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Expertenforum
auf dem "Tag des Backsteins"
Durch Fortschrittsgläubigkeit in die Sackgasse
gedämmt
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in die Sackgasse?" Diese Frage stand beim "Tag des
Backsteins" in Hildesheim und Westerstede, zu dem die
Olfry-Ziegelwerke in Vechta eingeladen hatten, im Mittelpunkt.
Rund 400 Architekten, Bauunternehmer und Bauträger aus
Niedersachsen, Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein,
Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt folgten der Einladung.
Für Prof. Dr. Claus Meier aus Nürnberg und
seinen Kollegen Prof. Jens Fehrenberg, der an der Universität
Hildesheim Bauökologie lehrt, geht der Weg direkt in die
Sackgasse. "Ich habe den Bundeskanzler bereits schriftlich
aufgefordert, genau wie bei der BSE-Problematik auch bezüglich
der Wärmedämmung endlich Verbraucherschutzinteressen zu
berücksichtigen", sagt Architekt Claus Meier.
"Vermutlich müssen aber erst ähnliche Katastrophen
eintreten wie bei BSE, bevor die Politik reagiert“, befürchtet
er.
Meier kritisiert die Art und Weise, wie mit
bestimmten Berechnungen Schindluder getrieben wird und Bauherren
ihre Häuser aus Unerfahrenheit sinnlos dämmen. "Sie
investieren viel Geld in ein Verfahren, das ihnen am Ende weder
ökonomische noch ökologische Vorteile bringt". Für diese
Entwicklung macht er die Dämmstoffindustrie verantwortlich, die
ihre Materialien unbedingt verkaufen will und dementsprechend in
der Öffentlichkeit wirbt. Selbst die verantwortlichen Politiker
in Berlin sind laut Claus Meier nicht in der Lage, sich gegen die
"pseudowissenschaftliche Hochstapelei" zur Wehr zu
setzen und unterschreiben nach wie vor Energieeinsparverordnungen,
die lediglich der Dämmstofflobby dienen.
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 Professor Dr. Claus Meier ist auch
nach der Veranstaltung ein viel gefragter Gesprächspartner. |
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| "Wissen ist
entscheidend und nicht Meinung", sagt Claus Meier und
verweist auf den Direktor des Max-Planck Instituts, Hubert Markl.
Der hat den Satz formuliert: "Die Lüge und der Betrug sind
integraler Bestandteil des Forschens." "Die Wissenschaft
wird zunehmend pervertiert" fügt Claus Meier noch hinzu.
"Je nachdem, von wem die Forschungsaufträge stammen, fallen
auch die Ergebnisse aus. Der Verlierer ist grundsätzlich der
Verbraucher."
"Dabei bauen wir für die Menschen und
nicht für die Gesetze" stellt Jens Fehrenberg klar.
"Mittlerweile versperren die Dämmstoffe aber den Blick fürs
Wesentliche", sagt er weiter und meint damit den ethischen
Grundsatz, dass sich Menschen in ihren vier Wänden genauso wohl
fühlen müssen wie in ihrer eigenen Haut. "Wir Baumenschen
sind für die Gesundheit der Menschen verantwortlich. Immerhin
verbringen wir rund 90 Prozent unserer Lebenszeit in
Gebäuden.
Laut Fehrenberg sind wir in den vergangenen
Jahren den falschen Propheten nachgelaufen und haben schon viel zu
viele krankmachende Häuser gebaut. "Rund 22000 verschiedene
Chemikalien kommen im gesamten Baubereich zum Einsatz. Alle
denkbaren Reaktionsmöglichkeiten untereinander sind da völlig
unberücksichtigt", skizziert er die scheinbar moderne
Entwicklung rund um den Bau. So mancher Bauherr ahne nicht, welche
Zeitbombe da schlummere. Zumal nirgends Warnhinweise angebracht
seien.
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 Professor Dipl.-Ing. Jens P. Fehrenberg,
Hildesheim, referiert über Superdämmung und ihre
gesundheitlichen Folgen |
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Der Bauökologe kritisiert die
ausgeprägte Fortschrittsgläubigkeit. "Unsere Vorfahren waren
keineswegs dümmer als wir", hält er dagegen. "Sie haben in
Jahrtausenden ausprobiert, was dem Menschen bekommt". Deshalb
plädiert er dafür, wieder auf Bewährtes zurückzugreifen. Dazu
gehört beispielsweise Sonnenenergie, die mit Hilfe natürlicher
Baustoffe wie Klinker in Strahlungswärme umgesetzt wird. "Durch
massive Wände kann Solarenergie nutzbringend eingespeichert werden und
beeinflusst Raumklima und somit Gesundheit positiv", sagt er. Die
zum Teil bis zu 45 Zentimeter dicken Wärmedämmungen dichten
buchstäblich alles ab und verhindern jegliche Form der Luftzirkulation,
was im schlimmsten Fall bei den Bewohnern zu Krankheiten führt.
Fehrenberg hat als Sachverständiger regelmäßig mit solchen Fällen zu
tun.
"Negative Umwelteinflüsse wie
beispielsweise Chemikalien gehen dem Menschen buchstäblich unter die
Haut", macht er deutlich. "Der menschliche Organismus verlangt
nach Baustoffen, die er seit Jahrtausenden kennt. Über die
Mineralfaser, die als Dämmschicht dient, existieren noch keine
Langzeitforschungen. Niemand weiß also, wie sie auf den Organismus
wirken und ob sie nicht vielleicht krank machen", warnt er und ist
sich deshalb genau wie Claus Meier sicher, "dass wir uns bereits in
die Sackgasse gedämmt haben".
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