Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm. 16 Bde. [in 32 Teilbänden]. Leipzig: S. Hirzel 1854-1960. -- Quellenverzeichnis 1971.
  VAMPYR  -  VATERBRUDER, m.   (Band 25, Spalten 10 - 23 )  
Verknüpfung auf diesen Artikel  VAMPYR, meist masc., HERDER gebraucht die vampyre (s. u.). das masculinum meist stark flectiert, GÖTHE flectiert es schwach (s. u.); plural vampyre, vampyrs. das wort ist dem serbischen entnommen (Вампир, vergl. STEPHANOWITSCH lex. serb.-germ.-lat. 88); es hat erst im dritten jahrzehnt des 18. jahrh. mit der näheren kenntnis des ihm zu grunde liegenden aberglaubens in der deutschen sprache aufnahme gefunden, vgl. ADELUNG versuch 4, 1359. WEIGAND2 d. wb. 2, 984.

1) 
nach dem volksglauben der Slawen, Rumänen, Albanesen und Griechen bezeichnung solcher verstorbenen, die nachts dem grabe entsteigen, um den lebenden das blut auszusaugen: es sind deine honest men turn'd knaves, sprach die vampyre. HERDER zur phil. u. gesch. (1820) 10, 163; die nacht und grabdichter lassen sich entschuldigen, weil sie so eben im interessantesten gespräch mit einem frisch erstandenen vampyren begriffen seien. GÖTHE 41, 33; der vampyr in seinem grabe übt eine wirkung auf die lebenden aus, in folge welcher die von ihm ergriffnen vampyrisirt selber zu vampyren werden. GÖRRES christl. mystik 3, 283; wenn der mann mich lange und prüfend betrachtet, fühl ich etwas von den vampyren, die schon mit ihren blicken andern das leben aussaugen. GUTZKOW ritter3 1, 418;

der jüngling aus den wolken
herabgefallen, stumm und bleich,
als hätt ein vampyr ihm die adern ausgemolken,
steht ganz vernichtet von dem streich.
         WIELAND 21, 333.

2) 
übertragen auf blutsaugende thiere, fledermäuse: NEMNICH 5, 612 nennt die ohrenfledermaus (vespertilio spectrum) vampyr; nach OKEN allg. naturg. 7, 964 wird auch die zungenfledermaus (phyllostoma) und die augenfledermaus (pteropus) 7, 983 so genannt, bei letzterer ist jetzt nachgewiesen, dasz sie kein blut sauge.

3) 
in bildlicher anwendung von menschen gesagt, die andere quälen und peinigen: die nächste aufgabe ist gesund zu werden; denn wir fühlen uns noch sehr schwach, die heiligen vampyre des mittelalters haben uns so viel lebensblut ausgesaugt. H. HEINE 5, 135; seht ihr nicht, wie blutig der mund des bevollmächtigten vampyrs, der zu Frankfurt residiert und dort am herzen des deutschen volkes so schauerlich langsam und langweilig saugt? 6, 275.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  VAMPYRRÜSSEL, m.:

und die angst mit ihrem vampyrrüssel
saugt das blut aus meinen adern,
aus dem kopfe das gehirn!
         GRILLPARZER ahnfrau, aufz. 2, v. 5.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  VASALL, m. gefolgsmann, lehensmann.

1) 
ein zunächst dem romanischen entlehntes wort: mlat. vassalus, vasallus, ital. port. span. vasallo, prov. franz. vassal. weiterbildung des mlat. vassus, welches in den ältesten leges und urkunden sich häufiger als die längere form findet. zu kymr. gwâs junger mann, diener, gwasawl dienend, wofür auch die bei DU CANGE 6, 740b aufgeführte form vasaulus spricht (vgl. POTT etym. forsch. 2, 347. DIEZ wb.2 1, 439); zahlreiche belege für das vorkommen des lateinischen wortes in den ältesten leges und capitularien bei ROTH benefizialwesen 367 ff.; in dem romanischen fand nur vassalus, vasallus eingang, vassus ging verloren. trotz starker verwendung beider formen in deutschen mittellateinisch geschriebenen urkunden ist vom lateinischen aus das wort nicht ins deutsche eingedrungen; erst durch das französische kam in der mhd. periode vasall zu uns. mhd. noch als fremdwort gefühlt, bürgert es sich besonders seit dem vorigen jahrh. ein. SCHILLER schrieb in seinen frühesten schriften vasalle (hist.-krit. ausg. 3, 132), später vasall.

2) 
in engem anschlusse an die ursprüngliche bedeutung ist vassus, vasallus in der merovingischen periode ein unfreier im

Bd. 25, Sp. 11

dienste und gefolge des königs oder eines vornehmen. aber schon in der Karolingerzeit wird das wort auch für freie gebraucht, die einem höherstehenden durch treueid verpflichtet sind, in dessen gefolge auftreten, gewisse dienste leisten und dafür unterhalt und defension erhalten. eine belehnung mit gütern ist ursprünglich nicht in der vasallität einbegriffen und der vasall anfänglich vom lehensmann geschieden; da es aber bald sitte wurde, auch die vasallen zu belehnen, so fallen allmählich auch in der rechtssprache beide begriffe zusammen, s. ROTH benefizialwesen 379.

3) 
bei übernahme des wortes ins deutsche hat es meist die letzte bedeutung; vasallen und lehensmannen werden als das gefolge eines herrn bildend gern zusammen genannt, ohne dasz ein unterschied der bedeutung sich nachweisen läszt. im mhd., wo die form vassal (MAALER 415 schreibt ebenfalls vassal) herrscht, noch selten:

guoteme vassale
ne mah niht gewerren.
         Rolandslied 6629;

oft aber ist vassal im mhd. auch nur eine freundschaftliche anrede eines höhern an einen niedern, ohne dasz dienstverhältnisse stattfinden, so in der romanischen stelle:

dêû sal, bêâs vassal.
         GOTTFRIED Tristan 3352,

wo könig Marke den ihm fremden Tristan anredet. nhd.: welches (das tragen des bildes eines esels) dester schimpflicher seitmals das der jung herzog selbs vor seinen vasallen und lehensleuten .. dergleichen .. dorheit hat beweisen mueszen. Zimmer. chron. 35, 13; Betlehen Gabor, welchen man gleichwol iedes mals vor einen christlichen fürsten auszgeschriehen, unangesehen er des türckischen sultans vasall dem Turcken thur und thor eröffnet. Weimar. staatsarchiv (Dresden) 1621. häufiger seit dem ende des 17. jahrh., wo es auch die wörterbücher in verschiedenen schreibungen (vasal, vassal) aufführen, vergl. WEIGAND deutsches wörterb.2 2, 984 aus KRAMERS teutschital. wörterb. (1683) und LUDWIG teutsch-engl. wörterb. (1716) belegt. früher bei MAALER 415 und bei SCHOTTEL haubtsprache 1437 vasal, vasallus, lehnmann als im deutschen verbreitet aufgeführt, der es sogar aus deutschem stamme abzuleiten versucht. in den lehensacten häufig: demnach sie sich dahin verglichen haben, dasz an ihro fürstl. durchlaucht allhier die noch übrigen saalfeldischen stifftslehen und vasallen überwiesen werden mögen .. alsz ist von unsers gnädigsten herrn fürstlicher durchlaucht uns in gnaden anbefohlen worden, dasz wir solches an alle und jede vasallen der resignirten und in dem regierungspatente benahmten stifftslehn förderlichst insinuiren. Weimar. staatsarchiv (Saalfeld) 1696; solche hochfürstliche gnade werde ich zeit lebens mit unterthänigsten danck erkennen und mich jee und allezeit als einen getreuen vasallen und gehorsamsten lehenmann aufführen. ebend. (Weimar) 1717; bist du nicht ebenso frei, so edel geboren als einer in Deutschland, unabhängig, nur dem kaiser unterthan und du schmiegst dich unter vasallen? GÖTHE 8, 30; auszer verschiedenen reichen ländereien in den Niederlanden, die ihn zu einem bürger dieses staats und einem gebohrnen vasallen Spaniens machten, besasz er noch das fürstenthum Oranien. SCHILLER hist.-krit. ausg. 7, 80; wolltest du jetzt an meinem busen dich wiegen, pochte ein störriger vasalle an dem reich. 3, 132; ein vasall, dem durch mannichfache berührung mit den ersten männern seiner zeit der kamm geschwollen war, wagte es, die unbilden, die ihm durch lehensherrn .. widerfuhren, zu rächen. GUTZKOW in b. reihe 279; kein fürst auf erden lebt so stolz und einsam unter seinen vasallen, als dieser kaffeebeherrscher in seinem reiche. FREYTAG soll u. haben 1, 65;

eine jahrelang erprobte freundschaft
knüpfte mich an deinen vater, der mir
nicht vasall war, wie so viele, der mir
kampfgefährte war und zeltgenosse.
         PLATEN 332b;

in freierer verwendung, zum dienste verpflichteter mann, ohne rücksicht auf die art, wie ein solches verhältnis entstanden: gerissen aus den flammen seines schlosses, seine vasallen geflohen. SCHILLER hist.-krit. ausg. 2, 323; so ist doch kein teufel so lüderlich, seinen vasallen in der letzten lüge zu verlassen. 2, 324;

sieh da! hervor vom hinterhalt,
hop! hop! sein heer vasallen.
         BÜRGER 54a;

Eugenie. zu ewigen vasallen nimm uns an.
         GÖTHE 10, 266;

ich stehe vor dir als getreuer vasall,
pfalzgräfin, schönste der frauen.
         SCHEFFEL trompeter von Säckingen;

Bd. 25, Sp. 12

scherzhaft: 'ich ging aus, das handwerk zu grüszen', sagte er auf den förster deutend, 'und bin grade dabei, mich über ihren trotzigen vasallen ... zu freuen'. FREYTAG soll u. haben 2, 172; poetisch auf leblose dinge übertragen:

er biete doch den pralenden tribut,
den ihm sein furchtbarer vasall das meer
aus beiden Indien herüberfrohnt.
         SCHILLER hist.-krit. ausg. 5, 16.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  VASALLENKIND, n.:

heisze schwere thränentropfen hiengen
in meinem aug, wenn du, mich überhüpfend,
vasallenkinder in die arme drücktest.
         SCHILLER hist.-krit. ausg. 51, 23.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  VASALLENPFLICHT, f. pflicht des lehensmannes gegen den herrn: es ist dem von Mannsbach und dem von Wolframsdorf auferleget, ihre anzeige (betreffend den verkauf und kauf eines lehensgutes) bei ihrer vasallenpflicht ad acta einzureichen. Weimar. staatsarchiv (Weida) 1762. in freierer verwendung = gehorsam, wozu die abhängigkeit verpflichtet:

dasz jeder könig, diener, sklav erfülle
vasallenpflicht.
         TIECK 1, 223.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  VASALLENSCHAAR, f.: die kriegsmacht des reichs beruhte gar nicht mehr überwiegend auf dem heerbann, sondern auf den berittenen vasallenschaaren. GIESEBRECHT deutsche kaiserzeit 1, 285.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  VASALLENSCHAFT, f. verhältnis des vasallen, dann auch überhaupt des abhängigen zum herrn: Italien hat durch die deutschen siege Rom und die befreiung aus der französischen vasallenschaft erlangt. preusz. jahrb. 28, 96.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  VASALLENSTAAT, m. abhängiger staat: (Toscana und Modena) jene beiden vasallenstaaten konnten nach wie vor vom festungsviereck aus beschützt und beherrscht werden. REUCHLIN gesch. Italiens 3, 355.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  VASALLENTHUM, n.: das vasallenthum war zu einer selbständigeren stellung gediehen. GIESEBRECHT d. kaiserzeit 1, 278.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  VASALLIN, f.

1) 
trägerin eines weiberlehens: befohlen den geschlosznen kauff zu confirmiren und besagte käufferin mittelst bestellung eines lehenträgers zur vasallin anzunehmen. Weim. staatsarchiv (Altenburg) 1754.

2) 
bildlich: ehemals regierte dame Vernunft den ganzen erdboden, adel, ritterschaft, weisheit und reichthum waren nur ihre vasallinnen. aber diese vasallinnen wuszten sich endlich unabhängig zu machen. WIELAND 42, 165.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  VASALLISCH, adj. und adv.:

ihm huldigten die schwächern thiere
vasallisch und mit banger pflicht.
         HAGEDORN 2, 128.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  VASE, f.

1) 
tiefes, enghalsiges ziergefäsz. fremdwort, erst seit der mitte des vorigen jahrh. dem französischen entlehnt, mit änderung des geschlechts: franz. le vase, ital. span. vaso, lat. vasus und vasum neben vas. das deutsche wort, in dessen gebiet sich vase eindrängt, ist das ältere fasz (theil 3, 1358) und das jüngere gefäsz, doch hat fasz und gefäsz einen weitern umfang der bedeutung. vase bezog sich 1722 nur auf antike geschirre, vgl. NEHRING hist.-pol. lex. 1217. HÜBNER handlungslex. 1926, der dieselben als plur. vases von dem sog. vas, plur. vasa scheidet. WINKELMANN braucht für vase noch häufig gefäsz; auch heute noch zulässig, wenn auch gefäsz mehr nur für behälter zu nützlichkeitszwecken, vase für ein solches, das dem zierate dient, gebraucht wird: zu Wien aber ist nichts, was erwähnung verdiente, auszer ein schönes gefäsz von marmor, in der grösze und form der berühmten vase in der villa Borghese. WINKELMANN empf. d. schönen § 30; hieher rechne ich die walzenförmigen, alten vasen von marmor mit einem loche in dem boden, die vermuthlich gedient haben .. bäume hineinzusetzen. werke 2, 600; sogar tritt man vor eine laube, vollgepfropft von alten vasen und anderem geschnörkeltem gestein. GÖTHE 28, 116; einige handrisse, worunter sich wunderliche vasen befanden, die ich zu meinem vergnügen erfunden hatte. 34, 75; ich habe nun auch die vasen von Isopi gesehen, von welchen Wolzogen auch nicht zuviel erzählt hat. 43, 91; ein strausz frischer gartenblumen stand in einer kleinen vase vor ihr. HEYSE kinder d. w. 1, 86;

da scholl ein tönen, wie aus tiefer vase,
ausdrückend sehnen, halb und halb vergnügen.
         PLATEN 317;

dann liesz er bringen eine vase
wie aus luft gesponnen
oder aus licht geronnen.
         RÜCKERT makamen (1837) 1, 145.

2) 
namen einer schnecke: voluta capitellum; die gezackte vase, voluta ceramica NEMNICH 4, 1576.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel 

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VASENBAUCH, m. unterer breiter theil einer vase: vasen, alle arten von monstern und schnörkeln, die unterwärts zu vasenbäuchen und untersätzen endigen. GÖTHE 28, 115.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  VASENGEMÄLDE, n. ein auf der vase angebrachtes bild.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  VASENMALEREI, f. kunst, die vasen mit bildern zu verzieren.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  VATER, m. pater.

1) 
das durch alle germanischen mundarten verbreitete wort (ahd. fater, mhd. vater, alts. goth. fadar, altn. faðir, ags. fæder, altfries. fader, feder, feider) entspricht mit unregelmäszig verschobenem indog. t zu d: sanskr. pitar, zend. patar, gr. πατηρ, lat. pater vom stamme pa nähren, hüten, schützen (FICK vgl. wb. 1, 132). der stammvocal, im älteren deutsch stets kurz, wird nhd., wie in fast allen betonten silben, gedehnt; kürze erhalten in gevatter. soweit aus der doppelschreibung ersichtlich, herrscht schwankende aussprache schon im spätern mhd. (s. städtechron. 8, 39, 21. 42, 30), im ältern nhd. schreiben z. b. STEINHÖWEL, BRANT, GEILER, DASYPODIUS, MAALER, FRANK vatter, während SACHS, FISCHART schwanken. LUTHER schreibt in den früheren schriften vatter, später besonders in der bibel von 1545 vater. er hat wol letzterer form das übergewicht verschafft, doch bis ende des 17. jahrh. noch doppelschreibung, z. b. GRIMMELSHAUSEN, SCHUPPIUS vatter, OPITZ, STIELER, SCHOTTEL vater. im 18. jh. vater in der schriftsprache alleinherrschend. die mittel- und oberdeutschen mundarten haben meist die kürze bewahrt; mitunter zeigt sich schwanken, z. b. im fränk.-hennebergischen, vgl. FROMM. mundarten 3, 228. nd. früh vader neben vadder entwickelt, man benutzt die doppelformen zur begriffsscheidung (vergl. SCHILLER-LÜBBEN 5, 118. brem. wörterb. 1, 330; s. unten 3, c). daneben mit schwund des inlautenden d vâr brem. wörterb. 1, 330, vergl. brôr neben bruder. im plural findet sich nhd. stets der umlaut; ahd. noch nicht nachweisbar, beginnt veter im mhd. und verdrängt vater (patres LEXER 3, 32) gänzlich. in der zusammensetzung tritt theils umgelautete, theils nicht umgelautete form zu tage. in betreff der casusendungen hatten die verwandtschaftswörter in alter zeit eine eigenartige flexion; im goth. noch erkennbar, ist sie im ahd. verwischt, doch hat die verfallende flexion eine gröszere vielgestaltigkeit der casusendungen in der späteren sprache hervorgerufen. ahd. mhd. singular meist flexionslos, doch dringen im genitiv und dativ starke formen ein. ahd. fateres, fatere MÜLLENHOFF-SCHERER denkm. 193, 207. 159, 56. 192, 153. 160, 13; mhd. genitiv vaters häufig, daneben gen. dat. vatern (belege LEXER 3, 32). plural ahd. mhd. stark flectiert, mhd. daneben auszer dativ auch flexionslos. ahd. vielleicht auch hier und da mit schwacher endung fatarun SCHM. 1, 849 Fromm.; ein (zweifelhafter) accusativ vatarun GRAFF 3, 376. im nhd. steht der singular auch oft ohne endungen, im dativ und accusativ ist es heute das übliche; in älterer zeit auch genitiv ohne endung:

und musz auch untailhaftig sein
meines vater reich.
         fastn. sp. 596, 18;

daneben starke flexion im genitiv:

des ewigen vaters einig kind.
         WACKERNAGEL kirchenl. 3, 9;

sins vaters. MURNER narrenbeschw. 85, 78 Gödeke; vatters DASYP. 126d u. ähnl.; diese form, die immer mehr an boden gewinnt, verdrängt die übrigen. schwache form des genitivs:

ich wais mir edler pluemen vil
in meines vatern reich.
         WACKERNAGEL kirchenl. 2, 915;

des vattern graues haar.
         OPITZ 1, 33;

meines lieben vatern schulden. SCHWEINICHEN 2, 38; unter meines vattern .. fahn. ernest. ges.-arch. (Weimar) 1592; so noch bei SCHUPPIUS 1, 4 seines vatern eheweib. zweifache endung: seins herren vatterns vertreiben und verjagen. Zimm. chron. 3, 14. schwache form des dativs und accusativs:

der des vaters vatern
gleich an alter werden sol.
         OPITZ;

griff darauff inn aim augenplick
mein vatern mir gleich an der seit.
         FISCHART dicht. 2, 60, 2241 Kurz;

der ihm zur belohnung seinen vatern .. frei liesz. OPITZ 1 vorr. 5a. diese dativ- und accusativformen sind heute noch in den mundarten, so niederösterr. votan = vatern FROMMANN 3, 391, bair. vaden SCHM. 1, 849 Fromm., dann in der nord- und mitteld. 'hausrede', wo beim mangel des artikels der casus bezeichnet werden soll: gehe zu vatern, hole vatern. ähnlich bei eigennamen und bei mutter theil 6, 2804. -- syntaktisch sei bemerkt, dasz vater nebst anderen verwandtschaftsausdrücken mitunter den eigennamen gleich behandelt wird und daher oft ohne artikel steht: vater wurde blasz und sah die professorin an. HEYSE

Bd. 25, Sp. 14

kinder d. w. 2, 307. so auch, wenn dem sohne gegenüber der vater als solcher bezeichnet wird: gott vater, Müller vater; weiteres unten 2, c, s. auch theil 2, 984, c. oft tritt der artikel an die stelle des possessiven fürwortes, auch nach analogie der eigennamen in gegenden, wo der artikel dem eigennamen beigefügt wird: der vater wurde kränklich und starb und nun war die mutter mit mir allein. KELLER sinnged. 194. vergl. theil 6, 2806, e.

2) 
vater, in seiner stellung in ehe und haushalt.

a) 
formelhafte verbindung mit mutter: es geschicht offt von schuld wegen vatter und můter, das sy nit würdig seind zu haben frumme und tugenthaffte kind. KEISERSBERG granatapf. (Straszburg 1511) B 4e; das man umb gotes gebots willen, auch wider vater und mutter handeln sol. LUTHER 1, 189; hie findestu es, das wir alle in sünden getragen und geborn sind, von vater und von mutter. 8, 53; ich musz gestehen .. dasz es ziemlich komisch sein mag, euch als vater und mutter beisammen zu sehen. GÖTHE 20, 228;

err vater und můtter allzyt,
do mit dir gott lang leben gytt.
         BRANT narrensch. 89b;

nicht der ist auf der welt verwaist,
dessen vater und mutter gestorben,
sondern der für herz und geist
keine lieb und kein wissen erworben.
         RÜCKERT 2, 397;

mit possessivpronomen: darum wird ein mann seinen vater und seine mutter verlassen und an seinem weibe hangen. 1 Mos. 2, 24; Moses hat gesagt, du solt deinen vater und deine mutter ehren. Marc. 7, 10; wie hat dir aber dein vatter und mutter geruffen? Simpl. 1, 30, 7 Kurz;

(gott) wird mich wider heym on not
zu mein vatter und muter bringen.
         H. SACHS 1, 22;

weitere belege s. theil 6, 2804, 2, a.

b) 
vater, im verhältnis zu den kindern, genitor: mhd.

dar zuo muoჳ ich mîn kindelîn,
daჳ einen lebenden vater hât,
ziehen âne vater rât.
         GOTTFRIED Tristan 1482.

nhd.: lieb soltu haben zů gott, als ain kind zů seinem lieben vatter. KEISERSBERG granatapf. D 3a; geet er über veld, sieht er einen hirten dar, der sew hütet, so gedenckt er an den verlornen sun vnn an den barmhertzigen vatter. spinnerin D 3c; ein vater so er uber seinen son .. leid und schmertzen trug. weish. Sal. 14, 15; an dem kind kennet man den vater wol. LUTHER 6, 186b; nicht lieblicher stim ist, dann des kindes zum vater. 1, 68b; versteht ihrs, ein jedes kind ist seins vatters, da krehet kein han nach. FISCHART Garg. (1590) 147; in der statt sahe ich einen menschen stehen, um welchen etliche kinder lieffen, die ihn vater nenneten. Simpl. 2, 198, 3 Kurz; er ist ein pfeffersack, will juncker sein und sein vatter war schneider. PHILANDER 1, 61; sie machte mich zum vater eines recht hübschen jungen. LESSING 12, 498; durch sie (die gesetze) machten die Römer zu geiseln die kinder, die väter zu sklaven. HERDER 2, 158; da er sie zuletzt auf das bescheidenste, auf das freundlichste fragte: ob er sich denn nicht vater glauben dürfe? GÖTHE 18, 61; das kind ist des vaters arbeit. SCHILLER hist.-krit. ausg. 3, 415; 'jedermann ist er selbst und er ist nicht sein vater' ist Johns theorie. H. HEINE 3, 41;

der sůn des vatters haltett sich,
die dochter ist der mutter glich.
         BRANT narrensch. 49, 13;

nun so wöllen wir nennen das
kindlein mit namen Zacharias,
seim vatter nach, das es sein tag
auch seines vatters namen trag.
         H. SACHS 3, 1, 183 (11, 173, 16 Keller),

weil man den kindern die man liebt,
gemeynlich des vatters namen gibt,
daher sollten sie heiszen auch
von meim namen.
         FISCHART dicht. 2, 255 Kurz;

an kindern, da nicht väter
und dennoch mütter sind, wird oft ein kraut der thäter.
         OPITZ 1, 88;

und diesen feinen Seladon
so öffentlich zum vater ihrer kinder
erklärt!
         WIELAND 18, 147;

statt des genitivs auch zu gesetzt: ihr beneidet den schlechtesten eurer bauern, dasz er nicht vater ist zu diesem. SCHILLER hist.-krit. ausgabe 2, 20; würden sie vater zu dem schurkensohne sein wollen, der eine privilegirte bulerin heuratete? 3, 383;

der eine sprach: du bist der vater zu dem kinde.
         HAGEDORN 2, 94.

Bd. 25, Sp. 15

c) 
vater wird oft als apposition (meist ohne artikel) zugesetzt, um jemand vom sohne zu unterscheiden: (es) glaubte Herschel der vater, dasz das licht fast 2 millionen jahre brauche ... um zu uns zu gelangen. HUMBOLDT kosmos 1, 161; mit dem ältern, Zeck vater, schien es ihm anfangs, als würde er ... noch schlimmern stand haben. GUTZKOW ritter3 2, 5.

d) 
in der kirchlichen sprache ist diesz besonders häufig, wenn gott Christo gegenüber genannt wird: gott der vatter begert dein als seiner liebsten tochter, got der sun begert dein als seiner allersüszesten gespons. KEISERSBERG granatapf. F 4 g; so haben wir doch nur einen gott, den vater. 1 Cor. 8, 6; hat er vor allen dingen glaubwürdig kuntschaft uns darthon ... durch die stimm gottes vaters. SCHADE sat. u. pasq. 1, 4; giebt mir gott vater selbst die dispensation. WIELAND 21, 341; darauf will ich einen gott vater in halb erhabener arbeit sehen. GÖTHE 34, 127;

glori, lob, ehr und herligkeit
sei gott vatern und son bereit.
         WACKERNAGEL kirchenl. 3, 133b;

ehr sei gott vatter und dem sun
samt heilgen geist in eignem thun.
         3, 85b.

diese ausdrucksweise schon frühe geläufig, z. b.: ahd. truhtîn fater, truhtîn sun. MÜLLENHOFF-SCHERER denkm. 159, 67 u. ö.; vater ohne weiteren zusatz = gott vater: dem (Christo) sei lob und danck mit dem vater und heiligem geist. LUTHER 6, 18; ich glaube nicht allein, das der heilige geist ein warhafftiger gott ist, mit dem vater und son, sondern auch ... LUTHER 1, 325; von dem tage aber .. weis niemand .. auch der son nicht, sondern allein der vater. Marc. 13, 32. ähnlich: ich kann nicht umhin zu bemerken, dasz ... das brett der versenkung, worin der alte vater teufel zur hölle fuhr, ungeschlossen blieb, und dasz der teufel sohn .. ebenfalls hinabsank. H. HEINE 8, 134.

e) 
manchmal wird der hausherr auch von anderen hausangehörigen als den kindern vater genannt, der gatte von der frau in nachahmung der kindersprache:

und es versetzte darauf die kluge, verständige hausfrau:
vater, nicht gerne verschenk ich die abgetragene leinwand.
         GÖTHE 40, 234;

ähnlich aus dem sinne des kindes gesprochen:

aber die gräfin begann zu dem redlichen pfarrer von Grünau:
vater, sie halten da rath um das töchterchen.
         VOSS Luise 1, 215;

der hausherr im gegensatz zum gesinde: ich ruffte nach dem vater im hausz. Simpl. 1, 275, 24 Kurz;

vater, verfüge, ehs dein gesinde spürt.
         GÖTHE 2, 260;

in einigen gegenden der Oberpfalz wird das haupt einer wirtschaft nicht blosz von seinen kindern, sondern auch von seinen dienstboten vater genannt FROMMANN 5, 338. SCHM. 1, 850 Fromm.

f) 
bei thieren spricht man selten vom vater, vielmehr vom alten, jedoch: wan si (die wölfe) remlich sint ... so gat die wölfin zů eim .. und so bald darnach fallen die andren wölf über denselben .. dorusz dann das sprichwort kompt: kein wolf sicht sinen vater. SCHADE sat. u. pasq. 3, 12, 1; ein alter hahn, welcher der vater der beiden feindlichen brüder sein mochte, war auf die wagendeichsel geflogen. SPIELHAGEN probl. naturen7 1, 30;

der krebs glich wie sin vatter trytt.
         BRANT narrensch. 52, 19;

das blut allein
macht lange noch den vater nicht, macht kaum
den vater eines thieres.
         LESSING 2, 352;

scherzhaft: ich wollte eben eine mücke todtschlagen, als mir einfiel, dasz sie vielleicht einen alten vater zu ernähren hat. GUTZKOW ritter3 6, 72. häufig in der thierfabel, in anlehnung an menschliche verhältnisse:

der ausbund eines schönen katers,
den muth und alter mündig sprach,
bekam die würde seines vaters
und stellte mäus und ratten nach.
         LICHTWER (1775) 71;

zween füchse sohn und vater.
         132;

bodenlose lügen ersann er (der fuchs), beschimpfte den vater.
         GÖTHE 40, 75;

das ist Atta Troll, der vater
und sein söhnchen, junker Einohr.
         H. HEINE 17, 42.

3) 
vater in freierer verwendung von personen gebraucht, deren äuszeres aussehen, stellung, eigenschaften an die eines vaters erinnern, ohne dasz sie leibliche väter der sie so anredenden sind.

a) 
im äuszern oder im charakter gleich: ein sohn war glücklich zur welt gekommen und die frauen versicherten

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sämmtlich, es sei der ganze leibhafte vater. GÖTHE 17, 298; der wird nicht sein vater, sonst ging er mit in stall. 42, 29.

b) 
darsteller eines vaters im schauspiele (rollenfach): man hat dort nun ein schönes neues theater, aber noch keine acteurs. man sucht besonders einen vater, eine mutter, einen liebhaber. LESSING 12, 472; der vater in der Gretryschen oper: die schöne bei dem ungeheuer, gelang ihm besonders wohl. GÖTHE 48, 43.

c) 
von personen, die vaterstelle vertreten, schwiegerväter, stiefväter, pflegeväter: darumb den ouch min lieber vatter Myconius mich abmant. TH. PLATTER 49 Fechter (= schwiegervater); vatter standent uff, ier mieszt prädigen (Platter zu Myconius). 83; freundlicher lieber vatter und ohaim (landgraf Philipp an Georg den bärtigen 1525). ROMMEL urk. z. gesch. Philipps d. groszm. 3; gnädigster herr vater, hier ist eine person, die schutz bedarf (redet Esau seinen schwiegervater an). WEISE comödienpr. (1696) 188;

gib -- vater! -- gib mir Trudchens hand!
         BÜRGER 54b;

komm, nimm sie hin und sei mein sohn,
wie ich dein vater werde!
         55a;

soll ich
wählen einen vater mir, so sei es
Harun Alraschid, kalif von Bagdad.
         PLATEN 313;

mit stolz, mylord, nenn ich euch heute vater.
         H. HEINE 16, 103.

im mhd. heiszt der gevatter geistlicher vater:

daჳ kint hieჳ er ze toufe tragen,
er huop eჳ selbe und hieჳ eჳ sus
nâch sînem namen Grêgôrjus.
dô daჳ kint die toufe enphie,
der abbet sprach: sît ich nû hie
sîn geistlich vater worden bin.
         HARTMANN Greg. 962;

später entwickelt sich gevatter aus einem alten femininum (WEIGAND wb.2 1, 580) und verdrängt vater, auch im nd. fällt vater und pathe zusammen. diesz ist auch heute noch der fall, aber man scheidet in der aussprache, indem man für pater vâder und daraus entwickelt vaar sagt, während pathe vadder (etwa nur mit übergang des inlautenden d zu r : varer) ist, vgl. brem. wb. 1, 330. FROMMANN 4, 351. 5, 288. HENNIG 286. SCHAMBACH 255. solche unterscheidung scheint schon alt zu sein, denn im mnd. findet sich für vater vader, für pathe vadder, wie es scheint durchgehends geschrieben (SCHILLER-LÜBBEN 5, 189. 190).

4) 
vater, als erzeuger mehrerer generationen.

a) 
stammvater, ahnherr; so sprechen wir vom vater Teut, vater Abraham und vom stammvater des gesamten menschengeschlechtes, vom vater Adam: da sihe nu, wie seine kinder die Jüden sind, wie wol sie nach jrem vater geraten sind. LUTHER 8, 51b; darumb sol man solche historien .. hoch halten, nicht umb der veter willen, die da leute gewesen sind als wir, sondern .. 4, 92; da nam ich ewern vater Abraham jenseid des wassers und lies jn wandern im gantzen land Canaan. Jos. 24, 3; Isaac unser vater. Röm. 9, 10;

und ward von den engeln getragen
in desz vatter Abrahams schosz.
         H. SACHS 1, 63 (1, 269, 15 Keller);

Cupinuda klaget sehr über vater Adams fall.
         LOGAU 1, 160 (45 Eitner).

mit genitiv: Abraham gleubte .. dasz er solt ein vater werden vieler völker. LUTHER 4, 120; da streitet er nu wider vernunfft .. das er vater solchs reichen samens .. sein solt. 4, 91; Chus der ist der moren vater. 4, 64b; gesetzt zum vater vieler heiden. Römer 4, 17; o Adam, wo ist din erkantnus ... gewesen, dasz du als vater viler völker din kind so mit untrüwen erbtheil uberladen. SCHADE sat. u. pasq. 3, 2, 26; Karl der grosze, de vater eines unglücklichen geschlechts. HERDER 2, 158;

darzu solt du auff dieser erden
ein vatter viler völcker werden.
         H. SACHS 1, 43 (1, 185, 11 Keller).

b) 
auch allgemeiner, der vorfahr überhaupt (nicht der directe stammvater): sol dein leichnam nicht in deiner veter grab komen. LUTHER 4, 121; du solt diesem volck das land austeilen, das ich jren vetern geschworen habe, das ichs jnen geben wolt. Jos. 1, 6; ewer veter woneten vor zeiten jenseid dem wasser. 24, 2; so wollen doch ich und meine söne und brüder nicht vom gesetz unser veter abfallen. 1 Macc. 2, 20; das wahre deutsch unsrer väter geht zu sehr von dem latein ab. HERDER 2, 176; meine väter fochten die schlachten des staats, meine mütter waren muster der Genueserinen. SCHILLER hist.-krit. ausg. 3, 36; mit dem glauben der väter sollen auch die rechte der väter wieder zu ansehen kommen. H. HEINE 9, 34;

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bin ganz bawfällig ..
das ich denck ich müsz bald von hinnen
zu meinen vettern in das grab.
         H. SACHS 1, 20 (1, 92, 34 Keller);

mein Teutschland, deine väter
die waren recht für uns, so allzeit volle bräter
beim feuer hatten stehn.
         OPITZ 1, 104;

vormals redete gott durch offenbarende träume
unseren vätern.
         KLOPSTOCK Mess. 4, 60;

wie kann ich meinen vätern weniger
als du den deinen glauben?
         LESSING 2, 279;

o möchte wenigstens mich nicht die ahnung trügen,
bei meinen vätern einst in deinem schosz zu liegen.
         WIELAND 22, 155;

wohl dem, der seiner väter gern gedenkt.
         GÖTHE 9, 17;

drum ist
herkömmlich seit der väter grauer zeit,
dasz ...
         SCHILLER hist.-krit. ausg. 12, 433.

c) 
gott in seiner eigenschaft als erzeuger aller geschöpfe wird oft vater genannt, so schon ahd. sancte sator, uuîho fater MÜLLENHOFF-SCHERER denkm. 172, 1; nhd.: das ist je ein feiner, freundlicher vater, als er alle lebendige thier und menschen geschaffen hat, versorget er sie auch mit allem, was sie haben sollen. LUTHER 4, 14; auff das jr kinder seid ewrs vaters im himel. Matth. 5, 45;

gott Jehovah, richter der welt! mein schöpfer, mein vater!
         KLOPSTOCK Mess. 5, 113;

mit genitiv: vater der welt. weish. Sal. 10, 1;

o gott, mein schöpfer, edler fürst
und vater meines lebens.
         P. GERHARD 81, 1 Gödeke.

es ist aber hervorzuheben, dasz gott nicht nur wegen der erschaff- und der menschen, sondern ganz besonders wegen der liebevollen fürsorge und erhaltung den namen vater erhält; nicht immer sind beide begriffe zu trennen. -- zur verdeutlichung steht gern himmlischer vater, vater im himmel u. ähnl.: ich gedenk, der vatter im himell hette es mit mier, der beredet in. TH. PLATER 96 Fechter; solt denn nicht ewer vater vom himel guts geben, denen die jn bitten? LUTHER 3, 303b; auf deines lieben vaters im himel gnade. 1, 65; und ihr könnet das bei euerm himmlischen vater in ewigkeit nicht verantworten, wenn ihr eur talent .. vergrabt. Simpl. 1, 326, 24 Kurz;

o ewiger vater, durch dein gotlich almechtikeit
.. hilf und beschirme die christenheit.
         SCHADE sat. u. pasqu. 1, 1, 1;

auff das jr mögent kinder rein
ewers himlischen vatters sein.
         WALDIS Esop 1, 25, 45 Kurz;

o gott, himlischer vatter mer
dir sei ewig lob, preisz und ehr.
         H. SACHS 2, 1, 8 (6, 50, 23 Keller);

der ewige vater: es ist hiezu allein ein einziger erbe, er hat nicht geraubet .. sondern ist jm vom vater in ewigkeit gegeben. LUTHER Hans Worst 45 neudr.; wiederhole mir, dasz mein vater versöhnt ist und mir vergeben hat. wiederhole es mir und füge hinzu, dasz der ewige himmlische vater nicht grausamer sein könne. LESSING 2, 83. auch götter und andere gewalten werden, insofern sie als erzeuger des menschengeschlechts aufgefaszt werden, väter genannt: die heiden, die zum holtz sagen: du bist mein vater, und zum stein, du hast mich gezeuget. Jerem. 2, 27; die verwesung heis ich meinen vater und die würme meine mutter und meine schwester. Hiob 17, 14; hat unsere mutter erde darum uns aufsprieszen lassen aus ihrem schoosz und mit ihrer milch genährt und unser vater, der äther, uns die augen geklärt, .. dasz wir .. HEYSE kinder der w.2 3, 19;

erde, du meine mutter, und du mein vater, der lufthauch,
und du feuer mein freund, du mein verwandter der strom.
         HERDER 25, 196.

d) 
im gegensatze zu gott als erzeuger der guten, wird der teufel als erzeuger der bösen aufgefaszt und daher vater genannt: denn der teufel, jr gott und vater, ist auch nicht darumb den menschen gram, das sie sünde und laster haben. LUTHER Hans Worst 11 neudruck; ir seid von dem vater dem teufel und nach ewers vaters lust wolt jr thun. Joh. 8, 44;

ich mein, es sey ein bruderschafft,
die der teuffel zusammenrafft,
der ist jr rechter vatter worden
in so viel gar ungleichen orden;
denn sie wöllen gott den herren
nicht für jren vatter verehren,
noch Christum zum patronen han.
         FISCHART dicht. 1, 151 Kurz.

5) 
weit verbreitet ist der bildliche gebrauch von vater, als veranlasser einer sache, das veranlaszte wird personificirt und als kind hingestellt.

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a) 
ahd. des nîdis vatir Lucifer. MÜLLENHOFF-SCHERER denkm. 85, 6; mhd. aller tugende vater. RULAND 60, 2; nhd. alle gůtte ding kommen von oben herab von dem vatter der liechter. KEISERSBERG granatapf. (Straszb. 1510) E 2c; das sie, wie nachteulen und fleddermeuse, ja wie ir vater der lügen und des mords das liecht geflohen .. haben. LUTHER 5, 278b; denn gott hat selbs geordnet, seine legenden mit allem vleis zu beschreiben, das jn die gantze welt solt heiszen einen vater des glaubens. 4, 76; ein knecht Satane, des vaters aller lu̔gen und stiffter aller mörderey. 6, 329b; wer ist des regens vater? wer hat die tropffen des tawes gezeuget? Hiob 38, 28; (er) hat auch Bacho und Priapo, dem vater der fruchtbarkeit .. trewlich gedienet. MATHESIUS Sar. (1562) 21; du böser geist, bist von anfang ein vatter der lügen und alles betrugs. PHILANDER 1, 41; Mercurius der vater oder patron der wolredenheit. SCHUPPIUS 693; (Homer) dem die ehrennamen: vater der weisheit, der tapferkeit, der dichtkunst im hohen griechischen sinne zukommen könnten. HERDER 2, 78; warum that dies der vater der menschlichen sprache? hist. schr. 3, 196; musz sich nicht allgemach auf diese weise die kunst von dem künstler entfernen, wenn das werk, wie ein ausgestattetes kind nicht mehr auf den vater zurückwirkt? GÖTHE 17, 224; herr Uhland ist nicht der vater einer schule, wie Göthe oder Schiller .. herr Uhland ist nicht der vater, sondern er ist selbst das kind einer schule. H. HEINE 6, 269;

dem vater der barmhertzikeit,
sampt seinem sohn inn ewikeit
sei ewig dancksagung.
         WACKERNAGEL kirchenl. 3, 252, 15;

der vater der vernunfft und kunst und vieler werke
Prometheus.
         OPITZ 1, 53;

.. rief ich zu ihm, dem vater der gnade
und seine gnade war mir nah.
         GELLERT 2, 71;

Bacchus ist der suada vater,
macht die stummen selbst beredt ..
Bacchus ist der verse vater,
Bacchus becher hebt den muth ..
Bacchus ist der liebe vater,
gibt der jugend neuen schwung.
         GOTTER 1, 265;

ist auf deinem psalter,
vater der liebe, ein ton
seinem ohr vernehmlich,
so erquicke sein herz.
         GÖTHE 30, 222.

b) 
so heiszt auch der begründer einer gemeinschaft, gesellschaft, richtung u. s. w. vater derselben oder der mitglieder, anhänger derselben: von diesem kam Johannes Husz her in .. der vatter aller lutherischen. FISCHART bienenk. 12a; dem bischoff Francisco Sonnio, dem vater aller neuen bischoffen inn dem Niederland. 3a;

dasz jr nicht mit dem armen pater (Loyola)
und aller Jesuwidder vater
den passion het so gespielt.
         FISCHART dicht. 1, 78, 267 Kurz.

6) 
vater auf solche übertragen, die durch beschützung und liebevolle fürsorge an den leiblichen vater erinnern.

a) 
gott der hat mich Pharao (dat.) zum vater gesetzt und zum herrn uber alle sein haus und einen fürsten in gantz Egyptenland. 1 Mos. 45, 8; und bat ihn selber aber, dasz er (weil ich von aller welt verlassen wäre) mein getreuer freund und vatter sein und bleiben wollte. Simpl. 1, 185, 14 Kurz; ich habe freunde unter den professoren, welche ich theils als meine vätter respectire, theils als meine brüder liebe. SCHUPPIUS 794; sein sie mir vater. TIECK 17, 59. mit abhängigem genitiv: ich war ein vater der armen. Hiob 29, 16; wie zuvor seines herrn vatern groszvater Cosmus ein vater aller poeten, sein vater aber Laurencius Medices auch selber ein poet gewesen ist. OPITZ 1 vorr. 7a; so klagen die helden, die väter ihrer stämme. HERDER 4, 52;

(Friedrich) der, wenn Jupiter hoch am himmel donnert
und mit blitzen die lüfte reinigt, unten
nur ein hirte regiert, der menschenbrüder
vater und wächter.
         (1821) 31, 231;

so vater der wittwen, der waisen, der dürftigen.

b) 
häufig auf geistliche übertragen, die durch seelsorge und liebevolle hingabe ihre anhänger fördern, so beichtvater: als ein Schweitzer einem capucciner gebeichtet und nach der absolution einen kreutzer zum beichtpfenning geben wollte, der pater aber anzunehmen sich wegerte, sagte er: behabs nur, mein lieber alter vatter. Simpl. 3, 312, 22 Kurz. ursprünglich ehrfurchtsvolle benennung älterer geistlichen, wird es allmählich bezeichnung aller: denn die prelaten sind unser veter und

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gottes knecht. LUTHER 1, 36b; den erwirdigen hochgelarten hern doctorem Martinum Luthern, unsern lieben vater. SPALATIN (1539) in einer (ungedr.) visitationsacte des ernestin. archivs zu Weimar; so haben auch etliche alte kirchenlehrer ... geschrieben .. chorea est circulus cujus centrum est diabolus: doch ist es der alten väter brauch, dasz sie das kind offt mit dem bade auszschütten. WEISE erzn. 160 neudr.; (ein Germane redet den oberdruiden an) mein vater Brenno. KLOPSTOCK 8, 37; das portal der jesuitenkirche, das nach der bekannten architectur dieser väter prunkhaft und wirklich imposant in die luft steht. GÖTHE 28, 219. geistlicher vater statt des einfachen vater: ist das wir gehorsam seind unseren gaistlichen vättern, so wil got gehorsam sein unserem gebeet. KEISERSBERG granatapf. (Straszb. 1511) D 3d; hab gedult! got würt in die sachen sehen und die geistlichen väter werden sich selbs erkennen. SCHADE sat. u. pasq. 2, 2, 10; der dritte Helias, nemelich unser lieber geistlicher vater dr. Martinus Luther. ernestin. ges.-archiv 1550; wie nun dismals noch münche auff dem marckt beim fischkasten bettelten und ein alter münchsvatter steht neben jhn, kaufft der gute gesell ein grünen hecht .. wie jn aber andre gut gesellen drumb zu rede setzen, das er sich zum geistlichen vetern halte, gibt er die höfliche antwort. MATHESIUS Sar. (1562) 25; und ich schlosz endlich, dasz bei .. ihrem umgange mit drei geistlichen vätern ihre kenntnisse doch zum erstaunen beschränkt sein müszten. THÜMMEL 3, 189.

c) 
von fürsten und anderen vorstehern von staatlichen gemeinwesen und gemeinschaften, die alsdann der familie verglichen werden: wir flehen zu uwer furstl. genade, alsze czu unszerm allirgetrüwesten vater. priorin des weiszfrauenkl. zu Erfurt an kurf. Friedrich 1499; vor alters aber hat man die landesherrn veter und die underthanen lude oder kinder genennt, wie noch die kriegszleuth jre feldherrn und obristen vater und die herrn jre kriegszleuth liebe söne nennen. MATHESIUS Sar. (1562) 19; aber in diesem (gedichte) ist nicht Joseph der held, sondern Joseph der vater, der steurer des mangels, besungen. GÖTHE 33, 74;

ein wunder aller augen war ..
dasz tausend schreckliche gefahr
dir, vater (Friedrich II.), nichts gethan.
         GLEIM (1819) 1, 29;

uns einheimische sahst du in gram und fühlendes herzens
brachtest du schleunigst Eutins gütigem vater das wort.
         VOSS 3, 130;

hier stehen wir auf unsern krücken
gelehnt an vater Friedrichs grab ..
ja, vater, könnten wir dich kaufen
mit unserm blute ...
         volkslied 'die invaliden an Friedrichs grab';

hieraus entspringen die zusammenstellungen: vater des vaterlands, vater der stadt, und das zu einem compositum gewordene landesvater: und lies jn auff seinem andern wagen fahren, und lies vor jm her ausruffen, der ist des landes vater. 1 Mos. 41, 43; pater patriae, ein vatter des vatter lands. DASYP. 173c; parlamentsherren, welche er, wie ich schon gesagt habe, aus allen teutschen städten paarweisz samlen und die vorsteher und väter seines teutschen vaterlandes nennen wird. Simpl. 1, 261 Kurz; wie nun alle beschimpfung und schämung der vätter desz vatterlandes den fluch des gottloszen Chams verdient. schauplatz lust- und lehrreicher gesch. (1653) 210; ich anerbiete meines vaterlands hochgebietenden vätern meine dienste. SCHUPPIUS 759; dafür aber stellte das rathhaus den vätern des vaterlandes eine desto reizendere augenweide dar. TIECK 19, 17;

nun euch, ihr edler fürst, und euren hohen gaben
wird unser vaterland sein heil zu danken haben,
wird sagen offentlich, dasz ihr sein vater seit.
         OPITZ 2, 12.

d) 
vorsteher von nichtstaatlichen einigungen:

ha vater Bever! riefen wir.
         GLEIM (1819) 1, 5;

zwar unser vater (Schwerin) ist nicht mehr,
jedoch er starb ein held.
         1, 9;

der vater Jahn führte eine mistgabel, womit er auf den Korsen .. zustach. H. HEINE 9, 91. composita soldatenvater, turnvater.

7) 
vater ist stehender titel für bestimmte beamten.

a) 
so haben im alten testamente die vorsteher gewisser volksabtheilungen den amtstitel väter: schweig und halte das maul zu, und zeuch mit uns, das du unser vater und priester seiest. richter 18, 19; die öbersten veter unter den stemmen der kinder Israel. Jos. 14, 1; da tratten erzu die öbersten veter unter den Leviten zu dem priester Eleasar und Josua .. und zu den öbersten vetern unter den stemmen der kinder

Bd. 25, Sp. 20

Israel. 21, 1; und Salomo redet mit dem gantzen Israel, mit den obersten uber tausent und hundert, mit den richtern und mit allen fürsten in Israel, mit den öbersten vetern. 2 chron. 1, 2; wohl im anschlusse daran spricht KLOPSTOCK von den vätern Jerusalems:

endlich, ihr väter Jerusalems, müssen wir etwas beschlieszen.
         Mess. 4, 25;

aber so sehr das volk ihm auch anhing,
war es dennoch zu furchtsam, Jerusalems väter zu zwingen,
seinem könig entgegenzugehen.
         7, 122.

b) 
in gleicher weise kommt als stehender titel vater den vorständen gewisser wohlthätiger institute zu: herbergsvater, vorsteher, versorger einer herberge; kirchenvater, curator ecclesiae, s. theil 5, 814, 3; siechenvater, vorsteher eines siechenhauses; waisenvater, vorsteher eines waisenhauses u. ähnl., s. SCHM. 1, 850 Fromm.; spitalvater, aus quellen des 17. jahrh. nachgewiesen, ist heute noch in Weimar der titel des vorstandes des städtischen spitals.

c) 
in der christlichen kirche des mittelalters werden die vorsteher kirchlicher gemeinschaften von den mitgliedern der gemeinschaft durchaus väter genannt; so der papst in anlehnung an romanisches papa: mhd. vor dem heiligen vater Eugenio. BACHMANN urk. z. gesch. Österr. 19; unser heiligster vatter der babst. JANSSEN reichscorr. 2, 123; nhd. lasz mich hie, heiliger vatter, meine sach auch ein mal fur dir handeln. LUTHER sendbr. an Leo 8 neudr.; spricht man den er sei unrecht, so musz der allirheiligiste vatter sich entschuldigen. adel d. nat. 27 neudr.; so thewr kann der allerheiligst vater zu Rom flachsfaden verkeuffen. Hans Worst 51 neudr.; die gottlosen sprechen aber also: mein heiligster vater bapst. 3, 297b; denn alle leute müszten glauben, ich hätte den heiligen vater ärger gelästert, als doctor Luther. THÜMMEL 5, 397;

kann denn nur der vater papst allein
schwerter .. weihn?
         BÜRGER 59b;

mit verspottung dieses titels: der allerhellischste vater der bapst. LUTHER 8, 1; der superheiligste vater. FISCHART Garg. (1590) 482. ebenso benennung des patriarchs: patriarcha, ein oberster vatter. DASYP. 12b; der tempelherr zum patriarch:

gesetzt, ehrwürdger vater,
ein jude hätt ein einzig kind.
         LESSING 2, 301.

d) 
vater, als titel für den vorsteher eines klosters (übersetzung des hebr. abt, jedoch oft allgemeiner gebraucht als abt). so schon ahd. in KEROS Benedictinerregel: erista samanungono daჳ ist munistrilih champfanti untar regulu edo demo fatere: primum coenobitarum hoc est monasteriale militans sub regula, sub abbate. HATTEMER denkm. 1, 34; mhd. und nhd. (ein kleriker zu Erfurt schreibt) der geistlich vater und herre der abt St. Peters closters zcu Erfurt. ernest. ges.-archiv 1487; mit gunst willen und vorhengnus des erwirdigen in got vaters und hern, hern Johannes abts, des priors und des ganczen conventes. Erfurt 1466; demnach seint die nachfolgende munche mit nahmen vorzeichnet anhergeschickt worden: der ein munch, der jetzo vather ist, heiszt Diockes Hessze, ist zu ostern prior gewest .. der funffte ist noch ein bruder. Erfurt 1524; wir haben e. gn. clagende zu erkennen gegeben, das wir etwan 500 gulden heuptsummen dem vater und convent in der carthawsz gethan. Erfurt 1527; von unserm obersten visitirer carthewser ordens, dem erwirdigen hern Ditrichen Loer von Stratheym, vater zu Buxheim. 1549.

e) 
von anderen höhern geistlichen würdenträgern: uber dr. Staupitz (generalvicar des Augustinerordens), unsern wirdigen lieben vatter. LUTHER br. 1, 77; aber nu verwunder ich mich weder der Türcken noch der Jüden blindheit, hertigkeit, bosheit, weil ich solchs mus sehen in den allerheiligsten vetern der kirchen, bapst, cardinal, bischoven. werke 8, 63; es haben die wirdigen und andechtigen veter prior und convent der carthawsz in unser stadt angesucht etc. ernest. ges.-archiv (Erfurt) 1549.

8) 
väter nennt die kirche diejenigen ersten bekenner der christlichen kirche, die durch beispiel, martyrium oder lehre das christenthum förderten und befestigten; neben der fürsorge für die kirche hat die frühe zeit ihrer thätigkeit ihnen den namen verschafft. apostel und altväter: es was ain altvatter in der wu̔ste, zů dem kam ain andrer vatter. KEISERSBERG spinnerin (Straszb. 1511) P 3a; nun kam ainsmals ain hailiger vatter zů jm vnn wolt lůgen, was dჳ brůderlin thät. Pb; do sprach der altvatter. Pc; wann Sant Peter noch all sin nachfaren bi dri hundert jaren haben weder land noch rich .. gehan, sint

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all heilig väter und marterer worden. SCHADE sat. u. pasq. 3, 20, 2; die lieben veter oder apostel (wer sie gewesen sind) haben also in eine summa gestellet, was der christen lere, leben, weisheit und kunst sei. LUTHER 4, 388; (Hieronymus) der schreibet von einem heiligen vater Agathon, das er in der wu̔sten 30 jar einen stein in seinem mund trug. 1, 69. die kirchenväter, in älterer zeit meist nur väter, heilige väter genannt: so wir nun by den väteren ein andre leer findend, weder die leer Christi inhalt und du haltest uf die väter, musz ie folgen, dasz du nit in der kilchen und gemeind gottes syest, aber in der kilchen der väteren. ZWINGLI 1, 20; nach ausweisung der heiligen und von der kirchen approbierten veter. DRUFFEL briefe u. acten 3, 71 (1547); gleich wie vor zeiten die lieben apostel und alten vetter geredt haben. LUTHER 6, 33b; hat der geist in den vetern geredt, so hat er vielmehr in seiner eigen schrifft geredt. 1, 373b; ja es solten aller heiligen vetter schrifft nur ein zeit lang werden geleszen. adel d. nat. 71 neudr.; mit was schrifften, mit was vättern, mit welchen concilien .. jedes stuck befestigt .. seie. FISCHART bienenk. 6a;

bibel, der heiligen vätter ler
und ander der glich bucher mer.
         BRANT narrensch. 2, 4;

der bapst möcht geben
ein rath, der gar möcht widerstreben
der alten vätern gesatz und lehr.
         FISCHART dicht. 1, 20, 649;

auch kan ich hie disz nich vergessen,
dasz jm der schön gsell darff zumessen,
des bapst gwalt uber d'alten väter,
verwirfft sie, schilt sie nur für spötter.
         1, 22, 725.

9) 
gott als versorger und behüter der welt und aller wesen oft vater genannt (s. oben 4, c): o wie gar bald hastu usz dem zornigen richter gemacht ain gu̔tigen vater. KEISERSBERG granatapfel a 5b; da will es nun an liegen, dasz wir unsz in unsern beschwerden .. got alsz unszern getreuen liebsten vater ergeben. SPALATIN bei KOLDE Friedr. d. w. 69; dieweil du nicht ein leiblicher vater bist, der auff erden ist, sondern der du im himmel bist, ein geistlicher vater, der nicht stirbt und ungewis ist. LUTHER 1, 326; dieweil er denn gott ist, so mag er und weis, wie er es machen mit mir sol auffs beste. dieweil er vater ist, so wil er auch thun und thut es herzlich gerne. 1, 324; und alle arbeit reichend sy dahin, dasz man sich gottes als eines vaters halte. ZWINGLI 1, 193; also gibt der frum vater yedem das sein. FRANK weltbuch 2;

wer die heiligen thůt rüefen an,
der wil got nit für ein vater han.
         SCHADE sat. u. pasqu. 1, 17, 155;

herr gott hilf mir, das ich dich kan
von hertzen vater nennen.
         WACKERNAGEL kirchenl. 3, 205;

du wollest jetzt allein
vater und nicht richter sein.
         OPITZ 3, 152;

da Jehovah nicht vater mehr war.
         KLOPSTOCK Mess. 5, 619;

eh ich mich selbst noch kannte,
eh ich ihn vater nannte,
war er mir schon mit hülfe nah.
         GELLERT 2, 79;

gott als beschützer von einzelwesen: gott im himmel, der der waisen vater ist. LUTHER 6, 380; gott ist nicht ein vater der reichen, sondern der armen, witwen und waisen, die reichen hat er ledig gelassen. 1, 30;

er (gott) ist mein trost, mein theil,
der vater seiner schaar, von ihm kömpt alles heil.
         OPITZ 3, 59.

daher vater anrede an gott: denn jr habt nicht einen knechtlichen geist empfangen, das jr euch abermal fürchten müstet, sondern jr habt einen kindlichen geist empfangen, durch welchen wir ruffen: abba, lieber vater. Römer 8, 15. Christus vater genannt: also auch wenn ein christen gedenkt an seinen herrn Christum .. und spricht frölich: ei es müszt ein schelm sein, der es besser haben wolt, denn sein lieber vater und herr. LUTHER; iczunt sein ir aufgeblasen und dem selbigen ersten vater ... ungleich. SCHADE sat. u. pasqu. 2, 87, 6 (sagt Lucifer zu den priestern).

10) 
vater auch von den heidnischen göttern gebraucht, die doch nicht als erzeuger der welt und der menschen aufgefaszt wurden; daher können sie hier nur wegen ihrer fürsorge für die welt so heiszen: und da ich dem alten vater Oceanus den schuldigen tribut schon bei einer frühern seereise bezahlt hatte, genosz ich dieszmahl der herrlichsten aller anschauungen. WIELAND 33, 1; mit blitzesschnelligkeit vermengte sich

Bd. 25, Sp. 22

der homerische nefelegereta Zeus mit dem huldreichen Fidiasischen göttervater. 33, 47; vater der thiere und menschen, so sprach das pferd und nahte sich dem throne des Zeus. LESSING 1, 132; gräuel -- vater Jupiter -- hochverrath! GÖTHE 33, 252; ach, ich wollte er glaubte an Jupiter, den vater der götter, der den meineid rächt. H. HEINE 8, 33;

unter ihnen begann der vater der menschen und götter.
         VOSS Od. 1, 28;

wenn der uralte, heilige vater ..
segnende blitze
über die erde sät.
         GÖTHE 2, 84;

.. hier hat jugend dir
o vater (Mars) sich geübt.
         OPITZ 1, 256.

11) 
der name vater solchen beigelegt, die durch würde und alter an die stellung eines vaters erinnern:

seht doch, vater Homer und der hyperborische fremdling.
         VOSS 3, 139;

vermag (man) ... auch nur den vater Opitz in seiner prosa und poesie zu schmecken. HERDER 2, 169; ich bat es vater Wieland hundertmal ab, dasz ich ihn einen armseligen weiberknecht gescholten. HEYSE kinder d. w. 1, 27; wozu hat vater Kant den schönen tractat geschrieben? 1, 29. daher vertrauliche und pietätvolle anrede jüngerer an ältere leute: murre nicht, alter! sei wieder gut, alter vater! LESSING 2, 103; seid ihr allein, vater Martin? GÖTHE 14, 262; ich (Göthe) aber erwiederte ihm (Basedow) .. vater, seid ruhig. 26, 281;

leibhaft erkenn ich unsern vater Tiesz.
         VOSS 3, 147.

in den heutigen mundarten ist diese anrede noch vielfach vorkömmlich; belege aus dem bairischen dialekte bei SCHM. 1, 850 Fromm.

12) 
vater in bildlicher verwendung auf personificirte dinge übertragen, die in gewissen eigenschaften an den vater erinnern.

a) 
so heiszen hauptflüsse im gegensatze zu nebenflüssen väter (grösze gegenüber der kleinheit):

und also han geschafft ein nam,
der bleibt, so lang der Limmatstram
zů irem vater laufft inn Rein.
         FISCHART dicht. 2, 181 Kurz,

das fem. irem ist aus die Limmat zu erklären;

wie du auch vater Rhein,
gemüther um dich hast, die liedern ihren schein,
der einen kopff erheischt, und glantz zu geben wissen.
         OPITZ 1, 101;

von der Kama, nebenflusz der Wolga:

und du, o vater Kahm, geusz deinen braunen flusz
mit vollen krügen aus.
         FLEMING 582.

b) 
von bergen: wie der alte vater der insel, der hohe Epomeo, vor ihnen ganz in weinlaub und frühlingsblumen gekleidet stand. J. PAUL 24, 133.

13) 
vater bergmännisch, fundpunkt, fundort: beweis vom vater her, vom fund und vater her; beweisungen sollen von der fundgrube und dem vater, wo der gang zuerst entblöset ... und kübel und seil eingeworffen worden, angefangen und bisz an das streitige ort .. gebracht werden. SCHÖNBERG berginformation (1698) bei VEITH bergwörterb. 518.

14) 
abliegend von obiger bedeutung ist vater = männlicher unterleib vom nabel bis zur scham, entstanden im gegensatze zu mutter theil 6, 2812, 14 = gebärmutter. wie mutter alsdann für unterleibsleiden und schmerzen gebraucht wird, so vater von gleichem leiden beim manne, daher vater = kolik, vergl. SCHM. 1, 850. 1, 261 Fromm., bärvater theil 1, 1146. HÖFER 1, 77; du warmer wermestein, wenn ich die colica und den vater habe. J. G. ALBINUS chursächs. Venus 221.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  VATERÄHNLICH, adj. dem vater gleichend: die erste hat unter allen weibern, welche Hercules erkannt, den vaterähnlichsten sohn geboren. GÖTHE 44, 105.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  VATERAMT, n. stellung und gewalt eines vaters gegenüber den kindern und dem hause: dennoch bin ich dein vater, und du mein sohn und solt mir mein vaterampt nicht nemen, noch dich aus meinem gehorsam ziehen. LUTHER 6, 222b.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  VATERANGESICHT, n. 'das liebevolle angesicht eines vaters'. HEINSIUS wörterb. 4, 2, 1255a.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  VATERANGST, f. besorgnis vor bestrafung seitens des vaters: botz tausend, wir reden von bösen weibern und dort kommt herr Esau. wenn er uns zugehört hätte, die vaterangst und die mutterplage würde uns über den hals kommen. WEISE comödienprobe 122.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  VATERANSEHEN, n. hochschätzung, die man dem vater zollt: hier wurzelte also alles so tief, religion, vateransehen, despotismus. HERDER (1820) 3, 38.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel 

Bd. 25, Sp. 23

VATERAPFEL, m., 'ein mittelgroszer, runder, gelber, an der sonnenseite rother calvilapfel'. WEBER allg. termin. öcon. lexicon 2, 610; vaterapfel ohne kern, 'ein nicht groszer, gelber, an der sonnenseite rothgeflammter kugelapfel (ohne kern)'. ebenda.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  VATERARM, m., 'der arm eines vaters, sofern er ihn gebraucht zu äuszerungen und beweisen väterlicher liebe'. CAMPE 5, 255.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  VATERART, f. paternitas STEINBACH 1, 39.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  VATERAUGE, n.

1) 
auge des vaters: o du entkommst mir nicht, sagte der liebliche knabe immer zärtlicher und dem vater so treu ins auge blickend, dasz im vaterauge eine thräne quoll. GUTZKOW ritter3 2, 30.

2) 
dem auge des vaters gleich, in rücksicht auf äuszere gestalt: hat er nicht recht vateraugen? TIECK 1, 23; in rücksicht auf das im väterlichen blicke liegende wolwollen:

schau unsre schmach und schmerzen
mit vateraugen an.
         OPITZ 3, 43.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  VATERBESCHWERUNG, f. unannehmlichkeit, die man als vater zu erdulden hat; scherzhaft gebildetes wort im gegensatze zu mutterbeschwerung, s. theil 6, 2813: bei mehren völkern legen sich daher die väter ins kindbette, um sich von den bisherigen mutter- oder vaterbeschwerungen der schwangerschaft zu erholen. J. PAUL 54, 21.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  VATERBILD, n. abbild, ebenbild des vaters: für Hilarien freilich blieb die ähnlichkeit des jugendlichen vaterbildes mit der frischen lebensgegenwart des sohnes unheimlich. GÖTHE 22, 94.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  VATERBITTE, f.:

sage mir, dasz vaterbitten,
mutterthränen dich bestritten,
dasz dein kummer deinen muth verzehrt.
         GÖKINGK 3, 130.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  VATERBLICK, m.:

dort sind die kinder -- hat
mein vaterblick sie dir noch nicht verrathen?
         KOTZEBUE theater (1841) 15, 325;

von gott gesagt:

der trübsal bängstes dunkel hellt
zuletzt dein vaterblick.
         NEANDER bei CAMPE 5, 255.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  VATERBRUDER, m., 'der bruder des vaters, welcher im oberdeutschen oheim, nach französischem ausdrucke onkel genannt wird'. ADELUNG vers. 4, 978; mhd. vaterbruoder LEXER 3, 33. im ausgehenden mittelalter ist vaterbruder noch nicht immer zu einem compositum zusammengewachsen: mines vader brouder, patruelis DIEF. nov. gloss. 283a; dagegen im beginne des 16. jahrh. vatter bruder, patruus DIEF. 417b vielleicht compositum; bei DASYP., STIELER, FRISCH getrennt: des vaters, vatern bruder; dagegen bei STEINBACH (1734) 1, 210 als ein wort geschrieben. im neuern deutsch ist vatersbruder neben vaterbruder vorkömmlich: don Jago der einzige vatersbruder des don Lope. WIELAND 38, 176; da war die Catharina Zipfelmann, die heirathete einen husarenwachtmeister unter dem regiment meines wohlseligen herrn vaterbruders. KOTZEBUE theater (1840) 3, 99.
 

 
VAMPYR
   meist masc., Herder gebraucht die vampyre (s. u.). das masculinum ...
  1) nach dem volksglauben der Slawen, Rumänen, Albanesen und Griechen bezeichnung solcher verstorbenen, die nachts dem ...
  2) übertragen auf blutsaugende thiere, fledermäuse: Nemnich 5, 612 nennt die ohrenfledermaus ( ...
  3) in bildlicher anwendung von menschen gesagt, die andere quälen und peinigen: die nächste aufgabe ist gesund ...
 
VASALLm.
   gefolgsmann, lehensmann.
  1) ein zunächst dem romanischen entlehntes wort: mlat. vassalus, vasallus, ital. port. span. vasallo ...
  2) in engem anschlusse an die ursprüngliche bedeutung ist vassus, vasallus in der merovingischen periode ...
  3) bei übernahme des wortes ins deutsche hat es meist die letzte bedeutung; vasallen und lehensmannen werden als das ...
 
VASALLINf.
  1) trägerin eines weiberlehens: befohlen den geschlosznen kauff zu confirmiren und besagte käufferin mittelst bestellung ...
  2) bildlich: ehemals regierte dame Vernunft den ganzen erdboden, adel, ritterschaft, weisheit und reichthum waren ...
 
VASEf.
  1) tiefes, enghalsiges ziergefäsz. fremdwort, erst seit der mitte des vorigen jahrh. dem französischen entlehnt, mit ...
  2) namen einer schnecke: voluta capitellum; die gezackte vase, voluta ceramica Nemnich 4, 1576.
 
VATERm.
   pater.
  1) das durch alle germanischen mundarten verbreitete wort (ahd. fater, mhd. vater,  ...
  2) vater, in seiner stellung in ehe und haushalt.
  3) vater in freierer verwendung von personen gebraucht, deren äuszeres aussehen, stellung, eigenschaften an die eines ...
  4) vater, als erzeuger mehrerer generationen.
  5) weit verbreitet ist der bildliche gebrauch von vater, als veranlasser einer sache, das veranlaszte wird ...
  6) vater auf solche übertragen, die durch beschützung und liebevolle fürsorge an den leiblichen vater erinnern.
  7) vater ist stehender titel für bestimmte beamten.
  8) väter nennt die kirche diejenigen ersten bekenner der christlichen kirche, die durch beispiel, martyrium oder lehre ...
  9) gott als versorger und behüter der welt und aller wesen oft vater genannt (s. oben 4 ...
  10) vater auch von den heidnischen göttern gebraucht, die doch nicht als erzeuger der welt und der menschen aufgefaszt ...
  11) der name vater solchen beigelegt, die durch würde und alter an die stellung eines vaters erinnern:
  12) vater in bildlicher verwendung auf personificirte dinge übertragen, die in gewissen eigenschaften an den vater ...
  13) vater bergmännisch, fundpunkt, fundort: beweis vom vater her, vom fund und vater her; beweisungen sollen von ...
  14) abliegend von obiger bedeutung ist vater = männlicher unterleib vom nabel bis zur scham, entstanden im ...
 
VATERAUGEn.
  1) auge des vaters: o du entkommst mir nicht, sagte der liebliche knabe immer zärtlicher und dem vater so treu ...
  2) dem auge des vaters gleich, in rücksicht auf äuszere gestalt: hat er nicht recht vateraugen? Tieck 1, 23;  ...
 
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