Deutsche Minderheiten in Lateinamerika

 

Peter Rosenberg

 


 


1 Einleitung: Deutsch als Minderheitensprache


Deutschsprachige Minderheiten leben in zahlreichen Ländern der Welt auf allen fünf Kontinenten: u.a. in der ehemaligen Sowjetunion, in Polen, in Rumänien, Ungarn und Tschechien; in Dänemark und Belgien; in den USA; in Lateinamerika; in Namibia und in Australien. Diese deutschen Minderheiten weisen in ihrer ethnisch-kulturellen Vitalität eine außerordentlich große Heterogenität auf: Unterschiede betreffen die Demographie dieser Gruppen, ihren Status in der Mehrheitsgesellschaft, ihre institutionelle Unterstützung sowie die tragenden Faktoren ihrer Minderheitenidentität.

Unter ihnen sind kleine Gruppen (wie in Namibia) und zahlenmäßig sehr große Gruppen zu finden (wie die noch etwa 1 Million nicht ausgesiedelter Deutscher in Rußland und Kasachstan oder die ca. 500.000 Deutschen in Brasilien), Gruppen, die stark „folklorisiert“ und sprachlich fast völlig assimiliert sind (wie die meisten Deutschen in den USA oder in Australien), und solche, die als wirkliche Sprachminderheiten anzusehen sind (wie einige deutsche Minderheitengruppen in Argentinien und Brasilien, in Westsibirien oder in Rumänien und Ungarn); Gruppen, die weniger als ethnisch konstituierte Minderheiten, sondern eher als religiös-kulturelle Sondergruppen anzusehen sind (wie die Ostniederdeutsch sprechenden Mennoniten in Paraguay, Mexiko, Belize oder in der Altai-Region Sibiriens) sowie Gruppen, die ihre Identität neben ethnisch-kulturellen Aspekten auch aus einem starken Regionalismus ziehen (wie im polnischen Oberschlesien oder im dänischen Südjütland).

Gegenstand soziolinguistischer Forschung wurden die deutschen Minderheiten erst in den 1980er Jahren in größerem Umfang, vor allem die deutschsprachigen Gruppen in Europa (z.B. in Belgien, dem Elsaß, in Südtirol, im deutsch-dänischen Grenzgebiet, in Ungarn) sowie in Nordamerika und Australien. Gegenstand volkskundlicher und auch dialektologischer Arbeiten waren sie schon früh, auch in Rußland und in einigen Ländern Lateinamerikas. Die Wiederbeschäftigung mit den „Auslandsdeutschen“ mußte sich erst von „nationalistischem Geruch“ befreien, um einen ungetrübten Blick auf den Gegenstand zu erhalten. Insofern sah sich die Forschung mit den gleichen Vorbehalten konfrontiert wie die deutschen Minderheitengruppen selbst. Diese zu überwinden, gelingt um so leichter, je erfolgreicher bundesdeutsche Sprachwissenschaftler die Kooperation mit einheimischen Linguisten pflegen, ja den „Perspektiventausch“ zum kontaktlinguistischen Arbeitsprinzip erheben. Ähnlich wie im Falle der Rußlanddeutschen, deren Erforschung den Beginn der „Arbeitsstelle ‘Deutsch als Minderheitensprache’“ darstellte (Die „Arbeitsstelle ‘Deutsch als Minderheitensprache’“ an der Europa-Universität Frankfurt (Oder), die anfangs vor allem über die Deutschen in Osteuropa (Polen, ehemalige Sowjetunion) gearbeitet hat, hat ihre Tätigkeit 1996 auf Lateinamerika ausgedehnt. Eine Reihe der folgenden Ausführungen gehen auf eine Forschungsreise zurück, die der Autor 1996 mit Harald Weydt nach Südamerika unternommen hat: ein „Forschungsabenteuer“ im brasilianischen Urwald und im paraguayischen Chaco, in wolgadeutschen Kolonien Argentiniens und im südchilenischen „Allgäu“ bei Llanquihue. Hart ist das Linguistenleben!), ist auch für die deutschsprachigen Minderheiten in Lateinamerika beabsichtigt, das Interesse für dieses soziolinguistische und dialektologische Arbeitsfeld in Deutschland und außerhalb zu fördern und ein Kontaktnetz auszubauen, das lateinamerikanische Linguisten, die zum Teil hochinteressante Arbeiten vorgelegt haben, mit westeuropäischen und nordamerikanischen Forschern in Verbindung bringt. (Dabei kann sich die Forschung auf eine Reihe schon existierender Arbeiten stützen, die in Deutschland, Österreich und den USA in den letzten Jahren entstanden sind. Unter ihnen sind die wichtigsten die von Harald Thun, Arnd Schmidt und Clemens Scharf vorgelegten Untersuchungen in Uruguay und Argentinien, die Arbeiten von Wolfgang Moelleken und Kelly Hedges in Mexiko, von Ute Bärnert-Fürst und Joachim Born in Brasilien, von Wilfried Schabus in Peru, von Arnold Thielmann in Paraguay und einige andere.)



2 Deutsche Minderheiten in Lateinamerika: ein Überblick

Im folgenden soll ein Überblick über deutsche Minderheiten in Lateinamerika gegeben werden, der die Entwicklung und die gegenwärtige Situation deutschsprachiger Gruppen skizzieren, den Forschungsstand - soweit zugänglich - sichten sowie eine erste Orientierung für eigene soziolinguistische Untersuchungen vornehmen soll. Da wir damit ein neues Forschungsgebiet aufnehmen wollen, scheint es sinnvoll, zunächst die Geschichte dieser Sprachinseln in den Mittelpunkt zu stellen und von hieraus ihren aktuellen Zustand zu betrachten. Natürlich erheben die Ausführungen keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die deutschsprachigen Gruppen in anderen Teilen der Welt, vor allem in Osteuropa, werden dabei gelegentlich als Vergleich herangezogen, um die Entwicklungsbedingungen der deutschen Minderheitengruppen in Lateinamerika schärfer zu akzentuieren.

Mindestens 1 Million Deutschsprachige leben nach verschiedenen Angaben in Lateinamerika [vgl. hierzu die Karte „Deutsche Minderheiten in Lateinamerika: Länderüberblick“ am Ende]. Deutschsprachige Minderheiten gibt es in fast allen südamerikanischen und einigen mittelamerikanischen Staaten: in Argentinien, Belize, Bolivien, Brasilien, Chile, Ecuador, Kolumbien, Mexiko, Paraguay, Peru, Uruguay, Venezuela.

Nachdem es in den vergangenen Jahrhunderten nur einzelne oder kleine Gruppen von deutschen Auswanderern nach Lateinamerika zog, setzt im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts eine stärkere Auswanderungsbewegung ein. Die deutsche Amerika-Auswanderung schätzt man für das gesamte 18. Jahrhundert auf etwa 200.000 Menschen. Soviel emigrierten auf dem Auswanderungshöhepunkt der 1880er Jahren in einem Jahr. Das „Handbuch des Deutschtums im Ausland“ geht 1906 von ca. 11 Millionen Menschen in Nord- und Südamerika aus, die noch über deutsche Sprachkenntnisse verfügten, davon etwa 9 Millionen in den USA. Wenn auch über das ganze 19. Jahrhundert die USA das Hauptziel deutscher Emigranten bleiben, gewinnt die Südamerika-Auswanderung jedoch zunehmend an Bedeutung, aus sehr verschiedenen - wirtschaftlichen und politischen - Motiven heraus.

90% der deutschen Lateinamerika-Immigranten des 19. Jahrhunderts gehen in den „Cono Sur“, in die fünf Staaten Brasilien (Südbrasilien), Argentinien (Nordostargentinien), Paraguay, Uruguay und Chile (Südchile). Brasilien hat zunächst eine Vorreiterrolle. Im letzten Drittel des Jahrhunderts, nachdem von seiten der preußischen Regierung mit dem „Heydtschen Reskript“ (1859) die Brasilien-Auswanderung erschwert wurde, tritt auch Argentinien verstärkt hinzu. In den 1880er und 1890er Jahren wächst die deutsche Emigration nach Lateinamerika und beträgt in einzelnen Jahren bis zu 30% der gesamten deutschen Auswanderung. Umgekehrt proportional zur Entwicklung der Nordamerika-Auswanderung, die seit 1893 mit dem Ende der freien Landnahme etwas zurückgeht und während des Ersten Weltkriegs starken Restriktionen unterliegt, erreicht die deutsche Lateinamerika-Emigration ihren Höhepunkt in der Zeit der Weimarer Republik. Zugleich läßt sich eine Diversifizierung der Auswanderungsziele feststellen

Während des Nationalsozialismus gelangen - bis zum Auswanderungsverbot 1941 - etwa 100.000 Juden aus Mitteleuropa nach Lateinamerika, unter ihnen ein großer Teil Deutschsprachiger,die sich zu 90% im „Cono Sur“ ansiedeln. Während noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts ca. 80% der Juden in Europa lebten, hatte bis 1946 - nach Angaben des „Hilfsvereins deutschsprechender Juden“ (später „Asociación Filantrópica Israelita“) in Buenos Aïres - deren Zahl auf etwa 25% abgenommen, der Anteil Nord- und Südamerikas war im gleichen Zeitraum auf über 50% gestiegen.

Da andererseits einige südamerikanische Länder, vor allem Argentinien und Chile, nach dem Zweiten Weltkrieg führenden Nationalsozialisten Unterschlupf gewährten, kam es in der Nachkriegszeit zu Konfrontationen dieser beiden Gruppen innerhalb der deutschsprechenden Einwanderer.

Die soziale Zusammensetzung der deutschen Einwanderer verschob sich im Laufe der Zeit: Die ursprünglich stark vertretene „Elitenwanderung“ in die Städte, darunter nicht zuletzt die sogenannten „1848er“, geht in die „Siedlungswanderung“ und schließlich in die „Arbeitswanderung“ über (vgl. Bernecker/Fischer 1992: 207ff). Hier sind jedoch regionale Unterschiede festzustellen: In Brasilien dominiert frühzeitig die Siedlungswanderung, Argentinien wird stärker als andere Staaten von der Arbeitswanderung erfaßt. Die Elitenwanderung spielte eine große Rolle in Chile, in Argentinien umfaßt sie auch die Auswanderung jüdischer Flüchtlinge und politischer Asylanten während der NS-Diktatur.

Die meisten deutschen Minderheiten Lateinamerikas verzeichnen - wie nahezu überall auf der Welt - einen Rückgang der deutschen Sprache. Ursache dieses Rückgangs ist meist die Integration der - ehemals oft abgeschieden lebenden - Gruppen in die Mehrheitsgesellschaft, eine der Modernisierung des Landes folgende Assimilation, mit der sich alle Einwanderergruppen konfrontiert sahen.

Spezifische Gründe für den Sprachwechsel der Deutschen zur Mehrheitssprache lagen bei den meisten Gruppen im Statusverlust des Deutschen in der Folge des Zweiten Weltkrieges. Dies vereint die deutschen Minderheiten in Lateinamerika mit denen in Ost- und Ostmitteleuropa: Die meisten Staaten, in denen Deutsche leben, sind Kriegsgegner Deutschlands gewesen - oder zumindest kurz vor Kriegsende noch geworden. Damit verbunden wurden die deutschen Minderheitenangehörigen von einer oft statushohen und prestigereichen Gruppe zu einer - zumindest phasenweise - subalternen Minderheit. Für viele deutsche Minderheiten stellte dies die entscheidende Zäsur ihrer Entwicklung dar. In einigen südamerikanischen Ländern war überdies die Kriegs- und Nachkriegszeit eine Zeit der „Nationalisierung“ (etwa unter Getúlio Vargas in Brasilien). Dies führte oft zu einem beträchtlichen Assimilationsdruck auf die Minderheiten. In anderen Ländern setzte während der Kriegszeit ein „Boom“ deutscher Vereine und Organisationen ein, der das Zugehörigkeitsbewußtsein zur deutschen Sprachgemeinschaft erhöhte und den Sprachwechsel vorübergehend noch einmal hinausschob. Die „Abrechnung“ mit dem Kriegsgegner Deutschland in der Nachkriegszeit, mit dem die Auslandsdeutschen berechtigt oder unberechtigt identifiziert wurden und die auch gelegentliche „Sprachverbote“ nach sich zog, leitete einen Niedergang deutscher Sprache und Kultur ein. Ein Rückgang der deutschen Sprache nach dem Zweiten Weltkrieg ist bei den Deutschen in Chile, in Argentinien, zum Teil auch in Brasilien zu beobachten. Hiervon ausgenommen blieben lediglich die abgeschieden siedelnden Gruppen im Süden Brasiliens, die noch für eine längere Zeit fast homogen unter sich lebten, etwa vergleichbar den rußlanddeutschen Siedlungen in Westsibirien. Weitgehend „resistent“ gegen den äußeren sprachlichen Einfluß der Mehrheitssprache blieben auch die Mennonitenkolonien in Paraguay, in Mexiko und Belize. Die Grundlage ihrer Gruppenidentität war stets weniger die ethnische Zugehörigkeit als die religiös und kulturell bedingte Eigenständigkeit, die sich in lokaler Selbstverwaltung, eigenen Kirchengemeinden, eigenen Schulen zeigte. So wenig diese Glaubensgemeinschaften „von dieser Welt“ sind, so wenig berührte sie die Statuspolitik des Staats.

Ein Kennzeichen der Lage deutschsprachiger Gruppen in Lateinamerika ist - im krassen Gegensatz zu den meisten Minderheitengruppen in Osteuropa - die ständig aufrechterhaltene wirtschaftliche und sonstige Verbindung nach Deutschland. Diese beinhaltet eine stetige Konfrontation mit bundesdeutschen Arbeitsmigranten und führt auch umgekehrt Deutsche aus Brasilien oder Chile für einige Jahre zur Ausbildung nach Deutschland. Wenn dabei unterschiedliche „Deutschlandbilder“ sichtbar werden und miteinander in Konflikt geraten, so gehört dies dennoch zu einem „natürlichen“ Kontakt zwischen deutschen Minderheiten und der ehemaligen „Heimat“. Auch dies ist ein bedeutender Unterschied zu der langjährigen Situation rußlanddeutschen Aussiedler, die sich erst nach der Fremdheitserfahrung in Deutschland ihrer deutsch-russischen „multiplen Identität“ in der vollen Tragweite bewußt werden.

 


 

3 Historische Entwicklung und aktuelle Sprachsituation deutscher Minderheiten

Argentinien, Brasilien, Chile und Paraguay zeigen einige deutliche demographische Unterschiede, die auch die Minderheitensituation der Deutschsprachigen nicht unberührt lassen: Brasilien und Argentinien sind große Flächenstaaten, die der Besiedlung der Immigranten weite Flächen boten. Die Bevölkerungsdichte ist in allen genannten Ländern zwar landesweit ähnlich gering (Brasilien mit 47 Einwohnern/km², Chile mit 45, Argentinien und Paraguay mit 31, Angaben von 1993), aber die regionalen Werte der deutschen Siedlungsgebiete unterscheiden sich stark: Die von Wolgadeutschen besiedelte Provinz Buenos Aïres zum Beispiel ist weitaus dichter besiedelt als etwa der Chaco im Norden Paraguays (mit unter 10 Einwohnern/km²). Argentinien und Chile weisen einen erheblichen höheren Anteil von Stadtbewohnern an der Einwohnerzahl auf (mit 86 und 84% 1993), während Brasilien eine Verstädterung von 75% hat, Paraguay jedoch nur 47%. Hinsichtlich der Bevölkerungsstruktur versteht sich Argentinien als ein „weißes Land“ (mit einer „europäischen“ Bevölkerung von 85%, darunter ein hoher Anteil Italiener). Brasilien ist ein multiethnisches Land und sieht sich auch als solches. Es zählt nach Baranow (1988: 1266) 120 Sprachen. Mit einem Bevölkerungsanteil der „Weißen“ und „Mestizen“ (die von europäischen Einwanderern und indigenen Bevölkerungsgruppen abstammen) von zusammen nur 65% unterscheidet es sich fundamental von den anderen hier behandelten Staaten, wenngleich sich dies weniger auf den brasilianischen Süden bezieht. In Chile und Paraguay beträgt der Anteil von „Mestizen“ 92 bzw. 91%, jedoch ist landesweit das indigene Element in Paraguay sehr viel bedeutender, was sich auch im Status des Guaraní als zweiter Landessprache ausdrückt, während sich in Chile die indigene Bevölkerung (zum Beispiel der Mapuche) vor allem im Süden konzentrierte, der lange aufgrund der gewaltigen Nord-Süd-Erstreckung des Landes vom Norden abgeschnitten war und dessen „Aufsiedelung“ auch eine Folge der europäischen Immigration war.

3.1 Argentinien

In Argentinien leben nach Schätzungen etwa 300.000 Deutschsprachige (1% der Landesbevölkerung von 1993 etwa 33 Millionen) unter etwa einer Million Deutschstämmigen, davon 200.000 deutsche Staatsangehörige (vgl. Born/Dickgießer 1989: 19). Damit ist Argentinien eines der Länder mit der größten Anzahl von Deutschsprachigen, in Lateinamerika an zweiter Stelle hinter Brasilien.

Regionale Siedlungsschwerpunkte sind die Provinzen Entre Ríos und Buenos Aïres (mit jeweils etwa 50.000-60.000) sowie Misiones und in geringerer Anzahl der Chaco und die Pampa. In der Stadt Buenos Aïres (mit vor dem Krieg noch ca. 45.000 Deutschsprachigen) haben sich die Deutschen inzwischen sprachlich weitgehend assimiliert. Die Zuwanderung von etwa 35.000 bis 45.000 deutschsprachigen Juden führte ebenfalls zum großen Teil nach Buenos Aïres.

Rußlanddeutsche aus dem Wolga- und Schwarzmeergebiet wanderten seit 1877/78 ein, in einer Zeit, in der in Rußland die Stellung der ausländischen Kolonisten zunehmend schwieriger wird: Die „Großen Reformen“ Alexanders II. haben die Modernisierung und Vereinheitlichung der Wirtschaft und Verwaltung des Russische Reiches zum Ziel. Die Kolonisten stellen dabei einen „Fremdkörper“ dar und gehen seit 1871 ihrer Sonderrechte zum Teil verlustig. Dies veranlaßt eine größere Anzahl zur Auswanderung nach Nord- und Südamerika. Die Aufrechterhaltung ihrer kulturellen (und sprachlichen) Eigenständigkeit gehört zu den Motiven ihrer Auswanderung nach Südamerika.

Die Sprachvarietäten, die sie - abgesehen von gewissen Russischkenntnissen - in die neue Heimat mitnehmen, sind wolgadeutsche Varietäten, die zum Großteil westmitteldeutsche (rheinfränkische und zentralhessische) dialektale Merkmale tragen, sowie schwarzmeerdeutsche Varietäten, unter denen süd- und rheinfränkische Merkmale dominieren. Kennzeichen der Sprachentwicklung in Rußland ist aber zu diesem Zeitpunkt noch eine außerordentliche Vielfalt dialektaler Varietäten, die die dörfliche Alltagssprache der Kolonisten darstellen. In den ersten hundert Jahren der Besiedlung hatten sich die dörflichen Varietäten zwar meist zu mehr oder weniger einheitlichen Ortsdialekten ausgeglichen, jedoch war es weder zu überörtlichen Verkehrsvarietäten noch gar zur Herausbildung eines einheitlichen „Rußlanddeutschs“ gekommen. Auch die hochdeutsche Standardsprache war nur bei den höheren sozialen Schichten verbreitet.

Arnd Schmidt (1996) berichtet anschaulich über die ersten wolgadeutschen Einwanderer, die zu einem Teil direkt aus Rußland nach Argentinien kamen, zu einem anderen Teil jedoch ursprünglich nach Brasilien zu übersiedeln gedachten. Manche wurden von den Schiffsreedereien und den argentinischen Einwanderungsbehörden getäuscht und in Argentinien festgehalten, andere wanderten freiwillig aus wirtschaftlichen Gründen in die für den Getreideanbau fruchtbareren Gebiete der Provinz Buenos Aïres weiter. Sie stellen eine überwiegend ländliche Bevölkerung dar, die - zu dieser Zeit noch abgeschiedene - Kolonien anlegt. Anfangs ist reichlich Land vorhanden, erst später müssen sich wolgadeutsche Einwanderer als Arbeitskräfte bei anderen Deutschen verdingen, wodurch soziale Kontraste entstehen, die sich noch heute im Straßenbild der Kolonien bei Coronel Suárez widerspiegeln: In der „Vordergasse“ stehen teilweise prächtige Häuser, im „Mandschurei-Gäßchen“ strohgedeckte Lehmsteinhäuser.

Deutschsprachige Auswanderer sind in den südamerikanischen Einwanderungsländern geschätzt, die eine aktive Bevölkerungspolitik zum Aufbau des Landes nach der frisch errungenen Unabhängigkeit betreiben: Die meisten lateinamerikanischen Länder erlangten in den ersten drei Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts ihre staatliche Unabhängigkeit (Chile 1810, Paraguay 1811, Argentinien 1816, Brasilien 1822). Der Landesaufbau stützte sich in Argentinien und Brasilien auch auf eine aktive staatliche Werbungs- und Ansiedlungspolitik: „gobernar es poblar“, so der argentinische Politiker Juan B. Alberdi. Ähnlich wie Brasilien bot auch Argentinien den Einwanderern die Möglichkeit einer geschlossenen Ansiedlung. Damit wurden insbesondere solche Gruppen angezogen, die ein Motiv ihrer Einwanderung in der Bewahrung der deutschen Kultur und Sprache sahen. Eben dies traf auf die rußlanddeutschen Immigranten zu. Hierin liegt ein bedeutender Unterschied etwa zur USA-Einwanderung, deren „Einschmelzung“ wesentlich rascher vonstatten ging.

Unter den Deutschen in Argentinien war - gegenüber den mehr landwirtschaftlich geprägten deutschen Kolonien in Brasilien etwa - ein höherer Anteil von Einwanderern mit kaufmännischen und gewerblichen Berufen feststellen, die sich in Buenos Aïres und in Landstädten der Provinz niederließen. Die spätere sprachliche Assimilierung erfaßte zunächst eben diese Mittelschicht, die an dem steilen wirtschaftlichen Aufstieg Argentiniens in der Zwischenkriegszeit partizipierte. Die in den eigenständigen kompakten Kolonien gesprochenen deutschen dialektalen Varietäten bleiben davon jedoch weitgehend unberührt.

Der Zustrom weiterer Einwanderer ließ auch in der Folge des Ersten Weltkriegs nicht nach. Im Gegensatz zu Brasilien, das Deutschland 1917 den Krieg erklärte, und zu Ecuador, Peru, Bolivien und Uruguay, die die diplomatischen Beziehungen zu Deutschland abbrachen, wuchs die Zahl deutscher Immigranten kontinuierlich weiter. Ein Einbruch in der Bewertung des Sprachprestiges des Deutschen, der für die USA wie auch für Brasilien festzustellen ist, ist in Argentinien zunächst nicht zu beobachten. Das Deutsche bleibt eine prestigereiche, statushohe Einwanderersprache.

In den 1930er Jahren ändern sich die Bedingungen: Bereits vor der Machtergreifung Hitlers war es zur Gründung von NS-Gruppen in mehreren lateinamerikanischen Ländern gekommen, so u.a. 1929 in Paraguay, 1931 in Brasilien, Chile, Mexiko und Argentinien. Ihre unverhohlene Propaganda für die Ziele des Nationalsozialismus führte innerhalb der deutschsprachigen Bevölkerung Argentiniens zu einer tiefgehenden Spaltung. Das ARGENTINISCHE TAGEBLATT bezog für die Weimarer Republik Stellung, während sich Konservative und Monarchisten um die DEUTSCHE LA-PLATA-ZEITUNG sammelten, die - wie die meisten deutschen Vereine - im Rahmen der NS-Gleichschaltungspolitik von der NSDAP-Auslandsorganisation vereinnahmt wurde. Nach Boykottaufforderungen von seiten der deutschen Gesandtschaft Buenos Aïres wurde das ARGENTINISCHE TAGEBLATT 1933 von der NS-Reichsregierung für Deutschland verboten. Die Verlegerfamilie Alemann erhielt 1939 zum fünfzigjährigen Jubiläum der Zeitung zahlreiche Glückwünsche aus deutschsprachigen Exilkreisen, z.B. von Siegmund Freud, Lion Feuchtwanger, Thomas Mann und Stefan Zweig. Mit Unterstützung der Verleger wurde 1934 die Pestalozzi-Schule als Gegenpol zu der zunehmend unter NS-Einfluß geratenen Goethe-Schule gegründet. Die Aktivitäten der NS-Auslandsorganisation stießen auf heftige Kritik seitens der argentinischen Regierung und führten 1939 zu einem Dekret, demzufolge es allen ausländischen Vereinigungen untersagt war, sich politisch zu betätigen. Dies rief selbst beim deutschen Auswärtigen Amt Beunruhigung hervor, legte man doch großen Wert darauf, daß Argentinien „dem Druck Nordamerikas und Englands nicht nachgeben, also im Ernstfall nicht auf der Seite unserer Gegner stehen“ dürfe (aus einer Rede Ribbentropps 1939; vgl. Bergmann 1994: 52). Dies war um so bedeutender, als Brasilien im Verlauf der Politik des „Estado Novo“ unter Getúlio Vargas bereits in Gegensatz zur NS-Politik gerückt war. Ein Aufruf zur Mäßigung an die NS-Landesgruppe in Argentinien und eine Umstrukturierung der Auslandsorganisation waren die Folge. Der Anteil von NSDAP-Parteimitgliedern an der Zahl deutscher Staatsbürger betrug 1939 2,4% in Argentinien, 3,3% in Brasilien, in Chile allerdings 11,1%. Unter den Mennoniten in Paraguay führten die Aktivitäten des nationalsozialistisch gleichgeschalteten „Deutschen Volksbundes für Paraguay“ (DVP) zu einer tiefen Spaltung, die in dem Beitritt des 1937 gegründeten „Bundes Deutscher Mennoniten in Paraguay“ (BDMP) zum DVP ihren Ausdruck fand. Die Nationalsozialisten nutzten die wirtschaftlichen Schwierigkeiten in einigen mennonitischen Kolonien, die z. B. zur Abwanderung eines Drittels der Einwohner von Fernheim in die Tochterkolonie Friesland führten, sowie die Unzufriedenheit der Jugend für ihre Ziele aus. Überlegungen von einigen, die deutsche Staatsbürgerschaft zu beantragen, lösten aufgrund des hiermit verbundenen Wehrdienstes heftigen Streit aus, der 1944 in offene (handgreifliche) Auseinandersetzungen mündete und mit dem Verweis der beiden führenden NS-Organisatoren aus den Kolonien endete (ebd.: 89ff).

In der Zeit des Nationalsozialismus sind zwischen 35.000 und 45.000 deutschsprachige Juden und andere (politische) Flüchtlinge nach Argentinien emigriert, bis - ähnlich wie in Brasilien - 1938 zunehmende Restriktionen die Einwanderung erschwerten. Bis heute existieren große jüdische Gemeinden in Argentinien und Brasilien (sowie kleinere in Uruguay, Chile und Paraguay), die zunächst sehr viel stärker am Deutschen festhielten als etwa die jüdischen Emigranten in den USA. Auch im Süden Brasiliens, etwa in Porto Alegre, Rio Grande do Sul, wurde unter der jüdischen Bevölkerung bis in die 1960er Jahre noch Deutsch und Jiddisch gesprochen. Es gab jüdische Tanzgruppen, ein jüdisches Theater, eine jüdische Schule, die noch lange deutschen Sprachunterricht erteilte. Im „Instituto Cultural Judaico ‘Marc Chagall’“ liegen zahlreiche noch unbearbeitete Sprachaufnahmen vor. Im Laufe der Zeit aber gingen die jüdischen Immigranten großenteils zum Spanischen (bzw. Portugiesischen) über. Heute läßt sich in Buenos Aïres eine Spaltung zwischen „orthodoxen“ Gemeinden, die in ihren zweisprachigen Schulen im Laufe der Zeit zum Hebräischen gewechselt sind, und anderen Gemeinden, in denen nur Spanisch gesprochen wird, beobachten.

In der Nachkriegszeit bot Argentinien führenden Nationalsozialisten Unterschlupf, unter ihnen Eichmann, Mengele, Schwammberger. Argentinien, ähnlich wie auch Chile, wurden in der Kriegs- und Nachkriegszeit Schauplatz einer gespenstischen Konfrontation zwischen Opfern und Tätern, innerhalb der gleichen deutschsprachigen „Gemeinschaft“, an den gleichen Orten, in den gleichen Institutionen, zum Teil in den gleichen Zeitungen. In Buenos Aïres etwa mußte noch nach Kriegsende die Deutsche Botschaft einschreiten, nachdem auf einer Veranstaltung der Goethe-Schule von NS-Anhängern das „Horst-Wessel-Lied“ erklang - vor jüdischem Publikum!

Argentinien hatte noch im März 1945 - auf Druck der USA - Deutschland den Krieg erklärt, Paraguay im Februar 1945, Brasilien bereits 1942 (Chile hatte 1943 die Beziehungen zu Deutschland abgebrochen). Damit verbunden war die Konfiszierung deutschen Eigentums, einschließlich des Vermögens der deutschen Vereine. So blieben in Argentinien von ehemals 22 Schulen mit deutscher Unterrichtssprache bzw. Sprachunterricht nur drei bestehen.

Während seiner ersten Amtszeit verfolgte Juan Perón (1946-55) eine deutliche Politik der „Nationalisierung“, die auch eine sprachliche „Hispanisierung“ der Minderheiten nach sich zog. Erst ab den 1950er Jahren beginnt der Wiederaufbau von Bildungseinrichtungen und Kulturvereinigungen. Heute bestehen in Argentinien 24 „deutsche Schulen“, 15 davon führen zum argentinischen Abitur („Bachillerato“), auf der Goethe-Schule kann das deutsche Abitur abgelegt werden. Daneben existieren Lehrerverbände, Lehrerbildungseinrichtungen und ein Berufsbildungszentrum sowie eine Anzahl von kirchlichen Schulen mit Deutschunterricht. Die Schülerzahl betrug an den geförderten Schulen 1987 15.680 Schüler (vgl. Born/Dickgießer 1989: 22), darunter aber nur wenige deutsche Muttersprachler. Eine stetige Unterstützung des deutschsprachigen Elements erhalten die Schulen jedoch durch die Kinder bundesdeutscher Arbeitsmigranten, die sich in größerer Zahl zeitweise in Argentinien aufhalten. Es werden eine deutschsprachige Tageszeitung (FREIE PRESSE) und eine Wochenzeitung (ARGENTINISCHES TAGEBLATT) herausgegeben. Neben einigen katholischen deutschsprachigen Gemeinden vereint die deutsche „Evangelische Kirche am Rio de la Plata“ 70 Gemeindezentren in Argentinien, Uruguay und Paraguay.

Die Deutschsprachigen sind heute zu fast 100% bilingual. Während die Assimilation in den Städten weitgehend vollzogen ist, wird auf dem Lande jedoch häufig noch eine deutsche dialektale (z.B. wolgadeutsche) Varietät gesprochen, insbesondere in den nicht-öffentlichen Sprachdomänen.

Deutschkenntnisse sind jedoch heute auch in den ländlichen Kolonien bei der jüngeren Generation rapide zurückgegangen. Da andererseits die hochdeutsche Standardsprache primärsprachlich nicht vorhanden ist, richten sich in einigen Kolonien Bemühungen darauf, den Wiedererwerb des Deutschen auf die wolgadeutsche Varietät zu stützen.

Diese hat sich im Laufe der einhundertjährigen Geschichte der Sprachinseln in Argentinien zu einer spezifischen argentiniendeutschen Varietät entwickelt, die zahlreiche spanische (und alte russische) Entlehnungen umfaßt. Sie ist zumindest bei der mittleren und älteren Generation Trägerin einer einzigartigen ethnisch-kulturellen Identität der Siedler und Ausdruck ihrer „doppelten Emigration vom Rhein zur Wolga und von der Wolga zum Río de la Plata“ (Schmidt 1996: 5f). Wie die Sprache ist auch die Kultur dieser Gruppe deutsch-argentinisch-russisch, wie sich in Formen des Hausbaus, in Speisen und Liedern und vielem anderen zeigt.

In den drei Kolonien Pueblo Santa Trinidad, Pueblo San José und Pueblo Santa María bei Coronel Suárez (Provinz Buenos Aïres), die 1887 von wolgadeutschen Einwanderern gegründet worden sind, wurde 1994 ein hochinteressantes Modellprojekt „Deutscher Schulunterricht im Dialekt“ von Arnd Schmidt initiiert, das nach zweijähriger Anlaufzeit selbständig weitergeführt wird: Da die deutsche Sprache fast ausschließlich durch die wolgadeutsche Varietät vertreten wird, diese aber primärsprachlich bei der jüngsten Generation zurückgeht, wird in fünf Grundschulen vom letzten Kindergartenjahr bis zum 9. Schuljahr ein- oder zweimal in der Woche durch vier wolgadeutsche Lehrerinnen dialektaler Deutschunterricht erteilt. Ab dem 6. Schuljahr wird zusätzlich die hochdeutsche Standardsprache unterrichtet. Hierfür werden eigens Unterrichtsmaterialien erstellt. Die Initiative wird finanziell und organisatorisch getragen von einer privaten Stiftung „Fundación Konie 2000“ („Stiftung Kolonie 2000“). Honoratioren der Kolonie gehören zum Trägerkreis. Die Stiftung ist darüber hinaus auch damit befaßt, über die Geschichte, Architektur, Musik und die kulturellen Gebräuche zu arbeiten, Dokumentationen zu publizieren und die Präsenz der wolgadeutschen Kultur in der Region zu fördern. Dabei kommt ihr der Umstand zugute, daß die Deutschsprachigen in der Region ein hohes Prestige haben und zum Teil in leitenden Stellungen in der Industrie tätig sind.

Die wolgadeutsche Varietät wird verschriftet, um den Kindern, die dem Unterricht mit großer Begeisterung folgen, eine visuelle Stütze zu geben und um der unterrichteten Sprache das „gleiche Prestige“ wie dem Spanischen zu verleihen (Schmidt 1996: 5). Dabei wird die Varietät im wesentlichen als mündliche Sprachbasis erhalten und keine aktive Schriftlichkeit im Dialekt angestrebt, auch um Konfusion mit der Standardsprache zu vermeiden. Die Verschriftung geschieht - konsequent - nach spanischen Orthographienormen: „Trink, trink, priderlain trink. Lass doj di Sorguen tzú Haus.“

Angesichts des fragilen Zustands der Sprachinsel scheint es eine sinnvolle Überlegung zu sein, die einzig vorhandene Varietät des Deutschen zu nutzen, „um der Gefahr einer folgerichtigen Entwicklung von aktueller Zweisprachigkeit und Bi-Kultur zu erneuter, dann aber spanischer Einsprachigkeit, dem Verlust der wolgadeutschen Mundart und der damit verbundenen Auflösung der Sprachinsel entgegenzuwirken“ (Schmidt 1996: 4f) Bereits in den drei Kolonien, die als „Erst-, Zweit- und Drittkolonie“ bezeichnet werden und in einem Abstand von 3,6 bis 15 km vom Zentrum Coronel Suárez entfernt hintereinander liegen, macht sich die sprachliche Fragilität deutlich: Die am weitesten von der Stadt entfernte „Drittkolonie“ scheint am wenigsten von sprachlicher Assimilation geprägt zu sein, die „Erstkolonie“ am stärksten (hinzu kommt offenbar ein soziales Gefälle zwischen den Kolonien) - Grund genug, über wirkungsvolle Maßnahmen nachzudenken.

3.2 Brasilien


Die Hauptvarietät im Süden, das Riograndenser Hunsrückisch hat sich durch 170jährigen dialektalen Ausgleich, durch Varietätenkontakt mit anderen deutschen Varietäten sowie durch den Sprachkontakt mit dem Portugiesischen und anderen Einwanderersprachen zu einer neuen, eigenständigen Varietät entwickelt, deren „Diffusion“ über die Kolonien von Rio Grande do Sul Cléo Altenhofen (1996) beschreibt. Das Hunsrückische hat im Zuge dieser „Diffusion“ andere Varietäten verdrängt oder gelegentlich sogar „überdacht“, nicht ohne selbst Merkmale dieser Varietäten aufgenommen zu haben. Altenhofen versteht das Hunsrückische als ein dialektales Kontinuum mosel- und rheinfränkischer Merkmale, das dem Dialekt- und Sprachkontakt innerhalb eines Varietätennetzwerks ausgesetzt ist. Anhand von Erhebungen in zehn Belegorten beschreibt Altenhofen die dialektale Variation des Hunsrückischen als „intralinguale“ Variation zwischen Merkmalen des in sich keineswegs einheitlichen Hunsrückischen, der hochdeutschen Standardsprache, verschiedener Familiolekte und der anderen dialektalen Varietäten (Pommerisch, Westfälisch etc.) sowie als „interlinguale“ Variation zwischen portugiesischen Entlehnungen, italienischen Einflüssen (und französischen Altentlehnungen). Die Siedlungs- und Familiengeschichte, soziale und altersmäßige Faktoren beeinflussen diese Variation. Inwieweit sich die Kategorie des „Familiolekts“ angesichts der zu beobachtenden Lusitanisierung der jüngeren Generation auflöst, wird zu beobachten sein. Aufschlußreich wäre auch, dialektale Kontaktergebnisse in Siedlungen zu verfolgen, in denen kompakte Gruppen von Hunsrückisch und Pommerisch oder Westfälisch Sprechenden aufeinandertrafen. Im Unterschied zur sprachlichen Entwicklung unter den Rußlanddeutschen führte in den brasilianischen Sprachinseln die dialektale Heterogenität, die durch migrationsbedingten Dialektkontakt zwischen verschiedenen deutschen Varietäten erzeugt wurde, offenbar nicht oder noch nicht zum „Umkippen“, das heißt zum Sprachwechsel.

Allerdings sind die Anzeichen der sprachlichen Assimilierung heute vermehrt zu beobachten: Während die frühere gewaltsame „Brasilianisierungspolitik“ zu keiner völligen Assimilation geführt hatte, ist es heute die Modernisierung des Landes, die durch wachsende Verstädterung und Industrialisierung, durch die damit verbundene Herausbildung sozialer Schichten auch unter den Deutschbrasilianern sowie durch eine gestiegene Mobilität und eine wachsende Zahl von Mischehen das Portugiesische eindringen läßt. Mischehen werden jedoch bis heute in der Elterngeneration häufig abgelehnt, da sie die sprachliche und kulturelle Eigenständigkeit der deutschen Familien aufzulösen drohen (vgl. Tornquist 1997: 98).

Das brasilianische Portugiesisch unterliegt selbst einer erheblichen Variation, wie gegenwärtig durch Paulino Vandresen und andere im Rahmen des Projekts „Variação Lingüistica Urbana no Sul do País (VARSUL)“ in südbrasilianischen Städten mit soziolinguistischen Methoden untersucht wird. Dabei haben die Immigrantensprachen im Portugiesischen ihre Spuren hinterlassen. Helga Guttenkunst Prade (1996) beschreibt etwa die vielfältigen Interferenzen im Portugiesischen, die zum Teil aus dem im Untersuchungsort gesprochenen Hunsrückischen resultieren: stimmlose Konsonanten (bzw. Fortes) anstelle von stimmhaften (z.B. „vertate“ statt „verdade“ ‘Wahrheit’), fehlende Vokalisierung des „l“ (z.B. in „papel“ ‘Papier, Rolle’), fehlende Nasalierung (z.B. in „Alemanha“), doppelte Verneinung, Verschiebungen des Wortakzents und zahlreiche weitere.

Elke Cybulla (1993) hat die Ethnographie des Sprachverhaltens in drei Generationen in Alto Bella Vista (Santa Catarina) untersucht. Sie kommt zu dem Ergebnis eines in der jüngeren Generation beschleunigten Sprachwechsels, der in einem weitgehenden Übergang zum Portugiesischen in den öffentlichen Sprachdomänen besteht. Der Einschnitt der Stigmatisierung des Deutschen unter der Vargas-Diktatur stellte den Wendepunkt in diesem Prozeß dar: Heute zeigt sich eine diglossisches Sprachverhalten in der Elterngeneration und ein Übergang zum Portugiesischen in der Kindergeneration. In der Familie wird überwiegend zweisprachig oder portugiesisch gesprochen, nur mit den Großeltern spricht noch ein Fünftel ausschließlich deutsch. In öffentlichen Sprachdomänen dominiert das Portugiesische, aber immerhin ein Viertel der Informanten gebraucht teilweise Deutsch. Das verwendete Deutsch ist selbstverständlich lusitanisiert, wie etwa die dem Portugiesischen nachgebildete Begrüßungsformel „Alles gut?“ (port. „Tudo bem?“) zeigt.

Lourdes Claudete Schwade Sufredini (1993) hat die Zweisprachigkeit in Lageado Antunes, einer ländlichen Gemeinde im westlichen Santa Catarina, untersucht. In einer Befragung von 24 Schülern der 5. bis 8. Klasse bestätigt sich der Rückzug der deutschen Varietäten in die familiären Sprachdomänen. Mit Eltern und Großeltern wird von drei Vierteln der Befragten „fast immer“ („quase sempre“: 50-66%) oder „gelegentlich“ („às vezes“: 8-25%) Deutsch gesprochen. In öffentlichen Kommunikationskontexten (zum Beispiel im Geschäft oder in der Kirche) wird nur „gelegentlich“ von einem Drittel bis zur Hälfte der Befragten Deutsch verwendet. Interessant ist jedoch, daß auch in der jugendlichen Peergroup die deutsche Varietät durchaus noch präsent ist: Mit Klassenkameraden, unter Freunden und unter den Geschwistern wird noch relativ häufig Deutsch gesprochen (Schwade Sufredini 1993: 77ff). Es fragt sich natürlich, wie „deutsch“ dieses Deutsch ist. Schwade Sufredini (1993: 199f) hat in einer genaueren Studie dreier Generationen (in sechs Familien) portugiesische Entlehnungen in großer Zahl festgestellt, allerdings zeigen diese nahezu keinerlei Signifikanz in der Generationenabfolge: Sie sind bei den Jüngeren nicht häufiger als bei der mittleren und älteren Generation. Eine Netzwerkanalyse ergibt schließlich, daß die Kommunikation in der Familie und der engen Nachbarschaft weitgehend auf Deutsch vonstatten geht. Die Tatsache, daß Familie und engere Nachbarschaft die „Knotenpunkte“ der Verwendung des Deutschen sind, bestätigt Altenhofens Annahme einer „familiolektalen“ Basis der deutschen Varietäten (s.o.). Außerhalb der Gemeinde (beim Arzt, in Geschäften, mit dem Pfarrer) wird in allen Generationen nahezu ausschließlich portugiesisch gesprochen (Schwade Sufredini 1993: 106ff).

Maria Elaine Estivalét Steiner (1988) führt eine ähnliche Untersuchung in Jaraguá do Sul bei Joinville (Santa Catarina) durch: Der Ort liegt in einer städtisch geprägten, dicht besiedelten und industriell entwickelten Region. Die Befragung unter 292 Schülern kommt zu dem Ergebnis, daß in der überwiegenden Anzahl der Familien nur noch „gelegentlich“ Deutsch gesprochen wird, wie auch in der Peergroup und in der Nachbarschaft. Beim Einkauf und in der Kirche wird zu fast 90% ausschließlich Portugiesisch gesprochen. Die Verwendung des Deutschen ist gegenüber älteren Gesprächspartner und Bekannten häufiger und auch von der Konfession abhängig: Protestanten sprechen innerhalb und außerhalb der Familie mehr Deutsch als Katholiken (Estivalét Steiner 1988: 83ff).

Ute Bärnert-Fürst (1994) untersucht Sprachbewahrung und Sprachwechsel in einer Studie des Sprachverhaltens in drei Generationen in Panambí (Neu-Württemberg), einer schwäbischen Kolonie, die zwischen 1921 und 1926 im Nordwesten von Rio Grande do Sul gegründet wurde. Auch hier zeigt sich, daß in der Folge der Stigmatisierung des Deutschen es die mittlere Generation war, die den Sprachwechsel innerhalb der Familie einleitete. Während in der Gründungszeit die Verwendung des Portugiesischen auf die äußeren Kontakte des wirtschaftlichen und institutionellen Verkehrs beschränkt blieb, dringt die Kontaktsprache seit den späten 1930er Jahren über die Schule und Kirche ein, während die Arbeitssphäre auf dem Lande noch deutsch bleibt, in der Stadt jedoch partiell zum Portugiesischen übergeht. Heute (1985) wird die deutsche Varietät auf dem Lande partiell auch wieder in der Kirche und bei der Arbeit verwendet, während jedoch die familiäre Kommunikation bilingual geworden ist: in der Stadt mit Dominanz des Portugiesischen, auf dem Lande des Deutschen. Ute Bärnert-Fürst deutet dies als Stadien eines langfristigen Prozesses, der mit einer Verschiebung der Sprachdomänen begann und zu einem generationenspezifischen Sprachgebrauch, insbesondere zu Veränderungen in der sprachlichen Sozialisation der Kinder, führt. Negative Spracheinstellungen gegenüber der Minderheit und ihrer Sprache seien jedoch kaum zu beobachten: „German still fulfills important social functions, particularly in the realms of identification and reproduction of ethnic identity“ (Bärnert-Fürst 1994: 284). Dies wird von Ingrid Margareta Tornquist (1997) nach qualitativen Interviews unter 15 Informantinnen (zwischen 21 und 95 Jahren) anders gesehen: Zwar sei eine „deutliche Loyalität gegenüber der heimatlichen Sprache zu verzeichnen“, die auf dem „Zusammengehörigkeitsgefühl der ethnischen Gruppe“ basiere. Jedoch schämten sich viele ihrer deutschen dialektalen Varietät, zumal sie im Deutschen überdies meist Analphabeten seien: „das wor werklich eeklich, was mer gesproch hon, iwereeklich, ich sprech jetz noch eeklich, porque [weil] ich kann keen Hochdeitsch“ (Tornquist 1997: 85 u. 79).

„Das Portugiesische wurde zum Symbol der Stadt, der höheren Schicht, des Wissens, der Schule, der Nationalität und der jüngeren Generation. Das Hunsrückische wird im Gegensatz dazu wachsend mit der Sprache der ländlichen Gegenden, der Herkunft, der Familie, der Gruppensolidarität und der älteren Generation assoziiert.“ (Altenhofen 1996: 73)

3.3 Chile

In Chile (mit einer Bevölkerung von 1993 12,5 Millionen) leben nach Schätzungen etwa 20.000 Deutschsprachige (unter ca. 150.000 - 200.000 Nachfahren deutscher Einwanderer). Diese waren in größerer Zahl seit 1846 aus verschiedenen Regionen Deutschlands nach Chile gekommen, zunächst aus Hessen und Brandenburg, dann aus Württemberg und der Oberlausitz, später aus Schlesien, Westfalen und schließlich aus Böhmen. Deutsche Kolonien wurden in der ersten Einwanderungszeit (zwischen 1846 und 1875) vor allem in der „Frontera“-Region, im südlichen Grenzgebiet, angelegt, in der Region um die Orte Valdívia und Osorno und seit 1853 am Llanquihue-See. In einer zweiten Immigration wanderten zwischen 1882 und 1914 Industrie- und Landarbeiter, vor allem aus Ostdeutschland, ein; die dritte Einwanderung nach 1918 führte zumeist in die Städte.

Unter den ersten deutschen Siedlern sind sämtliche Berufsgruppen vertreten, einschließlich Gebildeter, unter ihnen eine größere Zahl von sogenannten „1848ern“: Chile war zu dieser Zeit das einzige lateinamerikanische Land, das die von ihnen geforderten Freiheitsrechte garantierte. Die Einwanderer in den bäuerlichen Kolonien am Llanquihue-See sprachen in der Anfangszeit in erster Linie ober- und mitteldeutsche Varietäten, die städtischen Deutschen bedienten sich offenbar bald einer hochdeutschnahen Varietät (vgl. Born/Dickgießer 1989: 68). Der frühzeitige Aufbau von Schulen, der vergleichsweise höhere Anteil von Intellektuellen und die relativ bald erreichte wirtschaftlich wohlhabende Stellung der Deutschsprachigen mögen dazu beigetragen haben. Unter den Immigranten sollen kaum Analphabeten gewesen sein (vgl. Burdach/Vega 1994: 15).

Die Einwanderung wurde von Beginn an durch die chilenische Regierung unter den Präsidenten Bulnes und Montt staatlich gefördert. Unter den ersten Beauftragten ist Bernhard Eunom Philippi, der als Beauftragter des Kgl. Museums in Berlin den Süden Chiles erforscht und später zum Kolonisationsagenten für die Werbung deutscher Auswanderer ernannt wird. Philippi und später Vicente Pérez Rosales betreiben die Kolonistenwerbung mit dem erklärten Auftrag, (katholische) Handwerker, Bauern und Gewerbetreibende für die Besiedlung und Sicherung der „Frontera“, der südlichen Grenzregion Chiles, gegenüber der indigenen Bevölkerung zu gewinnen. Das wirtschaftlich äußerst rückständige Land hat zu diesem Zeitpunkt 1,8 Mill. Einwohner, Santiago zählt etwa 100.000 Bewohner, Concepción im Süden nicht mehr als 10.000. Im gleichen Zeitraum, in dem sich zwischen 1846 und 1876 4.532 Deutsche in Chile ansiedeln (vgl. Jünemann Gazmuri 1994: 12), steigt die Verstädterung in Chile von 20% auf 30% (und bis 1891 auf 45%). Parallel zur „Landerschließung“ wird die Eisenbahn weiter nach Süden ausgebaut, erreicht aber erst 1890 Temuco.

Die chilenische Regierung hatte ursprünglich ausschließlich katholische Einwanderer zulassen wollen, zeigte sich aber bald kompromißbereit. Die sogenannten „1848ern“, die die Verwirklichung ihrer freiheitlichen politischen Vorstellungen in der neuen Heimat anstrebten, forderten für die deutschen Einwanderer unter anderem Religionsfreiheit und Landeigentumstitel. Einer dieser Auswanderer, der preußische Landtagsabgeordnete Karl Anwandter, der 1850 in Valdívia ankam, führte die Verhandlungen. Im Gegenzug sicherte er unbedingte Loyalität zu, „unser Aufnahmeland gegen jede ausländische Aggression zu verteidigen, mit der Entschiedenheit und Beharrlichkeit des Mannes, der sein Vaterland, seine Familie und seine Rechte verteidigt“ - ein Zitat, das sich heute auf dem Gedenkstein für die deutsche Einwanderung in Valdívia wiederfindet und einen Bestandteil der deutsch-chilenischen Identität ausmacht:

„Seremos chilenos honrados y laboriosos como el que más lo fuere. Unidos a las filas de nuestros compatriotas, defenderemos nuestro país adoptivo contra toda agresión extranjera, con la dicisión y firmeza del hombre que defiende su patria, su familia y sus intereses“ (Anwandter, nach Jünemann Gazmuri 1994: 20).

1852 begann die Besiedlung am Llanquihue-See, eines bis dahin dicht bewaldeten und unwegsamen, völlig unerschlossenen Gebiets am Fuße des Vulkans Osorno. Den Siedlern wurden von der Regierung eine Reihe von „Zusicherungen“ gegeben, die jedoch nur zum Teil eingehalten wurden: Land, Steuer- und Abgabenfreiheit für 15 Jahre, eine Kuh, Saatgut, Geld für den Unterhalt während des ersten Jahres (als Darlehen), medizinische Versorgung, Hausbaumaterialien und die chilenische Staatsbürgerschaft für die, die sie beantragten (Jünemann Gazmuri 1994: 26). In den folgenden Jahren setzte sich die Besiedlung der Llanquihue-Region mit der Gründung weiterer Kolonien (Puerto Varas, Frutillar etc.) in großem Stile fort und hielt bis 1880 an. Neue Ansiedlungen wurden meist von geschlossenen Gruppen aus einem bestimmten Herkunftsgebiet gegründet, zum Beispiel Hessen, Sachsen, Schwaben, später auch Schlesiern und Böhmern. Anfang der 1860er Jahre wurden in der sogenannten „Colonia“, dem „Territorio de Colonización de Llanquihue“, 1.491 Deutsche gezählt, von denen 551 in Chile geboren waren (vgl. Reiter 1992: 59). 1863 kamen katholische Auswanderer, hauptsächlich Westfalen, nach 1875 bildeten Österreicher die Hauptmasse der Siedler.

Ursprünglich waren die einzelnen Ansiedlungen durch Waldgebiete getrennt und besaßen auch kein Siedlungszentrum, sondern hatten die Struktur von weit auseinander liegenden „Seehufen“ (von etwa 75 bis 100 ha Größe), die vom Seeufer aus in den Wald gingen. „Durch diese Streusiedlung mit großen Entfernungen zwischen den Höfen übertrug sich die Isolation der ganzen Region auch auf die einzelnen Familien“ (Reiter 1992: 62). So blieben für einige Zeit landsmannschaftliche Siedlungen erhalten (z.B. schwäbische, hessische, böhmische Kolonien), die anfangs auch über dialektale Varietäten verfügten. Jedoch wurde im Laufe der Zeit das gesamte Seeufer besiedelt; entlang von Wegen wurden neue Siedlungen („Líneas“) eingerichtet. Aufgrund von Beschränkungen des Zukaufs von Landflächen wurde Kapital eher in verbesserte Anbaumethoden, Saatgut, Maschinen investiert, und es entstand eine für Chile völlig neue mittelbäuerliche Besitzstruktur. Dennoch waren bis 1917 38,5% und bis 1961 mehr als 50% der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche dieses Gebiets in Händen von Deutschchilenen (vgl. Reiter 1992: 63). Puerto Varas und Frutillar entwickelten sich im Laufe der Zeit zu Mittelpunktorten, in denen sich der Handel konzentrierte. In Frutillar bestand das erste Handelshaus der Colonia, es bildete sich ein deutscher Verein, eine deutsche Schule und eine protestantische Pfarre, die bis heute für das Seengebiet zuständig ist. Puerto Montt wuchs bis 1920 auf fast 10.000 Einwohner, die Verwaltung lag in ibero-chilenischen, Handel und Gewerbe in deutschen Händen, die Bevölkerungsmehrheit waren indigene „Chiloten“ (von der Insel Chiloé), die selbst wenig Spanisch sprachen. Heute ist Puerto Montt (mit 1996 ca. 120.000 Einwohnern) Hauptstadt der „Región de los Lagos“.

Jünemann Gazmuri (1994: 30f) stellt für die deutsche Einwanderung rückblickend fest, daß aufgrund fehlender staatlicher Unterstützung, nicht eingehaltener Versprechungen, administrativer Fehlplanung, Bodenspekulation, klimatischer und geographischer Extrembedingungen und Kommunikationsproblemen die Kolonisierung in der Anfangszeit ein Fehlschlag war. Auch quantitativ war die deutsche Einwanderung wesentlich weniger bedeutsam als etwa in Brasilien, das seinen Süden mit Immigranten besiedelte, und Argentinien, das im gleichen Zeitraum seine Bevölkerung verdoppelte. Dennoch gelang es mit Verspätung auch in der Colonia Llanquihue, die Siedlungsgebiete wirtschaftlich und naturräumlich „substantiell umzugestalten“: Es wurden weite Landstriche gerodet, trocken gelegt und bebaut, es wurden Häfen (am Llanquihue-See) angelegt, eine regelmäßige Schiffsverbindung eingerichtet, Straßen gebaut, Betriebe gegründet, die Valdívia in eine Industrieregion verwandelten: 1882 waren 56% der Deutschen in Valdívia Gewerbetreibende gegenüber 2% der übrigen Bevölkerung. Bereits 1864 wird berichtet, daß die Deutschen eine relativ hochdeutschnahe Varietät verwendet hätten (vgl. Blancpain 1986: 191). Dies dürfte sich vor allem auf die städtischen Siedler beziehen und verdankt sich sicherlich auch dem frühzeitig entwickelten deutschen Schulwesen, das in ganz Chile als vorbildlich galt. Während sich in und um Valdívia und Osorno vorwiegend Handwerker und Kaufleute niederließen, fand am Llanquihue-See vor allem bäuerliche Besiedlung im Sinne einer Neulandkolonisation statt. Die Colonia Llanquihue verblieb lange in abgeschiedener Lage. Eine engere Anbindung der Colonia, zum Beispiel durch die Einrichtung von Zweigstellen staatlicher Einrichtungen, wurde von seiten der chilenischen Regierung abgelehnt (Reiter 1992: 66). Auch die Verwaltungsumstrukturierung, die 1861 mit der Erhebung der Region zur „provincia“ verbunden war, die aus drei „departamentos“ (mit jeweils drei distritos“) bestand, sollte nicht zu einer Integration der Deutschen führen: Sie übten weiterhin sämtliche administrativen Aufgaben aus und behielten die Selbstverwaltung. Die „Autarkie“ der Siedlungen am Llanquihue, damit die Notwendigkeit, sämtliche wirtschaftlichen, sozialen, administrativen und schulischen Einrichtungen selbst zu schaffen, stellte die Voraussetzung für die künftige Entwicklung dieser deutschen „Musterkolonien“ dar.

Über die Notwendigkeit, Spanisch zu sprechen, gehen die Auffassungen auseinander: Reiter (1992: 110f) geht von kaum vorhandenen Sprachkontakten aus, Blancpain (1986: 94) und Burdach/Vega (1993: 17) betonen die frühe Zweisprachigkeit: Die Deutschen seien von Beginn der Besiedlung an von einem kontinuierlichen Strom chilenischer Binnenwanderer begleitet worden und hätten nie mehr als 5,5% der Bevölkerung ausgemacht. Die kulturellen, sozialen und konfessionellen Unterschiede hätten aber einen asymmetrischen Sprachkontakt bewirkt: den Kontakt zwischen Herren und Arbeitern, „de patrones a obreros“ (ebd.).

Dies änderte sich erst zur Jahrhundertwende mit dem Anschluß der Region durch den Eisenbahnbau, vor allem durch das aufblühende Wirtschaftsleben und die massive Zuwanderung spanisch sprechender Bevölkerung. In den Städten entsteht eine breite chilenische Mittelschicht. Damit wird der Sprachkontakt unabdingbar. Mit der Anbindung der Region wächst der Zuzug von Iberochilenen auch nach Llanquihue. Jedoch erreicht die Sprachbeherrschung des Spanischen in den ländlichen Kolonien lange Zeit nicht das Niveau der deutschen Stadtbewohner. Die deutschen Schulen, die (evangelischen) Kirchen und die deutschen Vereine stützten nach wie vor die deutsche Sprache. Am Llanquihue entwickelt sich eine von spanischen Lexemen interferierte Ausgleichsvarietät, das sogenannte „Launa-Deutsch“ (Lagunen-Deutsch, span. „Laguna“ ‘See’). Bieregel/Müschen (1983: 26) und Reiter (1992: 125) nennen zahlreiche Hispanismen („die vacken geletschert“ ‘die Kühe gemolken’, span. „lechar las vacas“) sowie „falsche Freunde“ („Examen“ für ‘ärztliche Untersuchung’).

Wachsender Wohlstand und eine zunehmende Mobilität prägen die ersten Jahrzehnte dieses Jahrhunderts. 1896 immatrikulieren sich die ersten deutschen Studenten an der Universität in Santiago, im gleichen Jahr wird die deutsche Burschenschaft gegründet. Wachsende Mobilität kennzeichnet die Deutschen, aber auch die Iberochilenen. Mit dem Schwinden der sozialen Kontraste fallen auch die ethnisch-kulturellen Unterschiede immer weniger ins Gewicht. Ebenso verlieren die konfessionellen Schranken in einer Zeit allgemeiner Säkularisierung an Bedeutung. Die Öffnung der deutschen Kolonien und eine zunehmende Anzahl von Mischehen führen schließlich zu einem spanisch dominierten Bilingualismus.

Die sprachliche Assimilation setzte bereits vor dem Zweiten Weltkrieg ein. In der NS-Zeit führt die „völkische“ Propaganda auch in Chile zu einer Rückbesinnung auf die Zugehörigkeit zur deutschen Minderheit, vermittelt durch eine große Zahl von Vereinen. Die NS-Auslandsorganisationen versuchen, diese Vereine - ähnlich wie in Argentinien und Paraguay - gleichzuschalten und als ideologischen Vorposten zu instrumentalisieren (s.o.). Aus der Perspektive der Deutschchilenen nimmt sich diese Zeit bis heute anders aus als aus bundesdeutscher Sicht: Sie ist mit einem Aufleben deutscher Traditionen, deutscher Kultur und deutschen Vereinslebens verbunden. Eine nostalgische Verklärung dieser Periode ist allerdings nicht gleichzusetzen mit einer NS-Anhängerschaft oder gar einer Heim-ins-Reich-Mentalität der Deutschchilenen. Schätzungen seitens des „Rassenpolitischen Amtes der NSDAP“ hatten bereits 1939 den Rückwanderungswillen der Deutschen in Brasilien, Argentinien und Chile als gering eingeschätzt (im Unterschied zu Uruguay und Paraguay; vgl. Bergmann 1994: 64).

Sprachlich gesehen hat diese Phase die Assimilation, die bereits begonnen hatte, noch einmal verzögert. Nach dem Kriege setzte sie sich fort: Spätestens in den 1960er Jahren war das Potential der Renaissance der deutsch-chilenischen Kultur aufgezehrt. In einer von Grandjot und Schmidt 1960 veröffentlichten Studie unter mehr als 6.500 Befragten bezeichnen sich noch rund 70% als ausgewogen zweisprachig, jedoch geht diese Zahl in den folgenden Jahren rapide zurück, besonders unter den jüngeren. In Chile wie in anderen Ländern bestätigt sich überdies die stärkere Assimilation der katholischen Deutschchilenen.

Heute existieren nach wie vor eine große Anzahl von Vereinen und Einrichtungen (Sportvereine, Chöre, Frauenvereine, sogar Burschenschaften). 1981 wurden 39 Organisationen mit 8.000 bis 9.000 Mitgliedern gezählt (vgl. Born/Dickgießer 1989: 72). Diese sind jedoch oft spanischsprachig. Evangelische Gottesdienste werden in den sieben Kirchen der „Seengemeinde“ am Llanquihue immer noch mehrere Male im Monat auf Deutsch abgehalten, jedoch stoßen diese auf Sprachprobleme unter der Jugend. Deutschsprachige Radioprogramme und die deutsche Zeitung CONDOR unterstützen diese Bemühungen um die Aufrechterhaltung der deutschen Sprache. Die „Liga Chileno-Alemana“ versteht sich als Dachorganisation der Deutschchilenen, das „Emil-Held-Archiv“ in Santiago betreibt historische Forschungen zur Geschichte der Deutschen. Die 26 „deutschen Schulen“ (1989), davon allein acht in Santiago, erteilen Deutschunterricht heute - bis auf wenige muttersprachliche Klassen (z.B. in Santiago, Valparaíso) - als intensivierten Fremdsprachunterricht. Von ihren 12.000 Schülern sind nur wenige noch deutsche Muttersprachler. Die deutschen Schulen und Kindergärten werden wegen ihrer besseren Sprachausbildung im Lande geschätzt. Die Schulen finden einen Teil ihrer Schülerschaft auch unter nicht der deutschchilenischen Gruppe angehörenden Chilenen, die Stipendien erhalten. Allerdings beginnen sich neue Lehrpläne, in Chile nur noch eine statt zweier Fremdsprachen zu unterrichten, für das Deutsche negativ auszuwirken: Deutsch hat gegenüber Englisch einen zunehmend schwereren Stand. Eine Umfrage in der Deutschen Schule Santiago 1987 (1000 befragte Familien) ergab, daß knapp die Hälfte der Schüler zu Hause noch teilweise, nur ein Sechstel regelmäßig Deutsch spricht, darunter sicher viele Kinder von bundesdeutschen Diplomaten, Firmenvertretern etc. (vgl. Born/Dickgießer 1989: 69). Der Rückgang an deutschen Muttersprachlern wird zumindest in der Hauptstadt immer wieder durch Kinder von bundesdeutschen „Arbeitsmigranten“ gemildert, ebenso wie ein Teil der Lehrerschaft aus Deutschland kommt und von der Bundesregierung finanziert wird. Mit den bundesdeutschen Lehrkräften, Schülern und Eltern entstehen allerdings häufig Konflikte, die der Schwierigkeit entspringen, die Innen- und Außensicht Deutschlands und deutscher Kultur miteinander zu vermitteln. Von Deutschchilenen wird daher der Einfluß bundesdeutscher „Immigranten auf Zeit“ nicht unkritisch gesehen. Allerdings ist die Verbindung mit Deutschland durchaus nicht einseitig: Es bestehen zahlreiche Kontakte nach Deutschland, viele Schüler der deutschen Schulen gehen im Rahmen des Schüleraustauschs oder zum Studium nach Deutschland.

Wenn auch das Deutsche sich in permanentem Rückgang befindet, genießt es in Chile doch nach wie vor ein hohes Prestige. In der Llanquihue-Region ist „deutsch“ ein touristisches Markenzeichen geworden: Schilderaufschriften wie „Kuchen“, „Bierstube“, „Café »Oma«“ usw. werden schlicht als Gütezeichen verwendet und haben keinen aktuellen deutschsprachigen Hintergrund mehr.

Der Rückgang des Deutschen wird in einer Befragung von Ana María Burdach und Olly Vega (1994) unter 39 Deutschchilenen dreier Generationen in der Llanquihue-Region deutlich: Das Deutsche wird von den Informanten immer weniger verwendet, insbesondere herrscht bei den Jüngeren eine deutliche Tendenz des Sprachwechsels vor. Alle drei Generationen geben zwar noch an, beide Sprachen zu verwenden, die jüngeren noch zur Hälfte, die mittlere und ältere Generation zu drei Vierteln. Die Sprachwahl hängt jedoch vom Gesprächspartner und der Gesprächssituation ab: Die Großelterngeneration spricht untereinander und mit der Elterngeneration Deutsch, die Elterngeneration mit der Großelterngeneration Deutsch, aber untereinander beide Sprachen oder Spanisch, die Kindergeneration spricht außer mit den Großeltern mit allen Spanisch. Es gibt keine einzige Sprachdomäne, in der das Deutsche noch dominieren würde. In informellen Situationen verwenden Großeltern- und Elterngeneration beide Sprachen oder Spanisch, die Kindergeneration überwiegend Spanisch. In formellen und öffentlichen Situationen wird fast ausschließlich Spanisch gesprochen. Die Sprache in der (evangelischen) Kirche, in der Schule und im Kulturleben ist am ehesten noch deutsch, bei den jüngeren Informanten zweisprachig. Die katholischen Probanden dagegen haben das Deutsche in allen drei Generationen fast völlig aufgegeben. Die Studie erhärtet den Eindruck, daß das Deutsche heute nur noch institutionell gestützt wird, während in alle anderen Bereiche das Spanische rasch eindringt (vgl. Burdach/Vega 1994: 36ff).

Ulrike Ziebur (1998) hat in einer Fragebogenerhebung mit 270 Informanten in der Llanquihue-Region, besonders an der deutschen Schule Puerto Varas, sowie in 36 Interviews die Sprachverwendung des Deutschen und Spanischen untersucht. 75% der Befragten geben an, zu Hause mit ihrer Familie nur noch Spanisch zu sprechen. Die Ergebnisse zeigen, daß die Verwendung des Deutschen - neben der Sprachkompetenz, die meist nicht mehr primärsprachlich erworben wurde - vom Alter, der Konfession und der Mitgliedschaft in deutschen Institutionen beeinflußt wird. Interessanterweise definieren sich jeweils 40% als „Chilene deutscher Abstammung“ bzw. als „Chilene“ und nur 7% als „Deutschchilene“.

3.4 Paraguay

Die Mennoniten haben die Kolonien nach Anfangsschwierigkeiten, besonders im Chaco, zu einer erstaunlichen wirtschaftlichen und kulturellen Prosperität geführt. Die Mehrzahl der Mennoniten Paraguays (57%) gehört heute zu den sogenannten „fortschrittlichen“ Mennoniten. Sie verfügen über ein ausgebautes Bildungswesen, das Primar- und Sekundarschulen und ein zweisprachiges Lehrerbildungsseminar, eine Landwirtschaftsschule sowie eine Behindertenwerkstätte und Kindergärten einschließt. Die Kolonien besitzen Krankenhäuser, Altenheime, Sozialstationen, Gästehäuser und Supermärkte. Die Kooperativen sind wirtschaftlich sehr erfolgreich und durch ein Vermarktungsnetz mit Filialbetrieben in Asunción verbunden: 50% aller Milchprodukte Paraguays werden von den Molkereien der Kolonien produziert (vgl. Ratzlaff 1996: 2ff). In den Kolonien existiert ein Wegenetz von 2.500 km Sandpisten. Es wird die Zeitung MENNO-BLATT herausgegeben und der Sender „La Voz del Chaco Paraguayo“ in Filadelfia (Fernheim) betrieben, der in neun Sprachen sendet (1996: 22% der wöchentlichen Sendezeit auf Deutsch, 65% auf Spanisch, 13% in mehreren Indianersprachen sowie auf Englisch).

Bereits 1935 begannen die Mennoniten mit der Missionierung der Indianer. In der Umgebung leben zahlreiche indigene Gruppen, die neben Guaraní verschiedene Indianersprachen sprechen, darunter am häufigsten Lengua, Chulupí (Nivaclé) und Ayoreo. Guaraní ist heute zweite Landessprache in Paraguay und wird auch in der Schule, zumindest mit zwei Stunden in den ersten drei Klassen, unterrichtet. Die Mennoniten haben die indigene Bevölkerung in ihren Kooperativen angestellt; damit war zugleich ein Seßhaftwerdungsprozeß verbunden. Nachdem die Lager der Arbeiter sich in den 1970er Jahren zu regelrechten „Slums“ entwickelt hatten, wurde beschlossen, Land für die Indianer anzukaufen: 1995 lebten etwa 10.000 Indianer in zwölf Siedlungen auf etwa 150.000 ha. Land mit rund 1.400 eigenen Höfen (vgl. Klassen 1991: 187 u. 190). Heute gibt es 7.000 indigene und 4.000 „latein-paraguayische“ Mennoniten. Unter den Indianern, die bei Mennoniten gearbeitet oder gelebt haben, gibt es mitunter „Plautdietsch“-Sprecher.

Der nahezu siedlungsleere Chaco (mit knapp zwei Dritteln der Landesfläche, aber nur 2% der Einwohner) bot den Mennoniten ideale Bedingungen eines abgeschiedenen Lebens. Auch die Stationierung von Soldaten während des Chaco-Krieges 1932-1935 tangierte die Autarkie der Kolonien nur vorübergehend. Allerdings brachte die Fertigstellung der Ruta Trans Chaco in den 1960er Jahren bzw. ihre Asphaltierung 1987 den Anschluß des Chaco an die Landesentwicklung. Die Öffnung der Kolonien gegenüber der paraguayischen Gesellschaft führte zu weitgehender Zweisprachigkeit, aber keineswegs zur Assimilierung.

Spanisch wird von den meisten gesprochen, hinzu kommt Portugiesisch bei den aus Brasilien Eingewanderten. Allerdings bleibt das Deutsche in den Chaco-Kolonien nach wie vor die dominante Sprache, die sämtliche Bereiche des Kolonielebens prägt, während in Itapuá das Spanische vordringt. In der Deutschen Schule „Concordia“ in Asunción wird die eine Hälfte der Fächer auf Deutsch, die andere (Mathematik, Musik, Kunst, Sport) auf Spanisch unterrichtet. Unter 356 Schülern werden 65% mennonitische Deutschparaguayer, 10% andere Deutschparaguayer und 25% „Spanischsprachige“ von der Schulleitung gezählt. Die Bedingungen in der Hauptstadt führen selbstverständlich zu einem sehr viel stärkeren Kontakt mit dem Spanischen als im Chaco.

Clemens Scharf (1996) hat für die Mennoniten in Uruguay die Auswirkungen des Lebens in der Hauptstadt (Montevideo), in einer Kleinstadt (Colonia del Sacramento) und in den Kolonien (Gartental, El Ombú, Delta) in einer interessanten Studie zur sprachlichen „Akkulturation“ untersucht. Dabei fließen neben dem Raum weitere Basisfaktoren (Alter, Geschlecht) sowie eine Reihe von Kofaktoren (Bildung, Mobilität, berufsbedingte Sprachkontakte, Exogamie usw.) ein. Gegenstand sind deutsche Merkmale in der spanischen Rede der Probanden auf lexikalischem, grammatischem und phonetisch-phonologischem Gebiet. Im Ergebnis zeigt sich, daß die „Akkulturation“ hierarchisch von den Basisfaktoren Raum, Alter und Geschlecht abhängig ist, jedoch von einigen Kofaktoren (z.B. Bildung, Mobilität) modifiziert wird.

In den Chaco-Kolonien Paraguays ist die Alltagssprache in der Regel die ostniederdeutsche Varietät. Bei den aus Kanada eingewanderten Mennoniten überwiegt die „Chortitza“-Varietät der sogenannten Altkolonien im Schwarzmeergebiet, bei den aus der Sowjetunion zugewanderten die „Molotschna-Varietät“, eine etwas jüngere, jedoch prestigereichere Dialektvarietät, die sich auch bei den Kanada-Auswanderern ausbreitet. Allerdings liegen beide Varietäten nicht in völlig getrennter Form vor, sondern zeigen verschiedene Ausgleichserscheinungen.

Das Hochdeutsche wird heute immer häufiger auch im familiären Kontext verwendet. Kenntnisse einer standardnahen Varietät sind aufgrund des Schulunterrichts und der Verwendung als Sprache des Gottesdiensts in der Regel vorhanden, in Asunción sogar offenbar stärker als die des „Plautdietschen“. Der Vorschule wird die Aufgabe zugewiesen, die Kinder vom „Plautdietschen“ zum Hochdeutschen zu führen. Dazu wird in den ersten drei Primarschulklassen heute das „Plautdietsche“ toleriert. Das „Plautdietsche“ hat jedoch in förmlichen Kontexten den Stempel des „Unernsthaften“. Es war früher in den Schulen untersagt, „Plautdietsch“ auch nur auf dem Pausenhof zu sprechen. In einem Schulbuch „‘Wie sag ich’s richtig?’ Kleiner plattdeutsch-hochdeutscher Sprachkurs“ wird als Problembefund festgestellt: „Die meisten Fehler rühren von der Direktübersetzung des plattdeutschen Dialekts und der Übertragung seiner grammatischen Strukturen auf das Hochdeutsche her“ (Schnitzspahn/Rudolph 1995: 81). Außerdem wird auf englische und spanische Interferenzen hingewiesen, wie etwa „der Permiso - die Erlaubnis“ bzw. „phonen - telephonieren“ (ebd.: 51). Von den deutschsprachigen Einwanderern aus Brasilien wird zumeist Hunsrückisch gesprochen. Sie sind mittlerweile in großer Zahl als Arbeitskräfte in den Chaco-Kolonien tätig. Es wird interessant sein zu beobachten, wie sich dieser intensive Varietätenkontakt auswirkt. Eine Verständigung ist jederzeit möglich, wenn Mennoniten Hochdeutsch und Deutschbrasilianer Hunsrückisch sprechen. Das Hochdeutsche bekommt allerdings damit eine weiter „säkularisierte“ Funktion, die es früher nicht zu erfüllen hatte. Ob dies das klar strukturierte Sprachgebrauchssystem der Kolonien destabilisieren wird, bleibt abzuwarten.

Ähnliche Erscheinungen hat Kelly Hedges (1996) bei Old Colony Mennoniten in Chihuahua, Mexiko, untersucht. Hier beginnt die „Sprachideologie“ der Gemeinschaft ins Schwanken zu geraten, da sich die Verwendungsbereiche des Hochdeutschen und des „Plautdietschen“ aus beiden Richtungen gegeneinander zu verschieben beginnen: Kommentare von Predigern im Gottesdienst werden zunehmend auch auf „Plautdietsch“ formuliert. Umgekehrt dient hochdeutscher Schriftgebrauch immer mehr auch profanen Alltagszwecken: „A sense of ‘sacredness’ could spill into the everyday (...), and the boundaries between the ‘sacred’ and ‘everyday’ realms could become blurred“ (Hedges 1996: 327). Ähnliches trifft auch auf die Mennoniten in Paraguay zu.

Auch Frank Albers (1997) beschäftigt sich in einer Vergleichsstudie zwischen einer traditionellen und einer „liberalen“ Gemeinde unter den Mennoniten in Belize mit den Verwendungsbereichen der vorhandenen Varietäten: Auch hier breiten sich die Funktionsbereiche der verwendeten Varietäten aus. In der konservativen Gemeinde Upper Barton Creek dient das Hochdeutsche mittlerweile als Verkehrsvarietät. Es dominiert in allen Sprachverwendungsbereichen und wird durchaus nicht nur im Gottesdienst oder in der Schule gebraucht. Dies hängt mit dem Zuzug von Amischen aus den USA zusammen. Obwohl den Einheimischen wie den Zugezogenen das Englische als Kontaktvarietät zur Verfügung stünde und viele auch Pennsylvania-Deutsch verstehen, wird hierfür doch die (ehemalige) Sakralsprache gewählt. Umgekehrt breitet sich in der „liberalen“ Gemeinde Spanish Lookout das „Plautdietsch“ auch in den Sakralbereich aus, z.B. als „Gebetssprache“ (vgl. Albers 1997: 80). Ob sich damit eine Wandlung des sprachlichen Variationssystems andeutet, die von symbolischem oder gar rituellem Wert ist, wird zu untersuchen sein.

Die Rolle des Spanischen (und Portugiesischen) ist in den Chaco-Kolonien Paraguays nach wie vor klar begrenzt, was auf verschiedene Faktoren zurückzuführen ist: die periphere geographische Lage, die geringe Urbanisierung und Industrialisierung, eine deutschsprachige Mehrheit in den ländlichen Siedlungen, ein fest etabliertes mennonitisches Netzwerk, in das sich die deutsch-brasilianischen Zuwanderer - vorerst noch - einpassen und auf dessen gesicherter Basis auch die Öffnung gegenüber der Mehrheitsgesellschaft und -sprache stattfinden kann.


 

4 Fazit: Einige Forschungsfragen aus der Vergleichsperspektive

In Paraguay leben mindestens 60.000 Deutschsprachige, darunter über 20.000 deutschsprachige Mennoniten (1987). Insgesamt wird von ca. 125.000 Deutschstämmigen gesprochen, die 3,3% der gut 4 Millionen (1993) zählenden Bevölkerung Paraguays ausmachen. Wahrscheinlich muß jedoch eine deutlich höhere Zahl angenommen werden, da seit einigen Jahren ein starker Zuzug in das paraguayisch-brasilianische Grenzgebiet eingesetzt hat, darunter auch viele Deutschbrasilianer.

Paraguay war lange Zeit nach der Unabhängigkeit 1811 unter dem Diktator Francia völlig von der Außenwelt abgeschnitten, erlebte dann unter dem Präsidenten C. A. López eine bedeutende Modernisierung und erlangte einen beträchtlichen Wohlstand. Sein Sohn F. S. López trieb das Land in den ungemein verlustreichen „Tripelallianzkrieg“ mit Argentinien, Uruguay und Brasilien 1865 bis 1870. Von 1,3 Millionen Einwohner überlebten nur 200.000, davon 90% Frauen und Kinder. Erst nach diesem Desaster konnte das Land wieder aufgebaut werden. 1870 wurde eine neue demokratische Verfassung verabschiedet, eine vorsichtige Öffnung setzte ein, die sich schließlich auch in der Zuwanderung von Immigranten niederschlug (vgl. Klassen 1991: 79ff).

Unter den Einwanderern nahmen die deutschsprachigen Siedler einen hohen Anteil ein. Bereits 1871 begannen erste Siedlungsversuche, die jedoch aufgrund wirtschaftlicher und klimatischer Schwierigkeiten zumeist fehlschlugen und wieder aufgegeben werden mußten. Seit 1881 (San Bernardino) wurden bis zur Jahrhundertwende vier Siedlungen gegründet, zumeist von Siedlern, die direkt aus Deutschland einwanderten. Nahezu alle Siedlungen der ersten Kolonisierungszeit befanden sich in der Nähe von Asunción, etliche Immigranten ließen sich auch in der Hauptstadt selbst nieder (vgl. Ratzlaff 1990: 114ff). Bis 1893 lebten aber erst 300 Deutsche in Paraguay. Zur Gruppe der von Siedlern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz angelegten Kolonien gehören auch die später gegründeten Orte Independencia (1920, schwäbische und badische Varietäten) Carlos Pfannl (1931, bairisch-österreichische) und Sudetia (1933).

1900 wurde mit Hohenau die erste Kolonie von Deutschbrasilianern im südöstlichen Grenzgebiet zu Argentinien gebildet (Itapuá). Ihnen war Steuerfreiheit (auf 15 Jahre), lokale Selbstverwaltung, freie Wahl der Richter und das Recht auf deutschsprachigen Schulunterricht (außer in Geschichte, Geographie und Spanisch) gesetzlich zugesichert worden. Zu dieser Gruppe gehören noch zwei weitere Siedlungen. Der Zustrom von Deutschbrasilianern setzte aber in großem Umfange erst nach dem Zweiten Weltkrieg ein. Er hält ungebrochen an und führt auch deutschsprachige Siedler nach Itapuá und - seit dem Bau des Staudamms Itaipú in den 1970er Jahren - besonders ins östliche Grenzgebiet zu Brasilien (Alto Paraná). Unter ihnen dominiert das Hunsrückische. Von Alto Paraná aus ziehen sie oft weiter in andere Gebiete Paraguays (vgl. Bergmann 1994: 178). Die Zahl der Deutschsprechenden wurde bisher auf rund 40.000 geschätzt (vgl. Born/Dickgießer 1989: 151). Bergmann (1994: 183) spricht von 112.500 bis 150.000 deutschstämmigen Brasilianern angesichts einer Einwanderung aus Brasilien von 450.000 bis 500.000 Immigranten, die vor allem aus dem Süden kommen.

1921 hatte die paraguayische Regierung das Gesetz Nr. 514 erlassen, das Einwanderern Religions- und Schwurfreiheit, Befreiung vom Militärdienst, das Recht auf eigene Schulen sowie ein freies Erbrecht zusicherte. Dies war die Grundlage für die große Zuwanderung von Mennoniten aus Kanada und der (späteren) Sowjetunion:

Die erste Gruppe kam aus Kanada und gründete zunächst 1927 die Kolonie Menno in der Wildnis des Chaco. Kanada hatte nach dem Ende des Ersten Weltkrieges ein Gesetz beschlossen, das die englische Sprache als alleinige Unterrichtssprache vorsah, womit die Schul- und Sakralsprache der Mennoniten, das Hochdeutsche, verdrängt worden wäre. Mit der Schließung der mennonitischen Privatschulen war auch ein eigenständiger Religionsunterricht nicht mehr möglich. Darauf entschlossen sich ca. 1.700 Mennoniten aus Westkanada zur Auswanderung nach Paraguay (und 6.000 nach Mexiko).

In der Hauptsache handelte es sich um sogenannte „Bergthaler“, die ursprünglich aus der Chortitza-Gemeinde Bergthal im Schwarzmeergebiet stammten und von dort ab 1874 nach Kanada emigriert waren, nachdem die russische Regierung 1871 den obligatorischen Russischunterricht in den Schulen und den Wehrdienst (oder einen Ersatzdienst) einführen wollte. Kurze Zeit nach der ersten Gruppe wanderten zwischen 1930 und 1932 2.000 „Rußlandmennoniten“ aus der Ukraine, von der Krim und aus Sibirien ein und gründeten die Kolonie Fernheim. Sie waren angesichts der zunehmenden religiösen Verfolgungen und der Landenteignung im Rahmen der „Entkulakisierung“ während der Stalin-Zeit emigriert und teils direkt aus der Ukraine, teils über Ostsibirien und Charbin, China, geflohen. Mit Unterstützung durch den Reichspräsidenten Hindenburg erhielten sie schließlich die Genehmigung zur Abreise nach Paraguay.

Die Zuwanderung setzt sich auch nach dem Zweiten Weltkrieg fort: Mennoniten aus der Westukraine, die mit den deutschen Truppen über den sogenannten „Warthegau“ nach Deutschland gezogen waren und in die Sowjetunion repatriiert werden sollten, wanderten nach Südamerika aus und gründeten 1947 die Kolonien Neuland im Chaco und Volendam nördlich von Asunción. 1967 bis 1969 kamen sehr konservative Mennoniten (und Amische) aus den USA hinzu und gründeten drei Kolonien in Ostparaguay. Es handelt sich bei ihnen um zu Beginn des 18. Jahrhunderts aus der Schweiz und dem Elsaß in die USA ausgewanderte Englischsprachige (vgl. Ratzlaff 1989: 13). Bis in die 1980er Jahre sind weitere Gruppen von Mennoniten aus den USA, aus Mexiko und Belize und einzelne aus Brasilien eingewandert. Auch in der Hauptstadt haben sich zahlreiche Mennoniten niedergelassen.

Siedlungsschwerpunkte sind jedoch vor allem der Chaco, in dem etwa die Hälfte der Mennoniten in 118 Dörfern leben, sowie Ostparaguay (die andere Hälfte der Mennoniten).

Die Mennoniten haben die Kolonien nach Anfangsschwierigkeiten, besonders im Chaco, zu einer erstaunlichen wirtschaftlichen und kulturellen Prosperität geführt. Die Mehrzahl der Mennoniten Paraguays (57%) gehört heute zu den sogenannten „fortschrittlichen“ Mennoniten. Sie verfügen über ein ausgebautes Bildungswesen, das Primar- und Sekundarschulen und ein zweisprachiges Lehrerbildungsseminar, eine Landwirtschaftsschule sowie eine Behindertenwerkstätte und Kindergärten einschließt. Die Kolonien besitzen Krankenhäuser, Altenheime, Sozialstationen, Gästehäuser und Supermärkte. Die Kooperativen sind wirtschaftlich sehr erfolgreich und durch ein Vermarktungsnetz mit Filialbetrieben in Asunción verbunden: 50% aller Milchprodukte Paraguays werden von den Molkereien der Kolonien produziert (vgl. Ratzlaff 1996: 2ff). In den Kolonien existiert ein Wegenetz von 2.500 km Sandpisten. Es wird die Zeitung MENNO-BLATT herausgegeben und der Sender „La Voz del Chaco Paraguayo“ in Filadelfia (Fernheim) betrieben, der in neun Sprachen sendet (1996: 22% der wöchentlichen Sendezeit auf Deutsch, 65% auf Spanisch, 13% in mehreren Indianersprachen sowie auf Englisch).

Bereits 1935 begannen die Mennoniten mit der Missionierung der Indianer. In der Umgebung leben zahlreiche indigene Gruppen, die neben Guaraní verschiedene Indianersprachen sprechen, darunter am häufigsten Lengua, Chulupí (Nivaclé) und Ayoreo. Guaraní ist heute zweite Landessprache in Paraguay und wird auch in der Schule, zumindest mit zwei Stunden in den ersten drei Klassen, unterrichtet. Die Mennoniten haben die indigene Bevölkerung in ihren Kooperativen angestellt; damit war zugleich ein Seßhaftwerdungsprozeß verbunden. Nachdem die Lager der Arbeiter sich in den 1970er Jahren zu regelrechten „Slums“ entwickelt hatten, wurde beschlossen, Land für die Indianer anzukaufen: 1995 lebten etwa 10.000 Indianer in zwölf Siedlungen auf etwa 150.000 ha. Land mit rund 1.400 eigenen Höfen (vgl. Klassen 1991: 187 u. 190). Heute gibt es 7.000 indigene und 4.000 „latein-paraguayische“ Mennoniten. Unter den Indianern, die bei Mennoniten gearbeitet oder gelebt haben, gibt es mitunter „Plautdietsch“-Sprecher.

Der nahezu siedlungsleere Chaco (mit knapp zwei Dritteln der Landesfläche, aber nur 2% der Einwohner) bot den Mennoniten ideale Bedingungen eines abgeschiedenen Lebens. Auch die Stationierung von Soldaten während des Chaco-Krieges 1932-1935 tangierte die Autarkie der Kolonien nur vorübergehend. Allerdings brachte die Fertigstellung der Ruta Trans Chaco in den 1960er Jahren bzw. ihre Asphaltierung 1987 den Anschluß des Chaco an die Landesentwicklung. Die Öffnung der Kolonien gegenüber der paraguayischen Gesellschaft führte zu weitgehender Zweisprachigkeit, aber keineswegs zur Assimilierung.

Spanisch wird von den meisten gesprochen, hinzu kommt Portugiesisch bei den aus Brasilien Eingewanderten. Allerdings bleibt das Deutsche in den Chaco-Kolonien nach wie vor die dominante Sprache, die sämtliche Bereiche des Kolonielebens prägt, während in Itapuá das Spanische vordringt. In der Deutschen Schule „Concordia“ in Asunción wird die eine Hälfte der Fächer auf Deutsch, die andere (Mathematik, Musik, Kunst, Sport) auf Spanisch unterrichtet. Unter 356 Schülern werden 65% mennonitische Deutschparaguayer, 10% andere Deutschparaguayer und 25% „Spanischsprachige“ von der Schulleitung gezählt. Die Bedingungen in der Hauptstadt führen selbstverständlich zu einem sehr viel stärkeren Kontakt mit dem Spanischen als im Chaco.

Clemens Scharf (1996) hat für die Mennoniten in Uruguay die Auswirkungen des Lebens in der Hauptstadt (Montevideo), in einer Kleinstadt (Colonia del Sacramento) und in den Kolonien (Gartental, El Ombú, Delta) in einer interessanten Studie zur sprachlichen „Akkulturation“ untersucht. Dabei fließen neben dem Raum weitere Basisfaktoren (Alter, Geschlecht) sowie eine Reihe von Kofaktoren (Bildung, Mobilität, berufsbedingte Sprachkontakte, Exogamie usw.) ein. Gegenstand sind deutsche Merkmale in der spanischen Rede der Probanden auf lexikalischem, grammatischem und phonetisch-phonologischem Gebiet. Im Ergebnis zeigt sich, daß die „Akkulturation“ hierarchisch von den Basisfaktoren Raum, Alter und Geschlecht abhängig ist, jedoch von einigen Kofaktoren (z.B. Bildung, Mobilität) modifiziert wird.

In den Chaco-Kolonien Paraguays ist die Alltagssprache in der Regel die ostniederdeutsche Varietät. Bei den aus Kanada eingewanderten Mennoniten überwiegt die „Chortitza“-Varietät der sogenannten Altkolonien im Schwarzmeergebiet, bei den aus der Sowjetunion zugewanderten die „Molotschna-Varietät“, eine etwas jüngere, jedoch prestigereichere Dialektvarietät, die sich auch bei den Kanada-Auswanderern ausbreitet. Allerdings liegen beide Varietäten nicht in völlig getrennter Form vor, sondern zeigen verschiedene Ausgleichserscheinungen.

Das Hochdeutsche wird heute immer häufiger auch im familiären Kontext verwendet. Kenntnisse einer standardnahen Varietät sind aufgrund des Schulunterrichts und der Verwendung als Sprache des Gottesdiensts in der Regel vorhanden, in Asunción sogar offenbar stärker als die des „Plautdietschen“. Der Vorschule wird die Aufgabe zugewiesen, die Kinder vom „Plautdietschen“ zum Hochdeutschen zu führen. Dazu wird in den ersten drei Primarschulklassen heute das „Plautdietsche“ toleriert. Das „Plautdietsche“ hat jedoch in förmlichen Kontexten den Stempel des „Unernsthaften“. Es war früher in den Schulen untersagt, „Plautdietsch“ auch nur auf dem Pausenhof zu sprechen. In einem Schulbuch „‘Wie sag ich’s richtig?’ Kleiner plattdeutsch-hochdeutscher Sprachkurs“ wird als Problembefund festgestellt: „Die meisten Fehler rühren von der Direktübersetzung des plattdeutschen Dialekts und der Übertragung seiner grammatischen Strukturen auf das Hochdeutsche her“ (Schnitzspahn/Rudolph 1995: 81). Außerdem wird auf englische und spanische Interferenzen hingewiesen, wie etwa „der Permiso - die Erlaubnis“ bzw. „phonen - telephonieren“ (ebd.: 51). Von den deutschsprachigen Einwanderern aus Brasilien wird zumeist Hunsrückisch gesprochen. Sie sind mittlerweile in großer Zahl als Arbeitskräfte in den Chaco-Kolonien tätig. Es wird interessant sein zu beobachten, wie sich dieser intensive Varietätenkontakt auswirkt. Eine Verständigung ist jederzeit möglich, wenn Mennoniten Hochdeutsch und Deutschbrasilianer Hunsrückisch sprechen. Das Hochdeutsche bekommt allerdings damit eine weiter „säkularisierte“ Funktion, die es früher nicht zu erfüllen hatte. Ob dies das klar strukturierte Sprachgebrauchssystem der Kolonien destabilisieren wird, bleibt abzuwarten.

Ähnliche Erscheinungen hat Kelly Hedges (1996) bei Old Colony Mennoniten in Chihuahua, Mexiko, untersucht. Hier beginnt die „Sprachideologie“ der Gemeinschaft ins Schwanken zu geraten, da sich die Verwendungsbereiche des Hochdeutschen und des „Plautdietschen“ aus beiden Richtungen gegeneinander zu verschieben beginnen: Kommentare von Predigern im Gottesdienst werden zunehmend auch auf „Plautdietsch“ formuliert. Umgekehrt dient hochdeutscher Schriftgebrauch immer mehr auch profanen Alltagszwecken: „A sense of ‘sacredness’ could spill into the everyday (...), and the boundaries between the ‘sacred’ and ‘everyday’ realms could become blurred“ (Hedges 1996: 327). Ähnliches trifft auch auf die Mennoniten in Paraguay zu.

Auch Frank Albers (1997) beschäftigt sich in einer Vergleichsstudie zwischen einer traditionellen und einer „liberalen“ Gemeinde unter den Mennoniten in Belize mit den Verwendungsbereichen der vorhandenen Varietäten: Auch hier breiten sich die Funktionsbereiche der verwendeten Varietäten aus. In der konservativen Gemeinde Upper Barton Creek dient das Hochdeutsche mittlerweile als Verkehrsvarietät. Es dominiert in allen Sprachverwendungsbereichen und wird durchaus nicht nur im Gottesdienst oder in der Schule gebraucht. Dies hängt mit dem Zuzug von Amischen aus den USA zusammen. Obwohl den Einheimischen wie den Zugezogenen das Englische als Kontaktvarietät zur Verfügung stünde und viele auch Pennsylvania-Deutsch verstehen, wird hierfür doch die (ehemalige) Sakralsprache gewählt. Umgekehrt breitet sich in der „liberalen“ Gemeinde Spanish Lookout das „Plautdietsch“ auch in den Sakralbereich aus, z.B. als „Gebetssprache“ (vgl. Albers 1997: 80). Ob sich damit eine Wandlung des sprachlichen Variationssystems andeutet, die von symbolischem oder gar rituellem Wert ist, wird zu untersuchen sein.

Die Rolle des Spanischen (und Portugiesischen) ist in den Chaco-Kolonien Paraguays nach wie vor klar begrenzt, was auf verschiedene Faktoren zurückzuführen ist: die periphere geographische Lage, die geringe Urbanisierung und Industrialisierung, eine deutschsprachige Mehrheit in den ländlichen Siedlungen, ein fest etabliertes mennonitisches Netzwerk, in das sich die deutsch-brasilianischen Zuwanderer - vorerst noch - einpassen und auf dessen gesicherter Basis auch die Öffnung gegenüber der Mehrheitsgesellschaft und -sprache stattfinden kann.
In Paraguay leben mindestens 60.000 Deutschsprachige, darunter über 20.000 deutschsprachige Mennoniten (1987). Insgesamt wird von ca. 125.000 Deutschstämmigen gesprochen, die 3,3% der gut 4 Millionen (1993) zählenden Bevölkerung Paraguays ausmachen. Wahrscheinlich muß jedoch eine deutlich höhere Zahl angenommen werden, da seit einigen Jahren ein starker Zuzug in das paraguayisch-brasilianische Grenzgebiet eingesetzt hat, darunter auch viele Deutschbrasilianer.

Paraguay war lange Zeit nach der Unabhängigkeit 1811 unter dem Diktator Francia völlig von der Außenwelt abgeschnitten, erlebte dann unter dem Präsidenten C. A. López eine bedeutende Modernisierung und erlangte einen beträchtlichen Wohlstand. Sein Sohn F. S. López trieb das Land in den ungemein verlustreichen „Tripelallianzkrieg“ mit Argentinien, Uruguay und Brasilien 1865 bis 1870. Von 1,3 Millionen Einwohner überlebten nur 200.000, davon 90% Frauen und Kinder. Erst nach diesem Desaster konnte das Land wieder aufgebaut werden. 1870 wurde eine neue demokratische Verfassung verabschiedet, eine vorsichtige Öffnung setzte ein, die sich schließlich auch in der Zuwanderung von Immigranten niederschlug (vgl. Klassen 1991: 79ff).

Unter den Einwanderern nahmen die deutschsprachigen Siedler einen hohen Anteil ein. Bereits 1871 begannen erste Siedlungsversuche, die jedoch aufgrund wirtschaftlicher und klimatischer Schwierigkeiten zumeist fehlschlugen und wieder aufgegeben werden mußten. Seit 1881 (San Bernardino) wurden bis zur Jahrhundertwende vier Siedlungen gegründet, zumeist von Siedlern, die direkt aus Deutschland einwanderten. Nahezu alle Siedlungen der ersten Kolonisierungszeit befanden sich in der Nähe von Asunción, etliche Immigranten ließen sich auch in der Hauptstadt selbst nieder (vgl. Ratzlaff 1990: 114ff). Bis 1893 lebten aber erst 300 Deutsche in Paraguay. Zur Gruppe der von Siedlern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz angelegten Kolonien gehören auch die später gegründeten Orte Independencia (1920, schwäbische und badische Varietäten) Carlos Pfannl (1931, bairisch-österreichische) und Sudetia (1933).

1900 wurde mit Hohenau die erste Kolonie von Deutschbrasilianern im südöstlichen Grenzgebiet zu Argentinien gebildet (Itapuá). Ihnen war Steuerfreiheit (auf 15 Jahre), lokale Selbstverwaltung, freie Wahl der Richter und das Recht auf deutschsprachigen Schulunterricht (außer in Geschichte, Geographie und Spanisch) gesetzlich zugesichert worden. Zu dieser Gruppe gehören noch zwei weitere Siedlungen. Der Zustrom von Deutschbrasilianern setzte aber in großem Umfange erst nach dem Zweiten Weltkrieg ein. Er hält ungebrochen an und führt auch deutschsprachige Siedler nach Itapuá und - seit dem Bau des Staudamms Itaipú in den 1970er Jahren - besonders ins östliche Grenzgebiet zu Brasilien (Alto Paraná). Unter ihnen dominiert das Hunsrückische. Von Alto Paraná aus ziehen sie oft weiter in andere Gebiete Paraguays (vgl. Bergmann 1994: 178). Die Zahl der Deutschsprechenden wurde bisher auf rund 40.000 geschätzt (vgl. Born/Dickgießer 1989: 151). Bergmann (1994: 183) spricht von 112.500 bis 150.000 deutschstämmigen Brasilianern angesichts einer Einwanderung aus Brasilien von 450.000 bis 500.000 Immigranten, die vor allem aus dem Süden kommen.

1921 hatte die paraguayische Regierung das Gesetz Nr. 514 erlassen, das Einwanderern Religions- und Schwurfreiheit, Befreiung vom Militärdienst, das Recht auf eigene Schulen sowie ein freies Erbrecht zusicherte. Dies war die Grundlage für die große Zuwanderung von Mennoniten aus Kanada und der (späteren) Sowjetunion:

Die erste Gruppe kam aus Kanada und gründete zunächst 1927 die Kolonie Menno in der Wildnis des Chaco. Kanada hatte nach dem Ende des Ersten Weltkrieges ein Gesetz beschlossen, das die englische Sprache als alleinige Unterrichtssprache vorsah, womit die Schul- und Sakralsprache der Mennoniten, das Hochdeutsche, verdrängt worden wäre. Mit der Schließung der mennonitischen Privatschulen war auch ein eigenständiger Religionsunterricht nicht mehr möglich. Darauf entschlossen sich ca. 1.700 Mennoniten aus Westkanada zur Auswanderung nach Paraguay (und 6.000 nach Mexiko).

In der Hauptsache handelte es sich um sogenannte „Bergthaler“, die ursprünglich aus der Chortitza-Gemeinde Bergthal im Schwarzmeergebiet stammten und von dort ab 1874 nach Kanada emigriert waren, nachdem die russische Regierung 1871 den obligatorischen Russischunterricht in den Schulen und den Wehrdienst (oder einen Ersatzdienst) einführen wollte. Kurze Zeit nach der ersten Gruppe wanderten zwischen 1930 und 1932 2.000 „Rußlandmennoniten“ aus der Ukraine, von der Krim und aus Sibirien ein und gründeten die Kolonie Fernheim. Sie waren angesichts der zunehmenden religiösen Verfolgungen und der Landenteignung im Rahmen der „Entkulakisierung“ während der Stalin-Zeit emigriert und teils direkt aus der Ukraine, teils über Ostsibirien und Charbin, China, geflohen. Mit Unterstützung durch den Reichspräsidenten Hindenburg erhielten sie schließlich die Genehmigung zur Abreise nach Paraguay.

Die Zuwanderung setzt sich auch nach dem Zweiten Weltkrieg fort: Mennoniten aus der Westukraine, die mit den deutschen Truppen über den sogenannten „Warthegau“ nach Deutschland gezogen waren und in die Sowjetunion repatriiert werden sollten, wanderten nach Südamerika aus und gründeten 1947 die Kolonien Neuland im Chaco und Volendam nördlich von Asunción. 1967 bis 1969 kamen sehr konservative Mennoniten (und Amische) aus den USA hinzu und gründeten drei Kolonien in Ostparaguay. Es handelt sich bei ihnen um zu Beginn des 18. Jahrhunderts aus der Schweiz und dem Elsaß in die USA ausgewanderte Englischsprachige (vgl. Ratzlaff 1989: 13). Bis in die 1980er Jahre sind weitere Gruppen von Mennoniten aus den USA, aus Mexiko und Belize und einzelne aus Brasilien eingewandert. Auch in der Hauptstadt haben sich zahlreiche Mennoniten niedergelassen.

Siedlungsschwerpunkte sind jedoch vor allem der Chaco, in dem etwa die Hälfte der Mennoniten in 118 Dörfern leben, sowie Ostparaguay (die andere Hälfte der Mennoniten).

Die deutschen Minderheitengruppen in den vier südamerikanischen Ländern Argentinien, Brasilien, Chile und Paraguay könnten unterschiedlicher nicht sein. Sie sind bis zu einem gewissen Grade ebenso verschieden wie ihre Mehrheitsgesellschaften:

Brasilien hat den Deutschen lange Zeit Rückzugsmöglichkeiten geboten, die Eigenheiten ihrer Sprachinseln zu bewahren. In dieser Hinsicht ist die Entwicklung der Deutschen in der multiethnischen Gesellschaft Brasiliens durchaus vergleichbar mit der der rußlanddeutschen Sprachinseln: Auch die lange Dauer des Assimilationsprozesses von immerhin sechs Generationen, die deutliche Differenzierung zwischen Land- und Stadtbewohnern, die spracherhaltende Funktion der geschlossenen ländlich-abgeschiedenen Siedlerkolonien, die Dominanz und Binnenmischung dialektaler Ortsvarietäten und die Stigmatisierung infolge der Zäsur des Zweiten Weltkriegs zeigen eine Reihe von Parallelen. Das starke Überwiegen der aus dem Hunsrück stammenden Einwanderer, die das sprachliche Varietätenspektrum prägten, das fehlen jeglicher Deportation (wie in der Sowjetunion), die immer vorhandene Option einer über-ethnischen Kategorie des „Brasileiro“ und die nie abgebrochenen Verbindungen nach Deutschland setzen dieser Vergleichbarkeit andererseits deutliche Grenzen. Auch sind die deutschbrasilianischen Urwald-„Schneisen“ durch ihre „zellenförmige“ Struktur von „Familiendörfern“ als Basis des sprachlichen Ausgleichs gänzlich anders strukturiert. Der tiefe Einschnitt des „Estado Novo“ führte zur künstlichen „Fossilisierung“ der Sprachinseln im Dialekt. Jedoch stellt die „Diffusion“ des Hunsrückischen, das andere Varietäten verdrängt oder zum Teil sogar überdacht, unter diesen Umständen eine hochinteressante Entwicklung dar. Die sprachlichen Ausgleichsmechanismen, die diesem Prozeß zugrunde liegen, sind in den „Neuen Kolonien“ ein ebenso ergiebiger Untersuchungsgegenstand wie sie es in den rußlanddeutschen Tochterkolonien in Sibirien und Mittelasien waren - mit einem entscheidenden Unterschied: Dialektale Ausgleichsprozesse sind in der Sowjetunion immer wieder gewaltsam abgebrochen worden. Zur Herausbildung einer echten Koine bzw. eines Ausgleichsdialekts konnte es nicht kommen. Heute sind die rußlanddeutschen Sprachinseln so labil, daß dialektale Heterogenität zum Sprachwechsel führt, da keine (deutsche) Überdachung und auch keine Verkehrsvarietät existiert. Was die deutschbrasilianischen Sprachinseln überdies spannend macht, ist die Tatsache, daß die Verbreitung des Hunsrückischen nach wie vor anhält, z.B. im brasilianisch-paraguayischen Grenzgebiet. Die Ausgleichsvorgänge laufen unter unseren Augen ab. Nach welchen Regularitäten vollziehen sie sich? Es wird von besonderem Interesse sein, zu verfolgen, welche Mischungsprozesse, aber auch welche koexistierenden Formen aus dem Zusammentreffen kompakter Sprechergemeinschaften resultieren: Dabei treten Prozesse der dialektalen Variation, des dialektalen Ausgleichs, des Dialektwandels und der sprachlichen Interferenz (mit dem Portugiesischen) auf, die analytisch von einander zu unterscheiden sind. Für die Untersuchung des Sprachkontakts mit dem (brasilianischen) Portugiesischen bestehen mit den von VARSUL bereitgestellten Daten, aber auch den dialektgeographischen Ergebnissen von Walter Koch und Cléo Altenhofen ausgezeichnete Voraussetzungen. Ein Forschungsdesiderat liegt in einem soziolinguistischen Vergleich der Entwicklung der drei wichtigsten Immigrantensprachen: des Deutschen, des Italienischen und des Japanischen.

Argentinien hat seine Immigrantensprachen stärker assimiliert, vor allem im Zuge des wirtschaftlichen Aufschwungs seit der Zwischenkriegszeit. Die Verstädterung des Landes ist früher vorangeschritten als in allen anderen hier behandelten Staaten. Dies gilt besonders für das Gebiet am Rio de la Plata. Die erhaltenen wolgadeutschen Kolonien stellen ein besonders interessantes Untersuchungsfeld dar. Die eigenständige Weiterentwicklung der aus Rußland mitgebrachten Varietäten und ihr rußlanddeutsches „Pendant“ bieten sich zum Vergleich an. Das Projekt eines dialektorientierten Deutschunterrichts in den Kolonien bei Coronel Suárez könnte ein „Schule machendes“ Beispiel dafür sein, wie eine „dachlose Außenmundart“ unter starkem Assimilationsdruck stabilisiert werden kann.

Chile hat den Süden des Landes lange Zeit sich selbst überlassen. Die Anbindung der ehemaligen „wilden Südens“ hat die Bedingungen der deutschen Sprachinseln fundamental gewandelt: Migration und Mobilität brachten die Sprachgruppen in intensiven Kontakt, Modernisierung und soziale Entwicklung ließen die ethnisch-kulturellen Schranken unbedeutend werden. Die „Chilenen deutscher Abstammung“ sind noch keine „Folklore“-Minderheit. Dazu ist ihre soziale und ökonomische Stellung zu hoch und das Prestige des Deutschen zu ausgeprägt. Die Frage der Aufrechterhaltung einer ethnisch-kulturellen Identität angesichts eines zunehmenden Sprachwechsels stellt ein interessantes Untersuchungsfeld dar. Die Deutschen in Chile, Brasilien und Paraguay wurden zu Beginn der Kolonisation bewußt als „Fremdkörper“ im Lande angesiedelt. Die Zeit ist absehbar, zu der diese Rolle in Chile reine Historie ist. Die Angehörigen der jungen und mittleren Generation wachsen als Chilenen unter Chilenen auf - mit einem gewissen Bewußtsein deutscher Wurzeln, das jedoch kaum mit deutscher Sprache zusammenhängt. Alle hier behandelten deutschen Gruppen sehen sich heute in erster Linie als Bürger ihres Landes, in weiterer Linie auch als „deutsch“ (nicht: „bundesdeutsch“). Dies ist auch eines der Ergebnisse der NS-Zeit und der Rolle, zu der sich die deutschsprachige Bevölkerung in Lateinamerika seitdem verstanden hat.

Die Mennoniten in Paraguay sind wie in Rußland die stabilste deutschsprachige Gruppe. Auf der Grundlage ihrer religiösen und ethnisch-kulturellen „Exterritorialität“ haben sie die Herausforderung annehmen können, die die Öffnung des Chaco gestellt hat. Wirtschaftskontakte zur Mehrheitsgesellschaft, Zweisprachigkeit, Mobilität werden in den Dienst gestellt, nicht erlitten. Gleichwohl verändert sich das soziale und kulturelle Gefüge in den Kolonien: Die massive Zuwanderung Hunsrückisch (oder Portugiesisch) sprechender Deutschbrasilianer wird die Kolonien verändern. Die Trennung von Sakralbereich und „Welt“, die auch sprachlich symbolisiert ist, beginnt durchlässig zu werden. Es wird sich zeigen, ob die Sprachvarietäten des „Plautdietschen“ und des hochdeutschen Standards ihre Verwendungsbereiche langfristig beibehalten können oder neue - soziale - Funktionen erhalten.


 

Bibliographie

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[ Letzte Änderung: September 7, 2001 11:55 | ©© 2001  | Design von Mario Behling ]