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Band II (1990)Spalten 1034-1035 Autor: Friedrich Wilhelm Bautz

HONORIUS IV., Papst v. 2.4. 1285 bis 3.4. 1287, * 1210 in Rom, stammte wie sein Großonkel H. III. aus dem Geschlecht der Savelli und trug vorher den Namen Jakob. Er hatte in Paris studiert und wurde 1261 unter Urban IV. Kardinaldiakon. In Perugia als ein gebrechlicher, von der Gicht nahezu gelähmter Mann zum Papst gewählt, übernahm er ein schwieriges Erbe von den vorhergehenden französischen Päpsten, insbes. von seinem Vorgänger Martin IV. (s.d.). Dessen proangiovinische Politik war bis Oktober 1285 völlig gescheitert. Es war nicht gelungen, dem vertriebenen Karl v. Anjou die auf päpstlicher Lehensvergabe beruhende Königsherrschaft in Sizilien wieder zu verschaffen, das Peter III. von Aragon zwecks Durchsetzung von Erbschaftsansprüchen besetzt hatte. Auch der noch von Martin unterstützte Krieg gegen Aragon war bis November 1285 völlig fehlgeschlagen und hatte die Finanzen des Papstes ruiniert. In dieser Situation verfolgte H. die Politik seines Vorgängers im Grundsatz weiter, ohne sich aber in die gleiche Abhängigkeit von den Angiovinen zu begeben. Er unterstützte einerseits englische Vermittlungsbemühungen um einen Frieden zwischen Frankreich und Aragon, verbot aber dem in Sizilien gefangengehaltenen Sohn Karls v. Anjou, auf diese Insel zu verzichten und sich auf den Besitz des Festlandes zu beschränken, was Jakob, ein Sohn Peters v. Aragon und dessen Nachfolger in Sizilien, als Voraussetzung für die Freilassung forderte. Für den festländischen Teil des Königsreiches erließ H. eine Konstitution, die ein ähnlich tyrannisches Regiment wie dasjenige Karls v. Anjou in Zukunft verhindern sollte, indem u. a. die Rechte des Königs beschränkt und die Appellation nach Rom ermöglicht wurde. In der Stadt und in der Romagna regierte H. mit Hilfe fähiger und zuverlässiger Verwandter. Er trat auch in Verhandlungen mit König Rudolf v. Habsburg, um durch dessen Krönung in Rom das Kaisertum zu erneuern. Der Plan scheiterte 1287 auf einem Konzil in Würzburg, teils am Ungeschick des zusätzliche Zehnten fordernden päpstlichen Legaten, wahrscheinlich auch an der Befürchtung der Kurfürsten, daß ein Erbkönigtum aufgerichtet werden könnte. H. verbot 1286 die einem radikalen Armutsideal nachstrebenden und von apokalyptischen Gedanken beeinflußten Apostoliker des Gerhard Segarelli, ist aber kein Feind der Bettelorden gewesen.

Lit.: Maur. Prou, Registres d'H. IV, in: Bibliosheque francaise d'Athenes et de Rome, Athen 1888; - Bernhard Pawlicki, Papst H. IV. Eine Monogr. (Diss. Münster), 1896 (dazu Rez. v. Karl Hampe, in: HZ 80, 1898, 490); - Oswald Redlich, Rudolf v. Habsburg. Das dt. Reich nach dem Untergange des alten Kaisertums, Innsbruck 1903; - E. Jordan, Les origines de la domination angevine en Italie, Paris 1909; - G. v. Gaisberg-Schöckingen, Das Konzil u. der Reichstag zu Würzburg 1287, Marburg 1928; - Borwin Rusch, Die Behörden u. Hofbeamten der päpst. Kurie des 13. Jh.s (Diss. Königsberg), 1936; - Otto Herding, Das Röm.-dt. Reich in dt. u. it. Beurteilung v. Rudolf v. Habsburg u. Heinrich VII. (Diss. Erlangen), 1937; - Friedrich Bock, Reichsidee u. Nationalstaaten. Vom Untergang des alten Reiches bis z. Kündigung des dt.-engl. Bündnisses im J. 1341, 1944, 24 ff.; - J. Richard, Le debut des relations entre la papaute et les Mongols de Perse, in: Journal Asiatique 237, Paris 1949, 291-297; - J. R. Strayer, The Crusade againit Aragon, in: Speculum 28, 1953, 102-113; - A. M. Dal Pino, Bolle di Ononio IV e di Nicola IV ai conventi e all'ordine dei Servi di Maria, in: Studi storici dell'Ordine dei Servi di Maria 5, Rom 1953, 254-287; - L. Kern, A propos des lettres d'indulgence collectives concedees au concile de Wurzbourg de 1287, in: Schweizer Btrr. z. allg. Gesch. 13, Bern 1955, 111-129; - St. Runciman, The Sicilian Vespers, London 1958 (aus dem Engl. übertr. ins Dt. v. Peter de Mendelssohn, 1959); - Haller V, 72-76. 343 ff.; - Potthast II, 1795-1825; - Wetzer-Welte VI, 265-267; - EC IX, 143; - RE VIII, 324 ff.; XXIII, 660; - RGG III, 446; - Seppelt III, 565-574. 620 f.; - LThK V, 477.

Letzte Änderung: 26.02.2002