Professoren der Hohen Schule
 

OTTO CASMANN
(Casmannus)

um 1562 - 1607

 

Er wurde etwa 1562 als Sohn katholischer Eltern in Warburg (Westfalen) geboren und stammte aus einfachen Verhältnissen. Nach dem Tode seiner Eltern übernahmen ein Onkel und der Warburger Bürgermeister Konrad von Geismar die Förderung von Otto Casmann. Er wurde auf die Gelehrtenschule in Kassel geschickt, die damals unter der Leitung des reformierten Rektors Rodolphus Goclenius stand. Unter dessen Einfluß konvertierte Otto Casmann zum Protestantismus: Er bekannte sich zum reformierten Glauben, erwies sich aber zeitlebens als Vermittler zwischen reformierter und lutherischer Richtung.

 

Otto Casmann ging nach Marburg, als R. Goclenius dort 1581 eine Professur erhielt, und studierte unter ihm Philosophie. Die Marburger Hochschulmatrikel verzeichnet ihn nicht. Am 24. Sept. 1582 immatrikulierte er sich an der Universität in Helmstedt, wo er sich philosophischen sowie theologischen Studien widmete und Magister der Philosophie wurde. Eine weitere Studienstation war die Universität Heidelberg, deren Matrikel ihn zum 13. Mai 1587 nennt.

 

In Helmstedt begann seine Lehrtätigkeit: Er hielt Vorlesungen über Logik, in denen er sich für den Ramismus unter Berücksichtigung des Melanchthonianismus und gegen Aristoteles einsetzte. Sie wurden Jahre nach seinem Weggang - ohne sein Wissen - 1594 in Hamm gedruckt unter dem Titel "Petri Rami dialecticae et Melanchthonianae collatio et exegesis ab Othone Casmanno Helmstadii privatim aliquando dictata". Die folgenden Auflagen trugen den Titel "Logicae Rameae et Melanchthonianae collatio et exegesis"; ein Exemplar der vierten Auflage gelangte in die Steinfurter Schulbibliothek.

 

Der Semiramist Otto Casmann kam im Verlauf des Jahres 1589 als Lehrer an die Schüttorfer Trivialschule, die Graf Arnold IV. von Bentheim-Tecklenburg-Steinfurt 1588 gegründet hatte. Als sie 1591 nach Steinfurt verlegt und zum akademischen Gymnasium Illustre erweitert worden war, lehrte Hermann Hausmann Logik und veranstaltete Otto Casmann als Professor Vorlesungen und Disputationen zur Philosophie und auch Anthropologie am Arnoldinum. Gemeinsam mit seinen Professorenkollegen setzte er sich für die organisatorische Ausgestaltung der Schule ein, so 1592 für die Einsetzung eines Schulsenats und die Abfassung von Schulgesetzen. Aus seiner Lehrtätigkeit an der Steinfurter Hohen Schule ging sein erstes wissenschaftliches Werk hervor: "Psychologia anthropologica, sive animae humanae doctrina, methodice informata, capitibus dissecta, singulorumque capitum disquisitionibus ac controversarum questionum ventilationibus illustrata" (Hanau 1594); es fand den Beifall seines ehemaligen Lehrers R. Goclenius. Als der zweite Teil der "Psychologia anthropologica" zum Bau des menschlichen Körpers 1596 in Hanau erschien, lehrte Otto Casmann schon nicht mehr in Steinfurt. Er erhielt 1594 die Berufung zum Rektor in Stade, wo der Magistrat ein akademisches Gymnasium eingerichtet hatte. Diesem Ruf folgte er nach einem Besuch 1594 und verließ Steinfurt. Sein dortiger Nachfolger wurde 1595 Clemens Timpler.

 

Otto Casmann kam mit seiner Frau und seinem verwaisten Neffen Edo Neuhusius (geb. 1581 in Steinfurt, gest. 1638 als Rektor des Gymnasium in Leeuwarden) 1595 nach Stade. Hier lehrte er Philosophie und Theologie, wobei seine Schwerpunkte in Logik und Naturphilosophie lagen. Er führte auch Disputationen ein. Seine Tätigkeit erhöhte die Attraktivität der Schule und bewirkte einen merklichen Aufschwung. Otto Casmann entfaltete auch in Hinblick auf seine Veröffentlichungen eine bemerkenswerte Produktivität.

 

Das erste Werk seiner Stader Zeit, "Marinarum quaestionum tractatio philosophica" (Frankfurt 1596) beschäftigte sich mit dem Meer und seinen Gezeiten. In dieser wie in weiteren Publikationen ging er seinen naturwissenschaftlichen und philosophischen Interessen nach. Er gründete seine Erkenntnisse auf Erfahrung, Vernunft und die göttliche Offenbarung zugleich.

 

Heinrich von Hövel in seinem "Speculum Westphaliae" von 1609 nennt Casmann (dessen Vornamen und Werdegang er nicht ganz korrekt angibt) "vir eruditione praecellens, neque solum in theologia, sed etiam in physicis, in logicis, in quibuscumque philosophicis scientiis exquisite doctus".


Von Casmanns zahlreichen Schriften aus den Gebieten der Philosophie, Anthropologie, Astrologie, Ethik, Physik, Logik, Rhetorik und Theologie befinden sich einige auch in Steinfurt (vgl. Schriftenverzeichnis); für den Nachweis und die Einschätzung seiner Werke sei auf die angemerkte Literatur verwiesen.
 

Im lutherischen Stade, wo aber religiöse Toleranz herrschte, engagierte sich der reformierte Protestant Otto Casmann auch in religiöser Hinsicht. 1598 wurde er Mitglied der St.-Antonii-Bruderschaft. Ab 1601 wirkte er als Diakon an der lutherischen St. Wilhadi Kirche und wurde 1603 nach Aufgabe seines Rektorats hauptamtlicher Pastor an St. Marien. 1599 veröffentlichte er die erste seiner Erbauungsschriften, "Christliche Betrachtungen und gründlicher Beweis der Liebe Gottes in Christo Jesu" (Frankfurt 1599), der weitere folgten; sie wurden in mehrere Sprachen übersetzt.
 

Wohl infolge Überarbeitung starb Otto Casmann im Alter von etwa 45 Jahren am 1. Aug. 1607 in Stade. Er hinterließ seine Frau, eine gebürtige Steinfurterin aus bürgerlichem Haus, mit drei Töchtern.

 

 

Text: Ingeborg Höting

 

Wir können derzeit aus Platzgründen leider nur die Biografien der Professoren des Gymnasium Illustre Arnoldinum zu Burgsteinfurt als Auszug aus dem Buch "Steinfurter Schriften Band 21" von der Autorin Ingeborg Höting, Herausgeber und Verlag: Stadt Steinfurt; Redaktion: Stadtarchiv veröffentlichen. Wer sich intensiver mit der Geschichte der Hohen Schule und seinen Professoren in der Zeit von 1588/91 bis 1811 befassen möchte, sollte sich daher  unbedingt unseren Wichtigen Hinweis ansehen!


 

 

Home     Impressum     Statistik