1932 - Hitler in Münster

Die NSDAP wird respektabel

Das entscheidende Jahr für den Einbruch der NSDAP in das noch weitgehend gefestigte katholische Milieu in Münster, das sich politisch vor allem an der Zentrumspartei orientierte, war 1931. Obwohl die Ortsgruppe relativ klein war, gelang es ihr durch eine Vielzahl von Veranstaltungen auf die NSDAP aufmerksam zu machen. Insgesamt 16 große Versammlungen wurden durchgeführt. Die zum Teil im großen Saal des Schützenhofes stattfindenden Veranstaltungen hatten großen Zulauf, da einige "prominente" Redner von auswärts kamen. Darunter waren u. a. Hermann Göring und der Sohn, des letzten deutschen Kaisers, Prinz August Wilhelm von Preußen. Prinz "Auwi", wie er verkürzend genannt wurde, sprach am 25. August 1931 vor 6000 Zuhörern. Dieser Abend wird als eine "Art Wendepunkt" in der Geschichte der münsterischen Nationalsozialisten bezeichnet. Die Rednerabende waren ein propagandistischer Erfolg, zudem trugen sie entscheidend dazu bei, dass die NSDAP in Münster allmählich als "anständige" Partei anerkannt wurde. Waren die Nazis zuvor als braune Marxisten verachtet worden, verhalfen ihr die Veranstaltungen zu einem besseren Ruf. Dieser Stimmungsumschwung ist auch daran abzulesen, dass die Ortsgruppe starken Zulauf hatte und ihre Aktivitäten u. a. mit einer Volksküche ausweiten konnte.

Intensivierung der Propaganda

Das Jahr 1931 stellte nur eine Art Aufgalopp dar für das Propagandafeuerwerk, das die Nazis 1932 in Münster abbrannten. Fast die gesamte Partei-Elite kam zu Kundgebungen in die Stadt, u. a. Goebbels, Ley, Strasser und Frick. "Höhepunkt" dieser Reihe war die Versammlung am 8. April 1932, zu der Hitler kam. Hatten sich ein Jahr zuvor der Magistrat der Stadt und der Regierungspräsident noch geweigert, die Halle Münsterland für Veranstaltungen der NSDAP zur Verfügung zu stellen, war dies 1932 schon nicht mehr möglich. Sie mussten erkennen, dass die Nazis auch in den Behörden und der Polizei einen derart starken Zulauf hatten, dass auch verwaltungsintern eine ablehnende Haltung nicht mehr aufrecht zu erhalten war. Hitler konnte daher am 8. April vor 10.000 Menschen sprechen. Etwa 7000 hatten in der Halle Münsterland Platz, weitere 3000 hörten von der benachbarten Halle Kiffe aus zu.

Der Ort der Hitler-Rede

Die Halle Münsterland, in der Hitler sprach, war 1926 auf dem Gelände des ehemaligen Gaswerks errichtet worden. Die verkehrsgünstige Lage am Albersloher Weg, in der Nähe des Hafens, hatte zu der Wahl dieses Standorts geführt. Der Magistrat hatte die Halle bauen lassen, um Münster Vorteile in der Konkurrenz mit anderen Städten zu verschaffen und den Standort Münster attraktiv zu halten. Da die Halle ohne Zustimmung der Stadtverordneten errichtet wurde, kam es zu einem heftigen komunalpolitischen Eklat. Die Stadtverordneten mussten nachträglich die Vorlage für den Bau der Halle Münsterland billigen, was zu einer nachhaltigen Vertrauenskrise zwischen Magistrat und Stadtverordneten führte.
Wie auch einige andere Betriebe am Hafen wurde die Halle Münsterland von der Stadt in eigener Regie geführt, daher war es ihr auch möglich, 1931 die Anträge der NSDAP für Versammlungen an diesem Ort abzulehnen.
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Halle vollständig zerstört und zwischen 1947-49 wieder aufgebaut.

Der "Erfolg"

Unter anderem auf Hitlers Rede ist der starke Anstieg der eingetragenen Parteimitglieder in Münster zurückzuführen. Am Ende des Jahres 1932 zählten 1247 Mitglieder zur Ortsgruppe der NSDAP in Münster. Es gelang ihr zunehmend Wähler aus dem unteren und mittleren Angestellten- bzw. Beamtenkreis zu gewinnen. Auch Teile des gewerblichen Mittelstandes kamen dazu. Die Studentenschaft stieß ebenfalls im immer stärkeren Maß zu den Nationalsozialisten.
Bei der letzten freien Reichstagswahl am 5. März 1933 gelang es daher der NSDAP, ihren Anteil in Münster von 16.246 (24,3%) auf 26.490 Stimmen (36,1 %) zu steigern. Zwar lag sie bei dieser Wahl noch hinter dem Zentrum, das auf einen Anteil von 41,6 % kam, aber bereits bei der Kommunalwahl am 12. März wurde die NSDAP in Münster stärkste Partei.