11. Sonntag im Jahreskreis B 18.06.2006

nur am Samstag-Abend in Leutesdorf; in Hammerstein: Fronleichnamsprozession

Lesung: 2 Kor 5, 6-10Evgl: Mk 4, 26-34

 

Gru�

Liebe Schwestern und Br�der - liebe Kinder und Jugendliche!

Ich begr��e Sie herzlich zu unserem Gottesdienst.

Nachdem nun Fronleichnam gewisserma�en ins Wasser gefallen ist - die Prozession zumindest � feiern wir heute den folgenden Sonntag, es ist in der liturgischen Z�hlung der 11. Sonntag im Jahreskreis nach dem Osterfestkreis.

Was hat es auf sich mit dem Reich Gottes � ist die Frage die die heutigen Lesetexte aus der Heiligen Schrift stellen. Ist das Reich Gottes dasselbe wie die r�misch-katholische Kirche oder hat es vielleicht eine viel weitere Dimension?

Wir erbitten das Erbarmen Gottes �ber uns und den Mut zu eigenen Gedanken.

 

Ansprache

Liebe Schwestern und Br�der, liebe Jugendliche und Kinder!

Das Reich Gottes! Es ist wie ein Samenkorn, das ein Bauer ausgestreut hat, kleiner noch: es ist wie ein Senfkorn, bekanntlich das kleinste aller Samenk�rner.

Nanu denkt man, das ist ja nun reichlich untertrieben. Die Kirche ist eine gewaltige Macht in unserer Welt! Von wegen Samenkorn! Noch kaum zwanzig Jahre ist es her, dass die Kirche in der Gestalt des Papstes Johannes Paul II einen erheblichen Einfluss darauf hatte, dass der Kommunismus in Osteuropa, in Polen, in Russland und in der DDR zusammengefallen ist. Ein Samenkorn? Dieses Samenkorn hat ein verbindliches Gesetzbuch mit 1.752 Paragrafen, dem fast 1 Milliarde Menschen unterstehen. China l�sst die r�mische Kirche bei sich nicht zu, weil es sich nicht vorstellen kann, dass die Chinesen anderen Gesetzen als den chinesischen unterstellt sind, eine ausl�ndische Macht hat dort nichts verloren, das ist eine Frage der Souver�nit�t! In Rom herrscht ein Mann �ber alle Mitglieder dieser Kirche �berall auf der Erde und kein einziger hat das Recht, ihn zu kontrollieren. Hunderte von Bist�mern und Bisch�fen unterstehen ihm in absolutem Gehorsam. Der Reichtum der Kirche an materiellen G�ter �bersteigt unser Fassungsverm�gen und die Kirche stellt sich nach einem Wort Jesus als letzte Instanz vor, in dem sie ihn zitiert: was du auf Erden bindest, wird auch im Himmel gebunden sein. Selbst Gott kann nicht anders als die Kirche es beschlie�t, denn sie behauptet ihre Beschl�sse seien in Wirklichkeit vom Heiligen Geist gefasst! So hat sich die Kirche lange Zeit tats�chlich aufgef�hrt und theoretisch, theologisch nimmt sie sich dieses immer noch heraus.

Wenn das kein ausgewachsener Baum ist mit tief und weit greifenden Wurzeln, mit einem starken Stamm und mit weitverzweigten �sten!

Gewiss will man mit solcher Kraftmeierei imponieren, den Mitgliedern Sicherheit verleihen, sie zur Treue ermahnen bzw. zwingen und ihnen sagen: wenn ihr nicht den Worten der Kirche folgt, kommt ihr in die H�lle. Es gibt heute noch Leute, die damit st�ndig ihre Kinder bedrohen. Das ist Macht pur, erfolgreich von der Spitze bis hinab in das kleinste Ge�st getrieben.

Ganz anders das Wort Jesus, das wir eben geh�rt haben: es gab zu seiner Zeit in seinem Volk, also bei den Juden eine starke Gruppe, die ebenso m�chtig sein wollte, wie die Kirche es dann sp�ter war. �Tyrannen des Himmelreichs� nannte der j�dische Philosoph Franz Rosenzweig diejenigen, die das Reich Gottes herbeizwingen wollten. Die militant-religi�sen Zeloten versuchten mit einem zerm�rbenden Guerillakrieg Gott den Weg �freizubomben�. Jesus wehrt solchen Tendenzen der Machtaus�bung, er sagt: steck das Schwert in die Scheide, denn wer mit dem Schwert k�mpft, kommt auch mit dem Schwert um und er herrscht die J�nger - Petrus sogar - sehr bestimmt an als sie vorschlagen Feuer vom Himmel regnen zu lassen.... und er entwindet sich den Menschen, als sie ihn zu ihrem K�nig erkl�ren wollen. Jesus ist kein Machtmensch, auch wenn er zitiert wird, dass er gesagt h�tte: mir ist alle Macht im Himmel und auf der Erde gegeben und daraus folgen soll: also macht ihr euch auf und macht alle Menschen zu meinen J�ngern und tauft sie � was ja denn sp�ter ganze Volksst�mme ausgerottet hat: zuerst hier in Germanien unter Karl, dem Gro�en Sachsenschl�chter.... sp�ter in Amerika bei den Indianern - nach dem Motto: �willst du nicht mein Bruder sein, dann hau ich dir den Sch�del ein�.

Jesus war kein Machtmensch, er hat sich � so sage ich es in jeder heiligen Messe � er hat sich in freiem Willem dem Leiden unterworfen und mit seinen Freunden Brot und Wein geteilt und sie eben nicht etwa zu den Waffen gerufen.

Das Reich Gottes ist wie ein Samenkorn, das ein Bauer auf seinen Acker oder wie ein Senfkorn das man in die Erde s�t. Das ist das Reich Gottes. Das Reich der Kirche funktioniert bis auf den heutige Tag anders. Das Reich Gottes ist etwas viel offeneres, etwas, das sich �berhaupt nicht eingrenzen l�sst, weder mit Gesetzen noch mit Strafanstalten, das Reich Gottes atmet die ganze Weite des Kosmos und ist so gro� von hier bis zur Sonne und zur�ck. Das Reich Gottes umfasst buchst�blich alles, was ist: das gute und sogar das sogenannte B�se.

Ich denke noch einmal an dieses Wort: macht alle Menschen zu meinen J�ngern und tauft sie.... Nun ja, vielleicht wollen nun wirklich nicht alle Menschen getauft werden! Was regen wir uns auf �ber kopftuchtragende Muslimas. Wenn wir ja w�ssten, dass das Kopftuch nur Folklore w�re, dann w�rden wir es ja akzeptieren: in Schulen und in Gerichtss�len... Wenn es aber ein Glaubenszeugnis ist, dann soll es verboten sein! Sonderbar! Die Christen d�rfen und sollen die ganze Welt missionieren, das finden wir korrekt, andere Gl�ubige aber sollen dies nicht tun d�rfen? Das auf der ganzen Welt verbreitete Christentum ist so verbreitet aufgrund einer gezielten und oft auch �berhaupt nicht zimperlichen Mission. Und dasselbe nehmen wir den Moslems �bel? Sprechen sie von einem andern Gott als von dem Einen? D�rfen sie dem �Allah� nicht ebenso gehorchen wie wir dem �Gott�. Lasst uns doch sehen, was zu uns passt! Gott ist der Vater, die Mutter der ganzen Welt, das sagen wir doch so - oder nicht? Also!

Gl�ubige d�rfen missionieren, vor Terroristen muss man sich sch�tzen.��

 

Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mann Samen auf seinen Acker s�ht; dann schl�ft er und steht wieder auf es wird Nacht und es wird Tag, der Samen keimt und w�chst, und der Mann wei� nicht wie. Die Erde bringt dann von selbst ihre Frucht, zuerst den Halm, dann die �hre, dann das volle Korn in der �hre. Sobald aber die Frucht reif ist, legt er die Sichel an; denn dann ist die Zeit der Ernt da. Und falls auf dem Feld etwas dabei ist, was wir f�r Unkraut halten, dann - sagt Jesus -: wartet und rei�t es von euch aus nicht aus! Das Gericht ist nicht eure Sache, sondern Sache dessen, der alles was ist hat wachsen lassen!Wir wissen: auch andere Religionen sind g�ltige Wege zum Ziel, zu Gott.

Es gibt nur ein einziges Gebot, das f�r die ganze Welt gelten muss, weil es eingeschaffen ist in die Struktur der Welt, ein weitreichendes, ein ganz einfaches, ein v�llig eindeutiges und nichts und niemanden ausschlie�endes Gebot: die Liebe. �Darin besteht das ganze Gesetz und die Propheten!�

 

 

Schlussgebet:

In jedem Leben gibt es

Zeiten der D�rre, der Suche, der Ortlosigkeit.

Bis sich endlich neue Ziele abzeichnen,

neue Wege auftun, sich neue Heimat findet.

Neue Zeiten: zu wachsen, zu bl�hen, zu reifen.

Zeit, wieder Frucht zu tragen �

vielleicht gerade jetzt.����� Gisela Baltes

 

Unbegreiflicher Gott, in deiner Weisheit hast du die Sch�pfung aus deiner Kraft geschaffen und mit deinem Geist erf�llt. Lass den Samen deines Wortes in unseren Herzen aufgehen, damit alle deine Gr��e erkennen und dich preisen mit deinem Sohn unserem Herrn Jesus Christus, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und liebt in Ewigkeit. Amen.