Chronistins Sprungbuch

31. März 2001
 
#23 - 16:00
Stockerau - Skyvan - Solo

Und gleich nochmal, es war so schön! Es ist die letzte Load des Tages, und die Hälfte davon springt auf eine Außenlandung, zum Heurigen. Auf dem Rückflug Richtung Flughafen ist die Skyvan halbleer, das Sitzen gemütlich. Dermaßen entspannt trete ich aus dem Flieger, dass ich sofort auf dem Bauch liege. "Du schaust aus, als wolltest du die Luft umarmen" sagt später einer, der hinter mir war. Will ich auch! Die Luft, die Welt das Leben. Und überhaupt.

Wieder vergeblich versucht, die berühmte Rolle hinzukriegen. Da nimmt man die eine Schulter nach unten, zieht den Arm ein und rollt ganz von selbst auf dem Rücken, hat es geheissen. Denkste. Ich nehme die Schulter nach unten, ziehe den Arm ein, und überschlage mich irgendwie, mit dem Kopf nach unten und ohne jegliche Chance, dabei in die Rückenlage zu kommen. Lustig ist es trotzdem.

Nach dem Ziehen wieder Mal Totenstille hinter mir. Ruhiger und bewußter als in Tunesien, sind die Hände diesmal dort, wo sie hingehören: An Abtrenn- und Reservegriff, während ich den empfohlenen Blick über die Schulter werfe. Notmaßnahmen überflüssig, die Bewegung hat den Hilfsschirm aus dem Lee geworfen, und ich lande mit der Hauptkappe.

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#22 - 15:00
Stockerau - Skyvan - Solo

Der Pink-Family-Boogie in Stockerau begrüßt uns nicht gerade mit Kaiserwetter. Kein Wetter für Schüler, den ganzen Tag. Die meisten geben irgendwann auf und fahren. Ich kann warten, ich habe ja den Laptop mit.

Gegen Abend erst schielt die Sonne an den Wolken vorbei: Das Warten hat sich gelohnt. Schnell in die Kombi, Gurtzeug umgeworfen, hinauf geht's in der braven Skyvan.

Beim Ausstieg, erstmals ohne dass jemand Zeichen gibt, bin ich unruhig: Zähl ich die 5 Sekunden Abstand zum Vordermann richtig? Zu schnell? Zu langsam? Als ich draußen bin, ist der Vordermann nicht mehr in Sicht, drinnen die Tandemmaster haben noch nicht "Go-Go!" gebrüllt, also war's wohl richtig.

Draußen ein unglaublicher Anblick: Die goldene Spätnachmittagssonne auf den Wolkenresten. Programm ist gestrichen, ich muss mir das genauer anschauen. Und an den kleinen Wolkenfetzen, an denen ich vorbeifliege, Spüre ich erstmals so richtig die Geschwindigkeit.

Jetzt heißt es wirklich tiefer ziehen, denn über mir sind ein paar Tandems. 1200 ist OK, hat es geheißen. Na gut. Das reicht auch völlig, stelle ich fest. Mit den Tandems ringsum bin ich zum ersten Mal nicht die Allerletzte in der Luft. Aber es gibt Platz genug für alle...

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17. März 2001
 
#21 - 16:00
Stockerau - Cessna 182/2700m - Solo

Schmerzhaft: Mein Vodermann sitzt den ganzen Steigflug lang auf meinem Fuß, der prompt einschläft (und noch tagelang wehtut). Noch nie war ich so erleichtert, als es endlich Zeit ist, auszusteigen. Dass ich dabei erstmal auf dem Rücken liege, hat ja schon Tradition. Dass ich die Rückenlage später nicht mehr hinkriege, wurmt mich langsam.

Wieder "viel zu hoch" gezogen. Dafür aber richtig und nahe gelandet.

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#20 - 14:00
Stockerau - Cessna 182 - Solo

Mal was neues: Zu fünft in diesen - im Gegensatz zur Skyvan - winzigen Flieger gepreßt, und dann ein Seitenausstieg? Ob das geht? Etwas nervös im Steigflug - Willi, der Absetzer, rät mir, tief durchzuatmen. Er hätte mich mal in Tunesien erleben sollen, denke ich. Dann aber oben recht beherzt zur Tür, die Füße rausgestellt - huch, wie da der Fahrtwind pfeift - und wieder überrascht, dass der Schock beim Runterschauen ausbleibt. Seitlich abstoßen, und weg. Ein bißchen turbulent, bis ich auf den Bauch finde. Den Flughafen sehe ich erst bei der zweiten Drehung. Als ich weiß, wo er ist, versuche ich, was ich mir vorgenommen habe: Mich absichtlich auf den Rücken zu drehen. Aber das geht nicht so einfach wie ich dachte.

Wir sollen "Höhe abbauen", also tiefer ziehen. Naja, ein bisschen. Bei 1400m ist mir die Erde schon zu nah. Was mir dann schnell leid tut, als ich am Schirm hänge und friere.

Tiefer gekommen, starre ich gebannt das - im Gegensatz zu Wüste und Schneelandschaft - viel zu kleine Lande-Eck an. Will da unbedingt hin, schaffe es nicht, bin jenseits der Landebahn und noch dazu in Windrichtung unterwegs, will nicht über die Landebahn kurven und versuche es in die andere Richtung, wo mich ein Stacheldrahtzaun erschreckt, da bleibt nur eins: Wieder Mal mit dem (schwachen) Wind und mit ein bißchen Glück landen. Dafür gibts ein Taxi zurück.

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03. März 2001
 
#19 - 12:00
Zell am See - Skyvan - Solo

Die ganze Zeit seit meiner Rückkehr aus Tunesien habe ich von nichts anderem gesprochen als von meinen luftigen Abenteuern. Und alles daran gesetzt, so schnell wie möglich wieder in die Nähe eines Flugzeugs zu kommen. Jetzt bin ich hier. Und zittere wie Espenlaub. Soll ich überhaupt? Will ich überhaupt? --- Nach all dem Aufwand kneifen? Nee.

Zum Glück hilft man mir, die kleineren Teile der Ausrüstung zu befestigen. "Hohe Vibrationsfrequenz!" - ja, lach du nur.

Im Steigflug gehts mir erstaunlicherweise besser. Schlimmer hätt's ohnehin nicht mehr werden können. 4500m, und gleich geht die Tür auf. Innerlich vorbereitet auf die übliche letzte Panikattacke stehe ich im Flugzeug, und dann geht die Tür auf - und die Panik kommt nicht. Neugierig spähe ich aus dem offenen Viereck, und als ich dran bin, gehe ich gelassen zum Exit und lasse mich vornüberkippen.

Spüre zum ersten Mal ganz bewusst diesen physikalischen Vorgang, den man uns oft genug erklärt hat: Wie die Luft vom weichen Nichts durch die Geschwindigkeit zu einer Kraft wird, mit der man arbeiten kann. Am Rücken liegend, schau ich der Skyvan nach. Dann umdrehen, orientieren. Bin erstmal etwas instabil in der Bauchlage da oben, naja, ist ja auch eine Weile her. Deshalb verzichte ich auf Freudenpurzelbäume und begnüge mich damit, das Hohlkreuz wieder hinzukriegen.

Landung auf Schnee ist schwieriger als Landung in der Wüste. Man sieht die Höhe nicht so recht. Ich schlittere am Hintern dahin und alles ist voll Schnee.

Egal! Mehr davon! Jetzt hab ichs wirklich geschafft.

Aber die Sonne zieht den Schleier vor, und auch am nächsten Tag hält das Wetter uns blutige Anfänger am Boden.

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14. Februar 2001
 
#18 - 17:00
Au, meine Finger
Tozeur - Skyvan - Solo

Wer in die Wüste springt, muss auch wieder zurück springen. Die Skyvan landet auf der Oberfläche des getrockeneten Salzsees, vor der man uns gewarnt hat: Hart wie Beton. Rundherum Beduinen mit ihren Kamelen, der bunte Vogel schwebt ein und landet und steht dann in dieser Kulisse, als würde er dazugehören. Wir packen, ich mit viel Hilfe, und dann heißt es Abschied nehmen von der Abgeschiedenheit und zurück nach Tozeur. Jetzt wieder alleine aussteigen, bin zwar nervös, aber es geht. Mit viel Anlauf.

Weil der Tag schon abenteuerlich genug war, habe ich mir für den Sprung gar nicht viel vorgenommen, nach dem Exit liege ich wieder mal auf dem Rücken (das mag ich), und dann, wieder auf dem Bauch, leg ich die Arme an und fliege auf den Flughafen zu. Ziehe den Schirm, und es passiert: Nämlich viel zu lange gar nichts. Schreck. Versuche, nach oben, nach hinten zu schauen und es war wohl nur ein Hilfsschirm im Lee, denn in dem Moment, wo meine Hände zu den Trägern greifen (wo sie natürlich niemals hinsollen!) geht er doch noch auf, und meine Hände sind mitten in den Leinen, und das tut höllisch weh. Ohnehin noch Glück gehabt bei soviel Dummheit, sind nur ein paar gröbere Abschürfungen. Damit will ich nicht in den Wüstensand greifen, deshalb lande ich vorsichtshalber wieder einmal stehend.

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#17 - 15:00
Außenlandung Star Wars - Fotoshooting
Tozeur - Skyvan - "AFF" mit Klaus & Wolf

Wir brauchen ein paar AFF-Fotos für den Artikel in der SkyRevue, und die sollen einen hübschen Hintergrund haben. Daher werden sie auf einem Außenlandungsflug zur Star-Wars-Kulisse gemacht. Zur Abwechslung habe ich also wieder zwei Begleiter, Klaus rechts und Wolf links.

"Was soll ich tun?" frage ich, immerhin soll das doch gut ausschauen auf dem Foto. "Du machst ein Hohlkreuz und lachst freundlich. Den Rest machen wir."

Oben ein ganz normaler AFF-Exit, mit dem Unterschied, dass Wuzi, der Fotograf, schon außerhalb der Tür hängt und beim Kommando mitspringt. In der Luft lachen ist anstrengend, stelle ich fest. Zudem ist mein Hohlkreuz nicht hohl genug, was bedeutet, dass ich zu langsam falle: Viel langsamer als der Fotograf, zum Beispiel. Die zwei Profis an meiner Seite tun ihr Bestes, um uns trotzdem fotogen ins rechte Licht zu rücken. Dann ist Wuzi weg, auch Wolf entfernt sich, und Klaus zieht auf 2000m meinen Schirm, bevor er sich auch vertschüßt: Damit ich die Chance habe, das Zielgebiet zu erreichen, weil wir relativ weit weg sind vom Gelände, erfahre ich später.

Am Schirm hängend, atme ich erstmal tief durch. Fotogen dreinschauen ist anstrengend. Dann lasse ich mich von der Landschaft fesseln, Sanddünen und außerirdische Gebäude und ein Nomadenlager in der Ferne. Was für ein Geschenk, das in aller Stille von oben einschwebend sehen zu dürfen!

Ich hätte mich eher aufs Landen konzentrieren sollen, denn ich verfehle das Filmdorf um zwei riesige Sanddünen, und es ist ein weiter, mühsamer Weg zurück durch den schienbeintiefen Sand.

AFFSenf dazu? (0) • TB (0) • linkme
 
#16 - 14:00
Tozeur - Skyvan - Ausbildung/Üben

Irgendwie anders ist es jetzt: Ich bin ja schon allein gesprungen. Also kann ich das auch nochmal. Kann ich auch, obwohl ich im Bauch der Skyvan nach wie vor ziemlich blass aussehe. Exit diesmal sogar mit offenen Augen. Als der Rückwärtssalto sich auch tatsächlich wie ein Salto anfühlt und nicht wie ein Haufen wirr durcheinandergewirbelter Gliedmaßen, freue ich mich wie ein Kind. Tanze ein bisschen Walzer in der Luft: 1-2-3 links, und 1-2-3- rechts... Und dann die Arme angelegt und vorwärts-abwärts...

So begeistert bin ich von mir, dass ich am Schirm immer noch begeistert meinen Freifall-Abenteuern nachhänge und vergesse, auf die Windrichtung zu achten. Lande also mit dem Wind, zu meinem Glück ist er schwach.

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13. Februar 2001
 
#15 - 11:00
Tozeur - Skyvan - Ausbildung/Üben

Also gleich nochmal. Warum ich so panisch bin vor der offenen Tür verstehe ich immer weniger. Angst zu haben, wenn man einmal draußen ist, erschiene mir viel logischer. Habe ich aber nicht. Lasse mich zitternd auf 4500m tragen, nehme Anlauf mit geschlossenen Augen und... bin mitten in meinem ersten Solosprung.

Vor lauter Überraschung habe ich vergessen, Haltung anzunehmen, ich finde mich auf dem Rücken liegend wieder. He, das macht Spass! Ich versuche, liegen zu bleiben und schaue der Skyvan nach. Kommt da noch jemand raus? Nicht schnell genug, bevor ich die Rückenlage verliere. Wirble ein bisschen herum, bis ich die Bauchlage finde. Jetzt ein bisschen "flashen", also vorwärts fahren. Obwohl ich theoretisch weiß, dass ich die Arme nach hinten nehmen muss, um mich nach vorne zu bewegen, strecke ich sie zuerst automatisch nach vorne, wenn ich nach vorne will. Dann aber, leicht schräg und pfitscheschnell, dem Flughafen zu. Dann wieder bremsen, und noch eine Drehung vor dem Ziehen: Ist jemand zu sehen? Niemand.

Der Schirm geht auf, und ich schwebe den Rest des Weges zu Tal. Und kriege den ganzen Tag das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht.

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#14 - 10:00
Tozeur - Skyvan - Ausbildung/Üben mit Silvia

Silvia rettet mich. Silvia entwirft einen Sprung, bei dem wir Hand in Hand aus dem Flieger laufen und dann die Grundzüge eines Relativsprungs üben wollen.

Und das klappt. Mit fest geschlossenen Augen zwar, aber ich bin draußen, und man hat mich gar nicht ziehen müssen. Fast gar nicht. Draußen aber ist Silvia weit vor, weit unter mir, weil ich doch etwas zögerlich und ein bißchen wie eine fette Teichkröte aus dem Flieger bin, aber was macht das schon. Über die Distanz lachen wir uns freundlich zu. Und ich bin wieder einen Schritt weiter.

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