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Themen der Sendung:
Rechnet sich Dämmung wirklich?
Achtung Baustelle! – Der Geräteschuppen
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Rechnet sich Dämmung wirklich?; Rechte WDR (Standbild) Sendung vom 19. September 2003


Rechnet sich Dämmung wirklich?
Von Katharina von Bormann und Jochen Bülow

 
 

Rund 600 Millionen Quadratmeter Dämmstoffe sind bereits an deutschen Häusern verbaut. Jährlich kommen gut 30 Millionen Quadratmeter hinzu. Bei einem normalen Einfamilienhaus kostet das Einpacken mit Dämmmaterialien gut 12.000 bis 15.000 Euro. Kein Pappenstiel, doch die Hersteller der Dämmstoffe versprechen, dass die Umwelt geschont werde und das Geld in überschaubarer Zeit wieder reinkomme: durch geringere Heizkosten. Mittlerweile sind Dämmstoffe gesetzlich vorgeschrieben. Umso erstaunlicher sind die Ergebnisse genauerer Recherchen:

Nach Auskunft von Fachleuten gibt es bis heute keine nachprüfbare wissenschaftliche Untersuchung, die die Wirkung von Dämmungen nachweist. Dämmungstests sind aufwändig und teuer. Sie dauern Jahre und müssen wissenschaftlich begleitet werden. Umso wichtiger sind kritische Fragen, beispielsweise an das renommierte Fraunhofer-Institut für Bauphysik.

 
 

Unter der Leitung von Professor Dr. Karl Gertis hat das Institut bundesweit Dokumentationen der so genannten energetischen Sanierung an 40 Altbauten ausgewertet. Bei Häusern, an denen ausschließlich eine Wärmedämmung angebracht wurde, sank zwar der Heizenergieverbrauch nach Anbringung der Dämmung um 20 bis 40 Prozent, doch das war weit weniger als das Fraunhofer-Institut für Bauphysik zuvor theoretisch berechnet hatte. Die Realität sieht offensichtlich anders aus als der Laborversuch.

  Professor Dr. Karl Gertis im Labor; Rechte WDR (Standbild)
 

Ein Beispiel: Laut Berechnung sollte ein Haus aus der Studie nach der Dämmung 69 Kilowattstunden weniger Heizenergie pro Quadratmeter und Jahr benötigen als zuvor. Tatsächlich mussten die Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts feststellen, dass die Bewohner nach der Dämmung ihres Hauses 58 Prozent mehr verheizten als berechnet. Beim zweiten Beispiel beträgt der Unterschied zwischen theoretisch berechnetem und tatsächlichem Verbrauch nach der Dämmung rund 56 Prozent. Und beim dritten sind es immerhin noch 11 Prozent. Und das, obwohl die Mieter dieser Häuser nach der Dämmung umfangreich über energiesparendes Heizen informiert wurden – was alleine schon zur erheblichen Reduzierung der Heizkosten beitragen soll.

 
Bauarbeiter mit Dämmmaterial; Rechte WDR (Standbild)

Es lassen sich noch eindeutigere Gegenbeispiele finden: In einer Vorstadtsiedlung in Hannover stehen drei etwa gleich große Wohnblöcke, die im selben Jahr gebaut wurden und von der gleichen zentralen Heizanlage beheizt werden. Vor zwölf Jahren entschieden sich die Eigentümer, bei einem dieser drei Häuser die Fassade zu dämmen, um Heizkosten zu sparen.

 
 

Bewohner des Hauses berichten, seitdem seien die Heizkosten tatsächlich gesunken. Was die Mieter des gedämmten Hauses nicht wissen: Auch bei den ungedämmten Nachbarhäusern sind die Heizkosten in den letzten zwölf Jahren gesunken. Das belegt ein Vergleich der Heizkostenabrechnungen aller drei Häuser. Der Vergleich mit den Wetterdaten ergibt: Nach der Dämmung waren die Winter weniger kalt. Mit minimalen Unterschieden liegen die Heizkosten der drei Gebäude über Jahrzehnte auf einem Niveau – sowohl vor als auch nach der Dämmung eines der Häuser.

In den letzten Jahren waren die Heizkosten des gedämmten Hauses sogar besonders hoch. Eine mögliche Erklärung des Bausachverständigen Professor Jens Fehrenberg: „Es ist denkbar, dass die Feuchtigkeit, die die Bewohner im Inneren ihrer Wohnungen produzieren, in das Mauerwerk hineinwandert – aber möglicherweise nicht schnell genug wieder hinaus –, weil sie durch die Dämmung daran gehindert wird. Und bei einer Kondenswasserbildung in der Dämmung ist es wie mit einem nassen Pullover: Der dämmt natürlich nicht mehr.“ Denkbar sind auch andere Gründe – sicher ist aber in jedem Fall: Die Bewohner des gedämmten Hauses heizten nicht weniger als ihre Nachbarn.

Der Bausachverständige Jens Fehrenberg rät den Hauseigentümern, sich die vom Hersteller prognostizierte Ersparnis schriftlich geben zu lassen, damit sie später eine Chance haben zu klagen. Mieter können wiederum nicht klagen und zahlen die Kosten der Fassadendämmungen mit Mieterhöhungen. Dabei steigen die Mieten viel stärker, als die Heizkosten sinken. Das bestätigt sogar die Fraunhofer-Auswertung der Studie.

Auch wenn die Häusersiedlung in Hannover keinen Beweis dafür liefert, dass Wärmedämmungen gar nichts bringen – viele Architekten und Bauplaner bezweifeln mittlerweile die vollmundigen Werbeversprechen der Industrie und des Handwerks. Sicher ist bis heute nur so viel: Mieter und Bauherren müssen eine Wärmedämmung bezahlen, für deren Wirkung es keine wissenschaftlich fundierten Beweise gibt.

 
 


 
 

Studiogast zum Thema „Dämmung“ war Herr Weizenhofer vom


Link

Eine Übersicht über die zugelassenen Energieberater finden Sie im Internet unter

www.bafa.de
Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle


Literaturtipps:

  • Johann Reiss, Hans Erhorn, Martin Reiber
    Energetisch sanierte Wohngebäude
    IRB, 2002
    ISBN 3-8167-6148-8
    Preis: 37 Euro

Das VBN-Info-Sonderheft 2003 „Topthema Wärme/Energie“ kann beim Verband der Bausachverständigen Deutschlands (VBD) e.V. zum Preis von 20 Euro für VBD-Mitglieder und zum Preis von 33 Euro für Nicht-Mitglieder, jeweils zuzüglich 5 Euro Versandkosten, online bestellt werden unter:

www.v-b-n.de

Informationen zum Thema „Dämmung“ finden sich auch auf der Homepage des Architekten und Dämmungskritikers Konrad Fischer:

home.t-online.de/home/konrad-fischer/

 
  Dieser Text gibt den Inhalt des Beitrags der ServiceZeit Bauen und Wohnen vom 19. September 2003 wieder.
Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.

– Alle Angaben ohne Gewähr –
 
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