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Römischer Kaiserkult

1. Einleitung

Der Kaiserkult ist kein einheitliches Phänomen, das sich schnell charakterisieren liesse. Vielmehr handelt es sich um ein komplexes Geflecht, das sowohl Politik als auch Religion betrifft. Politisch gesehen war der Kaiserkult gewiss ein Element der Herrschaftssicherung im Römischen Reich. Religiös betrachtet, könnte man vom Kaiserkult als Bindeglied zwischen der alten polytheistischen Religion und dem späteren Christentum sprechen.


2. Römische Religion - ein Überblick

Die Religion der frühen Römer erfuhr durch zahlreiche Ergänzungen und die Übernahme griechischer und etruskischer Einflüsse eine derartige Veränderung, dass sie nicht mehr genau zu rekonstruieren ist. Fragmente alter Rituale, die bei Tätigkeiten wie Pflügen oder Säen erfüllt wurden, lassen erkennen, dass jede Tätigkeit einer einzelnen Gottheit zugeordnet war. Die Götter waren also eng mit dem Bauernleben verknüpft. Ihnen zu Ehren wurden die als angemessen erachteten Riten und Opferungen peinlichst genau vollzogen. Die Spitze des frühesten Pantheon bildete die Trias Jupiter, Mars und Quirinus (deren drei Priester, die Flamines, den höchsten Rang einnahmen) sowie Janus und Vesta. Bei diesen frühzeitlichen Göttern hatte noch keine Personalisierung stattgefunden, und in ihren persönlichen Geschichten fehlten Ehen und Stammbäume.

Doch schon sehr früh wurden neue Elemente hinzugefügt. Die Aufnahme fremder Götter erfolgte mit der Eroberung der benachbarten Gebiete durch den römischen Staat. Die eroberten Siedlungen in Italien bereicherten den römischen Pantheon mit Diana, Minerva, Hercules, Venus und anderen Gottheiten, von denen einige italische, andere griechische Gottheiten waren. Antropomorphe Gottheiten sind durch Statuen seit dem 5. Jh. belegt. Die Eroberung Süditaliens und Siziliens beschleunigte dann sicherlich die Gleichsetzung der wichtigen römischen Gottheiten mit den griechischen Göttern und Göttinnen, deren Attribute und Mythen übernommen wurden.

Den Gegensatz sakral vs. säkular kennt erst das Christentum. Die Einwohner einer Stadt bildeten in der Antike gleichzeitig eine Kultgemeinschaft. Rom war in religiöser Hinsicht sehr tolerant; die polymorphe Religion ermöglichte die problemlose Integration neuer Kulte. Beliebt waren vor allem die Festspiele, zu denen u.a. die Saturnalien zählten. Das Eindringen der griechischen Philosophie nach 150 v. Chr. führte zu einer zunehmenden Skepsis in der römischen Führungsschicht gegenüber den alten Riten, die aber weiterhin praktiziert wurden. Cicero und Cäsar waren Agnostiker und sahen in den Opferpflichten höchstens noch eine politische Notwendigkeit. Trotzdem begann Julius Cäsar seine politische Karriere über religiöse Ämter wie etwa jenes des Pontifex maximus.

Mit Augustus setzte eine neue Religiosität ein. Das Jahrhundert der Bürgerkriege wurde nun als Strafe der vernachlässigten Götter gesehen. Tempel wurden restauriert, verwaiste Priesterämter wieder besetzt und die Kulte erneuert. Dabei tendierte die Religion unter dem Prinzipat dazu, sich mehr und mehr auf das Kaiserhaus zu konzentrieren. Daneben wurden vergöttlichte Attribute des Kaisers immer wichtiger: Schon Cäsar hatte seine clementia, es kamen iustitia, pietas u.a. hinzu. Zur Zeit der Soldatenkaiser wurden die Christen auch verfolgt, weil man glaubte, die Götter zürnten, weil man sie toleriert hatte. Konstantin sah den Christengott als einen unter vielen an, der an erster Stelle rückte, weil er ihm den Sieg gebracht hatte.


3. Gottmenschentum im Hellenismus

Grundsätzlich ist der Übergang von Mensch zu Gott in der heidnischen Antike gleitend und nicht ein unüberwindbarer Graben. Weinreich prägte den Begriff des "Gottmenschentums". Die Helden in Homers Dichtungen sind ihm zufolge mythisch überhöhte Menschen (Zeussohn nur symbolisch verstanden). Auch über Pythagoras, Empedokles, Sophokles, Perikles und Platon kursierten vor und besonders nach ihrem Tod die wildesten Legenden. Der Arzt Menekrates war durch seine Heilungen von Kranken so überzeugt von sich, dass er sich als Zeus ansprechen liess.

Vom spartanischen Feldherr Lysandros, der 404 v. Chr. Athen bezwungen hatte, ist bezeugt, dass Samos ihm (zu Lebzeiten!) aus Dankbarkeit einen Kult widmete. Es handelt sich um einen sog. Soter- oder Euergetes-Kult, d.h. um freiwillig angebotene Ehren zum Dank für bestimmte Hilfeleistungen (vgl. die Begriffe «Wohltäter», «Retter» oder «Heilbringer»).

Herrscherkulte finden wir zuerst in orientalischen Königreichen und Stadtstaaten. Am bekanntesten ist dabei der Kult um den ägyptischen Pharao, der als Sohn des Osiris, des mächtigen Gottes der Unterwelt, verehrt wurde. Auch die Könige der Assyrer und Perser verlangten von den Untertanen kultische Verehrung.

Mit Alexander dem Grossen wuchs die orientalische mit der griechischen Welt zusammen. Gleichzeitig errang der makedonische Feldherr eine noch nie dagewesene Machtstellung; niemals zuvor wurde in wenigen Jahren so viel erreicht. Er sah das auch selbst und hatte nichts gegen Verehrungen einzuwenden. Er soll gar die Einführung der persischen Proskynese erwogen haben. Im letzten Lebensjahr wünschte Alexander von den Griechen die Errichtung von ihm geweihten Kultstätten. Alle Griechenstädte kamen diesem Wunsch (zähneknirschend) nach.

Nach seinem Tode forderte sein Offizier Ptolemaios in Ägypten die Vergottung des Eroberers. Sein Sohn Ptolemaios II. divinisierte dann den Vater und forderte bald darauf die Vergötterung seiner eigenen Person und seiner Schwestergemahlin Arsinoe. Damit revitalisierten die Ptolemäer das Pharaonentum und bauten ihre Machtstellung aus.

Als die Römer 197 v. Chr. unter Titus Quinctius Flamininus Philipp V. besiegten, feierten die Griechen ihn als Befreier. Zusammen mit Roma, der vergotteten Macht Roms (ursprünglich eine griechische Göttin, Rhome), wurde ihm ein Kult gestiftet. Auch andere Römer mit unterschiedlichen politischen oder religiösen Ämtern kamen in der Folge in den Genuss solcher Ehren, wenn eine Stadt ihnen besonders dankbar war. Noch häufiger war aber die blosse Verehrung Romas.


4. Anfänge des Gottmenschentums in Rom

Auch in Rom selbst rankten sich bald merkwürdige Sagen um berühmte Persönlichkeiten. So soll Scipio Africanus, der Sieger über Hannibal, angeblich täglich zum Tempel auf dem Kapitol gegangen sein, um Zwiesprache mit Jupiter zu halten. Wenn er nacht kam, bellten die Hunde nicht, da kein Hund bellt, wenn der Herr nach Hause kommt. Scipio wurde nämlich als Sohn Jupiters angesehen, welcher der Mutter des Scipio als Schlange beigewohnt haben soll. Das war gewiss Alexander-Imitatio, aber erstmals wurde diese Geschichte auf einen Römer übertragen.

Cicero musste 58 v. Chr. nach der Aufdeckung der Catilinarischen Verschwörung Rom verlassen. Nach nur einem Jahr in Makedonien wurde er allerdings zurückgerufen. Weil Lentulus sich für ihn eingesetzt hatte, bezeichnete ihn Cicero als Lentulus nostrae vitae parens salus deus. Cicero selbst behauptete einmal, von Jupiter zu einer Ratsversammlung der unsterblichen Götter eingeladen worden zu sein. Über solche öffentlich herausgestellten Beziehungen betrieb man damals die Aufwertung der eigenen Person. Als Cicero von den Städten der Provinz Asia wegen seiner guten Amtszeit als Prokonsul ein Kult angeboten wurde, lehnte er allerdings dankend ab.

Gemäss Clauss soll das italienische Volk Gaius Julius Cäsar bereits nach dem Überschreiten des Rubikons als Gott gefeiert haben. Unumstritten ist, dass er nach seinen Siegen bei Thapsus und Munda vom Senat mit immer grösseren Ehren überschüttet wurde, bis hin zur Alleinherrschaft auf Lebenszeit (dictator perpetuus). Wenn der Senat über neue Würden beschloss, hielt sich Cäsar aber jeweils fern. Umstritten ist in der Forschung die Frage, wie Cäsar selbst zu den ihm verliehenen Ehren stand. Es lassen sich dabei zwei Hauptrichtungen unterscheiden:

Nachdem Octavian, der spätere Kaiser Augustus, 30 v. Chr. durch den Sieg bei Actium über Antonius zum faktischen Alleinherrscher über das römische Reich geworden war, richtete sich die von den Provinzialen ausgehende Verehrung konsequenterweise auch auf seine Person. Nach einer anfänglich ablehnenden Haltung entschloss er sich zur Einführung eines differenzierten Herrscherkultes in den Provinzen: Die dort lebenden Römer sollten den ermordeten Cäsar, den Divus Iulius, zusammen mit der Göttin Roma verehren, während die einheimische Provinzbevölkerung in separaten Tempeln Roma und Augustus huldigen sollte. In Italien verbat sich der Princeps jegliche offizielle Verehrung seiner Person. Diese Vorsichtsmassnahmen konnten aber nicht verhindern, dass Augustus in den Provinzen noch zu Lebzeiten losgelöst vom Kult der Roma als Gott verehrt wurde und dass die Augustusverehrung auch in Italien auf munizipaler und privater Ebene Einzug hielt. Ursprünglich der Ausdruck eines Dialoges zwischen Herrscher und Beherrschten, wandelte sich der Kaiserkult bald zu einem politischen Mittel der Kontrolle über die Bewohner des römischen Reiches: Mit der Akzeptierung und Ausübung des Kultes bekundeten diese ihre Loyalität gegenüber dem Kaiser.


5. Links

Imperial Cult Building of Pompeii. Das Gebäude, das für den Kaiserkult in Pompeii benutzt wurde, wird auf dieser Seite genauer beschrieben. Mit Karte.

Auf der Site archéologique d'Argentomagus findet sich alles über das dortige Kaiserkultgebäude. Mit Karten, Bilder und guten Hintergrundinformationen.

Die Seite Kaiserkult in Augustu Raurica konzentriert sich auf das Kaiserkult-Gebäude von Augusta Raurica, enthält aber trotzdem wertvolle Hintergrundinformationen - auf deutsch.

Roman Emperors hat es sich zum Ziel gemacht, Bildnisse sämtlicher Kaiser zu präsentieren.

Divus Iulius = Jesus ?!?, Carotta's abenteuerliche These: Jesus ist gleich Julius Cäsar; das Christentum ein früher Kaiserkult, der sich im Osten des Reiches entwickelt hat - und dann vom Westen nicht mehr verstanden wurde ...

Kaiserkult im Neuen Testament, (vermeintlicher) biblischer Hinweis auf den Kaiserkult.


6. Bibliographie

 

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