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Band IV (1992) Spalten 394-395 Autor: Friedrich Wielgus

KONRAD von Hirsau (Konrad von Hirschau, Conradus Hirsaugiensis), Benediktinermönch und erbaulicher Schriftsteller, * um 1070, + um 1150 in Hirsau. - Über die Herkunft K.s ist uns durch Trithemius (De scriptoribus ecclesiasticis, Köln 1546, 163) nur bekannt, daß er deutscher Nationalität (natione Teutonicus) war. Er trat schon in jungen Jahren in das Kloster Hirsau (Hirschau) ein, wo er den Unterricht des Abtes Wilhelm v. Hirsau (+ 1091, s.d.) genoß und unter Abt Gerhard und dessen Nachfolgern selbst als Lehrer an der Klosterschule wirkte. - Es werden ihm von Trithemius (a.a.O.) eine Reihe von Schriften zugeschrieben. Von diesen kann mit einiger Sicherheit nur der »Dialogus super auctores sive Didascalon« als echt gelten. Hierbei handelt es sich um eine Einführung in die damals in den Klosterschulen gelesenen antiken und christlichen Autoren, aus der man ersehen kann, wie die römischen Schriftsteller und Dlchter in den Klötern der strikten Observanz, zu denen Hirsau gehörte, behandelt wurden; ihre Lektüre diente in der Hauptsache dem Unterricht in der lateinischen Grammatik und Metrik, der Inhalt wurde durchaus nach den Maßstäben der christlichen Moral beurteilt. Das Werk enthält einen Anhang über die »septem artes liberales«, deren Studium ebenfalls in den Dienst der christlichen Erziehung gestellt wird. Von den zweifelhaften Schriften verdienen Erwähnung: das »Speculum virginum«, ein Dialog zwischen einem Priester und einer Nonne mit erbaulichem Inhalt, der mit einem Gedicht, dem »Epithalamium virginum«, schließt, in welchem in farbigen Strophen die Hochzeit der Braut Christi mit ihrem Bräutigam geschildert wird; der »Dialogus de contemptu et amore mundi«, ein Gespräch zwischen einem Säkularkleriker und einem Mönch, in welchem letzterer den ersteren zum monastischen Leben zu »bekehren« sucht; »De fructibus carnis et spiritus«, eine ebenfalls aszetisch orientierte Schrift; die »Altercatio Synagogae et Ecclesiae«, ein Streitgespräch zwischen Gamaliel und Paulus, in welchem letzterer den ersteren mit Hilfe der typologischen und moralischen Auslegung des AT vom Judentum zum Christentum zu bekehren sucht. - K. v. H. war ein Vertreter des monastisch-aszetischen Frömmigkeitsideals, dem er auch die allgemeinen Bildungsziele völlig unterordnete.

Werke: Conradi Hirsaugiensis Dialogus super auctores sive Didascalon, ed. G. Schepss, Würzburg 1889; Epithalamium virginum, hrsg. v. G. M. Dreves, in: ZKTh 25, 1901, 546-554; Auszüge aus dem übrigen Speculum virginum sind hrsg. v. M. Bernards (s. unter Lit. b. dems.).

Lit.: M. Bernards, Speculum virginum: Geistigkeit u. Seelenleben der Frau im Hoch-MA, 1955; - Ders, Zur Geschichtstheol. des Speculum virginum, in: RBén 75, 1965, 277-303 (mit Auszügen aus dem Speculum virginum); - Ders., Um den Zusammenhang zwischen Speculum virginum, Dialogus de mundi contemptu vel amore u. verwandte Schrr., in: RThAM 34, 1967, 84-130; - E. S. Greenhill, Die geistigen Voraussetzungen der Bilderreihe des Speculum virginum, 1962; - R. Bultot, L'auteur et la fonction littéraire du »De fructibus carnis et spiritus«, in: RThAM 30, 1963, 148-154; - Ders., L'auteur de l'Altercatio Synagogae et Ecclesiae: Conrad d'Hirsau?, in: RThAM 32, 1965, 263-276; - Ders., Autour du Speculum virginum, in: RHE 64, 1969, 808-810; - NDB XII, 543; - LThK VI, 465; - Manitius III, 315-319.

Friedrich Wielgus

Letzte Änderung: 09.06.1998