Die Wüste lebt - Neue Chancen für den Journalismus
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Ein Netzwerktag für begeisterte Medienschaffende - Samstag, 25. Oktober 2003 - im Börsensaal der Handelskammer Hamburg

Dokumentation
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Job-Jonglierer: Die glückliche Ehe des Journalismus mit anderen Berufen
Protokolliert von Nicola D. Schmidt, www.ndschmidt.de



Teilnehmer:

Uta Glaubitz, Berufsfindungsexpertin und Autorin, www.berufsfindung.de
Svenja Hofert, Journalistin und Trainerin, www.netzwerk-buero.de
Susanne Kortshagen, Fachzeitschriften-Redakteurin, Kongressbüro, Hebamme
Harald Lux, Fachjournalist und Berater eines Reisebüros, www.lux.de
Dr. Marlis Prinzing, Journalistin, Dozentin, Moderatorin des Roten Sofas, www.das-rote-sofa.de

Moderation:

Thomas Mrazek, freier Journalist und Internet-Consultant, www.20six.de/mrazek


Der Schichtdienst sei ihr zu langweilig und zu anstrengend gewesen, erzählt die ehemalige Hebamme Susanne Kortshagen. Sie habe deshalb begonnen, für Fachzeitschriften zu schreiben. Neben ihr sitzt Uta Glaubitz und erzählt eine klassische Geschichte: Sie saß mit einer Freundin im Café und hat sich gedacht, man müsste mal Berufsfindungsseminare machen. Seitdem ist sie Berufsfindungsexpertin. Marlis Prinzing interessiert sich für Menschen und hat kurzerhand eine Karriere als Talk-Moderatorin begonnen.

Wenn ein Job nicht mehr trägt oder allein keinen Spaß macht, müssen Journalisten ihr Angebot erweitern. Möglichkeiten gibt es viele. Ein häufiger Weg zu mehreren Standbeinen ist der des Experten. "Kenne dich aus", lautet der Wahlspruch der erfolgreichen Job-Jonglierer, und vermarkte dieses Wissen möglichst vielseitig. Gute Hilfen auf diesem Weg sind das eigene Buch und Seminare: Fast alle auf dem Podium des Workshops "Job-Jonglierer: Die glückliche Ehe des Journalismus mit anderen Berufen" haben schon ein eigenes Buch geschrieben oder geben ihr Wissen in Schulungen weiter.

Das Podium

Auf dem Podium sitzen unter der Leitung von Thomas Mrazek, der selbst Journalist, Seminarleiter und Chef einer Webagentur ist: Uta Glaubitz, die eines Tage begann, Berufsfindungsseminare anzubieten und mit "Der Job, der zu mir passt" einen Bestseller schrieb, Svenja Hofert, die neben dem Journalismus auch Seminare gibt, Susanne Kortshagen, die ihren Job als Hebamme zu stressig fand und als Fachzeitschriftenautorin zu arbeiten begann, Harald Lux, Kaufmann durch und durch, der alles, was er weiß, sofort zu Geld macht und als Buchautor, Fachjournalist und Berater arbeitet, sowie Marlis Prinzing, die ihre feste Redakteursstelle nur noch als Teilzeitkraft ausübt, weil sie nebenbei "Das rote Sofa" moderiert und Volontäre ausbildet.

Die erste Frage, die sich stellt, ist die nach dem lieben Geld. Harald Lux, gelernter Kaufmann, erläutert seine Vermarktungsstrategie: Als der Internet-Boom begann, hat er seine Diplomarbeit über Internet-Provider geschrieben und sich dafür eigene Datenbanken aufgebaut. Diesen Wissensschatz hat er in ein Buch gegossen und dann in Artikel für die FAZ, "Capital" und "Focus". Außerdem sahen Zeitschriftenredakteure das Buch und bestellten Artikel, Firmen wiederum sahen die Tabellen in den Artikeln und fragten nach Studien von Lux. Als der Provider-Boom vorbei war, widmete sich Lux einem neuen Thema: DSL. Er legte sich früh einen DSL-Anschluss zu und wurde so bald auch hier zum gefragten Experten, weil er aus der Praxis fundierte Artikel schnell liefern konnte.

Jornalisten fehlt kaufmännisches Denken

Das sei genau das Problem, bedauert Svenja Hofert und blickt in die Runde der Zuhörer, Journalisten fehle häufig das kaufmännische Denken. Da kann Lux nur lächeln: Er habe immer kommerziell gedacht und vermarktet sein Wissen in Schulungen, Beratungen und Texten. Hofert kann hier sogar noch eines draufsetzen: Es sei egal, ob man eine Marktlücke findet oder andere verdrängt, wichtig sei einzig und allein, dass man sich gut vermarkten könne - und das könnten Journalisten eben nicht.

Ja, aber geht das denn auch mit unterschiedlichen Themen? Oder muss man sich auf eines spezialisieren und so zum Fach-Idioten werden?

Berufsfindungsexpertin Glaubitz gibt diese Frage an jeden Einzelnen zurück: Es sei eine persönliche Entscheidung, ob man verschiedene Tätigkeiten brauche, um nicht in Langweile zu ertrinken, oder ob man sich lieber intensiv mit einer Sache beschäftige. Hier klingt sich die Hofert ein: Das ergebe sich, sie jedenfalls habe nichts geplant.

Gut bezahlter Spaß an der Arbeit

Das sieht Glaubitz dann doch anders: Man müsse sich schon entscheiden, denn manche Sachen seien gut bezahlt, machten aber keinen Spaß, während andere gute Kontakte ergäben, aber kein Geld brächten. Die Frage sei: Was passt außer Journalismus noch zu mir? Wo kann ich schnell herankommen, um Geld zu verdienen? Wer braucht meine Fähigkeiten noch? Dabei kann alles herauskommen: PR, Kommunikationstraining, Schulungen. Und dann dürfe man nicht in die Falle tappen, denn was nahe liegt, aber keinen Spaß macht, bringt auch keinen Erfolg.

Auf diesen Punkt will Prinzing näher eingehen, denn sie ist sich ganz sicher, dass man ein Anliegen braucht. Nur wer etwas vermitteln wolle, habe auch eine Chance, man brauche ein echtes Ziel, das einen selbst begeistert.

Das wäre also das Ideal. Und was bedeutet das konkret?

Hier ist wieder Glaubitz gefragt, denn wie macht man das? Der erste Schritt sei Recherche, sagt die Seminarleiterin. Wer hat mein Thema, zum Beispiel Kommunikationstraining, bereits besetzt und bietet was wo und wie an? Am besten gehe man in ein Seminar, um herauszufinden, wie man es besser machen würde. Dann schreibe man Bewerbungen an die Veranstalter und schicke Ihnen ein Konzept. Wer vorher ein Buch zu dem Thema geschrieben hat, könne sich leichter als Experte profilieren und auf Kongressen auftreten, um seine Seminare besser zu verkaufen. Es sei anstrengend, lacht Glaubitz, aber es mache frei.

Drei Visitenkarten

Lux wirft ein, dass man als Job-Jonglierer generell ein kleines bisschen aufpassen müsse. Er selbst habe drei Visitenkarten, die er je nach Gesprächspartner verteilt, damit er nicht als Berater auftritt wo er lieber Journalist sein will. Auch Glaubitz warnt eindrücklich vor Dialogen folgender Art: "Und was machen Sie so?" "Ach, ich bin eigentlich Journalist, aber das läuft gerade nicht so gut, deshalb mach ich jetzt auch so Seminare..." Besser sei es, Antworten vorzubereiten, die danach klingen, als habe man es immer genau so geplant und gewollt. Wer noch kein Experte ist, solle ihn wenigstens spielen.

Hofert ist sich alles in allem sicher, dass Job-Jonglieren Menschen sicherer und selbstbewusster mache. Glaubitz schließt sich an und sieht hierin die Zukunft schlechthin: Jeder werde mehrere Funktionen haben und nicht mehr nur von einem Arbeitgeber abhängig sein. Und Lux mahnt in Kaufmannmanier: Journalisten sollten sich mehr als Unternehmer der eigenen Fähigkeiten sehen. Bücher zum Beispiel seien finanziell wenig ertragreich, aber sie brächten das Renommee, das auch andere Türen öffnen könne.

Kenne dich aus! Spiel den Experten! Aus dem Publikum kam kein Widerspruch.

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