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Schiltach Stadt des Fachwerks, der Flößer und Gerber

Die Kinzigflößerei

Durch die Jahrhunderte hindurch war die Flößerei lebendiger Pulsschlag des Kinzigtales und seiner Seitentäler. Sie war wichtigster Wirtschaftszweig in einer Zeit, in der die einheimische Bevölkerung nicht mit Reichtümern gesegnet war. Die früheste nachweisbare Erwähnung der Flößerei in unserer Region geht auf das Jahr 1339 zurück.

In der Blütezeit der Kinzigflößerei waren Schiltach und Wolfach die Hauptorte in deren Händen der gesamte Floßbetrieb auf der Kinzig und auch der Holzhandel lag. Jährlich fuhren etwa 100 bis 300 Floße das Tal hinunter bis Willstadt. Hier wurde das Holz verkauft uns später auf dem Rhien zu großen Flößen umgebaut. Oft war das Ziel Holland, wo man es zum Schiffbau und als Fundamente für den Städtebau benötigete.

In Schiltach war der Kirchweiher der Hauptspannplatz für das Einbinden der meisten Flöße; von hier kam aber auch das für die Floßfhrt unbedingt benötigte Schwellwasser.
Zuverlässige Quellen besagen, die größten Flöße hatten eine Länge von bis zu 600m! Heute kaum vorstellbar.
1896 fuhr das letzte Kinzigfloß hinab ins Land, mit der Ausnahme einer weiteren Flößerfahrt 1925 anläßlich einer Gewerbeausstellulng in Schiltach.

 

 

Die Schiltacher Flößer

Erst am 27. Mai 1998 - also über 100 Jahre nach Einstellung der Flößerei - trafen sich zwölf gestandene Männer aus verschiedenen Berufen, um im historischen Gasthof „Zur alten Brücke“ eine Flößergruppe zu gründen. Die neuen „Schiltacher Flößer“ waren geboren. Erfreulich, dass sich unter den Gründungsmitgliedern viele befanden, die aus der Land- und Forstwirtschaft kommen oder die sonst Holz als ihre Leidenschaft betrachten.
die „Schiltacher Flößer“ wollen die alte Flößertradition lebendig erhalten und sie der Bevölkerung vertraut machen. Das erste Ziel, das überlieferte Handwerk der Flößerei zu erlernen und in die einzelnen Arbeitsschritte umzusetzen wurde inzwischen erreicht. Die nunmehr 18 Flößerkameraden haben des Herbst 2000 ein 60 Meter langes Floß gebaut. Im Rahmen des Flößerfestes am 24. und 25 Juni 2001 wurde es zu Wasser gelassen und befuhr erstmals die Kinzig.

 

 

Das „Schiltacher Floß“

Technische Daten:
Größe: ca. 60 x 2,40 Meter
Anzahl der Gestöre (Teile des Floßes): 6
Verbautes Holz: ca. 26 laufende Meter
Gesamtgeweicht: ca. 16 Tonnen
Bauzeit: ca. 3 Monate

Erbaut wurde das Floß von Dezember 2000 bis zum Februar 2001. Das Holz stammt aus dem heimischen Stadtwald und wurde vom Orkan „Lothar“ am 26.12.1999 „gefällt“,
Die Gestöre wurden von den Schiltacher Flößern nach historischer Überlieferung zusammengebaut. Die Bauart des Floßes entspricht einem historischen Gebirgs- oder Talfloß mit „Vorplätz“ (Vordere Steuereinheit des Floßes), vier Gestören und einem Bremsfloß (hinteres Gestör zum Bremsen des Floßes), wie sie früher im oberen Kinzigtal gebaut wurden.
Ab Wolfach abwärts wurde die vordere Steuereinrichtung mit einem zusätzlichen Ruder versehen.

 

 


Flößerzeit anno 1365 - 1895

 

 


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Beim Bau des Floßes