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22. Oktober 2007
 

Abenteuer Wissen

 
Animation Eingang zum Jesusgrab in der Grabeskirche in Jerusalem.
Animation der Grabeskirche

Abenteue Wissen spezial

Die Aussagen von Experten

Archäologen, Theologen und Mikrobiologen ermitteln zur Grabstätte Jesu

Die Grabeskirche ist die wichtigste Kirche der Christenheit. In ihrem Innern wurde die Grabeskapelle direkt über der Stelle errichtet, an der Jesus bestattet worden sein soll. Das Gelände war zur Zeit Jesu ein Steinbruch und gleichzeitig Hinrichtungsstätte von Jerusalem - Golgatha der Schädelfelsen. James D. Tabor will diese These mit angeblichen Beweise widerlegen. Was ist dran an der Sensation zur neuen Grabstätte Jesu aus der Sicht von Experten?

 
 
 
 

Die Debatte um die richtige Grabstelle Jesu hatte eine Grabhöhle entfacht, die schon 1980 entdeckt wurde. Heute, nach 27 Jahren, sieht der amerikanische Bibelforscher James Tabor darin eine Sensation. James Tabor behauptet, das Familiengrab Jesu in Talpiyot gefunden zu haben und hat damit einen wahren Medienrummel ausgelöst.

 

Geheimnisvoller Knochensarg

Ossuare, in denen man die Gebeine der Toten nach Ablauf eines Jahres bestattete, hat man zu Tausenden in der Umgebung von Jerusalem gefunden. Doch ein ganz bestimmter, geheimnisvoller Knochenkasten wird mit der Familie Jesu in Verbindung gebracht - das Jakobus-Ossuar. Diese Sensation treibt den Preis des Ossuars auf eine Million Dollar.

 
Zweitausend Jahre alter Knochensarg, genannt Ossuarium. Quelle: reuters
reuters
Dieses Ossuar wurde der Öffentlichkeit präsentiert.

Prof. James Tabor, Archäologe und Theologe, Universität von North Carolina: "Was dieses Grab aus dem ersten Jahrhundert so interessant macht: Man hat bisher keines gefunden, in dem man Namen und Umstände analysieren konnte, ein Grab, in dem sich ein Ossuar, ein Knochensarg befand mit der aramäischen Inschrift: "Jakobus, Sohn des Joseph, Bruder des Jesus".

 

Aber einige Details bei den wissenschaftliche Ermittlungen passen nicht in das Bild seriöser Wissenschaft. Im Labor der Universität Oldenburg soll die Inschrift auf dem Jakobus Ossuar untersucht werden. Durch geochemische und mikrobiologische Analysen kann festgestellt werden, ob es eine Fälschung ist oder nicht.

 

"Inschrift und Patina sind echt"

Prof. Wolfgang Krumbein, Geochemiker und Mikrobiologe, Universität Oldenburg: "Der Sarg ist echt, es ist Kalk aus der Gegend von Jerusalem. Im Raster-Elektronen-Mikroskop kann an der unregelmäßigen Beschaffenheit der einzelnen Partikel erkennen, dass es sich hier um ein natürlich gewachsenes Veränderungsbild des Gesteins handelt. Das sind die neu abgelagerten kleinen Kalzium-Partikeln und das Geflecht von Pilzen und Bakterien, welches das ganze Material durchsetzt."

 
Prof. Wolfgang Krumbein, Geochemiker und Mikrobiologe.
Prof. Wolfgang Krumbein

 

Prof. Krumbein kommt zu dem Ergebnis, dass der Knochensarg von Jakobus, dem Bruder Jesu echt ist. Doch dieser Tatbestand sagt nichts über die Herkunft des Ossuars aus. Die Auseinandersetzung geht in die nächste Runde. Nun stellt sich die Frage, ob dieses Ossuar aus der Grabkammer in Talpiyot stammen könnte.

 

Namen und Inschriften

Als das Grab von Talpiyot 1980 entdeckt wurde, hat der Archäologe Dr. Shimon Gibson einen Grundriss des Kammergrabes gefertigt: "Innerhalb der Grabanlage gab es Grabstollen, die von der Hauptkammer abgehen. In diesen lagen zehn Ossuare, Knochensärge mit menschlichen Knochen. Sechs Ossuare waren beschriftet. Und diese sechs Inschriften lauten: Jesus, Sohn von Joseph, Maria, Matthäus, Jose, Juda, Sohn von Jesus, Mariamne Mara."

 
Zeichnung der Grabstollen und Anordnung der Ossuare im Felsengrab

 

James Tabor findet in der Kombination und Häufigkeit der Namen auf den Ossuaren von Talpiyot einen Beweis für seine außergewöhnliche Behauptung. Tabor: "Ein 'Jesus, Sohn von Joseph' ist schon sehr selten. Aber dazu die Inschrift auf dem Jakobus Ossuar 'Jakobus, Sohn von Joseph, Bruder von diesem Jesus', dann 'Jose', 'Maria', eine zweite 'Maria', das ist schon eine Namensgruppe von hohem statistischen Wert."

Dr. Shimon Gibson, Archäologe.
Dr. Shimon Gibson, Archäologe

Doch auch dieser angebliche Beweis lässt sich wissenschaftlich nicht untermauern. Prof. Gunnar Lehmann, Archäologe und Theologe an der Ben Gurion Universität, Israel: "Das sind keine ausreichenden Fakten, denn die Namen sind einfach Allerweltsnamen, Jesus, Joseph, die kommen so häufig vor, dass Sie allein aufgrund der Namen diese Schlussfolgerung nicht ziehen können."

Lagerhalle für Ossuare in der Antikenbehörde in Jerusalem.
Lagerhalle in der Antikenbehörde Jerusalems

Ossuare aus Talpiyot

Im Lagerhaus der Antikenbehörde lagern nur neun Ossuarien aus dem Talpiyot Grab von 1980. Prof. Amos Kloner, Ausgräber des Talpiyot Grabes, Jerusalem: "Da wird das berühmte Jakobus-Ossuar mit dem fehlenden zehnten aus Talpiyot in Verbindung gebracht. Aber das ist keineswegs verloren gegangen. Das wurde nur beiseite gelegt, weil es nicht bemalt oder dekoriert war. Das war der Grund, warum man es nicht bei den anderen neun aus Talpiyot lagerte."

 

Kann sich der verantwortliche Ausgräber erklären, warum das fehlende Ossuar so ein Aufsehen erregt? Prof. Amos Kloner: "Diesen Leuten geht es ums Geld. Das ist keine Frage von Wahrheit, keine Frage von Geschichte, keine Frage von Religion. Und ich werfe ihnen vor: sie verdrehen die Fakten wegen ihrer Story."

 

Prof. Jürgen Zangenberg: "Neun Ossuare sind erhalten. Ein zehntes wird oft mit dem Jakobus Ossuar gleichgesetzt. Das halte ich aber für ausgeschlossen. Im einzig uns verfügbaren Katalog von Ossuaren, ist ein zehntes erwähnt, das aber bei Auffindung zerbrochen war. Ich sehe überhaupt keinen Zusammenhang zwischen dem Jakobus Ossuar und dem Grab von Talpiyot. Das ist ungefähr so, als würden Sie ein Fragezeichen mit einem anderen beantworten."

Prof. Dan Bahat, Archäologe vor der Grabeskirche in Jerusalem.
Prof. Dan Bahat vor der Grabeskirche in Jerusalem

Aussagen der Bibel

Jesus fand am Felsen Golgatha, der Hinrichtungsstätte, den Tod. So berichtet die Bibel. Ein Kaufmann, Joseph von Arimathäa, bat um Herausgabe des Leichnams. Nicht weit von der Rotunde in der Grabeskirche befindet sich - das der Tradition nach verehrte - Grab des Joseph von Arimathäa. Der Bibel nach hat das Grab nahe der Hinrichtungsstätte gelegen.

Prof. Dan Bahat, Archäologe an der Bar Ilan Universität, Tel Aviv: "Auf dem Gelände der Grabeskirche wurden sechs Gräber aus der Jesuszeit gefunden. Sechs Gräber aus dem ersten Jahrhundert. Das bedeutet, dieser Ort hier lag außerhalb der Stadt, mit Sicherheit, und ist der mögliche Ort für das Jesusgrab. Prof. Jürgen Zangenberg: "Es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass Jesus in dem Grab des Joseph von Arimathäa lediglich nur eine Zwischenstation eingenommen hat und dass er dann woanders noch mal nachbestattet worden sei. Diese Hypothese ist allein aufgrund der Annahme plausibel, dass das Grab von Talpiyot das Grab der Familie Jesus ist."