St. Burkard Würzburg

Die älteste Lebensbeschreibung des heiligen Burkard -
deutsche Übersetzung
von Klaus Wittstadt
Aus: Würzburger Diözesangeschichtsblätter, 48. Band, 1986

1. Wenn die Bedrängnis irdischer Sorgen mit göttlicher Hilfe zur Schau des göttlichen Erbarmens gebracht wird, so wie die ewige Vorsehung ihre Heiligen rechtfertigt, dann wird auch der Geist des Menschen, sei er auch von nutzlosen Anfechtungen bedrängt, erlöst, und im Jenseits nicht um den Lohn der Vergeltung gebracht.
Wir müssen deshalb zum Ruhm des seligen Burkard die Reihenfolge der Abfassung ändern, weil wir, während wir dessen Verdiensten zu neuer Ehre verhelfen, durch die Früchte der Gebete unterstützt werden. Man darf nämlich nicht befürchten, daß beim Lob seliger Männer, wenn dieses Lob gläubig verkündet wird, die Erzählung von deren frommer Hingabe das Maß der Wahrheit überschreiten könne. Was wir deshalb auch von allen zu Recht bekennen, das zögern wir auch nicht über jeden einzelnen auszusprechen, da ja die Heiligen derart brüderlich miteinander verbunden sind, daß man in ihnen allen in jedweder Weise Christus vor Augen hat. Durch diese Harmonie wird die Verknüpfung der Glieder mit dem Haupte hergestellt, so daß die Belohnung der verschiedenen Verdienste ein einziger Jubel aller ist. Daher wird uns die Freiheit der Rede gegeben, wobei die katholische Erzählweise Richtschnur bildet.

2. Der verehrungswürdige Burkard, ein Edler aus angelsächsischem Geschlecht, wurde noch edler durch die Verbreitung des Glaubens an Gott. In jungen Jahren weihte er sich Gott, und bemühte sich eifrig, soweit dies sein jugendliches Alter zuließ, um die gläubige Verrichtung guter Werke. Schließlich, nachdem er Britannien der „Peregrinatio“ wegen verlassen hatte, gelangte er über das Meer in eine bestimmte Gegend Galliens, und verbarg er sich dort so lange unter dem Deckmantel des Fremdlings, bis er vom Ruhm des herausragenden Bischofs Bonifatius hörte und von der Leidenschaft gepackt wurde, den Bischof zu sehen, der wegen des Rufes seiner Heiligkeit überall bekannt war. Dieser leitete damals nämlich die Stadt Mainz, ein Mann, berühmt wegen seiner Worte, angenehm in seiner äußeren Erscheinung, rechtschaffen in seinem Charakter. Als zu diesem der verehrungswürdige Burkard gekommen war, wurde er von ihm mit Freuden aufgenommen. Man sagt aber, daß der heilige Bischof vom ersten Augenblick an, als er den obengenannten Mann zu Gesicht bekam, von prophetischem Geiste erfüllt, seinen ergebenen Dienern folgende Prophezeiung verkündet habe. „Freuet euch Brüder! Seht, Gott schickte uns einen Freund, dem die in der Stadt Würzburg vom seligen Kilian versammelte Herde des Herrn anvertraut werden muß“. Nachdem er dies gehört hatte, erschrak der verehrungswürdige Burkard über die Wucht der Bürde; schließlich seiner göttlichen Berufung eingedenk, soll er folgendes geantwortet haben: „Obwohl ich mich für ein so hohes Amt für unwürdig halte, widersetze ich mich dennoch nicht der Bürde, die mir aufgrund göttlicher Anordnung auferlegt werden soll. Denn ich glaube, daß er seine Last in Barmherzigkeit auferlegt, weil er sie in Gnade erleichtern wird.“

3. Von diesem Zeitpunkt an versuchte der heilige Bischof Bonifatius mit Entschiedenheit in geschickter Überlegung zu ergründen, auf welche W eise er durchsetzen könnte, was ihm, wie er erkannt hatte, durch göttliche Gnade geoffenbart worden war. Endlich, durch göttlichen Beistand beflügelt, reiste er mit Zustimmung des berühmten Königs Pippin, der damals die Regierung des Frankenvolkes innehatte, mit dem obengenannten Burkard als Begleiter nach Rom. Die römische Kirche aber leitete damals Papst Zacharias, der bestens geeignet war für die Herde des Herrn. Er war ein überaus würdiger Vertreter des höchsten Bischofsamtes. Der Papst pflegte die Männer, die aus den Landstrichen Germaniens kamen, mit großer Liebe in Rom zu versammeln, weil er in den Völkern der neuen Pflanzug im Glauben an Christus das Verlangen nach dem Orte wecken wollte, wo die Leiber des Hirten der Kirchen und des Völkerlehrers bestattet lagen. Als er dann die Ankunft des Mainzer Erzbischofs vernommen hatte, begann er mit Vorüberlegungen, ob er zusammen mit diesem so großen Manne etwas Gottgefälliges unternehmen könne. Er hatte nämlich schon längst davon gehört, daß die Kunde von dessen Heiligkeit überall verbreitet war.
Als es schließlich soweit war, daß sich die beiden nach gegenseitiger Umarmung in wechselseitigen Unterredungen an dem vertrauten Gespräch erfreuten, begann der römische Bischof damit, sich zu erkundigen, mit welchem Mittel der Religion der bis jetzt noch unfertige Glaube der Germanen zu befestigen sei, ob den Völkern der neuen Unterweisung das unauslöschliche Licht der Gottesschau erstrahle. Nachdem der selige Bischof Bonifatius, zu allem, worüber er befragt worden war, seine aufrichtige Meinung abgegeben hatte, bekannte er gegen Ende, folgendes sei das Hauptanliegen seines Kommens, daß Würzburg, eine Stadt in der Nachbarschaft seines Bistums, mit einem Bischofssitz geheiligt werde.
Darauf begann der römische Bischof zuerst damit, sich zu erkundigen, welche Person mit diesem Amt betraut werden könne; er sagte, es sei für die noch Unfertigen, gemäß der Vorschrift des Apostels ein Neubekehrter wenig geeignet; des weiteren, ob dem Bischofssitz genügend Güter zu Verfügung stünden, mit denen die Not der Armen und die Mittellosigkeit des Klerus unterstützt werden könne, wobei er hinzufügte, daß ein Bischof der Verwalter der Familie Gottes sei. Also überschrieb der selige Bonifatius in mildtätiger Liebe einen Teil der Güter seines eigenen Bistums dem römischen Bischof zugunsten des Bistums Würzburg, damit der dort zukünftige Bischof ebenso wie er ein Mitgenosse in der Arbeit für Gott werde, auch Teilhaber werde an der zeitlichen Ausstattung nach jenem Apostelwort : „Einer soll des anderen Last tragen, und so werdet ihr das Gesetz Christi vollkommen erfüllen“ (Gal 6,2).

4. Nachdem dies nun ordnungsgemäß vollzogen worden war, wurde vom römischen Bischof wiederum Ausschau gehalten nach einer Person, die als geeignet für dieses Amt bestimmt werden könnte. Nun führte jedoch der verehrungswürdige Bischof Bonifatius den Burkard in die Mitte und begann damit, jenen mit ihm gebührenden Lobesworten vorzustellen; er sagte, dieser sei in jungem Alter aus dem Westen gekommen und habe sich bei ihm bis ins Erwachsenenalter aufgehalten, er selbst habe nichts an diesem finden können, was, wie er meine, dem Bischofsamte entgegenstünde, und aufgrund dieser Tatsache glaube er, jener sei für das bischöfliche Amt befähigt. Dazu sagte der höchste Bischof mit heiterer Miene : „Wir wollen Gott Dank sagen, Bruder, weil vom Aufgang der Sonne bis zum Niedergang der Name des Herrn gepriesen wird. Vom Niedergang, sagst Du, sei er gekommen, durch dessen Mittlerschaft die göttliche Gnade den im Glauben noch ungefestigten Völkern den Aufgang der wahren Sonne bringen wird. Laßt uns also zu Ende bringen, was, wie wir glauben, durch göttliche Anordnung verfügt ist.“ Und so wurde Burkard zum Bischof geweiht und empfing vom römischen Bischofsstuhl Privilegien. Darauf machten sich beide Bischöfe daran, zu ihren eigenen Bischofssitzen zurückzukehren. Es geleitete sie der römische Hirte mit den folgenden Wünschen: „Geht nun dahin, geliebteste Brüder, als Mitarbeiter des göttlichen Samens! Möge die Frucht eurer Arbeit wachsen, möge es dem Feinde nicht gelingen, wenn ihr erschlafft seid, etwas in den Acker des Herrn einzusähen, was zur Zeit der Ernte ins Feuer geworfen werden müßte; möge euch die Hilfe des göttlichen Schutzes begleiten, durch den auch der Hüter des Himmelssaales davor behütet worden ist, vom Satan wie Weizen durchgesiebt zu werden.“

5. Nach diesen Worten machten sie sich eifrig auf den Weg und kehrten zu ihren eigenen Bischofsstädten zurück. Nachdem sie den Weg unter Lobeshymnen an Gott und geistlichen Gesängen zurückgelegt hatten, gelangten beide Bischöfe endlich zur Stadt Würzburg; ihnen ging eine gewaltige Menschenmenge entgegen, Menschen, die dort wohnten und Menschen aus den umliegenden Gebieten. Die Menge rief ihnen folgendes flehentlich entgegen: „Kommt ihr Väter, kommt ihr hervorragenden Knechte Gottes, kommt ihr Retter unserer Seelen! Vermehrt die Setzlinge des göttlichen Wortes, die uns einst vom seligen Kilian gezeigt wurden, damit der Ackerboden unserer Seelen bestellt durch die Pflugschar eurer Reden, würdige Früchte bei der Ernte hervorbringen kann.“
Nachdem sie das hörten, sollen beide Bischöfe, so erinnert man sich, vor Freude Tränen vergossen haben. Endlich sagte der hervorragende Erzbischof Bonifatius. „Glücklich wirst du sein, Würzburg, und unter den Städten Germaniens wohl bekannt; mag man dich auch jetzt noch für die geringste unter einigen Städten halten, so wirst du dennoch ausgeschmückt mit den Leibern deiner Märtyrer, nicht für geringer gehalten werden. In der Zahl der Dreieinigkeit wirst du durch die drei Märtyrer unterstützt, zur Ergänzung der Vierheit tritt nun die Lauterkeit des Bischofs Burkard hinzu.“ Während dieser Geschehnisse also gelangte man an den Redeplatz.
Nach Verrichtung von Bittgebeten und ordnungsgemäßem Vollzug aller Dinge, die zu der anstehenden Aufgabe gehörten, begab sich der heilige Bonifatius zurück zu seinen eigenen Aufgaben.

6. Von jetzt an begann der verehrungswürdige Bischof Burkard in fleißigem Nachdenken zu durchforschen, wie er durch gute Leistung die ihm anvertrauten Schafe beim Jüngsten Gericht des himmlischen Richters ein „Gutgemacht“ des Herrn für sich verdienen könne.
Er besaß nämlich Güte in seiner Sprache, Klarheit im Gesichtsausdruck, eifrig hielt er seine Vigilien und Gebete, milde Gaben verteilte er, soweit es seiner Möglichkeit entsprach, freigebig, er kam bereits ins hohe Alter, so daß er in allem für das Bischofsamt geeignet erschien. So geschah es auch, daß er nahezu von allen geliebt wurde; man konnte nämlich nicht umhin, ihn zu lieben, ihn, den die Gnade des himmlischen Beistandes erfüllte. Seine Vorrangstellung aber wurde dadurch gestützt, daß er zu Recht von allen geliebt wurde. Sodann begann er mit Überlegungen, daß die Leiber der seligen Märtyrer, Kilian und seiner Gefährten, von dem Platz, an dem sie von den Ungläubigen so ohne weiteres begraben worden waren, erhoben werden sollten. Denn er wußte es mit Sicherheit, daß diese nicht sorgfältig beigesetzt waren, die wie er gehört hatte, heimlich umgebracht wurden. Sodann verlangte er von dem versammelten Klerus und dem Volk ein Fasten, damit Würdige gefunden werden könnten, denen die heiligen Märtyrer ihre Leiber zu bewegen, gestatteten. Am festgesetzten Tage der Erhebung der Märtyrer aber strömte eine riesige Menge von Landbewohnern in Würzburg zusammen, die einen aus frommem Eifer, andere waren zusammengekommen, weil sie die Ankündigung von wunderbaren Ereignissen angelockt hatte, wieder andere aus Sehnsucht, ihre Gesundheit wiederzuerlangen.
Darauf schritt der verehrungswürdige Bischof Burkard zur Begräbnisstätte, ergriff eine Hacke und begann als erster zu graben, wobei ihn Diener unterstützten, die er zu dieser Aufgabe ausgewählt hatte. Aber nachdem das Erdreich abgetragen worden war, fand man nicht tief in der Grube die Leiber, die so dufteten, daß die Nasen aller die dabei standen, mit der Süße des so intensiven Duftes erfüllt wurden. Schließlich, als die Leiber erhoben waren, bildete sich ein ungeheurer Menschenauflauf und eine dichtgedrängte Menschenansammlung.
Es versteht sich, daß sich diese Volksmenge eifrig bemühte, nach Möglichkeit die Bahre zu berühren oder bei deren Vorbeikommen niederzufallen oder auch mit erhobenen Händen Gott Dank zu sagen. Alle riefen wie aus einem Munde: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen auf Erden guten Willens.“
Der Herr wirkte aber solch mächtige Zeichen seiner Wunder durch seine Heiligen; daß, wenn zufällig irgendwelche Leute da waren, die im Glauben wankten, sie, nachdem sie so viele Wunder sahen, mit fester Glaubenskraft gestärkt werden.
Unter Hymnengesang, bei dem Wunder geschahen, gelangte man an den Ort, wo die Leiber der Heiligen bestattet werden sollten; man barg sie sorgfältig, und bis zum heutigen Tag findet man sich dort häufig ein und singt dort Hymnen und spricht Gebete.

7. Sodann verbrachte Burkard, der Priester des Herrn, an dem Ort wo die Leichen der heiligen Märtyrer begraben lagen seine Zeit mit Vigilien, Gebeten und Meßbesuchen, mit nicht nachlassendem Eifer. Er fürchtete nämlich, die Hinterlist des alten Diebes könnte ihn wegen seiner Trägheit von den im göttlichen Feuer geprüften Schätzen weglocken oder diese selbst könnten ihn, während sie zu wenig sorgfältig bewacht würden, als einen nichtsnutzigen Wächter, der sie dazu noch nicht aufrichtig liebte, verachten.
Daher sicherte sich der heilige Mann, festentschlossen um den Lohn der ewigen Vergeltung, mit geschickter Vorsicht nach allen Seiten ab, um den an die Türe klopfenden Herrn, der ihn über seine Familie eingesetzt hatte, auf der Stelle öffnen zu können und es mit entzündeten Lampen wegen ihm keine Verzögerung gebe, auf daß er zum ewigen Gastmahl zusammen mit den klugen Jungfrauen aufgenommen werde. Angespornt schließlich durch diese Erwartung konnte er beim Dienst für Gott weder von der Schläue der alten Schlange überwältigt werden noch von der Bürde des Alters gehemmt werden; in einem zwar entkräfteten Körper trug er einen starken Willen.

8. Endlich war dann die Zeit gekommen, da die heilige Seele von der Last des Körpers gelöst werden sollte; und es spürte der heilige Mann aufgrund der Schwäche seines Körpers, daß ihm die nahe Auflösung des Fleisches bevorstehe. er rief die Gläubigen, die gegenwärtig anwesend sein konnten und kümmerte sich darum, ihnen auch im letzten Stadium seines gegenwärtigen Lebens die Speise des göttlichen Wortes zu reichen, indem er sie ermahnte auf dem Weg der Wahrheit zu bleiben und die Nächstenliebe, in der die Summe aller Tugenden liegt, ohne Verletzung zu beachten. Danach empfing er die Segnung der letzten Gnadenspendung, ließ sich stärken durch die Wegzehrung des Leibes und Blutes Christi, gab die Bürde des irdischen Leibes auf und wanderte zur himmlischen Heimat. Dort empfing er das Gewand einzigartiger Glückseligkeit und erwartet nun den jüngsten Tag der Auferstehung, an dem er sich mit zweifachem Schmuck bekleidet freuen wird, daß es ihm an nichts mangelt, durch unseren Herrn Jesus Christus, der mit dem ewigen Vater und dem Heiligen Geist lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen.
Es schließt die Lebensbeschreibung des heiligen Burkard, des Bekenners.

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