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11.09.2005 | 23:00

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Albert Watson!
Eine Retrospektive in Wien feiert den Altmeister der Fotografie

(Autor: Franz Xaver Karl)
Wien feiert den Altmeister der Fotografie © BR
Wien feiert den Altmeister der Fotografie © BR
Wien feiert den Altmeister der Fotografie © BR
Wien feiert den Altmeister der Fotografie © BR
Wien feiert den Altmeister der Fotografie © BR

Er hat der Welt einen neuen Look gegeben: verführerisch, düster, übernatürlich schön. Seine Bilder sind mittlerweile Ikonen der Fotografie. Inbegriff eines neuen Ausdrucks in Mode und Werbung - und das seit über 20 Jahren. Wir kennen seine Bilder, auch wenn uns der Name ihres Schöpfers unbekannt sein sollte: Albert Watson.

"Ab dem Augenblick, als die erste Kamera in meinen Händen lag, gab es kein zurück mehr", sagt Watson. Seine Porträts wirken wie in Stahl gehämmert. Watson hatte die größten Stars vor der Kamera: Clint Eastwood, Uma Thurman oder Mick Jagger als Raubkatze. Natürlich Andy Warhol. Und, sein berühmtestes Bild: Alfred Hitchcock.

"In mancher Hinsicht fühle ich mich immer noch wie ein Anfänger. Die Tage sind zu kurz für mich. Ich habe ja noch ein anderes Leben. Ich habe eine Frau und mittlerweile erwachsene Kinder. Aber es ist nie genug Zeit an einem Tag, um alle die Dinge zu tun, die ich gerne machen möchte".

Er ist ein Getriebener. Über 250 Coverfotos allein für die "Vogue", tausende von Mode-Shootings, 650 Werbefilme und etliche Musikvideos hat er gemacht. Eine unerhörte Karriere. Das hätte er sich nie träumen lassen, damals als kleiner Junge in Schottland. "Ich erinnere mich, dass ein Neuer in die Klasse kam, als ich ungefähr elf Jahre alt war. Und die Person hatte braune Augen. Das war für mich total erstaunlich. Denn damals hatte jeder in unserem Dorf blaue Augen. Ich hatte zuvor noch nie jemanden mit braunen Augen gesehen. Wir waren damals ziemlich von der Welt abgeschnitten. Für mich war damals so was wie Hollywood in einer anderen Galaxie. Das existierte gar nicht. Das war nicht mal auf demselben Planeten".

Watson hat sich längst den amerikanischen Traum erschlossen - und er zeigt ihn uns, schön und gewaltig. Seine Landschaften leuchten, seine Frauen umweht ein Geheimnis. Der suggestiven Kraft seiner Bilder kann man sich kaum entziehen. "Ich suche immer nach etwas, was mir entspricht", sagt Watson. "Ich versuche etwas zu finden, das sich für meine Augen gut anfühlt und auch für meinen Kopf. Die Welt, die ich hervorbringe, entspricht genau der Welt, in der ich leben will."

Ein manischer Arbeiter ist er. Einer der mit größtmöglicher Präzision das optimale Bild sucht. Und manchmal kommt auch ihm der Zufall zur Hilfe. "Manchmal hast du einfach Glück mit einem Bild", sagt Watson und zeigt auf ein berühmtes Kinderporträt von ihm. "Es gab da diese Frau in Marokko, die Urgroßmutter eines Kindes, das ich fotografieren wollte. Das Kind wollte partout nicht in die Kamera schauen. Die Frau hat dann einfach den Kopf des Kindes genommen und den Kopf des Kindes zur Kamera gedreht. Und als das Kind gezwungen war, in die Linse zu sehen, hat es die Augen zur Seite gedreht. Und so habe ich dieses faszinierende Bild bekommen".

 

Ob die 45er von Elvis oder der Handschuh von der Apollo-Mission. Watson inszeniert Dinge wie Denkmäler einer Epoche. "Die beste Waffe eines Fotografen ist seine eigene Persönlichkeit, sein eigener Enthusiasmus, seine Art an Situationen heranzugehen. Ich habe das Glück, sehr geduldig zu sein. Du musst einfach geduldig sein, wenn du mit Leuten arbeitest, sei es beim Film oder bei meinen Stillleben".

Um an die Socke des Pharao Tutanchamun und dessen Grabbeigaben zu kommen, musste Watson äußert geduldig sein. Zwei Jahre hat er mit dem Kairo-Museum verhandelt, bis er endlich in den heiligen Hallen fotografieren durfte. Für Watson sind die kleinen Dinge der Welt genau so wichtig wie die großen Stars. Er bringt allen seinen Motiven die gleiche Aufmerksamkeit, die gleiche Beobachtungsschärfe entgegen. Das Ergebnis sind einzigartige Bilder.

 
 
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