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Wirtschaft

Das Akzenta-Modell stockt


» Ermittler spricht von ähnlichem Schneeballsystem wie beim European Kings Club


Das Akzenta-System


Von Hansjörg Ryser

Biel- Die in den letzten Jahren aggressiv angeworbenen Kunden und Anleger bei Akzenta müssen um die ihnen versprochenen Auszahlungen bangen. Seit drei Jahren stagniert der Umsatz bei der von der EBK als illegales Schneeballsystem eingestuften Firma. Bereits 2003 konnte sie nicht mehr auf allen Kunden- und Anlegerverträgen «die Ausschüttungen entsprechend der aktuellen Prognose» leisten, wie aus dem Geschäftsbericht hervorgeht.

Die Akzenta ist auf Gedeih und Verderb vom Wachstum des Systems und damit der Umsätze abhängig. Nur so können die Rückzahlungsversprechen der Anleger eingehalten werden. «Die einzige Sicherheit ist der Umsatz», bestätigte Firmensprecher Volker Northoff gegenüber der SonntagsZeitung. Akzenta hat inzwischen die eigene Provision gesenkt, damit das fehlende Wachstum noch nicht allzu stark auf die Auszahlungen durchschlägt.

Hauptsächlich ist die Akzenta in Deutschland aktiv. Aber auch in der Schweiz wirbt sie aggressiv mit sagenhaften Umsatzbeteiligungen. Sie richtet sich vor allem an in finanziellen Belangen unbedarfte Gewerbler, Angestellte, Hausfrauen oder Arbeitslose.

Das System der wunderbaren Geldvermehrung funktioniert so: Kauft jemand beispielsweise bei einem Autohändler, der Akzenta-Partner ist, einen neuen Wagen, verspricht ihm die Akzenta, in den nächsten zehn Jahren den gesamten Kaufpreis aus den Ausschüttungen zurückzubezahlen.

Dieses Konzept bietet Akzenta dem Autohändler in Lizenz als verkaufsfördernde Massnahme an und kassiert eine Provision. Der Händler wiederum soll weitere Akzenta-Partner an Bord bringen.

Besonders verlässlich waren die Schweizer Vertriebskolonnen

Der für die Ausschüttung relevante Umsatz von Akzenta setzt sich aus den Provisionen und aus direkten Geldanlagen zusammen. Indem ein Anleger etwa Auszahlungen aus Lebensversicherungen oder Pensionskassen, Scheidungsabfindungen oder zusätzlich aufgestockte Hypothekarkredite bei Akzenta investiert, erwirbt er wie der Käufer des Autos Ausschüttungsrechte bei Akzenta. Für eine Einlage von 4640 Euro etwa stellt die Akzenta einen Ertrag von 25   000 bis 53   000 Euro in Aussicht.

Seit drei Jahren stagniert bei Akzenta nun aber der Umsatz bei etwa 25 Millionen Euro. Allein im letzten Jahr wäre eine Zunahme von 36 Prozent nötig gewesen, um die Versprechnungen erfüllen zu können. Bis im September sah es besonders trist aus. Erst im letzten Quartal konnten noch 12 Millionen Euro Umsatz erzielt werden, um überhaupt das Vorjahresergebnis zu erreichen.

Als besonders verlässlich erwiesen sich bei diesem Endspurt die Schweizer Vertriebskolonnen. In der Schweiz sind rund 170 Vermittler aktiv. Hochgerechnet auf die Zahlen aus dem Geschäftsbericht dürfte Akzenta in der Schweiz inzwischen rund 1700 Kunden mit über 12   000 Vertragsabschlüssen erreicht haben. Besonders erfolgreich wirbt der Bieler Fritz Stauffer, der im Januar 2005 einmal mehr als einer der 5 Top-Produzenten des Akzenta-Vertriebssystems ausgezeichnet wurde.

Josef Dettling erkennt sogar Wucher im System

Das Akzenta-System weckt Erinnerungen an das illegale Schneeballsystem des European Kings Club. Für Josef Dettling, den damaligen Ermittler und Schwyzer Untersuchungsrichter, geht Akzenta gar noch weiter. Unklar bleibt für ihn, wie Akzenta die Einnahmen für die Deckung der versprochenen Auszahlungen überhaupt generieren will. Die geringen Provisionen von den Akzenta-Partnern, die Schulungen oder die Software-Entwicklung dürften dazu kaum ausreichen. Eine der wichtigsten Einnahmequellen müssen laut Dettling deshalb die Direktanlagen sein.

«Bei Akzenta», kommt Dettling zum Schluss, «dürfte es sich nicht nur um eine illegales Schneeballsystem handeln, sondern auch um unlauteren Wettbewerb, indem die Akzenta-Partner Kunden mit falschen Versprechungen gewinnen». Auch unerlaubte Entgegennahme von Publikumsgeldern sowie Wucher erkennt Dettling im System. Wucher deshalb, weil Akzenta bis zu 28 Prozent der Umsätze als Kommission einbehält.

In Deutschland, erwidert Akzenta, sei das System durch die Behörden geprüft worden. Auch figuriert die Firma auf der Beobachtungsliste der Deutschen Finanzmarktaufsicht Bafin. «Bisher liegt aber kein strafbares Verhalten vor», betont Akzenta.

Immerhin musste Akzenta 2003 ein Ausschüttungsprodukt auf Geheiss des Bafin einstellen. Und die Finanzbehörden haben Akzenta der Umsatzsteuerpflicht unterstellt und zwar rückwirkend bis zur Markteinführung 1998. Dies seien auch die beiden Hauptgründe für die Umsatzstagnation, schreibt Akzenta.

In der Schweiz hat die Eidgenössische Bankenkommission (EBK) schon im Juni 2004 in Akzenta ein illegales Schneeballsystem erkannt und beim Untersuchungsrichteramt Biel-Seeland eine entsprechende Strafanzeige eingereicht. Dort ist das Verfahren seither hängig. Unbedarfte Anleger riskieren, wegen Teilnahme an einem unerlaubten Glücksspiel bestraft zu werden. Zudem müssen sie gewärtigen, bei einem Zusammenbruch von Akzenta auch die nicht erhaltenen Ausschüttungen versteuern zu müssen.

Die Anzeige der EBK blieb bisher ohne Folgen. So können Akzenta-Partner weiter unbehelligt werben. Schweizer Statthalter von Akzenta ist der Bieler Velohändler Erwin Burkhalter. In den Neunzigerjahren verkaufte Burkhalter «Letters» des European Kings Club, wie der damalige Berner Untersuchungsrichter Andreas Jenzer bestätigt. Nach fast drei Monaten Untersuchungshaft wurde Burkhalter ohne Anklage wieder frei gelassen. Er will keine Stellung nehmen und verweist an Akzenta. «Davon ist der Akzenta AG nichts bekannt», schreibt diese.

Bekannt hingegen ist Akzenta die Vergangenheit ihres Firmengründers, Ulrich Chmiel. Dieser wurde Mitte der Neunzigerjahre in Schaffhausen zu 12 Monaten Gefängnis bedingt wegen Betrugs und Veruntreuung verurteilt.

Das Akzenta-System
Der «Umsatz» von Akzenta besteht aus Geldanlagen und Gebühren. Dieses Geld schüttet sie, minus Provision, wieder als Beteiligungen aus.
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