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Die Sorge um die Privatsphäre

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  Das Buch "Kraftorte - Geldquellen" ist von einer Klage bedroht, wenn nicht einige Passagen geschwärzt werden. Nachdem es seit April 2000 auf dem Markt ist, kam im Dezember 2001 die Familie E. aus der Umgebung von Karlsruhe drauf, daß sie in diesem Buch abgebildet sei und wollte gleich einmal ordentlich Schmerzensgeld kassieren. Tatsächlich abgebildet ist aber die Titelseite einer Werbebroschüre des dubiosen Multilevelmarketings "Die Chance zum Erfolg".

Im Text dazu heißt es: "Der seit langem als Scientologe bekannte Zvonimir Rupnik brachte Die Chance zum Erfolg nach Österreich. Er ist WISE-Mitglied, wie aus einer Scientology-internen Liste hervorgeht, und Geschäftsführer der U-Man International für Österreich. Diese Firma widmet sich hauptsächlich der Personalberatung und benutzt dabei den berüchtigten 200-Fragen-Test, mit dem auch Scientology Mitglieder wirbt. Rupnik ist mit einer eigenen Seite in der Internet-Kampagne von Scientology vertreten. Auf ebenso gleichförmigen Internetseiten, wie Scientology sie für ihre Mitglieder gestaltet, stellt Die Chance zum Erfolg ihre angeblich erfolgreichen MitarbeiterInnen vor. Über das zu verkaufende Produkt ist darauf natürlich nichts zu erfahren, die Rede ist immer nur vom 'Produkt'. Wer 'Die Chance zum Erfolg' ergreifen will und sich das Informationsmaterial bestellt, erhält um rund 450 Schilling (33 Euro) ein paar kopierte Zettel, eine Hochglanzbroschüre, Audio- und Videokassetten, aus denen wiederum nichts über das Produkt hervorgeht. Klar wird allerdings, daß den größeren Gewinn der Verkauf des Informationsmaterials bringt.

Aus einer Aussendung von Rosalba Asciutto aus Hatzenbühl (in der Nähe von Karlsruhe) auch an österreichische Adressen geht hervor, daß 'seit Dezember 1998 eine dritte Produktionslinie im Programm' der Chance zum Erfolg zu finden ist, nämlich Herbatel; spätestens jetzt weiß man, daß eine der beiden anderen 'Produktlinien' Herbalife ist. Dieser Zweig von Herbalife will billiges Telefonieren nach der bekannten MLM-Methode verkaufen. An Telefongesprächen der Geworbenen verdienen die WerberInnen mit, so die Vorstellung, die seit Februar 1999 in Österreich verwirklicht sein sollte. Die Realisierung wurde mehrmals verschoben; der letzte Stand war, auf Sommer 1999. Wie die Abrechnung funktionieren würde, ob es Datenschutz für die Kundschaft gäbe, all das blieb höchst unklar.

Die Broschüre mit junger Familie vor Eigenheim und dicken Autos auf dem Titelbild klärt die Neugierigen über die Notwendigkeit auf, der Arbeitslosigkeit mit neuen 'Industrien" und Eigeninitiative zu begegnen. In der Einleitung heißt es: "In Deutschland gibt es große Industriestädte - sie gehören zu den größten Sklavenarbeiter-Camps der Welt. Außerhalb des Zentrums liegen Wohnsilos, in denen Sklaven leben. [...] Tag für Tag, Jahr für Jahr ackern sie, bis der Boß entscheidet, daß es nun an der Zeit ist aufzuhören. [...] Es gibt trotzdem noch einen Schimmer von Hoffnung für diese Menschen. Er oder sie kann ihre Freiheit kaufen. Die Kosten sind nicht hoch, außer sie erscheinen denjenigen zu hoch, die nicht die Courage haben, den Preis zu bezahlen. Was ist der Preis? Jemand muß den Willen haben, sein eigener Meister zu sein.'"

Die Familie auf der Titelseite ist also tatsächlich eine solche und keine Gruppe von Models. Weil die Eltern nun angeblich wegen des Faksimiles die Sicherheit ihrer Kinder gefährdet sehen, wollten sie das Buch zuerst überhaupt verbieten lassen. Es dürfte ihnen mittlerweile selbst aufgefallen sein, daß sie samt ihren Kindern mehrfach im Netz zu sehen sind, sogar in mehreren Ausfertigungen der Broschüre: klein und größer als im Buch, vorallem aber für ein weitaus größeres Publikum. Ein weitaus aktuelleres Foto, als auf der faksimilierten Broschüre, noch dazu mit einer Telefonnummer versehen, bietet Familie E. auf der eigenen Website an.

Der Schluß liegt also nahe, daß es keineswegs um die Privatsphäre und die Sicherheit der Kinder geht, sondern vielmehr um Zensur, denn auch auch jene Passage des Textes, in dem über die Verwicklungen eines Scientologen in "Die Chance zum Erfolg" berichtet wird, ist Familie E. angeblich ein Dorn im Auge.

Bild und Textpassage müssen nun geschwärzt werden, während alle Welt sich die Familie samt ihren merkwürdigen Angeboten auf den Bildschirm holen kann.

Auf dieser Website gibt es einen Link (über das angebotene "Touchphone"), der deutlich macht, daß es um Herbalife geht.

Die Vermutung, daß es sich beim Versuch, das Buch verbieten zu lassen, um reine Zensur gegen Kritik an MLMs handelt, wird weiters untermauert durch jene Websites, die Herr E. sonst noch betreibt, beispielsweise:

http://www.interzoom.net/
http://www.interzoom.org/Besucherlisten/login.lasso


Zuerst erschienen: www.awadalla.at, 23.4.2002