Geschichte oder Propaganda
Piotr Gontarczyk, (Zycie vom 9. Juli)

polish version
 
Originalübersetzung unter der Adresse: http://www.pai.pl/jedwabne/niem/geschichte_oder.htm

Zusammenfassung der Debatte zum Buch von Jan Gross "Sąsiedzi" [Die Nachbarn]

Ungefähr vor einem Jahr ist eine inzwischen bekannt gewordene Arbeit von Jan Tomasz Gross unter dem Titel "Sasiedzi" erschienen. Kein anderes Buch, das in den letzen Jahren in Polen herausgegeben worden ist, hat so reges Interesse geweckt. Kein Wunder - seine Haupthesen greifen nämlich eindeutig das historische Bewusstsein der Polen an.

Nach dem Szenario von Gross ist es den Polen, den Einwohnern von Jedwabne, am 10. Juli 1941 eingefallen, all die Juden, die dort wohnten, zu töten. Wie geplant, so getan. Zuerst hatten die städtischen Ratsherren einen Vertrag über Judenausrottung mit Gestapo unterschrieben, dann machten sich die Einwohner von Jedwabne an die Arbeit. Viele Stunden lang peinigten sie ihre Nachbarn, ein Teil von denen haben sie mit Äxten, Brecheisen und Bajonetten niedergemetzelt, anschließend wurde der Rest in einer Scheune verbrannt. Auf diese Weise sollte die polnische Gesellschaft 1600 seiner jüdischen Nachbarn getötet haben. Die Deutschen, die damals die Gebiete von Lomza besetzten, sollten nur an der Seite stehen und Fotos machen, wie die Polen die Juden töteten. Manche Gendarmen wollten sogar die Juden retten, nur die Polen haben es nicht erlaubt.

Das Buch wurde ziemlich kalt von vielen Historikern empfangen, die von Anfang an auf die mit bloßem Auge erkennbaren Mangeln hinwiesen. Bogdan Musiał aus dem Deutschen Geschichteinstitut hat auf die Analogien zwischen "Sasiedzi", der Ausstellung "Verbrechen der Währmacht" und dem Buch von Daniel Goldhagen "Gorliwi kaci Hitlera" [Eifrige Hitlernhenker] [hier sind Goldhagens "Hitlers willige Vollstrecker" gemeint - WK.] gezeigt - die beiden erwähnten Unternehmungen sorgten im Westen für ein Medienaufsehen, bis sie als primitive Quellenmanipulation entpuppt worden sind. Jemand anderer verglich die ganze Angelegenheit zu der Karriere der Tagebücher von einem gewissen Wiłkomirski, dessen Buch neulich im Westen als einen der wertvollsten und authentischsten Berichte über Holocaust, der in letzten Jahren herausgegeben worden ist, gepriesen wurde. Nur - wie es später ans Tageslicht kam - hatte Wiłkomirski all das ausgedacht, weil er keinesfalls ein Jude ist und nie ein Opfer von Holocaust war...

Kritische Bemerkungen wurden auch von vielen anderen Wissenschaftlern angemeldet. Eine bewundernswerte Verstandsnüchternheit und ohne Zweifel auch einen Zivilmut zeigte Prof. Jerzy Eisler. Bei der Diskussion über "Sąsiedzi" in dem Institut für Geschichte PAN [Polnische Akademie der Wissenschaften] sagte er laut, dass, wenn ihm ein Student ein Buch solcher Art als eine Magistereiarbeit gebracht hätte, wuerde er ihn zur Tür hinauswerfen. Trotz kritischer Begutachten der Kritiker hat das Buch von Gross einen großen Beifall von der Medienseite gefunden. Aus dem Verbrechen in Jedwabne wurde das Thema des Tages, und das ganze Ereignis wurde mit einer mystischen Geschichtsphilosophie umgeben. Der Autor von "Sąsiedzi" wurde zu einem Propheten, der dank seinem bahnbrechenden Gesichtspunkt und ausgezeichneten Qualifikationen eine echte Epochenentdeckung gemacht hat. Proben einer wissenschaftlichen Verifikation der Thesen, die in seinem Buch aufgestellt wurden, wurden als etwas fast Unsittliches, beinah ein Sakrileg gesehen. Fast in jeder Ausgabe von "Wprost" und "Polityka" erschienen Artikel zur Jedwabne. Die größte Kampagne hat "Gazeta Wyborcza" entfesselt - jeden Tag analysierte man geschichtssphilosophischen, soziologogischen, psychologischen, philosophischen und metaphysischen Sinn dieses polnischen Verbrechens, dessen ein anderer Aspekt am vorangehenden Tag besprochen wurde. Mangel am Bewusstseingefühl der Gegenwärtigen für Ereignisse vor 60 Jahren - ich wurde vor dreißig Jahren geboren - wurde von Marek Beylin mit etwas, was an eine Krankheit erinnert, die durch "Gleichgültigkeitsvirus" übertragen wird ("GW" vom 2. Dezember 2000), verglichen.

So zeigten sich also Schuldbekenntnisse und Büßerrituale. Immer mehrere Autoritäten schlugen sich an die Brust und gleichzeitig entschuldigten sich für unser gemeinsames Verbrechen. Das moralische und intellektuelle Niveau dieser Angelegenheit spiegelt am besten der Fall des Präsidenten Aleksander Kwasniewski wider. Auch er fühlte sich schuldig und wird sich für uns alle entschuldigen. Er wird es wohl mit der gleichen Ehrlichkeit und mit der gleichen tiefsten Reue tun, wie es auch der Fall war, als er sich auch im Namen von Millionen Polen im Knesset für die Verbannung der Juden im Jahre 1968 entschuldigt hatte. Nicht für sich, nicht für seine Partei (PZPR) [Polnische Vereinigte Arbeiterpartei], die damals diese Millionen nicht ganz demokratisch regierte. Und in seiner Kanzlei, als wäre nichts geschehen, arbeiten nach wie vor Genossen, die diese antijüdische Hetze im Jahre 1968 vorbereiteten.

Im März 2001 ließ sich bei der Angelegenheit ein Misston bemerken. An die Archivakten, die Jedwabne betreffen und aufgrund der Verwirrtheit bezüglich der Erschaffung des IPN [Institut des Nationalen Gedenkens] unerreichbar waren, kamen die Historiker. Sofort stellte es sich heraus, dass irgendwas mit diesen "Sąsiedzi" nicht stimmte. In der Presse erschienen einige Artikel, in denen ernste Vorwürfe dem Buch von Gross gegenüber gemacht wurden: mangelhaftes Grundwissen, zahlreiche faktische Fehler, Umgehen der unbequemen Quellen, notorische Verschweigungen und Manipulationen. Es ging durchaus nicht um irgendwelche Einzelheiten, sondern um völlig grundlegende Tatsachen, die über die Glaubwürdigkeit des Buches entscheiden. Aus den Archivakten folgt nämlich, dass das Verbrechen in Jedwabne nicht der Einfall von den Polen war, wie es auch Gross darstellte, sondern eine geplante Hitlerpolitik auf den nach dem 22. Juni 1941 besetzten Territorien. Die Deutschen beschränkten sich nicht nur auf das Photographieren der Ereignisse, sie waren der eigentliche Anstiftungsfaktor, der zu der Tragödie der jüdischen Einwohner von Jedwabne führte. Die Polen dagegen verübten keinen mystisch - rituellen Mord, sondern verhielten sich verschiedenartig. Die einen, die durch historische Bedingungen, Kriegsverwilderung oder durch beide Faktoren gleichzeitig in den Wirr der Ereignisse hineingezogen wurden, nahmen an dem von den Deutschen geplanten Verbrechen teil. Die anderen wurden dazu von den Nazis gezwungen. Es gab auch welche, die Juden retteten.

Auch weitere sehr bedeutungstragende Fragmenten aus dem Ablaufszenario von Gross - so wie die Einigung über Mord unterschrieben von der Gestapo und den "Stadträten" aus Jedwabne - stellten sich als eine traurige Folge der Ignoranz gemischt mit der großen Vorstellungskraft des Autors heraus.

Auf so ein Diktum im April 2000 wurde die Mehrheit von Medien auf einmal stumm. Die einen spürten, dass sie sich lächerlich gemacht hatten, die anderen dagegen warteten auf künftige Ereignisse. Da das Maß der Vorwürfe, die an die Adresse von "Sąsiedzi" angemeldet waren, sehr groß war, stand Jan Tomasz Gross vor einer einfachen Alternative: entweder musste er mit sachlichen Argumenten beweisen, dass er im Recht ist, oder er sollte die Thesen und Behauptungen, die er in "Sąsiedzi" publiziert hatte, wiederrufen. Tertium non datur - sagt man - Gross aber hat trotzdem den dritten Ausweg gewählt. Indem er das Wesen des Streites ganz verfehlte, fing er an, seine Gegner in den Schmutz zu ziehen. Am meisten wurde der Professor Tomasz Strzembosz betroffen, der zu einem Geschichtefälscher und Antisemiten erklärt wurde. Gross zu Hilfe eilte die zuverlässige "Gazeta Wyborcza", die den wissenschaftlichen Vorwürfen eines beachteten Professoren gegenüber ungewöhnliche Beweisgründe beigebracht hat. Es hat sich erwiesen, dass Strzembosz moralisch dazu nicht berechtigt war, "Sąsiedzi" zu kritisieren, weil er keinen richtigen Lebenslauf hat: immer so unbeugsam, ein Patriot und dazu noch der Pfadfinderbewegung ergeben. Hätte er doch zugelassen haben, von Hegel gebissen zu werden, hätte er ein Buch über den General Swierczewski geschrieben oder wenigstens ein Gedicht über "Sonne Stalin".

Interessant - aber auch nicht unerwartet - ist, dass eine andere Zeitschrift, die versuchte, den Professoren Strzembosz in einen üblen Ruf zu bringen, die Monatsschrift "Więź" war. Dort wurde nicht ganz sachlicher und taktvoller Angriff herausgegeben, der von dem Professoren Israel Gutman aus dem Institut Yad Vashem in Jerusalem stammte - der ein einflussreicher Anhänger von Gross ist. Der Standpunkt dessen Wissenschaftler ist nicht neu. Früher war er ein eifriger Anhänger und ein prominenter Promotor der erwähnten Tagebücher von Wiłkomirski. Als jener Schwindel entlarvt worden ist, trat er an dessen Seite. Er schrieb, dass das Tagebuch von Wilkomirski möglicherweise (!) nicht ganz echt sei, der Schmerz des Autors sei aber so authentisch, dass sein Buch sowieso ein wertvoller Beitrag in die Geschichtsphilosophie des Holocausts sei.

Damit es noch lustiger wird, wird die englischsprachige Ausgabe von "Więź" mit dem Text von dem Professor Gutman in polnischen diplomatischen und konsularischen Vertretungen als etwas verteilt, was einigermaßen für die offizielle Stellungnahme der polnischen Regierung im Bezug auf Jedwabne steht. Und wie kann man Polen also nicht als ein Land der allgegenwärtigen Paranoia nennen?

Zwar beinhalten die Publikationen von den Professoren Gross oder Gutman keine sachlichen Argumente, denen man die Aufmerksamkeit schenken sollte, sie sind aber ein interessantes Bild für die ganze Diskussion. Sie sind ein greifbarer Beweis dafür, dass es heutzutage viel billiger, einfacher und sicherer ist, aus jemandem einen Geschichtefälscher und einen Antisemiten zu machen, als einer sachlichen Diskussion die Stirn zu bieten.

Zusätzlich hat das Institut des Nationalen Gedenkens ernsthaftere Untersuchungen zur Jedwabne angefangen. Seine Bestimmungen in ihrem vollen Umfang haben die früher von den Historikern gestellten Einwände bestätigt. Es wurden Unterlagen gefunden, die darauf hinweisen, dass eine Gruppe von Deutschen, die Haupttäter des Verbrechens war, wahrscheinlich ein Kommando von Schaper aus Ciechanów war. Die Exhumierung an Ort und Stelle des Verbrechens brachte weitere wichtige Informationen. Es hat sich erwiesen, dass am verhängnissvollen 10. Juli 1941 150 -160 Juden, und nicht 1600 ums Leben gekommen sind, und was es noch wichtiger erscheint, hat man Kugeln und Patronenhülsen, die eindeutig die tatsaechliche Rolle der Deutschen bezeugen, gefunden. Es erschien die erste Zivilladung vors Gericht gegen den Verfasser von "Sąsiedzi". Sein Autor ist Kazimierz Laudański, dessen Vater, Czesław, Gross zu der Gruppe der aktivsten Teilnehmer am Verbrechen gezählt hatte. Es besteht kein Zweifel daran, dass das Recht in diesem Streit der Kläger hat: Archivdokumente wiesen eindeutig darauf hin, dass sein Vater, nachdem er aus dem russischen Gefängnis entlassen wurde, am 10. Juli 1941 sehr krank war und an den tragischen Ereignissen nicht teil nahm. Er war ein Opfer, kein Verbrecher. Einige Monate vorher erschienen zu dem Thema die ersten Pressemittelungen, Gross wiederholte in "Rzeczpospolita" alle früher gegen Czeslaw Laudanski gestellten Anschuldigungen und Vorwürfe ("RZ" vom 21. April 2001). Auch als der Autor von "Sasiedzi" aus der Presse über die Ladung erfahren hat, war er sich immer noch sicher. Er erklärte, dass das Gericht eine Entscheidung darüber treffen wird, wer Recht hat und zusätzlich fügte er etwa amüsant dazu, dass "Glaubwürdigkeit des Buches bis dahin, noch von Niemandem in Frage gestellt wurde" ("RZ" vom 16. Juni 2001).

Eine Woche später aber, wahrscheinlich nach einer Besprechung mit einem Rechtsanwalt, hat er radikal die Meinung gewechselt. Er publizierte in "Rzeczpospolita" eine sehr interessante Erklärung. Darin hat er festgestellt, dass er, den Irrtum" betreffend Czeslaw Laudański, einige Zeit früher erkannt hätte, und vor der Fahrt nach Polen, noch in Amerika, Schritte unternommen hätte, um die Folgen dieses Irrtums abzuschaffen ("RZ" vom 23. Juni 2001). Hat Gross etwa vergessen, was er einige Tage zuvor sagte? Was interessant vorkommt, gibt es in der erwähnten Erklärung kein Wort "Entschuldigung" und nicht einmal eine Spur von Reue wegen einer grundlosen Verleumdung. Es befinden sich dort aber weitere Unterstellungen an Czesław Laudański. Diese Angelegenheit richtet eindeutig das Licht auf die Frage der Glaubwürdigkeit von "Sąsiedzi" und der öffentlichen Aussagen von Jan Tomasz Gross. Jeder von uns kann sich irren und wir alle machen Fehler. Ein rechtschaffener und verantwortungsvoller Wissenschaftler ist aber verpflichtet, auf öffentlich gestellte Einwände zu antworten und eine sachliche Stellung zu den Bemerkungen anderer Historiker zu nehmen. Außer, man betrachtet die Wahrheit als ein Instrument - Historiker dieser Art beurkunden bis zum letzten Moment urbi et orbi über ihre Unfehlbarkeit, sie schwindeln, spekulieren, und bekennen sich zu einem "kleinen Irrtum", erst dann, wenn sie Angst vor dem Gericht haben.

Ungefähr im April dieses Jahres ist "das polnische Verbrechen" in Jedwabne fast völlig aus den Schlagzeilen der Presse verschwunden. Auffällige Titel, geschichtsphilosophische Analysen und Büßerrituale sind weg. Nur "Gazeta Wyborcza", nach der alten Pererel - Methode [Abk. von PRL - Volksrepublik Polen], nach der "sich die Regierung von alleine ernähren wird", ist in ein dem Jedwabne benachbartes Städtchen gezogen. Nun beschäftigt sie sich mit "einem polnischen Verbrechen in Radziłów". Die Geschichte erzählen vorwiegend ungenannte Zeugen (niemand, außer Autoren des Artikels hat sie gesehen), damals waren sie kleine Kinder. Auch Personen, die schon nach dem Krieg geboren sind. Aber trotzdem - sie wissen alles gut und fast "alles" haben sie gesehen. Die Geschichte schreibt sich selber: entweder ein katholischer Geistlicher schickte Pfarrkinder, damit sie einem Juden den Hals abschneiden und ihm Gold holten ("GW" vom 2. April 2001), oder ein vorkriegszeitlicher Pfarrverweser "hasste Juden so sehr, dass, wenn er betrunken war, in Fenster eines [jüdischen] Nachbarn schoss" ("GW" vom 16. April 2001). Diesbezüglich gibt es keine Gerichtsakten, so wie es bei Jedwabne der Fall ist. Wer wird beweisen, dass es keine Wahrheit ist?

Was Gross betrifft, so ist der schweigsam geworden und vermeidet Journalisten. Das Fernsehen Plus hat sogar Aufnahmen gemacht, während er nach der ersten ungewollten Frage mit großen Sätzen davonlief. Neulich aber hat er eine Konferenz einberufen, während der er IPN für die Bestimmungen, die mit seinem Buch nicht übereinstimmen, scharf kritisierte. Er behauptete weiter, dass es in Jedwabne 1600 Opfer waren (und nicht ca. 200) sowie auch, dass für das Verbrechen die polnische Hälfte des Städtchens verantwortlich ist, die, "nachdem der Teufel auf die Erde heruntergekommen war", ihre Nachbarn ermordet hat. Er bekehrt zu der Ansicht über seine Mission und historische Rolle seines Werkes. Manche Journalisten haben diesmal schon gelächelt.

Trotz der Begeisterung von Medien und der Behauptungen von Gross selber, bringt sein Buch in die Wissenschaft nichts Neues oder Wertvolles. Ganz im Gegenteil - sowohl in dem Bereich des Geschichtevisiers als auch keineswegs der wissenschaftlichen Glaubwürdigkeit. "Sąsiedzi" ist eine typische Visitenkarte der pathologischen Ereignisse, die seit einer langen Zeit in den USA zu beobachten sind. Dort ist die Holocaust betreffende Literatur schon längst ein realitätsloser Teil der Massenkultur, mit allen dessen Folgen, geworden. Auch mit dieser, die am traurigsten ist: Menge ist an die Stelle der Qualität getreten. "Du kannst nicht viel, willst aber Karriere machen? Schreib ein Buch über Holocaust!" - dieses Prinzip hat fast vollständig die gegenwärtige amerikanische Geschichtsphilosophie bestimmt. Wenn du einen neuen fehlenden Kettenglied entdeckt hast (sollte ursprünglich die amerikanische Version von "Sąsiedzi" nicht gerade so einen Titel tragen?), wirst du bestimmt bemerkt. Danach bekommst du eine Einladung zu einer wissenschaftlichen Konferenz und eine wohlgemeinte Rezension in "New York Times". Nicht viele wissen in Amerika, wo Polen überhaupt liegt, desto weniger wahrscheinlich ist, dass jemand es nachprüfen würde, ob dein Buch in Ordnung ist.

Recht hatte wohl Professor Norman Finkelstein, der neulich in "Rzeczposplita" schrieb: "An die >> eifrigen Hitlerhenkers << [hier sind Goldhagens "Hitlers willige Vollstrecker" gemeint - WK.] erinnernd, haben >> Sąsiedzi <<, an manchen Stellen mehr, an manchen weniger erkennbares Firmenzeichen >> Unternehmen Holocaust <<. Unter >> Unternehmen Holocaust << verstehe ich Personen und Institutionen, die für politische und finanzielle Zwecke den Völkermord an Juden während des Zweiten Weltkrieges ausnutzen" ("RZ" vom 20 Juni. 2001).

Leider wird dadurch, dass Bücher solcher Art erscheinen, eine wahre Tragödie, die zur Folge Leben von Millionen europäischen Juden hatte, zum Gespött. Es macht auch Tätigkeit von denen lächerlich, die laut sagen, dass die Beziehung der Polen den Juden gegenüber nicht immer die beste war und dass es sich lohnt, die Wahrheit darüber zu schreiben, was wirklich passierte. Es herrscht in Polen heutzutage kein günstiges Klima für solide wissenschaftliche Untersuchungen, die unter Druck der lästigen Propaganda und modischer Trödelware stehen. Auch der Verlauf der öffentlichen Debatte zum Thema Jedwabne weist darauf hinaus, dass wir unter der Hinsicht der Orwellisierung der Geschichte und allgegenwärtiger intellektuellen Not schon eine Weltmacht sind, wenigstens nach Maß der USA.

Wir sollten uns nicht trügen - es gab bereits Wiłkomirski, es gab Goldhagen, und nach dem Gross werden andere kommen. Sie werden zu Helden von "Wprost", "Polityka" und "Wyborcza", werden in "Kropka nad i" und "Monitor Wiadomości" auftreten. Sie werden zu intellektuellen Herossen heranwachsen, die gerade einen großen Umbruch geleistet haben. Der Herr Präsident wird sich an die Brust gemeinsam mit den Kollegen aus der Kanzlei schlagen, auch andere werden Büßerrituale abliefern. Und was auch wenn sich jemand in einem gewissen Moment darin zurechtfinden wird?

Piotr Gontarczyk

back to the english home page

1