Die meisten dieser Präparate sind tierischer
Herkunft und werden zur Immunstimulation, d.h. zur Steigerung der körpereigenen
Abwehr gegen Krebs empfohlen. Dieses Ziel versucht aber auch die wissenschaftliche
Krebsforschung seit Jahrzehnten zu erreichen, ohne daß ihr dies bisher
sicher gelungen wäre. Zahlreiche Methoden, die im Laborversuch oder
bei Tiertumoren gewisse Teilfaktoren der körpereigenen Immunabwehr
günstig beeinflussen, wurden entwickelt, bisher hat aber keine einen
durchschlagenden Erfolg bei den häufigen menschlichen Malignomen gezeigt.
Methoden sogenannt unspezifischer Immunstimulation, z. B. mit Bakterienprodukten,
sind praktisch verlassen. Größere Hoffnungen liegen in spezifischen
Methoden, die heute intensiv erforscht werden, z. B. in sogenannten Interleukinen
und Zytokinen bzw. Wachstumsfaktoren.
Die in der Folge besprochenen Methoden sind alle
unspezifisch, zeigen zwar teils in präklinischen Systemen gewisse
immunmodulierende Wirkung, sind aber beim Menschen ungenügend erforscht.
Um sie überzeugender propagieren zu können, werden sie heute
of mit verheißungsvollen, fremdklingenden Namen belegt (z. B. Biologic
Response Modifiers).
Eigentliche Frischzellen, meist aus unter besonders
biologischen Bedingungen gezüchteten Tieren gewonnen, werden heute
nur noch selten gegen Krebs empfohlen. Es liegen keine verwertbaren Untersuchungen
über deren krebshemmende Wirksamkeit vor.
Ney Tumorin ist ein aus verschiedenen Organen
von Rindern und Schweinen nach einem patentierten Verfahren mittels Säuredampf-Hydrolisierung
hergestelltes Eiweißpräparat. Es soll angeblich die endogene
Krebsdisposition (angeborene Veranlagung zu Krebs) korrigieren, körpereigene
Abwehrvorgänge steigern und wird daher zur Dauertherapie bei Malignomen
wie zur Rezidiv- und Metastasenprophylaxe nach Operation empfohlen, zusätzlich
auch zur Stärkung unter Zytostatika und Strahlentherapie.
Verschiedene vorklinische Untersuchungen zeigen
tatsächlich eine günstige Beeinflussung gewisser immunologischer
Prozesse, zum Teil aber mit sehr hohen Konzentrationen, wie sie beim Menschen
nie erreicht werden können, oder in einem unstatthaften Vergleich
mit Zytostatika, die beim betreffenden Tiertumor ohnehin unwirksam sind.
Die klinischen Untersuchungen am Menschen sind
im Vergleich dazu dürftig. Die wenigen prospektiv-kontrollierten Untersuchungen
umfassen nur wenige Patienten und müßten dringend wiederholt
werden. Die Nebenwirkungen sind ungenügend dokumentiert.
Es liegt bisher kein Anhaltspunkt vor, den sehr
weitgehenden, fast marktschreierischen Empfehlungen der Herstellerfirma
("die klare Lösung in der Onkotherapie", "das neue
physiologische Tumorkonzept" usw.) zu glauben. Klinisch brauchbare
Wirksamkeit gegen Krebs ist bisher nicht bewiesen.
Auch Faktor AF2 ist ein Organextrakt aus Milz
und Leber von Schweinen. Angeblich aktiviere Faktor AF2 das Bindegewebe
und die sogenannten Makrophagen und steigere damit die Abwehrkräfte
des Körpers. Das Präparat wird in erster Linie als Ergänzung
zur Krebsbehandlung empfohlen, z. B. vor oder nach einer Operation, aber
auch zur Bekämpfung von Nebenwirkungen der Strahlen- oder Chemotherapie.
Präklinische Untersuchungen sind praktisch
keine bekannt. Aus dem klinischen Bereich gibt es verschiedene Publikationen,
die eine günstige Wirkung in der postoperativen Nachbehandlung vermuten
lassen, aber alle gewisse Mängel aufweisen. Immerhin ist zu erwähnen,
daß damit angeblich das subjektive Befinden, Appetit, Brechreiz usw.
unter Chemotherapie günstig beeinflußt werden konnten. Faktor
AF2 muß weiter geprüft werden, bevor er endgültig beurteilt
werden kann.
Es handelt sich dabei um einen Eiweiß-Extrakt
aus Schweinemilz. Polyerga soll angeblich die krankhafte Gärung der
Krebszelle (die sogenannte Anaerobe Glykolyse) und damit das Tumorwachstum
hemmen. Es soll auch immunstimulierend wirken und vor allem die Lebensqualität
verbessern. Es wird vor allem zur Zusatztherapie empfohlen.
Die präklinische Untersuchung von Polyerga
ist unvollständig und läßt noch verschiedene Fragen offen.
Dasselbe gilt für die klinische Prüfung, die erst in den letzten
Jahren systematisch betrieben wurde. Sichere Wirkung gegen Krebs ist bisher
nicht bewiesen.>
Verschiedene Präparate aus der Thymusdrüse
von Kälbern oder Schafen wurden wissenschaftlich geprüft, haben
aber bisher keinen Platz in der Tumortherapie gefunden. Alle in Deutschland
erhältlichen Thymuspräparate (u. a. nach Sandberg, Mulli) sind
ungenügend geprüft und haben keine gesicherte Wirksamkeit.
ASI beinhaltet die gleichzeitige Anwendung von
drei "immunstimulatorischen" Maßnahmen, nämlich der
niedrig dosierten Gabe von Interleukin-2, der mittelhochdosierten Gabe
von Interferon-Alpha und der aktiv-spezifischen Immuntherapie durch Anwendung
virusmodifizierter autologer Tumorvakzinen. Die Wirkung soll durch zusätzliche
angeblich "anti-immun suppressiver" Medikamente wie (u. a. niedrigdosierter
Zytostatika) ergänzt und verstärkt werden. Es gibt bisher keine
kontrollierten klinischen Studien, die die Wirksamkeit von ASI am Menschen
belegen würden.
Bei der sogenannten autologen Target-Cytokin-Therapie
werden in Zellkulturen gebildete Cytokine verabreicht. Der Wirkungsmechanismus
ist unklar, die klinische Wirksamkeit bisher im Gegensatz zu den Anpreisungen
des Erfinders nicht bewiesen.
Krebskranke erhalten täglich mehrere Injektionen
mit aufbereitetem Eigenblut. Die Wirksamkeit dieser teuren und wegen der
Gefahr von Virusübertragung nicht unbedenklichen Behandlung ist unbewiesen.
Die Wirksamkeit dieser aus Eigenblut und Eigenurin
und unter anderem durch Ozonbehandlung gefertigten Präparate ist unbewiesen.