"Die Lauter trennt - Naturschutz verbindet "
Unter diesem Motto starteten wir, die Klasse 10 und 9V der Hainbuchenschule Hagenbach zusammen mit den französischen Schülern des College Georges Holderith in Lauterburg ein grenzüberschreitendes Projekt, bei dem das gegenseitige Kennenlernen und die Ausseinandersetzung mit einem gemeinsamen Thema in Vordergrund standen. Bereits im Februar war das Thema "Naturschutz an der Lauter" in den Fächern Biologie, Erdkunde und Sozialkunde thematisiert worden.

Am Donnerstag den 22. März, fand nicht ganz zufällig am "Tag des Wassers", eine gemeinsame Exkursion zum Naturschutzgebiet "Lauterniederungen" statt. Ziel der Verantstaltung war zum einen, den Schülern Sinn und Zweck von Naturschutzgebieten näher zu bringen als auch die unterschiedlichen Nutzungsinteressen der Gesellschaft, die daraus resultierenden Probleme und Wege zu deren Lösung aufzuzeigen. Zum anderen nehmen wir mit dieser Veranstaltung am landesweit ausgeschriebenen Wettbewerb "Wasser kennt keine Grenzen - Wen kennst du ?" teil.

Wie verlief, denn die Exkursion ?
Schon im Bus, ganz aufgeregt was uns erwartet, fingen unsere richtig schlauen Lehrer (Herr Weiland, Herr Schreiber und Herr Buchenberger) kräftig an zu krübeln:"Shit verfahren ! Wo sind wir überhaupt ? Wo geht`s denn hier zum College ?" Rettung, ein Glück gibt es ja die Lauterburger. Gäbe es so nette Leute nicht, wären wir heute vielleicht noch nicht da ! Endlich angekommen. Unter Begleitung der schon bereits in Lauterburg gewesenen netten Lehrerin, Frau Greslon, unserer Schule, überfüllten die französischen Schüler und deren Lehrer unseren Bus. "Jetzt geht`s los !

Erstes Ziel Salmbacher-Passage." Tümmelnd auf der Brücke, unter uns die rauschende Lauter, informiert uns der ehrenamtliche Naturschützer vom Conservatoire des Sites Alsacien, Herr Sänger über die Maßnahmen zur Pflege der artenreichen Lauterwiesen. Jetzt aufgepasst, nun werden wir etwas schlauer.

 

Herr Sänger, ehrenamtlicher Naturschützer vom Conservatoire des Sites Alsacien, erläuterte an der Salmbacher Passage Maßnahmen zur Pflege der artenreichen Lauterwiesen. Herr Gertz von der Anglergemeinschaft Niederlauterbach gab Auskunft über die Gewässerunterhaltung auf französischer Seite. Auf großen Streckenabschnitten fließt die Lauter durch Wiesengelände. Diese meist feuchten Wiesen werden im Auftrag des Naturschutzes gepflegt, d.h. sie werden regelmäßig von sog. "Vertragslandwirten" gemäht. Auch auf der deutschen Seite sind dies französische Landwirte. Sie müssen auch das Heu abfahren, denn nur so können viele Wiesenblumen jedes Jahr aufs neue wachsen. Links eine Frühlingswiese, rechts eine Sommerwiese an der Lauter.

Unser Resultat:

Frühlingswiese
 
Wiesen sind schon immer vom Menschen geschaffen worden.

  • Es können zwischen 40 und 100 verschiedene Pflanzen in einer Wiese vorkommen.
  • Früher gab es in unserer Region viel mehr Wiesen als heute, da die Bauern das Gras und auch das Heu als Viehfutter nutzten. In den letzten beiden Jahrzehnten sind jedoch viele Wiesen in Maisäcker umgewandelt worden, da Mais das Heu als Viehfutter abgelöst hat - Das Vieh bleibt heute auch das ganze Jahr im Stall und wird gefüttert (Massentierhaltung!). Daher braucht man auch keine Weiden mehr.

 

  • Die Folge ist, dass viele Wiesenpflanzen vom Aussterben bedroht sind, weil sie nun mal nur auf einer Wiese wachsen können und mit ihnen viele Insekten, weil sie die Blumen als Nahrungsquelle brauchen. Darum sorgt der Naturschutz für die Erhaltung der Wiesen. Bauern mähen sie im Auftrag vom Naturschutz und bekommen dafür Lohn. Normalerweise lebt der Landwirt ja vom Verkauf seiner Produkte
  • Man darf die Lauterwiesen durch Dünger, Giftstoffe, Abfälle usw. nicht belasten.
  • Wichtig ist, dass die Wiesen regelmäßig (zwischen den Zeitraum Mai bis September) gemäht werden, sonst können sich nur die starken Pflanzen durchsetzten und die schwächeren würden absterben. Es würde dann wieder ein Wald entstehen.

Nächstes Ziel ist die vor über 200 Jahren entstandenen Redout, darüber informierte uns Frau Obenteuer (Grundschulleherin aus Hagenbach).

Die Redout diente im 2. Weltkrieg als Grenzsicherung, bei dem sich früher die Soldaten vor dem Gegner geschützt haben. Rundherum wurde damals alles abgeholzt um den Gegner besser im Visier zu haben.Wie Frau Obenteuer zu sagen pflegte: "Dort konnten die Soldaten mal richtig drauf ballern !" Aber eigentlich hatten solche Redouten einen anderen Sinn und Zweck. Sie sind ein System aus Gräben und Wällen. Damit konnte man das Lautertal von Weißenburg bis Lauterburg unter Wasser setzen.

 

Außerdem hat man um die Redouten den Wald abgeholzt, um bessere Sicht zu haben. So entstanden im Lautertal die Wiesen, denn Viehzucht wurde an diesen Stellen nicht betrieben. Das Gras der Wiesen ist auch viel zu sauer. Es schmeckt den Kühen nicht.

Anschließend ein kurzer Marsch zum Lautermoor.

  • Es gibt zwei Arten von Mooren das Hochmoor und das Niedermoor.
            - das Hochmoor ist ziemlich tief und besteht aus Torf
            - das Niedermoor ist ziemlich hoch und besteht aus Pflanzenresten
  • Das Moor entstand vor ungefähr 15 000 Jahren.
  • Vor ungefähr 10 Jahren wurde das Moor hochgestaut, sonst wäre es abgestorben, dadurch sind auch viel Bäume und Pflanzen abgestorben. Es wurde eine "schwarze Wüste" daraus, auch das Torfmoos ist ausgestorben.
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    as Lautermoor konnten wir Schüler jedoch nur erahnen, es hatte sich in den letzten Tagen, durch den vielen Regen zu einem See verwandelt


Sehr anschaulich demonstrierte Herr Dr. Hölzer vom Naturkunde Museum in Karlsruhe die Funktion von Torfmoosen. Das Lautermoor konnten die SchülerInnen jedoch nur erahnen, es hatte sich in den letzten Tagen in einen See verwandelt.

 

Das Lautermoor liegt zwischen Weißenburg und Lauterburg in einem alten Mäander der Lauter. Richtig von Lauterwasser durchflossen war dieser Arm vor mehr als 14000 Jahren. Damals, am Ende der letzten Eiszeit, lag das Niveau der Geländeoberfläche im Lautertal etwa 4,5 m tiefer als heute. Die Verlandung war in einer Tiefe von 4 m schon abgeschlossen. Bis in eine Tiefe von 2,9 m, was einem Alter von etwa 9000 Jahren vor heute entspricht, handelte es sich um ein nährstoffreiches Torfmoos-Moor. Am Ende dieser Phase fanden sich Blätter und Samen der Zwergbirke (Betula nana), die es heute in der Pfalz und dem Elsass nicht mehr gibt. Ein einzelnes Vorkommen dieser Pflanze ist im Südschwarzwald nachgewiesen.

 

Nachdem das Moor bis etwa 1200 Jahre vor heute weitgehend mit Bäumen bestanden und recht trocken war, kam es durch die Siedlungstätigkeit des Menschen zu vermehrten Einschwemmungen, die durch die Anlegung der "Weißenburger Linie" zwischen 1704 und 1706 ihren Höhepunkt fanden. Dies spiegelt sich in den Sedimenten in dicken Tonlagen wieder. Erst danach wurde das Moor wieder sehr naß und durch viele Pflanzen, die sich heute im Moor nicht mehr finden floristisch interessant. Das heutige Bild mit viel "Goldenem Frauenhaar- Moos, (Polytrichum  commune?) setzte schon um 1920 ein.

Die Bedeutung des Lautermoors liegt einerseits in seiner heute weitgehend offenen, nassen Vegetation mit vielen Torfmoosen, Massenvorkommen des Rundblättrigen Sonnentaus (Drosera rotundifolia) und des Gemeinen Wassernabels (Hydrocotyle vulgaris), andererseits in der Torfen, die ein für das Oberrheingebiet einzigartiges Archiv der Vegetations- und Siedlungsgeschichte bilden.
 

Einpaar Schritte vom Lautermoor entfernt, erläuterte uns der Revierleiter Herr Kurzmeier einpaar Kleinigkeiten über Überreste aus der jüngeren Vergagenheit. Er findet noch heute regelmäßig bei Baumfällarbeiten verschieden große Granatsplitter. Er zeigt uns einpaar gefundene Überreste das war zum Beispiel ein 15 cm langer Granatsplitter in einem Stück Holz und einpaar Geschosse. An einem Baum wies er auf eine Stelle, in der auch ein Granatsplitter stecken könnte.

Letztes Ziel war ein Sportplatz, an dem uns Herr Gertz von der Anglergemeindschaft Niederlauterbach Auskunft über die Gewässerunterhaltung auf französischer Seite gab:

  • Ein Naturschutzgebiet - ein Recht!
  • Auf deutscher Seite ist das Angeln von der Bienwaldmühle bis Altenstadt verboten Das Ufer ist außerdem staatliches Gelände.
    In Frankreich ist das nicht so. Das Gelände ist in Privatbesitz. Die Grundstückseigentümer wollen natürlich nicht, dass die Lauter jedes Jahr ein Stück von ihrem Grundstück wegschwemmt. Darum haben sie die Angler beauftragt, die Ufer instand zu halten.
    Das ist aus Sicht der Eigentümer verständlich, für den Naturschutz aber nicht. Für die Lauter wäre es besser, wenn sie auf beiden Seiten freien Lauf hätte. Das wäre auch sinnvoll für den Hochwasserschutz. Denn je gewundener oder besser gesagt, je mehr Mäander ein Fluss hat, je länger kann das Wasser zurückgehalten werden. Französische Eigentümer müssten vom Staat entschädigt werden, wenn sie Gelände an die "Lauter" bzw. den Naturschutz verlieren. Aber das ist nicht so einfach wie es klingt.
  • Das Besetzen von Fischen eines Baches hat zwar nichts mit Naturschutz zu tun, aber die Angler wollen ja auch mal einen Fisch fangen und an der Lauter ist das Wasser nun mal besser als am Rhein.
  • Die französischen Angler sind nicht die Bösen, da die deutschen Angler einfach auf die französische Seite gehen und von dort aus angeln. Das Problem ist also nur auf europäischer Ebene zu lösen.

Bis heute ist die Lauter ein naturnaher Fluss geblieben. Das macht ihn nicht nur für den Natur- und Hochwasserschutz interessant. Auch Angler und Kanufahrer wollen Ihn nutzen

 
 

Marsch vom Sportplatz aus zu einem noch erhaltenen Mäander, er war nicht sehr angenehm. Der Weg war leicht von etwas größeren Pfützen versehrt, die Hälfte von uns mussten, da sie keine Gummistiefel anhatten einen etwas längeren und nicht so arg nassen Weg wählen. Als wir den Mäander erreichten informierte uns wieder Herr Kurzmeier etwas darüber. Er demonstrierte uns auch wo die Grenze dieses Flusses ist und war.


Erschöpft zum Bus gelatscht, endlich die von uns ersehnte Rückfahrt zum College in Lauterburg (aber diesmal gleich gefunden). Dort fand ein etwas mickriges Mittagessen statt, weil in Frankreich das Küchenpersonal gestreikt hat. Danach hatten wir etwas Zeit uns mit den französischen Schülern anzufreunden, so gegen 14.30 Uhr erfolgte dann die von uns erwartete Heimfahrt.
Obwohl dies nicht gerade der trockenste Tag war hat, uns dieser etwas andere Ausflug (die Exkursion) gut gefallen.

(Annette Möschter, Filippa Tonin - Klasse 10)