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Schwimm-Ikone Gerhard Hetz wurde 60 Jahre alt.

14.7.2002, Felix Gmünder

Einer der ganz grossen Schwimmer Deutschlands feierte gestern einen runden Geburtstag. Gerhard Hetz, Deutschlands "Sportler des Jahres" 1962, ist 60 Jahre alt. Hetz war einer der profiliertesten und zugleich umstrittensten Schwimm-Trainer Deutschlands. Wo und wie er feiert, das lässt der nach wie vor in Mexiko lebende Olympiazweite von 1964 offen. Ob er bei den Europameisterschaften in Berlin Ende Juli plötzlich in der Tür steht, auch. "Ich muss mir und anderen nichts mehr beweisen", sagt Hetz, der als einer der ganz grossen Freistil- und Lagen-Schwimmer in Deutschland Sportgeschichte schrieb. Als Trainer führte der Ex-Weltrekordler Rainer Henkel bei den Weltmeisterschaften in Madrid 1986 zum Titel über 400 und 1500 m Freistil. 1988 in Seoul scheiterte Hetz mit Henkel bei der "Operation Olympiagold". Obwohl Hetz es bis heute nicht zugegeben hat, war es die grösste Niederlage seines Trainerlebens. Alles war damals auf Gold ausgerichtet, doch als es um die Medaillen ging, kämpfte Henkel chancenlos gegen eine Grippe und wurde im olympischen Finale nur Sechster. Schon Anfang der 70er Jahre hatte Hetz nach Blau-Weiss Bochum die SSF Bonn zu einem Vorzeige-Schwimmverein gemacht, auch dort schied er im Groll. Sie nannten ihn den "Schleifer", keiner liess so hohe Umfänge trainieren wie Hetz, keiner favorisierte das Krafttraining ähnlich kompromisslos wie er. Mit niemandem wollte Hetz zusammenarbeiten. "Ich will mein eigener Herr sein und nicht von irgendwelchen Funktionären abhängig sein", sagte er. "Gerhard Hetz ist ein guter Trainer, aber ein sehr schlechter Psychologe", sagte der ehemalige DSV-Schwimmwart Hermann Henze, einstiger Macher und Vorsitzender der SSF Bonn. Kaum ein Trainer hatte ähnlich hohe Ansprüche wie Hetz. Von seinen Schülern verlangte er stets bedingungslose Unterordnung, ihn interessierte immer nur die absolute Spitze. Nachdem sich die Wege von Hetz und SSF Bonn getrennt hatten, heuerte er in Köln an, wo er von 1975 bis 1991 arbeitete. In Köln fing Hetz 1996 noch einmal bei Null an, musste dann aber einsehen, dass Schwimmen in Köln kaum noch eine Zukunft besass. Und so pendelt er weiter zwischen den Welten. In Mexiko besitzt Hetz in Barra de Navidad mit seiner Frau ein Hotel, die Besucherzahlen steigen. Seine drei Kinder studieren in Deutschland. Dass er noch einmal ins Trainergeschäft einsteigt, davon ist nicht auszugehen. "Ich habe im Leben zwar begriffen, dass man niemals nie sagen soll, aber dieses Kapitel scheint mir doch abgeschlossen zu sein", sagt Hetz. Einer, der früher häufig Krach schlug, hat die Ruhe schätzen gelernt. (sid)
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