im Rathaus, das wie andere Rathäuser als eine Art stadtgeschichtliches "Museum" fungierte, wurden in der frühen Neuzeit als echte oder angebliche "Andenken" an die Wiedertäufer und ihre Herrschaft der Harnisch des Täuferkönigs Jan van Leiden und ein angeblicher Pantoffel von dessen Nebenfrau gezeigt [Anm. 96].

Eine Parallele zu den Wiedertäuferkäfigen von Münster stellt der am sogenannten Diek-Turm zu Einbeck aufgehängte Käfig des angeblichen "Mordbrenners" Heinrich Diek dar. Dieser Patrizier soll die Einbecker Brandkatastrophe vom Juli 1540 verursacht haben [Anm. 97]. Nach seiner Hinrichtung wurde er in dem Käfig zur Schau gestellt. Spätere Traditionsbildung schmückte den Tod phantasievoll aus: Diek soll mit Honig bestrichen worden und erst nach drei Tagen an den Insektenstichen gestorben sein [Anm. 98]. Die "Mordbrenner-Hysterie" des 16. Jahrhunderts [Anm. 99] bildet auch den Hintergrund für die Überlieferungen im Zusammenhang mit einem Stadtbrand in Wunstorf 1570. Um 1710 weiß ein - freilich nicht besonders zuverlässiger - Gewährsmann, man habe den Leichnam des Brandstifters Ortgieß Doven nach seinem Selbstmord in Stücke geteilt und den Kopf zu stets währendem Gedächtnis an einer eisernen Stange im eisernen Korbe an dem Stadtkirchturm aufgehängt. Um 1800 ergänzte ein anderer Autor, dies Schreckbild sei am Kirchtum noch vorhanden und man begehe alljährlich zur Erinnerung an den Brand am Jahrestag, Montag nach Lätare, ein Brandfest [Anm. 100]. Das Aufstecken der Köpfe Hingerichteter an Türmen wurde nicht selten praktiziert [Anm. 101]. Im Rathaus von Brügge wird noch der Rest eines Bronzekopfes aufbewahrt, der einst an der Smeedenport angebracht war. Nach der Hinrichtung eines Verräters, der die Stadt 1688 den französischen Truppen übergeben wollte, hatte man seinen Kopf an einem Nagel zur Schau gestellt. Später (nach 1691) ersetzte man ihn durch ein Exemplar aus Bronze. Gleichsam als Rehabilitation ihres einstigen Verbündeten haben es die Franzosen 1801 entfernt [Anm. 102].

Ursprünglich sollte der große eiserne Galgen mit den sterblichen Überresten des Joseph Süß Oppenheimer, von der zeitgenössischen Publizistik als Denkmahl wiederhergestellter Ordnung bezeichnet, in Stuttgart dauernd an die Schuld des angeblichen Schwerverbrechers erinnern. 1744, sechs Jahre nach der Hinrichtung, wurde das grausige Erinnerungsmal beseitigt [Anm. 103]. Bereits während der Haftzeit war der Ruf nach einer Schandsäul für Jud Süß lautgeworden [Anm. 104]. Im 18. Jahrhundert wurde das Ausstellen von präparierten Leichen hingerichteter Verbrecher in Käfigen vor allem in England häufiger praktiziert [Anm. 105].

Kaum weniger spektakulär als die Hinrichtung des Stuttgarter Hofjuden war im 16. Jahrhundert die Vierteilung des "Adelsrebellen" Wilhelm von Grumbach [Anm. 106] am 18. April 1567 in Gotha gewesen. Die Vierteile Grumbachs und zweier seiner Verbündeten wurden auf zwölf Säulen aufgestellt, die längere Zeit standen [Anm. 107]. Daneben wurde vom Kaiser die vollständige Schleifung der Festung Grimmenstein angeordnet. In einem Schreiben vom 18. April 1567 wurde ausgeführt, so das Aktenreferat Friedrich Ortloffs, "daß die Nothdurft erfordere, dieses Trosthaus, Zuflucht, Herberge und Aufenthalt der Ächter, Landfriedensbrecher, Mörder und Straßenräuber nicht länger aufrecht zu wissen, vielmehr zu einem ewigen Gedächtniß und nothwendigem Ebenbild keinen Stein auf dem anderen zu lassen" [Anm. 108]. Der Kurfürst von Sachsen sah es am 23. April nicht anders: "wenn das rebellische Mördernest nicht von Grund auf zerstört und also ein ewiges Gedächtniß gestiftet werden sollte, so würde die so sieghafte, herrliche Execution das vornehmste Lob verlieren, Gott nicht gefallen, dem aufrührerischen Haufen zu neuer Meutherei Ursache geben, und ihnen einen Muth machen" [Anm. 109]. Nicht zum Zuge kam ein Vorschlag, der in einem Schreiben des Würzburger Gesandten Eglof von Knöringen an den Bischof vom 12. April 1567 erwogen worden war. Man wollte Grumbach und einen Mittäter nach Würzburg führen und auf dem Markt "gemeiner Bürgerschaft zu ewiger Ergötzlichkeit" richten lassen. Die "cadavera" sollten in einem Eisenkorb oben am Grafenecker, dem Turm des Würzburger Rathauses "zu ewiger Schmach und Abscheu" aufgehängt werden. Für den Fall, daß Würzburg den Leib Grumbachs nicht erhalten würde, wollte man wenigstens den Kopf begehren und diesen "zu ewiger Gedächtniß" auf die Mainbrücke stecken lassen [Anm. 110].

Aufmersamkeit verdient in diesen Belegen die Semantik von "ewig": unbegrenzte Dauer spricht man nicht nur den materiellen Erinnerungszeichen zu, auch die in Würzburg geplante Hinrichtung soll für immer in der Erinnerung der dortigen Bürgerschaft präsent bleiben. Der Gebrauch des Adjektivs "ewig" unterstreicht die Entehrung und fungiert gleichsam als eine Art "Pathosformel": 1593 machte der Kölner Bürger Johann Kramer geltend, durch die Beschimpfung als meineidiger Dieb sei seine gesamte Nachkommenschaft zum ewigen Nachteil, Schmach und Schande entehrt worden [Anm. 111]. 1716 wandte sich die Mutter des in der Herrschaft Canstein wegen Diebstahls gehängten Jakob Rehling an die Herrschaft und bat um die Schwertstrafe und ein ehrenhaftes Begräbnis, damit er Uns unschüldigen zur Ewigen Schande undt Schmach am Galgen nicht auffgehangen werden möege. Ihre Supplik war vergeblich, vier Monate hing ihr Sohn am Galgen, bevor die Leiche von Unbekannten widerrechtlich entfernt wurde [Anm. 112]. In der Regel ließ man ja Leichen zur Abschreckung bis zur nächsten Exekution hängen, und daß Angehörige sie heimlich entwendeten, dürfte nicht selten vorgekommen sein [Anm. 113].

Zwischen kurzfristiger und "ewiger" Erinnerung, zwischen Mitwelt und Nachwelt, "kommunikativem" und "kulturellem" Gedächtnis [Anm. 114] wurde bei der Verwendung von "ewig" nicht unterschieden. Das Vergessen negierten beide Seiten, Obrigkeit wie Betroffene: Was im Diskurs der Gegenwart von exemplarischem Belang war, davon war man überzeugt, würde auch in der Zukunft seine Bedeutung behalten [Anm. 115].

Neben der dauernden Ausstellung der sterblichen Überreste der exemplarisch bestraften Schwerverbrecher etablierte sich - in Deutschland wohl erst im 17. Jahrhundert - die Errichtung eigener Schanddenkmäler. Der Kunsthistoriker Dietrich Erben hat in einem aufschlußreichen Aufsatz [Anm. 116] ausführlich die Hintergründe eines merkwürdigen Ereignisdenkmals untersucht: die archivalisch gut dokumentierte Aufstellung einer Pyramide zur Erinnerung an einen diplomatischen Eklat zwischen dem französischen König Ludwig XIV. und dem Papst. Das im Sommer 1664 in Rom errichtete Schandmal, gedacht als monument à la posterité zum Zeugnis des völkerrechtswidrigen Verhaltens des Papstes [Anm. 117], wurde allerdings nach vier Jahren wieder beseitigt. Erben ordnet die Pyramide in eine Gruppe von Schandmonumenten ein, die anläßlich eines "crimen laesae maiestatis", von Attentaten oder Rebellionen, errichtet wurden [Anm. 118]. Das jeweilige Vergehen wurde als Majestätsverbrechen gewertet, das "in seiner Schwere über das aktuelle Ereignis hinauswies und darum der überdauernden Erinnerung bedurfte. Dies machte eine Inschrift erforderlich, die den Betrachter gleichermaßen an das Ereignis selbst erinnerte, den Täter anklagte und den Erbauer des Monuments ehrte" [Anm. 119].

Daß die Pyramide in der frühneuzeitlichen Ikonographie als "Ruhmessymbol des Fürsten" galt [Anm. 120], verweist auf die Komplementärbeziehung zwischen bleibendem Ruhm, als der Verewigung von Ehre, und ewiger Infamie, als der Verewigung von Schande. Der "moderne Ruhm" aber entstand - nach Jacob Burckhardts klassischer Darstellung "Die Kultur der Renaissance in Italien" [Anm. 121] - in Italien und hier finden sich in der Tat frühe Beispiele für Schanddenkmäler und Schandgemälde. "In Florenz, Venedig und anderen Städten", so Peter Burke, "bestrafte die Kommune treulose oder hinterlistige condottieri, Rebellen, Bankrotteure und andere Kriminelle, indem sie ihr Bild an mehreren auffallenden Stellen und Plätzen anbringen ließ" [Anm. 122]. Allerdings war diese spätmittelalterliche "pittura infamante", die es so anscheinend fast ausschließlich in Italien gab [Anm. 123], in aller Regel nicht als dauerhafte Entehrung konzipiert; nach der Versöhnung wurden die Malereien vernichtet [Anm. 124]. Anders verhält es sich mit den von Burke erwähnten neuzeitlichen italienischen Beispielen für Schanddenkmälern: ein "Anti-Denkmal" von 1585 in Neapel mit den Köpfen von 24 Rebellen und einer Inschrift, eine durch den Romancier Manzoni berühmt gewordene Mailänder Schandsäule (colonna infame) zur ewigen Schande eines für die Ausbreitung der Pest 1630 verantwortlich gemachten Barbiers sowie einige "Anti-Epitaphe" für Verräter des Gemeinwesens an der Fassade der Kathedrale von Genua [Anm. 125]. In seiner Rechtsarchäologie Europas nennt Witold Maisel drei venezianische Schandtafeln von 1657, 1680 und 1727, die sich gegen Verbannte richteten, und eine Inschrift in Padua über die Aburteilung von zwölf namentlich nicht genannten Sbirren (Stadtbedienstete) 1722, die Studenten angegriffen hatten. Die Tat sollte im ewigen Gedächtnis der Bürger bleiben und die dauernde Obhut der Stadt über die Universität bezeugen [Anm. 126]. Solche Fälle, betont Burke, seien zu berücksichtigen "als Teil des Zeichensystems, welches das Wertesystem des frühneuzeitlichen Italien ausdrückte, in dem Ehre und Schande überragende Bedeutung hatten" [Anm. 127].

Als man im Venedig des Quattrocento dem Verräter Baiamonte Tiepolo eine (heute noch im Museo Correr erhaltene) Schandsäule errichtete, stellte man zugleich eine Siegessäule auf [Anm. 128]. Dies ist als deutlicher Hinweis auf den - auch formengeschichtlichen - Zusammenhang zwischen der Entstehung von öffentlichen Ruhmes-Denkmälern für Helden in der italienischen Frührenaissance und ihrem "unehrlichen" Äquivalent für Verbrecher zu verstehen [Anm. 129]. "Wo die Ehrenstatue wieder möglich wird, gibt es auch Raum für das Schandmal" [Anm. 130].

Die humanistische Ideologie ewigen Ruhmes gilt es mitzudenken, wenn in frühneuzeitlichen Zeugnissen von ewiger Schande oder Infamie die Rede ist. Für die pathetische Inanspruchnahme der Kategorie ewigen Gedenkens durch die Humanisten mögen hier die Ausführungen Johannes Reuchlins stehen, mit denen dieser 1513 im "Augenspiegel-Streit" die überaus polemische Verteidigungsschrift gegen seine Kölner Gegner ('Defensio ... contra calumniatores suos Colonienses') beschloß. Er wolle Gleiches nicht mit Gleichem vergelten und wünsche seinen Widersachern keineswegs die Qualen der Hölle. Seine einzige Rache solle sein, den Namen seines Gegners, eingehauen in Marmor, der Nachwelt zu überliefern: Arnold von Tongern, Fälscher und Verleumder (Calumniator Falsarius per omnia secula seculorum) [Anm. 131]. Im Jahr zuvor hatte Willibald Pirckheimer Reuchlin brieflich gebeten, seine Schriften nicht mehr durch Erwähnung des Halbjuden Pfefferkorn, dessen Andenken zu tilgen sei (cuius memoria de terra viventium delenda esset), zu beschmutzen. Der Nürnberger Patrizier argumentierte mit einem antiken Vorbild: In Ephesus habe man verboten, den Namen des Brandstifters des Dianatempels in Schriften zu verewigen [Anm. 132]. Es war ihm also um "damnatio memoriae" zu tun, um das Auslöschen des geschriebenen Namens [Anm. 133], auch wenn in Pirckheimers Brief der Begriff selbst nicht fällt.

Ad damnandum memoriam Ioannis Kalckberner, um die Erinnerung an den Anführer des Aachener Protestantenaufstands 1611 zu verdammen, sei sie auf Geheiß der kaiserlichen Gesandten errichtet worden, verkündete die Inschrift einer 1616 auf dem Aachener Markplatz errichteten Schandsäule [Anm. 134]. So kämen diejenigen um, die das Gemeinwesen unter Mißachtung kaiserlicher Edikte umzustürzen trachteten. Der ehemalige Bürgermeister der Reichsstadt Kalckberner wurde damals von den kaiserlichen Kommissaren postum zum Tode verurteilt, zwei weitere Rädelführer ließen sie enthaupten. Das Relief der Säule zeigte über der Inschrift eine Vierteilungsszene. Ein Bericht über die Exekution wurde im Druck verbreitet [Anm. 135]. Noch steht auf öffentlichem Markte die Schandsäule eines der besten Bürger der Stadt, empörte sich ein aufgeklärt gesinnter Protestant in einem 1785 in Berlin anonym erschienenen Reisebericht, der sich dem Despotismus der Geistlichkeit zu wedersetzen [!], und Gewissensfreiheit mit Gefahr seines Lebens zu vertheidigen wagte; und noch hält man zum Andenken dieser abscheulichen Begebenheit, jährlich am 1. Sept. eine feyerliche Procession, von der ich selbst ein Augenzeuge war. Von keiner lächerlichen Seite kann sich die Charlatanerie des katholischen Gottesdienstes unmöglich zeigen [Anm. 136]. So wundert es nicht, daß die Schandsäule 1792 bei Ankunft der Franzosen umgestürzt und zerschlagen wurde [Anm. 137].

Im gleichen Jahr 1616 endete die Niederschlagung des Fettmilch-Aufstands in Frankfurt mit einem blutigen Richttag [Anm. 138]. Vincenz Fettmilch, der Anführer der Rebellen, wurde mit weiteren Aufständischen hingerichtet, die Köpfe von vier "Ächtern" am Brückentorturm auf einem eisernen Träger mit vier Dornen angebracht. Als 1707 einer der Köpfe herunterfiel, mußte er auf Anordnung des Schöffengerichts wieder an die alte Stelle gesetzt werden [Anm. 139]. Fettmilchs Haus wurde abgerissen, der Platz sollte wüst bleiben. An der Stelle des Wohnhauses ließ der Rat eine Schandsäule in Form einer Pyramide mit lateinischer und deutscher Inschrift aufrichten - zur ewigen Gedächtnuß der Rebellion, und jederman zur höchsten Warnung, so die Überschrift der von der Säule in Form eines Holzschnitts verbreiteten Abbildung [Anm. 140].

Bis heute erhalten ist im Kölnischen Stadmuseums der Bronzekopf des am 23. Februar 1686 als Haupt-Rebell mit dem Schwert gerichteten Oppositionsführers Nikolaus Gülich [Anm. 141]. Der Kopf, aus dem ein Richtschwert herausragt [Anm. 142], befand sich auf der Schandsäule Gülichs, die in der Mitte des leeren Platzes an der Stelle des geschleiften Wohnhauses des Aufrührers zu deß Aechtern ewiger Infamie [Anm. 143] aufgerichtet wurde. Auf Schrifttafeln wurden gleichfalls zu deß Aechtern ewiger Infamie desselben Unthaten und Verbrechen beschrieben [Anm. 144]. Die Köpfe Gülichs und seines Mistreiters Sax ließ der Rat an zwei Stadttürmen aufstecken. Bemerkenswert ist auch hier das quellenmäßig gut dokumentierte Nachspiel in französischer Zeit: Am 17. September 1797 wurde anläßlich der Pflanzung eines Freiheitsbaums die Schandsäule von revolutionär gesinnten Kölnern feierlich niedergelegt. Nunmehr war Gülich ein Verteidiger demokratischer Freiheiten, und ein tyrannischer Magistrat habe ihm, so die Aufzeichnungen des Kommissärs Rethel, die Säule setzen lassen, pour immortaliser sa vengeance cruelle et injuste [Anm. 145].

Vermutlich hat es außer diesen drei Beispielen von 1616 bzw. 1685 nicht viele weitere Schandsäulen im deutschsprachigen Raum gegeben. Aus der gleichen Epoche nennt Erben in seinem Aufsatz über das römische Schanddenkmal noch ein französisches Attentatsdenkmal von 1595 und die Schandpyramide für den 1663 wegen Landesverrat in Kopenhagen hingerichteten Grafen Corfitz Ulfeldt [Anm. 146]. Beachtung verdient, daß bei der Hinrichtung Grumbachs 1567 noch keine Schandsäule vorgesehen worden war. Die italienischen Schanddenkmäler dürften die Beispiele nördlich der Alpen inspiriert haben. Allerdings wird eine Schandsäule von einer Lindauer Chronik aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts bei der Behandlung des sogenannten Rienolt-Aufstands im Jahr 1395 erwähnt. Das Urteil für die Haupträdelsführer habe darin bestanden, daß ihre Häupter auf dem baumgarten alhie sollen abgeschlagen werden, hernacher man ire cörper in den galgbronnen daselbst werffen, und denselben mit einer steinern blatten bedeckhen, und zu ewiger gedächtnuß darbei ein saul aufrichten solle, welches Urteil so vollzogen worden sei [Anm. 147]. Nachdem ein zeitgenössischer Nachweis fehlt, könnte es sich um eine spätere Ausschmückung handeln.

Die Aachener Inschrift spricht die "damnatio memoriae" explizit an. Es geht um die Auslöschung des Gedächtnisses für alle Zeiten. Das Urteil gegen die Grafen N dasti, Zr¡nyi und Frangipani bestimmte 1671, daß ihr Gedechtniß von der Welt vertilget werden soll [Anm. 148]. Die ideengeschichtlichen Hintergründe solcher frühneuzeitlicher Formulierungen hat Wolfgang Brückner in seinen Studien zur Leichenbestrafung und den Bildnishinrichtungen ("Executio in effigie") der frühen Neuzeit aufgeklärt [Anm. 149]. Der gelehrte juristische Diskurs sah seit dem Ende des 16. Jahrhunderts bei Majestätsverbrechen unter Rückgriff auf die altrömische Praxis der "damnatio memoria" als zusätzliche Ehrenstrafe die Verdammung des Andenkens der Täter vor. Der Hochverräter durfte nicht betrauert werden, Waffen und Wappen wurden zerschlagen, sein Haus gewüstet und die ewige Infamie ging aus spezialpräventiven Gründen auf die Söhne über [Anm. 150]. Die gelehrte Theorie zum "crimen laesae majestatis" beeinflußte Rechtsnormen wie Strafpraxis. Das Verbesserte Landrecht des Königreichs Preußen von 1721 sah vor, das Gedächtnis des Verräters solle durch Vernichtung der Ehrenzeichen und Schleifen der Wohnung ausgerottet werden [Anm. 151]. Noch § 301 des Bayrischen Strafgesetzbuches von 1813 bestimmte unter anderem als Strafe des Hochverräters: Auf seinem Grabe wird eine Schandsäule errichtet [Anm. 152].

Die von den juristischen Autoren der frühen Neuzeit, beispielsweise von Benedict Carpzow [Anm. 153], für den Majestätsverbrecher im Zusammenhang mit der "damnatio memoriae" geforderte Strafe der Hauszerstörung ("Hauswüstung") [Anm. 154] ist bereits in hochmittelalterlichen Rechtsnormen nachweisbar. Sie sollte Anwendung finden "bei bestimmten Schwerstvergehen wie Mord, Landfriedensbruch, Hochverrat und Rebellion" [Anm. 155]. Der Niederlegung der Burgen von Landfriedensbrechern [Anm. 156] entsprach in den Städten die "Hauszerstörung als Manifestation des Ausschlusses aus der Eidgenossenschaft" [Anm. 157].

Vielfach hat man die Wüstlegung des Hauses durch ein ewiges Wiederaufbauverbot verstärkt [Anm. 158]. Bereits in mittelalterlichen Zeugnissen wird gelegentlich der Abschreckungsgedanke hervorgehoben [Anm. 159]. In Haarlem wurde 1377 bei der Bestrafung von Aufständischen bestimmt, das Haus, in dem die Verschwörung ausgeheckt wurde, solle vernichtet werden und zwar so, daß die Hofstätte nie mehr bewohnt werden kann, damit jeder sich einen spieghel nemen sol, der sich mit dem Gedanken eines Aufstands trägt [Anm. 160]. Seit dem 16. Jahrhundert gewann dieser Aspekt an Bedeutung. Damit die Friedhäßige und unruhige Leut [...] auf alle nachkommenden Zeiten, ein vorbildigen Spiegel hieran haben und behalten, begründete der Regensburger Reichsabschied von 1567 das oben bereits erwähnte Wiederaufbauverbot der Feste Grimmenstein, des Stützpunktes des Adelsrebellen Grumbach [Anm. 161].

In der frühen Neuzeit wurden nicht nur die Häuser von Hochverrätern zerstört und mit einem Wiederaufbauverbot belegt [Anm. 162]. In seltenen Fällen setzte man auch bei anderen schweren Verbrechen dieses pathetische Ausrufezeichen. In der Mitte des 16. Jahrhunderts erregte die in der Reichsstadt Esslingen ansässige angebliche Hungerkünstlerin Anna Ulmer überregional größtes Aufsehen. Eine vom Rat im April 1550 in Auftrag gegebene bildliche Darstellung der "Jungfrau von Esslingen" konnte nach Aufdeckung des Schwindels zum Denkmal des Betrugs umfunktioniert werden [Anm. 163]. 1551 wurde Margareta, die Mutter der Ulmerin, als Hexe zum Feuertod verurteilt. Sie sollte mit dem Holzwerk des Hauses, in dem sie den Betrug verübt habe, verbrannt werden. In ewigkeit zu gedechtnus durfte an der Stelle kein Haus mehr gebaut werden [Anm. 164].

1617 verhaftete man in der Reichsstadt Schwäbisch Gmünd im Zuge der Hexenverfolgungen den Kaplan Melchisedech Haas. Er wurde später in Dillingen als Hexenmeister hingerichtet. Ein Chronist des späten 18. Jahrhunderts vermerkt zu einem Gartengrundstück am heutigen Münsterplatz: Man hatte dieses Hauß nachgehends mit allem Fleisse rasieret, und geschleiffet, damit um desto ehender das abscheuliche Angedenken dieses gottlosen Priesters erlöschen möge [Anm. 165]. Als 1667 ein großer Brand die Stadt Billerbeck im Münsterland in Schutt und Asche legte, kam der fahrlässige Brandverursacher mit dem Leben davon, sollte aber den unglücklichen orth ad rei memoriam anderen bürgern zur warnung nicht wieder bezimmern dürfen. 1669 versuchte die Stadt bei Verhandlungen mit den Räten des Landesherrn, des Fürstbischofs von Münster, vergeblich zu erreichen, daß der Wiederaufbau gegen eine jährliche Bußzahlung, die man zur Dotierung einer Brandprozession verwenden wollte, zugelassen würde [Anm. 166]. In Bautzen schleifte man 1670 das Haus, in dem ein Kindsmord begangen wurde, und setzte einen Stein "zum ewigen Gedächtnis" an die Stelle [Anm. 167].

Um die dauernde Wüstlegung eines Grundstücks künftigen Generationen mitzuteilen, wurden schon im Mittelalter Gedenkinschriften angebracht, wenn ein elsässischer Beleg aus dem 14. Jahrhundert verallgemeinert werden darf. In Colmar ist eine "Wüstungstafel" aus rotem Sandstein erhalten, deren Inschrift die erfolgreiche Niederwerfung eines Aufstands durch Herzog Rudolf IV. von Österreich, damals Reichslandvogt im Elsaß, im Jahr 1358 rühmt: und rach den uberlof [...] und brach darumb dis hus und sol niemer me wider gebuwen werden zu einer ewigen gedechtnist [Anm. 168]. Bei spätmittelalterlichen Burgenzerstörungen habe man, meint Werner Meyer, Mauerteile als "Wahrzeichen der vollzogenen Rache und der vollstreckten Strafe" [Anm. 169] stehen lassen. In der Tat berichtet Erhard Appenwilers Chronik, bei der Zerstörung von Blochmont durch die Stadt Basel sei ein Teil der Mauern nicht niedergelegt worden zem wortzeichen [Anm. 170]. Bezeichnend für die Verbreitung der Vorstellung der Wüstlegung mit anschließender Errichtung eines Erinnerungsmals ist ein in Genf umgehendes Gerücht, das 1474 Bern in Angst und Schrecken versetzte. Eine große Koalition europäischer Herrscher, hieß es, wolle Freiburg und Bern einnehmen, Bern zerstören und in der Mitte ein Denkmal aufrichten mit der Inschrift: Hier war einist ein Statt, die hiess Bern [Anm. 171].

Die an der Stelle gewüsteter Stätten gesetzten Denksteine gelten als schlagendes Gegenargument gegen die von einflußreichen Rechtshistorikern vertretene Ansicht, die Hauswüstung sei ursprünglich ein sakralrechtliches Ritual gewesen mit dem Zweck der "Versöhnung der Gottheit durch Vertilgung aller Erinnerung an den Missetäter" [Anm. 172]. Man könne sich ja, so Alexander Coulin, "kaum ein Mittel denken, das geeigneter wäre, das Andenken an Täter und Tat in der Bevölkerung wach zu erhalten, als der durch die Wüstung geschaffene Trümmerhaufen oder die jedem auffallende leere Stelle, über deren Schicksal jedermann in der Gegend Aufschluß zu geben vermag" [Anm. 173]. Die frühneuzeitlichen Belegsituation zur Rede von der Auslöschung des Andenkens darf nicht in das Mittelalter zurückprojiziert werden [Anm. 174]. Vermutlich hat erst die Wiederentdeckung der "damnatio memoriae" des römischen Rechts das Aufkommen der Vorstellung von der Austilgung der Erinnerung gefördert. Wenn in einem offenbar frühneuzeitlichen Beleg die Verbrennung eines bei der Sodomie verwendeten Tieres mit der Vertilgung der gedächtnüß der schändlichen Tat motiviert wird [Anm. 175], so taugt diese Stelle nicht dazu, die generelle Behauptung, die Strafe der Verbrennung habe jede Erinnerung an das Verbrechen vernichten sollen, hinreichend zu begründen. Wer mittelalterliche Strafpraxis mit der Auslöschung der Erinnerung erklären will, müßte schon ein einschlägiges mittelalterliches Konzept glaubhaft machen können.

Wie kann Erinnerung überhaupt wirksam vernichtet werden? Es liegt hier ein Paradox vor, das ich das Paradox der "damnatio memoriae" oder des erinnernden Vergessens nennen möchte. Obwohl die leeren Plätze an der Stelle der geschleiften Wohnhäuser als frühneuzeitliche Variante der "damnatio memoriae" das Andenken des Missetäters auslöschen sollten, haben sie es im Gegenteil wachgehalten. Die oben zitierten Positionen von Reuchlin und Pirckheimer stehen für zwei Modi des Umgangs mit dem Andenken: Während es Reuchlin um die Verewigung von Schande geht, will Pirckheimer die Erinnerung des Täters durch Totschweigen auslöschen. Realistischer scheint die Haltung Reuchlins, denn eine hinreichende Kontrolle der medialen Präsenz des Täters im kommunikativen und kulturellen Gedächtnis ist selbst in einem totalitären System nicht zu garantieren. Die in der Vormoderne mit der Hauszerstörung oder der Vernichtung von Porträts [Anm. 176] inszenierte "Verdammung des Andenkens" vernichtet dieses in Wirklichkeit keineswegs, sie verewigt Schande bzw. "Infamie" des Täters.

Die zitierte Colmarer Inschrift zur Wiederherstellung der Ordnung 1358 nennt keine Namen von Tätern, und dies gilt auch für eine etwas ältere zeitgenössische Inschrift aus Regensburg. Sie berichtet vom Verrat zweier namentlich nicht genannter Bürger, die 1337 mit einem unterirdischen Gang den belagernden Truppen Ludwig des Bayerns heimlich Zugang zur Stadt verschaffen wollten. Sie wurden einige Tage später an di zinn erhangen [Anm. 177]. Zum Dank für die Rettung stiftete die Stadt eine ewige Messe in Niedermünster [Anm. 178]. Jedes Jahr gemahnte in Köln eine Prozession an die Niederschlagung der Revolte von 1481/82 [Anm. 179]. Überhaupt sind die hier und im folgenden erwähnten Zeugnisse zum "Nachleben" von Revolten und Verratsfällen im Kontext der städtischen Erinnerungskultur des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit zu sehen, die mit obrigkeitlich veranlaßten jährlichen Gedenkritualen [Anm. 180] und Erinnerungszeichen das Andenken an Schlachten, Belagerungen, Überfälle und Aufstände wachhielt. Mit diesen Medien öffentlicher Erinnerung konnte wirksamer als in der Historiographie die erfolgreiche Überwindung der einstigen Bedrohung der städtischen Freiheiten verewigt werden [Anm. 181]. Daneben wurde in Sühneverträgen anläßlich der Beilegung innerstädtischer Konflikte ein bleibendes Gedenken in Gestalt von Steinkreuzen, Kapellen oder Meßstiftungen vereinbart, das zwar ursprünglich der memoria der im Aufstand getöteten Opfer galt [Anm. 182], das aber ebenfalls das historische Wissen um solche Ereignisse, die Erinnerung an "Verfehlung und Sühne" [Anm. 183], im städtischen Gedächtnis verankern konnte.

An den Aufstand der Tuchmacher 1527 erinnert die "Verrätergasse" in Görlitz. Zum ewigen gedechtnus ließ der Rat an der zugemauerten Tür eines Hauses in diesem Gäßlein, wo die Verschwörer am meisten aus- und eingingen, die Inschrift DVRT (Der Verräterischen Rotte Tür) anbringen [Anm. 184]. Wie bei der Basler "Mordnacht"-Überlieferung bringt die in einer "Sage" des 19. Jahrhunderts faßbare späte Traditionsbildung das Vorgehen der Uhr am Görlitzer Mönchsturm mit der Aufdeckung der Verschwörung in Verbindung [Anm. 185]. Auch in Schlettstadt wurde im 16. Jahrhundert das Andenken an eine Verschwörung mit lateinischen und deutschen Inschriften vom Rat dauerhaft gesichert [Anm. 186].

Während Inschriften den betreffenden Fall genau bezeichnen können, ist die Bezugnahme der Kennzeichnung innerstädtischer Hinrichtungsstätten auf ein bestimmtes Ereignis nicht ohne weiteres garantiert. Ganz sicher ist die Deutung nur bei dem jüngsten mir bekannten Fall: Als Bremer Kuriosität wird der sogenannte "Spuckstein" auf dem Domshof gezeigt. Es handelt sich um die durch ein Kreuz im Pflaster markierte Stelle, an der die Giftmörderin Gesche Gottfried 1831 bei der letzten öffentlichen Hinrichtung in der Hansestadt enthauptet wurde. Touristische Informationen wollen wissen, daß noch heute Einheimische "ihre Abscheu" durch Ausspucken äußern.

In seiner Monographie zur rechtlichen Volkskunde aus dem Jahr 1936 berichtet Eberhard Freiherr von Künßberg von dieser und einer ähnlichen "Spucksitte", die allerdings "nur mehr von Schulkindern" festgehalten werde, an der durch einen dunklen Stein bezeichneten Stelle der Hinrichtung des "Prinzenräubers" Kunz von Kauffungen im sächsischen Freiberg 1455 [Anm. 187]. Allerdings gehört die älteste Überlieferung zu diesem "Wahrzeichen" Freibergs auf dem Obermarkt zu den Zeugnissen für die üppige frühneuzeitliche Traditionsbildung rund um den "Prinzenraub", die Entführung der Söhne des sächsischen Kurfürsten durch Kunz von Kauffungen. 1702 soll der Stein, als er zersprungen war, durch einen neuen ersetzt worden sein. Außerdem wurde ein Kopf am Rathaus als Bildnis des Täters und eine der Gefängniszellen als die seine ausgegeben [Anm. 188].

Wilhelm Funk erwähnt neben dem Bremer und Freiberger Beispiel eine Lüneburger Markierung an der Stelle, wo 1457 (richtig: 1458) die Rädelsführer der Bürgerschaft hingerichtet worden seien [Anm. 189]. Vergeblich fahndet man aber in zeitgenössischen Quellen und Bernd-Ulrich Hergemöllers maßgeblicher Darstellung [Anm. 190] nach einem Beleg für dieses Erinnerungsmal. Zwar sagen die Chroniken, die Enthauptung Anfang Juni 1458 habe auf dem Markt stattgefunden [Anm. 191], doch muß das Alter der Markierung [Anm. 192] vorerst offen bleiben. Gleiches gilt für die Kennzeichnung wirklicher oder angeblicher innerstädtischer Hinrichtungsstätten in Lindau (Rienolt-Aufstand 1395 [Anm. 193]), Bautzen (Enthauptung aufständischer Handwerker 1408 [Anm. 194]), Amberg (Hinrichtung von Bürgern durch Pfalzgraf Friedrich den Siegreichen 1454 [Anm. 195]) und Wiener Neustadt ("Wiener Neustädter Blutgericht" im August 1522 [Anm. 196]).

In Lübeck erinnerte im 18. Jahrhundert eine Fliese auf dem Markt an die Enthauptung des Schiffshauptmanns Johannes Wittenborg als Verräter im Jahr 1363, doch war dies nicht das einzige "Andenken" an Wittenborgs Verrat: Mit der Hinrichtung brachte man auch ein im Zeughaus aufbewahrtes Richtschwert und einen Stuhl in Verbindung. Eine bildliche Darstellung, die das Urteil in Kopie enthalten haben soll, hing im Zeughaus [Anm. 197], und ein (in Wirklichkeit 1538 verfertigter) Pokal sollte, so die Überlieferung, an Wittenborgs schreckliches Ende gemahnen, wenn ihn die Ratsherren zweimal im Jahr leerten [Anm. 198]. Bei dieser städtischen Traditionsbildung handelt es sich nicht etwa um eine "Volkssage", sondern offenbar um eine "offiziöse", im Umkreis des Stadtregiments erzählte, von schriftlichen Geschichtsdarstellungen geprägte Überlieferung [Anm. 199].

Gerhard Buchda behauptet eine Praxis, innerstädtische Hinrichtungsplätze durch einen oder mehrere in den Boden eingelassene Steine kenntlich zu machen [Anm. 200]. Analog dazu will der Artikel "Schafott" im Handwörterbuch zur Rechtsgeschichte wissen, diese Steine hätten die Stelle bezeichnen sollen, auf der das Schafott oder Blutgerüst aufzuschlagen war [Anm. 201]. Obwohl diese Thesen noch weiterer Erhärtung bedürfen [Anm. 202], könnten sie die Existenz der referierten Traditionen plausibel erklären: Ex post hätte man die markierten Stellen mit den als besonders spektakulär in der städtischen Erinnerung festgehaltenen Hinrichtungen verbunden und gleichsam "historisiert" [Anm. 203]. Nachdem die Markierungen selbst sich einer Datierung entziehen und auch archivalische Belege über den genauen Zeitpunkt ihrer Anbringung noch nicht erhoben werden konnten, wird man aber auch mit der Möglichkeit rechnen müssen, daß sie im Kontext der neuzeitlichen Traditionsbildung entstanden sind. Vorerst gibt es keinen Nachweis dafür, daß bereits im Mittelalter der Ort von Hinrichtungen innerhalb der Stadt hervorgehoben wurde, sei es in der Art einer allgemeinen Kennzeichnung, sei es als Erinnerungsmal an eine bestimmte Hinrichtung.

Mit Sicherheit um neuzeitliche Fiktionen handelt es sich bei den Überlieferungen, steinerne Köpfe an Häusern oder Toren seien Darstellungen von Straftätern. Bereits erwähnt wurde der Kopf am Rathaus von Freiberg, bei dem es sich um den "Prinzenräuber" Kauffungen handeln soll. Bei einem Bürgeraufstand 1332 ließ der Abt von Fulda die Haupträdelsführer verbannen und ihre Häuser niederreißen. "Die spätere Behauptung", stellt Konrad Lübeck fest, "der Abt habe auch Bürger hinrichten [...] und an den Häusern derselben steinerne Köpfe anbringen lassen, ist in keiner Weise zuverlässig bezeugt" [Anm. 204]. 1430 wurde der Bautzener Stadtschreiber Peter Preischwitz wegen des Verrats der Stadt bei der Belagerung durch die Hussiten gevierteilt. Die eisernen Haken, mit denen die Viertel seines Körpers an den vier Toren aufgehängt worden sind, habe man noch lange gezeigt, wollen frühneuzeitliche Chroniken wissen. Diese bezeichneten auch das angebliche Wohnhaus des Stadtschreibers und deuteten einen steinernen Kopf an der Nikolaipforte als sein Bildnis [Anm. 205]. Nach einer "sagenhaften Überlieferung" ist eine Statue am alten Markentor zu Elbing die Schandsäule eines Bürgermeisters, der die Stadt verraten habe [Anm. 206]. Von zwei mit dem Tod im Eisenkorb bestraften Verrätern, dem Bürgermeister Prallas von Hildesheim und seinem Spießgesellen Kattenbrak, liest man in einer Sagensammlung des 19. Jahrhunderts: "Als sie nun gestorben waren, stellte man zum ewigen Gedenken der Verräterei ihre Steinbilder auf der Stadtmauer am Hagentore auf. Da standen sie Jahrhunderte lang und wurden von den Kindern mit Steinen beworfen" [Anm. 207].

In die "Deutschen Sagen" der Brüder Grimm von 1816/18 gelangte die einer Quelle von 1689 entnommene Erzählung "Der Schweidnitzer Ratsmann". Am Rathaus von Schweidnitz in Schlesien soll sich früher ein steinerner Kopf befunden haben, das Bild eines diebischen Ratsherrn, der auf dem Ratshausturm ausgesetzt wurde und sich selbst durch Abnagen seines eigenen Fleisches zu Tode gebracht habe [Anm. 208]. Aus Martin Zeillers "Reyßbuch" von 1632 exzerpierten die Brüder Grimm für einen Nachtragsband die Erzählung, Erzbischof Anno von Köln habe falsche Richter durch Augenausstechen bestraft: Und damit die Gedächtnis der That desto langwieriger würde, ließ er auf die Häuser der Richter leimerne [tönerne] Köpfe mit ausgegrabenen Augen setzen, allen Vorübergehenden zu einem Schrecken [Anm. 209]. In diesem Fall reicht die Tradition sogar ins Spätmittelalter zurück, denn die "Greinköpfe" der sogenannten Kölner Schöffensage erscheinen bereits in der 1469/72 verfaßten Kölner Chronik "Agrippina" des Heinrich van Beeck und danach in der gedruckten Koelhoffschen Chronik von 1499. In Wirklichkeit handelt es sich um steinerne Fratzenköpfe am Giebel eines Kaufmannshauses [Anm. 210]. Potterköpfe (tönerne Köpfe), wie Menschenköpfe gebacken, seien zum ewigen Andenken der Nachwelt auf die Häusern der Verräter im Lübecker Knochenhaueraufstand von 1384 gesetzt worden, berichtet auch die Lübecker Chronik des Leutnants Detlev Dreyer aus dem 18. Jahrhundert [Anm. 211].

In allen Fällen handelt es sich um ätiologische Erzählungen ("Erklärungssagen") [Anm. 212], die auffällige Steinköpfe (auch bekannt als "Neidköpfe") an Gebäuden nachträglich als bildliche Erinnerungen an Schwerverbrecher und ihre Taten deuten. Die rätselhaften Bildwerke, deren Funktion bis heute umstritten ist [Anm. 213], dienten ebenso als "Erzähl-Male" [Anm. 214] wie beispielsweise die Darstellung des Martyriums des heiligen Cyrillus - seine Peiniger wanden ihm mit einer Walze die Gedärme aus dem Leib - in der Lübecker Marienkirche. Das Schnitzwerk wurde in protestantischer Zeit als Erinnerung an die Bestrafung des adeligen Mörders Klaus Bruskow 1367 mißverstanden, dessen Schwert man als Tatwerkzeug lange Zeit auf dem Zeughaus aufbewahrt habe [Anm. 215]. Während die Geschichten die Gegenstände erklärten, beglaubigten umgekehrt die Gegenstände als "Wahrzeichen" die Geschichten von abscheulichen Taten und ihrer exemplarischen Ahndung.

Eine der bekanntesten historischen Traditionen der Schweiz im 16. Jahrhundert war das auch in Flugschriften verbreitete Exempel von den Willisauer Spielern, die 1553 beim Scheibenspiel Gott gelästert und daraufhin ein furchtbares Ende genommen hatten. Die Scheibe mit dem vom Himmel getropften Blut werde noch heute, weiß eine Schrift aus dem Jahr 1556, in Willisau als Warnung vor dem Fluchen gezeigt [Anm. 216]. Ein Autor des 17. Jahrhunderts vermerkt, der Tisch, an dem sie spielten, solle dort noch zum Wahrzeichen zu sehen sein [Anm. 217].

In Rathäusern erinnerten nicht nur die bekannten Weltgerichtsbilder und gemalten Exempla vom gerechten Richter [Anm. 218] die Ratsherren und Besucher an die Notwendigkeit gerechten Richtens. Härte bei schweren Vergehen gegen die Gemeinschaft forderten auch solche Strafjustiz-Andenken wie die oben erwähnten Wiedertäufer-"Reliquien" in Münster. Über eine auf einem Kasten montierte skelettierte Hand, die ebenfalls zum Rathaus-Inventar von Münster zählt, liest man, sie sei ein "der Abschreckung von Meineiden dienendes Requisit frühneuzeitlicher Justiz" [Anm. 219]. Eine konkretere Vermutung, es handle sich um die "abgehackte Hand eines eidbrüchigen Notars", notiert ein populärer Führer zu makabren Sehenswürdigkeiten [Anm. 220]. 1831 gehörte zum Inventar des Erfurter Rathauses eine Kiste mit "abgehauenen Händen" [Anm. 221]. In beiden Fällen dürften mittelalterliche "Leibzeichen" oder "Totenhände" vorliegen, die abgetrennten Hände von Erschlagenen, die vor Gericht als Beweisstück den ganzen Körper zu vertreten hatten [Anm. 222]. Ätiologische Erzählungen, die Anton Mailly referiert, deuteten solche nicht mehr verstandenen Leibzeichen als Verbrecherhände. Von einer im Rathaus des rheinländischen Rees aufbewahrten vertrockneten Menschenhand heißt es, sie sei einem jungen Menschen abgeschlagen worden, "weil er sich an seinem Vater schwer vergriffen hätte". Verdorrte Menschenhände in Kirchen im pommerschen Buchholz und in Prag galten als Hände von Kirchenräubern [Anm. 223].

Keine deutschen Belege existieren anscheinend für die flandrische und niederländische Praxis im späten Mittelalter und zu Beginn der Neuzeit, als Nebenstrafe bei Gewalt- und Verbaldelikten gegen die Obrigkeit zum dauernden Andenken die Anfertigung von bronzenen oder silbernen Objekten, Köpfe oder Fäuste, mit erklärendem Text aufzuerlegen. Vorbild dieses Brauchs könnte die Stiftung frommer Votivgaben sein. Die Objekte wurden "im Schöffenhaus ausgestellt oder in der Kirche zur Erinnerung und zur Erbauung" [Anm. 224].

Im Erfurter Rathaus zeigte man 1831 die Kutte eines Mönchs, der 1472 Erfurt ansteckte [Anm. 225]. An der Stelle seiner Hinrichtung sei zum "immerwährendem Gedächtnis" ein Steinkreuz errichtet worden, liest man in einer Thüringer Sagensammlung [Anm. 226]. Eine Parallele wäre der auf einer Karte von 1769 eingezeichnete Galli-Küng-Bildstock, der bis zum 19. Jahrhundert am Rhein bei Lustenau in Vorarlberg stand und an die Untaten des 1552 als "Mordbrenner" hingerichteten Landsknechts Galli Küng erinnerte [Anm. 227]. 1788 schlug ein aufgeklärter Jurist, der sich Gedanken über die Ignoranz des Volkes gegenüber der Strafjustiz machte, vor, "Merkmale öffentlicher Strafen an den Landstraßen zu errichten, und zwar am Orte z.B. eines Mordes" [Anm. 228]. Die zahlreich überlieferten mittelalterlichen Steinkreuze [Anm. 229], die diesen Vorschlag inspiriert haben mögen, sind jedoch nicht als Abschreckung zu verstehen, sie dienten - insbesondere als Sühneleistung bei Todschlägen - primär dem Gedenken, der Totenmemoria der Opfer [Anm. 230]. Ob sich hieb- und stichfeste zeitgenössische Belege für die Aufstellung von Steinkreuzen zum Zweck der Verbrechensprävention finden lassen, bleibt abzuwarten.

Quellenkritik tut not. Es ist im vorstehenden deutlich geworden, daß dies nicht nur für die Gerichtsquellen in den Archiven gilt, sondern auch für die erhaltenen oder schriftlich dokumentierten Zeugnisse der materiellen Kultur. Doch sollte man bei dem Nachweis stehenbleiben, daß die vermeintlichen Erinnerungsmale gar nicht so selten Fiktionen, nämlich Resultate neuzeitlicher Traditionsbildung sind [Anm. 231]? Indem die Traditionen retrospektiv bewußt gesetzte Gedenkzeichen denkwürdiger Straffälle entdecken wollen, setzen sie die Praxis prospektiver Verewigung für die Nachwelt voraus. Da die reale Ausführung von Schanddenkmalen extrem selten vorkam, bedienten die narrativen Fehldeutungen und Mißverständnisse den weitverbreiteten Wunsch nach "Symbolen", nach anschaulicher Vergegenwärtigung exemplarischer Strafjustiz in Form von Erinnerungzeichen. Die Tradition neigte zur Strafverschärfung: 1425 wurden in Halberstadt vier Aufrührer enthauptet; die "erinnernde Sage" aber wollte von einer Vierteilung eines Anführers wissen [Anm. 232]. Solche Überlieferungen demonstrieren nicht etwa das lange "Gedächtnis des Volkes"; sie setzen in der Regel gelehrtes historisches Wissen voraus und ihre Träger sind eher in der Oberschicht, im Umkreis des Magistrats, bei Lehrern, Pfarrern und Honoratioren zu suchen als unter einfachen Leuten [Anm. 233]. Obrigkeitliche Verewigungspraxis und populare "Wahrzeichen"-Kunde sind aufeinander zu beziehen als Teile eines gemeinsamen gesellschaftlichen Diskurses über die Ahndung schwerster Verbrechen.

Die Einbeziehung der Kategorie "ewiges Gedächtnis" in das Ritual des Strafens wurde ebensowenig konsequent gehandhabt wie das Strafen selbst. Mitunter akzentuierte die Erwähnung des ewigen Gedächtnisses eine besonders exemplarische Bestrafung, wenn es beispielsweise in der Präambel des Kölner Transfixbriefs von 1513 über die Aburteilung von Herren des alten Regiments heißt, sie sei "für alle ihre Nachkommen als warnendes Beispiel und zum ewigen Gedächtnis" erfolgt [Anm. 234]. Meistens entschied man offenbar ad hoc, wie der Abschreckungseffekt von Strafen durch Wirkung auf das Gedächtnis der Zeitgenossen oder der Nachwelt zu verstärken war. Selten genug fixierte die Obrigkeit ihre Überlegungen schriftlich: 1582 wurde in Nürnberg der Kopf einer Kindsmörderin am Hochgericht angeheftet, damit der abscheuliche Anblick in längerer gedächtnus bliebe als beim Ertränken [Anm. 235].

Auch wenn meine Beispielsammlung mit Sicherheit vermehrt werden kann, so kann doch kein Zweifel daran bestehen, daß Obrigkeiten nur höchst sporadisch das ewige Gedächtnis bemühten. Als publikumswirksame Steigerungsform und Strafverschärfung im Sinne einer ewigen Entehrung demonstrierte die Bewahrung eines dauernden Gedächtnisses an bestimmte Straftaten vor allem in der frühen Neuzeit exemplarische Härte. Mediale Präsenz in der Publizistik flankierte häufig die Anschaulichkeit der gegenständlichen Erinnerungszeichen: Es ging um "Justiz-Pädagogik" im Dienste der Generalprävention.

Die pathetische Berufung auf die Ewigkeit läßt sich mit der von Gerd Schwerhoff konstatierten "Dialektik von Exempelstrafe und Sanktionsverzicht" [Anm. 236] in Verbindung bringen. Wer gelegentlich spektakulär und aufsehenerregend strafte, konnte im Normalfall Milde an den Tag legen. Das ewige Gedächtnis erweist sich somit als Teil jenes Abschreckungsapparats, den die neuere Forschung immer mehr als Theaterkulisse erkennen will, hinter der viele Konflikte anderweitig geregelt werden konnten. Anekdotisch wird der Illusionsaspekt vormoderner Strafpraxis angesprochen in einer Beispielerzählung, die sich in Christoph Lehmanns 1630 erstmals erschienener Sprichwörtersammlung vorfindet. Von Herzog Alfons von Ferrara heißt es dort, er habe Hirschgeweihe bei Hingerichteten aufgehängt, obwohl er wegen Jagens niemand mit dem Tode bestraft habe [Anm. 237].

Retrospektive: der "historische" Diskurs über das Strafen

1824 wurde aufgrund eines Urteils des Malefizgerichts des Kantons Zürich ein Bauernhaus in Wildensbuch, in dem religiöser Rausch zur Tötung von zwei Menschen geführt hatte, niedergerissen. Das Urteil bestimmte, daß auf dieser Stelle niemals mehr ein Wohnhaus aufgeführt werden solle [Anm. 238]. Lorenz Laubenberger kommentiert: "Die Besonderheit dieses Falles liegt darin, daß die eidgenössischen Richter in einer Situation, die aufgrund der Aufhebung des aufgeklärten code pénal die Möglichkeit 'freier' Rechtsgestaltung bot, zu einem auf archaisierenden Rechtsempfinden beruhenden Urteil kamen" [Anm. 239]. Es waren unter anderem Wüstungsrituale, mit denen die Auffassung vom Wiederaufleben älterer Rechtsformen im Kontext der sogenannten "Volksjustiz" belegt wurde. Von der "Wiedergeburt alter Rechtsgedanken aus der Volksseele" sprach Eberhard Freiherr von Künßberg [Anm. 240], und auch der Volkskundler Karl-Sigismund Kramer glaubte feststellen zu können: "In Akten der Volksjustiz brechen häufig höchst altertümliche Züge hervor" [Anm. 241]. Für Künßberg erfolgte der Rückgriff unbewußt und gleichsam instinktiv. Aber wie konnte das Volk um das alte Recht wissen [Anm. 242]?

In der Antike habe man archaisierende Strafjustiz in der Tat praktiziert, entnimmt man einem Aufsatz Manfred Fuhrmanns zur Funktion antiquarischer Forschung im spätrepublikanischen Rom [Anm. 243]. So sollte 63 v. Chr. C. Rabirius auf Betreiben Cäsars mit einem höchst altertümlichen Exekutionsritual hingerichtet werden, dessen Schrecknisse, so der Verteidiger des Angeklagten Cicero, aus historiographischen Quellen zusammengesucht worden seien [Anm. 244]. Der Rückgriff transponiert, so Fuhrmann, "hocharchaische Rituale von grausiger Feierlichkeit in eine Welt, in der nur noch Spezialisten wissen, daß es einmal dergleichen gegeben hat" [Anm. 245].

Der Strafrechtshistoriker Hans von Hentig bemühte 1957 für die Erklärung des von ihm konstatierten Wiederauflebens der Strafe des Lebendigbegrabens in Mecheln 1537 bis 1556 eine Krisentheorie: "Dieser Rückgriff auf alte Strafarten ist das Symptom einer kollektiven Gleichgewichtsstörung" [Anm. 246]. Man tut sich allerdings schwer, solche Rückgriffe ("revivals") methodisch einwandfrei nachzuweisen [Anm. 247]. Wurde eine Strafe sehr selten vollstreckt, so könnte der zeitliche Abstand zur vorhergehenden Anwendung der Strafe dazu verleiten, von einem Rückgriff zu sprechen.

Nicht alles, was "altertümlich" oder anachronistisch anmutet, ist ein Rückgriff. Es kann sich auch um ein Relikt handeln, um das Überbleibsel ("survival") einer früheren Praxis. Mitunter spricht man auch von "Traditionsgebundenheit" oder "Konservativismus". Vielfach beläßt man es bei der Feststellung eines solchen Befunds der "Ungleichzeitigkeit des Gleichzeitigen", ohne sich über die Gründe der Beibehaltung des Überlebten Gedanken zu machen. Die anachronistischen Roben der Richtertracht [Anm. 248] sind Würdeformeln, die mit ihrem retrospektiven Distanzsignal Feierlichkeit erzeugen sollen und damit in ähnlicher Weise wie die prospektive Verewigung ein pathetisches Ausrufezeichen setzen. Die unterschiedlichen Geschwindigkeiten von Norm und Strafpraxis hat man wohl nicht selten bewußt in Kauf genommen: "Alte grausame Strafen werden zwar nicht mehr ausgeführt, aber doch genannt. Statt die alten als zu streng empfundenen Strafmasse durch neue zu ersetzen, läßt man sie formell, als Rechtsformeln, noch weiter gelten und verweist auf den Weg der Strafmilderung durch den Gerichtsherrn, des privaten Verhandelns und Vergleichens mit diesem" [Anm. 249].

Ein eindeutiges deutsches Beispiel für den Vollzug einer antiquierten und längst obsoleten Strafe ist mir zwar noch nicht bekannt, doch hat man für die frühe Neuzeit generell mit der Existenz archaisierender oder historisierender Phänomene zu rechnen. So erhielt im 17. Jahrhundert die Effigies-Strafe, die stellvertretende Bestrafung des Bildnisses, nach Auffassung von Wolfgang Brückner "nachträglich ein historisierendes Fundament in der für römisch angesehenen damnatio memoriae" [Anm. 250]. Ein ähnlicher Fall liegt vor bei Wiederaufnahme der altrömischen Strafe des Säckens ("poena culnei") im Zuge der mittelalterlichen Rezeption des römischen Rechts [Anm. 251].

Wenn 1702 der Nürnberger Rat auf die längst nicht mehr übliche Pfählung bei lebendigem Leibe zurückkam und sie in einem Dekret den Kindsmörderinnen androhte und sich 1745 das Kieler Kollegium bei der Behandlung eines konkreten Falls in rechtshistorischen Ausführungen zur gleichen Strafart erging [Anm. 252], so werfen diese Belege die Frage nach der Rolle des "historischen" Diskurses über das Strafen in der Strafpraxis auf. Es geht also um die retrospektive Dimension der Erinnerungskultur, den zeitgenössischen Blick zurück auf die eigene Geschichte.

Im Grunde genommen kann hier nur eine große Forschungslücke markiert werden, denn allzu unzulänglich ist der gegenwärtige Kenntnisstand über die Anfänge und die Entwicklung des rechtshistorischen Diskurses in Mittelalter und früher Neuzeit [Anm. 253]. Beginnt die Geschichte der deutsche Rechtsgeschichte erst mit der humanistischen Jurisprudenz oder vielleicht schon im 15. Jahrhundert mit Nikolaus von Kues [Anm. 254]? Die verbreitete Ansicht, die mittelalterlichen Juristen hätten keinen Sinn für die historische Dimension des Rechts, seine Geschichtlichkeit und Veränderbarkeit, besessen [Anm. 255], trifft jedenfalls nicht zu [Anm. 256]. Das Problem der historischen Distanz hat nicht erst jene frühneuzeitlichen Autoren beschäftigt, die sich über die fortdauernde Gültigkeit des mosaischen Strafrechts den Kopf zerbrachen [Anm. 257]. Otto Herding wollte das "Bewußtsein von der zeitlichen Distanz und der Andersartigkeit der zeitlich entfernten Welt, die man nicht durch Glossen zeitgemäß machen, sondern nur in voller Erkenntnis ihrer entfernten Hoheit verehren kann" zum Humanismus-Kriterium erheben [Anm. 258]. Humanisten wären dann aber auch die Kanonisten des 12. Jahrhunderts, die mit der Maxime Non imitanda set veneranda die rechtliche Präzedenzfallfunktion bestimmter heikler biblischer Exempla zurückwiesen [Anm. 259].

Zufallsfunde sollen verdeutlichen, worauf die künftige Forschung zu achten hätte. Schon im 15. Jahrhundert hat man sich mitunter mit älterem Recht intensiv auseinandergesetzt. Rechtsnormen der westfälischen Femegerichtsbarkeit von 1431 und 1433 sind nach Theodor Lindner "das Ergebnis einer Art von gelehrter Forschung" [Anm. 260]. Ein gelehrter Jurist ist wohl auch für die explizite Berufung auf eine stauferzeitliche Norm des Fehderechts, nämlich Kaiser Friderichs Barbarossä zue Nieremberg im Jahr 1187 gemachte [...] Satzung, verantwortlich, die in der Auseinandersetzung um einen Überfall auf die Stadt Mühlhausen 1465 begegnet [Anm. 261].

Eine eigene Analyse verdiente die nur in einer einzigen Handschrift überlieferte Reformschrift des sogenannten "Oberrheinischen Revolutionärs", verfaßt von einem studierten Juristen, der bis etwa 1509 an ihr gearbeitet hat [Anm. 262]. Der Text kann über weite Strecken als rechtshistorischer Diskurs über das Strafen gelesen werden. Gegen das römische Recht insistiert der Autor auf dem strengen alten deutschen Recht, wie es von Kaiser Karl gestiftet worden sei und noch von den westfälischen Gerichten (den Femegerichten) angewendet werde [Anm. 263]. Mit der Forderung, das alte bischöfliche Sendgericht als zentrale Disziplinierungsinstanz mit neuem Leben zu erfüllen, den heilgen sent wider zu+o handthaben [Anm. 264], nimmt der oberrheinische Anonymus einen Vorschlag des württembergischen Reformators Johannes Brenz aus dem Jahr 1531 vorweg, der die Bestrafung von Unzucht, Ehebruch und vergleichbarer Delikte dem Sendgericht zuweisen wollte [Anm. 265].

Daß im 16. Jahrhundert Konflikte um die Landeshoheit der Anlaß gewesen sind, sich näher mit der Geschichte der Strafjustiz des eigenen Territoriums und ihren Quellen auseinanderzusetzen, bezeugt das oben genannte Eichstätter "Alte Halsgerichtbuch" und seine Parallelen [Anm. 266]. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurden auch Urfehdesammlungen angelegt, von denen man sich wohl Aufschlüsse über Trends der Kriminalitätsentwicklung, also Material für die Verbrechensvorbeugung, erhoffte. Gelegentlich habe man, stellt Andreas Blauert fest, "regelrechte historisch-kriminologische Auswertungen" vorgenommen. In einem Salemer Urfehdenextrakt heißt es: Vonn Anno 1498 Biß auf auch 1587 haben sich 18 fähl deß Trowens halber [...] zugetragen [Anm. 267]. Das historisch-antiquarische Interesse an alter Strafjustiz emanzipiert sich nur allmählich und ohne daß klare Grenzen zu ziehen wären von einem pragmatischen Gebrauch zu aktuellen juristischen Zwecken. Ab dem Ende des 17. Jahrhunderts setzen in Nürnberg die sogenannten "Malefizbücher" ein [Anm. 268], erstaunlich breit überlieferte handschriftliche Zusammenstellungen von Kriminalfällen seit dem Ende des 13. Jahrhunderts, die das "Interesse der Patrizier und Bürger [...] geschaffen hat" [Anm. 269]. Sie wurden aus dem amtlichen Unterlagen kompiliert. Die in der erwähnten Publizistik und ihren Justiz-Erzählungen greifbare Faszination, die sensationellen Kriminalgeschichten entgegengebracht wurde, konnte somit auch historisch akzentuiert sein. Auf die Bemühungen der Rechtsantiquare des 18. Jahrhunderts wurde zu Beginn dieses Beitrags bereits aufmerksam gemacht [Anm. 270].

Ein letzter Hinweis gilt den Zeugnissen der materiellen Kultur, den gegenständlichen "Altertümern" der Strafgerichtsbarkeit. In Erinnerung zu rufen sind die angeführten Beispiele der Fehlinterpretation etwa der Steinköpfe als "Wahrzeichen" einstiger Bestrafungen. Durch diese retrospektive Deutung wurden prospektive Denkmäler fingiert. Nachdem die einstigen Bestrafungen von den frühneuzeitlichen Traditionen in der Regel zeitlich genau fixiert werden, handelt es sich nicht nur um "zeitlose" Exempla, sondern um datierbare "Altertümer" der eigenen Geschichte, deren verstärkte Beachtung mit der im 16. Jahrhundert aufblühenden antiquarischen Forschung und ihrer Betonung nichtliterarischer Quellen [Anm. 271] zusammenhängt.

Die Schauer-Romantik des späten 18. und 19. Jahrhunderts hat sich nicht damit begnügt, Vorhandenes zu interpretieren: "Dem Gruselbedürfnis und der Sage mag manches Foltergerät seine Entstehung verdanken" [Anm. 272]. Vielleicht sind gar nicht wenige Foltergeräte in den Museen Fälschungen oder Nachschöpfungen des 19. und 20. Jahrhunderts [Anm. 273] so wie die berühmte "Eiserne Jungfrau", deren Nürnberger Exemplar, ein ehemaliger Schandmantel, 1867 innen mit Messern versehen wurde [Anm. 274]. Einmal mehr erweist sich die Geschichte der Strafjustiz mit Fiktionen durchsetzt, und so soll denn ein Zitat zur romantischen Rezeption mittelalterlicher Strafjustiz aus einer 1842 erschienenen Sagensammlung Ludwig Bechsteins das hier ausgebreitete Material beschließen. Von einem "Jungfernkuß" genannten Rundturm in Schweinfurt steht dort zu lesen: In den grausamen und barbarischen Zeiten des Mittelalters stand, so geht die Sage, in diesem Thurme eine eiserne Jungfrau, die in jeder ihrer Hände ein scharfes Schwert hielt. Dort wurde von den Carmelitern ein schauderhaft geheimnißvolles Strafrecht ausgeübt. Wenn ein Mönch sich vergangen oder sonst ein Verbrecher freiwillig oder durch die Marter zum Geständniß seiner Unthat gebracht war und diese todeswürdig befunden wurde, so führte man ihn auf unterirdischem Weg in den Thurm, und gebot ihm, das eiserne Jungfrauenbild zu küßen. So wie er aber auf die Stufe trat, dem Bild zu nahen, so schlugen die zwei Schwerter zusammen und schlugen den Kopf des Verbrechers ab, welcher sammt dem Körper in einen Wasserbehälter fiel, der unter dem Thurme war. Sah man nun manchmal das Wasser dieses Teiches geröthet, so sprach man schaudernd: die Jungfrau hat gearbeitet, und bethete für die Seele des Gerichteten [Anm. 275].

Für eine interdisziplinäre Geschichte der Erinnerungskultur der Strafgerichtsbarkeit

Sehr unterschiedliche Materien sind in diesem Beitrag zur Sprache gekommen. Nach einem Plädoyer für eine überlieferungsnahe Quellenkunde und Quellentypologie der Kriminalquellen ging es um die "schwarzen Bücher", die spätmittelalterlichen Strafbücher, die als weltliche "Sündenregister" auch in den öffentlichen Diskurs des Sprichworts Eingang gefunden haben. Sie waren allgemein bekannte Symbole für die Erfassung und Ahndung von Normverstößen, Zeichen im Kontext religiöser Kommunikation über Sünde, Verdammung und Teufel. Narrativen Texten galt der Abschnitt über die Justiz-Erinnerungen mit dem Schwerpunkt auf den sogenannten "Sagen", Erzählungen beispielsweise über unschuldig Hingerichtete. Sie dürfen nicht getrennt von den anderen Justiz-Erzählungen in der zeitgenössischen Publizistik und Kompilationsliteratur betrachtet werden.

Der Hauptteil befaßte sich mit Quellen aus dem Bereich der materiellen Kultur, nämlich mit Schanddenkmälern, also mit der prospektiven Verewigung von Schande, wie sie in Deutschland vor allem in der frühen Neuzeit in seltenen Fällen gleichsam als pathetisches Ausrufezeichen praktiziert wurde. Die Erinnerung an "exemplarische" Bestrafungen wurde gesichert mit der dauerhaften Ausstellung der sterblichen Überreste von Schwerverbrechern, der Errichtung eigener Schandsäulen für Hochverräter, in der Regel verbunden mit der "damnatio memoriae" in Form einer Hauswüstung, und mit Inschriften zum Gedenken an Verschwörungen. Es handelte sich um "Justiz-Pädagogik" im Dienste der Generalprävention.

Während offen gelassen werden mußte, wann die Markierungen der Stellen auf öffentlichen Stadtplätzen, auf denen von der Tradition herausgehobene Hinrichtungen stattgefunden haben sollen, entstanden sind, konnten Deutungen von Steinköpfen ("Neidköpfen") als Erinnerungszeichen ("Wahrzeichen") an bestrafte Missetäter als frühneuzeitliche Fiktionen erwiesen werden. Um solche handelt es sich auch bei den meisten Interpretationen, die sich an das einschlägige Inventar deutscher Rathäuser, insbesondere die "Leibzeichen", knüpften. Wichtig sind solche "Mißverständnisse" gleichwohl und zwar als Resultate einer Traditionsbildung, die retrospektiv und im narrativen Diskurs die Bedeutung der prospektiven Verewigungspraxis unterstreicht. Die Materialpräsentation beschloß ein Abschnitt über die retrospektive Dimension der Erinnerungskultur, über den "historischen" Diskurs über das Strafen. Ausgehend von der Frage archaisierender Strafjustiz gab er einige vorläufige Hinweise für eine noch zu schreibende Geschichte (oder Vorgeschichte) der Strafrechtsgeschichte.

Mit den Variationen zum Thema erinnerter Kriminalität wurde zugleich ein diskursgeschichtlicher Beitrag [Anm. 276] geleistet, der auf Prozesse der Kommunikation und Verständigung abhob und Kultur- und Sozialgeschichte zu verbinden suchte. Im gesellschaftlichen Diskurs über das Strafen ("Justiz-Diskurs") sind obrigkeitliche und "populare" Wahrnehmungsweisen [Anm. 277] ineinander verschränkt. Es galt das schwierige Verhältnis beider zu beschreiben, ohne zu sehr der obrigkeitlichen Steuerung und Instrumentalisierung des Diskurses einerseits und der Autonomie der "Volkskultur" im Sinne einer Widerstandsthese andererseits das Wort zu reden.

Es spricht vieles dafür, die hier thematisierten Justiz-Erinnerungen vor allem als Justiz-Erzählungen, also als narrative Texte, zu sehen [Anm. 278]. Auch die angeblichen oder wirklichen gegenständlichen Erinnerungszeichen bedurften der Erläuterung durch Erzählungen, wie sie umgekehrt die Geschichten beglaubigten. Die geschichtswissenschaftliche Kriminalitätsforschung könnte von einer verstärkten Kenntnisnahme der Resultate der interdisziplinär betriebenen Erzählforschung, sei sie volkskundlicher oder literaturwissenschaftlicher Provenienz [Anm. 279], nur profitieren. In der Erzählforschung ist auch die Behandlung der üblicherweise als "Rechtssagen" bezeichneten Geschichten besser aufgehoben als in der von juristischer Seite betriebenen "Rechtlichen Volkskunde", nicht selten ein "Sammelsurium mehr oder weniger merkwürdiger Rechtsüberlieferungen" [Anm. 280].

Vor allem drei Gründe rechtfertigen, wie ich meine, den Gebrauch des Begriffs Erinnerungskultur für den Gegenstand dieses Aufsatzes. Erstens weitet er (ebenso wie der konkurrierende Begriff "Geschichtskultur") den Gegenstandsbereich aus: Es werden nicht nur die im Rahmen einer Geschichte der Schriftlichkeit zu erörternden Schriftquellen, die archivalischen Gerichtsquellen und die literarischen Justiz-Erzählungen, in den Blick genommen, sondern auch die Dokumente der materiellen Kultur, also die Gegenstände der Rechtsarchäologie und der Rechtsikonographie.

Zweitens leistet das Assmannsche Konzept der Erinnerungskultur die Verknüpfung der retrospektiven und der prospektiven Dimension des Erinnerns, die sich auch hier als sinnvoll erwiesen hat. Sie ist bereits in den Quellenbegriffen "gedechtnus" und "Denkmal" angelegt, die beide sowohl Stiftung als auch Bewahrung von Erinnerung umfassen [Anm. 281]. Nochmals sei der Zusammenhang der retrospektiven Wahrzeichen-Traditionen mit der prospektiven Verewigungpraxis betont.

Drittens bettet das Konzept Erinnerungskultur die hier besprochenen schriftlichen und rechtsarchäologischen Quellen zur Strafgerichtsbarkeit in die allgemeine Geschichte der Erinnerungskultur ein, die nach den Konjunkturen des Erinnerns und der Ausbildung zeitspezifischer Erinnerungsmedien fragt. Zugleich können die Resultate der Erforschung der Historiographie, des sogenannten Geschichtsbewußtseins und der Traditionsbildung eingebracht werden. Gerade die Beachtung der städtischen Traditionsbildung hat sich bei der Besprechung der ikonischen Erzählungen über angebliche Denkmäler einstiger Bestrafungen als wichtig erwiesen. Erwähnung verdient aber auch der Beitrag der von der neueren kriminalitätshistorischen Forschung etwas vernachlässigten Begriffs- und Ideengeschichte (Semantik des "ewigen Gedächtnisses", Auslöschung der Erinnerung und "damnatio memoriae" [Anm. 282]).

Die Frage nach der Erinnerungskultur der Strafgerichtsbarkeit siedelt im Überschneidungsbereich verschiedener Disziplinen und sollte von diesen kooperativ weiterverfolgt werden. Neben der von HistorikerInnen betriebenen Kriminalitätsforschung sind vor allem die Rechtsgeschichte und die Rechtsarchäologie, die Erzählforschung und die Volkskunde [Anm. 283] beteiligt. Mein Versuch möge als Anregung genommen werden, in eine interdisziplinäre Verständigung über das Thema einzutreten, möglichst ohne sich über Gebühr hinter Fachbarrieren und disziplinären Grabensystemen zu verschanzen.


Anmerkungen

[1] Justus Möser: Sämtliche Werke, Bd. 5, Oldenburg 1945, 264-267, Zitat 264. - Der vorliegende Beitrag geht zurück auf mein Referat auf der Tagung der Arbeitsgruppe "Historische Kriminalitätsforschung" im Rahmen der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart am 11. Juni 1993. Für Anregungen und Kritik danke ich Andrea Griesebner, Christof Jeggle, Barbara Krug-Richter, Peter Schuster, Gerd Schwerhoff, Gabriela Signori und Herwig Weigl. Besonders hervorheben möchte ich die Hilfe von Matthias Lentz, der mich kenntnisreich mit einer Reihe wichtiger Hinweise versorgt hat. [zurück]

[2] Beispielsweise publizierte Philipp Wilhelm Hausleutner in einer von ihm herausgegebenen Zeitschrift (Schwäbisches Archiv 1, Stuttgart 1790, 551f.) eine kurze summarische Hinrichtungsstatistik für die Reichstadt Augsburg 1350-1750 und kündigte weitere Nachrichten dazu an. Auf historische Beiträge im Rahmen der aufklärerischen Debatte über die Bestrafung von Kindsmörderinnen macht aufmerksam Otto Ulbricht: Kindsmord und Aufklärung in Deutschland, München 1990, 246f. Zahlreiche rechtshistorische Dissertationen des 17./18. Jahrhunderts weist nach: Christoph Daxelmüller: Bibliographie barocker Dissertationen zu Aberglaube und Brauch, in: Jahrbuch für Volkskunde NF 3 (1980) - NF 7 (1984), hier NF 5 (1982), 222-224; NF 6 (1983), 230-233; NF 7 (1984), 209-211. [zurück]

[3] Jacob Grimm: Deutsche Rechtsaltertümer, 2 Bde, 4. Aufl. Leipzig 1899, Nachdruck Darmstadt 1989 (Erstausgabe 1828). Vgl. auch Dieter Werkmüller: Rechtsaltertümer, in: Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte [künftig: HRG] 4 (1990), 265-268 und Louis Carlen: Sinnfälliges Recht. Aufsätze zur Rechtsarchäologie und Rechtlichen Volkskunde, Hildesheim 1995, 34f. mit Hinweisen auf Vertreter der juristisch-antiquarischen Richtung im 18. Jahrhundert. [zurück]

[4] Gerd Schwerhoff: Devianz in der alteuropäischen Gesellschaft. Umrisse einer historischen Kriminalitätsforschung, in: Zeitschrift für historische Forschung 19 (1992), 385-414, Zitat 414. [zurück]

[5] Keinen Abschnitt über die Quellenlage enthält z.B. die umfangreiche Monographie von Franz Gut: Die Übeltat und ihre Wahrheit. Straftäter und Strafverfolgung vom Spätmittelalter bis zur neuesten Zeit - ein Beitrag zur Winterthurer Rechtsgeschichte, Zürich 1995. [zurück]

[6] Friedrich Merzbacher: Das "Alte Halsgerichtsbuch" des Hochstifts Eichstätt. Eine archivalische Quelle zur Geschichte des Strafvollzugs im 15. und 16. Jahrhundert zur rechtlichen Volkskunde, in: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte. Germanistische Abteilung [künftig: ZRG GA] 73 (1956), 375-396. Gerhard Rechter, Staatsarchiv Nürnberg, verdanke ich ergänzende Informationen zu dem Band (Eichstätter Literalien Nr. 13). Eine Parallele stellt das aus der gleichen Zeit stammende Archivale Staatsarchiv Nürnberg Deutscher Orden Kommende Virnsberg Nr. 150 II dar, in dem - vielleicht zur Vorbereitung eines Reichskammergerichtsprozesses - die Ausübung der Gerichtsrechte durch die Kommende anhand von Einzelfällen ebenfalls regestenartig dokumentiert wurde, vgl. Gerhard Rechter: "Lieber Getreuer" oder "Euer Fürstlich Gnaden?". Zum Verhältnis zwischen dem Deutschen Orden und den Zollern in Franken (= Triesdorfer Hefte 7), Triesdorf 1996, 7f. mit Anm. 44. [zurück]

[7] Marc Bloch: Apologie der Geschichte oder Der Beruf des Historikers, hg. von Lucien Febvre, München 1985, 58f. [zurück]

[8] Vgl. beispielsweise Gerd Schwerhoff: Ein Blick vom Turm. Kölner Quellen zur historischen Kriminalitätsforschung, in: Geschichte in Köln 27 (1990), 43-67; Susanna Burghartz: Leib, Ehre und Gut. Delinquenz in Zürich Ende des 14. Jahrhunderts, Zürich 1990, 55-60; Katharina Simon-Muscheid: Gerichtsquellen und Alltagsgeschichte, in: Medium Aevum Quotidianum 30 (1994), 28-43; Katharina Simon-Muscheid/Christian Simon: Zur Lektüre von Gerichtsquellen: Fiktionale Realität oder Alltag in Gerichtsquellen, in: Dorothee Rippmann/Katharina Simon-Muscheid/Christian Simon, Arbeit - Liebe - Streit. Texte zur Geschichte des Geschlechterverhältnisses und des Alltags. 15. bis 18. Jahrhundert, Liestal 1996, 17-39 und künftig die ausführliche Beschreibung des Quellenkorpus bei Andrea Griesebner: Interagierende Differenzen. 'Vergehen' und 'Verbrechen' in einem niederösterreichischen Landgericht im 18. Jahrhundert, unveröffentlichte Diss. Wien 1998. Aus sprachhistorischer Perspektive: Arend Mihm: Die Textsorte Gerichtsprotokoll im Spätmittelalter und ihr Zeugniswert für die Geschichte der gesprochenen Sprache, in: Gisela Brandt (Hg.): Historische Soziolinguistik des Deutschen II. Sprachgebrauch in soziofunktionalen Gruppen und in Textsorten, Stuttgart 1995, 21-57. [zurück]

[9] Umso nachdrücklicher sei auf die von Dieter Hangebruch herausgegebenen "Brüchtenprotokolle der Stadt und des Landes Uerdingen im 17. Jahrhundert" (Krefeld 1991) aufmerksam gemacht. Die Masse der 679 Einträge in den Brüchtenprotokollen von 1607 bis 1632 und im Rapiar des Schultheißen von 1650 bis 1657, einem privaten Notizbuch, betrifft Beleidigungen. Ein rascher Zugriff auf den Inhalt ist dank eines Sachregisters möglich, was man leider von den wenigsten einschlägigen deutschsprachigen Darstellungen sagen kann. [zurück]

[10] Vgl. beispielsweise Otto Stobbe: Geschichte der deutschen Rechtsquellen, 2 Bde, Leipzig 1860/Braunschweig 1864, Nachdruck Aalen 1965; Theodor Bühler: Rechtsquellenlehre Bd. 2: Rechtsquellentypen, Zürich 1980. [zurück]

[11] Eine allzu lückenhafte Übersicht zu spätmittelalterlichen Kriminalquellen gibt Martin Schüßler: Verbrechen im spätmittelalterlichen Olmütz. Statistische Untersuchung der Kriminalität im Osten des Heiligen Römischen Reiches, in: ZRG GA 111 (1994), 148-271, hier 245-248. [zurück]

[12] Hermann Heimpel: Der Mensch in seiner Gegenwart. Acht historische Essais, 2. Aufl., Göttingen 1957, 209. [zurück]

[13] Vgl. Arnold Esch: Überlieferungs-Chance und Überlieferungs-Zufall als methodisches Problem des Historikers, in: Historische Zeitschrift 240 (1985), 529-570; nur der Text und einige bibliographische Nachträge wieder in: Derselbe: Zeitalter und Menschenalter. Der Mensch und die Erfahrung vergangener Gegenwart, München 1994, 39-69, 228f. [zurück]

[14] Ferdinand Frensdorff: Einleitung. Die Verfestung nach den Quellen des lübischen Rechts, in: Otto Francke: Das Verfestungsbuch der Stadt Stralsund, Halle 1875, XIII-XCVI, hier XIII; Ahasver von Brandt: Proscriptio. Zur Überlieferung und Praxis der Verfestung (Friedloslegung) im mittelalterlichen Lübeck, in: Zeitschrift des Vereins für Lübeckische Geschichte und Altertumskunde 48 (1968), 7-16, hier 8f. [zurück]

[15] Vgl. Gerd Schwerhoff: Falsches Spiel. Zur kriminalitätshistorischen Auswertung der spätmittelalterlichen Achtbücher, in: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg 82 (1995), 23-35 in Auseinandersetzung mit Martin Schüßler: Statistische Untersuchung des Verbrechens in Nürnberg im Zeitraum von 1285 bis 1400, in: ZRG GA 108 (1991), 117-193. [zurück]

[16] Vgl. Helmut Martin: Verbrechen und Strafe in der spätmittelalterlichen Chronistik Nürnbergs, Köln/Weimar/Wien 1996; Christoph Heiduk: Die Diskussion über das Strafrecht in spätmittelalterlichen Chroniken Schlesiens und der Lausitz, in: Derselbe/Almut Höfert/Cord Ulrichs: Krieg und Verbrechen nach spätmittelalterlichen Chroniken, Köln/Weimar/Wien 1997, 9-109. [zurück]

[17] Zum diskursanalytischen Ansatz von Michel Foucault und seiner Rezeption vgl. Martin Dinges: Michel Foucault, Justizphantasien und die Macht, in: Andreas Blauert/Gerd Schwerhoff (Hg.): Mit den Waffen der Justiz. Zur Kriminalitätsgeschichte des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit, Frankfurt am Main 1993, 189-212, 240-244. [zurück]

[18] Vgl. die einschlägigen Aufsätze insbesondere zu Verhörprotokollen im Sammelband: Winfried Schulze (Hg.): Ego-Dokumente. Annäherung an den Menschen in der Geschichte, Berlin 1996 und die Hinweise des Herausgebers ebd., 21-24. Vgl. auch Monika Spicker-Beck: Mordbrennerakten. Möglichkeiten und Grenzen der Analyse von Folterprozessen des 16. Jahrhunderts, in: Mark Häberlein (Hg.): Devianz, Widerstand und Herrschaftspraxis in der Vormoderne. Studien zu Konflikten im südwestdeutschen Raum (15.-18. Jahrhundert), Konstanz 1998 (im Druck). [zurück]

[19] Thomas Lentes/Thomas Scharff: Schriftlichkeit und Disziplinierung. Die Beispiele Inquisition und Frömmigkeit, in: Frühmittelalterliche Studien 31 (1997), 233-251, Zitat 251. [zurück]

[20] Ebd., 234. [zurück]

[21] Hans Maier: Die ältere deutsche Staats- und Verwaltungslehre, 2. Aufl., München 1980, Zitate 126, 127. Die Quelle: G. Obrecht: Fünff Unterschiedliche Secreta Politica [...], Straßburg 1644 (ursprünglich 1617). [zurück]

[22] Vgl. Jan Assmann: Das kulturelle Gedächtnis. Schrift, Erinnerung und politische Identität in frühen Hochkulturen, 2. Aufl., München 1997. Zu eigenen Studien zum Thema Erinnerungskultur vgl. am aktuellsten die gleichnamige Rubrik meines Internet-Angebots. [zurück]

[23] Johannes Agricola: Die Sprichwörtersammlungen, hg. von Sander L. Gilman, Berlin/New York 1971, Bd. 1, 289. [zurück]

[24] Ebd., 290. Zur Illustration sei eine Satzung des Basler Rats vom 19.3.1411 zitiert: Wer einen Meineid leistet, der soll in der stett bu+och, das darumb in sunders gemaht ist, gesetzt werden und verschriben werden, daz er ewiclichen ein verworfener mensche sol sin aller eren und wirdickeiten, und daz er ze keinem gez£gen niemer genommen sol werden umb kein sach, Joh. Schnell (Hg.): Rechtsquellen von Basel Stadt und Land, Bd. 1, Basel 1856, 92 Nr. 93; vgl. zur Meineidstrafe auch ebd., 136 Nr. 143 (vom Jahr 1441, Eintrag ins Totbuch zu+o ewiger gedechtn£sse der selben dingen), 345 Nr. 264 (vom Jahr 1539). Hinweis auf die Quelle bei Peter Schuster: Ehre und Recht. Überlegungen zu einer Begriffs- und Sozialgeschichte zweier Grundbegriffe der mittelalterlichen Gesellschaft, in: Sibylle Backmann u.a. (Hg.): Ehrkonzepte in der Frühen Neuzeit. Identitäten und Abgenzungen, Berlin 1998, 40-66, hier 59 Anm. 71. [zurück]

[25] Nicht im Buch stehen wollte ein Dortmunder Kaplan, der 1703/04 vor dem Reichskammergericht gegen seinen Pastor wegen eines von diesem vorgenommenen schmähenden Kirchenbucheintrags klagte, vgl. Gerichte des Alten Reiches. Teil 1: Reichskammergericht A-K, bearb. von Günter Aders, Münster 1966, 65f. zur Akte Staatsarchiv Münster B 885/3386. [zurück]

[26] Vgl. die Sammelbände: Klaus Schreiner/Gerd Schwerhoff (Hg.): Verletzte Ehre. Ehrkonflikte in Gesellschaften des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, Köln/Weimar/Wien 1995; Ehrkonzepte (wie Anm. 24) sowie Gerd Schwerhoff: Verordnete Schande? Spätmittelalterliche und frühneuzeitliche Ehrenstrafen zwischen Rechtsakt und sozialer Sanktion, in: Mit den Waffen (wie Anm. 17), 158-188, 236-240. [zurück]

[27] Hubert Ermisch: Die sächsischen Stadtbücher des Mittelalters, in: Neues Archiv für Sächsische Geschichte und Altertumskunde 10 (1889), 83-143, 177-215, hier 198. [zurück]

[28] Ein frühes Beispiel aus Rostock: Si Stencop iuvenis plus excesserit, de omni causa reus erit, Hildegard Thierfelder (Hg.): Das älteste Rostocker Stadtbuch (Etwa 1254-1273), Göttingen 1967, 42 Nr. 50. [zurück]

[29] Sebastian Franck: Sämtliche Werke. Kritische Ausgabe mit Kommentar Bd. 11: Sprichwörter, hg. von Peter Klaus Knauer, Bern u.a. 1993, 312 (II, Bl. 65); die Interpunktion habe ich modernisiert. Zur Herkunft der Passage aus der 1539 erschienenen Sammlung des Eberhard Tappe vgl. Ulrich Meisser: Die Sprichwörtersammlung Sebastian Francks von 1541, Amsterdam 1974, 300. [zurück]

[30] Friedrich Battenberg: Reichsacht und Anleite im Spätmittelalter. Ein Beitrag zur Geschichte der königlichen Gerichtsbarkeit im Alten Reich, besonders im 14. und 15. Jahrhundert, Köln/Wien 1986, 273. Skeptisch dazu mit Blick auf weitere Gerichtsbücher Martin Walter Wernli: Das kaiserliche Hofgericht in Zürich. Ein Beitrag zur spätmittelalterlichen Gerichtsbarkeit, Diss. Zürich 1991, 84. [zurück]

[31] Vgl. Lutz Röhrich: Religiöse Stoffe des Mittelalters im volkstümlichen Erzähl- und Liedgut der Gegenwart, in: Peter Dinzelbacher/Dieter R. Bauer (Hg.): Volksreligion im hohen und späten Mittelalter, Paderborn u.a. 1990, 419-451, hier 441-443; Derselbe: Das große Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten, Bd. 2, Freiburg/Basel/Wien 1992, 906-908. Vgl. auch Rudolf Schenda: Buch, in: Enzyklopädie des Märchens 2 (1979), 965-970, hier 966f. Zur himmlischen Buchführung über gute und böse Taten vgl. die Hinweise bei Hagen Keller: Vom 'heiligen Buch' zur 'Buchführung'. Lebensfunktionen der Schrift im Mittelalter, in: Frühmittelalterliche Studien 26 (1992), 1-31, hier 25; Lentes/Scharff: Schriftlichkeit (wie Anm. 19), 237, 244. In Köln wurden Anfang des 16. Jahrhunderts Strafbücher als "Kalbfell" bezeichnet; der Einband des "Liber Malefactorum" (1510 ff.) trägt den Reim: Wer yn diesem calffell nyet en wylt staen, der sall van boesen wercken laen , Gerd Schwerhoff: Köln im Kreuzverhör, Kriminalität, Herrschaft und Gesellschaft in einer frühneuzeitlichen Stadt, Bonn/Berlin 1991, 472. [zurück]

[32] Andreas Blauert: Frühe Hexenverfolgungen. Ketzer-, Zauberei- und Hexenprozesse des 15. Jahrhunderts, Hamburg 1989, 64f. [zurück]

[33] Die Bezeichnung schwarzes Buch (dat swarte boc) ist bereits 1300 für Riga belegt, Deutsches Rechtswörterbuch 2 (1932-1935), 551 s.v. Buch. Heino Speer vom Deutschen Rechtswörterbuch (Forschungsstelle der Heidelberger Akademie der Wissenschaften) verdanke ich die folgenden Nachweise aus dem Zettelarchiv zum Lemma "schwarz": "1614 MittNordbExk. 30 (1907) 140; 1663 ZürichZftG. II 622; 1666 Wissel, Hdw. I 290; 1669 NürnbDecr. 436; nach 1681 TrierWQ. 594 Anm. 1; 1715 K. Mayer, Hexen, Henker und Tyrannen (Ort? Jahr?) 49 [Karl Meier Lemgo, Hexen, Henker und Tyrannen, mehrere Auflagen, 7. Aufl. Lemgo 1980, Zusatz K. G.]; 1764 SGallenOffn. I 75; 1774 Wagner, Civilbeamte II 150 u. 165; um 1780 Nyrop, HdvDanm. 79; 1781 MGPaed. 30 368 (öfter); ohne Jahr Wissel, Hdw. II 270; ohne Jahr Bothe, BrauchFrankf. 138 (schwarze Liste)". (Auflösung der Abkürzungen in den Quellenheften zum Rechtswörterbuch.) [zurück]

[34] Zur Farbsymbolik vgl. beispielsweise Josef Hanika: Der Wandel Schwarz-Weiß als Erzähl- und Brauchmotiv, in: Bayerisches Jahrbuch für Volkskunde 1961, 46-60; Leopold Kretzenbacher: Aus Schwarz wird Weiß. Zu einem Gnadensinnzeichen als Legendentopos, in: Volkskultur. Mensch und Sachwelt. Festschrift für Franz C. Lipp zum 65. Geburtstag, Wien 1978, 227-237. [zurück]

[35] Vgl. Lambertus Okken: Kommentar zum Tristan-Roman Gottfrieds von Strassburg, 2. Aufl., Bd. 1, Amsterdam 1996, 255 zu den bei Gottfried von Straßburg, Tristan, Vers 4690 erwähnten swarzen buochen. - Dem Quellenterminus Nigromantie liegt die irrige Ableitung der Nekromantie von "niger" (schwarz) zugrunde. [zurück]

[36] Paul Rehme: Stadtbuchstudien, in: ZRG GA 37 (1916), 1-93, hier 23. [zurück]

[37] Jacob und Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch 9 (1899), 2318; vgl. auch Röhrich: Lexikon (wie Anm. 31) 1 (1991), 274; 2 (1992), 1238 (schwarzes Register); 3 (1992), 1436. [zurück]

[38] Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Ein Hausschatz für das deutsche Volk, Bd. 1, Leipzig 1867, 499. [zurück]

[39] Ebd. Bd. 3 (1873), 1592 mit Belegen aus Schriften des 16. Jahrhunderts. [zurück]

[40] Erich Neuss: Das Hallische Stadtarchiv. Seine Geschichte und seine Bestände, Halle 1930, 10. [zurück]

[41] Günter Jerouschek: Die Hexen und ihr Prozeß. Die Hexenverfolgung in der Reichsstadt Esslingen, Esslingen 1992, 72. [zurück]

[42] Grimm: Deutsches Wörterbuch (wie Anm. 37) Bd. 9, 2318. Vgl. auch die Hinweise bei Wolfgang Brückner: Bildnis und Brauch. Studien zur Bildfunktion der Effigies, Berlin 1966, 269. Zu eher scherzhaft gemeinten Kellertafeln in Wirtshäusern vgl. Eberhard Freiherr von Künßberg: Rechtliche Volkskunde, Halle/Saale 1936, 157f. [zurück]

[43] Von Hohn- und Spott-Tafeln, und derselben Abschaffung durch eine Reichs-Cammergerichtl. Urtheil, in: Wetzlarische Nebenstunden, hg. von Johann Frh. von Cramer, 15. Teil, Ulm 1759, 69-80 (nach freundlicher Mitteilung von Matthias Lentz). [zurück]

[44] Zitate ebd., 79f. - Die Aufhängung einer Straf- und Schimpf-Taffel (unbekannter Farbe!) im Lübecker Annenkloster 1606 notiert W. Brehmer: Eine "Straftafel" zu St. Annen, in: Mittheilungen des Vereins für Lübeckische Geschichte und Alterthumskunde 2 (1885), 50. [zurück]

[45] Gert Melville: Rituelle Ostentation und pragmatische Inquisition. Zur Institutionalität des Ordens vom Goldenen Vließ, in: Heinz Duchhardt/Gert Melville (Hg.): Im Spannungsfeld von Recht und Ritual. Soziale Kommunikation in Mittelalter und Früher Neuzeit, Köln/Weimar/Wien 1997, 215-271, hier 269f. [zurück]

[46] Friedrich Merzbacher: Iudicium provinciale ducatus Franconiae. Das kaiserliche Landgericht des Herzogtums Franken-Würzburg im Spätmittelalter, München 1956, 153. [zurück]

[47] Vgl. immer noch Werner Schultheiß: Die Acht-, Verbots- und Fehdebücher Nürnbergs von 1265-1400. Mit einer Einführung in die Rechts- und Sozialgeschichte und das Kanzlei- und Urkundenwesen Nürnbergs im 13. und 14. Jahrhundert, Nürnberg 1960, 16*-27*. [zurück]

[48] Wernli: Hofgericht (wie Anm. 30), 90; ebd., 80-90 eine ausführliche Quellenbeschreibung: "Das Achtbuch und die Gerichtsverzeichnisse". [zurück]

[49] Vgl. Hubert Ermisch: Das Verzählen. Ein Beitrag zur Geschichte des Strafverfahrens gegen Abwesende, in: Neues Archiv für Sächsische Geschichte und Altertumskunde 13 (1892), 1-90. [zurück]

[50] Wurde ein Verfesteter gefangen vor das Gericht geführt, war nach lübischem Recht nur noch der Beweis der Verfestung zu führen, nicht der des Verbrechens (anders als bei der Verfestung des Sachsenspiegels), Frensdorff: Einleitung (wie Anm. 14), XXXII. Zur Verfestung (proscriptio) vgl. außer der älteren Arbeit von Frensdorff jüngst Ulrich Andermann: Ritterliche Gewalt und bürgerliche Selbstbehauptung. Untersuchungen zur Kriminalisierung und Bekämpfung des spätmittelalterlichen Raubrittertums am Beispiel norddeutscher Hansestädte, Frankfurt a. M. u.a. 1991, 226-251 (mit Quellenübersicht, 233-237); Rainer Demski: Adel und Lübeck, Studien zum Verhältnis zwischen adeliger und bürgerlicher Kultur im 13. und 14. Jahrhundert, Frankfurt a. M. u.a. 1996, 285-304 ("Beobachtungen zum ältesten lübeckischen Verfestungsprotokoll" 1243ff.); Wolfgang Sellert/Andreas Bauer: Verfestung, in: HRG 5 (1998), 718f. [zurück]

[51] Ermisch: Verzählen (wie Anm. 49), 12. Vgl. Julius Wilhelm Planck: Das Deutsche Gerichtsverfahren im Mittelalter. Nach dem Sachsenspiegel und den verwandten Rechtsquellen, Bd. 1, Braunschweig 1879, 331f. [zurück]

[52] Vgl. Peter Eigen: Die Verbotung in den Urteilen des Ingelheimer Oberhofs, Aalen 1966; Adalbert Erler: Verbotung, in: HRG 5 (1998), 667. Die Gedächtnisleistung der Schöffen wird in Analogie zum Transport einer Nachricht durch einen bezahlten Boten gesehen. [zurück]

[53] Ermisch: Verzählen (wie Anm. 49), 12-15. [zurück]

[54] Ebd., 20f. Wer von denjenigen Rittern, die bei dem Überfall auf die Stadt Lüneburg in der Ursulanacht 1371 gefangengenommenen worden waren, als Straßenräuber uppe der stad breve stand, wurde enthauptet, so eine allerdings nicht zeitgenössische Nachricht aus der niederdeutschen Fassung von Hermann Korners "Chronica", Die Chroniken der deutschen Städte Bd. 36, Stuttgart 1931, 30; vgl. Andermann: Ritterliche Gewalt (wie Anm. 50), 243 (mit falscher Quellenangabe Floreke). Auch in der lateinischen Fassung D von 1435: postea decollati sunt plures de eis, qui in libro civitatis inventi sunt proscripti (nach Mitteilung von Matthias Lentz, der eine Monographie zur Lüneburger Ursulanacht vorbereitet). [zurück]

[55] Wernli: Hofgericht (wie Anm. 30), 81 Anm. 36 mit weiteren Nachweisen. [zurück]

[56] Vgl. Klaus Graf: Die Fehde Hans Diemars von Lindach gegen die Reichsstadt Schwäbisch Gmünd (1543-1554). Ein Beitrag zur Geschichte der Städtefeindschaft, in: Kurt Andermann (Hg.): "Raubritter" oder "Rechtschaffene vom Adel"? Aspekte von Politik, Friede und Recht im späten Mittelalter, Sigmaringen 1997, 167-189. Zur Kriminalisierung des sogenannten "Raubrittertums" vgl. insbesondere Ulrich Andermann: Kriminalisierung und Bekämpfung ritterlicher Gewalt am Beispiel norddeutscher Hansestädte, in: ebd., 151-166. [zurück]

[57] Gegen U. Andermann: Ritterliche Gewalt (wie Anm. 50) hat Gerd Schwerhoff in einem noch ungedruckten Aufsatz über Räuber, Diebe und Betrüger im ausgehenden Mittelalter Zweifel an einem durchweg rabiaten Vorgehen der Städte gegen die adeligen "Räuber" angemeldet. Aus wahrnehmungsgeschichtlicher Sicht bleibt jedoch festzuhalten, daß der "kurze Prozeß", den die Städte mit den adeligen Straßenräubern machten, zur Eskalation des Stadt-Adel-Gegensatzes beigetragen hat, vgl. Klaus Graf: Feindbild und Vorbild. Bemerkungen zur städtischen Wahrnehmung des Adels, in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 141 (1993), 121-154, hier 136. [zurück]

[58] Vgl. dazu Andermann: Ritterliche Gewalt (wie Anm. 50), 105-113. [zurück]

[59] Vom "Erzählertalent[]" des Augsburger Stadtschreibers Nikolaus Hagen, der einen aufsehenerregenden Kriminalfall von 1355 besonders ausführlich im Achtbuch schildert, damit dieser nicht "vergessen werde", spricht Adolf Buff: Verbrechen und Verbrecher zu Augsburg in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts, in: Zeitschrift des Historischen Vereins für Schwaben 4 (1877), 160-231, hier 193-196, Zitat 193. Hinsichtlich der narrativen Elemente in den Kriminalquellen muß ein Hinweis genügen auf die bekannte Monographie von Natalie Zemon Davis: Fiction in the Archives, deutsch: Der Kopf in der Schlinge, Berlin 1988 und die unten Anm. 87 gegebenen Hinweise. [zurück]

[60] In den Hagenauer Statuten betrifft Nr. 125 (164f.) Von dem notzogen einen detailliert beschriebenen Notzuchtfall von 1409. Die verhängte Strafe wurde aufgezeichnet, durch das obe harnoch me semliche clegede und geschicht geschehent, das die ouch also verbessert wurdent; Das alte Statutenbuch der Stadt Hagenau, bearb. von A. Hanauer/J. Klélé, Hagenau 1900, 165. - Zur Rolle des Einzelfalls und zur Tradierung gefällter Urteile liefern die Artikel von Ekkehard Kaufmann: Richterrecht, in: HRG 4 (1990), 1054-1057; Hans-Jürgen Becker: Präjudiz, in: ebd. 3 (1984), 1866-1870 und Dieter Werkmüller: Urteilssammlungen, in: ebd. 5 (1998), 622-628 sehr allgemein gehaltene Hinweise vor allem zur neuzeitlichen Praxis. Vgl. auch Heinz Mohnhaupt: Sammlung und Veröffentlichung von Rechtssprechung im späten 18. und 19. Jahrhundert in Deutschland. Zu Funktion und Zweck ihrer Publizität, in: Friedrich Battenberg/Filippo Ranieri (Hg.): Geschichte der Zentraljustiz in Mitteleuropa. Festschrift für Bernhard Diestelkamp zum 65. Geburtstag, Köln/Weimar/Wien 1994, 403-420. Zum größeren Kontext ist zum Thema "Exemplum" zu konsultieren: Peter von Moos: Geschichte als Topik. Das rhetorische Exemplum von der Antike zur Neuzeit und die historiae im "Policraticus" Johanns von Salisbury, Hildesheim/Zürich/New York 1988. Abundante Bibliographie: Christoph Daxelmüller: Zum Beispiel: Eine exemplarische Bibliographie, in: Jahrbuch für Volkskunde NF 13 (1990), 218-244; NF 14 (1991), 215-240; NF 16 (1993), 223-244. [zurück]

[61] Vgl. Birgit Studt: Fürstenhof und Geschichte. Legitimation durch Überlieferung, Köln/Weimar/Wien 1992, 337-351 ("Gelehrtes Schrifttum aus der Gerichts- und Inquisitionspraxis") mit weiteren Hinweisen. Der neueste Versuch eines Überblicks zum Gaunerschrifttum von Christa Baufeld: Aubenteuer sozialer Randgruppen. Spätmittelalterliche und frühneuzeitliche Fachliteratur über das Gaunertum, in: Wernfried Hofmeister/Bernd Steinbauer (Hg.): Durch abenteuer muess man wagen vil. Festschrift für Anton Schwob zum 60. Geburtstag, Innsbruck 1997, 11-18 fußt auf veralteter Literatur und kennt nicht einmal die wichtige Monographie von Robert Jütte: Abbild und soziale Wirklichkeit des Gaunertums zu Beginn der Neuzeit. Sozial-, mentalitäts- und sprachgeschichtliche Studien zum Liber vagatorum (1510), Köln/Wien 1988. [zurück]

[62] Thea Buyken/Hermann Conrad: Die ältesten Stadtbücher von Koblenz, in: ZRG GA 59 (1939), 165-193, hier 168f.: attendentes, quod omnes ministri justitie et rectores populorum ad deprimendum nequitiam transgessorum tenentur maleficis maturis remediis obviare. Es sollen verzeichnet werden et qui ad aptus civiles per ipsorum facinora perpetrata minus sunt apti et dispositi, ne mali et boni pari jure gaudere videantur et suam pro meritis recipiant portionem. [zurück]

[63] Vgl. oben Anm. 24. [zurück]

[64] Andreas Suter: Der schweizerische Bauernkrieg von 1653. Politische Sozialgeschichte - Sozialgeschichte eines politischen Ereignisses, Tübingen 1997, 438; zum Datum ebd., 286. [zurück]

[65] Vgl. Detlev Kraack: Monumentale Zeugnisse der spätmittelalterlichen Adelsreise. Inschriften und Graffiti des 14.-16. Jahrhunderts, Göttingen 1997, 57. Eine Gefangeneninschrift von 1596 z.B. bei Richard Strobel: Die Kunstdenkmäler der Stadt Schwäbisch Gmünd Bd. 3, München/Berlin 1995, 324. [zurück]

[66] Vgl. z.B. Gerold Hayer/Ulrich Müller: Flebilis heu maestos cogor inire modos: "Gefängnis-Literatur" des Mittelalters und der Fall des württembergischen Grafen Heinrich (1448-1519), in: Licht der Natur. Festschrift für Gundolf Keil, Göppingen 1994, 171-193; Martin Scheutz/Harald Tersch: Das Salzburger Gefängnistagebuch und der Letzte Wille des Zeller Pflegers Kaspar Vogl (hingerichtet am 8. November 1606), in: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 135 (1995), 689-745; Walter Brunner: "Saufen oder Raufen!". Aus dem Gefängnisalltag des zum Tode verurteilten Malefizverbrechers Andreas Schluderpacher, in: Mitteilungen des Steiermärkischen Landesarchivs 47 (1997), 139-198 (Aufzeichnungen über die Verköstigung). Über die eigene Turmgefangenschaft 1478 berichten: Die Denkwürdigkeiten des Hallischen Rathsmeisters Spittendorff, hg. von Julius Opel, Halle 1880, 405-408. [NEU:Nachtrag] [zurück]

[67] Vgl. Peter Putzer, Aus dem Salzburger Scharfrichter Tagebuch, in: Forschungen zur Rechtsarchäologie und Rechtlichen Volkskunde 8 (1986), 115-135, hier 120 mit Literaturangaben. [zurück]

[68] Bruno Markgraf: Das Moselländische Volk in seinen Weistümern, Gotha 1907, 109f. [zurück]

[69] Dorothee Rippmann: Unbotmässige Dörfler im Spannungsverhältnis zwischen Land und Stadt: Pratteln im 15. und zu Beginn des 16. Jahrhunderts, in: Itinera 19 (1998), 110-156, hier 115-131. [zurück]

[70] Vgl. z.B. Karl-S. Kramer: Zur Problematik der rechtlichen Volkskunde, in: Bayerisches Jahrbuch für Volkskunde 1962, 50-66, hier 55. [zurück]

[71] Ruth-Elisabeth Mohrmann: Volksleben in Wilster im 16. und 17. Jahrhundert, Neumünster 1977, 227. [zurück]

[72] Einige Beispiele etwa bei Ulinka Rublack: Magd, Metz' oder Mörderin. Frauen vor frühneuzeitlichen Gerichten, Frankfurt a. M. 1998, 125; Burghartz: Leib (wie Anm. 8), 129; Michaela Schmölz-Häberlein: Ehrverletzung als Strategie. Zum sozialen Kontext von Injurien in der badischen Kleinstadt Emmendingen 1650-1800, in: Devianz (wie Anm. 18), Anm. 9 mit Literatur. Für die Hexenprozesse: Robin Briggs: Die Hexenmacher. Geschichte der Hexenverfolgung in Europa und der Neuen Welt, Berlin 1998, 310: "Die Gerichtsaussagen zeigen oft, wie gut das Gedächtnis der Bevölkerung die Erinnerung an sämtliche Fehltritte auch der ferneren Verwandtschaft eines Beschuldigten bewahrte und zitierte, als ob es sich um Beweise für dessen Verbrechen handelte". - Ein schönes Beispiel für "Familien-Schande" aus der spätmittelalterlichen Literatur ist das Gedicht Wer ich geporen von schnoder art (Ende 15. Jahrhunderts), abgedruckt in: Epochen der deutschen Lyrik Bd. 2: Gedichte 1300-1500. Nach Handschriften und Frühdrucken in zeitlicher Folge hg. von Eva und Hansjürgen Kiepe, 2. Aufl. München 1982, 372f. [NEU:Text im Nachtrag] [zurück]

[73] Vgl. allgemein zu Beleidigungen jüngst Ralf-Peter Fuchs: Ehrkämpfe. Injurienprozesse in der Frühen Neuzeit und ihre Interpretationsmöglichkeiten, in: Rheinisch-westfälische Zeitschrift für Volkskunde 42 (1997), 29-50. [zurück]

[74] Rippmann: Dörfler (wie Anm. 69), 130. [zurück]

[75] Den Ertrag der Erzählforschung erschließt die "Enzyklopädie des Märchens". Als Ausgangspunkt für Recherchen zum Thema Strafen können die materialreichen Artikel von Rainer Wehse: Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit, in: ebd. 5 (1987), 1050-1064; Rolf-Wilhelm Brednich: Hinrichtung, in: ebd. 6 (1990), 1053-1060 und Christine Shojaei Kawan: Mord, in: ebd. 9 Lief. 2 (1998), 856-876 mit ihren Querverweisen dienen. [zurück]

[76] Vgl. z. B. Klaus Graf: Thesen zur Verabschiedung des Begriffs der 'historischen Sage', in: Fabula 29 (1988), 21-47 und die von Demselben: Sage, in: Lexikon des Mittelalters 7 (1995), 1254-1257 zusammengestellte Literatur. [zurück]

[77] So Jörn Eckert: Sage, in: HRG 4 (1990), 1253-1256, Zitat 1255. [zurück]

[78] Eberhard Freiherr von Künßberg: Rechtserinnerung und vergessenes Recht, in: Wirtschaft und Kultur. Festschrift zum 70. Geburtstag von Alfons Dopsch, Wien 1938, 581-590, hier 586; zu "Rechtssagen" vgl. auch Derselbe: Rechtliche Volkskunde (wie Anm. 42), 12-22. Ganz traditionell auch Louis Carlen: Rechtliches in französischen Sagen, in: Forschungen zur Rechtsarchäologie und Rechtlichen Volkskunde 6 (1984), 143-165 und die in der gleichen Zeitschrift erschienenen Aufsätze: Francisca Schmid-Naef: Recht und Gerechtigkeit in den Sagen der Alpenkantone der Schweiz, in: ebd. 10 (1988), 131-162; Felici Maissen: Schuld und Sühne in der urnerischen Volkssage, in: ebd. 12 (1990), 153-183; Linus Hüsser: Das Recht in den Volkssagen des Fricktales, in: ebd. 13 (1991), 281-304. [zurück]

[79] Klaus Graf: Sagen rund um Stuttgart, Karlsruhe 1995, 28 Nr. 11. [zurück]

[80] Vgl. Barbara Gerber: Jud Süß. Ein Beitrag zur historischen Antisemitismus- und Rezeptionsforschung, Hamburg 1990, 282. [zurück]

[81] Ein bezeichnendes Ludwigsburger Beispiel bei Graf, Sagen (wie Anm. 79), 195f. Nr. 246 ("Das Vehmgericht", Aufzeichnung von 1847). [zurück]

[82] Wilhelm Heinrich Ruoff: Eine späte Rechtssagenbildung, in: ZRG GA 92 (1975), 201-209 erörtert obrigkeitskritische Erzählmotive einer 1659 geführten Unterhaltung von vier Schmiedemeistern über den als "Wädenswilerkrieg" bekannten Bauernaufstand von 1646. Die angeführten Wunderzeichen sollten die Unschuld der seinerzeit Hingerichteten unterstreichen. Zu einem vergleichbaren Fall von 1699 und seiner publizistischen Resonanz instruktiv: Karl-S. Kramer: Grundriß einer rechtlichen Volkskunde, Göttingen 1974, 118f.; Derselbe: Problematik (wie Anm. 70), 52f. [zurück]

[83] Leander Petzoldt: Zur Interdependenz von Literatur und Volksdichtung, in: Österreichische Zeitschrift für Volkunde 85 (1982), 266-276 behandelt die Erzählung von den Mordeltern bzw. der Mordherberge, die wiederholt als "Zeitungsnachricht aktualisiert" wurde (268); vgl. dazu zuletzt Rolf Wilhelm Brednich: Mordeltern, in: Enzyklopädie des Märchens 9 Lief. 2 (1998), 876-879, der sie eine historische "Mediensage" nennt (877). - Ingrid Tomkowiak: 'Hat er sie geschändet, so soll er sie auch behalten'. Stationen einer Fallgeschichte, in: Fabula 32 (1991), 240-257 zeigt, wie ein Justiz- und Herrscherexempel über die Bestrafung sexueller Erpressung tradiert wurde. [zurück]

[84] Rudolf Schenda: Der Basler Mörder, der keiner war und den es auch nicht gab. Ein Studie zum Verhältnis von Sage und Geschichte. in: Leander Petzoldt/Stefaan Toop (Hg.): Dona Folcloristica. Festgabe für Lutz Röhrich zu seiner Emeritierung, Frankfurt a. M. u.a. 1990, 213-224, hier 219; vgl. auch Brednich: Hinrichtung (wie Anm. 75), 1056 und Susanne Ude-Koeller: 'Straff der weiber so jre kinder tödten'. Zur sagenhaften Geschichte des Kindsmordes, in: Fabula 32 (1991), 258-274, hier 269-271. Zurecht fordert Rudolf Schenda: Jämmerliche Mordsgeschichte. Harsdörffer, Huber, Zeiller und französische Tragica des 16. und 17. Jahrhunderts, in: Dieter Harmening/Erich Wimmer (Hg.): Volkskultur - Geschichte - Region. Festschrift für Wolfgang Brückner zum 60. Geburtstag, Würzburg 1990, 530-551 eine stärkere Beachtung früher europäischer Kriminalliteratur durch die sozialhistorische Forschung. Vgl. zuletzt auch den materialreichen Artikel Schendas: Mordgeschichten, in: Enzyklopädie des Märchens 9 Lief. 2 (1998), 879-893. - Hingewiesen sei auch auf die zahlreichen Nachweise zu Straffällen im Sachregister von: Rudolf Schenda (Hg.): Sagenerzähler und Sagensammler der Schweiz. Studien zur Produktion volkstümlicher Geschichte und Geschichten vom 16. bis zum frühen 20. Jahrhundert, Bern/Stuttgart 1988, 640 (s.v. Strafen) und im umfangreichen Motivregister von: Wolfgang Brückner (Hg.): Volkserzählung und Reformation. Ein Handbuch zur Tradierung und Funktion von Erzählstoffen und Erzählliteratur im Protestantismus, Berlin 1974, 863 (s.v. Frevler). [zurück]

[85] Abegg: Beiträge zur Strafrechtspflege in Schlesien, insbesondere im fünfzehnten und sechszehnten Jahrhundert, in: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft 18 (1858), 389-451, hier 447 mit Anm. 154, der sich auf die bis 1599 reichenden Jahrbücher der Stadt Breslau von Nicolaus Pol (gedruckt von J. G. Büsching 1813-1823, Bd. 2, 180) stützt. Der Chronist merkt an, die Delinquentin sei aber schließlich doch ertränkt worden. Ungenauer Hinweis bei Rublack: Magd (wie Anm. 72), 121 Anm. 196. Vgl. auch Heiduk: Diskussion (wie Anm. 16), 72f. [zurück]

[86] Schenda: Mörder (wie Anm. 84), 217 nach Johann Georg Gödelmann 1591 (in huius rei perpetuam memoriam et iniquissimae condemnationis signum); vgl. auch den bei Schenda zu ergänzenden Artikel von Manfred Eimer: "Der geräderte Mann" an der Tübinger Stiftskirche, in: Zeitschrift für württembergische Landesgeschichte 6 (1942), 112-118. - Die wunderbare Errettung eines Geigers vom Galgen soll, so erzählte man sich im 19. Jahrhundert in Vianden, sogar zur Stiftung der berühmten Echternacher Springprozession geführt haben, Gudrun Staudt/Will-Erich Peuckert (Hg.): Nordfranzösische Sagen, Berlin 1968, 67f. Nr. 106. [zurück]

[87] Vgl. Davis: Kopf (wie Anm. 59) und aus literaturwissenschaftlicher Sicht den Sammelband: Jörg Schönert (Hg.): Erzählte Kriminalität. Zur Typologie und Funktion von narrativen Darstellungen in Strafrechtspflege, Publizistik und Literatur zwischen 1770 und 1920, Tübingen 1991. Vgl. auch Hans-Jürgen Lüsebrink: Kriminalität und Literatur im Frankreich des 18. Jahrhunderts. Literarische Formen, soziale Funktionen und Wissenskonstituenten von Kriminalitätsdarstellung im Zeitalter der Aufklärung, München/Wien 1983. Noch nicht gesehen habe ich das Buch von Inge Weiler: Giftmordwissen und Giftmörderinnen. Eine diskursgeschichtliche Studie, Tübingen 1998, die laut Verlagsankündigung zeigen will, "daß das tradierte Giftmordwissen in einem beständigen Austausch- und Verweiszusammenhang zwischen Fachwissenschaft, schöner Literatur, Publizistik und Alltagswissen formiert, legitimiert und fortgeschrieben wurde". [zurück]

[88] Vgl. z.B. Monika Spicker-Beck: Räuber, Mordbrenner, umschweifendes Gesind. Zur Kriminalität im 16. Jahrhundert, Freiburg 1995, 218-224, die 220 Anm. 30 auf eine - nicht sonderlich ergiebige - Wiener Dissertation aufmerksam macht: Wolf-Rainer Will: Publizistische Auswertung krimineller Delikte im 16., 17. und 18. Jahrhundert. (Das Verbrecherunwesen in den Flugschriften und Relationen des 16.-18. Jahrhunderts), Diss. masch. Wien 1971. Vgl. auch Joy Wiltenburg: Weibliche Kriminalität in popularen Flugschriften 1550-1650, in: Otto Ulbricht (Hg.): Von Huren und Rabenmüttern. Weibliche Kriminalität in der Frühen Neuzeit, Köln/Weimar/Wien 1995, 215-229. Zum illustrierten Flugblatt vgl. grundlegend Michael Schilling: Bildpublizistik der frühen Neuzeit. Aufgaben und Leistungen des illustrierten Flugblatts in Deutschland bis um 1700, Tübingen 1990. Zum Sonderfall der Hexenflugschriften sei nur verwiesen auf: Harald Sipek: "Newe Zeitung. [...]" oder: Marginalien zur Flugblatt- und Flugschriftenpublizistik sowie zur Druckgraphik im Kontext der Hexenverfolgung, in: Sönke Lorenz (Hg.): Hexen und Hexenverfolgung im deutschen Südwesten. Aufsatzband, Ostfildern 1994, 85-92 mit weiterer Literatur. [zurück]

[89] Schilling: Bildpublizistik (wie Anm. 88), 229. [zurück]

[90] Wiltenburg: Kriminalität (wie Anm. 88), 226. [zurück]

[91] Brednich: Hinrichtung (wie Anm. 75), 1054f.; Leander Petzoldt: Bänkelsang, in: Rolf-Wilhelm Brednich/Lutz Röhrich/Wolfgang Suppan (Hg.): Handbuch des Volksliedes Bd. 1, München 1973, 235-291, hier 271f. [zurück]

[92] Juergen Koch: Die Strafrechtsbelehrung des Volkes von der Rezeption bis zur Aufklärung, Diss. Bonn 1939, 22 nach J. L. Klüber. Zum Bänkelsang vgl. zusammenfassend zuletzt Tom Cheesman: Moritat, in: Enzyklopädie des Märchens 9 Lief. 2 (1998), 905-918 mit reichen Literaturangaben. [zurück]

[93] Wolfgang Behringer (Hg.): Hexen und Hexenprozesse in Deutschland, 2. Aufl., München 1993, 227f. [zurück]

[94] Vgl. die Studie von Karl-Heinz Kirchhoff: Die "Wiedertäufer-Käfige" in Münster. Zur Geschichte der drei Eisenkörbe am Turm von St. Lamberti, Münster 1996. [zurück]

[95] Hermannis a Kerssenbroch Anabaptisti furoris Monasterium inclitam Westphaliae metropolim evertentis historica narratio, hg. von H. Detmer, Bd. 2, Münster 1899, 875f.: Die Käfige wurden am Lambertusturm aufgehängt, ubi etiam nunc in perpetuam rei memoriam carne et ossibus absumptis corbes affixae conspiciuntur. Forcipes vero, quibus excruciati sunt, in columnis domus senatoriae suspensae in medio foro visuntur, ut seditiosis et magistratui legitimo non parentibus sint exemplo et terrori. Vgl. auch Gerd Dethlefs: Der Friedenssaal im Rathaus zu Münster, in: Heinz Duchhardt/Gerd Dethlefs/Hermann Queckenstedt: "... zu einem stets währenden Gedächtnis". Die Friedenssäle in Münster und Osnabrück und ihre Gesandtenporträts, hg. von Karl Georg Kastner/Gerd Steinwascher, Bramsche 1996, 39-64, hier 41 (Ansicht des Rathauses um 1800 mit angebrachten Zangen), 44, 54, 58. [zurück]

[96] Dethlefs: Friedenssal (wie Anm. 95), 56-58; zu Täufer-Andenken vgl. auch Münster 800-1800. 1000 Jahre Geschichte der Stadt, Münster 1984, 133, 145f., 154, 156. [zurück]

[97] Helge Steenweg: Einbeck im Zeitalter der reformatorischen Bewegung, in: Geschichte der Stadt Einbeck Bd. 1: Von der Anfängen bis zum Ende des 18. Jahrhunderts, bearb. von Horst Hülse/Claus Spörer, 2. Aufl. Einbeck 1991, 125-154, hier 134-147; Elke Heege, in: Matthias Puhle (Hg.): Hanse, Städte, Bünde. Die sächsischen Städte zwischen Elbe und Weser um 1500. Bd. 2: Katalog, Magdeburg 1996, 87 mit Abbildung des Käfigs. [zurück]

[98] Steenweg: Einbeck (wie Anm. 97), 146. Der Einbecker Rektor Schüsler will 1733 die durch Draht verbundenen Gebeine Dieks noch selbst gesehen haben (ebd.). - Zum Erzählmotiv des mit Honig bestrichenen und von Fliegen getöteten Täters vgl. auch die Sage "Mückenthurm zu Spangenberg", Brüder Grimm: Deutsche Sagen Bd. 3, hg. von Barbara Kindermann-Bieri, München 1993, 64f. Nr. 54 und allgemein Grimm: Rechtsaltertümer (wie Anm. 3), Bd. 2, 286f. [zurück]

[99] Vgl. Spicker-Beck: Räuber (wie Anm. 88). [zurück]

[100] Heinrich Ohlendorf: Geschichte der Stadt Wunstorf, hg. von Wilhelm Hartmann, Wunstorf 1957, 74f. [zurück]

[101] So Karl von Amira: Die germanischen Todesstrafen. Untersuchungen zur Rechts- und Religionsgeschichte (Abhandlungen der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Phil. Kl. 31,3), München 1922, 129. Vgl. auch Hans von Hentig: Schriften zur Kriminalgeschichte, hg. von Christian Helfer, Bern 1962, 27f.; Wolfgang Schild: Alte Gerichtsbarkeit. Vom Gottesurteil bis zum Beginn der modernen Rechtsprechung, 2. Aufl. München 1985, 70.; Barbara Gobrecht: Köpfe auf Pfählen, in: Enzyklopädie des Märchens 8 (1996), 260-264. - Zwei aufgespießte Seeräuberschädel stellt das Museum für Hamburgische Geschichte aus; vgl. Jörgen Bracker: Störtebeker, der Ruhm der Hanseaten, in: Die Hanse. Lebenswirklichkeit und Mythos Bd. 1, Hamburg 1989, 661-666, hier 664, Abbildung 656. [zurück]

[102] Paul de Win: Rechtsarchäologie und Rechtsikonographie in Belgien. Zur Illustration: Der rechtsarchäologische und rechtsikonographische Reichtum der Stadt Brügge, in: Forschungen zur Rechtsarchäologie und Rechtlichen Volkskunde 13 (1991), 11-52, hier 25. [zurück]

[103] Gerber: Jud Süß (Anm. 80), 264 mit Anm. 79, 266. Zu den Erinnerungsmedien gehörte im Fall Oppenheimers übrigens auch eine Spott-und Warnungsmedaille, eine Gedächtnuß-Müntz, ebd. 266 mit Anm. 102. [zurück]

[104] Ebd., 264. [zurück]

[105] Witold Maisel: Rechtsarchäologie Europas. Aus dem Polnischen von Ruth Poninska-Maisel, Wien/Köln/Weimar 1992, 149. [zurück]

[106] Vgl. zur politischen Einordnung Volker Press: Wilhelm von Grumbach und die deutsche Adelskrise der 1560er Jahre, in: Blätter für deutsche Landesgeschichte 113 (1977), 396-431, jetzt wieder in: Derselbe: Adel im Alten Reich. Gesammelte Vorträge und Aufsätze, hg. von Franz Brendle/Anton Schindling, Tübingen 1998, 383-421. [zurück]

[107] Friedrich Ortloff: Geschichte der Grumbachischen Händel, Bd. 4, Jena 1870, 158. [zurück]

[108] Ebd., 175. [zurück]

[109] Ebd., 176. Vgl. auch ebd., 260. [zurück]

[110] Ebd., 155. [zurück]

[111] Gerd Schwerhoff: Der Kornmesser und der Bürgermeister. Macht, Recht und Ehre in der Reichsstadt Köln (1592/93), in: Eva Labouvie (Hg.): Ungleiche Paare. Zur Kulturgeschichte menschlicher Beziehungen, München 1997, 51-80, hier 52. Vgl. auch die Verwendung von "ewig" oben Anm. 24. [zurück]

[112] Barbara Krug-Richter: "Man müßte keine leute zuhause hangen." Adelige Gerichtsherrschaft, soziale Kontrolle und dörfliche Kommunikation in der westfälischen Herrschaft Canstein um 1700, in: Westfälische Forschungen 48 (1998), 481-509, hier 494. [zurück]

[113] Vgl. z.B. Richard van Dülmen: Das Schauspiel des Todes. Hinrichtungsrituale in der frühen Neuzeit, in: Derselbe/Norbert Schindler (Hg.): Volkskultur. Zur Wiederentdeckung des vergessenen Alltags (16.-20. Jahrhundert), Frankfurt am Main 1984, 203-245, 417-423, hier 229; Rublack: Magd (wie Anm. 72), 123f. [zurück]

[114] Zu dieser nicht unproblematischen Unterscheidung vgl. Assmann: Gedächtnis (wie Anm. 22), 48-56. [zurück]

[115] Vgl. auch Reinhart Koselleck: Historia Magistrae Vitae. Über die Auflösung des Topos im Horizont neuzeitlich bewegter Geschichte, in: Derselbe: Vergangene Zukunft. Zur Semantik geschichtlicher Zeiten, Frankfurt am Main 1979, 38-66. [zurück]

[116] Dietrich Erben: Die Pyramide Ludwigs XIV. in Rom. Ein Schanddenkmal im Dienst diplomatischer Vorherrschaft, in: Römisches Jahrbuch der Bibliotheca Hertziana 31 (1996), 427-458. [zurück]

[117] So in einer Relation des Königs vom 11.9.1662, zitiert ebd., 432. [zurück]

[118] Ebd., 443-451. [zurück]

[119] Ebd., 450f. [zurück]

[120] Ebd., 449. [zurück]

[121] Erstausgabe 1860. Im zweiten Abschnitt: "Entwicklung des Individuums". Zu fama und infamia in Italien vgl. Samuel Y. Edgerton: Pictures and Punishment. Art and Criminal Prosecution during the Florentine Renaissance, Ithaca/London 1985, 60-65. Vgl. auch Achatz Freiherr von Müller: Gloria Bona Fama Bonorum. Studien zur sittlichen Bedeutung des Ruhmes in der frühchristlichen und mittellalterlichen Welt, Husum 1977. [zurück]

[122] Peter Burke: Städtische Kultur in Italien zwischen Hochrenaissance und Barock. Eine historische Anthropologie, Berlin 1986, 99. [zurück]

[123] Günter Schmidt: Libelli famosi. Zur Bedeutung der Schmähschriften, Schandgemälde und Pasquille in der deutschen Rechtsgeschichte, Diss. Köln 1985, 120-130; Wolfgang Brückner: Schandbilder, in: HRG 4 (1990), 1349-1351 (mit weiterer Literatur) und jüngst Horst Bredekamp: Repräsentation und Bildmagie der Renaissance als Formproblem, München 1995, 33-37. An einer Dissertation über die deutschen Schandbriefe arbeitet Matthias Lentz, Bielefeld. [NEU:Nachtrag] - Nicht direkt vergleichbar sind die von Schmidt ebd., 125-128 besprochenen deutschen Schandgemälde auf Juden, die sich nicht auf bestimmte Ereignisse beziehen. Die angebliche Schändung eines Hennegauer Marienbildes durch Juden sollte auf Geheiß von Kaiser Maximilian nach der Austreibung der Colmarer Juden 1512 für ewige gedechtnüß im dortigen Dominikanerkloster gemalt werden, Winfried Frey: keyn volck vff erden nymer dreyt Also grossen haß im muot, alß der iud zuom christen duot. Zu einem antijüdischen Text aus dem frühen 16. Jahrhundert, in: Jahrbuch der Oswald von Wolkenstein Gesellschaft 7 (1992/93), 159-179, hier 166, 168, 176. Zu den Erinnerungsmedien antijüdischer Propaganda materialreich: R. Po-Chia Hsia: The Myth of Ritual Murder. Jews and Magic in Reformation Germany, New Haven/London 1988. [zurück]

[124] Schmidt: Libelli (wie Anm. 123), 124. Edgerton: Pictures (wie Anm. 121), 74 erwähnt aber eine Malerei ad perpetuam vom Ende des 13. Jahrhunderts, und Harald Keller: Die Entstehung des Bildnisses am Ende des Hochmittelalters, in: Römisches Jahrbuch für Kunstgeschichte 3 (1939), 227-356, hier 288 Anm. 236 meint unter Hinweis auf eine Villani-Stelle, von den Auftraggebern seien die Schandmalereien "wohl für längere Dauer berechnet" gewesen. Ein Statut Forlis von 1359 schreibt die Anfertigung eines Schandgemäldes für Verräter ad perpetuam ipsorum infamiam vor, Zahn: Wüstung (wie unten Anm. 154), 47. [zurück]

[125] Burke: Kultur (wie Anm. 122), 103f. Zu den Beispielen von Mailand und Neapel vgl. Erben: Pyramide (wie Anm. 116), 444 mit Anm. 82. [zurück]

[126] Maisel: Rechtsarchäologie (wie Anm. 105), 149f.; ausführlicher dazu Derselbe: Rechtliche Inschriftstafeln Italiens, in: Forschungen zur Rechtsarchäologie und Rechtlichen Volkskunde 8 (1986), 5-18, hier 11f. mit Abb. 3f. auf 16. [zurück]

[127] Burke: Kultur (wie Anm. 122), 104. [zurück]

[128] Erben: Pyramide (wie Anm. 116), 444; vgl. auch Werner Haftmann: Das italienische Säulenmonument. Versuch zur Geschichte einer antiken Form des Denkmals und Kultmonumentes und ihrer Wirksamkeit für die Antikenvorstellung des Mittelalters und für die Ausbildung des öffentlichen Denkmals in der Frührenaissance, Diss. Göttingen 1939, 134f. Ebd., 152 Anm. 141 wird ein weiteres venezianisches Beispiel von 1452 erwähnt. [zurück]

[129] Vgl. Haftmann: Säulenmonument (wie Anm. 128), 144. [zurück]

[130] Brückner: Bildnis (wie Anm. 42), 204. [zurück]

[131] Ludwig Geiger: Johannes Reuchlin. Sein Leben und seine Werke, Leipzig 1871, Nachdr. Nieuwkoop 1964, 278; Winfried Trusen: Johannes Reuchlin und die Fakultäten. Voraussetzungen und Hintergründe des Prozesses gegen den 'Augenspiegel', in: Gundolf Keil u.a. (Hg.): Der Humanismus und die oberen Fakultäten, Weinheim 1987, 115-157, hier 149. Zum Kontext vgl. jetzt Derselbe: Die Prozesse gegen Reuchlins "Augenspiegel". Zum Streit um die Judenbücher, in: Stefan Rhein (Hg.): Reuchlin und die politischen Kräfte seiner Zeit, Sigmaringen 1998, 87-131. - Wenige Jahre früher sprach der sogenannte "Oberrheinische Revolutionär" (vgl. unten Anm. 262) Rittern, die Bauern berauben, ewigen flu+och vnd schandt in der welt zu, Annelore Franke/Gerhard Zschäbitz (Hg.): Das Buch der hundert Kapitel und der vierzig Statuten des sogenannten Oberrheinischen Revolutionärs, Berlin 1967, 490. [zurück]

[132] Willibald Pirckheimers Briefwechsel Bd. 2, bearb. von Emil Reicke, München 1956, 211 Nr. 234. [zurück]

[133] Zur antiken Praxis vgl. z.B. Helmut Häusle: Das Denkmal als Garant des Nachruhms. Beiträge zur Geschichte und Thematik eines Motivs in lateinischen Inschriften, München 1980, 109 unter Hinweis auf die maßgebliche Monographie von Friedrich Vittinghoff: Der Staatsfeind in der römischen Kaiserzeit. Untersuchungen zur "damnatio memoriae", Berlin 1936. Vgl. jüngst auch Alexander Demandt: Vandalismus. Gewalt gegen Kultur, Berlin 1997, 106f. [zurück]

[134] Die Inschriften der Stadt Aachen, bearb. von Helga Giersiepen, Wiesbaden 1993, 65-106 mit Abb. 31 (der bei von Amira: Todesstrafen [wie Anm. 101], 293f. Nr. 416 verzeichnete Kupferstich). [zurück]

[135] Vgl. Walter Schmitz: Verfassung und Bekenntnis. Die Aachener Wirren im Spiegel der kaiserlichen Politik (1550-1616), Frankfurt a. M./Bern/New York 1983, 347. [zurück]

[136] Cornelius Neutsch: Religiöses Leben im Spiegel von Reiseliteratur. Dokumente und Interpretationen über Rheinland und Westfalen um 1800, Köln/Wien 1986, 117f. [zurück]

[137] Giersiepen: Inschriften (wie Anm. 134), 65. [zurück]

[138] Vgl. zusammenfassend Anton Schindling: Wachstum und Wandel. Vom Konfessionellen Zeitalter bis zum Zeitalter Ludwigs XIV. Frankfurt am Main 1555-1685, in: Frankfurt am Main. Die Geschichte der Stadt in neun Beiträgen, Sigmaringen 1991, 205-260, hier 236f. [zurück]

[139] Georg Ludwig Kriegk: Geschichte von Frankfurt am Main, Frankfurt a. M. 1871, 408. Abbildung der aufgesteckten Köpfe auf einem Kupferstich um 1616: Lothar Gall (Hg.): FFM 1200. Traditionen und Perspektiven einer Stadt, Sigmaringen 1994, 127. [zurück]

[140] Abbildung und Erläuterung bei Erben: Pyramide (wie Anm. 116), 445. Zum Schicksal der Schandsäule, deren Postament noch 1772 nicht entfernt werden durfte, vgl. Kriegk: Geschichte (wie Anm. 139), 409f. [zurück]

[141] Vgl. Bernd Dreher, in: Der Name der Freiheit 1288-1988. Aspekte Kölner Geschichte von Worringen bis heute, Köln 1988, 465-477, 480-484 und die Abbildung 577; Bernd Dreher: Vor 300 Jahren - Nikolaus Gülich, Köln 1986, 79, 83f. [zurück]

[142] Mit einem Schwert durchstochen ist auch der Bauer auf Albrecht Dürers berühmter "Bauernsäule", dem Entwurf für ein Bauernkrieg-Denkmal; zu ihm vgl. jüngst Ernst Rebel: Albrecht Dürer. Maler und Humanist, München 1996, 405-410. [zurück]

[143] Dreher: Gülich (wie Anm. 141), 96. [zurück]

[144] Ebd., 83. [zurück]

[145] Der Name (wie Anm. 141), 483. [zurück]

[146] Erben: Pyramide (wie Anm. 116), 446f. Ein Hinweis auf die dänische Schandpyramide auf den Königsattentäter Struensee 1772 ebd., 446 Anm. 90. Zu der 1569 in Brüssel auf dem Platz des gewüsteten Palais Culemborg aufgerichteten "schandzuil van Culemborg" vgl. Paul De Win: De schandstraffen in het wereldlijk strafrecht in de zuidelijke Nederlanden van de middeleeuwen tot de franse tijd bestudeert in europees perspectief, Brüssel 1991, 220f. (mit weiteren Hinweisen in Anm. 81f.). [zurück]

[147] Stadtarchiv Lindau, Lit. 19, 229 (für Kopien danke ich dem Stadtarchiv Lindau); die Stelle ist abgedruckt bei Joseph Würdinger: Kämpfe des Patriciats und der Zünfte zu Lindau im 14. Jahrhundert, in: Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensee's und seiner Umgebung 3 (1872), 95-117, hier 110. [zurück]

[148] Vgl. Rudolf Quanter: Die Schand- und Ehrenstrafen in der deutschen Rechtspflege. Eine kriminalistische Studie, Dresden 1901, 75-77. [zurück]

[149] Brückner: Bildnis (wie Anm. 42), 232f., 237, 258, 265 und öfter. Zur Leichenbestrafung vgl. auch Derselbe: Leichenbestrafung, in: HRG 2 (1978), 1802-1084. [zurück]

[150] Vgl. Johannes Martin Ritter: Verrat und Untreue an Volk, Reich und Staat. Ideengeschichtliche Entwicklung der Rechtsgestaltung des politischen Delikts in Deutschland bis zum Erlaß des Reichsstrafgesetzbuches, Berlin 1937, 265 mit Nachweisen aus der gelehrten juristischen Literatur seit dem Ende des 16. Jahrhunderts. [zurück]

[151] Brückner: Bildnis (wie Anm. 42), 265f. [zurück]

[152] Christoph U. Schminck: Hochverrat, in: HRG 2 (1978), 179-186, hier 185. [zurück]

[153] Vgl. z.B. Benedict Carpzov: Practicae novae Imperialis Saxonicae Rerum Criminalium Pars I, 7. Aufl., Wittenberg/Frankfurt 1677, 246 (qu. 41 n. 13). [zurück]

[154] Vgl. zusammenfassend Lorenz Laubenberger: Wüstung (als Strafe), in: HRG 5 (1998), 1566-1591 und die dort verzeichnete rechtshistorische Literatur. Ich hebe hervor: Alexander Coulin: Die Wüstung. Ein Beitrag zur Geschichte des Strafrechts unter besonderer Berücksichtigung des deutschen und französischen Hochmittelalters, in: Zeitschrift für vergleichende Rechtswissenschaft 32 (1915), 326-501; Ernst Fischer: Die Hauszerstörung als strafrechtliche Maßnahme im deutschen Mittelalter, Stuttgart 1957; Theodor Bühler: Wüstung und Fehde, Schweizerisches Archiv für Volkskunde 66 (1970), 1-27. Ungedruckt blieb leider die Arbeit von Nicolaus Zahn: Die Wüstung im mittelalterlichen Recht unter besonderer Berücksichtigung von Italien und Flandern, Diss. masch. Basel 1956. [zurück]

[155] Werner Meyer: Die Eidgenossen als Burgenbrecher, in: Der Geschichtsfreund 145 (1992), 5-95, hier 69. [zurück]

[156] Vgl. ebd., 68-71. [zurück]

[157] Heinz Holzhauer: Schädliches Haus, Schädlicher Mann, in: HRG 4 (1990), 1342-1345, hier 1343. [zurück]

[158] Vgl. Bühler: Wüstung (wie Anm. 154), 15; Zahn: Wüstung (wie Anm. 154), 103-106. [zurück]

[159] Vgl. Coulin: Wüstung (wie Anm. 154), 373. [zurück]

[160] Fischer: Hauszerstörung (wie Anm. 154), 89. Zur Spiegel-Metapher vgl. Horst Wenzel, Hören und Sehen, Schrift und Bild. Kultur und Gedächtnis im Mittelalter, München 1995, 42f. [zurück]

[161] Neue und vollständigere Sammlung der Reichs-Abschiede [...], Bd. 3, Frankfurt a. M. 1747, 259 § 60; vgl. Albrecht P. Luttenberger: Kurfürsten, Kaiser und Reich. Politische Führung und Friedenssicherung unter Ferdinand I. und Maximilian II., Mainz 1994, 363f.; Ortloff: Händel (wie Anm. 107), Bd. 4, 246-248. Vgl. oben bei Anm. 106. [zurück]

[162] 1514 ließ die württembergische Obrigkeit das Versammlungshaus der Aufstandsbewegung des "Armen Konrad" in Schorndorf abbrechen, Andreas Schmauder: Württemberg im Aufstand. Der Arme Konrad 1514. Ein Beitrag zum bäuerlichen und städtischen Widerstand im Alten Reich und zum Territorialisierungsprozeß im Herzogtum Württemberg an der Wende zur frühen Neuzeit, Leinfelden-Echterdingen 1998, 252. - Ob ein Rothenburger Fall im Zusammenhang mit dem Bauernkrieg 1525 zeitgenössisch belegt werden kann, bleibt noch zu überprüfen, vgl. vorerst Emmi Böck (Hg.): Sagen aus Mittelfranken, Nürnberg 1995, 45f. Nr. 69, 307 ("Die verfluchte Hofstätte"). Zeitgenössische Beispiele bei Zahn: Wüstung (wie Anm. 154), 147. [zurück]

[163] Jerouschek: Hexen (wie Anm. 41), 68 mit Anm. 68. Noch Jahrzehnte später war die "Jungfrau von Eßlingen" eine sprichwörtliche Redenswart für die Vorspiegelung falscher Tatsachen, vgl. Schilling: Bildpublizistik (wie Anm. 88), 129f. mit weiteren Hinweisen zur publizistischen Resonanz. [zurück]

[164] Jerouschek: Hexen (wie Anm. 41), 70. [zurück]

[165] Chronik des Franz Xaver Debler, Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd Ch 2, S. 246 (ein zeitgenössischer Beleg ist nicht bekannt); zur Lage des Grundstücks mit Skizze vgl. Albert Deibele, in: Gmünder Heimatblätter 22 (1961), 19f. Zum Fall Haas vgl. die Hinweise bei Klaus Graf: Hexenverfolgung in Schwäbisch Gmünd, in: Sönke Lorenz/Dieter R. Bauer (Hg.): Hexenverfolgung. Beiträge zur Forschung - unter besonderer Berücksichtigung des südwestdeutschen Raumes, Würzburg 1995, 123-139, hier 125 mit Anm. 13. [zurück]

[166] Manfred Becker-Huberti: Die tridentinische Reform im Bistum Münster unter Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen 1550 bis 1678. Ein Beitrag zur Geschichte der katholischen Reform, Münster 1978, 302f. Eine Ergänzung hierzu verdanke ich Christof Jeggle, Berlin: Im Oktober 1592 wurde vom Magistrat zu Münster ein Bäcker, durch Fahrlässigkeit Urheber eines Brandes, zum Stadtverweis verurteilt. Sein Haus durfte auf Lebenszeit nicht wieder errichtet werden, Stadtarchiv Münster, Kriminalregister 1590-1607, fol. 10r (23.10.1597); vgl. ebd., Ratsprotokoll A II 20 Bd. 24 vom 7.10.1592, fol. 97r. [zurück]

[167] Fischer: Hauszerstörung (wie Anm. 154), 42. [zurück]

[168] Text bei Meyer: Eidgenossen (wie Anm. 155), 70; vgl. auch Wilhelm Baum: Rudolf IV. der Stifter. Seine Welt und seine Zeit, Graz/Wien/Köln 1996, 55. [zurück]

[169] Meyer: Eidgenossen (wie Anm. 155), 69. [zurück]

[170] Basler Chroniken Bd. 4, bearb. von August Bernoulli, Leipzig 1890, 300. [zurück]

[171] Johann Caspar Zellweger: Versuch die wahren Gründe des burgundischen Krieges aus den Quellen darzustellen und die darüber verbreiteten irrigen Ansichten zu berichtigen, in: Archiv für Schweizerische Geschichte 5 (1847), 3-149, hier 33. Zum Vorbildcharakter der Hauszerstörung für die Stadtzerstörung vgl. Marc Boone: Destroying and Reconstructing the City. The Inculcation and Arrogation of Princely Power in the Burgundian-Habsburg Netherlands (14th-16th Centuries), in: Martin Gosman/Arjo Vanderjagt/Jan Veenstra (Hg.): The Propagation of Power in the Medieval West, Groningen 1997, 1-33, hier 18f. [zurück]

[172] Hinrich Siuts: Acht und Bann und ihre Grundlagen im Totenglauben, Berlin 1959, 135. Diskussion der Literatur bei Fischer: Hauszerstörung (wie Anm. 154), 149f. [zurück]

[173] Coulin: Wüstung (wie Anm. 154), 360. Gegen eine Funktion als "damnatio memoriae" wendet sich auch Karl Meuli: Über einige Rechtsbräuche, in: Derselbe: Gesammelte Schriften, hg. von Thomas Gelzer, Bd. 1, Basel/Stuttgart 1975, 445-469, hier 454f. [zurück]

[174] Vor solchen Rückprojektionen bei der Motivierung rechtsgeschichtlicher Phänomene warnt Coulin: Wüstung (wie Anm. 154), 374 Anm. 221. - Es wäre darauf zu achten, wann Formulierungen wie die Luthers in seiner Schrift an den christlichen Adel von 1520, man solle die geistlichen Strafen zehn Ellen tief begraben in die erden, das auch yhr nam und gedechtnis nit mehr auff erden were (D. Martin Luthers Werke. Kritische Gesamtausgabe Bd. 6, Weimar 1888, 445), aufkommen und häufiger werden. [zurück]

[175] van Dülmen: Schauspiel (wie Anm. 113), 227; vgl. auch Derselbe: Theater des Schreckens. Gerichtspraxis und Strafritual in der frühen Neuzeit, München 1985, 126, 118. [zurück]

[176] Beides wurde z.B. praktiziert bei der Scheinhinrichtung des Hugenottenführers Coligny 1572, vgl. Brückner: Bildnis (wie Anm. 42), 298. [zurück]

[177] Hans Ulrich Schmid: Die mittelalterlichen deutschen Inschriften in Regensburg. Edition, Untersuchungen zur Sprache, Abbildungen, Frankfurt a. M. u.a. 1989, 11f. Nr. 5. [zurück]

[178] Johann Schmuck: Ludwig der Bayer und die Reichsstadt Regensburg. Der Kampf um die Stadtherrschaft im späten Mittelalter, Diss. Regensburg 1991, 235f. Anm. 1497. [zurück]

[179] Vgl. Wolfgang Schmid: Stefan Lochners 'Altar der Stadtpatrone'. Zur Geschichte eines kommunalen Denkmals im Heiligen Köln, in: Wallraf-Richartz-Jahrbuch 58 (1997), 257-284, hier 263. - Zu einer französischen Gedenkprozession aus Anlaß eines Verrats 1426 vgl. Jean Tricard: Une ville et son traître: Limoges et l'affaire Gaultier Pradeau. (XVe-XXe siècle), in: Monique Bourin (Hg.): Villes, bonnes villes, cités et capitales. Études d'historie urbaine (XIIe-XVIIIe siècle) offerts à Bernard Chevalier, Tours 1989, 211-221, hier 217 (freundlicher Hinweis von Gisela Naegle, Gelnhausen). [zurück]

[180] Gedenkrituale aus Anlaß von Straftaten und Bestrafungen waren nicht üblich. Ich kenne nur die von Anton Mailly: Deutsche Rechtsaltertümer in Sage und Brauchtum, Wien 1929, 100 erwähnte Demütigung der Bauern von St. Peter in der Au bei Steyr, die wegen eines Aufstands von 1597 bis 1844 jeden Lichtmeßtag zur straff undt ewiger gedechtnus einen Gang zum Schloß machen mußten. Das Zitat nach Gadi Algazi: Herrengewalt und Gewalt der Herren im späten Mittelalter. Herrschaft, Gegenseitigkeit und Sprachgebrauch, Frankfurt/New York 1996, 176 Anm. 100. [zurück]

[181] Vgl. Klaus Graf: Schlachtengedenken in der Stadt, in: Bernhard Kirchgässner/Günter Scholz (Hg.): Stadt und Krieg. 25. Arbeitstagung in Böblingen, Sigmaringen 1989, 83-104; Derselbe: Schlachtengedenken im Spätmittelalter. Riten und Medien der Präsentation kollektiver Identität, in: Detlef Altenburg/Jörg Jarnut/Hans-Hugo Steinhoff (Hg.): Feste und Feiern im Mittelalter. Paderborner Symposium des Mediävistenverbands, Sigmaringen 1991, 63-69. [zurück]

[182] Vgl. Dietrich Poeck: Sühne durch Gedenken - Das Recht der Opfer, in: Clemens Wischermann (Hg.): Die Legitimität der Erinnerung und die Geschichtswissenschaft, Stuttgart 1996, 113-136. [zurück]

[183] Dietrich Poeck: Totengedenken in Hansestädten, in: Franz Neiske/Dietrich Poeck/Mechthild Sandmann (Hg.): Vinculum Societatis. Joachim Wollasch zum 60. Geburtstag, Sigmaringendorf 1991, 175-232, hier 189. [zurück]

[184] Magister Johannes Hass Bürgermeister zu Görlitz Görlitzer Rathsannalen, hg. von E. E. Struve Bd. 3 (1521-1542), Scriptores rerum Lusaticarum NF 4, Görlitz 1870, 74 (Zitat), 46; vgl. Richard Jecht: Geschichte der Stadt Görlitz Bd. I,1, Görlitz 1926, 298; Bd. I, 2, ebd. 1927-1934, 449. [zurück]

[185] Vgl. die mit dem Vermerk "Mündlich" versehene Sage bei Karl Haupt: Sagenbuch der Lausitz, in: Neues Lausitzisches Magazin 40 (1863), 336 Nr. 121. Zu Basel vgl. Hans Rindlisbacher: Mordnächte in der Eidgenossenschaft. (Begriff, Überlieferung, Typologie), masch. Lizentiatsarbeit Basel 1979, 50, 77. Vgl. allgemein immer noch Ludwig Tobler: Die Mordnächte und ihre Gedenktage, in: Derselbe: Kleine Schriften zur Volks- und Sprachkunde, hg. von J. Baechtold/A. Bachmann, Frauenfeld 1897, 79-105. [zurück]

[186] Joseph Gény: Die Reichsstadt Schlettstadt und ihr Antheil an den socialpolitischen und religiösen Bewegungen der Jahre 1490-1536, Freiburg 1900, 141 Anm. 2. [zurück]

[187] Künßberg: Rechtliche Volkskunde (wie Anm. 42), 105. Vgl. auch Derselbe: Rechtserinnerung (wie Anm. 78), 584: Die Bremer "symbolisieren [...] ihr Vollwort zum Urteilspruch und ihre Gemeinschaftshandlung am Strafvollzug". [zurück]

[188] Otto Coith: Kunz von Kauffungen. Eine historische Skizze, in: Mittheilungen des Freiburger Alterthumsvereins 13 (1876), 1135-1270, hier 1192 mit Anm. 115. Zum Prinzenraub vgl. zuletzt Regina Röhner: Der sächsische Prinzenraub. Die Geschichte des Kunz von Kauffungen, 2. Aufl., Chemnitz 1994. Für die angebliche "Spucksitte" findet sich bei Coith kein Beleg! [zurück]

[189] Wilhelm Funk: Alte deutsche Rechtsmale. Sinnbilder und Zeugen deutscher Geschichte, Bremen/Berlin 1940, 105. Auf Funks Angaben fußt wohl Wolfgang Schild: Kriminalität und ihre Verfolgung, in: Cord Meckseper (Hg.): Stadt im Wandel. Kunst und Kultur des Bürgertums in Norddeutschland 1150-1650, Bd. 4, Stuttgart-Bad Cannstatt 1985, 131-174, hier 144, der die Denkmale mit einer "Steigerung des Sensationellen" (bei gleichzeitigem Rückgang der Hinrichtungszahlen) in Verbindung bringt. [zurück]

[190] Bernd-Ulrich Hergemöller: "Pfaffenkriege" im spätmittelalterlichen Hanseraum. Quellen und Studien zu Braunschweig, Osnabrück, Lüneburg und Rostock, Bd. 1, Köln/Wien 1988, 179. [zurück]

[191] Die Chroniken der deutschen Städte Bd. 36 (wie Anm. 54), 142, 363, 385. [zurück]

[192] Die Steinplatten im Pflaster sind abgebildet bei Hartmut Boockmann: Die Stadt im späten Mittelalter, München 1986, 168 Nr. 262. [zurück]

[193] Karl Wolfart (Hg.): Geschichte der Stadt Lindau am Bodensee, Bd. 1/1, Lindau 1909, 131: "Noch heute soll ein Steinkreis, der bei jeder Pflasterung erneuert wird, die Stelle anzeigen". Dazu die Auskunft des Stadtarchivs Lindau (Werner Dobras) vom 30.6.1995: "Der von Wolfart genannte Steinkreis ist erst in neuerer Zeit [...] angelegt worden. Wann dies der Fall war, ist mir nicht bekannt. Heute nimmt in Lindau kaum mehr jemand davon Notiz, zumal er im Rahmen einer Neubepflasterung auch schlecht genug erkennbar und ohne jeden Hinweis ist". [zurück]

[194] Vgl. den Abschnitt "Ein Pflasterkreuz offenbart Geschichte" im touristisch orientierten Bändchen von Roger Rössing: Bautzen, Leipzig 1989, 7f. [zurück]

[195] Unter Hinweis auf Richard Hipper: Die Entwicklung Ambergs vom Dorf zur Stadt und Hauptstadt der Oberpfalz, in: Anton Eberl (Hg.): 900 Jahre Amberg. Eine Festschrift, Kallmünz 1934, 4-10, hier 9 Anm. 7 vermutet das Stadtarchiv Amberg (Johannes Laschinger) in seiner Auskunft vom 4.7.1995 eine Entstehung des Gedenksteins auf dem Marktplatz mit den drei Kreuzen im Zuge der Neupflasterung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Das Erinnerungsmal ist jedoch älter, wie aus Felix Reichsfreiherr von Löwenthal: Geschichte von dem Ursprung der Stadt Amberg [...], München 1801, 245f. Anm. b hervorgeht: "Wo die Execution auf dem Markte geschehen ist, wurde ein viereckigtes Pflaster von weißen Steinen gesezt". [zurück]

[196] Gertrud Gerhartl: Wiener Neustadt. Geschichte, Kunst, Kultur, Wirtschaft, Wien 1978, 205: "Wann dieser Richtplatz besonders gekennzeichnet wurde, ist nicht mehr festzustellen: Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war der ca. 1,80 m im Durchmesser große Kreis aus Pflastersteinen offensichtlich schon ein längst vorhandenes Denkmal in der Stadt gewesen". Nach Mitteilung des Stadtarchivs Wiener Neustadt ist die Markierung vor 1839 entstanden. Zum Blutgericht vgl. zusammenfassend Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Bd. 5, Wien 1997, 638 (für Hilfe danke ich herzlich Susanne C. Pils). [zurück]

[197] Ausgeklammert habe ich in diesem Beitrag die bildlichen Darstellungen von Bestrafungen, die sich nicht selten auch in amtlichen Gerichtsquellen finden. Literaturhinweise zur Rechtsikonographie jüngst bei Ulrich Andermann: Das Recht im Bild. Vom Nutzen und Erkenntniswert einer historischen Quellengattung. (Ein Forschungsüberblick), in: Andrea Löther u.a. (Hg.): Mundus in imagine. Bildersprache und Lebenswelten im Mittelalter. Festgabe für Klaus Schreiner, München 1996, 421-451. Hingewiesen sei auch auf das reiche Material bei von Amira: Todesstrafen (wie Anm. 101), 236-415. [zurück]

[198] Wilhelm Mantels: Beiträge zur lübisch-hansischen Geschichte. Ausgewählte historische Arbeiten, Jena 1881, 193f., 227-229. Mantels zitiert 227 eine Chronik von Schultze aus dem 18. Jahrhundert, derzufolge der Stein, auf welchem die Decollation geschehen, von vielen noch will gewiesen werden. Doch wird er nicht mehr attendiret [beachtet], weil dieses Andenken Untergang die Zeit gleich alles auflösen wird. Ebd., 194 sagt Mantels, dessen Aufsatz erstmals 1872 erschien, die Fliese auf dem Markt werde noch gewiesen. [zurück]

[199] Zum Zusammenhang von städtischer Traditionsbildung und Historiographie vgl. ausführlich Klaus Graf: Gmünder Chroniken im 16. Jahrhundert. Texte und Untersuchungen zur Geschichtsschreibung der Reichsstadt Schwäbisch Gmünd, Schwäbisch Gmünd 1984. [zurück]

[200] Gerhard Buchda: Rechtsarchäologisches und Volksrechtskundliches aus Thüringen, in: Kurt Ebert (Hg.): Festschrift Hermann Baltl, Innsbruck 1978, 63-78, hier 67. Zahlreiche Belege zu Hinrichtungen innerhalb der Stadtmauern bei von Amira, Todesstrafen (wie Anm. 101), 121 Anm. 10. [zurück]

[201] Günter Haberer: Schafott, in: HRG 4 (1990), 1348f. Er nennt Beispiele in Bremen, Lüneburg, Prag und Hanau. Zu Hanau ist anzumerken: An der Stelle des ehemaligen Prangers auf dem Altstädter Marktplatz vor dem heutigen Goldschmiedehaus ist ein Sandsteinblock im Pflaster eingelassen, der fälschlicherweise als Platz des Schafotts ausgegeben wird (freundliche Mitteilung von Angelika Hentschel, Historisches Museum Hanau). [zurück]

[202] Buchda zitiert unter anderem die Studie von Karl Frölich: Stätten mittelalterlicher Rechtspflege auf südwestdeutschem Boden, besonders in Hessen und den Nachbargebieten, Tübingen 1938, 7, 20, 38, doch sind die dort belegten städtischen "Blutsteine" offenkundig etwas anderes. [zurück]

[203] Eine nachträgliche Deutung liegt jedenfalls eindeutig vor, wenn ein Stein mit einer ausgehauenen Hand auf dem Markplatz des mecklenburgischen Boitzenburg als Stelle gilt, wo eine Kindsmörderin enthauptet wurde, Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens 8 (1936/37), 394 (s.v. Stein II). Zum Galgen von Schattenberg existiert eine Tradition, er sei zur Hinrichtung der acht Mörder des Pfarrers Melchior Lang 1493 errichtet worden, Hermann Baltl: Rechtsarchäologie des Landes Steiermark, Graz/Köln 1957, 79. Ein Analogon zu einer solchen "Historisierung" stellt die nachträgliche Interpretation von Bräuchen als Erinnerungsfeste dar, die Gregor Römer: Die Historisierung von Volksbräuchen, Diss. masch. Würzburg 1951 behandelt (ein Beispiel oben Anm. 86). [zurück]

[204] Konrad Lübeck: Die Fuldaer Bürgeraufstände 1331/32, in: ZRG GA 68 (1951), 410-433, hier 431 Anm. 67, für die Hinrichtung unter Berufung auf die Darstellung bei Brower 1612. [zurück]

[205] Richard Needon: Der Verrat des Bautzener Stadtschreibers Peter Preischwitz im Jahre 1429/30, in: Neues Archiv für Sächsische Geschichte und Altertumskunde 51 (1930), 11-19, hier 18f. [zurück]

[206] Mailly: Rechtsaltertümer (wie Anm. 180), 157. Er gibt ebd., Anm. 14 Hinweise auf weitere Schandstrafen- und Schandsäulen-Sagen, denen nachzugehen wäre. [zurück]

[207] Karl Seifart: Sagen aus Stadt und Stift Hildesheim, hg. von Peter Guyot, Hildesheim/Zürich/New York 1995, 51. - Von dem Bremer verräterischen Bürgermeister Johann von der Tiever 1366 heißt es, man habe ihn gevierteilt und die Gewichtsangabe von einem der an der Stadtmauer aufgehangenen Viertel in einen Stein gehauen, Will-Erich Peuckert (Hg.): Bremer Sagen, 2. Aufl., Göttingen 1988, 64. [zurück]

[208] Deutsche Sagen hg. von den Brüdern Grimm, ediert von Heinz Rölleke, Frankfurt am Main 1994, 380f. Nr. 358 (Nr. 359 der gängigen Zählung der dritten Ausgabe). [zurück]

[209] Brüder Grimm: Sagen Bd. 3 (wie Anm. 98), 103 Nr. 106. [zurück]

[210] Zur Geschichte dieser Erzählung vgl. ausführlich Helmut Fischer: Vom Heiligen Anno. Profanierung und Popularisierung in Sagen seit dem 19. Jahrhundert, in: Temporibus tempora. Festschrift für Abt Placidus Mittler, Siegburg 1995, 297-318, hier 303-306. Nachzutragen ist der etwas ältere Beleg: Robert Meier: Heinrich van Beeck und seine "Agrippina". Ein Beitrag zur Kölner Chronistik des 15. Jahrhunderts. Mit einer Textdokumentation, Köln/Weimar/Wien 1998, 207: Vnd in wat huyser die scheffen woynden, dair moysten sy doyn machen eyn steynen heufft sunder ougen an den geuel zu eynre ewigen gedechtenysse. [zurück]

[211] Ernst Deecke: Die Hochverräter zu Lübeck im Jahre 1384, Lübeck 1858, 20f.; vgl. auch Derselbe: Lübische Geschichten und Sagen. 5. Aufl, hg. von Heinrich Wohlert, Lübeck 1911, 163 Nr. 82 mit Nachweisen 453. - In Husum deutete man Sandsteinmasken an zwei Häusern am Rathaus als "Rebellenköpfe" und bezog sie auf die Opfer eines Aufstandes von 1472, Wilhelm Johnsen: Kunstdenkmäler in der Sage, in: Kunst in Schleswig-Holstein. Jahrbuch 3 (1953), 68-81, hier 69. [zurück]

[212] Vgl. Lutz Röhrich: Die sichtbaren Beweise. Wahrzeichen, Denkmäler und andere Realien in der Sagenüberlieferung, in: Justus Cobet/Barbara Patzek (Hg.): Archäologie und historische Erinnerung. Nach 100 Jahren Heinrich Schliemann, Essen 1992, 137-156. In Anlehnung an Richard M. Meyer: Ikonische Mythen, Zeitschrift für deutsche Philologie 38 (1906), 166-177 möchte ich von ikonischen Erzählungen sprechen. [zurück]

[213] Die von der Forschung als "Neidköpfe" bezeichneten Steinköpfe an Kirchen, Häusern und Toren sind bis zur Gegenwart Gegenstand sich wissenschaftlich gebender wilder Spekulationen, vgl. z.B. noch Rainer Braun: Zur Deutung der Steinmasken an fränkischen Kirchen, in: Jahrbuch für fränkische Landesforschung 34/35 (1975), 279-297. Vgl. auch Ernst Ludwig Rochholz: Die drei Hunnenköpfe, in: Argovia 1 (1860), 113-136; Müller-Bergström: Wahrzeichen, in: Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens 9 (1938/41), 49-53, hier 50; Heiner Heimberger: Neidköpfe im Gebiet zwischen Neckar und Main, in: Mainfränkisches Jahrbuch 3 (1951), 252-271; Winfried Wackerfuß: Die Neidköpfe des Odenwaldes. Schreckfratzen und Spottfiguren zwischen Neckar, Rhein, Main und Mud, in: Winfried Wackerfuß/Peter Assion/Rolf Reutter (Hg.): Zur Kultur und Geschichte des Odenwaldes. Festgabe für Gotthilde Güterbock, Breuberg-Neustadt 1976, 199-218. [zurück]

[214] Graf: Thesen (wie Anm. 76), 47. [zurück]

[215] Deecke: Sagen (wie Anm. 211), 143f. Nr. 76, 452. [zurück]

[216] Rainer Alsheimer, in: Volkserzählung (wie Anm. 84), 477 Nr. 481. [zurück]

[217] Susanne Halblützel, in: Sagenerzähler (wie Anm. 84), 171f., 174f., Zitat 172. [zurück]

[218] Vgl. jetzt grundlegend Ulrich Meier: Vom Mythos der Republik. Formen und Funktionen spätmittelalterlicher Rathausikonographie in Deutschland und Italien, in: Mundus in imagine (wie Anm. 197), 345-387, hier 356-360. Für die frühe Neuzeit und die Niederlande wäre zu ergänzen die Darstellung der angeblichen Bestrafung eines diebischen Amtmanns durch den Grafen von Holland 1336 in den Rathäusern von Leyden (1582), Alkmaar und Naarden, vgl. Lambert E. van Holk: Eine mittelalterliche Rechtslegende und ihre Darstellung in der Kunst des 17. Jahrhunderts, in: Forschungen zur Rechtsarchäologie und Rechtlichen Volkskunde 5 (1983), 135-157, hier 138, 140, 141. [zurück]

[219] Dethlefs: Friedenssaal (wie Anm. 95), 58. - Als Abschreckung läßt sich in gewissem Sinn auch die frühneuzeitliche Praxis verstehen, die Skelette hingerichteter Straftäter als anatomisches Lehrmaterial zu verwenden. So bestimmte bereits 1604 Landgraf Moritz von Hessen, daß hingerichtete mißthätige zur Anatomi gefolget, Heiner Borggrefe/Vera Lüpkes/Hans Ottomeyer (Hg.): Moritz der Gelehrte. Ein Renaissance-Fürst in Europa, Eurasburg 1997, 365f. Nr. 401. 1612 und 1620 ist für die Stadtbibliothek Windsheim die Ausstellung der Skelette hingerichteter Straftäter belegt, Uwe Müller: Reichsstädtische Bibliotheken in Franken, in: Rainer A. Müller (Hg.): Reichsstädte in Franken. Aufsätze Bd. 2, München 1987, 271-283, hier 280. Vgl. auch Rublack: Magd (wie Anm. 72), 124f.; Brückner: Bildnis (wie Anm. 42), 238. [NEU:Nachtrag] - Zu makabren Sammlungsstücken in fürstlichen Kunst- und Wunderkammern vgl. den Hinweis im Katalog Der Mensch um 1500. Werke aus Kirchen und Kunstkammern, 2. Aufl., Berlin 1977, 40: In der Kunstkammer des Bayernherzogs Albrecht V. (1528-1579) wurden auch Abbildungen von Verbrechern aufbewahrt, und im Inventar konnte man Aufzeichnungen zu ihren Taten lesen. Von einem heißt es, er habe 745 Morde begangen. [zurück]

[220] Jörg von Uthmann: Es steht ein Wirtshaus an der Lahn. Ein Deutschlandführer für Neugierige, 2. Aufl. Hamburg 1979, 254. Die Neuauflage Zürich 1998 lag mir noch nicht vor. - Bereits im 16. Jahrhundert wurden Hände auf Steinsäulen (vgl. Eugen Ehmann: Markt und Sondermarkt. Zum räumlichen Geltungsbereich des Marktes im Mittelalter, Nürnberg 1987, 116-149) als Zeichen zu ewiger gedechtnus und langwiriger schand der Stadt Freiburg interpretiert. Sie sollen an den Abfall von den Grafen von Fürstenberg und dabei geschworene Meineide erinnern, glaubt man der Zimmerischen Chronik: Zimmerische Chronik. Nach der von Karl Barack besorgten zweiten Ausgabe hg. von Paul Herrmann, Bd. 1, Meersburg/Leipzig 1932, 201. [zurück]

[221] Uwe Heckert: Die Ausstattung des Großen Saales im alten Erfurter Rathaus. Ein Beitrag zum politischen Selbstverständnis eines Stadtrats in späten Mittelalter, in: Mundus in imagine (wie Anm. 197), 303-318, hier 305. [zurück]

[222] Vgl. Klaus-Dieter Hoppe, in: Hanse, Städte, Bünde (wie Anm. 97), 83 mit Abb. 84; Derselbe, in: Die Hanse. Lebenswirklichkeit und Mythos, Bd. 2, Hamburg 1989, 435; Adalbert Erler: Leibzeichen, in: HRG 2 (1978), 1802-1804. An sich war eine Bestattung des Leibzeichens vorgesehen, vgl. die Ritualbeschreibung bei Heinrich Rüthing: Höxter um 1500. Analyse einer Stadtgesellschaft, Paderborn 1986, 415. [zurück]

[223] Mailly: Rechtsaltertümer (wie Anm. 180), 122f. Vgl. jetzt auch Helmut Heckmann: Eine "tote Hand" im Besitz des "Historischen Vereins für Geldern und Umgegend", in: Geldrischer Heimatkalender 1996, 186-193; Rudolf Schenda: Gut bei Leibe. Hundert wahre Geschichten vom menschlichen Körper, München 1998, 364-366 und die bei Leander Petzoldt: Sagen von Rittern, Räubern, Bauern und Heiligen. Historische Sagen, München 1994, 284-286 zu Nr. 214 ("Die Hand aus dem Grabe") angegebene volkskundliche Literatur. Dort zu ergänzen: Lenz Kriss-Rettenbeck: Ex Voto. Zeichen, Bild und Abbild im christlichen Votivbrauchtum, Zürich 1972, 20-25. [NEU:Nachtrag] [zurück]

[224] de Win: Rechtsarchäologie (wie Anm. 102), 45. Vgl. dazu ausführlich Derselbe: De schandstraffen (wie Anm. 146), 215-221 ("Schandstrafstukken"). Vgl. auch Egied Strubbe: Een opstandige schuldenaar te Westvleteren 1551, in: Derselbe: De luister van ons oude recht, Brüssel 1973, 567-571 (Faust und Inschriftentafel als Strafe). [zurück]

[225] Heckert: Ausstattung (wie Anm. 221), 305. [zurück]

[226] Paul Quensel (Hg.): Thüringer Sagen, Augsburg 1998, 151f. [zurück]

[227] Spicker-Beck: Räuber (Anm. 88), 118. Einzige Quelle ist anscheinend der Eintrag Galli Küngsbild auf der ebd., 119 abgebildeten Karte von 1769, aus dem Ludwig Welti, in: Lustenauer Heimatbuch Bd. 1, Lustenau 1965, 97 schließen wollte, der Bildstock habe die Moritat Küngs "in Wort und Bild" festgehalten und dem Volk Anlaß für eine Sage geboten. Es dürfte sich in Wirklichkeit um einen Gedenkstein für den bei einem Raubüberfall Küngs im Rhein umgekommenen Welschen handeln. Für Hilfe danke ich Monika Spicker-Beck, Freiburg. [zurück]

[228] Koch: Strafrechtsbelehrung (wie Anm. 92), 21 nach dem lateinischen Text von J. F. Schott: De ignorantia populi circa poenas earum vim impediente specimen, Diss. jur. Leipzig 1788. [zurück]

[229] Vgl. zusammenfassend Wolfgang Leiser: Steinkreuz, in: HRG 4 (1990), 1948f. Auf die im 19. und 20. Jahrhundert aufgezeichneten Steinkreuzsagen, von denen die Kreuze oft als Erinnerungsmale an Verbrechen gewertet werden, kann ich hier nicht eingehen, vgl. etwa Bernhard Losch/Marlies Jörling: Entfremdete Information. Sühne- und Gedenkkreuze in der volkstümlichen Überlieferung, in: Beiträge zur Volkskunde in Baden-Württemberg 4 (1991), 273-293; Werner Müller: Zur Verbreitung von Kreuzsteinsagen und -motiven in Niedersachsen. Ein Überblick, in: Die Diözese Hildesheim in Vergangenheit und Gegenwart 52 (1984), 57-75. [zurück]

[230] Vgl. dazu jetzt ausführlich Poeck: Sühne (wie Anm. 82). [zurück]

[231] Methodisch anregend zur Geschichte einer juristisch-literarischen Fiktion: Alain Boureau: Das Recht der Ersten Nacht. Zur Geschichte einer Fiktion, Düsseldorf/Zürich 1996. [zurück]

[232] Wilfried Ehbrecht: Die Halberstädter Schicht 1423-1425: Zwietracht in der Einwohnerschaft einer Bischofsstadt oder das Ringen zwischen Stadtherrschaft und Bürgergemeinde, in: Hanse, Städte, Bünde (wie Anm. 97) Bd. 1: Aufsätze, 322-337, hier 332. [zurück]

[233] Vgl. oben Anm. 199. [zurück]

[234] Der Name der Freiheit (wie Anm. 141), 457. [zurück]

[235] van Dülmen: Theater (wie Anm. 175), 231 Anm. 46. [zurück]

[236] Schwerhoff: Köln (wie Anm. 31), 172. Vgl. auch die in Anm. 189 angeführte Auffassung von Wolfgang Schild. - Seit wann und in welchen Kontexten eine explizite Berufung auf den Exempelcharakter der Strafe üblich war, ist, wenn ich recht sehe, noch nicht untersucht worden; zu französischen Belegen vom Anfang des 15. Jahrhunderts vgl. Claude Gauvard: Pendre et dépendre à la fin du Moyen Age: les exigences d'un rituel judiciaire, in: Jacques Chiffoleau/Lauro Martines/Agostino Paravicini Bagliani (Hg.): Riti e rituali nelle società medievali, Spoleto 1994, 91-211, hier 198-200. [zurück]

[237] Christoph Lehmann: Florilegium politicum [...]. Faksimileausgabe hg. von Wolfgang Mieder, Bern/Frankfurt/New York 1986, 740. [zurück]

[238] Anton Largiadèr: Ein später Fall von strafrechtlicher Wüstung, in: ZRG GA 72 (1955), 244-253, hier 244. [zurück]

[239] Laubenberger: Wüstung (wie Anm. 154), 1590. [zurück]

[240] Eberhard Freiherr von Künßberg: Rechtsgeschichte und Volkskunde, bearb. von Pavlos Tzermias, Köln/Graz 1965, 59; vgl. auch Derselbe: Rechtserinnerung (wie Anm. 78), 589: "Stürmisch begehrtes altes Recht ist bei seiner siegreichen Durchführung auch von längst vergangenen Rechtsmitteln begleitet: Selbsthilfe, Wüstung und Fronung, Blutrache leben wieder auf". [zurück]

[241] Kramer: Problematik (wie Anm. 70), 63. [zurück]

[242] Eine mögliche Antwort legt das von Suter: Bauernkrieg (wie Anm. 64), 405-455 vorgestellte Material zur Bedeutung historischer Rückgriffe für die aufständischen Schweizer Bauern im 17. Jahrhundert nahe. [zurück]

[243] Manfred Fuhrmann: Erneuerung als Wiederherstellung des Alten. Zur Funktion antiquarischer Forschung im spätrepublikanischen Rom, in: Reinhart Herzog/Reinhart Koselleck (Hg.): Epochenschwelle und Epochenbewußtsein, München 1987, 131-151, besonders 131-133, 147f. [zurück]

[244] Ebd., 131f. [zurück]

[245] Ebd., 133. [zurück]

[246] von Hentig: Schriften (wie Anm. 101), 181. [zurück]

[247] Zur methodischen Problematik vgl. Klaus Graf: Retrospektive Tendenzen in der bildenden Kunst vom 14. bis zum 16. Jahrhundert. Kritische Überlegungen aus der Perspektive des Historikers, in: Mundus in imagine (wie Anm. 197), 389-420. [zurück]

[248] Vgl. ebd., 408 mit Anm. 104. [zurück]

[249] Markgraf: Volk (wie Anm. 68), 521. [zurück]

[250] Brückner: Bildnis (wie Anm. 42), 258. [zurück]

[251] Vgl. Christina Bukowska Gorgoni: Die Strafe des Säckens - Wahrheit und Legende, in: Forschungen zur Rechtsarchäologie und Rechtlichen Volkskunde 2 (1979), 145-162. [zurück]

[252] Dieter Feucht: Grube und Pfahl. Ein Beitrag zur Geschichte der deutschen Hinrichtungsbräuche, Tübingen 1967, 69, 71f. [zurück]

[253] Dies betont auch Joachim Knape: Dichtung, Recht und Freiheit. Studien zu Leben und Werk Sebastian Brants 1457-1521, Baden-Baden 1992, 367f. Anm. 82 (mit wichtigen Literaturhinweisen). [zurück]

[254] Zu Cusanus als "Rechtshistoriker" vgl. die zuletzt bei Gadi Algazi: Ein gelehrter Blick ins lebendige Archiv. Umgangsweisen mit der Vergangenheit im fünfzehnten Jahrhundert, in: Historische Zeitschrift 266 (1998), 317-357 zusammengestellte Literatur. [zurück]

[255] Vgl. z.B. Bernard Guenée: Histoire et Culture historique dans l'Occident médiéval, Paris 1980, 33-35 und vorsichtiger Chris Wickham: Lawyers Time: History and Memory in Tenth- and Eleventh-Century England, in: Henry Mayr-Harting/Robert Ian Moore (Hg.): Studies in medieval history presented to R. H. C. Davis, London/Ronceverte 1985, 53-71, hier 64. [zurück]

[256] Vgl. Donald R. Kelley: Clio and the Lawyers. Forms of historical consciousness in medieval jurisprudence, in: Derselbe: History, Law and the Human Sciences, London 1984, 25-49. Vgl. auch Graf: Retrospektive Tendenzen (wie Anm. 247), 410. Zur Diskussion über die Veränderbarkeit des Rechts und das "gute alte Recht" im Mittelalter vgl. die Literaturhinweise bei Andermann: Recht (wie Anm. 197), 434f. Anm. 53. [zurück]

[257] Vgl. Helga Schnabel-Schüle: Überwachen und Strafen im Territorialstaat. Bedingungen und Auswirkungen des Systems strafrechtlicher Sanktionen im frühneuzeitlichen Württemberg, Köln/Weimar/Wien 1997, 201-215. Zentraler Punkt der Kritik Luthers und Melanchthons am mosaischen Recht war der "historische Abstand" (202). [zurück]

[258] Otto Herding: De Jure Feudali, in: Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte 28 (1954), 287-323, hier 298. [zurück]

[259] Vgl. Bruce C. Brasington: Non imitanda set veneranda: The Dilemma of Sacred Precedent in Twelfth-Century Canon Law, in: Viator 23 (1992), 135-152. [zurück]

[260] Theodor Lindner: Die Feme. Geschichte der "heimlichen Gerichte" Westfalens, 2. Aufl. Paderborn 1896, Nachdruck Paderborn u.a. 1989, 471. [zurück]

[261] Eduard Osenbrüggen: Das Alamannische Strafrecht, Schaffhausen 1860, 34f. - Erwähnt sei noch der Rückverweis auf die Bestrafung von Fluchern bey kunigs Ludwigs zeittenn in einem Meisterlied Hermann Francks von 1509/13, Frieder Schanze (Hg.): Jörg Dürnhofers Liederbuch (um 1515). Faksimile des Liederdruck-Sammelbandes Inc. 1446a der Universitätsbibliothek Erlangen, Tübingen 1993, Nr. 20, Bl. 3a. [zurück]

[262] Vgl. zusammenfassend Tilman Struve: Oberrheinischer Revolutionär, in: Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon, 2. Aufl. 7 (1989), 8-11. Die von Klaus H. Lauterbach: Der "Oberrheinische Revolutionär" und Mathias Wurm von Geudertheim. Neue Untersuchungen zur Verfasserfrage, in: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 45 (1989), 109-172 vorgeschlagene Verfasseridentifizierung überzeugt nicht. [zurück]

[263] Vgl. z.B. Das Buch (wie Anm. 131), 266f., 356, 389, 449 und öfter. Vgl. auch Andermann: Recht (wie Anm. 197), 445 Anm. 95. [zurück]

[264] Das Buch (wie Anm. 131), 388; vgl. Klaus H. Lauterbach: Geschichtsverständnis, Zeitdidaxe und Reformgedanke an der Wende zum sechzehnten Jahrhundert. Das oberrheinische "Buchli der hundert Capiteln" im Kontext des spätmittelalterlichen Reformbiblizismus, Freiburg-München 1985, 195f., 243f. mit den weiteren einschlägigen Textstellen. [zurück]

[265] Vgl. Helga Schnabel-Schüle: Calvinistische Kirchenzucht in Württemberg? Zur Theorie und Praxis der württembergischen Kirchenkonvente, in: Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte 49 (1990), 169-223, hier 177f. [zurück]

[266] Vgl. oben bei Anm. 6. [zurück]

[267] Generallandesarchiv Karlsruhe 98/3071, wie das vorige Zitat der ungedruckten Habilitationsschrift von Andreas Blauert über das Urfehdewesen entnommen, deren einschlägige Passage er mir dankenswerterweise zugänglich gemacht hat. [NEU:Nachtrag] [zurück]

[268] Vgl. Schultheiß: Acht-, Verbots- und Fehdebücher (wie Anm. 47), 231*-235*. [zurück]

[269] Ebd., 231*. [zurück]

[270] Vgl. oben Anm. 2f. [zurück]

[271] Vgl. nur Arnaldo Momigliani: Wege in die alte Welt, Frankfurt am Main 1995, 111-160; Alain Schnapp: The Discovery of the Past. The Origins of Archaeology, London 1996. [zurück]

[272] Künßberg: Rechtsgeschichte (wie Anm. 240), 57. Zur Rezeption der Femegerichte im 18. Jahrhundert vgl. oben Anm. 81. [zurück]

[273] Vgl. Baltl: Rechtsarchäologie (wie Anm. 203), 43. [zurück]

[274] Maisel: Rechtsarchäologie (wie Anm. 105), 144-146. Vgl. auch die Abbildungen bei Schild: Gerichtsbarkeit (wie Anm. 101), 50f. Nr. 85f. [zurück]

[275] Ludwig Bechstein: Der Sagenschatz des Frankenlandes 1. Teil: Die Sagen des Rhöngebietes und des Grabfeldes, Würzburg 1842, 170f. Nr. 39, Zitat 171. [zurück]

[276] Vgl. oben Anm. 17. Zur theoretischen Grundlegung einer Diskursgeschichte vgl. auch Klaus Graf: Exemplarische Geschichten. Thomas Lirers "Schwäbische Chronik" und die "Gmünder Kaiserchronik", München 1987. [zurück]

[277] Ich bin mir darüber im klaren, daß die Verwendung von "popular" anstelle von "volkstümlich" die heiklen methodischen Probleme des Volksbegriffs nicht lösen kann. [zurück]

[278] Ausgeklammert wurden ja die "Erzählungen" der bildlichen Darstellungen, für die Kunstgeschichte und Rechtsikonographie zuständig sind, vgl. oben Anm. 197. [zurück]

[279] Vgl. vor allem die oben in den Anmerkungen 75, 84 und 87 genannte Literatur. [zurück]

[280] Kramer: Grundriß (wie Anm. 82), 3. [zurück]

[281] Vgl. dazu Klaus Graf: Fürstliche Erinnerungskultur. Eine Skizze zum neuen Modell des Gedenkens in Deutschland im 15. und 16. Jahrhundert, in: Les princes et l'histoire du XIVe au XVIIIe siècle, hrsg. von Chantel Grell/Werner Paravicini/Jürgen Voss, Bonn 1998, S. 1-11. [zurück]

[282] Vgl. oben bei Anm. 111, 133, 149, 175. [zurück]

[283] Die besondere Bedeutung der Monographie "Bildnis und Brauch" von Wolfgang Brückner (wie Anm. 42) für das Thema wird in meinen Anmerkungen hinreichend deutlich. Neben der vor allem von Karl-S. Kramer (vgl. oben Anm. 70, 82 und Derselbe: Warum dürfen Volkskundler nicht vom Recht reden? Zur Problematik der Rezeption meines Buches "Grundriß einer rechtlichen Volkskunde" (1974), in: Ruth-E. Mohrmann/Volker Rodekamp/Dietmar Sauermann (Hg.): Volkskunde im Spannungsfeld zwischen Universität und Museum, Münster 1997, 229-237) geförderten Rechtsvolkskunde sieht Rudolf Schenda - zuletzt im Artikel Mordgeschichten (wie Anm.84), 888 - die Notwendigkeit einer "Unrechtsvolkskunde". [zurück]

Nachträge und Ergänzungen (ab Januar 2000)

[Anm. 66] Am 2.12.1999 referierte Sven Limbeck vom Projekt A 7 im Rahmen des Berichtskolloquiums des Freiburger SFB 541 über: In carcere et vinculis. Zur Konstruktion von Identität bei eingekerkerten Schriftstellern des lateinischen Mittelalters. Seine drei Fallbeispiele: Amalricus von Montfort, Johannes von Rupescissa und Felix Hemmerli.

[Anm. 72] Der von Kiepe/Kiepe aus der Wolfenbütteler Priamelhandschrift (1470/1500), HAB Cod. 2.4. Aug. 2°, fol. 56vb edierte Text hat folgenden Wortlaut:
Wer ich geporen von schnoder art,
Vil poser den kein mensch ye wart,
vnd wer mein anher ein huntslaher gewesenn
Vnd het die pein pey dem galgen aufglesen,
mein pas het zaubert vnd kint vertan,
das sy drum aüff dem creücz must stan,
Vnd wer mein veter ein schelm schinder
Vnd het geschunden pfert vnd rinder,
Mein müm het weter vnd plicz gemacht
Vnd den teüffel jn ein sack pracht,
Vnd wer mein swaher so poß vnd smech,
Das er dieb vnd morder an sprech,
Vnd het mein geschwey alle die verraten,
Die ye den henckernn fur getratenn,
Vnd tet mein pruder aüf dem rad vmb walgenn
Vnd hing mein vater do pey am galgen
Vnd leg mein schwester peym hencker alnacht
Vnd het den ju+oden cristen kinder pracht,
Vnd wer mein sun ein hencker vnd hawet aus,
Vnd wer mein muter im hurhaüs
Vnd fressen meinen stifvater auf dem rad dy raben
vnd het mein tochter vnter dem galgen graben
Vnd wern hincket, hüffalcz, swarcz wie eyn kol,
Naßloß, krumpmaület vnd werczen fol,
Roczig, geyfferig vnd augen rynnen,
reudig, stinckent vnd vol pfinnen,
Aüssetzig, lam vnd hetten den erbgrint,
Vnd wern panckhart, pasthart vnd hurnkint
Vnd wern peteln, in spitaln gelegen,
Vnd teten darzü die gelgen fegen,
Vnd wern al worden vom hencker wundt
Vnd ich wer vber die al ein außpundt
Vnd wer ein kirchenpruchel vnd heiltum diep -
Noch het ich gelt, so wer ich liep,
Das yderman mein tet pegern.
Das eym frumen armen nit kunt wern.
Ey, schant vnd gelt! die ye solchs teten,
Dy koren al ans lucifers keten.

[Anm. 123] Vgl. Matthias Lentz: Schmähbriefe und Schandbilder als Medien außergerichtlicher Konfliktbewältigung. Von der sozialen Sanktion zur öffentlichen Strafe, in: Neue Wege strafrechtsgeschichtlicher Forschung, hg. von Hans Schlosser/Dietmar Willoweit, Köln/Weimar/Wien 1999, 55-81 und die Abbildung auf seiner Internetseite.

[Anm. 219] Vgl. Josef Pauser: Sektion als Strafe? in: Körper ohne Leben. Begegnung und Umgang mit Toten, hg. von Norbert Stefenelli, Wien/Köln/Weimar 1998, 527-535.

[Anm. 223] Die "Schwarze Hand" aus Schloß Hohenlimburg stellt die Virtuelle Schausammlung des Museums in Hagen vor.
Menschliche Überreste in niederländischen Museen zeigte 1998 eine Amsterdamer Ausstellung, vgl. Ewald Vanvugt: Botje bij botje. Menselijke resten in musea, Amsterdam 1998.

[Anm. 267] Vgl. Andreas Blauert: Das Urfehdewesen im deutschen Südwesten im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit, Tübingen 2000, 40.

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