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Sendung vom 8. Mai 2004
Fensteraustausch
Von Ralf Raimo Jung
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In allen Größen und Formen sorgen Fenster für Licht in unseren Wohnungen, gelten aber auch als Energie verschwendende Schwachstellen in den Fassaden unserer Häuser. Der vorzeitige Austausch ist deshalb in. |
Wer das tut, muss viele Auflagen beachten. So schreibt der Gesetzgeber zum Beispiel eine Wärmeschutzverglasung zwingend vor.
Die Fensterindustrie in Deutschland entwickelt deshalb immer neue Hightech-Produkte. In Rosenheim hat der Verband der Hersteller das Institut für Fenstertechnik eingerichtet. Hier werden Neuentwicklungen getestet. Zum Beispiel Glas, das dick genug ist, um vor rabiaten Einbrechern zu schützen, oder Fenster, die auch extreme Sonneneinstrahlung aus der Wohnung fernhalten können.
Ein Problem, das viele Bürger haben, ist die Belastung ihrer Wohnungen durch Lärm. Neben den eigentlichen Verursachern wie Zügen, Autos oder Flugzeugen ist für die permanente Störung oft auch ein schlechtes Fenster verantwortlich. Da die Lärmquelle sich in der Regel nicht beseitigen lässt, kann hier der Einbau neuer Fenster tatsächlich Abhilfe leisten. Das ist zwar nicht die ideale Lösung des Problems, aber wenigstens eine Chance zur Nervenschonung. |
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Der Hauptgrund für den Fensteraustausch ist allerdings in der Regel die Hoffnung, durch diese Maßnahme Energie einsparen zu können. Gutachter weisen mit spektakulären, vermeintlich leicht lesbaren Thermographien auf angebliche Schwachstellen der Fassade hin und fördern so die Bereitschaft zum Austausch der Fenster. Tatsächlich ist die Energieeffizienz dieser Maßnahme jedoch umstritten.
Über viele Jahrhunderte ist man mit einfach verglasten Fenstern ausgekommen. Erst seit etwa 30 Jahren bietet die Industrie vor allem in Deutschland immer aufwändiger verarbeitete Fenster an und propagiert deren Einbau an Stelle der alten Fenster. Versprochen werden durch diese Maßnahme zum Teil erhebliche Energieeinsparmöglichkeiten.
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Ein Folgeproblem des Einbaus neuer Fenster ist oft Schimmelbildung an den Wänden. Denn deren neue Dichtigkeit verhindert das Entweichen feuchter Raumluft nach draußen. Nur durch mehrmaliges tägliches Stoßlüften ist dieses Problem in den Griff zu bekommen. Die Industrie und viele Verbraucherverbände empfehlen daher, Fenster niemals ohne eine gleichzeitige Dämmung der Fassade auszutauschen. Und das nicht nur, um Folgeschäden zu vermeiden, sondern auch, weil durch die Komplettsanierung noch dramatischere Energieeinsparungen möglich sein sollen. |
Allerdings gibt es bisher keine Langzeitstudie, die eine nennenswerte Energieeinsparung tatsächlich nachweisen würde.
Vergleicht man zum Beispiel die Energiebilanz dreier baugleicher Häuser in Hannover, von denen nur eines 1990 gedämmt worden ist, stellt sich heraus, dass der Energiebedarf des gedämmten Gebäudes inzwischen sogar größer ist als der seiner ungedämmten Nachbarn.
Fazit: Solange noch keine seriösen Untersuchungen zur tatsächlichen Möglichkeit einer nennenswerten Energieeinsparung durch den Austausch von Fenstern vorliegen, sollte man sich durch Versprechen der Industrie oder der Politik nicht verwirren lassen. Denn deren optimistische Zahlen beruhen ausschließlich auf Rechenbeispielen und Laborergebnissen.
Für den Austausch sprechen vorläufig nur Lärmschutzgründe oder persönliche Komfortwünsche. Eine Kostenamortisierung durch Energieeinsparung ist jedoch unwahrscheinlich. Wer trotzdem neue Fenster einbauen lässt, sollte unbedingt auf einen fachgerechten Einbau achten. Denn hier wird oft geschludert.
Kontaktadressen:
Informationen zu Fenstern und einem fachgerechten Einbau:
Kritische Anmerkungen zum Thema Fensteraustausch:
- Konrad Fischer
Architekt
Hauptstr. 50
96272 Hochstadt am Main
Tel. (0 95 74) 30 11
Fax (0 95 74) 49 60
Internet: www.konrad-fischer-info.de
Auskunft erteilen auch die Verbraucherzentralen. Allerdings verfügen die Berater selbst nur über die Zahlen der Laboruntersuchungen, die auch von der Industrie verwendet werden. Adressen örtlicher Beratungszentralen erhalten Sie beim Bundesverband:
- vzbv
Verbraucherzentrale Bundesverband e.V.
Markgrafenstr. 66 (Pillbox)
Kochstr. 22 (Besuchereingang)
10969 Berlin
Tel. (0 30) 2 58 00-0
Fax (0 30) 2 58 00-218
Internet: www.vzbv.de
E-Mail: info@vzbv.de
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Dieser Text gibt den Inhalt des Beitrags der Sendung ARD Ratgeber Bauen und Wohnen vom 8. Mai 2004 wieder. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt. Alle Angaben ohne Gewähr
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