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Die folgenden Zeilen habe ich zusammengetragen, um denjenigen, der sich für den Seekajaksport interessiert und voll auskosten will, einige Ratschläge bei der Anschaffung seiner Ausrüstung zu geben. Sie sind insbesondere für denjenigen gedacht, der den Seekakaksport ernsthaft im Einer- Kajak betreiben will. Auf Faltboote wird nicht eingegangen, ebenfalls nicht auf überholte oder unwichtige Ausrüstungen.

Jeder Kanusportler hat im Laufe seiner Aktivitäten Erfahrungen gemacht, die sich in seiner Ansicht zur Ausrüstung wiederspiegeln. Meist verteidigt er seine Ansichten zur Ausrüstung und schwört darauf. Je länger die Praxis, je mehr wird er zum Profi und Vorbild für Neulinge. Was da aber teilweise an Empfehlungen manchmal herauskommt, ist oft mehr als haarsträubend. Manche Profitipps kann man auch als „fahrlässige Tötungsversuche“ bezeichnen. Ich möchte nicht in die gleichen Fehler verfallen und werde daher zu meinen Empfehlungen und Meinungen jeweils detaillierte Begründungen angeben.

Unter Seekajakfahren verstehen wir heute, das Befahren der Küsten, der Weltmeere, der Ozeane und wie es im deutschen Sprachgebrauch üblich ist: die See. Auch das Befahren von großen Binnenseen zählt ab einer bestimmten Größe zum Seekajaksport. Wo die Grenzen allerdings genau liegen, wo das Seekajakfahren anfängt und das Kanuwandern aufhört, ist wahrscheinlich noch nie definiert oder festgelegt worden, muss wohl auch nicht sein.

Das Seekajakfahren ist so vielfältig, wie der übrige Wander- und Wildwassersport. Je nach Mut, Können und Ausdauer findet jeder seine Möglichkeiten:

Man kann seine Runden gemütlich im sicheren Hafenbecken drehen, oder seinen Schutz in einer großen Gruppe suchen. Man kann aber auch seinen Bug auf die offene See lenken und z. B. Helgoland anlaufen. Man kann in den Aland- Inseln seine Route so planen, dass keine Stelle breiter als 1000 m ist, oder von Schweden aus zu den Alands starten, um sich die Kosten für die Überfahrt zu sparen. Man kann in den Eiswüsten der Nord- und Südhalbkugel paddeln oder aber seine Paddelreviere so planen, dass das Paddelwasser immer mindestens 25 ° warm ist. Man kann sich in den Gezeitenströmen tummeln oder auf gezeitenlose Seen seine Bahnen ziehen Man kann einen wunderschönen handgearbeiteten Holz-Eski mit einem handgeschnitzten Eskimopaddel aus mehrfach verleimten Hölzern spazierenfahren und damit an einem sicheren Steg ab- und anlegen, oder mit einem unverwüstlichen PE- Boot an einer Felsenküste eine gekonnte Landung hinzaubern. Man kann stundenlang in der Brandung spielen. Man kann Tagesfahrten unternehmen aber auch große Reisen durchführen. Man kann aber auch tagelang den Wetterbericht abhören, über das ideale Boot und die richtige Ausrüstung diskutieren und dabei das Seekajakfahren vergessen.

Wo liegen heute unsere Grenzen?
Wenn zu Rittlinger’s Zeiten, also vor ca. 50 Jahren, mit den Faltbooten Seesprünge von ca. 50 km gemacht wurden, so sind heute Inselsprünge von bis zu 100 km möglich. Wir haben in der Zwischenzeit Satellitennavigation, der Umgang mit dem GPS ist Usus geworden. Wir haben inzwischen bedeutend schnellere und sicherere (dichtere) Boote, wir haben weltweit gute, in Europa sogar sehr gute Wetterprognosen für alle Bereiche der See, im englischen Kanal kann man zum Beispiel Radio Bremen empfangen und somit eventuelle Sprachschwierigkeiten umgehen. Die Frage ist hier nur, wie lange können wir sitzen und wie lange kommen wir ohne Schlaf aus.

Die Grenzen im Winter liegen da, wo die Temperaturen den Null-Gradbereich unterschreiten, so dass die Wasseroberfläche, bzw. Boot und Paddel langsam anfangen zu vereisen. Auch hier hat sich bei der Ausrüstung eine Menge getan, so dass die kalte Witterung im Winter nicht unbedingt ein Grund ist, von der See wegzubleiben. Beim Wind hört der Spaß bei Stärke 6 von vorn auf, da steht man in der Regel auf dem Fleck, sofern man keine Strömung als Unterstützung hat. Die Wellen auf Nord- und Ostsee haben bei Stärke 6 dann die Höhe erreicht, die ein Kajakfahrer noch einigermaßen beherrschen kann. Im Wattenmeer auf den Watten liegt die Grenze bei 7-8, und zwar an dem Punkt, an dem man nicht mehr in der Lage ist, das Paddel zu halten.

Im Wattenmeer kann man Ebbe und Flut so ausnutzen, dass die Wellenbildung kein Grund ist, die Fahrt abzubrechen, nur muss der Wind dann wenigstens von der Seite, besser noch von hinten kommen.

Die Ausrüstungen

Das Boot
Ob Schwedenform, ob Fischform, ob Eskimoform, ob hohes Vorschiff, breites Boot, flaches Boot oder sonst irgendein Merkmal, das Boot muss schnell sein. Der Seekajakfahrer will in der Regel von seinem Startpunkt aus sein Ziel in möglichst kurzer Zeit, mit möglichst vielen Kraftreserven erreichen. (Unvorhergesehene Belastungen kommen von allein.)
Ein schnelles Boot ist überlebensnotwendig, um sich bei aufkommendem Schlechtwetter, so schnell wie möglich, in Sicherheit zu bringen oder sich bei Gegenwind eben weniger zu quälen, da das Boot schneller läuft. Bei Gegenwind bewegt sich ein schnelles Boot noch vorwärts, während das langsame Boot bereits rückwärts abtreibt.

Ein sehr schnelles Boot wäre ein ausgedienter Rennkajak, mit seinen 5,20 m Länge und über 5 m Wasserlinie. Daran ist seit Jahrzehnten geschnippelt, gefeilt und experimentiert worden, so dass die ideale Unterwasserform für Schnelligkeit herausgekommen ist. Leider sind diese Boote so wackelig, dass sich der normale Seekajakfahrer mit solch einem „Seelenverkäufer“ auf einem ruhigen See nicht in der Waagerechten halten kann, geschweige denn im Seegang. Wir müssen also Kompromisse machen. Das Boot muss immerhin noch eine so große Kippstabilität haben, dass man sich einen Pullover oder eine Jacke draußen auf See aus- oder anziehen kann. Knickspantboote sind im Leinenkajakbau, im Faltbootbau und im Sperrholzeigenbau unumgänglich. Als moderne schnelle Seekajaks kann man diese Boote nicht bezeichnen. Mir ist es unverständlich, dass sich einige Bootsbauer an der Knickspantform festgebissen haben, da im Rennsportbereich, egal ob im Wildwasser, Rennkajak, im Segelsport, im Motorsport oder sonst wo kein Boot mit Knickspant ins Rennen geschickt wird. (Optimisten ausgeschlossen, sind eine besondere Klasse und alle Boote im Rennen haben die gleiche Form)

Ein Seekajak muss auch nicht unbedingt eine Eskimoform haben, doch haben sich diese Bootsformen, aufgrund ihrer ästhetischen Schönheit, im Seekajaksport heute weitgehend durchgesetzt. Im Seebereich stören die langen Nasen oder langen Steven im Vorschiff und meist auch im Achterschiff nicht. Sie geben aber den Booten ein rassiges Aussehen, um so rassiger, je länger sie ausgeführt sind. Wie schon erwähnt, müssen die Boote so konstruiert sein, dass man draußen auf See mal eine Kamera zur Hand nehmen kann und was viel wichtiger ist, die Oberbekleidung wechseln kann. Ein 180 cm ca. 80 kg schwerer Fahrer wird Boot mit ca. 55 cm Breite wählen, aber ein 100 kg - Mann, der eventuell seine 2 m erreicht, wird in diesem Boot schon Balance-Schwierigkeiten haben. Das heißt mit anderen Worten: Die Breite, aber auch das Volumen des Kajaks muss der Person und der Verwendung angepasst sein. Spantformen wollen wir einmal aus dem Spiel lassen.

Leider hat es sich in den letzten Jahren durchgesetzt, für Boote nur das Volumen anzugeben. Von hohem Nutzen wären aber auch die Wasserlinien leer und beladen, sowie die Wasserverdrängung leer und beladen.

Details sind aber eigentlich viel wichtiger und auch schnell zu erkennen.:

Bootsgewichte
Dem Rennfahrer braucht man nichts über Bootsgewichte zu erzählen. Der Wanderfahrer wird neidvoll vor einem Rennboot stehen, sofern er es einmal in die Hand genommen hat, egal ob Slalom, Wildwasser oder Flachwasser- Rennboot. In Rennkajakkreisen weiß man eben, dass ein leichtes Boot schneller ist als ein schweres. In Seekajakfahrer-Kreisen ist man teilweise immer noch der Ansicht, dass es gut schwimmt, wenn es einmal auf dem Wasser liegt. Das ist nicht der Fall! Jeder Zentimeter mehr Tiefgang macht das Boot langsamer. Im schweren Seegang muss das Boot immer wieder vom Stillstand auf Fahrt gebracht werden.

Auf dem Bootsdeck muss man sich auch nicht unbedingt zu mehreren setzen oder herumlaufen. 25 kg für ein 5,5 Meter langes Seekajak müssen im Polyester-Bereich voll ausreichen. Aufgrund des bedeutend schwereren Gewichtes von PE-Booten, lehne ich diese persönlich ab. Entweder sind sie zu weich oder sind zu schwer, außerdem lassen sich Änderungen und weitere Einbauten nur mit Schrauben einwandfrei bewerkstelligen.

Abschottungen
Seit Jahren ist zu beobachten, dass immer mehr Bootshersteller Boote mit 3 Schottwänden ausrüsten, eine vorne, die so weit wie möglich an die Füße bzw. Steuerpedalen reicht und hinten zwei. Die Schottwand hinter dem Sitz sollte so weit wie möglich an die Sitzluke eingebaut sein oder aber, was viel besser ist, der Sitz bildet gleichzeitig die Schottwand. Bei einer Leckage bleibt ein solches Boot beladen manövrierfähig. Unter günstigen Voraussetzungen merkt man es noch nicht einmal, dass Wasser eingedrungen ist. Eine Schottwand und eine Ladeluke ist, verglichen mit dem Preis für die Gesamtausrüstung, unwesentlich.

Der Sitz als Schottwand für den Laderaum hinter der Sitzluke spart den Einbau einer separaten Schottwand. Das spart Gewicht und hat außerdem den Vorteil, dass das Volumen des Cockpits, in dem man sitzt, auf ein Minimum beschränkt wird. Außerdem entstehen hinter dem Sitz keine Dreckecken. Ein vollgelaufenes Cockpit ist durch einmaliges Anheben der Bootsspitze leer und nicht erst beim zehnten Mal.

Die Ladeluken
sollten so groß sein, dass man wenigstens mit dem Kopf hinein kann, um seine Ausrüstung zu orten. Auch wenn die runde, 20 cm große Valley-Luke, heute immer noch als die Sicherste und Dichteste gilt. Die Entwicklung von Ladeluken mit größeren Öffnungen wird wohl noch weiter gehen. Schottwände aus PE- Schaum haben sich in den letzten Jahren durchgesetzt. Sie werden mit Sikaflex eingeklebt. Sofern starre Schottwände aus Polyester einlaminiert werden, müssen diese Schottwände schräg eingesetzt, oder das Boot muss unnötigerweise schwer gebaut werden, um Beschädigungen am Bootsrumpf im Bereich der Schottwände zu vermeiden. (Dort kann der Boden bei Grundberührung nicht nachgeben.)

Die Sitzluke
Für einen 180 cm großen Mann ist sie mindestens 80 cm lang. Die optimale Sitzluke hat auch vorne einen ausreichend abgerundeten Süllrand. Die spitze Luke gefährdet nur die Spritzdecke! Die Länge ist ausreichend, wenn man ohne auf dem Hinterschiff herumzurutschen, in die Luke kommt. Man kann auf lange Seefahrten die Knie auch schon mal aus der Luke herausschieben, sofern die Witterungsverhältnisse dies erlauben. Außerdem muss man in der Praxis immer einmal beim Anlanden schnell aus der Luke. In der Vergangenheit und vielleicht auch noch heute spricht der eine oder andere Kajakfahrer, bei kleinen Luken, von einer sportlichen kleinen Luke oder er bezieht sich auf die Eskimos mit Ihren winzigen Luken, oder sie kommen mit dem Argument der Undichtigkeit. Auch die Seekarte, die noch vor der Luke befestigt werden muss, wird als Argument angeführt. Das ist alles Schnee von gestern. Die Devise muss auch auf See heißen: Sportlich paddeln und nicht sportlich Ein- und Aussteigen.

Das Skeg

Ein Boot mit einer angearbeiteten Flosse lehne ich ab. Begründung: Das Boot ist immer kursstabil, auch wenn ich es wenden will. Spielereien in der Brandung sind nahezu unmöglich. Es ist bedeutend besser, das Boot mit einer ausfahrbaren Flosse auszurüsten. Die kann man dann verwenden, wenn ein kursstabiles Boot gebraucht wird, wenn z.B. der Wind von achtern oder schräg achtern ständig das Heck in den Wind drehen will. Seit Jahren gibt es dieses Skeg bei Zölzer, formbar wie eine Fischflosse. Bei langen Distanzen mit ungünstigem Wind hat man dann die Möglichkeit, mit der Flosse den Kurs zu korrigieren. Ein weiterer Vorteil dieser Steuer-Anlage ist, dass das Ein- und Ausfahren mit den Füßen betätigt wird, die Hände bleiben am Paddel. Zum Wenden ist es besser das Boot mit dem Paddel in eine andere Richtung zu bringen. Bei dem Zölzer- Steuer nimmt man dafür kurz die Füße von den Pedalen, damit das Skeg ins Boot zurückschwenkt und wendet dann das Boot.

Integrierte Steueranlagen in Edelstahl, die einige Kilo wiegen, kann ich nicht mehr empfehlen, da sie die Boote unnötig schwer machen und außerdem für den Schwenkbereich teilweise einen faustgroßen Hohlraum im Unterschiff haben, in dem sich das Wasser verwirbelt und das Boot wieder unnötig langsam macht.

Die Rundumleine
Ein Seekajak wird erst zum Seekajak mit einer Rundumleine. 6 mm Schotleine (ist für die Hände konzipiert) die ca. alle 50 cm am Bootsdeck fixiert ist, hat sich bewährt. (Für zarte Händchen werden bis zu 10 mm Leinen verwendet). (Sind die Abstände wesentlich länger als 50 cm, kann man auf den Bootsbauer seine Rückschlüsse ziehen.)

Zum Nachrüsten eignen sich am besten die runden Decksbeschläge mit 2 Durchführungen aus Finnland. Durch das zweite Loch werden Gummibänder, 4 - 5 mm im Zick Zack, übers Deck gespannt für Seekarte und Kleinigkeiten, oder es werden Decksnetze daran befestigt. Aber Vorsicht, wenn`s zur Sache geht, fliegt alles runter von Deck. Wer es übertreibt mit der sogenannten Decksladung, fährt das verkehrte Boot oder was öfter der Fall ist, er ist zu faul zum Packen.

Die Bilgepumpen
Ob man sein Boot mit einer Lenzpumpe ausrüstet, hängt weitgehendst von den Fahrkenntnissen des Einzelnen und insbesondere von seiner Bootsbeherrschung ab. Wer sein Boot jahrzehntelang nicht verlassen hat, wird es auch höchstwahrscheinlich in den nächsten Jahrzehnten nicht tun und kann folglich auf eine Pumpe verzichten.

Eine montierte Handpumpe auf dem Deck ist auf jeden Fall absoluter Blödsinn, da in einer Krisensituation höchstwahrscheinlich draußen die See sehr rauh ist und man im Boot sitzend das Paddel nicht loslassen kann. Sofern ich die Pumpe neben dem Boot schwimmend betätige, kriege ich aus dem Cockpit nur das Wasser raus, welches dauernd wieder reinschlägt. Ich selbst führe bei Gruppenfahrten eine mobile Handpumpe mit, die ich nicht für mich mitnehme, sondern für meine Schützlinge, bei denen ich nicht genau weiß, was sie alles unterwegs anstellen. Die „Zölzer“-Fußpumpe ist auf jeden Fall eine gute Alternative, da sie preiswerter und auch leichter, als die Henderson- Pumpe, ist. Bei der Verwendung einer Elektropumpe ist zu berücksichtigen, dass die Anlage, insbesondere der Akku, ständig gewartet und geprüft werden muss.

Toggels, Handgriffe
Diese können aus Holz, Kunststoff oder Alu gefertigt sein. Sie hängen aber nicht dauernd im Wasser, sondern werden mit Gummiband aufs Deck zur Rundumleine abgespannt. Beim Benutzen geben die Gummibänder nach.

Das Decksnetz
Sieht toll aus. Bei Schönwetterbedingungen für Kleinigkeiten gut zu gebrauchen. Wenn´s zur Sache geht, fliegt allerdings meist alles von Deck.

Die Deckstasche
Ich bin kein Freund davon, ständig Deckslasten zu fahren. Auf Großfahrten ersetzt die Deckstasche aber den Daypack und kann vorübergehend benutzt werden, um zum Beispiel den frisch gekauften Proviant für die nächsten Tage, nur ein kurzes ruhiges Stück, zum Lagerplatz zu bringen. Also wenn man kein gewagtes Unternehmen vor hat.

Der Staukasten
Vor dem Süllrand unter Deck ist meist ausreichend Platz für einen kleinen Staukasten, der die vielen Kleinigkeiten aufnehmen kann, die man beim Paddeln schnell mal braucht.

Das Paddel
Es ist im wahrsten Sinne unser Handwerkszeug. Ein guter und erfolgreicher Handwerker weiß gutes Werkzeug zu schätzen. Wenn du am Boot eventuell gespart hast, beim Paddel sparst du am falschen Teil. Es ist bei den Spitzenfahrern heute aus Carbon, hat eine Rennkajakform mit meist 80° Schränkung, ist bei 180 cm Körpergröße ca. 215 cm lang und wiegt ca. 900 g. Beim Gewicht ist zu beachten, daß das Gewicht in den Blattspitzen das unangenehmste ist, da hier der Schleudereffekt am höchsten ist. Ein schwerer Paddelschaft macht sich nicht so nachteilig bemerkbar. Nicht das Hochhalten des Paddels ist das Problem, sondern das ständige Beschleunigen und Abbremsen des Paddelblattes. Spezielle See- und Sturmpaddel konnten mich bis jetzt nicht überzeugen, schon gar nicht die Eskimolatten. Bei Windstärke 8 B. kann ich mein Paddel noch so lange sicher halten bis ich mich hinterm Deich oder eine Düne in Sicherheit gebracht habe.

Die Spritzdecke
Diese muss sitzen wie ein Trommelfell, damit kein Wasser unter dem Süllrand ins Boot läuft. Es sei denn, man freut sich jedes mal über das Betätigen der eingebauten Lenzpumpe. Spritzdecken dichten an der Süllrandaußenkante ab und nicht mit der Gummikordel unter dem Süllrand. Heute fährt immer noch jeder zweite Seekajakfahrer mit einer schlecht sitzenden Decke. Der Seekajakfahrer wird immer mal wieder kräftig reinhauen müssen, ob er will oder nicht. Also wählt er eine atmungsaktive Paddelbekleidung. Ein großer Teil wird aber von der Spritzdecke bedeckt. Also kann es nicht schaden, wenn die Spritzdecke auch atmungsaktiv ist. Die einzige atmungsaktive Spritzdecke auf dem Deutschen Markt ist unsere Avilastik-Spritzdecke. Das elastische Material gleicht Toleranzen im Süllrand aus und sorgt somit für einen einwandfreien Sitz.

Der Lukendecke
Der hat sich an der Küste, nicht nur gegen Regen sondern auch gegen Sand und unliebsame Blicke ins volle Cockpit bewährt. Beim Autotransport sollte er ebenfalls sitzen wie ein Trommelfell.

Die Kartentasche
Die ist DIN A3 groß und wird an den 4 Ecken an der Rundumleine über den vorderen Spritzdeckenteller befestigt. Die Befestigung muss so ausgeführt sein, dass das schnelle Öffnen der Spritzdecke noch möglich ist. Klettbäder sind dafür am Besten geeignet. Zur Zeit sind nur Zölzer- Kartentaschen mit Dichtschiene ausreichend dicht. Sie werden quer zur Fahrtrichtung befestigt.

Die Sicherheitsausrüstungen

Die Schwimmweste
Es gibt zur Zeit nur eine spezielle, kurze Rettungsweste für Seekajakfahrer von Secumar mit Patrone und 15 kg Auftrieb.
Feststoffwesten nehmen nur diejenigen, die ihre Weste ständig tragen und nicht mit dem Flieger auf Reisen gehen. Im Sommer ist sie viel zu warm.

Die Paddelsicherung
Die Paddelsicherung wird nicht nur gegen Verlust des Paddels gebraucht, sondern wird viel öfter zum Weglegen benötigt. Muss man einmal das Paddel aus der Hand legen, z. B. zur Kameradenhilfe, so schmeißt man es einfach ins Wasser. Es hängt sicher an einer 4 mm dicken Gummikordel, die an beiden Seiten mit Klettband versehen ist.

Das Nico Signal
Das sollte man in jedem Boot oder am Körper griffbereit dabei haben. Ein bis zwei weiße Patronen zum Abfeuern können nicht schaden, wenn zum Beispiel eine Fähre auf Kollision näher kommt. Rot schießt man nur bei äußerster Gefahr!

Das Paddelfloat
Selbst der beste Eskimotierkünstler kann einmal fassungslos neben seinem Boot schwimmen. Zu zweit sollte es keine Schwierigkeiten bereiten, wieder ins Boot zu kommen. Alleine ist es ohne Hilfsmittel fast unmöglich, sofern man nicht von unten einsteigen und sich wieder aufrichten kann. Wenn man die Rolle nicht einwandfrei beherrscht, muss bei Alleinfahrten ein Float zum Aufblasen mitgeführt werden, mit dem man sich wieder in die Normallage bringen kann. (Wenn man` s kann)

Das Paddelschaftfloat
Es wird in der Regel permanent am Paddelschaft befestigt und steht nach einer Kenterung in wenigen Sekunden mit 15 kg Auftrieb zum Wiederaufrichten zur Verfügung, ohne das Boot zu verlassen und ohne das Paddel los zu lassen.
Bei langen und ruhigen Fahrbedingungen kann es allerdings auch griffbereit auf Deck befestigt werden. Nach einer Kenterung wird es wie ein sogenanntes Rollingfloat benutzt.

Die Schleppleine
Je größer eine Fahrtengruppe, je größer ist der Unterschied in der Leistung. Außerdem wird die Möglichkeit mit steigender Teilnehmerzahl immer größer, dass es mit einem Mitfahrer Schwierigkeiten gibt.
12 m Zugleine auf dem Heck, in einem Säckchen sauber verpackt und an einem Panikhaken befestigt, sorgt hier für Abhilfe.

Der Treibanker
Dient in der christlichen Seefahrt seit Jahrhunderten bei Unfällen und schwerem Wetter um die Bootsnase in den Wind zu halten und die Abdrift auf ein Minimum zu reduzieren.
Wenig bekannt ist die Möglichkeit des Antreibens in der Strömung. Im Wattfahrwasser kommt man auch noch gegen Wind 7 - 8 Beaufort an.

Das Werkzeugtool

Ich habe mich nach eingehenden Studien für ein Original Leatherman entschlossen. Klein, leicht und mit brauchbaren Werkzeugen. Wenn man zu Mehreren eine Fahrt unternimmt, dann besser noch Tools von anderen Firmen, da dann weitere Werkzeuge zur Verfügung stehen. Zwei Messer am Tool sind Dummheit.

Das Reparaturmaterial
Auf Großfahrt hat man außer TESA an Bord, in der äußersten Ecke: Sikaflex, PVC- Kleber, Air- Stop, Bänder, Bindedraht und einige PVC- Stoffreste.

Der Kompaß
Für gelegentliche Ausflüge auf See reicht ein Marschkompass allemal, der in der Regel dicht ist. Wer ständig auf See paddelt, entschließt sich für einen Einbau oder Peilkompass.
Den Einbaukompass hat man immer dabei, erfordert aber einen weiteren zum Peilen. Den Peilkompass vergisst man schon mal oder er kann abhanden kommen, wenn man vergisst, ihn zu sichern. Er sollte so angebracht sein, dass man ihn vom Sitz aus mit der Hand erreicht und aus der Halterung ziehen kann, um so genaue Querpeilungen vornehmen zu können. Eine Beleuchtung kann nicht schaden, vor allem wenn die Tage kürzer geworden sind.

Das Rundumlicht
Dieses sollte auch wirklich rundum zu sehen sein. Als höchsten Punkt haben wir leider nur unseren Kopf. Die vorschriftsmäßigen Lampen sind für unsere Belange absolut unbrauchbar. Es gibt aber einige Alu- Taschenlampen, die entweder einen Schalter haben oder entgegen der Mac Lite nach Abdrehen des „Kopfes“ angehen. Das freiliegende Halogenlicht ist dann am Hut oder Stirnband gut sichtbar.

Das Radio
Ein Brauchbares kostet zwar über 250,00 Euro, aber es erhöht bei größeren Abständen zum sicheren Landeplatz die Sicherheit. Die Kleinen haben Handygröße. Es ist aber ratsam, sich auch schon Zuhause mit den verschiedenen Sendern und Zeiten vertraut zu machen. (Vergesse die Reserve- Batterien nicht, das gilt auch für alle anderen batteriebetriebenen Geräte, sonst sind sie nur unnötiger Ballast.)

Das Handy
Auch hier haben wir ein Energie- Problem. Für eine Woche sind die Dinger abgeschaltet brauchbar, dann kommt die Meldung: Unterspannung. Allerdings werden die Leistungen immer besser. Es gibt schöne absolut dichte PVC-Hüllen von Aqua Pac für das Handy, dann kann man auch neben dem Boot schwimmend telefonieren.

Das GPS
Als letztes Mittel vor dem Seenotfall. Beim Inselspringen, insbesondere wenn mit schlechter Sicht zu rechnen ist, kann es nicht schaden. Man muss ja nicht unbedingt den ganzen Tag danach fahren, besonders wenn das Ziel zu sehen ist. Der erfahrene Seefahrer weiß so oder so, wann er ankommt und wo er sich in etwa befindet. Allerdings müssen unbedingt Übungsfahrten mit dem GPS durchgeführt werden, damit man im Notfall damit einwandfrei arbeiten kann.

Das Kursdreieck, (Lineal) Marinezirkel
Man kann nachweislich alle spektakulären Inselsprünge in Nordeuropa ohne diese Dinger knacken. Es sieht aber beeindruckend aus, wenn man damit gekonnt in der Seekarte rumfummelt. Die Anschaffungskosten und der Ballast im Boot ist unwesentlich. Wie sieht ein Handwerker aus, der sich mit unzureichendem Werkzug behilft.

Der Bootswagen
Der Bootswagen ist das lästigste Teil, welches wir dabei haben. Es macht uns aber auch unabhängig. Man muß nicht unbedingt da lagern wo man an Land geht. 3-5 km bis zum Campingplatz sind an der Nordsee keine Seltenheit und geben einer Seefahrt ihren besonderen Reiz. Der ist bis jetzt, der am besten bewährte Bootswagen. Obwohl er schon recht klein ist, gibt es doch immer Probleme, ihn zu dem anderen Krempel ins Boot zu kriegen.

Man sollte bedenken, dass der Bootswagen nicht nur zum Überwinden des Strandes gebraucht wird. Auch andere, breitere und größere Räder am Bootswagen, laufen da nicht von allein. Am weichen Strand kann man öfter eine Pause einlegen oder meistert die wenigen 100 m zu zweit. Auf den festen Wegen läuft er dann wieder fast von allein, sofern man genug Luft in den Rädern hat. Zwischenzeitlich gibt es die Zölzer- Bootswagen auch mit Schaumreifen, das spart neben Flickzeug und Pumpe ca 500 g Gewicht. Der einfachste und leichteste Bootswagen ist neuerdings der Baltrum mit 1,5 kg. Auch der Bootswagen gehört nicht unbedingt aufs Deck.

Die Paddeljacke
Diese ist heute natürlich atmungsaktiv, hat abgedeckte Latexmanschetten und eine Kapuze, die jederzeit zur Verfügung steht. Zölzer verwendet Avilastik, ein mit PU beschichtetes weiches Gewirke, das die Bewegungen der Arme nicht behindert. Auch nach Stunden Dauerregen hält sie noch angenehm dicht. In Sonderanfertigung kann sie mit der entsprechenden Spritzdecke als Einheit gefertigt werden.

Die Bekleidung an Land

Fleece hat sich als Unter- und Oberbekleidung bewährt, nicht nur beim Paddeln. Alles in doppelter Ausführung, eins zum Trocknen, eins zum Tragen.
Darüber einen Regenanzug mit Kapuze, dazu Rollsocken von Zölzer und Teva-Sandalen (oder andere wasserfeste Sandalen) mit denen man auch einen heftigen Regen beim Landgang und beim Angeln überstehen kann. Die Paddelsachen sind in der Regel nach dem Paddeln klatschnass und auch meist salzig.

Der Trockenanzug
Vor 30 Jahren habe ich den Trockenanzug zum Gebrauchsmuster angemeldet und war damit der Zeit um einiges voraus. Zwischenzeitlich gibt es die Anzüge in nahezu jeder Preisklasse. Allerdings gibt es nach meiner Kenntnis keinen Anzug, der den Belangen der Seekajakfahrer auch nur annähernd genügt. Dass die Latexmanschetten der allergische Punkt der Anzüge ist, hat sich in Wassersportkreisen rumgesprochen.
Daher ist es mir unverständlich, warum nahezu alle Anzüge mit 5 Latexmanschetten ausgerüstet werden, wo doch 2 oder höchstens 3 ausreichen. Das Erste was bei unserem Sport kalt und naß wird, sind die Füße. Die werden aber in irgendwelche Schutzhüllen gepackt, anstatt in wasserdichte Füßlinge mit dicken warmen Socken. Damit ist der Anzug schon um 40% störunanfälliger und man hat den Anzug in der halben Zeit gewechselt, ganz zu schweigen vom Trocknen der Fußbekleidung.

Der neue Zölzer- Trockenanzug ist aus Purlastik gefertigt, einem weichen PU-beschichteten Gewirke, mit Knie- und Gesäßverstärkungen im Sitzhaltungsschnitt, hat angearbeitete Füßlinge, einstellbare Neoprenarmmanschetten und zusätzlich „versteckte“ Latexmanschetten, senkrechten Frontreißverschluss, der bis in die Neoprenhalsmanschette reicht und unten so lang ist, dass man auch mal kann, wenn man muss. Das Oberteil ist mit einem Spritzschutz ausgestattet, damit das Wasser nicht hinter den Spritzdeckenschacht laufen kann. Eine Innentasche und zwei Armtaschen vervollständigen das gute Stück. Durch den Frontreißverschluss ist es möglich sich im Boot sitzend des Oberteiles zu entledigen. Der Anzug ist nicht für Seekajaker konzipiert, die ständig mit dem Kopf nach unten paddeln oder ständig hinter ihrem Boot her schwimmen.

Die Bodenschutzplane
Sie ist eigentlich für Faltboote zum Schutz gegen Dreck zwischen den Spanten konzipiert. Sie kann aber auch zum Wassersammeln, als Notsegel, Signalfläche, Vorzeltplane etc. benutzt werden. Sie belastet Geldbörse und Ausrüstung unwesentlich.

Die Packsäcke
Das beste Boot kann einmal Leckschlagen oder es sammelt sich Kondenswasser. Wichtige Ausrüstungen werden noch einmal extra in wasserdichten Säcken verpackt. Diese Säcke müssen nicht unbedingt aus den dicksten Materialien sein.

Fotografieren

Seewasser ist nicht nur naß, sondern auch salzig. Das weiß zwar jeder, man kann aber nicht genug darauf hinweisen, wie problematisch der Umgang mit Salzwasser ist. Ich benutze zur Zeit eine Spiegelreflexkamera mit Elektronik. Damit werden aber keine haarsträubenden Aufnahmen mehr wie in der Vergangenheit gemacht, sondern lasse diese lieber in einer Reißverschluß-Fototasche verpackt für Landgänge. Für Fotos in der Brandung, Dünung, etc. habe ich mir zwischenzeitlich die Nikonos angeschafft mit leider nur 35mm Objektiv. Das gibt zwar immer nur Weitwinkelaufnahmen und meist ist das Motiv zu klein, weil man sich als Spiegelreflex-Fotograf sehr schlecht daran gewöhnt, die Entfernung vorher einzustellen, bzw. zu schätzen.
Es gibt zwar zwischenzeitlich eine ganze Reihe von spritzwasserdichten Kameras auf dem Markt, nach meiner Erfahrung und Gesprächen mit anderen Fotografen ist man sich aber einig, dass die Bildqualität nicht über Knips-Qualität hinaus geht.

Zwischenzeitlich gibt es auch eine Spiegelreflex-Kamera von Nikon, allerdings zu einem relativ hohen Preis. Die Nikonos hat auch noch den Vorteil, dass man in klaren Gewässern sogar noch hie und da Unterwasserfotos schießen kann. Wem die Anschaffungskosten für die Nikonos zu hoch sind, der schaue sich auf dem Gebrauchtmarkt um. Bei trockenem, ruhigen Wetter, kann man natürlich gut mit der Spiegelreflex-Kamera aus dem Cockpit fotografieren.


...wird fortgesetzt