Staatsbibliothek zu Berlin Stiftung Preussischer Kulturbesitz

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Die ausgelagerten Bestände der Staatsbibliothek in Osteuropa

Im Jahre 1941, nachdem erstmals das Gebäude der Preußischen Staatsbibliothek Unter den Linden einen Schaden durch Fliegerbomben zu verzeichnen hatte, wurde begonnen, die bedeutendsten Schätze zu evakuieren. Im weiteren Verlauf des Zweiten Weltkrieges wurde so nach und nach der gesamte Bestand der größten wissenschaftlichen Bibliothek des Deutschen Reiches in 30 Auslagerungsorte von der Schwäbischen Alb bis nach Pommern verbracht. Die auf dem Gebiet der westlichen Besatzungszonen geborgenen Druckschriften u.a. Materialien fanden über Zwischenstationen wie Marburg und Tübingen ebenso nach Berlin zurück wie auch ein erheblicher Teil der Bücherschätze, der nach 1945 auf dem Gebiet der sowjetischen Besatzungszone geborgen und wieder in das Gebäude Unter den Linden gelangten. Vor allem die Bestände, die während des Krieges in 11 Auslagerungsorte in den Osten des Deutschen Reiches verbracht wurden waren, kamen nach 1945, wenn sie nicht vernichtet (vermutlich zwischen 335.-400.000 Bänden) oder verschollen (300.000 Bände) sind, in Bibliotheken Polens und der ehemaligen Sowjetunion.
Zwar gaben 1957 die Sowjetunion einige wichtige Nachlässe (Chamisso, Fichte, Mommsen, Jean Paul, Dahlmann) und Handschriften, im Jahre 1965 Polen ca. 92.000 Bände der Preußischen Staatsbibliothek - vor allem Zeitungen und Veröffentlichungen aus den Bereichen Landwirtschaft, Technik und den Philologien - und 1977 6 berühmte Musikautographen von Bach, Mozart und Beethoven zurück, aber viele bedeutende Objekte sind noch immer nicht nach Berlin zurückgekehrt. Bekannt ist mittlerweile, daß sich in zahlreichen polnischen Bibliotheken, wie z.B. den Universitätsbibliotheken in Krakau, Lodz, Lublin und Posen Druckschriften der ehem. Preußischen Staatsbibliothek befinden. Weltweit bekannt ist vor allem der Berliner Bestand in der Biblioteka Jagiellonska in Krakau:

  • mehr als 1.400 abendländische mittelalterliche u. neuere Handschriften (darunter fast vollständig die spanischen, portugiesischen, raetoromanischen Handschriften und die Stammbuchsammlung)
  • ca. 19.000 orientalische u. ostasiatische Handschriften und historische Drucke
  • Sammlung Autographa (über 210.000 Stück)
  • Autographensammlung Varnhagen v. Ense (etwa 300.000 Stück)
  • 5 Nachlässe bzw. Nachlaßteile (A. v. Humboldt, Freytag, Hoffmann v. Fallersleben, J.M.R. Lenz, Schweinfurth)
  • ca. 6.450 Rara/Flugschriften
  • 145 Musiksammelhandschriften bes. des 16./17. Jhs.
  • 443 Musikautographen (Bach, Mozart, Beethoven u.a.), darunter Teile der Nachlässe Cherubini, Meyerbeer, Busoni
    • 109 Mozart-Autographen
    • 22 Beethoven-Autographen
    • 25 Autographen der Bach-Slg.
  • ca. 2.450 Bände Musikdrucke u. Libretti 16.-19. Jhs.
  • 17 Kartenwerke
  • mindestens 36.000 Druckschriftenbestände aus fast allen Fachgebieten

In Rußland wurden vor allem Berliner Bestände in der Russischen Staatsbibliothek in Moskau gefunden.
Durch den Verbleib von Beständen der Berliner Staatsbibliothek in polnischen, russischen u.a. Bibliotheken sind historisch gewachsene und zusammengehörende Sammlungen willkürlich zerrissen worden, so daß häufig nur entwertete Büchertorsi sowohl in Berlin als auch in den Bibliotheken Osteuropas übrig blieben. Die vergleichende Erforschung der oft einmaligen Objekte (z.B. Handschriften, Autographen, Partituren, Karten usw.) ist damit nicht - oder nur sehr erschwert - möglich. Ein Beispiel mag dies verdeutlichen: Von Beethovens Partitur der 8. Sinfonie befinden sich in Berlin der erste, zweite und vierte Satz und in Krakau der dritte. Die Staatsbibliothek zu Berlin hat daher verständlicherweise auch im Namen der Forschung ein äußerst starkes Interesse daran, die Verhandlungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und den östlichen Nachbarländern zu fördern. Sie hofft, daß diese mit einem befriedigenden Ergebnis bald abgeschlossen werden können. Mit polnischen und russischen Bibliotheken sind enge Kontakte geknüpft und Kooperationen auf Gebieten wie Bestandserhaltung, Katalogisierung und Ausstellungen begonnen worden. Im Jahre 1997 hat Georgien als erstes GUS-Land umfangreiche Bestände deutscher Bibliotheken - darunter auch der Staatsbibliothek zu Berlin - zurückgegeben.


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