Restless Legs Syndrom

Was ist das Restless-legs-Syndrom?

Beinahe jeder 20. leidet unter einem Restless-legs Syndrom (RLS) bzw. einem "Syndrom der unruhigen Beine". Es tritt in jedem Lebensalter, gehäuft aber mit zunehmendem Alter auf. Im Vordergrund der Beschwerden stehen kribbelnde Mißempfindungen in beiden Beinen, seltener auch einseitig. Die Unterschenkel sind meist besonders betroffen, aber auch Knie und Oberschenkel. Zwei Eigenschaften sind besonders wichtig: Die Beschwerden treten in Ruhe auf bzw. werden in Ruhe stärker, und sie nehmen durch Umherlaufen, Bewegung der Beine, Massagen, Kalt- oder Warmbäder ab bzw. gehen ganz zurück. Beim typischen RLS-Patient sind abends oder nachts die Beschwerden besonders ausgeprägt, da wahrscheinlich eine tageszeitliche Schwankung im Schweregrad der Beschwerden besteht. Ein wichtiges Kennzeichen der Erkrankung sind Schlafstörungen, wobei sowohl Ein- wie Durchschlafstörungen mit mehrfachem Erwachen auftreten können.
Das Beschwerdespektrum ist ausgesprochen groß. Viele, besonders jüngere Patienten unter etwa 40 Jahren, sind sehr leicht und auch nur vorübergehend betroffen. Andere, schwerer betroffene Patienten leiden zusätzlich unter in Ruhe sich ständig wiederholenden Muskelverkrampfungen oder unwillkürlichen Muskelzuckungen der Beine, die über mehrere Sekunden anhalten; bei anderen steigern sich die Mißempfindungen bis zu Schmerzen. Gelegentlich sind die Arme mit betroffen.

Was liegt dem RLS-Syndrom zugrunde?

Die Ursache ist bis heute ungeklärt. Wahrscheinlich handelt es sich um eine Störung im sog. Transmitterstoffwechsel des Gehirns. Insbesondere der Nervenbotenstoff Dopamin scheint hier eine Rolle zu spielen, da die Patienten fast ausnahmslos gut auf Medikamente ansprechen, die die Wirkung dieses Botenstoffes verbessern.
Bei einem Teil der Patienten wird die Erkrankung vererbt. Ein anderer Teil spürt die Symptome erst dann, wenn zusätzlich andere Erkrankungen wie Niereninsuffizienz, Eisenmangel, rheumatoide Arthritis, Bandscheibenleiden oder ähnliches auftreten. Dies wird dann als sog. "sekundäres RLS" bezeichnet.

Kann es zu bleibenden Schäden kommen?

Das RLS beeinträchtigt bei einem Teil der Patienten die Lebensqualität zwar stark, gilt aber als harmlos. Bleibende Schäden sind weder im Rahmen der Erkrankung noch der Therapie bekannt.

Wie kann man das RLS behandeln?

Das RLS ist nicht heilbar, außer es handelt sich um ein sekundäres RLS und die Therapie der Begleiterkrankung ist erfolgreich. Untersucht und gegebenenfalls behandelt werden müssen demnach zunächst die Nierenfunktion, der Eisenmangel, rheumatische Symptome, Bandscheibenerkrankungen und Erkrankungen der peripheren Nerven.
Viele leicht betroffene Patienten können die Beschwerden gut ertragen und benötigen keine Medikamente. Behandlungsziel bei Beeinträchtigung der Lebensqualität ist die vorbeugende Therapie und damit die Vermeidung der unangenehmen Kribbelmißempfindungen bereits vor deren Auftreten. Dies kann nahezu ausnahmslos nur medikamentös und immer nur für die Dauer der Wirkung des jeweiligen Medikamentes erfolgen. Besonders wirksam und gleichzeitig nebenwirkungsarm sind Präparate, die auch in der Behandlung der Parkinson-Erkrankung eingesetzt werden. Dies ist notwendig zu wissen, da das RLS in den Beipackzetteln dieser Präparate nicht erwähnt wird, weil es bisher kein offiziell für die Behandlung des RLS zugelassenes Medikament gibt (Zulassung von Restex® Ende 1999 erwartet; L-DOPA Präparat). RLS und der Morbus Parkinson sind zwei völlig verschiedene Krankheitsbilder. Bei der Parkinson-Erkrankung liegt ein Dopaminmangel vor, beim RLS nicht. Warum Dopaminpräparate beim RLS trotzdem wirken, ist bisher unbekannt. Für RLS-Patienten besteht kein erhöhtes Risiko, später die Parkinson-Erkrankung zu bekommen.
Die medikamentöse Behandlung wird abhängig von der Schwere der Symptome begonnen. Unterschieden wird hierbei eine Bedarfsbehandlung und eine Dauerbehandlung.

Bedarfsbehandlung bei leichter Erkrankung

Falls nur gelegentlich Beschwerden vorliegen, und falls man gezielt, z. B. während eines Theaterbesuches, beschwerdefrei sein möchte, empfiehlt sich vorher die Einnahme einer Tablette mit der Wirksubstanz L-DOPA. Hierbei handelt es sich um die Vorstufe des Nervenbotenstoffs Dopamin, dessen Funktion beim RLS-Syndrom gestört ist. Begonnen werden sollte mit der niedrigsten wirksamen Dosis von 100mg L-DOPA, die bis zu einer Einmaldosis von 150 bis maximal 200mg gesteigert werden kann. Die Wirkung ist nach jeder Tabletteneinnahme beurteilbar. L-DOPA liegt in verschieden schnell wirksamen Aufbereitungsformen vor; so kann der behandelnde Arzt z. B. ein rasch wirksames Präparat mit einem Wirkungseintritt innerhalb von 30min verschreiben, das über etwa 2h gut wirkt. Andere Präparate mit verzögerter Wirkstofffreisetzung eignen sich besonders gut für Patienten, die nachts nach mehreren Stunden Schlaf aufgrund von Mißempfindungen oder unwillkürlichen Bewegungen der Beine wiederholt aufwachen. Patienten, die sowohl Einschlaf- als auch Durchschlafprobleme aufweisen, können beide Zubereitungsformen auch parallel einnehmen, die "rasche" Form etwa 30 min vor dem Zubettgehen und die "verzögerte" Form gleichzeitig oder unmittelbar vor dem Einschlafen. Bei Durchschlafstörungen sind auch mehrere Gaben während der Nacht möglich. Eine Gesamtdosis von LDOPA von 400-600mg über 24h sollte jedoch nicht überschritten werden, da dann bei manchen Patienten Nebenwirkungen wie Augmentation (Zunahme und Vorverlegung der Symptome am nächsten Tag) zunehmen. Nach längerer Behandlung kann ein Wirkungsverlust von L-DOPA auftreten.

Dauerbehandlung bei schwererer Erkrankung

Schwerer betroffene Patienten, die auch tagsüber unter ständigen Mißempfindungen leiden, können alternativ mit sog. Dopaminagonisten behandelt werden. Der Vorteil liegt in der längeren Wirkdauer der Tabletten mit entsprechend geringerer Einnahmehäufigkeit und im geringeren Auftreten von verstärkten Symptomen am nächsten Tag (sog. Rebound-Effekt und Augmentation, siehe unten). Andere Vorteile, die diese Substanzgruppe bei der Behandlung der Parkinson-Patienten aufweist, sind für das RLS bisher nicht bewiesen. Die Nachteile liegen im höheren Preis, in der Notwendigkeit einer über 12 Wochen ansteigenden Eindosierung und in häufiger auftretenden Nebenwirkungen wie Übelkeit und Kreislaufproblemen bei zu schneller Dosissteigerung. Damit läßt sich die Wirksamkeit endgültig erst nach etwa zwei Wochen beurteilen. Die Übelkeit, die zu Beginn der Behandlung auftreten kann, erfordert in der Regel die vorübergehende Einnahme von Tabletten gegen Reisekrankbeit (z. B. Motilium® 3 x 1). Wahrscheinlich sind alle für die Parkinson-Krankheit zugelassenen Dopaminagonisten auch beim RLS wirksam (Bromocriptin, Cabergolin, Dihydroergocryptin, Lisurid, Pergolid, Pramipexol, Ropinirol). Positive Untersuchungen liegen bei RLS bisher für Bromocriptin, Dihydroergocryptin und Pergolid vor, wobei die hier notwendigen Dosen ebenfalls wesentlich niedriger liegen als jene Dosen, die bei der Parkinson
Erkrankung verabreicht werden. Die Dosierungsrichtlinien sollten genau eingehalten werden, da die RLS-Patienten bei Therapiebeginn im Gegensatz zu Parkinson-Patienten meist nicht an dopaminerge Therapien gewöhnt sind und es zu Blutdruckabfall, Schwindel, Erbrechen bis zu Synkopen kommen kann. Pergolid muß immer mit 0,05 mg, möglichst unter gleichzeitiger Gabe von 20mg Domperidon, begonnen werden. Eine Steigerung um maximal 0,05mg jeden 2. Tag bis auf eine mittlere Dosis von 0,25-0,5mg, maximal 0,75-1mg sollte nicht überschritten werden. Äquivalente Dosierungen sind 1,25mg Bromocriptin, 0,1mg Lisurid, 0,5mg Cabergolin, 5mg Dihydroergocryptin und 0,5mg Ropinirol (jeweils Anfangsdosierung).
Besonders schwer betroffene Patienten, die auf Dosen von 200mg L-DOPA nicht ansprechen, benötigen Opiate wie bei schweren chronischen Schmerzen, um Beschwerdefreiheit zu erzielen. Eine körperliche Abhängigkeit wurde bisher bei RLS Patienten nicht beschrieben. Opiate gelten bei leichter betroffenen Patienten als Medikamente zweiter Wahl und können eingesetzt werden, wenn dopaminerge Medikamente wegen Kontraindikationen nicht gegeben werden dürfen, oder wenn die Schwere der Erkrankung eine Kombinationsbehandlung erfordert. Dies ist selten der Fall, so daß hier wenige Studien vorliegen. Tilidin zeigt eine gute Wirksamkeit in einer Dosierung von 50-100 mg und ist derzeit als Valoron N® (Tilidin / Naloxon) verfügbar; eine Retardform zur Therapie der Durchschlafstörung ist jetzt im Handel.
Bei schwerem RLS empfiehlt sich die Gabe von Dihydrocodein in Retardform (DHC 60® Mundi pharma® entspricht 40mg Dihydrocodein), eine Dosissteigerung ist bis zu 2x DHC 60 möglich. Für sämtliche weitere Opiate (Tramadol, Temgesic®, Fortral®) wird im Einzelfall eine gute Wirksamkeit beschrieben.
Andere bei RLS wirksame Substanzen sind sog. Benzodiazepine. Sie werden sonst gerne als gut wirksame Schlafmittel über Zeiträume von 1-3 Wochen eingesetzt. Bei längerer Behandlung befürchtet man einen Wirkungsverlust und eine Abhängigkeit des Patienten. Aus diesen Gründen gelten Benzodiazepine beim RLS als Mittel zweiter Wahl. Bei manchen Patienten bewirken sie nur Müdigkeit und keine wirkliche Erleichterung der RLS-Beschwerden.

Probleme bei der medikamentösen Behandlung

Nach abendlicher L-DOPA Medikation kann es am nächsten Tag zu verstärkten morgendlichen Beschwerden (Rebound-Effekt) oder zum erstmaligen Auftreten von Symptomen zu einer früheren Tageszeit als vor Behandlung (Augmentation) kommen. Die Stärke dieser Effekte scheint von der L-DOPA Dosis abzuhängen und wird nicht seiten durch vom Patienten selbst vorgenommene Dosissteigerungen ausgelöst. Besonders in schweren Fällen ist dies ein Grund zur Umstellung auf Dopaminagonisten.

Links
Deutsche Restless Legs Vereinigung
Schillerstr. 3a
80336 München
Tel. 089-55028880
Fax: 089-55028881
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