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Tabakpflanze
Tamarinde
Taubnesselblüten
Tausendgüldenkraut
Teebaumöl
Teufelskrallewurzel
Thymian
Thymiankraut
Tollkirsche
Tormentillwurzel
Topinamburknollen
Traubenkirsche
Traubensilberkerze
Trompetenbaum


























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Tausendgüldenkraut

für den Magen. Bei verstimmtem Magen, Völlegefühl und Feiertagsbeschwerden helfen sogenannte Bittermittel. Pflanzenstoffe von ausgeprägtem bitterem Geschmack. Meist werden sie in Form von Magenbitter präsentiert. Ebenso hilfreich aber alkoholfrei sind Tees aus magenstärkenden Pflanzen, zu denen seit altersher Enzian, Wermut, Bitterklee, Kalmus, Bitterorange und Tausendgüldenkraut zählen. Letzteres gehört zu den Enziangewächsen und ist geschützt. Daher ist das Sammeln nicht mehr erlaubt und man muß auf die in den Apotheken und Reformhäuser angebotenen Tees zurückgreifen. Tausendgüldenkrauttee regt den Appetit an, vermehrt den Speichel- und Magensaftfluß, fördert die Verdauung durch Steigerung der motorischen Darmtätigkeit und wirkt galletreibend. Bei Magenschwäche, hervorgerufen durch Mangel an Salzsäure - und Pepsinproduktion, bei Erschöpfungszuständen, verbunden mit Appetitlosigkeit, wird der frisch zubereitete, aber nicht mehr heiße Tee eine halbe Stunde vor der Mahlzeit getrunken. 1 - 2 Teelöffel Droge werden mit einem Viertelliter kochendem Wasser überbrüht und nach 10 Minuten abgeseiht. bei Übersäuerung des Magens sollte Tausendgüldenkraut nicht verwendet werden. Es gibt zwei Möglichkeiten, einen Tee aus Tausendgüldenkraut zuzu­bereiten, wobei der Kaltansatz zwar aufwendiger ist, aber wirksamer sein soll.

Zubereitung: 1 gehäufter Teelöffel des getrockneten Krautes wird mit ¼ l kochendem Wasser übergossen. Den Aufguß 5-10 Minuten ziehen lassen, abseihen und den Tee ungesüßt jeweils ½ Stunde vor den Mahlzeiten trinken.

Oder: 1 gehäufter Teelöffel des getrockneten Krautes wird mit ¼ l kaltem Wasser übergossen. Den Ansatz läßt man unter gelegentlichem Umrühren 8-10 Stunden ausziehen. Jeweils ½ Stunde vor den Mahlzeiten wird 1 Tasse leicht aufgewärmt und ungesüßt getrunken.

Tausendgüldenkraut ist Bestandteil vieler Magentees.

Inhaltsstoffe: Verschiedene glykosidische Bitterstoffe, deren Konzentration in den Blüten am höchsten und in den Stengeln am geringsten ist.

Herkunft: Auf feuchtem, sonnigen Ödland, naturbelassenen Wiesen und Waldlichtungen in Europa, Kleinasien, Nordafrika und Nordamerika.

Botanik: Deutscher Name: Tausendgüldenkraut, wissenschaftliche Namen: Centaurea minus, früher Erythraea centaurium, Familie: Enziangewächse. Die durch ihre rotvioletten schönen Blütenstände auffallende Pflanze erreicht meist nur etwa 25 cm Höhe. Der deutsche Name ist ein Hinweis auf die hohe Wertschätzung dieser Heilpflanze.

Tausendgüldenkraut ist eine der reinen Bitterstoffdrogen und hat eine anregende Wirkung auf die Magen- und Darmsäfte. So hilft das Kraut bei Appetitmangel und Verdauungsstörungen wie Blähungen und Magen-und- Darmkrämpfen. Die appetitanregende Eigenschaft macht man sich besonders bei der Behandlung von magersüchtigen Patienten zu Nutze. Tausendgüldenkraut regt außerdem den Kreislauf an und ist somit auch bei stressbedingten, nervösen Erschöpfungserscheinungen angezeigt.

Taubnesselblüten (Flores Lamii aIbi)

werden als Teeaufguß (2 Teelöffel voll pro Tasse) volksmedizinisch bei sehr unterschiedlichen Heilanzeigen verwendet, wie zum Beispiel innerlich und äußerlich bei weißen Ausfluß, innerlich bei schmerzhafter Regelblutung, Darmstörungen und Husten. Diese Anwendungsgebiete werden durch die bisher bekannten Inhaltsstoffe nicht überzeugend gerechtfertigt.

Die weißen Blüten der Taubnessel (Lamium album) sind optimal an die Insektenbestäubung angepaßt.

Teufelskrallewurzel (Radix Harpagophyti)

Heilanzeigen: Rheumatische Erkrankungen und Arthritis.

Zubereitung: Bereitung der Tagesmenge durch Überbrühen von 1 gehäuften Teelöffel voll Schnittdroge mit 1/2 Liter kochendem Wasser. Man läßt bedeckt über Nacht stehen, seiht am nächsten Morgen ab und trinkt vor den Mahlzeiten je 1 Tasse kalten Tee. Der recht bittere Geschmack kann durch etwas Süßstoff gemildert werden. Kurmäßige Anwendung über mehrere Wochen ist unerläßlich.

Inhaltsstoffe: Harpagosid (sehr bitter), Procumbid und Harpagid.

Ihr Wurzelextrakt (Fertigpräparate gibt es in der Apotheke) hemmt nachhaltig jene Enzyme, die den rheumatischen Entzündungsprozeß fördern. Die Teufelskralle stillt darüber hinaus zuverlässig Schmerzen. Die afrikanische Heilpflanze hat praktisch keine Nebenwirkungen. Teufelskralle heißt sie wegen ihren monströsen, hakenförmigen Krallen. Sie soll Knorpelsubstanzen aufbauen, den Stoffwechsel fördern, Cholesterin senken und Magen- sowie Darmbeschwerden lindern. Für die Therapie degenerativer Gelenkerkrankungen spielt sie eine immer wichtigere Rolle.

Herkunft: Savannen der Kalahariwüste von Südwest- und Südafrika. Botanik: Deutsche Namen: Teufelskralle, Harpago, wissenschaftlicher Name: Harpagophytum procumbens, Familie: Pedaliaceae. Krautige, dem Boden aufliegende Pflanze mit großen rot­violetten Blüten. Der deutsche Name der Pflanze bezieht sich auf die mit scharfen Widerhaken besetzten oberirdischen Früchte , in die die Tiere hineintreten und so für deren Verbreitung sorgen.

Arzneilich genutzt werden nicht die Früchte, sondern die tief in der Erde steckenden sekundären Speicherwurzeln, deren Gewinnung einige Mühe erfordert, was den hohen Preis der Droge mitbedingt.

Thymiankraut (Herba Thymi)

Heilanzeigen: Vorzügliches Hustenmittel mit bakterienabtötenden, auswurffördernden und krampflösenden Eigenschaften. Bei akutem und chronischem Husten, Keuchhusten, zusätzlich zu anderen Medikamenten auch bei Lungenblähung (Emphysem) und Asthma. Äußerlich zu Umschlägen bei schlecht heilenden Wunden.

Sein zweites Anwendungsgebiet ist der Verdauungstrakt. Nicht nur; dass das Kraut Speisen leichter verdaulich macht, es hilft auch bei krampfartigen Bauchschmerzen, desinfiziert den Darm (ohne Nebenwirkungen), hemmt Fäulniserreger und hat sich bewährt bei Durchfällen und Darmschleimhautentzündungen.

Das ätherische Öl der Droge dient zu Erkältungsbädern, Einreibungen und zur Desinfektion.

Zubereitung: 1 gehäufter Teelöffel voll Schnittdroge wird in einer Tasse mit kochendem Wasser übergossen. Man läßt bedeckt 5 Minuten ziehen, seiht ab, süßt mit Honig und trinkt gut warm 3 mal täglich 1 Tasse Tee.

Inhaltsstoffe: Etwa 1,2% ätherisches Öl mit den Hauptbestandteilen Thymol und Carvacrol, ca. 10% Gerbstoff, Bitterstoff, Saponine, Harze und heilende Glykoside.

Herkunft: Heimat Südeuropa, Anbau in vielen Ländern, darunter seit Karl dem Großen auch in Deutschland.

Botanik: Deutsche Namen: Echter Thymian, Gartenthymian, wissenschaftlicher Name: Thymus vulgaris, Familie: Lippenblütler. Unscheinbare Pflanze mit kleinen Blättern und Blüten, dennoch leicht zu erkennen am intensiven typischen Duft.

Die in Deutschland auf kargen Böden wildwachsende Thymianart heißt Quendel oder Feldthymian (Thymus serpyllum). Quendel erreicht nicht die Wirkung des echten Thymians.

¨ Anmerkung: Reines Thymol liegt in durchscheinenden Kristallen vor. Es wirkt gegen Bakterien 25 Mal stärker als Phenol ( Karbolsäure).

In der Küche wird das Kraut zum Würzen von Suppen, Gemüse, Wurst, Fisch und fetten Fleischgerichten verwendet.

Empfehlenswert gegen Husten, Magen- und Darmbeschwerden sind auch fertige Teemischungen mit Thymian.

Der französische Naturheiler Maurice Messe gue' empfiehlt übrigens zur Vorbeugung gegen Erkältungen, jeden Abend eine Tasse warmen Thymiantee zu trinken.

Der Thymian wird bei uns als Gewürz und Heilkraut in Gärten und Kulturen angebaut.

Verwendete Pflanzenteile: Das blühende Kraut

Ernte und Aufbereitung: Thymian wird während der Blütezeit in den Monaten Mai bis August geerntet. Das geschnittene Kraut wird zu Sträußen gebunden und an einem schattigen, luftigen Platz getrocknet.

Bei Magen- und Darmstörungen und Hustenbeschwerden hilft neben der inneren Anwendung ein entspannendes Thymian-Bad: Man nimmt 100 g getrocknetes Thymiankraut und bringt es in 1 l Wasser kurz zum Aufkochen. Danach wird das Kraut abgefiltert und die zurückbleibende Flüssigkeit dem Bad zugegeben.

¨ Anmerkung: Thymian enthält ein ätherisches Öl, dass bei Überdosierung zu einer Schilddrüsenüberfunktion führen kann. Bei normaler Dosierung ist das Heilkraut ohne Nebenwirkung.

Tormentillwurzel (Rhizoma Tormentillae)

Heilanzeigen: Akute Durchfallerkrankungen verschiedener Ursache. Zu Spülungen bei Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut. Äußerlich zu Umschlägen und Teilbädern bei schlecht heilenden Wunden, leichteren Verbrennungen (auch Sonnenbrand) und Erfrierungen.

Inhaltsstoffe: Etwa 15% Catechingerbstoffe), Tormentillrot etc. Tormentill ist die gerbstoffreichste einheimische Pflanze.

Zubereitung: Innerlich als Pulver: 3 Mal täglich 1 gestrichen vollen Teelöffel, in 1/2 Glas herbem Rotwein oder bitterem Schwarztee verrührt oder als Abkochung: 2 Eßlöffel voll Schnittdroge werden mit 1/2 Liter Wasser 10 Minuten gekocht. Nach Wegnahme vom Herd können noch 2 Teelöffel voll Kamillenblüten in die heiße Abkochung eingerührt werden. Man läßt bedeckt 10 Minuten ziehen, seiht ab und trinkt über den Tag verteilt - 3-4 Tassen, mit Traubenzucker und etwas Kochsalz versetzt. Zur äußerlichen Anwendung eignet sich die in gleicher Weise bereitete, selbstverständlich ungesüßte und salzfreie Abkochung.

Herkunft: Mittel- und Osteuropa, Balkanländer, in Deutschland sehr häufig auf moorigen und kargen Böden.

Botanik: Deutsche Namen: Tormentill, Blutwurz, wissenschaftlicher Name: Potentilla erecta (früher Potentilla tormentilla), Familie: Rosengewächse. Die nicht einmal Handspannenhöhe erreichende Pflanze ist an den nur 4 (statt den bei anderen Fingerkrautarten üblichen 5) gelben Blütenblättern leicht zu erkennen und von verwandten Arten zu unterscheiden. Der Name Blutwurz bezieht sich auf die blutrot anlaufenden Schnitt- und Bruchflächen des frisch gegrabenen Wurzelstockes. Für Heilzwecke dient ausschließlich der Wurzelstock, der im Herbst ausgegraben, gereinigt und getrocknet wird

Thymian

ist nicht nur ein bekanntes Küchengewürz, sondern auch ein wirksames Heilkraut. Seine Hauptwirkstoffe sind ätherische Öle, Gerb- und Bitterstoffe schützen die Atemwege vor und bei Infektionen, hilft bei Erkältungen. Als Tee bei Bronchitis und Katarrhen der oberen Luftwege einzusetzen. Wohltuend ist bei Erkältungskrankheiten eine Duftlampe mit Thymianöl. Vorsicht bei der Anwendung! Eine unbegrenzte Einnahme kann zu Vergiftungserscheinungen führen.

Trompetenbaum (Catalpa bignonioides)

Die Blüten dieses aus dem Osten und Süden der Vereinigten Staaten stammenden Baumes werden gegen Asthma und Bronchitis empfohlen. Die Rinde einer auf den Antillen verbreiteten Art besitzt fiebervertreibende Eigenschaften.

Tollkirsche (Atropa belladonna)

Wenn man von einer Schüssel voll Tollkirschen (ca. 500 Gramm) das schwer giftige Atropin isolieren würde, (etwa 2,5 Gramm »So wurde das genügen, um über hundert Menschen zu toten. In der Volksmedizin spielt die gefährliche und gefürchtete Giftpflanze keine Rolle.

Die Ballaststoffe aber geben bei fast gleicher Wirkung des Alkaloids als solchem noch einen prächtigen Schutz «.

In Gegenden, wo die Pflanze häufig vorkommt, mischt man den Pferden etwas von dem Kraut unter das Futter, es soll sie »mutig und blanki machen. Das Mädchen in der Tschechoslowakei färbt sich mit dem Saft der Tollkirsche die Wangen rot. Die Bezeichnung bella donna - schöne Frau aus dem Italienischen, weist auf eine alte kosmetische Verwendung zur Verschönerung der Augen hin, die Pupillenerweiterung durch die Atropinwirkung (Sie wird bekanntlich von Augenärzten bei Untersuchungen ausgenützt).

Die Homöopathie stellt aus der frisch aufblühenden Pflanze die Urtinktur her. Madaus spricht von der Anwendung von Belladonna bei krampfhaftem Hustenreiz (Keuchhusten), bei Anfällen von Gallenstein- und Nierensteinkoliken. Hahnemannn gibt in seinem »Organon der rationellen Heilkunde an, dass eine fieberhafte Rippenfellentzündung durch Belladonna oder Aconitum binnen 24 Stunden geheilt werden kann.

Die etwa meterhoch werdende Staude ist stark verästelt. Zwei Blätter stehen stets beisammen, von denen das eine groß, das andere klein ist. Die stattlichen Blüten sind braun bis violett und befinden sich einzeln in de Blattachseln. Die Frucht gleicht einer glänzend schwarzen Kirsche und ist deshalb eine große Gefahr für Kinder. Die Pflanze liebt Wald- und Gebirgsgegenden.

Topinamburknollen

Sie enthält in ihren Sproßknollen etwas Besonderes: das Reservekohlenhydrat Inulin.

Inulin ist ein Polysaccharid, vergleichbar der Stärke. Anders als die Stärke, die aus verketteten Traubenzuckermolekülen aufgebaut ist, besteht jedoch das Inulin ganz überwiegend (zu etwa 95 %) aus Fruchtzucker in glykosidischer Bindung.

Fruchtzucker (Fructose) wird in der Leber unabhängig vom Insulin verwertet - im Gegensatz zur Glucose, die ohne Insulin nicht verstoffwechselt werden kann. Deshalb wird Fructose - mit Einschränkungen - als Zuckeraustauschstoff für Diabetiker gebraucht. Weil die Topinambur in ihren Knollen praktisch keine Stärke (aus Traubenzucker), sondern Inulin (wie erwähnt aus Fructosebausteinen) enthält, führt sie schon lange den Beinamen Diabetikerkartoffel. Tatsächlich kann sie Diabetikern zur Verbesserung ihrer Stoffwechsellage empfohlen werden. Für diese Empfehlung ist allerdings die insulinunabhängige Fructoseverwertung ohne Relevanz. Wir wissen nämlich inzwischen aus neueren Untersuchungen: Das Inulin wird im Dünndarm des Menschen nicht aufgespalten, deshalb wird die Fructose erst gar nicht freigesetzt und in den Stoffwechsel aufgenommen. Die Eignung des Inulins bzw. der Topinamburknollen für Diabetiker wird durch diese Erkenntnis nicht geschmälert, im Gegenteil: Sie gewinnt noch eine Erweiterung für alle die Stoffwechselstörungen, bei denen eine Reduktion der Kohlenhydratzufuhr wünschenswert ist: z.B. für die Hypertriglyceridämie und für das erhöhte Körpergewicht.

Die Topinambur als Rohkost aus ihren frischen, gut gelagerten oder (mit Einschränkung, tiefgefrostet aufbewahrten) Knollen als täglicher Nahrungsbestandteil kann da einen konkreten Beitrag in einem Konzept vollwertiger Ernährung leisten. Allerdings ist damit ein erheblicher Aufwand in der Zubereitung verbunden, den viele Menschen nicht erbringen können (oder wollen). Zudem sind frische Topinamburknollen aus naturverantwortlichem Anbau keineswegs überall und jederzeit verfügbar; dies vor allem, wenn der Platz oder die Zeit für den eigenen Garten fehlt. Auch wenn alle diese Bedingungen erfüllt sind, ist der Geschmack geraspelter Topinamburknollen als regelmäßiger Bestandteil des Rohkosttellers nicht jedermanns Sache.

Zubereitungen aus getrockneten Topinamburknollen, z.B. in Form von Kautabletten, können eine konkrete, ökologisch und praktisch sinnvolle Lösung für die genannten Probleme bieten. Derartige Zubereitungsformen machen die Topinamburknollen ganzjährig und alltäglich nutzbar Derartige Produkte, die sinnvolle weitere Ergänzungen enthalten, wie z.B. Fruchtfasern, sind im Reformhaus bereits verfügbar

Das Inulin aus der Topinamburknolle ist ein matrixbildender Ballaststoff. Es wird von den Verdauungsenzymen des Darmtraktes nicht angegriffen und gelangt deswegen unzerlegt in den Dickdarm, wobei es mit Wasser aus den Verdauungssäften ein Gel bildet. Dadurch werden die Peristaltik und die Darmpassage sanft gefördert. Matrixbildende Ballaststoffe binden in Kombination mit Pflanzenfasern Gallensäuren in das entstehende faserhaltige Gel. So wird dem Organismus überschüssiges Cholesterin naturgemäß entzogen, indem es für die Nachproduktion der Gallensäuren abgebaut wird.

Das von dem lnulin gebildete Gel füllt den unteren Magen und den Dünndarm sanft aus oder bedeckt zumindest - abhängig von der Menge an zugeführtem Inulin - mehr oder weniger große Areale der Magen- und Dünndarmwände. Dadurch wird die Aufnahme von schnellresorbierbaren Kohlenhydraten aus anderen Nahrungsmitteln verzögert. Der langsamere Einstrom von niedermolekularen Kohlenhydraten (in erster Linie von Glukose) bewirkt eine relative Dämpfung der körpereigenen Insulinausschüttung. So wird der gefürchtete Berg-und-Tal-Bahn-Effekt von schnellen Blutzuckeranstiegen mit resultierender übermäßiger lnsulinausschüttung und daraus resultierendem starken Blutzuckerabsturz geglättet. Ein derartiger Abfall des Blutzuckers erzeugt durch (unangemessene) Erregung des für die Steuerung der Nahrungsaufnahme zuständigen Zentrums im Gehirn den berühmten Heißhunger; der typischerweise 1-2 Stunden nach üppigen, ballaststoffarmen, aber kohlenhydratreichen Mahlzeiten auftritt. In dieser postprandialen (d.h. kurz nach entsprechendem Essen) auftretenden Unterzuckerungsphase treten als physische Symptome auch Konzentrationsstörungen, Müdigkeit und Reizbarkeit auf - sowie der erwähnte Heißhunger mit der imperativen Suche nach etwas Süßem. Wenn diesem Heißhunger nachgegeben wird, beschleunigt sich die Berg- und Talfahrt der Blutzuckerspiegel immer wieder- mit logischen, aber unguten Folgen: Befindens- und Arbeitsstörungen, Stimmungsschwankungen und zunehmendem Körper-(Über-)gewicht. Die Zuckerberge im Blut werden nämlich mit Hilfe des übermäßig ausgeschütteten Insulins abgeschaufelt - und in Körperfett umgewandelt.

Den gleichen Vorgang finden wir bei den - fast immer - übergewichtigen Typ-II-Diabetikern (früher als Altersdiabetiker bezeichnet), die keinen absoluten Insulinmangel sondern ein vermindertes Ansprechen auf Insulin, dadurch oft sogar erhöhte Insulinspiegel aufweisen - bis zum Versagen der Bauchspeicheldrüse.

Das Inulin aus den Topinamburknollen als matrixbildender Ballaststoff kann den Teufelskreis der immer schneller fahrenden Berg- und Talfahrt der Blutzuckerspiegel durchbrechen - oder dosisabhängig, wenigstens deutlich bremsen. Deshalb ist es nicht abwegig die Topinambur als "Diabetikerkartoffel" zu bezeichnen.

Jedenfalls ist die Topinamburknolle als Nahrungs- bzw. Nahrungsergänzungsmittel für Diabetiker sinnvoll. Bei Typ-ll-Diabetikern ist die Einsparung von Medikamenten möglich. Auch für Typ-l-Diabetiker kann die Topinamburknolle sinnvoll sein. Bei dieser Erkrankung sollte aber jedenfalls individueller Rat des behandelnden Arztes eingeholt werden. Deshalb möchte ich in diesem Übersichtstext die entsprechenden Möglichkeiten nicht weiter darstellen.

Für das Konzept einer gesunden Lebens- und Ernährungsweise bietet die Topinamburknolle drei wertvolle Ansatzpunkte:

1. Zur Erhaltung des idealen Körpergewichtes bzw. zur Reduktion erhöhten Körpergewichtes

So hat eine doppelblinde, plazebokontrollierte Untersuchung mit einer homöopathischen Topinamburzubereitung in D1 an 266 übergewichtigen Patienten zusammen mit einem vollwertigen Ernährungsplan innerhalb von 12 Wochen eine durchschnittliche Gewichtsabnahme von 7,1 kg bei den Patienten bewirkt, die das Topinamburpräparat bekommen hatten. Im Vergleich damit hatten die Patienten mit vollwertigem Ernährungsplan alleine, also ohne das Topinamburpräparat, eine mittlere Gewichtsabnahme von 4,7 kg erreicht. Dazu war die Gruppe der Patienten, die den Untersuchungsplan vorzeitig abgebrochen hatten, in der ,,topinamburlosen" Gruppe mit 40 Patienten deutlich höher als in der gleichgroßen Topinamburgruppe (24 Studienabbrüche). Dies spricht jedenfalls für eine wesentlich appetitreduzierende Wirkung der Topinamburzubereitung, die es erlaubte, den Ernährungsplan leichter einzuhalten.

2. Zur Glättung stark schwankender Blutzuckerspiegel.

Matrixbildende Ballaststoffe (zu denen das Inulin gehört) verlangsamen den Zuckereinstrom in die Pfortader und die Leber Damit können übermäßige Insulinausschüttungen vermieden werden. Das Insulin fördert den Zuckereinstrom in die Körperzellen - und so bei übersteigerter Insulinausschüttung den Fettansatz. Gleichzeitig bewirkt übermäßige lnsulinausschüttung den schnellen Abfall der Blutzuckerspiegel bis zu Unterzuckerungen - und da­mit Heißhunger, speziell auf Süßigkeiten.

3. Zur Verbesserung der Darmflora

Das Inulin wird von den Enzymen in Magen und Dünndarm des Menschen nicht verdaut und gelangt deswegen unzerlegt in den Dickdarm. Spezielle, erwünschte Bakterien der Dickdarmflora können dort das Inulin für ihren eigenen Stoffwechsel verwerten - und sich damit vermehren. Die gesundheitsfördernden Eigenschaften der milchsäurebildenden Bifidusbakterien werden aus naturheilkundlicher Sichtweise für außerordentlich wichtig erachtet.

Nach Untersuchungen von T Mitsuoka und Mitarbeitern (Effects of fructooligosaccharides on intestinal microflora; Nahrung 31 [1987], 427-436) wird durch Aufnahme von 8 g Inulin bzw. ähnlichen Fructosiden täglich die Zahl der Bifidusbakterien im Darm auf das Zehnfache gesteigert.

Diese Menge an Inulin und begleitenden Fructosiden ist in knapp 60 g frischer Topinambur enthalten. Diese Menge wird kaum jemand Tag für Tag essen mögen. Ohnehin stehen frische Topinamburknollen nicht ganzjährig zur Verfügung. Beide Probleme können auch ökologisch günstig gelöst werden durch die Verwendung von getrockneten Topinamburpräparaten, die im Reformhaus als Kautabletten verfügbar sind.

Umgerechnet sind 8 g Inulin und verwandte Fructoside (entsprechend der erwähnten Untersuchung von T Mitsuoka) in 15 Topinamburkautabletten enthalten. Meines Erachtens kann aber schon bei regelmäßigem Gebrauch von 6-8 dieser Kautabletten (jede 0,874 g Topinamburknollenpulver enthaltend) eine wesentliche gesundheitsfördernde Verbesserung der Dickdarmflora erreicht werden.

Bedenkliche Nebenwirkungen sind nach aktuellem Kenntnisstand kaum zu erwarten. Lediglich Blähungserscheinungen in der Umstellungsphase oder die - meist erwünschten - mild abführenden Wirkungen treten häufiger auf.

Dr. med. Klaus Mohr reform-rundschau 3/96

Traubensilberkerze

Die zur Familie der Hahnenfußgewächse ( Ranunculaceae ) zählende Pflanze stammt ursprünglich aus dem östlichen Nordamerika, wächst aber inzwischen auch in unseren Breiten. Sie wird bis zu 2 Meter groß und hat weiße, traubenständige Blüten. Die lederartigen Fruchtkapseln halten sich auch im Winter an den abgestorbenen Stengeln. Bei Wind entsteht dann durch die in den Fruchtkapseln befindlichen Samen ein klapperndes Geräusch, worauf wohl die englische Bezeichnung rattle weed (wörtlich übersetzt also: Rasselkraut) zurückzuführen ist. Bei uns ist die Traubensilberkerze auch noch unter so schönen Namen wie Schlangenwurzel und Wanzenkraut bekannt. Arzneilich verwendet wird der Wurzelstock der Pflanze.

Botanisch wurde die Traubensilberkerze bereits Ende des 17. Jahrhunderts beschrieben. Zubereitungen aus deren Wurzelstock wurden schon im 18. Jahrhundert in der Frauenheilkunde (z.B. zur Wehenanregung) verwendet. 1743 empfahl der Arzt Co/den die Pflanzendroge zur Behandlung verhärteter Geschwüre. was wiederum den bedeutenden Naturforscher und Arzt Carl von Linne ( 1707 - 1778) veranlasste. sie in seine Materia medica aufzunehmen. Im Laufe der Zeit erweiterte sich das Indikationsspektrum über den gynäkologischen Bereich hinaus. Aufgrund ihrer Krampflösenden und entzündungshemmenden Eigenschaften setzte man die Heilpflanze nunmehr auch gegen Bronchialkatarrhe sowie Gelenk-, Muskel- und Nervenschmerzen ein. Sogar im Falle von Delirium tremens (Säuferwahnsinn) vertraute man auf ihre hilfreiche Wirkung. Wenngleich die Traubensilberkerze seit über 200 Jahren in der Erfahrungsheilkunde genutzt wird, so war das Wissen um ihre spezifischen Inhaltsstoffe und Wirkprinzipien verständlicherweise sehr begrenzt. Erst mit Hilfe der modernen Forschung ist es gelungen, die vorhandenen Kenntnislücken zu füllen. Damit wurde die Voraussetzung geschaffen, dass eine altbewährte Pflanzendroge auch in der modernen Frauenheilkunde mit Erfolg genutzt werden kann.

Hilft bei Wechseljahrsbeschwerden wie Hitzewallungen, Schlafstörungen, Nervosität und depressiven Verstimmungen, Beschwerden vor der Regelblutung, Menstruationsbeschwerden. Zu Anfang der Therapie sind Magenbeschwerden möglich, vergehen aber in den meisten Fällen recht schnell.

Tabakpflanze (Nicotiana)

Sie sind fraglos die am meisten verwendeten Pflanzen -nur nicht in der Medizin. Gleichwohl fehlt es dem Tabak in frischem Zustand durchaus nicht an guten Eigenschaften. Als Einlauf kann er direkt auf hartnäckige Verstopfungen einwirken, kann auch zur Verkleinerung von Leistenbrüchen beitragen (4 g auf 250 g kochenden Wassers), dient als Ableitungsmittel bei Schlaganfällen und drohendem Ersticken. Die grünen Blätter, auf die Haut gelegt- heilen Krätze, töten Flöhe und üben eine heilsame Wirkung auf Nerven- und Zahnschmerzen aus. Die ungünstigen Wirkungen des Tabaks sind nur allzu bekannt.

Teebaumöl Tea-Tree-Öl.

Für die meisten ist der Tea-Tree ein relativ unbekannter Duftstoff. Er wird inzwischen auch in der Parfümerie verwendet, aber das ist sicherlich nicht die hauptsächliche Bedeutung. Die Tea-Tree-Essenz wird aus Blättern des in Australien und Malaysia wachsenden Baumes gewonnen. Dieser hat jedoch nichts gemeinsam mit den uns bekannten Teesträuchern, von denen wir unseren schwarzen Tee unter den verschiedensten Namen beziehen.

Angeblich soll Tea-Tree von dem Weltreisenden James Cook als Teebaum bezeichnet worden sein, weil er und seine Begleiter sich aus den Blättern ein Getränk bereiteten. Er gehört zu der Familie der Myrtengewächse. Es sollen australische Eingeborene gewesen sein die den Seeleuten zeigten, wie man aus Blättern des Tea-Baumes ein erfrischendes und heilendes Getränk herstellte.

Es hat einen See in Australien gegeben, dem von alters her große Heilkraft nachgesagt wurde. Ein Bad in diesem See befreite angeblich viele Menschen von verschiedenen Leiden. Der See wurde zum Anziehungspunkt für Kranke. Eine Erklärung dafür ist: Am Ufer des Sees stehen viele Tea-Tree-Bäume. Die Blätter fallen ins Wasser, die starke Sonneneinwirkung bewirkt nach Art des Teekochens den wäßrigen Auszug und damit die Heilwirkung.

Der Baum ist etwa sechs Meter hoch und wächst im tropischen und subtropischen Klima. Das Tea-Tree-Öl riecht nicht unbedingt für alle Nasen gut, aber die ätherische Essenz besitzt eine außergewöhnliche Eigenschaft. Sie ist nicht nur bakterizid und antiseptisch, sondern sie wirkt auch heilend auf Viren und Pilze. Die Eingeborenen verwendeten Tea-Tree in früheren Zeiten bei Insektenstichen, Schlangen- und Skorpionbissen. Sie brachten die Essenz auch unverdünnt auf die betreffenden Stellen. Bedeutsam ist, dass Tea-Tree zu den wenigen biologischen Substanzen gehört, die auch wirksam sind bei Pilzbefall, also bei der Interdigitalmykosis (Pilzbefall zwischen den Zehen), aber auch bei vaginalen Pilzerkrankungen.

Tea-Tree kann angewendet werden bei Halsschmerzen, Husten, Ohrenschmerzen, Sportverletzungen. Eine breite Indikation erscheint mir die Anwendung bei Herpes labialis (Lippenbläschen), bei Gürtelrose und bei Windpocken. Die Fieberbläschen auf dem Gesicht und die Gürtelrose gehören zu den lästigsten und oft langwierigen Symptomen nach Viruserkrankungen. Will man größere kranke Flächen behandeln, z. B. bei Windpocken oder Gürtelrose, so könnte man versuchen, 10 Tr Tea-Tree-ÖI, 5 Tr Lavendelöl, 250 g Olivenöl zu mischen.

Auch bei dem oft lästigen Unterschenkelgeschwür (Ulcus cruris) lohnt sich ein Versuch mit Tea-Tree-Öl. Nach einigen Literaturhinweisen kann Tea-Tree in entsprechender Verdünnung bei Decu­bitus (Wundliegen) angewendet werden. Ein Hinweis, der sich lohnt, in der Praxis auszuprobieren, ist die Tea-Tree-Anwendung bei Warzen. Hierbei kann unverdünntes Tea-Tree-Öl zweimal am Tage auf die entsprechende Stelle aufgetupft werden, allerdings muß die Anwendung über längere Zeit erfolgen.

In Zukunft bedeutsam könnte das ätherische Öl werden bei den zunehmenden viralen Erkrankungen. Ein Problem auch in den gemäßigten Breitengraden ist in den Sommermonaten die Zeckenplage. Zeckenbisse können Meningitis und Brucellose übertragen. (Beim Zeckenbiß ist ärztliche Kontrolle auf jeden Fall zu empfehlen.) Mücken und Fliegen, die vorher auf anderen Wirtsorganismen gesaugt haben, können ebenfalls bakterielle, aber auch virale Krankheiten übertragen.

Es gibt einige Empfehlungen, die sicherlich zu beherzigen sind. ,,Man sollte in den Sommermonaten ein Fläschchen Tea-Tree-ÖI bei sich haben, um es bei Insektenstichen und besonders bei Zeckenbissen möglichst schnell auf der Bißstelle anwenden zu können."

Traubenkirsche (Prunus padus)

Die Rinde der Traubenkirsche hat einen bitteren Geschmack. Sie wird bei Wechselfieber, Rheumatismus und Arthritis als Ersatz für Chinin empfohlen. Die Früchte schmecken ähnlich, verlieren aber ihre Bitterkeit mit fortschreitender Reife.

Tamarinde (Tamarindus)

Das Fruchtfleisch der Tamarinde enthält Zitronensäure, Apfelsäure und Weinsteinsäure. Die Frucht führt leicht ab und erfrischt. Man bereitet daraus Tränke gegen entzündliche Erkrankungen. Aus dem Fruchtfleisch stellt man unter Hinzufügung von Sennes und Schokolade Pastillen her, die bei Katarrhen in der Kinderheilkunde von Nutzen sind.