Der Bökerhof
Haus Bökerhof
Der Bökendorfer Kreis
August von Haxthausen
Annette von Droste-Hülshoff
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Wasserschloß Thienhausen um 1850
 
Im Jahre 1772 wurde in Haus Bökerhof Therese Luise von Haxthausen als älteste Tochter des Drosten Werner Adolph von Haxthausen und seiner ersten Frau, Marianne von Westphalen zu Heidelbeck, geboren. Therese Luise heiratete 1793 Clemens August von Droste-Hülshoff; im Jahre 1797 wurde ihre zweite Tochter Anna Elisabeth geboren, die als Annette von Droste-Hülshoff in die Literaturgeschichte einging. Nach dem frühen Tod seiner ersten Frau im Jahre 1772 heiratete Werner Adolph 1773 Maria Anna von Wendt zu Papenhausen; dieser Ehe entstammen 14 weitere Kinder, die sogenannte "große Generation" der Familie von Haxthausen.
Werner August von Haxthausen
Werner Adolph
von Haxthausen
Initiatoren, Träger und Mittelpunkt des "Bökendorfer Kreises" waren zunächst die Brüder Werner (1780-1842) und August von Haxthausen (1792-1866), aber auch deren Schwestern, vor allem Anna, Ludowine und Ferdinandine von Haxthausen gehörten zu diesem Kreis literarisch ambitionierter junger Leute. Sie beteiligten sich zusammen mit den vielen Freunden und Bekannten der Familie an der Sammlung von Märchen, Sagen und literarischem Volksgut. Wilhelm Grimm kam erstmals 1811, sein Bruder Jacob 1846 nach Bökendorf. Am häufigsten war dort ihr Bruder, der Maler Ludwig Emil Grimm, zu Gast.Er hielt seine Eindrücke in zahlreichen Zeichnungen, Aquarellen und Karikaturen in Bild und Schrift fest.
Weitere Besucher waren um 1820 die Dichter Heinrich Straube, August von Arnswald, August Heinrich Hoffmann von Fallersleben und später Luise Hensel. Zu diesem Kreis gehörten auch die Schwestern Jenny und Annette von Droste-Hülshoff. In vielfältigen Wechselbeziehungen entsponn sich so über einige Jahre hin ein Geflecht persönlich-literarischer Beziehungen, die ihren Ausgangspunkt von Bökendorf aus nahmen.
Jacob und Wilhelm Grimm hatten zu dieser Zeit schon einen bedeutenden Teil ihrer Märchen für den ersten Band ihrer Kinder- und Hausmärchen (1812) zusammengetragen. Die Familie von Haxthausen und ihr Kreis steuerten nicht weniger als 29 Beiträge zu dieser Sammlung und den später herausgegebenen Deutschen Sagen bei. Ohne die Mithilfe des Bökendorfer Freundeskreises hätte der zweite Band der bekannten Märchensammlung ein anderes Aussehen gehabt. In der Vorrede des Bandes spricht Grimm den Familien von Haxthausen und Droste-Hülshoff einen besonderen Dank aus.
Jacob und Wilhelm Grimm
Gebrüder Grimm
Im Gegensatz zu ihrer Schwester und ihren Bökendorfer Verwandten beteiligte sich Annette von Droste-Hülshoff nur wenig an den Sammlungen. Dies gilt im wesentlichen auch für Werner von Haxthausen, der damals einer anderen Leidenschaft nachging, der Sammlung altgriechischer Volkslieder. Die von Werner von Haxthausen zusammengetragene Sammlung wurde schnell bekannt und gelangte auch Johann Wolfgang von Goethe zur Kenntnis, den Werner 1815 in Wiesbaden traf.
Die beschriebenen literarischen Neigungen färbten auch auf August von Haxthausens Göttinger Studentenleben ab. Hier gründete er 1817/18 mit Gleichgesinnten den studentischen Dichterzirkel Die poetische Schusterinnung an der Leine. Gemeinsam mit August von Arnswaldt und Johann Peter Hornthal gab er die - wenn auch nur kurzlebige - romantische Zeitschrift Die Wünschelruthe heraus, an der sich u.a. Achim von Arnim, Clemens Brentano, Ernst Moritz Arndt und die Brüder Grimm beteiligten. Zu dieser Zeit gab August von Haxthausen außerdem eine Neuauflage von Christian Reuters Schelmenroman Schelmuffsky - Wahrhaftige Curiöse und sehr gefährliche Reisebeschreibung zu Wasser und zu Lande heraus. Im Jahre 1818 kehrte August ohne Studienabschluß nach Bökendorf zurück, um für die nächsten sieben Jahre die Verwaltung der Familiengüter zu übernehmen.
Ludwig Emil Grimm
Ludwig Emil Grimm
1825 trat August von Haxthausen die Verwaltung dann an seinen Bruder Werner ab, der in Köln aus seinem Amt als preußischer Regierungsrat ausgeschieden war. Grund war das Kölner Ereignis, die Affäre um den Kölner Erzbischof Clemens August Droste-Vischering. Es handelte sich um den Streit zwischen dem Königreich Preußen und der katholischen Kirche wegen der Mischehenfrage im beginnenden Kulturkampf. Als der Erzbischof auf der Festung Minden inhaftiert worden war, stellte sich Werner von Haxthausen zusammen mit Josef Görres in dieser Angelegenheit auf die Seite der katholischen Kirche und hinter den Erzbischof.
Der Bökendorfer Freundeskreis hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits weitgehend aufgelöst. Hierzu trug mit bei, daß Wilhelm Grimm, ebenfalls 1825, Dorothea Wild geheiratet hatte, wodurch seine Beziehung zu Jenny von Droste-Hülshoff weitläufiger wurde. Jenny wiederum hatte 1834 den Gelehrten Joseph von Laßberg geheiratet und zog mit ihm zunächst in die Schweiz und später nach Meersburg am Bodensee. Werner von Haxthausen zog sich 1837, politisch enttäuscht, auf das von ihm erworbenes Gut Neuhaus bei Bad Neustadt an der Saale im Fränkischen (Bayern) zurück, nachdem ihm das Kölner Ereignis und seine Denkschrift Über die Grundlagen unserer Verfassung (1833) in Preußen viel Ärger eingebracht hatten. Hier wurde er vom bayerischen König Ludwig I. in den bayerischen Grafenstand erhoben, was seitens der preußischen Monarchie als Provokation angesehen wurde und sich für die Familie in Westfalen nicht gerade positiv auswirkte. Werners Beziehung zu den Brüdern Grimm war zwar abgekühlt, dies hinderte ihn jedoch nicht daran, die Brüder Wilhelm und Jacob Grimm nach ihrer Amtsentlassung infolge des "Protests der Göttinger Sieben" nach Bökendorf einzuladen, falls sie keine andere Zuflucht fänden.