Only words

10 junge Künstlerinnen und Künstler über das Wort in der Kunst

Eröffnung: Donnerstag, 6. September 07
Dauer der Ausstellung: 7. September - 28. Oktober 07

Kuratorin: Marion von Schabrowsky M.A.

In der Austellung only words stellt der KUNSTBUNKER TUMULKA unterschiedliche künstlerische Positionen vor, die sich dem Wort bzw. der Sprache als Medium bedienen.

Das Wort ermöglicht die Dinge grundlegend voneinander zu unterscheiden - eine banale Weisheit, aber erst durch das Wort erhalten sie ihre Eigenart und ihre eigene Identität.

In der Kunst wurde das Wort in seiner beschreibenden Funktion eingesetzt: Figuren und Bildszenen wurden oftmals durch das Wort ergänzt, um sie für den Betrachter näher zu bestimmen und zu verdeutlichen. Das Wort hatte seinen festen Platz in der Kunstgeschichte, spielte aber neben der bildlichen Darstellung nur eine Nebenrolle.

Dies änderte sich im Laufe des 20. Jahrhunderts, als Künstler wie René Magritte begannen, das Wort als autonomes Element in die Kunst zu integrieren. Vorangetrieben wurde diese Entwicklung vor allem von Marcel Duchamp, der durch seine alltäglichen "Ready-Mades" das Wesen der Kunst und ihr Selbstverständnis untergraben hatte. In seiner Nachfolge haben konzeptuelle Kunstrichtungen seit den 1960iger Jahren das Denken über Kunst, die Konzeption, die Idee selbst, zum Kunstwerk erklärt.


Die Bestimmung des Werkes als räumlich-sinnliche Erfahrung wird durch gedankliche Prozesse ersetzt. Das Medium Sprache erlangt dabei große Bedeutung. Sprachlich formulierte Konzepte, wie sie Ian Hamilton Finley oder Jenny Holzer hervorbrachten, bilden einen Ersatz für das Bild bzw. die Skulptur.

Die Ausstellung only words will auf diese Tradition zurückgreifen und das Wort in seinen vielschichtigen Darstellungs- und Ausdrucksformen in den Vordergrund stellen. Zehn Künstler aus dem In- und Ausland sind vom KUNSTBUNKER TUMULKA eingeladen, sich auf unterschiedliche Weise mit dem Konzept der Sprache auseinanderzusetzen.

Christa Aistleitners (Linz) Videoinstallation fokussiert den vieldeutigen Satz, der auch gleichzeitig der Titel der Arbeit ist, Besitz der Macht, Wir entscheiden, was wir sehen. In unterschiedlichen Geschwindigkeiten und Größenverhältnissen bewegt sich dieser Satz ähnlich eines Werbeschriftbands über die Bildfläche. Aistleitner beschäftigt sich mit dem rasanten Informationsfluss einer modernen Medien- und Informationsgesellschaft und der daraus resultierenden Wahrnehmungsveränderung. Sie fragt, ob die Beschleunigung der bildlichen Darstellungen etwa zu einem Verlust der Tiefenschärfe führen und unsere Wahrnehmung entsprechend verarmen lassen.

Noemi Auer (Linz) wählt für ihre Textinstallationen gezielt Orte aus, an dem sich fiktive und reale Bedeutungsebenen vermischen, wo sich Sprache und Bildraum deckungsgleich begegnen und sich zu einer "semantischen Transparenz" zusammenfügen. Für die bevorstehende Ausstellung im KUNSTBUNKER TUMULKA werden drei Sprachzüge im Innenraum installiert. Diese sollen sich nicht nur mit der Geschichte und den Besonderheiten der Räumlichkeiten auseinandersetzen, sondern auch in den Dialog mit den übrigen Arbeiten treten, weshalb die Arbeit sich im Laufe der Aufbauarbeiten erst entwickeln wird. Dadurch kann die Arbeit ihren eigentlichen experimentellen und "ortsspezifischen" Charakter entwickeln.

Sabine Bretschneider (München) nennt ihre Rauminstalltion 26 - eine Arbeit, die das System der Sprache zum Thema hat. Ein Wort entsteht, wenn eine bestimmte Aneinanderreihung von Buchstaben vorausgeht. Bretschneiders "Schreibmaschine" allerdings bringt ohne System oder erkennbare Logik Buchstaben aufs Papier. Die Wörter und Sätze, die auf diese Weise entstehen, ergeben kaum Sinn. Bretschneider geht auf den Aspekt ein, dass sämtliche Sprachsysteme einen rein abstrakten Charakter haben. 26 hebt die Beliebigkeit dieses abstrakten Systems hervor, um zu verdeutlichen, dass es keinen Grund gibt, Buchstaben so aneinanderzureihen, wie wir es nun mal tun. Ebenfalls scheinbar grundlos benennen wir beispielsweise einen Baum als "Baum". Ebenso gut könnten wir einen Baum als "Himmel" bezeichnen. "Baum" wie "Himmel" sind lediglich abstrakte Symbole, Platzhalter, die für etwas stehen, was sie selbst nicht sind. Nur durch Habitation - Gewöhnung, Erziehung und Aneignung - gewinnt dieses System seinen Sinn und macht Kommunikation erst möglich.

Albert Coers ist ein großer Bücherfreund und Literaturliebhaber. Er baut seine Installationen mit Büchern. Die Haptik des "Materials" ist ihm als bibliophiler Mensch höchst vertraut. Die gewählten Bücher behandeln verschiedene Themen, sind unterschiedlich alt und nicht gleichermaßen gut erhalten - dennoch oder gerade deswegen hat der Betrachter das Gefühl, eine gut sortierte, langsam gewachsene Bibliothek vor sich zu haben. Eine solche Bibliothek erhält unweigerlich etwas Erzählerisches. In einer fremden Wohnung etwa, ist die Inspektion der Bücherregale immer noch der sicherste Weg, um möglichst viel über den dort lebenden Menschen zu erfahren. Bücher werden zum Spiegel der Persönlichkeit.

Doch Albert Coers artikuliert in seinen Installationen zugleich seine Skepsis gegenüber einer buchgläubigen Haltung. Chaotische Stapel von Büchern, überquellende Regale sind Ausdruck einer Sehnsucht nach geistiger Freiheit, die die Inhalte all der Druckerzeugnisse eigentlich repräsentieren, die aber in ein Gefühl von Ohnmacht umschlägt. Bücher als Sinnbilder von Wissensdurst, aber auch von Weltflucht und Isolation.


Die Installation Affenfrequenz von Anke Göhring (Berlin) geht zurück auf archaische Sprachsysteme des Menschen und übersetzt sie in die visuelle Darstellung von Diagrammen, Schemata und Tabellen. Informationen über Sprache und Kommunikation werden transportiert, bleiben aber verschlossen. Göhring spielt einerseits auf die "verschlüsselten Sprachsysteme" der Wissenschaft an. Andererseits hebt sie - ähnlich wie Sabine Bretschneider - die Künstlichkeit unserer Sprache hervor, die - wie die bildende Kunst - auf Linien, Komposition und Design begründet ist.7

Auch Dirk Holzberg (Berlin) umkreist die Geschichte der Kommunikation und der Sprache. Through the looking glass ist eine Rauminstallation, in der einzelne Buchstaben und Kombinationen über eine virtuelle Kugel rasen. Holzberg befasst sich in seiner Arbeit mit der modernen Schriftsprache, wie sie im virtuellen Raum des Internets oder innerhalb der globalen Wirtschaftswelt verwendet wird. Eine Sprachverkürzung und Sprachvereinfachungen sind die Folge. Die Sprachvielfalt wird durch die technische Dominanz der Schrift verdängt. Statt dessen zirkulieren global angepasste Schriftsprachen in bis dato noch nicht gekannten Geschwindigkeiten um den Erdball und beeinflussen sämtlichen Kulturen.

Oh-Seok Kwon (Seoul/München) setzt sich mit Sprache gänzlich anders auseinander. 800 Momente, wie die Arbeit heißt, ist eine Sammlung von Zigaretten, die der Künstler im Laufe der letzten Jahre geraucht hat. Gedanken und Ideen, die genau während dieser drei bis vier Minuten entstanden sind, hielt Kwon auf kleinen Zetteln fest. Zettel und Zigarettenstummel hat er in kleine Päckchen verpackt. Als Installation stehen diese Päckchen für ein Kaleidoskop vom Lebensmomenten, die mittels schriftlicher Aufzeichnung konserviert werden konnten.


Future Photographs ist ein imaginäres Fotoalbum, das die Künstlerin Birgit Medele (London) zusammengetragen hat. Die eigentlichen Schnappschüsse von Familienmitgliedern, Freunden und sich selbst werden mit rein sprachlichen Erklärungen ersetzt. Indem die Beschreibung den Platz der visuell dargestellten Fotografie einnimmt, wird dem Betrachter eine Tür in eine Welt geöffnet, die nur durch seine eigene Vergangenheit, Erfahrungen und Zukunftsvisionen geformt wird. Das Nicht-Vorhandensein des Bildes kann die Gefühls- und Assoziationsbereiche des Betrachters verstärken. Während des Lesens wird der Betrachter zum Regisseur seines eigenen Films.

Stefan Schuster (Berlin) präsentiert sich mit zwei Installationen, die mit der Sprache auf lyrisch-spielerische Weise umgehen. Der Künstler arbeitet mit dreidimensionalen Textcollagen, die in alle Richtungen offen sind. Schuster baut auf das Ideen-Potential, über das wir mit dem geschriebenen Wort verfügen. Der Betrachter erstarrt nicht im bloßen "Lesen" des Wortes, sondern wird unweigerlich dazu angeregt, Wörter in Bilder zu übersetzen, um auf diese Weise eigene Vorstellungswelten zu erschaffen.


Gerald Smith (Edinburgh/Schottland) ist ebenfalls mit mehreren Installationen vertreten. Mit seinen unterschiedlichen Wortspielen, Gedichten und Geschichten will er einerseits ernsthafte Aussagen darlegen, auf Tiefgründiges hindeuten. An seinen Arbeiten kann der Betrachter eigene Einsichten, Vermutungen und Assoziationen entwickeln. Andererseits sind Gerald Smiths Sprachinstallationen und Wortarbeiten mit humoristischen und ironischen Zügen durchsetzt, die gerne auch die Kommunikationsinhalte der Medien aufs Korn nehmen.