Moira
Suum esse conservare

 Navigation:
 › Mehr über mich
 


»Meine Startseite (18.10.04)

»Erwähnte (26.07.04)

»Gedankenschlacht (03.11.04)

»L.M.A.A.! (11.08.04)

»Literarisches _ett (03.10.04)

»Nachtwanderungen meines Geistes (14.11.04)

»Prima la musica, poi le parole (27.04.04)

»Tagebuch (14.11.04)

»Unsere Liebsten: die Fragebögen (16.10.04)

»Zu(ge)fall(en) (21.08.04)

 

Einträge "Neueste Einträge":

Sonntag, 14. November 2004

  Hoffnungslos überfordert

bin ich wieder einmal von den Problemen, vor die mich das Leben erbarmungslos stellt.

*** Kann man Tütencappuccino, dessen Verfallsdatum mit "Februar 2002" angegeben ist, noch genießen oder kann irgendetwas darin bis zur Ungenießbarkeit vergammeln?

*** Warum hat Kardinal Hugolin den Minderbrüdern Regeln aufgezwängt, die noch strenger waren als jene, die Franz selbst für die Brüderschaft erlassen hatte, obwohl er, Hugolin, doch der Meinung war, das Ideal der Franziskaner sei sowieso bei Weitem zu hochgegriffen und nicht zu realisieren?

*** Welcher Tee befindet sich in der Teedose ohne Aufschrift? By the way: Kann Tee, wie angeblich Tütencappuccino auch, schlecht werden?

*** Wie komme ich an meinen Staubsauger, der hoch oben auf meinem Kleiderschrank in seiner großen Pappschachtel weilt?

*** Gehe ich mit meinem Löchlein im Backenzahn zu WL oder suche ich mir einen neuen Zahnarzt? (Das ist von allen das größte Problem - und das dringendste!)

*** Versuche ich morgen das Dr. Schnöselchen zu seiner Meinung zu meinen sexuellen Ratlosigkeiten zu befragen oder ist er von allen der falscheste Ansprechpartner?

*** Wo um des himmlischen Friedens Willen ist meine Burberry-Baskenmütze, die seit dem Frühjahr als vermisst gemeldet werden muss und die ich nun langsam dringend brauche, um nicht an den Ohren und auf dem Scheitel zu frieren?

*** Wo gibt es Duftkerzen, die auch wirklich duften und wie bringt man Duftöl in einer Duftöllampe zum Duften?



Current mood: ?

»22:23     »Keine Kommentare     »0 TrackBack(s)     »Eintrag versenden    

von: Moira    in: Tagebuch


 
 

  Ein zweiter Zweiter Weltkrieg

Plötzlich befand ich mich mitten in einem neuen Zweiten Weltkrieg und wunderte mich nicht einmal darüber. Some things just happen... Ich befand mich in einem großen, alten, fremden Haus, sah aus dem Fenster und bemerkte, dass Bomben fielen. Ich rannte aus dem Haus, um mich in Sicherheit zu bringen, überlegte, wohin ich mich retten sollte. Ich lief eine Straße hinauf, aber auf einmal floss mir eine glühende Masse entgegen, Lava vielleicht und ich merkte, dass ich in den Tod rannte, ich wurde am Bein verbrannt. Also drehte ich mich um und begann, nun in die entgegengesetzte Richtung vor der Feuermasse wegzulaufen.
Ich sah viele Menschen direkt auf die Gefahr zurennen und überlegte einen Moment lang, ob ich sie warnen sollte oder nicht. Ich dachte, mir könne es eigentlich egal sein, ob sie mitten ins Feuer liefen oder nicht, Hauptsache war, dass ich vor der Gefahr weglief.
Dann aber beschloss ich doch, diese Menschen zu warnen und begann zu schreien, sie sollen umkehren und in die andere Richtung fliehen und auch andere stimmten mit ein und schrieen mit mir zusammen den Flüchtenden entgegen, sie sollen umkehren.
Ich dachte bei mir: "Ich habe mir doch jetzt gar nichts dabei vergeben, die anderen Menschen gewarnt und ihnen das Leben gerettet zu haben" und hatte das befriedigende Gefühl, ein guter Mensch zu sein.

Ich rannte auf eine schneebedeckte Wiese zu und diese hinauf, mitten in den Schnee hinein, in dem ich mich wälzte. Nun wusste ich mich in Sicherheit und war erleichtert und stolz auf mich; ich hatte mir gar nicht zugetraut, mich so geistesgegenwärtig verhalten zu können.
An einer mit Tüchern behängten Stange, die mitten auf der verschneiten Wiese stand, führte ich einen akrobatischen Tanz auf und ließ mir von anderen Menschen zusehen, die sich ebenfalls auf diese Wiese gerettet hatten und die erstaunt darüber zu sein schienen, dass ich trotz des Krieges und der Gefahr tanzte.

Der Traum endete damit, dass mir plötzlich bewusst wurde, dass der Zweite Weltkrieg nicht nur einen Tag gedauert hatte. Ich dachte, dass es doch von Vorteil ist, als Mensch einer späteren Epoche diesen Krieg mitzuerleben, "denn wir wissen, was noch passieren wird", überlegte ich und bedauerte die anderen Menschen, die nicht aus einer anderen Zeit gekommen waren und nicht wussten, was noch kommen würde.
Aber ich war plötzlich auch beunruhigt, denn mir wurde klar, dass das erst der Anfang gewesen war und mir wurde bewusst, dass gerade Frankfurt im Krieg nicht unbedingt verschont worden war und dass es fast völlig zerstört werden würde. Da wusste ich, dass ich mich nur vorläufig gerettet hatte und dass das Schlimmste noch kommen würde.

(Anmerkung der Regisseurin: Das wird ja immer schlimmer. Erst träume ich, ich wäre zärtlich zu einem KIND, nun träume ich, ich würde anderen Menschen das Leben retten. Mit mir ist etwas nicht in Ordnung. Ob ich etwa noch zu einem Menschenfreund werde??)



»14:58     »4 Kommentare (0 )     »0 TrackBack(s)     »Eintrag versenden    

von: Moira    in: Nachtwanderungen meines Geistes


 
 
Samstag, 13. November 2004

  Fast schon zu viel
Das ist fast schon zu viel für mich. Für meinen trägen Geist ging das eine Nummer zu schnell und er ist noch gar nicht mitgekommen.
Macht man eine Diät, gewöhnt man sich langsam daran, seinen Körper die neuen, ersehnten Formen annehmen zu sehen.
Ich aber bin aus der Narkose aufgewacht und es war fertig. Beides. Denn die Veränderung "unten" ist auch erst jetzt nach dem zweiten Anlauf so richtig zu sehen, jetzt aber wirklich richtig.
Und nun stehe ich da vor dem Spiegel, in Anziehsachen, die ich entweder nie zu tragen gewagt habe, oder aber in denen ich mir immer missfallen, in denen ich mich geschämt hatte. Jetzt stehe ich da und begreife es nicht. Das bin ich.
Gerade vor dem Spiegel hatte ich einen Moment lang das Gefühl, mir bliebe die Luft weg und mir würde schwindelig, ich habe mich richtiggehend erschreckt. Erschreckt, weil der Anblick so unglaublich fremd ist. Und zu schön. Dass dieses fremde Schöne zu mir gehört, habe ich noch nicht wirklich verinnerlicht, ich kann das noch nicht richtig begreifen.
Jetzt weiß ich, warum schon so mancher nach einem Millionengewinn im Lotto plötzlich in eine tiefe Krise gestürzt und hysterisch oder depressiv geworden ist. Weil manches, wenn es zu plötzlich kommt, einfach das Fassungsvermögen übersteigt. Weil Träume, die sich plötzlich innerhalb kürzester Zeit erfüllen, ein ausgewachsenes emotionales Erdbeben hervorrufen.

Current mood: fassungsuchend

»14:36     »3 Kommentare (0 )     »0 TrackBack(s)     »Eintrag versenden    

von: Moira    in: Tagebuch


 
 
Donnerstag, 11. November 2004

  Das darf ich aber, bitte, auch noch:

Frust schieben.
Ja, darf ich? Trotz meines Lebens in der Woche 1 p.S.(post Schnösel)?
Das stellt mich gerade vor ein Problem. Ich rede mir ja sowieso immer ein glauben und kundtun zu müssen, ich dürfe mich nicht beklagen und nicht unzufrieden sein, da es ja so vielenvielen armenarmen Menschen so vielviel schlechterschlechter... ach so... geht als mir. Und immer, wenn mir gerade mal wieder besonders viel Gutes wiederfahren ist, meine ich es müsse mir besonders peinlich sein, ein Gefühl von Unzufriedenheit zu nähren.

Darum isoliere ich jetzt erst einmal das Gefühl der ehrlichen Freude über Dr. Schnösels Werke:

((( Dr. Schnösels Werke )))

So, da glänzt sie, diese Freude. Zu Recht. Und ich genieße sie.
Davon abgesehen jedoch autokultiviert sich in mir heute eine außerordentlich schlechte Laune.
Wäre ich ein bisschen mehr Frau, als es der Fall ist, würde ich die Culpa dem berüchtigten, weit verbreiteten PMS zuschieben. Mensch, so was Praktisches will ich auch mal haben. Die meisten anderen Frauen haben es doch auch, warum denn ich mal wieder nicht? Wozu bin ich denn eine Frau, wenn ich nicht mal über die weiblichen Basics verfüge? Welche Wonne wäre es:
"Ich habe schlechte Laune, weil ich ein PMS habe."
"Ich bin traurig, weil ich ein PMS habe."
"Nichts passt mir heute, weil ich ein PMS habe."
"Ich bin unzufrieden, weil ich ein PMS habe."
"Ich habe auf nichts Lust, weil ich ein PMS habe."
"Meine chinesische Tütensuppe schmeckt mir heute nicht, weil ich ein PMS habe."
"Ich fühle mich zerschlagen, weil ich ein PMS habe."

Ha! Vielleicht habe ich ja eins! Aber wie finde ich das heraus? Am besten, indem ich mir demnächst aufschreibe, wann ich die M habe und dann überlege, ob ich einen Tag p das S hatte. Oder so. Ach, wäre das schön!
Aber solange ich nicht sicher sein kann, auch so ein schönes PMS zu haben, muss ich davon ausgehen, dass es Gründe für meine Stimmung gibt. Und muss sie mal wieder suchen, analysieren und überlegen, ja, zumindest überlegen, was ich ändern könnte, um meine Laune kurz-, mittel- und am besten vor allem auch langfristig zu verbessern.

Vor allem langfristig. Darum geht es in der Hauptsache. Denn heute habe ich wieder einmal sehr darunter gelitten (oh, gelitten, welch starkes Wort für eine, die so glücklich sein müsste), dass ich mir so vieles nach wie vor nicht vorstellen kann und dass es somit wahrscheinlich vorerst auch weiterhin unerreichbar bleibt.
Die Menge und das Gewicht der ungeklärten Probleme erschlägt mich wieder mal und am festesten haut die Angst zu. Die Angst, dass ich es niemals schaffen werde, etwas an dem allem zu verändern.
Begleitet wird das Ganze von der altbekannten Rat- und Hilflosigkeit. Wo beginnen? Wie beginnen? Vor allem das WIE quält mich.
Wie fängt man so was denn an?
Wie lernt man, nicht vor Nähe zu fliehen?
Wie lernt man, sich gern haben zu lassen?
Wie lernt man, andere zu lieben?
Wie lernt man, mit Nacktheit umzugehen?
Wie lernt man, den Ekel vor allem Sexuellen zu verlieren?

"Langsam. Warte es ab. Das kommt von selbst. ...."
Nein. Eben nicht. Das kommt eben nicht von selbst. Jedenfalls nicht zu mir. Das dürfen sich alle Klugscheißer gesagt sein lassen. Käme es von selbst, wäre es nach 15 Jahren bei mir zumindest ansatzweise angekommen. Daran muss man genauso arbeiten wie an allem anderen auch. Bloß wie? Für manche Dinge gibt es kein Programm, keine Strategie, keinen Lehrplan. Und manche Dinge kommen eben nicht von selbst.

Und das alles steht auf einem völlig anderen Blatt als mein operierter Körper und aller anderer Segen, dessen ich mich glücklich schätzen muss und das auch sehr bereitwillig und von Herzen tue.



Current mood: hoffentlich PMS-bedingt, haahaa

»18:09     »24 Kommentare (1 )     »0 TrackBack(s)     »Eintrag versenden    

von: Moira    in: Tagebuch


 
 
Mittwoch, 10. November 2004

  Revanche

Auf dem Rückweg vom Besuch bei der demnächst zu sterben beginnenden Tante L. in E.ereilte meine Eltern die Nachricht, der Zug habe wegen eines Personenunfalls über eine Stunde Verspätung. Nichts kann meine Eltern so sehr in Aufregung versetzen wie Zugverspätungen oder Gleisänderungen.
Lästig wie sie gern ist, fragte meine Mutter offenbar den selben Zugbegleiter zweimal kurz hintereinander, ob und wann und wie... der Zug denn nun führe, woraufhin der, ganz entnervter Franke in einer bahnbetrieblichen Ausnahmesituation, die Stimme gegen sie erhob und "Ei, machens sisch noi!" böllerte und wenig einladend auf die offenen Türen des Zuges wies.
Meine Mutter, sprachlos vor Empörung ob der Ungezogenheit des Mannes, aber geistesgegenwärtig, begab sich zu dessen Kollegin und berichtete ihr atemlos, was der Herr Kollege gewagt habe zu sagen - und in welchem Ton. Gütlich, so geht die Legende, habe diese ihr den Arm getätschelt und angemerkt, sie alle seien doch "ganz nervös" wegen der unerhörten Störung des Bahnverkehrs.

Zwar glaube ich ja gern an das Gute im Menschen, aber bei diesen ständig auf den Gleisen herumliegenden Personen mag mir das nicht gelingen und ich unterstelle ihnen nichts als reine böse Absicht. Die wollen auf Kosten der Deutschen Bahn und der Nerven der Reisenden einen billigen, schnellen Tod (oder einen Castor-Transport aufhalten, der dann, so ein Ärger, drüberfährt) und sind zu allem Übel schließlich noch verantwortlich dafür, dass Damen wie meine Frau Mama von proletarischen Schaffnern angeschrieen werden.
Dies berichtete sie mir erstickt (halb vor Wut und halb vor Lachen), als wir uns eben für eine gute Stunde am Bahnhof trafen und nebst Papa und dem Koffer voller Kristall und Porzellan (es soll ja in der Familie bleiben und sterbenden Verwandten ist man schließlich etwas schuldig, also befreie man sie von dem wertvollen Plunder und nehme ihnen diese Last ab) ein Lokal aufsuchten, um die Umsteigezeit meiner Eltern zu überbrücken.

Diese erfreuliche Anekdote ist ausgleichende Gerechtigkeit. Nämlich für die Schmach, die mir in einem Dresdner Café widerfuhr, als ich in dem touristischen Gedränge einen freien Tisch erkämpfte und dabei von einem Jungen verfolgt wurde der, als er sah dass der Tisch von mir eingenommen worden war, zu seiner Mutter, die auf eben diesen Platz zusteuerte, lakonisch sagte: "Da hat sich die Tucke schon hingesetzt!"
Auf der Leitung stehend wie meistens im falschen Moment, war ich erst in schallendes Gelächter ausgebrochen doch dann, wieder Herrin meiner Fassung, war ich Mutter und Sohn voller Geistesgegenwart hinterhergerannt und hatte den jugendlichen Filius quer durch das Café einen Proleten genannt, mehrmals, da er mir nicht zuhören wollte, der Lümmel.
Darüber lachen meine Eltern noch heute, aber nun habe ich die Keule zum Gegenschlag in der Hand.
"Ei, machens sisch noi!" :-)

Meine Mutter ist grün vor Neid. Sie wird als Nächste bei Dr. Schnösel sitzen, wenn auch mit einem anderen Anliegen als ich, ich soll sie schon mal ankündigen. Und ihm sagen, sie stünde kurz vor dem Selbstmord. "Ehrlich!"
Ja, ich weiß dass sie das ehrlich meint. Ich weiß aber auch, dass sie letzten Endes zu geizig sein wird, um sich ihren Wunsch von ihm erfüllen zu lassen. Eine ungute Kombination.
Aber gut, ihre ungespielte Faszination ob des Werkes meines Schnöselchens zu erleben. Und gut zu spüren, dass sogar Papa sich für mich gefreut hat. Er murmelte sogar etwas von "dauerhafter positiver psychischer Auswirkung". Und wenn er schon das Wort "psychisch" in den Mund nimmt, bedeutet das, dass er wirklich beeindruckt ist.

Thumbs up!



»23:00     »7 Kommentare (3 )     »0 TrackBack(s)     »Eintrag versenden    

von: Moira    in: Tagebuch


 
 

  Ich werde krank
Ich habe im Traum ein Kind geliebt. Ein Baby. Ich habe damit gespielt, es gedrückt und geküsst und es ist immer wieder zu mir gelaufen (na gut, vielleicht war es mehr als ein Baby, ich weiß nicht, ab wann ein Baby kein Baby mehr ist und möchte es auch gar nicht wissen).
Es war nicht meins, sondern gehörte irgendeinem jungen Mann. Jedenfalls habe ich dieses Babykind wirklich geliebt und gern angesehen, auf dem Schoß gehalten und  gespürt.
Und so etwas träume ich.
Ich werde krank. Ich fahre am besten direkt in die Uniklinik.

Current mood: hoffnungslos??!!

»10:10     »7 Kommentare (1 )     »0 TrackBack(s)     »Eintrag versenden    

von: Moira    in: Nachtwanderungen meines Geistes


 
 
Dienstag, 9. November 2004

  In den falschen Hals bekommen

habe ich irgendetwas. Irgendwie. Vielleicht wirklich die 4 1/2-Stunden-Narkose inklusive der Schmerzmittel. Ich habe noch nie in meinem Leben mehr als zwei oder drei Schmerztabletten einnehmen müssen, bin also an Medikamente überhaupt nicht gewöhnt und außer zweimal Dämmerschlaf für verhältnismäßig kurze Zeit habe ich auch keinerlei Anästhesieerfahrung. Das Antibiotikum mag auch eine Rolle gespielt haben, auf dem Beipackzettel stand sogar etwas von "psychotischen Zuständen" (das Lesen der Beipackzettel finde ich immer spannender als jeden Krimi *gg*).

Vielleicht liegt es aber auch daran, dass die Sache doch eine kleine psychische Gehirnerschütterung verursacht hat, auch wenn ich den Schlag nicht gespürt habe.

"Erschüttert" passt als Begriff wirklich am besten, etwas ist in mir völlig durcheinander geraten und rutscht seit einer Woche unaufhaltsam in mir herum, so als ob man ein Rührgerät in meine Seele hielte und damit unablässig in meinen Gefühlen rühren würde, sodass mal die eine, mal die andere, mal eine dritte, mal eine ganz andere Schicht nach oben käme.
Gestern hatte ich schon den zweiten "Mini-Nervenzusammenbruch", oder wie ich es nennen soll, diesmal während der Thera-Stunde. Wieder konnte ich plötzlich nicht mehr sprechen, bekam keine Luft mehr, mir wurde heiß und schwindelig und ich war plötzlich "wie weg", wie hinter einer dicken Watte-Wand.
Zwar löste diese Wand sich recht schnell wieder auf, aber es blieb ein Schleier und mit dem um mich herum gesponnen habe ich dann einen Spaziergang am Jacobi-Weiher gemacht, was eine fast gespenstische Erfahrung war, die Welt hatte nur noch zwei Ebenen, ich habe zweidimensional gesehen und empfunden; vielleicht kennt jemand dieses Phänomen und weiß, was ich meine. Begleitet war das ganze von Schwindel und von einer Art "Rausch".

Heute lebe ich wieder dreidimensional, aber meine Gefühle rasen an mir vorbei wie auf einem außer Kontrolle geratenen Fließband; so schnell, dass ich keines richtig erkennen und benennen kann, dafür geht es zu schnell. Euphorie, Panik, tiefe Trauer, Lust zu lachen, zu weinen, zu schreien, davonzulaufen... Lebensjubel, Lebensangst, Lebenshass... Hoffnung, Verzweiflung, Liebe und Wut... Es geht zu schnell und ich komme nicht mit, ich bin verwirrt und fühle mich taumelnd.

Was ist das? Woher kommt das? Was hat das mit der OP zu tun? Wie hat mich das so sehr aus der Bahn werfen können?
Oder bedeutet es nur, dass plötzlich, irgendwie, meine Gefühle freigesetzt worden sind? Dass ich auf einmal direkten Zugang zu ihnen habe? Dass sie, warum auch immer, plötzlich greifbar und spürbar für mich geworden sind, anstelle nur in weiter Ferne an mir vorüber zu ziehen, mit großem Sicherheitsabstand?
Oder sind es doch nur die Medikamente, die gerade Auszug aus meinem Organismus halten?



Current mood: wirbelnd

»14:58     »9 Kommentare (3 )     »0 TrackBack(s)     »Eintrag versenden    

von: Moira    in: Tagebuch


 
 
Montag, 8. November 2004

  Daran könnte es eventuell gelegen haben

Wie bereits erwähnt, wurden meine Erwartungen an Gabriel Faurés Requiem gestern Abend im Konzert nicht ganz erfüllt. Es klang irgendwie... so anders als auf der CD, die ich schon seit Tagen immer wieder anhöre.
"Orgelfassung" stand im Programm. Nun... mein Geist zeigte sich verdrossen ob des gewaltigen Unterschiedes zwischen der Orchester- und der Orgelfassung.

Gerade eben nun nahm ich das Cover der CD zur Hand, die da seit Tagen in meinem CD-Player weilt. Und las:

Maurice Duruflé
Requiem

Ob es daran gelegen hat...?



Current mood: Mutter, schlag mich

»18:36     »2 Kommentare (0 )     »0 TrackBack(s)     »Eintrag versenden    

von: Moira    in: Tagebuch


 
 

  John Taverner

darf weitermachen.

Hatte ich vor einigen Monaten geschrieben, man hätte ab dem Jahre 1926 bei strenger Strafe ein allgemeines, striktes Komponierverbot verhängen sollen (nachdem ich das geschrieben hatte, war ich jedoch noch mal in Klausur gegangen und hatte die Jahreszahl etwas nach oben korrigiert bzw. hatte einigen ganz wenigen Komponisten eine Ausnahmegenehmigung erteilt - was wären wir beispielsweise ohne den guten Benji Britten?),  habe ich gestern Abend im Konzert im Geiste einen weiteren Passierschein für jemanden ausgestellt: Für den zeitgenössischen englischen Komponisten John Taverner.

Gekommen, um Faurés Requiem zu hören, verärgert darüber, dessen meinem Ohr weniger gefällige Orgelfassung geboten zu bekommen und dann berauscht und weggerissen von Taverners "Song For Athene". Ich habe nie etwas Schrecklicheres gehört - und wenn ich in Zusammenhang mit einem Totenlied "schrecklich" sage, dann ist das das höchste, unübertrefflichste Lob, das ich darüber auszusprechen vermag.
Es geht ja das Gerücht um, ich könne mich nur deswegen an Requiems und der ganzen Sparte der "Totenmusik" so gierig weiden, da ich noch nie einen mir nahestehenden Menschen verloren habe. Possible. Aber na und, solange meine Leute leben, bade ich in diesem Genre wie Kleopatra in Ziegenmilch und die doch immer ein wenig in mir flackernde Sympathie für den Tod verschlingt diese Art der Musik und macht daraus in mir eine Feuersbrunst.

Ich kann kaum verstehen, warum gestern Abend nicht -zig Zuhörer schreiend aus der Kirche geflohen sind bei diesem letzten Stück. Ich glaube, hätte ich je jemanden verloren, der mir auch nur ein wenig bedeutet hätte, hätte ich den Song for Athene nicht unbeschadet überstanden, er hätte mich zu töten versucht.
Gut, gut, ich werde mal wieder zu pathetisch - und das vormittags gegen 11 Uhr, aber wenn ich schon mal starke Gefühlsregungen in mir entdecke, möchte ich ihnen auch ein Denkmal schaffen, indem ich von ihnen schreibe, noch gibt es viel zu wenige Denkmale dieser Art in meinem Leben. :-)

Song for Athene

Alleluia.

 

May flights of angels sing thee to thy rest:

Alleluia.

 

Remember me O Lord, when you come into your kingdom.

Alleluia.

 

Give rest O Lord to your handmaid, who has fallen asleep.

Alleluia.

 

The choir of saints have found the well­-spring of life, and door of paradise.

Alleluia.

 

Life: a shadow and a dream.

Alleluia.

 

Weeping at the grave creates the song:

Alleluia.

Alleluia.

 

Come, enjoy rewards and crowns I have prepared for you.

 

(Worte aus Shakespeares Hamlet und  dem orthodoxen Begräbnisritual)

 



Current mood: immernoch hingerissen

»11:30     »4 Kommentare (0 )     »0 TrackBack(s)     »Eintrag versenden    

von: Moira    in: Tagebuch


 
 
Samstag, 6. November 2004

  OH MEIN GOTT!

Oh mein Gott, oh mein Gott,
OOOOH MEIN GOOOOOOOOTT!!!!!!!
OH DR. SCHNÖSEL!

Meine Augen lügen nicht, der Spiegel lügt nicht, die Verkaüferinnen lügen nicht.

Oh mein Gott. Das übersteigt mein Fassungsvermögen. Ich stehe, staune und kann es nicht glauben.
Das bin ich. Das ist mein ehemals so verhasster, verteufelter, versteckter Körper.
Das ist das Spiegelbild, das mich so viele Tränen und Nerven gekostet hat, das mich oft fast hätte schreien lassen, das, das mir so oft den Wunsch und die Phantasie, mit Messern auf diesen Körper einzuschneiden und einzustechen, eingegeben hat.

Dr. Schnösel hat an mir so viel geleistet wie mein Thera. Nur auf anderer Ebene. Er mag sein, wie er will, inzwischen habe ich ihn wenn auch nicht lieb-, dann doch zumindest gerngewonnen. Inzwischen haben wir ja auch eine gewisse Beziehung zueinander aufgebaut, haben uns einige Male ein bisschen unterhalten, er mag ein Arschloch sein, aber auch Arschlöcher können sympathisch sein. ;-) Er ist, glaube ich, im Grunde genommen ein recht gutmütiger Kerl; gutmütig vom Gemüt her, nicht in seiner Rolle als Geschäftsmann.
In jedem Fall hat er in meinem Leben Spuren hinterlassen, sichtbare und unsichtbare, die nie gänzlich verwischen werden und damit hat er, er dieser eine bestimmte Mensch, für mich eine größere Bedeutung als viele andere Menschen, auch wenn unsere Beziehung zueinander bloß eine minimale ist.

Die Euphorie wird sich legen. Aber noch flammt sie immer wieder auf und berauscht mich. Und warum sollte es mich nicht berauschen, mir zu gefallen?



Current mood: augenblicksweise berauschtheitseuphorisch

»15:07     »8 Kommentare (0 )     »0 TrackBack(s)     »Eintrag versenden    

von: Moira    in: Tagebuch


 
 
   



 » Neueste Einträge
 » Gästebuch

Kalender

« November 2004 »
Mo Di Mi Do Fr Sa So
1 2 3 4 5 6 7
8 9 10 11 12 13 14
15 16 17 18 19 20 21
22 23 24 25 26 27 28
29 30 . . . . .

Suche in diesem Weblog



abGEBILDET

Baltrum
Frankfurt
Wien
Japan
Peru
Blog-literarischer Kanon

Aurisa
Beck
Das Leben brennt
Drachenlady
EmilYY
Georg
Hundesalon
Leuchtturm
Rosenquarz
Rosmarin
Seifenblasenpusterin
Shania
Strandgeflüster
40plusX
Viviana
Wolfsmond
Yoylie
Zeozon

RSS-Feed

  

Neues in diesem Weblog

Kommentar von Moira:
@ Noergelchen:Also, ich kann Dich in keinem meiner Fet...
Kommentar von Moira:
@ Wolfsmond:Guten Abend! :-) Damit sprichst Du meine g...
Kommentar von Moira:
Aber ich würde mich doch NIEMALS trauen, ihm gegenüber ...
Kommentar von beck:
Um Gottes Willen, sprich mit deinem Thera drüber! Viell...
Kommentar von yoylie:
Habe ich auch gerade gedacht, wäre es so wahnsinnig s...

Archive

November 2004
Oktober 2004
September 2004
August 2004
Juli 2004
Juni 2004
Mai 2004
April 2004
März 2004
Februar 2004

Neues bei 20six-Blogs

Neuer Beitrag von Zeozon:
Bitte BITTE nicht!!....
Neuer Beitrag von Aurisa:
Happy birthday Manuela :)...!....
Neuer Beitrag von beck:
Aller Anfang ist schwer....
Neuer Beitrag von beck:
Strike!....
Neuer Beitrag von beck:
Tageskarte....




Die auf Weblogs sichtbaren Daten und Inhalte stammen von Privatpersonen.
20six ist hierfür nicht verantwortlich. Für weitere Informationen bitte hier klicken.