STAR TREK: DEEP SPACE NINE

... ein Nachruf

Wenn ich daran denke, wie ich zuerst ernorme Schwierigkeiten hatte, Zugang zu der Serie zu finden, dann muß ich schon schmunzeln. Zu diesem Zeitpunkt war es noch so, daß ich nichts als sonderlich spannend empfand, was den Namen STAR TREK trug und das nicht mit der Art von Abenteuern eines Captain Kirks konform ging. Schließlich kannte ich die Original-Serie so lange, wie ich zurück denken konnte. Sie hatte mir zusammen mit SPACE: 1999 (MONDBASIS ALPHA 1), BATTLESTAR GALACTICA und CAPTAIN FUTURE im wahrsten Sinne die Kindheit vergoldet. Die Einzelabenteuer der NEXT GENERATION hätten mich nie zu einem Sinneswandel bewogen. Erst der komplexe DS9-Kosmos mit seinen zusammen hängenden, komplizierten und hintergründigen Geschichten beeinflußte meine Meinung dermaßen, daß ich letztendlich ein STAR TREK-Fan wurde, der sich mit allen Serien beschäftigt. DS9 ist unlängst mein persönlicher Favorit und hat selbst bei mir die CLASSICS vom Thron geholt. Aus meiner Sicht war STAR TREK: DEEP SPACE NINE die große SF-Bereicherung in den 90ern schlechthin.

Sieben Staffeln lang hatten mich diese Geschichten in ihrem Bann gezogen. Und dabei waren ausgerechnet die ersten beiden Seasons die Wichtigsten. Viele Fans empfanden gerade diese Zeit als zu wenig spannungsgeladen und übersahen leider dabei, daß zu aller erst, neben der Einführung der neuen Charaktere, das gewaltige DS9-Universum geschaffen und veranschaulicht werden mußte. Dieser Grundrahmen war ungleich komplexer als all die Dinge, die vor Ausstrahlung des DS9-Pilotfilms bei STAR TREK bekannt waren. Den Hauptanteil in diesem Rahmen hatten die Beziehungen zwischen Bajor und Cardassia, sowie die Abgesandten-Rolle von Commander Sisko und seine Verbindung zu den Propheten.

An dieser Stelle möchte ich gerne die einzelnen Stationen der Serie nochmals nacherzählen, um sie für mich und dem Leser vor dem geistigen Auge Reveu passieren zu lassen.

Ich persönlich halte im Nachhinein Seasons No. 02 und 03 für die gelungensten der Serie, denn die Handlungen waren subtiler und hintergründiger als in den späteren, actionbetonteren Jahren. Im zweiten Jahr war der Gamma-Quadrant noch kaum erforscht und strahlte somit einen geheimnisvollen Zauber aus. Absolut begeistert war ich von der Hinzunahme von Louise Fletcher als Vedek Winn. Niemand anderes hätte diese an sich widerliche Rolle so mit Leben füllen können. Mit dem Paralleluniversum und den alten Klingonenveteranen Kang, Kor und Koloth schlug man nebenbei den Bogen bis zu den CLASSICS zurück.

Ab dem dritten Jahr, kurz nach der Einführung des Dominions, gab man der Action wieder mehr Bedeutung. Zum ersten Mal in der Geschichte von STAR TREK hatte die Föderation es mit einer derart nachhaltigen und übermächtigen Bedrohung zu tun. Damit bescherte man uns die Art von Spannung, wie man sie bislang bei STAR TREK nur ein einziges Mal fühlte und zwar beim TNG-Zweiteiler BEST OF BOTH WORLDS.

Aber auch auf der zwischenmenschlichen Ebene tat sich einiges. Mochte ich anfangs vor allem die Sticheleien zwischen Odo und Quark, sowie den bodenständigen Chief, so waren mir nun auch die anderen Charaktere ans Herz gewachsen. Sisko war nun mehr mitten im Geschehen, Bashir war nicht mehr der unreife Junge und Kira´s Haß auf die Cardassianer konnte ich endlich verstehen. Und diese Rasse wurde für mich immer interessanter, nicht zuletzt ihre bekanntesten Vertreter: Garak und Gul Dukat.

Machte die dritte Staffel einem Angst und Bange, so bekam man in der actionreichen vierten Season wieder neuen Mut. Die Defiant als einzige Waffe gegen das gesamte Dominion war ein Witz, und so stattete man die Station zu einer echten Festung aus. Das die Verteidigung von DS9 jetzt mehr als bloß fünf Photon-Torpedos zu bieten hatte, mußten die Klingonen am eigenen Leib spüren, als sie die Station in dem Eröffnungszweiteiler angriffen. Zudem stieß der in GENERATIONS zum Lt. Commander beförderte Worf zur DS9-Crew. Worf war sofort eine große Bereicherung für die Serie, die inzwischen Kinofilm-Qualität erreicht hatte. Aber schon längst waren mir die Hauptfiguren und deren Belange ungemein wichtiger, als dieser gesamten Dominion-“Zyklus“. Ja, wie unschön es vielleicht klingen mag, aber DS9 galt für mich ab sofort als die perfekte Fernsehseifenoper. Selbst eine LINDENSTRAßE konnte, für meinen Geschmack, damit nicht mehr konkurrieren - so sehr waren mir alle Figuren der Serie ans Herz gewachsen. Leider wurde die Episode, die ausschließlich in Quarks Bar stattfinden sollte, nie realisiert.

Und in dieser unkonventionellen Soap konnte es niemals langweilig werden, denn im STAR TREK-Universum war nichts mehr so, wie man es mal gewohnt war. Auf eine extreme Wende im Alpha-Quadranten folgte die nächste noch drastischere. Dieser Trend wurde auch in der fünften Staffel beibehalten. Nach der Krise mit den Klingonen, wurde der Khitomer-Vertrag erneut unterzeichnet. Dafür ging Cardassia mit dem Dominion eine Allianz ein und das auch noch mit Gul Dukat als Führer des cardassianischen Reiches. Eine weitere interessante Nebenrolle wurde der Vorta Weyoun.

Im Gegensatz zu anderen SF-Serien wurde beim Konzept von DS9 nicht ständig dann gefeilt, wenn die Zuschauer mal wieder nicht das sahen, was sie wollten. Zugegeben, einige Änderungen in der Serie wurden aufgrund schwankender Einschaltquoten eingeführt, aber im Grunde genommen zogen die Macher der Serie ihr Ding durch ... ohne Rücksicht auf Verluste. Und so kam es, das einiges dieser Staffel gar für mich, als eingefleischter DS9-Fan, zu heavy und realistisch waren. Der kurze Ausflug auf die gute alte Enterprise von Captain James T. Kirk konnte an dieser düsteren Stimmung nicht rütteln. Am Ende dieser Season bricht letztendlich der totale Krieg zwischen der Föderation und dem Dominion aus. Und nun stellten viele sich die Frage, ist dies noch die Vision von Gene Roddenberry? Sicherlich, denn das Verlangen nach Freiheit und Selbstentfaltung waren wesentliche Bestandteile dieser Vision. Die Bürger der Föderation wollten all dies nicht aufgeben und eine friedliche Lösung war (noch) nicht in Sicht ...

Die sechste Staffel begann mit dem großartigen Sechsteiler, der sich mit der Zurückeroberung der Station beschäftigte. Grandiose Schlachten und Spezialeffekte wurden geboten, wie sie sonst nur in Kinofilmen zu bestaunen waren. Am Eindrucksvollsten war jedoch Nana Visitor´s Darstellung als Major Kira unter der neuen Besetzung. Das mit Odo kurzfristig eine Hauptfigur die Seiten wechselte, hätte man von STAR TREK vermutlich auch nie gedacht. Und als wenn das alles nicht genug wäre, mischten sich die Propheten in den Krieg ein und verschlossen das Wurmloch für das Dominion.

Die weiteren Folgen brachten zusätzliche Neuerungen mit sich. Man stellte eine kleine genetisch, veränderte Menschengruppe vor, die schlechte Prognosen für den Krieg bereit stellten. Zum ersten Mal sah man das Geheimnis umwitterte Orion-Syndikat, daß erschreckender Weise mit dem Dominion sympathisierte. Bekanntschaft machte man auch mit der Sektion 31. Diese Untergrundorganisation der Föderation, die nichts mit dem Geheimdienst der Sternenflotte zu tun hatte, besaß für die Gewährleistung der Sicherheit innerhalb der Föderation ihre ganz eigenen unmoralischen Methoden. Außerdem bekamen die in der fünften Staffel vorgestellten Pagh-Geister mehr Bedeutung. Die falschen Propheten und Feinde der Wurmlochwesen warteten in den Höhlen Bajors auf ihre Chance, selbst ihren Platz im "Himmelstor" einzunehmen. In der letzten Episode wurde Jadzia dann von einem Pagh-Geist besessenen Gul Dukat getötet.

Für mich war das leidige Thema allerdings die siebte und letzte Staffel von DS9, die mittlerweile auch das deutsche Free-TV vollkommen ausgestrahlt hat. Gut, zuerst begann das letzte Jahr mit dem gewohnten Niveau und einem Eröffnungsknall, wie man es von der Serie gewohnt war. Ezri wurde darin vorgestellt. Sie war die neue Trill, die den Dax-Symbionten trug. Kira wurde zum Colonel befördert und Sisko, der, wie es sich herausstellte, auch noch von einem Propheten erzeugt wurde, fand einen Weg, das von Dukat verschlossene Wurmloch wieder zu öffnen. Die Gründer wurden mit einer seltsamen Krankheit infiziert und Gul Dukat ist weiterhin von den Pagh-Geistern besessen.

Nach COVENANT ließen aber mehrere Folgen zu wünschen übrig - zumindest aus meiner damaligen Sicht. Wie neu und niedlich Ezri auch sein mochte, aber es gab für mich zu viele Episoden, die sich in erster Linie mir ihr beschäftigten. Irgendwie schien auch alles schon einmal dagewesen zu sein. Zuerst versuchte ich noch, alles zu beschönigen, aber das half meiner gnadenlosen Beurteilung auch nichts. Ich ging einfach von zu hohen Erwartungen aus. Jetzt, wo ich diese Episoden mittlerweile mit ein bischen Abstand nochmals sah, gefielen sie mir doch plötzlich sehr gut und ich erinnerte mich belustigter Weise daran, wie mir diese Serie bei den ersten Malen überhaupt nicht gefiel.

Das Finale ist aber separat zu betrachten, denn dieses wurde kolossal. Vielleicht war es sogar etwas zuviel für meine armen Nerven ... Ein paar Jahre zuvor behauptete ich noch, wenn DS9 enden wird, dann nur mit einem Zehnteiler. Genau dies traf dann ja auch zu. Das Dominion bekam mit den mysteriösen Breen einen weiteren starken Verbündeten. Im Kriegsgeschehen taucht auch noch Sektion 31 auf, die hinter der Krankheit der Gründer steckten. In einer vom Krieg abgeschnittenen Handlung brachte Gul Dukat in der Maske des Bajoraners Anjohl Kai Winn dazu, sich den Propheten abzuwenden und den Pagh-Geistern anzuschließen, um diese aus den Feuerhöhlen zu befreien. Währenddessen wurden die cardassianischen Landsleute von Dukat vom Dominion nur als Bürger zweiter Klasse behandelt. Aus dieser Misere heraus versuchten die Cardassianer unter der Führung von Damar, sich dem vermeintlichen Alliierten zu entledigen, um ihre Freiheit zurück zu erlangen. Der ehemals übermächtige Feind aus dem Gamma-Quadranten führte letztendlich einen Zwei-Fronten-Krieg. Das Dominion wußte, das es verlieren mußte, kämpfte aber dennoch bis zur letzten Sekunde, um all ihren Feinden den vermeintlichen Sieg so bitter wie möglich schmecken zu lassen. Den Schluß bildete der unumgängliche Showdown zwischen Sisko und Dukat (mit Kai Winn), der von vielen als zu enttäuschend und lächerlich empfunden wurde. Ich hingegen war von dieser Szene total hingerissen, denn sie war 100%ig klassisch. Die Parallelen zu dem Kampf zwischen James R. (!) Kirk und Gary Mitchell (mit Dr. Dehner) aus der nicht minder genialen CLASSIC-Episode WHERE NO MAN HAS GONE BEFORE waren geradezu offensichtlich, aber auf keinen Fall unangenehm. Nur dumm, daß der STAR TREK-Kuschelsender den Abschlußzweiteiler so verstümmelt hat. Im Original kann man jedoch z. B. sehen, wie sich meine Lieblingsfiguren Garak und Bashir voneinander verabschieden.

Gibt es eine Zukunft für meine Lieblingssoap? Jaein! Da alle wichtigen Plots zu Ende geführt wurden und Sisko, Odo, die O´Briens, Worf, Rom, Leeta und Garak die Station verließen, besitze ich nicht gerade viel Hoffnung für eine eventuelle Weiterführung dieser Geschichten. Trotzdem hat man sich ein winziges Hintertürchen für eine mögliche Fortsetzung offen gelassen hat. An einen DEEP SPACE NINE-Kinofilm glaube ich allerdings überhaupt nicht, gerade jetzt nach dem kommerziellen Flop von STAR TREK - NEMESIS. Zudem könnte ein DS9-Film für die große Leinwand den Geist der Serie nur dann wiederspiegeln, wenn dieses Spektakel mindestens so lange wie GONE WITH THE WIND (VOM WINDE VERWEHT) andauern würde. Die einzige echte Alternative wären Fernsehfilme, da in dieser Form nun mal andere Möglichkeiten existieren, als bei einer wöchentlichen Serie oder einem Film für das popkornverzehrende Publikum. Zudem würde es für STAR TREK eine Premiere bedeuten, da sie bislang noch keine Filme fürs Fernsehen gedreht haben.

Stattdessen könnte man natürlich auch eine neue Serie entwickeln, die dort weiter macht, wo DS9 aufhörte - nämlich nahe dem bajoranischen Sektor. Damit hätte man die Möglichkeit weitere Geschichten um Bajor und Cardassia zu erzählen. Einige Darsteller von DS9 wären dann sicherlich zumindest in Gastrollen zu sehen.

Sollte aber  nichts Neues mehr von DS9 erscheinen, könnte dieser Show dennoch in den kommenden Jahren durch zahlreiche Wiederholungen genau das widerfahren, was auch damals mit den CLASSICS geschehen ist. DEEP SPACE NINE war eben anders als die anderen STAR TREK-Serien und vielleicht wird sie irgendwann den gleichen Kultstatus besitzen wie die CLASSICS. Verdient hätte sie es.

Sisko und ein Jem-Hadar - Auge in Auge mit einem Feind

Sisko und ein Jem-Hadar,
Auge in Auge mit einem Feind


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