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Richard Hamilton. I'm dreaming of a White Christmas

Kunst - Glossar

Richard Hamilton

24. 2. 1922 London

britischer Maler und Grafiker; gilt als Vater des englischen Pop; Vertreter der fotografischen Collage; schuf in virtuoser Mischung darstellerischer Techniken Zyklen von ausserordentlichem Anspielungsreichtum. Hamilton arbeitete auch mit Siebdruck-Technik. Anfang der 1990er Jahre entstanden nach dem Prinzip der Collage Arbeiten am Computer, die er dann auf Leinwand übertrug und übermalte.

www.wissen.de



Richard Hamilton

Geboren 1922 in London. 1934 nimmt er Abendkurse für Kunst. 1936 arbeitet er in der Werbeabteilung einer Elektrofirma. Er besucht das Westminster Technical College und die St. Martin's School of Art. 1937 arbeitet er in der Werbeabteilung der Kunst- und Werbestudios Reimann. 1938 beginnt er ein Studium der Malerei an den Royal Academy Schools, das er bis 1940 weiterführt. Er besucht einen Kurs in technischem Zeichnen und arbeitet von 1941 bis 1945 als technischer Zeichner. 1946 setzt er sein Studium an den Royal Academy Schools fort, wird aber wegen angeblich nicht ausreichender Unterrichtserfolge noch im selben Jahr von der Akademie verwiesen. Er tritt seinen Militärdienst an. 1947 heiratet er Terry O'Reilly.

1948 beginnt er ein dreijähriges Studium der Malerei an der Slade School of Art. Er macht Radierungen, die er 1950 bei Gimpel Fils in seiner ersten Einzelausstellung vorstellt. Die erste Ausstellung, die er gestaltet, ist «Growth & Form», 1951 im Institute of Contemporary Arts, London. 1952 wird er Dozent in den Fächern Silberschmieden, Typografie und Industriedesign an der Central School of Arts and Crafts. Dort lehrt auch Eduardo Paolozzi, mit dem er an der Gründung der «Independent Group» am ICA beteiligt ist. In dieser Gruppe waren Künstler und Wissenschaftler vertreten, die sich mit den kulturellen Veränderungen im technologischen Zeitalter auseinandersetzten.

1953 beruft ihn das King's College an der University of Durham als Dozent ans Fine Art Department. Er gibt einen Grundkurs für Design, an dem auch Kunststudenten eingeschrieben sind. Er arbeitet hier mit Victor Pasmore zusammen. 1955 stellt er Gemälde in der Hanover Gallery, London, aus. Seine Bilder waren zu dieser Zeit von kubistischen Tendenzen beeinflusst. Er gestaltet und organisiert die Ausstellung «Man, Machine and Motion», die im ICA gezeigt wird. 1956 entsteht seine erste Pop-Collage als Plakat- und Katalogentwurf für die von ihm wesentlich mitkonzipierte Ausstellung «This ist Tomorrow» in der Whitechapel Gallery im Rahmen der Aktivitäten der Independend Group. 1957 bis 1961 unterrichtet er Innenarchitektur am Royal College of Art. 1960 erhält er den Preis der William-und-Noma-Copley-Stiftung für Malerei. Er publiziert eine typografische Version von Marcel Duchamps «Green Box». 1962 stirbt seine Frau bei einem Autounfall.

1963 reist er erstmals in die USA. 1965 beginnt er mit der Rekonstruktion von Marcel Duchamps «Le Grand Verre». 1966 organisiert er die Retrospektive von Marcel Duchamp in der Tate Gallery. In der Robert Fraser Gallery zeigt er seine Arbeiten über das Guggenheim Museum. 1969 entsteht über ihn ein Film für das Arts Council of Great Britain, an dem er selbst mitarbeitet. 1970 zeigt er die «Cosmetic Studies». 1970 erhält er den Talens Prize International, Amsterdam. 1977 und 1978 arbeitet er mit Dieter Roth in Cadaqués. Erste umfassende Retrospektive 1979 in der Tate Gallery, London, und in der Kunsthalle Bern. 1974 Retrospektiven im Guggenheim Museum, New York, in der Städtischen Galerie München und in der Kunsthalle Tübingen. 1982 werden seine Schriften, Bildnotizen und Dokumente bei Thames und Hudson in London veröffentlicht.

Stand 1989



Richard Hamilton

Richard Hamilton «porträtiert» das Umfeld des Menschen, der sich in designten Räumen wie eine Puppe verhüllt, sich ihrem gestylten Image anpasst. Mit Möbeln und Einrichtungszubehör, Fernseher und Telefon sind bestimmte Funktionen und Stimmungsqualitäten wie Romantik, Nützlichkeit, Geschmack verbunden. Die perfekt designte Welt spiegelt das Bedürfnis nach festen Normen, um sich ihres Stellenwerts innerhalb der Gesellschaft zu versichern. Sie verschleiert jedoch die Anfälligkeit dieser scheinbar intakten, sauberen Zonen gegenüber den Überraschungen aus der Realität, den unerwarteten Einbrüchen. So sieht man in Hamiltons Bild-Collagen undurchschaubare, malerische Elemente, perspektivische Verzerrungen, Überarbeitungen, Verfremdungen und surreale Übertreibungen, die ein geordnetes und gewohntes Weltbild deformieren. Die bestechend verunsichernde Wirkung seiner Bilder resultiert daraus, dass er die trivialen Themen mit seinen hintergründigen Ideen in Techniken darstellt, die an Plakatmontagen oder Werbedesigns erinnern. Hamilton vermischt perfekte Bildklischees mit ironisch reflektierenden, künstlerischen Ebenen.

Hamiltons Erfahrungen im Umgang mit Gestaltungsmitteln, die Vorliebe, Wohnungseinrichtungen auf seinen Bildern darzustellen, basieren auf seiner beruflichen Praxis und seiner Lehrtätigkeit. Schon 1936 begann er, 14jährig, in der Werbeabteilung eines Unternehmens für Elektromaschinenbau zu arbeiten. An den Royal Academy Schools in London studierte er 1938 bis 1940 und dann noch einmal 1946 Malerei. 1952 war er Gründungsmitglied der Independent Group, in der Künstler, Wissenschaftler und Architekten Vorträge, Diskussionen und fachübergreifende Ausstellungen zu den Aspekten Massenmedien und Kunst, Kultur und Fortschritt durchführten. Ab 1941 arbeitete er als technischer Zeichner, nachdem er sich 1940 in einem Kurs dafür ausgebildet hatte. Ab 1952 unterrichtete er Design an der Central School of Arts and Crafts - hier traf er Eduardo Paolozzi - sowie dem King's College der Universität Durham.Am Royal College of Art, wo die jüngere Generation der Londoner Pop Art heranwuchs, lehrte er von 1957 bis 1961 Innenarchitektur. Einen freien künstlerischen Lehrauftrag hatte er nicht. Der professionelle Umgang mit angewandter Gestaltung und modernen, kommerziellen Images macht die doppelbödige Wirkung seiner Bilder aus, in denen der Betrachter seine eigenen angepassten Vorstellungen wiederfindet.

Hamilton setzte sich während seiner künstlerischen Entwicklung mit dem Kubismus und Futurismus, mit Paul Cezanne, dem Fotografen Eadweard Muybridge, Paul Klee und vor allem mit Marcel Duchamp auseinander. Er entdeckte für sich in den verschiedenen Abstraktionstendenzen der klassischen Moderne den freien Umgang mit Bewegungsmotiven. Seine Abstraktionen und Vermengungen von Blickpunkten lassen den Eindruck entstehen, dass sich die Dinge im Bild bewegen. Er spielt mit effektvollen Lichtwirkungen, mit der «Beleuchtung» der Räume, mit Farbrhythmen. In einer Mischung aus Realismus und Abstraktion scheinen sich auch malerische Einschübe frei und gegenstandslos bewegen zu können. Hieraus erklärt sich auch, warum seine Bilder wie Stilleben erscheinen können: Objekte und Personen werden gleichwertig arrangiert und gestalterische Freiheit demonstriert.

Neue Erfahrungen mit den technischen Reproduktionsmitteln und ihrem Einfluss auf das alltägliche Leben und vor allem auf Sehgewohnheiten motivierten Hamiltons Werkentwicklung: Fotografie, Film, Fernsehen, Werbung, Design, Verpackung sowie Unterhaltungsliteratur zielen auf rollenspezifische und soziale Verhaltensstereotype (Mann/ Frau - Beruf/ Freizeit).

Für die Perspektive eines neuen, übergreifenden Kunstbegriffs steht auch die programmatische Collage Just what is it that makes today's homes so different, so appealing?. Hamilton konzipierte sie als Plakatentwurf für die in die Zukunft ausgerichtete, interdisziplinäre Kunst, Kommunikationsbereiche, Wohnwelt, Design und Technik umfassende Ausstellung «This Is Tomorrow», die 1956 von der Independent Group in der Whitechapel Gallery in London veranstaltet wurde. Der Titel der Collage stammt aus der Werbung. In diesem frühen Werk der Pop Art zeigt er eine Auswahl und Häufung gängiger Rollenklischees. Hier sind die Quellen für Inhalt und gestalterisches Programm von Hamiltons künstlerischer Arbeit. Die Unverwechselbarkeit von Objekten und Menschen verschwimmt innerhalb des Mosaiks einer Lebenseinrichtung, die sie zu passiven Versatzstücken eines zivilisatorischen Puzzlespiels abwertet. Hamilton kombiniert Symbole mit Warenbildern, Fortschritt mit Nostalgie und geht dabei intellektuell wie auch sinnlich vor. Die maschinelle Technik wirkt weich, die realistischen Härtegrade süsslich und «nice», das Fremde kitschig - und alles zusammen wirkt ungeordnet und unbequem. Im Blick durch das Fenster wird die Aussenwelt Teil der Wohnung. In Skizzen der späteren Jahre untersucht Hamilton Einzelteile dieses Mosaiks: Staubsauger, Telefon, Kühlschrank, Pin-ups, Schallplattenspieler, Auto, Mobilar, Kücheneinrichtung.

1964 entstand My Marilyn (paste-up), eine schräge und scheinbar flüchtig arrangierte Fotosequenz. Wie ein Fotodesigner streicht Hamilton die uninteressanten Shots mit roter Ölfarbe aus. Aus den professionellen «fotoshots», die eine posende Marilyn zeigen, werden Fotos ausgesucht, die bestimmten Vorstellungen der Konsumenten angepasst erscheinen. Mit «gut» wird das Bild bewertet, das die oberflächlichste, schönste, die am meisten lächelnde, die hautnahe Marilyn verkörpert. Hamiltons eigene Entscheidungen, Verwerfungen, Sympathien, seine Motive und Reaktionen bleiben offen. Ist My Marilyn dasjenige Bild, das ihrem Wesen, ihrem persönlichen Ausdruck entspricht, oder stellte es eine Marilyn dar, die dem Künstler am sympathischsten ist, deren Pose und Physiognomie den durchschnittlichen Erwartungen an das Sex-Idol entgegenkommt? Doch die reproduzierte Vorlage von Marilyn Monroes Fotosequenz ist von ihr schon selbst beschriftet und korrigiert worden: Von «ihr» stammt das «good» auf dem nicht durchgestrichenen Foto, das Hamilton noch einmal vergrössert in die Sequenz einfügt.

Einige Arbeiten von 1967/68, wie das Gemälde I'm dreaming of a White Christmas und eine Serie übermalter Drucke und Fotos, zeigen Klischees alltäglicher oder sonntäglicher Zufriedenheit. Träume, unausgesprochene Gedanken und heimliche Vorstellungen werden aufgespürt und wie in einem Schnappschuss aufgefangen. Hamilton variiert unterschiedlich kolorierte, austauschbare Stimmungsbilder ein und derselben Situation. In einem künstlerischen Verfahren, das mit den Positiv-Negativ-Effekten der Fotovorlage weiterspielt, werden die Gefühlserwartungen der Abgebildeten verzerrt dargestellt.

1969 greift er in Fashion plated (cosmetic study), einer vergleichbaren und auch technisch ähnlich hergestellten Serie, das Gehabe eines Models sowie eines Fotodesigners und dessen Accessoires auf. Es sind Collagen mit Malerei, unter anderem auch Kosmetika auf lithografiertem Papier. In einer späteren Arbeitsserie, Studien für das Gemälde Soft pink Landscape (1971/72) verwendet Hamilton eine Anzeige für Toilettenpapier aus den sechziger Jahren.

Die Landschaft, das Picknick mit den schönen Mädchen in den grünen Bäumen - hierzu gibt es eine lange Reihe berühmter kunsthistorischer Vorbilder vom Rokoko bis zu den Impressionisten - ist die verschlissene Version einer Idylle, die mit den Realitäten, dem Abfall konfrontiert wird und unglaubwürdig ist. Diese Arbeit kann zu einer inhaltlich weitreichenden Interpretation des Pop dienen: Pop führt wirklichkeitsverschleiernde Wunschbilder auf die Realitäten zurück. So wie die Medien Wirklichkeit nur vorspielen, sie irreal verschönern, idealisieren, gebrauchsfähig und erträglich machen, kehrt der Künstler Werbung und Design, deren Theorie und Praxis auch er beherrscht, ins Gegenteil um.

Auf die unechte Schminke der Objekte folgt Hamiltons schwüle «Verschönerung» durch das, was stinkt, Fäkalien, Müll, die Zerstörbarkeit und Anfälligkeit festgelegter Images des «Guten, Wahren, Schönen». Die Scheinwelten und manipulierten Romantizismen scheinen die Luft und die Menschen so zu beherrschen, dass sie ihre Verpestung vergessen.

Tilman Osterwold
Pop Art
Benedikt Taschen Verlag
ISBN 3-8228-0394-4




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