Adieu Kumpanen

 
     
 

 
  Für Wolfgang Neuss

Ich werd´jetzt ziehn, Kumpanen, und kann mich erholen
von diesem Land, vom Rhein gespalten bis nach Polen,
dem Land, von meinem roten Sangesbruder Biermann drüben,
mit einem Arsch verglichen - das wir trotzdem lieben.
Auch wenn wir beide nicht von Maas bis Memel singen:
von diesem Land mit seinen hunderttausend Dingen,
den schönen Mädchen, Wäldern, Bieren, vollen Scheunen,
den Führungskräften, Sonntagsworten und den Todeszäunen,
aus diesem Land zieh´ ich jetzt fort, kann mich verschnaufen.
Kumpanen, darauf wollen wir jetzt einen saufen.
Adieu, Kumpanen, ich zieh´ in ein andres Land.

Ich würg´ schon lang an diesen brei´gen Sonntagssprüchen,
und diesen Führungskräfteschweiß kann ich nicht länger riechen.
Mir schlägt das Brüllen jener Leue auf den Magen,
die sich - humbatätärä - auf die Schenkel schlagen.
Der Klassenzimmermief, der rüberweht von Osten,
die Oberlehrerhymnen bringen mich zum Kotzen.
Und wenn es knattert in der Nacht, sag´ ich mir: "Schlafe!"
Ich seh´ zwar Zäune, doch was springt und fällt sind keine Schafe.
Daß jeder dahin, wo er leben will, kann laufen,
Kumpanen, darauf wollen wir noch einen saufen.
Adieu, Kumpanen, ich zieh´ in ein andres Land.

Daß unsre Mädchen nicht in Kitteln aufmarschieren,
und daß unsre Führungskräfte nach Marihuana gieren,
und daß die Jäger euch nicht in die Zäune treiben,
und daß die Sonntagsworte in den Kehlen stecken bleiben,
daß unsre Kinder nicht vom Rumpelstielzchen träumen,
daß auch das Bier läuft, ohne allzuviel zu schäumen,
und daß Taranteln alle Oberlehrer küssen,
daß sie zu ihren eignen Hymnen twisten müssen,
und daß die Händler nicht den letzten Baum verkaufen,
Kumpanen, darauf wollen wir noch einen saufen.
Adieu, Kumpanen, ich zieh´ in ein andres Land.
 
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