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 Bayern-online.de -  Richard Wagner - Magazin - Reportagen » Donnerstag, 27. September 2007
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Reportagen  Autor: Stephan Müller Redakteur von Gondroms Festspielmagazin
Hier finden Sie einige Reportagen zu den Bayreuther Festspielen von Stephan Müller, dem Redakteur des Bayreuther Festspielmagazins, unter Bayern-Online.de.

Ein ganz besonderer Ferienjob
Als "Blaues Mädchen" im Festspielhaus

Die Türen des Festspielhauses werden geschlossen. Das Einstimmen des Orchesters ebbt ab, das Publikum verstummt. Langsam wird das Licht zurückgenommen. Es ist dunkel. Die Musik strömt aus dem "mystischen Abgrund", dem Orchestergraben.
Opernfreunde müssen viele Jahre warten, um diesen Moment zu erleben: Auch die Französin Myriam Pommier aus Bayreuths Partnerstadt Annecy, Nelly Danker aus Berlin und Annette Bookjans aus Bayreuth können nun die wunderschöne Musik Richard Wagners genießen. Doch sie haben nicht lange auf Eintrittskarten warten müssen. Sie sind seit mehreren Sommern dabei. Myriam, Nelly und Annette sind "Blaue Mädchen" im Festspielhaus.
Seit 1952 sind es junge Damen, die die Türen an den Eingängen zu Parkett, Loge, Balkon oder Galerie des Festspielhauses öffnen und den glücklichen Kartenbesitzern den Weg zum richtigen Sitzplatz weisen.
Festspielleiter Wolfgang Wagner erinnert sich, dass 1951 nach der Wiedereröffnung der Festspiele die Herren vom Bayreuther Wach- und Schließverein "nur ein Jahr" diese Aufgabe übernommen. Schnell kamen Wieland und Wolfgang Wagner nach ihrem ersten Jahr in der Festspielleitung auf die Idee, statt dessen musikbegeisterte Mädchen als Türsteherinnen einzustellen.
Wie sieht der Tagesablauf eines "Blauen Mädchens" aus? Nachdem sie in ihrer eigenen Garderobe in ihre blauen Röcke, weißen Blusen und blauen Jacken geschlüpft sind, treffen sich die Mädchen, die in den letzten Jahren aus ganz Deutschland, Frankreich, Belgien und Tschechien kamen, um 14.15 Uhr ("pünktlich im Kostüm") bei ihrem "Chef".
Heinz Mühlhäußer nimmt die Einteilung vor: "Fräulein Schröppel, Tür eins, links; Fräulein Schelhorn, Tür zwei links, Fräulein Rauch, Mittelloge". Nachdem die Schlüssel ausgeteilt sind, werden die Verkaufswägen besetzt. Ab 14.30 Uhr verkaufen die "Mädchen" vor den Toren des Festspielhauses die aufwendig gestalteten Programmbücher, ehe sie nach der Einlasskontrolle ab 16 Uhr (nur der "Fliegende Holländer" und "Rheingold" beginnen erst um 18 Uhr) zusammen mit den Festspielgästen selbst die Aufführung genießen dürfen. Manchmal müssen die Mädchen während der Generalproben und der 30 Vorstellungen zwischen dem 25. Juli und 28. August sofort zur Stelle sein. Bei gesundheitlichen Notfällen während einer laufenden Aufführung wissen die Türsteherinnen genau was zu tun ist. Ein Notarzt oder Sanitäter sind im Festspielhaus immer zugegen und können sofort gerufen werden.
Meistersinger - dritter Akt: In wenigen Sekunden werden 134 Chorsänger und 79 Mitglieder des Sonderchors auf der Festwiese den "Wach auf"-Chor anstimmen. Ein Augenblick bei dem Annette Bookjans - wie so oft im Festspielhaus - ein "Gänsehautgefühl" hat. Doch erst sind die Lehrbuben mit ihrem "Silencium" an der Reihe. Doch was war das? Im vergangenen Jahr haben sie an einer anderen Stelle "Luft geholt", es war keine Pause drin. "Aha" - auch hier hat es der neue Dirigent Christian Thielemann gegenüber seinem Vorgänger Daniel Baremboim etwas anders interpretiert.
Was macht den Reiz aus, als Blaues Mädchen zu arbeiten? "Die einmalige Atmosphäre" antworten alle einstimmig und einige umschreiben den Reiz sogar mit einer "gewissen Wagner-Sucht" oder befinden sich sogar im "Festspiel-Fieber".
So sind viele der jungen Frauen sind längst selbst zu "Wagnerianerinnen" geworden. Besuche in anderen deutschen Opernhäusern stehen immer wieder auf dem Programm. Annette Bookjans, Eva Ganzmüller oder Eva Trendel wurde diese Tätigkeit schon fast in die Wiege gelegt. Die Mütter der drei jungen Bayreutherinnen gehörten selbst der "blauen Garde" an.
Manchmal witzeln die Mädchen auch über die Fragen, die sie gestellt bekommen: "Ich glaube, wenn wir alle unsere Erfahrungen zusammentragen, könnte es ein ganz lustiges Buch werden", grinst Nelly Danker. Und sofort sprudeln die ersten witzigen Erlebnisse heraus. "Wann ist die Pause zu Ende?" "Entschuldigen Sie, das war der Fliegende Holländer, da gibt es zwischen den Aufzügen keine Pause. Die Vorstellung ist bereits zu Ende". Aber auch Gegenteiliges war schon zu hören: "Sehr schön war es - auf Wiedersehen". "Sie sollten schon noch einmal kommen. In einer Stunde beginnt der zweite Akt". Sofie Friedrichs musste einen Zuschauer bitten, seine Zigarette doch vor dem Festspielhaus zu rauchen und Nelly Danker griff dringend ein, als eine Besucherin im dunklen Zuschauerraum mit Hilfe eines Streichholzes irgendetwas zu ihren Füßen aufheben wollte. Seitdem hat sie immer eine kleine Taschenlampe in ihrer - ebenfalls vom Festspielhaus gestellten - Handtasche dabei. "Es wird niemals langweilig!"
Witzig fanden die Mädchen gleich mehrere Nachfragen von jungen Herren, die ernsthaft nachfragten, ob es auch männlichen Wagnerfans möglich wäre, der "blauen Garde" anzugehören...
Natürlich bekommen die Mädchen, die die Attribute "Pünktlichkeit, Freundlichkeit, Sorgfalt und Fingerspitzengefühl" mitbringen müssen, auch eine Aufwandsentschädigung. Sie erhalten für die komplette Spielzeit 555 Euro, ein Festspielbuch und eine Generalprobenkarte. Während das Geld für Bayreutherinnen ein schönes Taschengeld ist, müssen die Mädchen aus dem Ausland oder anderen deutschen Städten für Zimmer und Verpflegung schon etwas "drauflegen". Die Festspielleitung bemüht sich, einen "Mittelweg" zu finden. Aber um Geld geht es den jungen Frauen auch nicht. "Dabei sein ist alles". Jedes Jahr lernen sie "neue Leute" kennen und sehen "alte Freunde" wieder: Musiker, Chorsänger oder sogar Solisten und Dirigenten. Die Blauen Mädchen gehören längst zur großen Familie der Bayreuther Festspiele dazu.

Die blaue Garde von Bayreuth
Sie gehörte zu einer Gruppe von ungefähr vierzig Mädchen, meist Hochschulstudentinnen, die alljährlich der Theaterleitung ihre Mitarbeit anboten. Man nannte sie "Türsteherinnen": Ihre Aufgabe bestand darin, Programme zu verkaufen, Eintrittskarten zu kontrollieren, Plätze anzuweisen und dann die verschiedenen Türen nach Beginn der Vorstellung zu schließen. Dann sobald sich der Vorhang hob, war jeder Eintritt im Festspielhaus untersagt. Die Mädchen waren alle jung, hübsch und elegant, trugen die gleiche Kleider und wurden daher auch "die blaue Garde" genannt.
Vermutlich hat sich der italienische Autor Pierluigi La Terza in ein "blaues Mädchen" verliebt. Ist es tatsächlich so, hat er ihr ein ganzes Buch gewidmet. Und lesen wir das Vorwort seines Buches mit dem Titel "Bayreuth und die Blaue Garde", das er am 4. April 1970 in Rom verfasste, sind wir ganz sicher:
"Hier muss ich ein Geständnis machen: in meinem Leben habe ich nur eine große Schwäche gehabt: schöne Mädchen. Und in Bayreuth gibt es sie zu Tausenden! Wo man die jungen Damen auch trifft - auf der Straße, im Restaurant, im Theater - sie sind alle schön.
Weil ich dazu noch gerne schreibe habe ich einen jungen neapolitanischen Liebhaber erfunden, den ich all den "Bayreuther Versuchungen" aussetzte. Und natürlich haben mich ganz besonders die "Türsteherinnen" am Festspielhaus beeindruckt; ich hatte sie ja jeden Tag - ich darf es so sagen - unter meinen Augen ... Stellen Sie sich vor. Vierzig und mehr besonders hübsche junge Damen, "L´une plus gracieuse que l´autre", ein wunderschönes Bild für einen Schriftsteller."
Im Jahr 2002 ist es 50 Jahre her, dass die ersten "Türsteherinnen" ihren Dienst versahen. Wir zeigen das kaum mehr bekannte Buch drei Jahrzehnte später einigen "blauen Mädchen" der Festspielzeit 2001 und erklären, dass es in diesem Roman um verschiedene Herren geht, die versuchen bei den hübschen Mädchen zu landen. Am Ende schafft es nur der Italiener Gianluca. Schon bei der Inhaltsangabe stellt sich bei den Mädchen ein fröhliches Gekicher ein...
Die Begegnung ausländischer Gäste mit Bayreuth und seiner jungen Weiblichkeit, wie sei sich dem Besucher zuerst und augenfällig in der viel gerühmten "Blauen Garde" vor Augen stellt, bildet den gemeinsamen Reiz der verschiedenen, in sich unabhängigen Erlebniskreise. In Anstand und ihren hohen Moralvorstellungen verpflichtet, wissen Brigitte, Elke und wie sie auch alle heißen, der Gefahr standhaft und beherrscht entgegenzutreten, die ihnen von den zahlreichen ausländischen Gästen droht. Nur Gianluca, einem Italiener, der seinen ruhmreichen Vorfahren in der Liebeserfahrung nicht nachsteht, gelingt es, alle Widerstände zu brechen und die Harmonie seiner Wünsche zu erfüllen.
"Schau mal die Überschrift: 'Mit den Augen eines jungen heißblütigen Römers erleben wir das Bayreuth der Wagner-Festspiele'. Ist das schmalzig". "Dieser Gianluca ist er wohl selbst?"; "Der Gefahr standhaft und beherrscht entgegentreten". Kichern macht sich breit. Wie hat er sie denn kennen gelernt. Lisa beginnt vorzulesen:
"Wie hoch diese Treppen sind, anscheinend ohne Ende... Es geht ins Paradies", stöhnte Gianluca und stieg atemlos die Treppen hinauf, die zur Loge führten. (...). Vor ihm lag der Logeneingang. Bewundert blickte er dem Mädchen im lichtblauen Kleid mit dem gleichfarbigen Jäckchen auf den schmalen Schultern, dessen Ärmel mit einer weißen Borte geziert waren, entgegen das sich ihm näherte. Unter dem linken Arm trug es eine Anzahl weißer Hefte an sich gepresst. Einen Augenblick lang sahen sich die beiden in die Augen: erstaunt lächelnd das Mädchen (denn gewöhnlich tauchten die Gästen nicht so schnell und atemlos aus der Tiefe auf), er hingegen in aufrichtiger Bewunderung für diese entzückende Erscheinung in Blau. (...) Rechte Loge, rechter Gang, mein liebes Fräulein!" sagte Gianluca und hielt ihr seine Eintrittskarte hin. "Richtig", antwortete das Mädchen, nachdem es kurz den Abschnitt geprüft hatte. Es lächelte ihm freundlich zu. Gianlucas Deutsch war beinahe perfekt, aber dennoch hörte man sofort, dass er ein Fremder war. Die Loge war noch leer. Die Aufführung des "Rheingold" begann um sechs Uhr, und jetzt war es fünf Uhr dreißig..
Brigitte ging voran und führte ihn zu seinem Platz. "Wünschen Sie ein Programm?" fragte sei und hielt ihm ein weißes Heftchen hin. Mit einem leisen "Dankeschön!" steckte das Mädchen das Geldstück ein und verschwand eilig. "Das ist also das berühmte Theater von Bayreuth!?" dachte Gianluca und blätterte erfreut in seinem Programm. "Eigentlich habe ich es mir größer, mächtiger, ja auch schöner vorgestellt." (...)
Auch im Jahr 2001 tragen die Mädchen die gleichfarbigen Röcke und Jäckchen. Wir zeigen Bilder aus den sechziger Jahren. 'Ein weibliches Fachgespräch beginnt. "Die kurzen Röcke haben aber damals besser ausgesehen". "Und mit Sicherheit waren sie nicht so warm", wie unsere langen Kleider...". "Dafür sollen sie fürchterlich gekratzt haben", weiß Eva von ihrer Mutter, die in dieser Zeit selbst blaues Mädchen war. "Wie geht`s den mit unserem Gianluca weiter? Drei Seiten später findet Lisa nach einer längeren Aufzählung der Bayreuther Restaurants die Stelle, als sich der rassige Italiener wieder auf den Weg zum Grünen Hügel macht.
Am nächsten Tag befand sich Gianluca schon um drei Uhr nachmittags oben im Festspielhaus, obwohl die Walküre erst um vier Uhr begann. Auch diesmal hatte er eine Eintrittskarte für einen Logensitz - wie für sämtliche Aufführung des Ringes". Er eilte daher die gleiche Treppe hinauf wie am Tag vorher. Ober am Treppenabsatz angekommen, fand er die Eingangstür zur Loge noch verschlossen. Noch niemand vom Personal war zu sehen. Zu früh! Enttäuscht beschloss er, wieder hinunterzugehen. Da hörte er Schritte auf der Treppe. Es kam jemand herauf. Abwartend blieb er stehen. Ein schlankes Mädchen in der blauen "Uniform" näherte sich. Unter dem Arm trug es ein Paket Programmhefte. Sie war hübsch, aber es war nicht das Mädchen vom Vortag. Sei hatte dunkelbraunes Haar. Enttäuscht und neugierig frage er das Mädchen: "Entschuldigung, kommt Ihre blonde Kollegin, die gestern hier war, später?"
"Nein, heute nicht. Die Direktion wechselt immer unsere Plätze..." Sie wundern sich? Aber es ist richtig so. Denn auf vielen Plätzen können wir nichts sehen - oben auf der Galerie, in der Mitte der großen Loge, auch im Parterrerang... Deshalb wechseln wir immer. Ich glaube, meine blonde Kollegin steht heute an einem Eingang im Parterre, auf der linken Seite. Gianluca hatte kaum da Ende der Antwort abgewartet, als er kurz dankend die Treppe wieder hinuntersprang.
Er traf die blonde Brigitte zusammen mit fünf oder sechs anderen blau gekleideten Kolleginnen vor dem gelb-blau gestreiften Vorhang, der an der linken Theaterseite entlang lief. Die Mädchen verkauften Programme, gaben Auskünfte, halfen auch älteren Damen aus dem Auto - als das mit einer solchen Grazie und Natürlichkeit, als wären sie die Töchter des Eigentümers dieses Palastes, welche die Gäste ihrer Eltern anlässlich eine Wohltätigkeitsfestes empfangen.
"Stimmt das mit den verschiedenen Türen noch?" "Ja, wir wechseln immer noch durch". "Den Ausdruck Parterre gibt es aber heute nicht mehr. Und statt der Programme für jede verschiedene Oper gibt es seit einigen Jahren ein Festspielbuch für die ganze Saison. Lies weiter Lisa...". "Jetzt geht es um den nächsten jungen Herrn, der 'sein blaues Mädchen', das "zum reibungslosen Verlauf der Aufführungen beiträgt", im Park des Festspielhauses getroffen hat"...
Ihre Hilfe und ihr Entgegenkommen waren nicht zu übersehen, ständig war sie damit beschäftigt, älteren Herrschaften zu helfen, die immer unzufrieden und stets auf der Suchen nach irgend etwas Unwichtigem waren. Flink im Verkauf der Programmhefte, genau im Prüfen der Eintrittskarten und unbeeinflussbar im Schließen ihrer Tür bei Beginn der Aufführungen. Wer zu spät kam, musste draußen warten. Das war eine Vorschrift der Festspiele.
Eine Vorschrift die heute noch gilt... Um 16.01 Uhr beziehungsweise bei "Holländer"- und "Rheingold"-Vorstellungen um 18.02 Uhr werden die Türen geschlossen. Ohne Ausnahme.

Inspiration und Ablenkung
Richard-Wagner-Museum am Tor der Sächsischen Schweiz

Kein Zweifel. Richard Wagner hat es hier gefallen. Im Schäfer`schen Gut, einem typisch sächsischen Großbauernhaus dieser Zeit, fand er im Frühsommer 1846 die nötige Ruhe und Entspannung, um sich in dem kleinen Ort Graupa zwischen Dresden und der Canaletto-Stadt Pirna ganz seinem "Lohengrin" zu widmen.
Er verbrachte einen unbeschwerten Arbeitsurlaub mit Wanderungen in die malerische Umgebung. Das Schloss Pillnitz an der Elbe, der atemberaubende gleichzeitige Blick auf den Lilienstein, den eindruckvollsten Tafelberg der Sächsischen Schweiz und auf die einst stärkste deutsche Festung "Königstein" oder der Basteifelsen gaben ihm die Inspiration und Ablenkung von den erhebliche existenziellen Sorgen. In Windeseile skizzierte er die Musik für alle drei Aufzüge seiner Oper "Lohengrin".
Das Schäfer`sche Gut wird im Volksmund seit langer Zeit das "Lohengrin-Haus" genannt. Im Jahr 1907 gründete der Leipziger Professor Dr. Max Gaßmeyer (1865 - 1935) mit einer privaten Sammlung ein Richard-Wagner-Museum am Fuße des Borsberges. Leider ging der Großteil dieser Zeitdokumente wie Fotos, Briefe oder Theaterzettel nach dem zweiten Weltkrieg im Jahr 1945 verloren.
Das heutige Richard-Wagner-Museum wurde am 15. August 1982 nach einer umfassenden Sanierung des "Lohengrinhauses" wiedereröffnet. Museumsleiter Dr. Christian Mühne sorgt sich regelmäßig wechselnde Ausstellungen des bildnerischen Schaffens sowie um Konzerte, Lesungen und Veranstaltungen. Die Sammlung selbst widmet sich Wagners Dresdner Lebens- und Schaffensabschnitt in den Jahren 1842 bis 1849, als der Komponist unter anderem Kapellmeister am Dresdner Hoftheater war. Eine Fülle von Dokumenten, Notenskizzen, zeitgenössische Bildnisse und Fotografien, Bühnendarstellungen und Künstlerfotos, Briefe, Urkunden und Theaterzettel, vermitteln einen Eindruck von Wagners künstlerischem Schaffen. Im Mittelpunkt seiner kulturellen und sozialen Reformabsichten steht freilich seine Teilnahme am Dresdner Maiaufstand 1849. Weitere Raritäten sind einige Erinnerungsstücke aus der Pariser Zeit um 1840 und der Ehrenbürgerbrief der Stadt Bologna 1872.
Eine Treppe führt in das Obergeschoss des Museums, in den Vorraum, der dem Komponisten als Musiksalon diente. Den Mittelpunkt bilden die zwei Zimmer, die sich Wagner im Jahr 1846 angemietet hat. Das ehemalige Wohnzimmer ist mit Mobiliar im Stil jener Zeit eingerichtet und enthält neben Bild- und Textdokumenten hauptsächlich Ausstellungsobjekte, die seiner Arbeit am "Lohengrin" gewidmet sind. In Wagners ehemaligen Schlafzimmer sind autographe Kostbarkeiten aus der Pariser und Dresdner Zeit zu sehen. Ein weiterer Teil ist dem königlichen Musikdirektor und revolutionären Demokraten Karl August Röckel gewidmet. Der Wagner-Röckel-Raum dokumentiert die Freundschaft Wagners aus den Revolutionsjahren 1848/49 und zeigt historische Musikinstrumente.
Das Richard-Wagner-Museum Graupa, Richard-Wagner-Straße 6, 01827 Graupa. Das Museum ist unter 0 35 01/54 82 29 zu erreichen und von Dienstag bis Sonntag von 9 bis 12 Uhr und 13 bis 16 Uhr geöffnet.
Graupa
Die Gemeinde Graupa liegt idyllisch zwischen Pirna und Dresden am Fuße des Borsberges. Der Südhang mit seinen hier beginnenden Weinbergen ist ein beliebtes Wanderrevier, das sich über Pillnitz bis nach Loschwitz zieht und von dem man herrliche Ausblicke auf das Elbtal hat. Hier trafen am 20. Juli 1846 zum ersten Mal Richard Wagner und der junge Hans von Bülow aufeinander.
Wagner-Wiese
Größere Aufmerksamkeit erlangt das Museum durch seine vielen guten Konzerte im Gewölbe im Erdgeschoss und auf der sogenannten "Wagner-Wiese" hinter dem "Lohengrin-Haus". So hatten Musikfreunde im Juni im Rahmen der Dresdner Musikfestspiele die Möglichkeit an diesem idyllischen Ort an drei Tagen die Möglichkeit fast alle Bühnenwerke Wagners zu hören und es wurden ungewöhnliche Sichtweisen auf Person und Schaffen dieses sächsischen Enfant terrible gewagt.
Größtes Wagnerdenkmal
Nur zehn Autominuten von Graupa entfernt befindet sich im malerischen Liebethaler Grund das größte Wagnerdenkmal der Welt, das längst ein Wallfahrtsort für Wagnerianer geworden ist.
Es stellt Richard Wagner als über vier Meter hohen Gralsritter aus Bronze dar. Zusammen mit dem Sandsteinsockel erreicht das Denkmal eine Gesamthöhe von über zwölf Meter. Die Figuren zu seinen Füßen sollen die fünf Elemente seiner Musik, das sphärische, das lyrische, das dramatische, das dionysische und das dämonische, verkörpern.
Richard Guhr, Professor für Monumentalkunst an der Akademie Dresden, entwarf das Denkmal in den Jahren 1911/12. Es sollte ursprünglich in Dresdens "Großen Garten" aufgestellt werden. Durch den Ausbruch des ersten Weltkrieges und der Wirtschaftskrise in den Nachkriegsjahren geriet das Denkmal in Vergessenheit bis Wagnerfreunde und die Familie Staude aus der Lochmühle im Liebethaler Grund die Initiative ergriffen und den Standort an der Wesenitz wählten. Dort wurde das Wagnerdenkmal am 21. Mai 1933 enthüllt.

Historische Wagnerstätte
Das Richard-Wagner-Museum in Graupa war die einzige historische Wagnerstätte in der ehemaligen DDR. Der Bayreuther Festspielleiter Wolfgang Wagner besuchte am 6. Dezember 1985 das damals seit drei Jahren wieder eröffnete Lohengrin-Haus. Seine Anerkennung in einem Pressegespräch wurde in "Neues Deutschland" zitiert: "Hier werden Dokumente gesammelt und wissenschaftlich aufgearbeitet, die neuen Aspekte zur Dresdner Zeit Wagners erschließen, einer Zeit, die bisher wenig Beachtung fand."

Das nationalsozialistische Monument
Dokumentation "Richard Wagner gepfändet - Ein Leipziger Denkmal in Dokumenten"
Richard Wagner in Leipzig am 22. Mai 1813 in Leipzig geboren. Zu Wagners Lebzeiten war er in der sächsischen Metropole nicht besonders geschätzt. Zur "Wiedergutmachung" begann der Künstler Schumacher angeregt durch die Stadt Leipzig bereits im Jahr 1898 mehrere "architektonische Idealentwürfe" für ein Richard-Wagner-Denkmal zu entwerfen. Es entstanden mehrere großformatigen Kreide- und Kohlezeichnungen, die 1899 im Leipziger Kunstverein, auf der Dresdner Bauausstellung 1900 und - wie auch der Landrätesaal im Gebäude der heutigen Regierung von Oberfranken in Bayreuth - auf der Weltausstellung 1904 in St. Louis gezeigt wurden. Ein Denkmal wurde nicht errichtet.
Die Idee lebte erst 1933 wieder auf. Der damalige Leipziger Oberbürgermeister Carl Gördeler, der später wegen der Beteiligung am Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944 hingerichtet wurde, gab ein gigantisches Monument in Auftrag. Adolf Hitler, der Wagners Werk ohnehin zur Leitkultur des Nationalsozialismus erhoben hatte, griff das Thema mit Freuden auf.
Am 6. März 1934 legt er in Leipzig den Grundstein für "das deutsche Nationaldenkmal von Richard Wagner". Das Datum passte den Nationalsozialisten gut ins Konzept. Nach dem Winter herrscht Stimmungsflaute; die Feier ist bestens geeignet, ausgebliebene wirtschaftliche Verbesserungen nach der Machtübernahme vergessen zu machen. Das Volk in Leipzig jubelte Hitler zu. Mehrere tausend Zuschauer, außerdem "Ehrenstürme" von SS und SA, Abordnungen der Reichswehr im Stahlhelm, 120 Bannerträger der NSDAP und der vaterländischen Verbände, 1.600 Sänger und Sängerinnen, mehrere Minister und sonstige "Amtswalter", Winifred und der 17jährigen Wieland Wagner erleben einen bewegten Hitler. "Mit dem wahrhaftigen Gelöbnis, dem Wunsch und Willen des große Meisters zu entsprechen, lege ich den Grundstein zum deutschen Nationaldenkmal Richard Wagners" skandierte "der Führer".
Das geplante Denkmal des Stuttgarter Bildhauers Emil Hipp entstand dennoch nie: Zwei Tage nach dem Großereignis wird Leipzig zur "Notstandsgemeinde" erklärt. Das Geld für das teure Monument fehlte. Stadtbaudirektor Busse erwägt im Jahr 1937 das Bronze-Denkmal des (jüdischen) Musikers Mendelssohn-Bartholdy einzuschmelzen, weil der Denkmalsblock des geplanten Wagner-Monuments "ohne Bronze nicht auskommt". An dem für das Richard-Wagner-Denkmal auserkorenen Platz im Richard- Wagner-Hain wurde nach dem zweiten Weltkrieg ein Sporthaus errichtet.
Grit Hartmann beschreibt in dem Buch "Richard Wagner gepfändet - Ein Leipziger Denkmal in Dokumenten" die Geschichte die seltsame Geschichte über Kultur und Diktatur reicht bis in die Gegenwart. Die im Original dokumentierten Korrespondenzen und Notizen aus dem Leipziger Rathaus und der Berliner Reichskanzlei - eine zeitgeschichtliche Entdeckung - sind begleitet von Reportagen über das alltägliche Funktionieren des NS-Totalitarismus und die Verdrängung in Deutschland Ost wie West nach 1945. Die Marmor-Industrie Kiefer A.G., die Steinmetze und 250 Tonnen des begehrten und besonders dauerhaften Untersberger Marmors stellte, bekam im Jahr 1946 mitgeteilt, dass ihre ehemaligen Vertragspartner seit dem siegreichen Einmarsch der Truppen der vereinten Nationen restlos verschwunden seien: "Sie könnten Ihre Forderungen nur noch bei den Kriegsverbrechern in Nürnberg anmelden". Zwei Tafeln, die an dem Denkmal angebracht werden sollten, sind noch heute in Bayreuth zu sehen. Kaum auffällig wurden sie an der Stadtmauer am Hohenzollernring in Höhe der Frauengasse aufgehängt.

Die Bayreuther Tafeln
Sie sorgten schon beim Ankauf zum 100-jährigen Jubiläum der Bayreuther Festspiele für kontroverse Diskussionen. Die beiden Kalksteinreliefs mit Wagnermotiven aus dem für Leipzig geplanten gigantischen Denkmal, das 1933 geplant aber nie errichtet wurde.
Die "Spinnstube", ein Motiv aus dem zweiten Akt des "Fliegenden Holländer" und "Siegfrieds Tod" aus der "Götterdämmerung" fanden nun im Jahr 1976 an der Bayreuther Stadtmauer in Höhe der Frauengasse ihren neuen Platz.
Die Exponate, die von den Stuttgarter Bildhauer Professor Emil Hipp geschaffen wurden, lagerten während der Kriegs- und Nachkriegsjahre im Kalksteinwerk Kiefersfelden, ehe die vielen Einzelstücke an Privatleute verkauft wurden.
Bernd Mayer, heute dritter Bürgermeister der Stadt Bayreuth und schon damals Stadtrat, hielt schon damals den von Oberbürgermeister Hans Walter Wild forcierten Ankauf der zwei Tafeln für "nicht günstig". Der Stadtrat teilte damals Mayers Bedenken nicht. "Eine Nation bestehe nicht bloß aus Märtyrern". Auch unter Hitlers Diktatur hätte Künstler gegeben, die Aufträge annehmen mussten, wenn sie nicht zugrunde gehen wollten. Die Reliefs wurden unter Wilds Hinweis, dass man im politischen Bereich etwas ruhiger werden sollte, von der Stadt Bayreuth gekauft.
Die Kalksandsteinreliefs "Spinnstube", ein Motiv aus dem zweiten Akt des "Fliegenden Holländer" und "Siegfrieds Tod" aus der "Götterdämmerung", die an ein gigantisches Richard-Wagner-Denkamal in Leipzig angebracht werden sollten, fanden 1976 an der Bayreuther Stadtmauer in Höhe der Frauengasse ihren neuen Platz.

(Quelle: Stephan Müller Redakteur von Gondroms Festspielmagazin)



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