Schwerdtfegers weblog

Tagebuch eines angeh├Ârigen der unterschicht

Rechtschreibung

Menschen, die sich gern an einen verstoß gegen konwenzjonen stören, stören sich auch gern an den von mir in diesem blog gepflegten schreibweisen, die deutlich von der nachreformierten reformierten neuen deutschen rechtschreibung abweichen. Da ich jetzt schon einige mails zu diesem tema beantwortet habe, erscheint es mir angemessen, eine kurze darlegung der prinzipjen und eine sparsame begründung dieser prinzipjen zu veröffentlichen.

Dabei beginne ich mit dem duden-konformen stand der rechtschreibung und einem kurzen abriss, wie es unter lautem rascheln im blätterwald dazu gekommen ist.

Die offizjelle rechtschreibung

An sich ist eine offizjelle rechtschreibung eine erleichterung für alle schreibenden und lesenden. Nicht so in deutschland, da ist’s ein p’litikum; und ausgerechnet die gleichen vertreter der p’litischen kaste, die nichts so sehr scheuen wie ein klares, deutliches, unzweideutiges wort zu den zuständen der jetztgesellschaft und den folgen ihrer diesbezüglichen beglückungsideen führen sich plötzlich als hüter einer »deutschen sprachkultur« auf, die in ihrer verkweren sicht nur noch in ein paar regelungen von schreibweisen sichtbar wird, während sie mit ihrem aufgeblähtem blah die sprache täglich neu zu grabe tragen.

Da setzten sich vor vielen vielen jahren einmal ein paar p’litsch bestellte und beauftragte wissenschaftler hin und waren damit gestraft, eine reform einer immer weniger beherrschbaren deutschen rechtschreibung vorzuschlagen. Das ist an sich schlimm genug und kommt in seiner denke fast schon einer enteignung der sprache aus dem besitz der schreibenden und sprechenden gleich — da darf sich niemand wundern, dass beim antidemokratischen (elitären) wissenschaftlichen disput im dunklen kämmerlein kaum etwas herauskommt, womit sich menschen identifizieren wollen. Mit der geschriebenen, gehörten, gesprochenen sprache identifiziert sich jedoch jeder, der ohren zum hören hat; sie ist ein unmittelbares sinnliches erleben, dienlich zum deutlichen ausdruck dessen, was bewegt und was bewegt werden muss.

Trotz dieser schwachsinnigen idee hat dieses fragwürdige gremium, der rat für deutsche rechtschreibung, aber dennoch eine recht ansehnliche und vernünftige arbeit geleistet. Zunächst haben sie den regel- und ausnahmenbestand der deutschen sprache gesichtet, und dann wurden darin relativ behutsam verbesserungen vorgenommen. Diese bezogen sich vor allem auf die folgenden felder:

  • die regeln der kommasetzung,
  • die regeln der getrennt- und zusammenschreibung,
  • die fonetischen regeln,
  • die schreibweise und worttrennung von fremdwörtern, und
  • die kenntlichmachung von wortstämmen in der schreibweise.

Die armen seelen, denen so eine mühsal aufgebürdet war, sind wirklich nicht zu beneiden. Was vor ihnen lag, war die in die feste form des dudens gegossene barocke anarchie der deutschen rechtschreibung, die sogar noch anforderungen des längst nicht mehr üblichen fraktursatzes in unlogische und für viele menschen nicht mehr nachvollziehbare ausnahmen kleidete.

An diesem zustand gemessen, waren die ersten vorschläge recht vorsichtig. Die kommasetzung wurde völlig entschlackt, aus über fünfzig regeln wurden zwölf. Man entschied sich, so weit wie es sinnerhaltend möglich ist, die worte auseinander zu schreiben — ganz ohne ausnahmen geht das allerdings schon nicht mehr in einer sprache, deren sprecher beliebig neue worte durch zusammenstellung bilden können. Die verschiedenen möglichkeiten, doppellaute zu schreiben (etwa: ei, ai, ey, ay), wurden grundsätzlich auf eine fonetisch zugeordnete schreibweise reduziert, nur homofone worte (etwa: der weise, der waise) sollten durch abweichende schreibweise ausgezeichnet werden. In der trennung von fremdwörtern wurde die deutsche silbentrennung zu grunde gelegt, nicht mehr die trennung nach lateinischen oder griechischen stämmen (statt inter-esse nun inte-resse, was einem freund des lateinischen so richtig weh tut). Und zur kenntlichmachung der wortstämme wurden die deutschen umlaute endlich wieder so benutzt, wie es schon Goethe und Schiller getan haben. Es hieß danach nicht mehr der stengel, sondern der stängel, weil dieses wort von stange kommt.

Ich kann mich noch erinnern, wie ich damals vor vielen vielen jahren den ersten derartigen vorschlag in der hand hielt und beim lesen nur zustimmend nicken konnte: es war einfach ein vernünftiger, für jeden menschen nachvollziehbarer satz von regeln zur schreibung, der der bestehenden sprache nicht die geringste gewalt antat. Es war deutlich besser, als ich es als sprachanwender erwartet hätte, und er hat dabei sogar das typische deutsche schriftbild gut erhalten.

Leider dachten nicht alle menschen darüber so wie ich, und so gab es eine breitwirksame kampagne des medien- und literaturbetriebes; dort war der grundton klar: die deutsche sprachkultur ist in gefahr. Und zwar, weil man plötzlich (als ein beispiel) nicht mehr kaiser, sondern keiser schreiben sollte — was soll da unser Franz Beckenbauer nur denken. ;-) Und wenn man den monat mai völlig logisch als mei schreibt, dann ist das eine so große bedrohung für unsere sprache, dass die bäume fast das blühen vergessen könnten. (Ja, dieser absatz enthält etwas bitter schmeckende ironie.)

Dies führte dann zur ersten rücknahme der klaren regeln für fonetisches schreiben und der wiedereinführung von ausnahmen, die eigentlich beseitigt werden sollten. Danach durften deutsch lernende denn doch wieder eine liste von einigen hundert wörtern durch stupides pauken lernen, die ohne erkennbaren grund entgegen den gängigen fonetischen regeln des deutschen geschrieben werden sollten.

Und so, wie es am beispiel des keisers gemacht wurde, ging es fast mit der gesamten reform weiter. Und die p’litische kaste, die sich auf einmal in der situazjon fand, sprachgeschichte schreiben zu können, tat dies auch gleich und unterwarf die gesamte reform den anforderungen der heutigen mediendemokratur mit diesem hirnlosen populismus, der eine viel größere gefahr für jede kultur der jetztzeit ist als so ein paar neuregelungen von schreibweisen. Von den sinnvollen vorschlägen der ursprünglichen rechtschreibreform, die von einer klar erkennbaren logik (so weit logik in einer menschlichen sprache überhaupt möglich ist) geprägt waren, blieb dabei nicht viel übrig — so kam es nach der reform zur reform der reform die dann noch einmal reformiert wurde, und das für jedes deutsche bundesland in anderem tempo und mit einem anderen grad der verpflichtung im schulbetrieb und in der verwaltung. Kein wunder, dass unter diesen p’litisch erzeugten bedingungen vielen sprechenden und schreibenden der deutschen sprache das alte kaos als erstrebenswerte ordnung erschien und erscheint. Abgesehen von der duden-redakzjon hat von dieser realsatirischen babylonischen sprachverwirrung mit nur einer resultierenden sprache niemand etwas.

Als vor einigen monaten zu guter letzt auch noch die verbesserungen der regelungen zur getrennt- und zusammenschreibung zu großen teilen aufgehoben wurden, so dass wir in zukunft wieder völlig widersinnig »radfahren« (zusammen), aber »Auto fahren« (auseinander) schreiben sollen (es gibt übrigens in diesem bereich so viele ausnahmen von der eigentlichen regel der zusammenschreibung, dass man die richtige schreibweise für jede zusammenstellung eines substantivs mit einem verb auswändig lernen oder nachschlagen muss), ist mir als langjähriger beobachter dieses irrsinns und als täglicher anwender der deutschen sprache ganz einfach der kragen geplatzt. Vor allem, als ich dazu p’litische stellungnahmen las, in denen genau jene menschen von sprachkultur sprachen, die mit ihrem nebulösen und bewusst gefühllosen sprachgebrach jeden tag auf’s neue beweisen, welcher »kultur« sie angehören und was sie in diesem kontext mit »sprache« zu tun gedenken. :(

Meine rechte gutschreibung

Das war der moment, in dem ich beschloss, meinen blog nicht mehr nach den der p’litischen willkür unterworfenen regeln der deutschen rechtschreibung zu führen — obwohl ich diese regeln in anderen zusammenhängen sehr wohl noch anwende, allerdings ohne mich sklavisch an sie zu binden. Das ich auch im persönlichen verkehr noch dieses marode regelwerk benutze, liegt übrigens darin begründet, dass viele menschen die intelligenz und ernsthaftigkeit eines mitmenschen an der regelkonformität seines schreibens bemessen — und nicht etwa am inhalt des geschriebenen. Wie gefährlich eine solche haltung ist und wie wenig das so erlangte vorurteil über einen menschen als einschätzung taugt, brauche ich hier hoffentlich nicht zu beleuchten, aber ich kann daran nichts ändern.

Statt in deutscher rechtschreibung zu schreiben, führe ich diesen blog in rechter gutschreibung als einer vorwegnahme der nächsten drei bis sieben reformen der rechtschreibung. Die rechte gutschreibung folgt den hier kurz dargelegten prinzipjen, über deren anwendung im zweifelsfall von mir (oder anderen anwendern) aus dem bauch heraus entschieden wird:

Deutliche sprache: die deutsche sprache ist völlig unabhängig von der gepflegten schreibweise eine deutliche sprache. Das ist ihre eigentliche kultur, und genau diese kultur ist vor allem durch jene gefährdet, die so gern das wort »kultur« im weihegesalbten munde führen. Wo immer menschen nicht deutlich sein wollen, zeigt sich dies schnell darin, dass sie dabei nicht deutsch sprechen können, sondern den eigentümlichen kauderwelsch der p’litiker und tandverkäufer von sich geben. Das nachdenken darüber, warum diese menschen in der jeweiligen situazjon (etwa in der ARD bei frau Christiansen, in der bütt des bundestages oder auf werbeplakaten) nicht deutlich im sprechen sein wollen, sei jedem vernunftbegabten menschen selbst überlassen — mein blog ist von zitaten solcher beispiele und gelegentlichen erläuterungen dazu recht voll. Die deutsche sprache ist darüber hinaus eine rytmische und melodische sprache, die klare aussagen wie von selbst in ansprechende form bringen kann; sie ist eine sprache, die für ihre sprecher denkt und die ihren sprechern somit hilft, vernünftige gedanken zu haben. Der schon benannte kauderwelsch ist leider sehr dazu geeignet, seinen sprechern und hörern klare gedanken vorzuenthalten, er sollte deshalb vermieden werden. Wenn so ein volxverdummender schlipsträger so einen undeutlichen wortreichen blah wie »die prognose der entwicklung der demografischen struktur in der bundesrepublik ist bei fortgesetztem trend eine herausforderung für die zukunft des systems unserer sozjalversicherungen« von sich gibt, so übersetze man es in’s deutliche deutsch als »es wird in absehbarer zeit keine rente mehr geben« und denke sich dazu seinen teil. Das beispiel war übrigens erfunden, aber es ist in wortwahl und nebeldichte typisch für die sprache, mit der die p’litische kaste der BRD ihre gierkranken beglückungsideen in den massenmedien darlegt. Besonders beliebt bei der volxverwirrung ist die kombinazjon undeutlicher sprache mit abkürzungen; wenn ein denkender ARD liest oder hört, muss im ersten schritt der recht nebulöse klartext »arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen rundfunkanstalten deutschlands« aus dieser abkürzung hergestellt werden, um diesen worthaufen dann in einem zweiten schritt in das deutliche »staatsfernsehen der BRD« zu übertragen — dieses wiederherstellen der klarheit und wahrheit hilft dann auch beim tieferen verständnis der darbietungen in der sozjalmörderischen sendung einer gewissen frau Christansen.

Groß- und Kleinschreibung: die rechte gutschreibung wendet die im westeuropäischen sprachraum allgemein verbreitete regel der gemäßigten kleinschreibung an. Satzanfänge und namen von personen (als persönliches gegenüber, nicht als instituzjonen, die von rechtslinksdrehern als »juristische personen« betrachtet werden) werden groß geschrieben, alle anderen wörter grundsätzlich erst einmal klein. Von dieser regel kann abgewichen werden, indem ein name in verunglimpfender weise klein geschrieben wird, es kann aber auch ein anderer begriff zum zweck der hervorhebung groß geschrieben werden. Beide abweichungen von der regel werden in der regel sehr sparsam eingesetzt, etwa beim worte »Freiheit«, wenn damit das gewalt- und angstfreie zusammenleben von menschen unter dem fehlen eines jeglichen herrschaftsapparates gemeint ist. Das wort »Gott« wird als name einer person erachtet, wenn ein anderer gottesname im gegebenen kontext nicht zur verfügung steht, dies ist unabhängig von irgendwelchen fragen zur existenz dieser person zu sehen — die kleinschreibung des wortes »gott« bezieht sich in der regel auf ein religjöses gottesbild, das in der einen oder anderen weise p’litisch instrumentalisiert wird. Ein staatsgebilde ist niemals eine person und wird daher stets klein geschrieben. Die bezeichnung eines herrschaftsamtes wie »könig« oder »präsident« ist kein name einer person und wird daher ebenfalls klein geschrieben, die damit verbundenen namen von personen verdienen dies leider auch oft.

Punkt, punkt, komma, strich: ein komma (beistrich) wird grundsätzlich dort gesetzt, wo nach dem empfinden des schreibers eine pause im sprachfluss sein sollte — viele der regeln für nebensätze ergeben sich aus dieser anforderung wie von allein. Des weiteren wird das komma in aufzählungen verwendet. Ein semikolon wird zur erhöhung der klarheit und zur verdeutlichung der struktur dort verwendet, wo teilsätze mit enthaltenen kommata aufgezählt werden. Es kann ferner wie ein komma verwendet werden, wenn ein an sich eigenständiger satz mit dem vorhergehenden satz zusammen gebunden werden soll; eine sehr häufige einleitung für eine solche verschmelzung von an sich eigenständigen sätzen ist das wort »und«. Ein doppelpunkt leitet zitate in wörtlicher rede, aufzählungen und weitere erläuterungen zu einem tema oder einer aussage ein. Nach einem doppelpunkt beginnt in aller regel kein neuer satz, deshalb wird auch in kleinschreibung fortgesetzt. Die gewöhnlichen satzzeichen werden so verwendet, wie sie auch in der normalen deutschen rechtschreibung verwendet werden. Das ausrufezeichen schließt befehle und ausrufe ab. Das fragezeichen schließt sätze ab, bei denen es sich um fragen handelt — bei retorischen scheinfragen kann jedoch auch ein punkt gesetzt werden, da es sich nicht um eine »wirkliche« frageform handelt. Einfache aussagesätze werden mit einem punkt abgeschlossen.

Zeichenvorrat: der zeichenvorrat wird für die rechte gutschreibung nicht verändert. Das zeichen »ß« hat die klare und einzige funktion, ein scharfes »s« nach einem langen vokal oder einem doppelvokal zu kennzeichnen; die schreibweise »ss« drückt hingegen die kürze des vorhergehenden vokales aus. Alle zeichen und zeichenkombinationen haben den gleichen klang, den sie auch in der gewöhnlichen rechtschreibung haben, dies gilt auch bei fonetischen widersinnigkeiten wie »ei« für (fonetisch) »aj« oder »eu«, »äu« und »oi« für (fonetisch) »oj«. Hier eine anpassung vorzunehmen, würde ein für sprecher und schreiber der deutschen sprache sehr schwer lesbares und fremdes schriftbild ergeben, deshalb wird davon abgesehen. Es gibt von diesem grundsatz der rechten gutschreibung allerdings zwei ausnahmen, die in der deutschen sprache eher selten auftreten: Es handelt sich zum einen um die gelegentliche schreibung eines ks-lautes durch »chs«, hier wird — wie in allen anderen ks-lautfolgen auch — immer das zeichen »x« verwendet. Es heißt also »fux« statt »fuchs« oder »axe« statt »achse«. Zum anderen wird die zeichenfolge »qu« immer strikt fonetisch als »kw« geschrieben, so dass »kwalität« an stelle von »qualität« tritt.

Getrennt- und zusammenschreibung: so lange dies ohne sinnverlust des geschriebenen möglich ist, werden kombinazjonen aus hauptwort und verb getrennt geschrieben. Es heißt also »rad fahren« oder »auto fahren«. Die für die deutsche sprache karakteristischen zusammen gesetzten hauptwörter werden — genau, wie in der »offizjellen« rechtschreibung auch — immer zusammen geschrieben, da die gemäßigte kleinschreibung solche gebilde wie »würfel zucker« sehr missverständlich machen könnte. Hier befindet sich die rechte gutschreibung im gegensatz zur inflazjonären leerzeichenbenutzung in der werbung (»tiger wäsche«, »bremsen dienst« an esso-tankstellen oder »buchstaben suppe« von maggi).

Abkürzungen: jede abkürzung von wörtern und satzbestandteilen wie zum beispiel »z.B.«, »etc.«, »MfG« oder »Abk.« verstümmelt das sprachgefühl und wird vermieden. Beim schreiben mit einem kompjuter ist es relativ einfach, solche abkürzungen automatisch durch ihren klartext zu ersetzen, nur beim schreiben mit der hand haben diese erleichterungen des vorganges eine gewisse berechtigung. Allerdings werden abkürzungen technischen ursprunges wie KB, MB, TCP/IP, MP3, HTML, CSS, XML oder RSS beibehalten. Ebenfalls beibehalten werden abkürzungen p’litscher oder industrieller gebilde wie IBM, VW, BRD, DDR, USA, GEZ, CSU, PDS oder ARD. Alle diese abkürzungen werden in großbuchstaben ohne punkte geschrieben, bei elektronischer publikazjon wird ihnen in geeigneter form die bedeutung der abkürzung zugeordnet.

Sonstiges: im zweifelsfall wird in der rechten gutschreibung keine neue schreibweise erfunden, auch dann nicht, wenn die etablierte schreibung widersinnig ist. Es wird weiterhin »mai« geschrieben. Es gibt weiterhin keine klare schreibweise für die länge eines selbstlautes, sondern das gewachsene barocke nebeneinander von dehnungs-h, einfachschreibung des folgenden konsonanten, anhängen eines e und doppelte schreibung eines langen vokales. Das silbenübergreifende, doppelte k wird weiterhin als ck geschrieben; diese schreibung wird auch bei einer silbentrennung beibehalten. In rechter gutschreibung wird dem schriftbild des deutschen keine unnötige gewalt angetan; und darin unterscheidet sich die rechte gutschreibung von allen trends des heutigen mediengeschäftes und der werbung.

Rechte gutschreibung von fremdwörtern

Neben diesen ganz einfachen regeln gibt es noch ein ganzes gebiet für sich, und zwar die schreibung von fremdwörtern aller art. Es ist widersinnig, auf fremdwörter völlig verzichten zu wollen; zumal sich viele dieser aus anderen sprachen entliehenen wörter sehr gut in die deutlichkeit der deutschen sprache einfügen. Tatsächlich ist ein recht großer anteil der wörter, die heute jeder sprecher als deutsche wörter empfindet, vor langer langer zeit aus der lateinischen sprache entnommen worden, zum beispiel »keller« oder »fenster«. Diese wörter fallen niemandem auf, sie bilden typisch deutsche formen und sind auch fonetisch keine fremdkörper.

Ganz anders sieht es mit den fremdsprachigen wörtern aus, die heute in den körper der deutschen sprache eingebracht werden; ihnen wird von den sprachmächtigen massenmedien und der allplakatierung der werbewirtschaft das befremdliche und ihre schriftliche erscheinung aus einem fremden fonetischen konzept als besonderer reiz belassen, ja, diese nachteile werden geradezu wie ein vorzug behandelt. In der regel handelt es sich dabei zur jetztzeit um wörter, die in form und klang vorgeben, englische wörter zu sein — absurderweise handelt es sich dabei jedoch auch um erfindungen deutscher werbefirmen. Das kurze wort für ein mobiltelefon »handy« ist so ein beispiel, das von den meisten sprechern der englischen sprache nicht verstanden wird. Die dem deutschen sprachlich gar nicht so fern stehenden schweden sind weniger empfänglich für solche ideen der werber und haben ein eigenes wort dafür gebildet, es heißt zu deutsch etwa »taschentelefon« und auf gut schwedisch eben »ficktelefon« — das klingt doch viel sympatischer.

Im deutschen muss der schreibende allerdings mit der übernahme von wörtern aus anderen sprachen und der werbenden englischtümelnden neuschöpfung von wörtern leben.

So fern diese wörter als bestandteil des deutschen alltags-wortschatzes betrachtet werden können, passt die rechte gutschreibung diese wörter vorsichtig an die fonetischen gegebenheiten der deutschen schriftsprache an. Das wurde in der vergangenheit auch schon so gemacht. Das französische wort für »schreibstube« schreibt heute niemand mehr als »bureau«, sondern es wird »büro« geschrieben. So weit das möglich ist, wird auch mit anderen wörtern aus dem französischen so verfahren, und so kommt es beispielsweise zu den schreibweisen »frisör« (inzwischen auch in offizjeller rechtschreibung möglich), »redaktör« oder »restorang«. Am letzten beispiel zeigt sich schon, dass der lautvorrat des französischen nicht immer leicht zu übertragen ist, die rechte gutschreibung solcher fälle orientiert sich dann an der im volke üblichen aussprache, die ausserhalb der erkältungszeiten auch meist frei von nasallauten ist. So wird etwa statt »chance« die völlig falsche aussprache »schangse« fonetisch wiedergegeben.

In ähnlicher weise wird mit englischen oder modernen englischtümelnden wörtern verfahren, und auch dies hat vorbilder in noch gar nicht so ferner vergangenheit. Einen ausstand der arbeiterschaft schreibt heute niemand mehr in deutschland als »strike«, sondern als »streik«. Auch heißen die kleinen gebäckstückchen nicht mehr »cakes«, sondern »keks«. Auf solchem hintergrund sollte niemand eine große hemmung verspüren, »händi«, »bäbi« oder »kompjuter« zu schreiben.

Am kompjuter begegnen einem immer noch die meisten englischen begriffe, die recht widerstandslos in den bestand der deutschen sprache eingeflossen sind. Wer die »mouse« ohne problem als »maus« bezeichnet und mit diesem zeigegerät »klickt«, sollte auch keine probleme mit »softwähr«, »häcken«, »brauser«, »tschätt«, »appdäht«, »daunlohd«, dem »kräsch« und dem anschließenden »riebuht« haben — ist eben alles ein ziemlicher fack!

Neben den relativ modernen englischen einsprengseln bedient sich der gebildete deutsche stil aber noch einer menge von fremdworten aus dem unerschöpflich scheinenden altgriechisch-römischen vorrat. Hier unterscheidet die rechte gutschreibung sorgsam, ob es sich um alltagssprache handelt, also um wörter, die sich in jeder allgemeinen zeitung häufiger finden könnten, oder ob es sich um eine fachsprache, etwa der chemiker, biologen oder fysiker handelt. Fachsprache bleibt dabei unverändert, ist es doch teil ihres zwecks, eine kommunikative grundlage über die sprachräume hinweg zu schaffen.

Alltagssprache wird hingegen behutsam fonetisch an das deutsche angepasst, die dabei angewendeten regeln spiegeln nur die tatsächliche aussprache wider:

  • ph wird zu einem f, wie es gesprochen wird (foto, fysik, filosofie);
  • ch wird immer dann zu einem k, wenn es so gesprochen wird (kor), über einzelheiten können sich nord- und süddeutsche (chemie? kemie?) jetzt lange streiten;
  • i wird als j geschrieben, wenn es stimmlos ist (prinzipjen);
  • th wird zu einem t, denn das h wird nicht gesprochen (tese, tema, matematik);
  • rh wird zu einem r, denn das h wird nicht gesprochen (rytmus); und schließlich
  • ti vor »-on« wie in »nation« wird zu zj, denn so wird es gesprochen (revoluzjon, kreazjon, informazjon); und das seltenere
  • si wird gegebenenfalls ebenso behandelt (visjon).

Ein besonderes fremdwort ist p’litik und die vielen von diesem unwort abgeleiteten wörter, doch wurde diese schreibweise schon ausführlich begründet.

Das beste an diesen einfachen regeln der rechten gutschreibung ist’s, dass viele fremdwörter ungewöhnlich hässlich im schriftbild werden, so dass sich der schreibende gern wieder auf die eigentliche ausdruckskraft der deutschen und deutlichen sprache besinnt. Dabei wird der größte teil der geschriebenen wörter gar nicht verändert. Somit ist die rechte gutschreibung ein unterstützendes mittel der richtig-dichtung, die ja auch die deutlichkeit des deutschen wortes herzustellen sucht.

Schreibfehler

Natürlich bleibt es auch in der rechten gutschreibung nicht aus, dass sich der schreibende aus gewohnheit verschreibt und eine längst verworfene form zu papier oder bildschirm bringt. Aber wenn alles genau so gesprochen wird, wie es geschrieben ist, fallen solche ausflüsse der schlechten falschschreibung in der rechten gutschreibung sofort auf. Da ein wörterbuch fehlt und auch niemals eines herausgegeben wird, liegt es in der verantwortung des schreibers, solche fälle entweder als schreibfehler zuzugeben oder sich eine gute begründung für seine schreibweise auszudenken. Dabei sollte stets daran gedacht werden, dass es ein prinzip der rechtschreibung und damit auch der rechten gutschreibung ist, dass ein fehler, der immer wieder gemacht wird, irgendwann zur regel wird.

Viel spaß.