Unix für Mac OS X-Anwender

Posted by dogfood Wed, 30 Nov 2005 12:50:00 GMT

Cover

Kai Surendorf hat ein wieder ein neues Buch bei Galileo Computing herausgegeben. Im Sommer hatte er mir bereits ”Das Praxisbuch Mac OS X Tiger” geschickt, welches mir sehr gut gefallen hat. Auch im Nachhinein spricht es für das Buch, dass ich immer noch fallweise zu dem Band greife, um einiges nachzuschlagen.

Nun hat mir Kai Surendorf sein neues ”Unix für Mac OS X-Anwender” geschickt. Nicht ganz neu, denn es ist eine aktualisierte, überarbeitete, zweite Auflage.

Just zu dem Thema hatte ich vor 2-3 Jahren zwei Bücher von O’Reilly gekauft. Das eine erwies sich als zu dünn, aber immerhin einigermaßen nachschlagetauglich. Das zweite, dickere Buch war ein Schnellschuß. Ein nur mäßig auf OS X umgestricktes UNIX-Buch und m.E. das schlechteste Buch was ich jemals von O’Reilly gekauft habe.

Verglichen mit dem dünnen O’Reilly-Bändchen ”Learning Unix for Mac OS X” setzt das 560 Seiten dicke Hardcover einen deutlich anderen Schwerpunkt. Wo sich das O’Reilly-Bändchen ausschließlich auf das Terminal und die Shell konzentriert, rückt bei Kai Surendorf immerwieder die Integration von UNIX als Fundament von OS X in den Mittelpunkt, inklusive aller sich überlappender Bereiche wie GUI-Oberflächen für UNIX-Befehle oder Druckereinrichtung und -Konfiguration mit CUPS.

Das Buch schürft damit tief in Bereiche zu denen man ansonsten nur schwer derart konzentriert bzw. umfassend Infos findet.

Ein Highlight ist z.B. das Kapitel über den neue Launch-Daemon von Tiger launchd, der auf 32 Seiten beschrieben. Cron-Jobs werden hingegen so gut wie gar nicht abgehandelt. Das ist zwar konsequent, weil Kai Surendorf die Cron-Jobs explizit duch launchd und launchctl abgelöst sieht, ich hätte mir aber trotzdem mehr zu crons gewünscht. Es ist immer noch ”weapon of choice” auf Servern und es gibt User die auf OS X möglicherweise die gleichen Mechanismen bevorzugen, die sie berufeshalber auf anderen Non-OS X-Kisten einsetzen (wollen). Es wäre auch eine Chance gewesen, beide Mechanismen nebeneinander zu stellen.

Hätte man das konsequent fortgeführt, wäre das Buch dann aber wahrscheinlich 1.000 Seiten dick geworden…

Das vorige “Praxisbuch” habe ich groß als Nachschlagewerk gelobt. Auch das “Anwenderbuch” besitzt alles zum Nachschlagen: sehr guter Index, gutes Inhaltsverzeichnis.

Und trotzdem ist es nicht so nachschlagefreundlich. Ich habe, anders als beim “Praxisbuch” wesentlich stärker das Gefühl, das komplette Kapitel lesen zu müssen (sind in der Regel 30 – 40 Seiten lang).

Das ist auch durch das Layout bedingt. Wo es im “Praxisbuch” viele Kästchen, Einklinker und Screenshots gab, wo im O’Reilly-Buch die Absätze selten länger als 6-7 Zeilen waren, ist das “Anwenderbuch” textlastiger.

Gut, weniger Screenshots ist erklärbar: siebenhundertdreiundzwanzig Screenshots vom Terminalfenster sind auch nicht unbedingt satisfaktionsfähig. Aber das Querlesen fällt deutlich schwerer.

Das macht das “Anwenderbuch” nicht schlechter, aber anders. Es ist nicht mehr für das schnelle ”ich habe jetzt mal 5 Minuten Zeit und kann mal schnell was nachlesen”, sondern der Wälzer mit dem man sich wirklich eine Stunde neben dem Rechner hinsetzt.

Vieles im Buch wird man möglicherweise schon gelesen haben, aber alleine schon die Geschichten in denen UNIX auf OS X trifft (Spotlight, NetInfo, launchd, CUPS), sind spannend und machen das Buch zu einer Anschaffung, die sich jeder ambitionierte OS X-User überlegen sollte.

Unix für Mac OS X-Anwender”, Kai Surendorf, Galileo Computing 2005 (2te Auflage), ISBN 3-89842-629-7, €39,30, 560 Seiten.

Dem Buch liegt auch eine Referrenzkarte mit den wichtigsten UNIX-Befehlen bei.

Website zum Buch: http://mac.delta-c.de/beschreibung.shtml

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