zur ZDF.de-Startseite
 
 
  Kontakt   Impressum
Suche
Erweiterte Suche
 
12.03.07 Startseite   >    Politik & Zeitgeschehen   >    Zeitgeschichte  
Politik & Zeitgeschehen
Der demographische Wandel
Deutsche EU-
Ratspräsidentschaft
Gesundheitsreform
Schule & Bildung
Europäische Union
Konflikt in Nahost
Atom-Streit mit Iran
Krisenherd Irak
Gesellschaft
ZDF Royal
Zeitgeschichte
Die Kinder der Flucht
Die große Flucht
Die Gefangenen
Stunde der Offiziere
     
  Erweiterte Suche
ZDFmediathek
 
start
 
Rente mit 67 beschlossene Sache  
 
Gipfelerfolge in Brüssel  
 
Energie bewegt die Welt  
 
Deutsche Ratspräsidentschaft
Deutsche EU-
Ratspräsidentschaft
 
zerstörtes Wielun
Die zerstörte Stadt Wielun in Polen

Frontal21 am 31.08.2004

Bombenterror auf Polen

Der Beginn des Zweiten Weltkriegs

Bis heute gilt es als historische Tatsache: Der Zweite Weltkrieg beginnt in Danzig. Doch bereits kurz zuvor, am 1.September 1939, wird die Kleinstadt Wielun, 20 Kilometer hinter der Grenze gelegen, von deutschen Bomberstaffeln fast völlig zerstört. 1.200 Menschen werden getötet.


 

Frontal21 - das Magazin im ZDF





nächste Sendung:
13.03.07 21:00 Uhr

 
Frontal21-Sendungen im Überblick
Die Masuren
Polen
Frauen als Kriegsbeute
Die SS als Zuhälter
Bombenterror auf Polen, Teil 2 des Beitrages  
   

Heute vor 65 Jahre - überall auf den Flugplätzen in Pommern und Schlesien laden sie Bomben, auch in Neudorf bei Oppeln. Wenige Stunden später werden sie Polen überfallen, der Zweite Weltkrieg beginnt. Und sie werden Bombenterror verbreiten - von der ersten Stunde an. Ihr Angriffsziel ist Wielun, 20 Kilometer hinter der polnischen Grenze.

 
   

Wielun ist am 1. September 1939 eine verschlafene Kleinstadt mit 16.000 Einwohnern - Handel, Kleingewerbe, Landwirtschaft, keine Industrie, kein Militär. Eine Provinzidylle, die zum ersten Opfer von Görings Luftwaffe wird.

 
   

"Keiner war darauf vorbereitet"
     Es ist 4.45 Uhr, als die Bomben in Wielun auch vier Kinder aus dem Schlaf reißen: Zofia Burchacinska, Stanislaw Seczkowski, Marianna Dybek und Stanislaw Kubalczyk.

 
   

zerstörte Kirche in Wielun
Bomben zerstörten die Kirche in Wielun

"Das Heulen der Flugzeuge und dazu die Schüsse aus den Maschinengewehren - über Wielun war die Hölle: Knallerei, Rauch, Gejammer, Geschrei - das alles zusammen ergab ein furchtbares Bild. Und keiner hier in Wielun war darauf vorbereitet", erinnert sich Kubalczyk.

 
 
Zofia Burchacinska
Zofia Burchacinska

Piloten bringen den Tod
     "Ich floh, barfuss, im Nachthemd, und rannte dann über den Marktplatz", erzählt Zofia Burchacinska. "Da sah ich den zerstörten Anbau der Kirche. Alles lag in Schutt und Asche. In einer Seitenstrasse lag ein Mann blutüberströmt, der rief immer nur: 'Hilfe!', 'Hilfe!'."

Auch die Piloten der 77. Stuka-Staffel bringen Tod und Entsetzen nach Wielun. Otto Schmidt ist der letzte noch lebende Pilot des Überfalls auf Wielun. Zu Kriegsbeginn ein Leutnant, die Nummer drei in seiner Gruppe. Den 1. September 1939 wird auch er nie vergessen: "Wir sind ausgebildet worden für ein ganz genaues Zielen (...) wie etwa auf eine Artilleriestellung oder ähnliches. Deswegen war es mir völlig fremd, dass uns jemals ein Ort als Ziel genannt werden könnte."

 
   

"Das läuft automatisch ab"
     Ein Ort als Ziel - das heißt: Bomben auf die Zivilbevölkerung. Die Piloten führen die Befehle aus. Der Staffelkapitän fliegt voran, Otto Schmidt folgt seinem Beispiel und wirft seine Bomben.

 
   

Otto Schmidt in seinem Flieger
Otto Schmidt flog als Pilot Bombenangriffe auf Wielun

"Das sind Dinge, die dann automatisch ablaufen, dass man so, wie man es gelernt hat, als einzelner Staffelpilot hinterher fliegt und eben auch keine Fragen mehr hat: 'Hat der jetzt das richtige Ziel angegriffen oder nicht'", erklärt Schmidt.

 
   

"Ich sah die Gesichter der Piloten"
     Marianna Dybek erinnernt sich genau: "Nach der ersten Bombardierung sanken die Flugzeuge und kreisten im Tiefflug über die Stadt, sehr niedrig. Ich sah sogar die Gesichter der Piloten und dann schossen sie aus Maschinengewehren."

 
 
Stanislaw Kubalczyk
Stanislaw Kubalczyk

"Viele Menschen wurden von den Flugzeugen regelrecht gejagt", bestätigt auch Kubalczyk. "Sogar dort, wo die Menschen flohen, in die Wiesen oder sonst wohin, sind die mit den Flugzeugen hinterher und dann ging es los mit den MG-Salven."

Der Beginn des Zweiten Weltkrieges
     So beginnt der Zweite Weltkrieg - nicht in Danzig, auf der Westerplatte, wie es in den Schulbüchern steht, sondern schon kurz zuvor, in der Kleinstadt Wielun, die bis heute kaum jemand kennt. Dabei wird sie damals zu 70 Prozent zerstört und circa 1.200 Menschen kommen ums Leben.

 
 
Tadeusz Olejnik
Tadeusz Olejnik

Dazu der Historiker Tadeusz Olejnik: "Guernica, Coventry, Dresden sind überall bekannt. Aber das, was hier in Wielun passierte, ist unvergleichbar. Wielun wurde bombardiert im Friedenszustand, als der Krieg noch gar nicht erklärt war. Niemand in der Bevölkerung war deshalb darauf vorbereitet. Das ist die besondere Tragödie von Wielun."

Grausamer Polenfeldzug
     Über Kriegsverbrechen, die im September 1939 in Polen begangen wurden, forscht seit Jahren am Deutschen Historischen Institut in Warschau Jochen Böhler. Er ist der Auffassung: "Der ganze Krieg gegen Polen im September 1939 bedarf meiner Meinung nach einer Revision aus deutscher Sicht. Es ist eben nicht nur so, dass dort die Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und andere Terrororganisationen die polnische Bevölkerung verfolgten, sondern der Bombenterror aus der Luft und auch Erschießungen der Wehrmacht auf dem Boden begleiteten den Polenfeldzug."

 
   

  Und hier geht es weiter:
Bombenterror auf Polen, Teil 2 des Beitrages  

 
 
  Die Top 10 unserer Leser - geben Sie auch eine Empfehlung ab!  
 
nicht lesenswert
-3 -2 -1 0 +1 +2 +3
lesenswert
 
   Übersicht über die Leser Top10  
 
 
Schreiben Sie uns Artikel versenden Artikel drucken
  zum Seitenanfang 
   
Impressum Kontakt Hilfe Über das ZDF ZDF-Stellenmarkt  Erweiterte Suche © ZDF 2006 
zdf.de
ZDFinfokanal ZDFdokukanal ZDFtheaterkanal
arte 3sat phoenix kika dradio