Zum Thema

Sinti und Roma - eine Minderheit in Deutschland / Unterrichtseinheit für Schülerinnen ab der 9. Klasse/Die Schulsituation von Sinti und Roma in Europa/Die Schulsituation ethnischer Minderheiten: Das Beispiel der Sinti und Roma Die schulische Betreuung ethnischer Minderheiten Die Schulsituation von Sinti und Roma in Europa Botschaft von Papst Johannes Paul II. zum 89. Welttag der  Migranten und Flüchtlinge (2003)  Papstwort zum Internationelen Weltkongress über Zigeunerseelsorge  Bausteine: Sinti und Roma "Zwischen Romantisierung und Rassismus"   Sinti und Roma 600 Jahre in Deutschland  Sinti und Roma I  Sinti und Roma II  Zur Situation der Sinti und Roma in Berlin  Die Volksgruppe der deutschen Sinti und Roma  Minderheitenschutzabkommen  Sprachbezeichnungen für Romani-Gruppen  SINTI UND ROMA Eine Studie der evangelischen Kirche  Informationen über Jenische  

Sinti und Roma - eine Minderheit in Deutschland

Unterrichtseinheit für SchülerInnen ab der 9. Klasse

Finanziell wurde die vorliegende Unterrichtseinheit unterstützt: 
Erzbistum Köln, Bistum Osnabrück, Diözese Rottenburg-Stuttgart, 
Evangelisch-Lutherische Kirche in Oldenburg

Inhaltsverzeichnis:
Vorwort
Phase 1: Grundinformationen zum Thema "Minderheiten und Randgruppen"
Phase 2: Basisinformationen über Sinti und Roma
Phase 3: Das Leiden der Sinti und Roma im Nationalsozialismus
Phase 4: "Wiedergutmachung"
Phase 5: Die Bürgerrechtsbewegung der Sinti und Roma in der Bundesrepublik
Phase 5B: Minderheitenschutz für Sinti und Roma in Deutschland
Phase 6: Roma aus Osteuropa
Phase 7: Vorurteile und Klischeevorstellungen
Phase 8: Handlungsperspektiven
Literatur und Medien

Die Unterrichtseinheit ist zum Preis von 10,00 Euro zuzüglich Versandkosten bei der Gesellschaft für bedrohte Völker (Tel.: 0551-499 06-11) erhältlich

Gesellschaft für bedrohte Völker, Postfach 2024, D-37010 Göttingen
NGO mit beratendem Status beim Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen,
Tel.: 0551-499 06-0, Fax 0551-58 0 28,

E-Mail: info@gfbv.de, Homepage: http://www.gfbv.de

Spendenkonto: Konto Nr. 1909, Sparkasse Göttingen, BLZ 260 500 01

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Sabine Hornberger

Die Schulsituation von Sinti und Roma in Europa
Sinti und Roma stellen in Europa seit mehr als 600 Jahren eine bedeutende autchthone, kulturell distinkte
Bevölkerungsgruppe dar, der allerdings bisher weder von sozial- noch von erziehungswissenschaftlicher Seite die ihr gebührende Aufmerksamkeit geschenkt wurde

Dies überrascht um so mehr, als die Beschäftigung mit dieser ethnischen Minorität die Möglichkeit eröffnet,
die Lebensbedingungen ein- und derselben kulturellen Gruppe in Verschiedenen nationalstaatlichen Kotexen in international- und historisch-vergleichender Perspektive zu untersuchen.

Die im vorliegenden Buch versammelten europäischen Länderbeispiele dokumentieren die  Schulsituation
von Sinti und Roma im Überblick, greifen zentrale Problemstellungen auf und stellen innovative, von der Europäischen Union geförderte Ansätze im Schulbereich vor.

IKO - Verlag für Interkulturelle Kommunikation

ISBN 3-88939-515-5

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Die schulische Betreuung ethnischer Minderheiten: Das Beispiel der Sinti und Roma

Centre de recherches tsiganes
und
Edition Parabolis
Schliemannstr. 23
D-10437 Berlin

ISBN: 3-88402-200-8

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BOTSCHAFT VON PAPST JOHANNES PAUL II.
ZUM 89. WELTTAG DER 
MIGRANTEN UND FLÜCHTLINGE (2003)

Für einen Einsatz zur Überwindung jeder Art von Rassismus, Fremdenfeindlichkeit
und übertriebenem Nationalismus

 

1. In der heutigen Welt ist Migration zu einem weitverbreiteten Phänomen geworden, das alle Nationen entweder als Herkunfts-, Durchgangs- oder Aufnahmeland berührt. Es betrifft Millionen von Menschen und stellt eine Herausforderung dar, der sich die pilgernde Kirche im Dienst an der gesamten menschlichen Familie stellen und der sie im evangeliumsgemäßen Geist umfassender Nächstenliebe begegnen muss. Auch der diesjährige Welttag der Migranten und Flüchtlinge soll eine Gelegenheit des besonderen Gebets in den Anliegen all jener sein, die aus verschiedensten Gründen von ihrer Heimat und ihrer Familie entfernt leben; es soll ein Tag des ernsthaften Nachdenkens über die Verpflichtungen der Katholiken gegenüber diesen Brüdern und Schwestern sein.

Ganz besonders betroffen sind die verwundbarsten unter den Fremden: Migranten ohne Dokumente, Flüchtlinge, Asylsuchende, die Vertriebenen der in vielen Teilen der Welt anhaltenden blutigen Konflikte, und die Opfer – vor allem Frauen und Kinder – des verbrecherischen Menschenhandels. Auch in jüngster Vergangenheit wurden wir zu Zeugen tragischer Deportationen aufgrund ethnischer und nationalistischer Ansprüche, die unbeschreibliches Leid in das Leben der betroffenen Gruppen gebracht haben. Ursache dieser Situationen sind jene sündhaften Absichten und Handlungen, die im Widerspruch zum Evangelium stehen und die Christen weltweit auffordern, das Böse durch das Gute zu überwinden.

2. Entscheidend für die Zugehörigkeit zur katholischen Gemeinschaft ist nicht die Nationalität oder die gesellschaftliche oder ethnische Abstammung, sondern vor allem der Glaube an Jesus Christus und die Taufe im Namen der Allerheiligsten Dreifaltigkeit. Die »kosmopolitische« Natur des Volkes Gottes ist heute in praktisch jeder Teilkirche sichtbar, denn durch die Migration haben sich selbst kleine und ehemals isolierte Gemeinden in pluralistische und interkulturelle Realitäten verwandelt. Orte, an denen bislang nur selten Fremde zu sehen waren, sind nun die Heimat von Menschen aus den verschiedensten Teilen der Welt. Beispielsweise wird bei der sonntäglichen Eucharistiefeier die Frohe Botschaft mehr und mehr in zuvor nie gehörten Sprachen verkündet, was der Aufforderung des alten Psalms neue Ausdruckskraft verleiht: »Alle Nationen, preiset den Herrn, all ihr Völker, verherrlicht ihn.« (Ps 116,1) Diese Gemeinschaften haben daher neue Möglichkeiten, die Erfahrung der Katholizität zu leben, jenes Kennzeichen der Kirche, das die ihr eigene Offenheit für alles zum Ausdruck bringt, was der Geist in jedem Volk bewirkt.

Die Kirche ist der Überzeugung, dass das Eingrenzen der Mitglieder einer Ortsgemeinschaft aufgrund ethnischer oder anderer äußerer Eigenschaften eine Verarmung für alle Beteiligten bedeuten und dem fundamentalen Recht der Getauften widersprechen würde, Gott anzubeten und am Leben der Gemeinschaft teilzunehmen. Ferner werden Zuwanderer, die sich in einer bestimmten Pfarrgemeinde unerwünscht fühlen, weil sie die örtliche Sprache nicht beherrschen oder den lokalen Traditionen nicht folgen, leicht zu »verlorenen Schafen«. Der auch durch latente Diskriminierung verursachte Verlust dieser »Kleinen« sollte sowohl für die Hirten als auch für die Gläubigen Anlaß zu tiefer Sorge sein.

3. Das führt uns zurück zu einem Thema, das ich oft in meinen Botschaften zum Welttag für die Migranten und Flüchtlinge angeschnitten habe, nämlich die christliche Pflicht, jeden Bedürftigen aufzunehmen, der an unsere Tür klopft. Diese Offenheit bewirkt den Aufbau kraftvoller, lebendiger christlicher Gemeinschaften, die vom Geist bereichert werden mit jenen Gaben, die die neuen Jünger anderer Kulturen ihnen schenken. Dieser grundlegende Ausdruck evangeliumsgemäßer Liebe ist es, der auch unzählige Solidaritätsprogramme für Migranten und Flüchtlinge in allen Teilen der Welt beseelt. Um die Tragweite dieses kirchlichen Erbes des konkreten Dienstes an Immigranten und Vertriebenen zu erfassen, brauchen wir bloß an die Errungenschaften und das Vermächtnis von Persönlichkeiten wie die hl. Francesca Saverio Cabrini oder Bischof Johann Baptist Scalabrini zu erinnern, oder in unseren Tagen an die weitreichende Tätigkeit der katholischen Hilfsorganisation »Caritas« und der Internationalen Katholischen Kommission für Wanderungsfragen.

Solidarisch handeln ist oft nicht leicht. Es erfordert Übung und die Abkehr von einer Haltung der Verschlossenheit, die in vielen heutigen Gesellschaften noch subtiler und durchdringender geworden ist. Um diesem Phänomen zu begegnen, verfügt die Kirche über umfassende Erziehungs- und Bildungsmöglichkeiten auf allen Ebenen. Daher rufe ich die Eltern und Lehrer auf, durch die Verbreitung positiver in der katholischen Soziallehre gründender Einstellungen gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit vorzugehen.

4. Stets tiefer in Christus verwurzelt, müssen die Christen alle Tendenzen überwinden, sich in sich selbst zu verschließen und sie müssen lernen, Menschen anderer Kulturen als Geschöpfe Gottes zu betrachten. Allein die wahre im Evangelium wurzelnde Liebe ist stark genug, den Gemeinschaften zu helfen, bloße Toleranz anderen gegenüber in wahre Achtung ihrer Unterschiede zu verwandeln. Nur die erlösende Gnade Christi kann uns siegreich machen in der täglichen Herausforderung, Egoismus durch Altruismus, Furcht durch Offenheit, Ablehnung durch Solidarität zu ersetzen.

Während ich die Katholiken auffordere, sich gegenüber den unter ihnen lebenden Fremden durch den Geist der Solidarität auszuzeichnen, bestärke ich die Immigranten in ihrer Pflicht, die sie aufnehmenden Länder wertzuschätzen und die Gesetze, Kulturen und Traditionen der Menschen, die sie freundlich empfangen haben, zu achten. Nur so wird sich soziale Harmonie durchsetzen können.

Der Weg zu wahrer Anerkennung der Immigranten in ihrer kulturellen Verschiedenheit ist in der Tat beschwerlich, in einigen Fällen ist es ein wahrer Kreuzweg. Das darf uns jedoch nicht davon abhalten, den Willen Gottes zu erfüllen, der durch das Werkzeug seiner Kirche, ja gleichsam das Sakrament der Einheit der ganzen Menschheit, alle Völker mit sich in Christus vereinen will (vgl. Lumen gentium, 1).

Zuweilen braucht dieser Weg ein prophetisches Wort, das auf Falsches aufmerksam macht und Richtiges unterstützt. Wenn es zu Spannungen kommt, dann hängt die Glaubwürdigkeit der Kirche und ihrer Lehre über die grundlegende Achtung jeder Person von der moralischen Beherztheit der Hirten und Gläubigen ab, »alles auf die Liebe zu setzen« (vgl. Novo millennio ineunte, 47).

5.Es braucht wohl kaum betont zu werden, daß kulturell gemischte Gemeinschaften einzigartige Möglichkeiten bieten, das Geschenk der Einheit mit anderen christlichen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften zu vertiefen. Viele von ihnen haben sich innerhalb ihrer eigenen Gemeinschaften und zusammen mit der katholischen Kirche tatkräftig darum bemüht, Gesellschaften aufzubauen, in denen die Kulturen der Migranten und ihre besonderen Gaben aufrichtig geschätzt werden, und in denen Anzeichen von Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und übersteigertem Nationalismus auf prophetische Weise entgegengewirkt wird.

Die Gottesmutter Maria, die auch abgewiesen wurde in jener Stunde, als sie ihren Sohn zur Welt brachte, möge der Kirche helfen, Zeichen und Werkzeug der Einheit einer einzigen Familie der Kulturen und Nationen zu sein. Ihr Beistand möge uns ermöglichen, in unserem Leben die Menschwerdung und die immerwährende Gegenwart Christi zu bezeugen, der durch uns sein Werk der Erlösung von allen Formen der Diskriminierung, Zurückweisung und Ausgrenzung in der Geschichte und in der Welt fortsetzt. Gottes reicher Segen möge mit all jenen sein, die die Fremden im Namen Christi herzlich aufnehmen.

Aus dem Vatikan, am 24. Oktober 2002

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Papstwort zum Internationelen Weltkongress über Zigeunerseelsorge

Anläßlich des IV. Internationalen Weltkongresses über Zigeunerseelsorge in Rom

DIE ANSPRACHE DES HEILIGEN

VATERS JOHANNES PAUL II

Liebe Brüder und Schwestern.

1. Willkommen, Ihr Vertreter der Sinti und Roma und Ihr Seelsorger, die Ihr Euch so selbstlos in den Dienst dieser Völker stellt! Der Papst freut sich, Euch anläßlich Eures 4. Internationalen Kongresses empfangen zu können, der vom Päpstlichen Rat der Seelsorge für die Migranten und Menschen unterwegs zweckmäßig organisiert worden ist und zum Thema hat: "Sinti und Roma heute: zwischen Geschichte und neuen pastoralen Erfordernissen".
Ihr seid aus Ost- und Westeuropa sowie aus anderen Teilen der Welt gekommen, um Euer christliches Engagement durch Gebet, Nachdenken über die Herausforderungen, die sich dem Glauben heute stellen, Austausch von Erfahrungen und Bemühen um eine stets wachsende Solidarität und Öffnung gegenüber den Brüdern zu stärken. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt der Geschichte seid Ihr auf der Suche nach neuen Formen der Beteiligung von Sinti und Roma am gesellschaftlichen Leben und nach neuen Ausdrucksformen ihrer Religiosität.
Ihr seid nicht mit leeren Händen gekommen! Im Namen der Sinti- und Roma-Völker erneuert Ihr die Bereitschaft, einen spezifischen Beitrag für das Zusammenleben und den Aufbau einer gerechteren und harmonischeren Gesellschaft zu leisten und dabei jene Werte zu betonen, die die Kultur dieser Völker kennzeichnen, wie zum Beispiel die Achtung für die Alten und für die Familie, Liebe zur Freiheit, der rechte Stolz auf die eigenen Traditionen und eine großherzige Unterstützung des Friedens.
Ferner verleiht Ihr erneut dem Willen der Sinti und Roma Ausdruck, aktiv an der Lösung der komplexen Probleme mitzuarbeiten, von denen deren Leben in verschiedenen Teilen der Welt immer noch betroffen ist: Diskriminierung und Rassismus, Mangel an Unterkünften und Stellplätzen, Verweigerung der Aufnahme, unzureichende Ausbildung und Ausgrenzung. Zugleich erkennt Ihr an, dass Sinti und Roma, seien sie sesshaft oder wandernd, nicht umhin können, sich zur Zusammenarbeit mit der Bevölkerung, unter der sie sich befinden, verpflichtet zu fühlen durch die Anerkennung ihrer positiven Wesenszüge, die Annahme ihrer Gesetze und das Angebot des eigenen Beitrags für die notwendige gegenseitige Kenntnis und die gemeinsame Suche nach einem fruchtbaren Zusammenleben.

2. In der Kirche, dem zum Vater Pilgernden Gottesvolk, wie das Zweite Vatikanische Konzil erklärt, darf sich keine Volks- und Sprachgruppe ausgegrenzt fühlen: Alle sollen in ihr Aufnahme und volle Anerkennung finden. Mein verehrter Vorgänger Paul VI. sagte vor dreißig Jahren beim Treffen mit der ersten Sinti- und Roma-Wallfahrt: "Ihr seid im Herzen der Kirche' (Insegmenti III [1965], s. 492). Heute möchte ich mir diese Worte zu eigen machen in der Hoffnung, dass die Kirche, deren Wirken heute auch im Osten Europas reorganisiert wird, sich weiterhin aktiv um die Sinti und Roma bemüht durch selbstlose Seelsorger sowie Initiativen, die die Liebe Jesu, des guten Hirten, zu den Kleinen und Schwachen in der Alltäglichkeit des Lebens bezeugen.

3. Die Evangelisierung der Sinti und Roma darf die Erinnerung an ihre Geschichte nicht aus den Augen verlieren, die oft von tragischen Leiden und schweren Feindseligkeiten gezeichnet war. In meiner jüngsten Botschaft anlässlich des 50. Jahrestages des Endes des Zweiten Weltkrieges in Europa habe ich darum gebeten, die Erinnerung an die Ereignisse, die während jener schrecklichen Jahre stattgefunden haben, wach zu halten, denn "die Erinnerungen dürfen mit den Jahren nicht verblassen; vielmehr sollen sie unserer und den kommenden Generationen eine ernste Lehre sein". Ich wollte daran erinnern, dass in den Vernichtungslagern der Nazis "Millionen von Juden und Hunderttausende von Sinti und Roma und andere Menschen unter dramatischen Umständen den Tod gefunden haben, Menschen, deren einzige Schuld darin bestand, eine andere Volkszugehörigkeit zu haben" (ebd.). Wenn man das, was sich in der Vergangenheit zugetragen hat, vergisst, kann man damit die Türe zu neuen Formen der Ablehnung und der Aggressivität öffnen.
Gleichgültigkeit kann auch heute wieder töten. Wie sollte man daher in diesem Zusammenhang nicht die neuerlichen Gewaltaktionen anprangern, die Sinti oder Roma zum Ziel hatten und besonders gegen wehrlose Personen wie Kinder gerichtet waren? Vorfälle dieser Art dürfen nicht unbeachtet bleiben. Träger der öffentlichen Verwaltung, kirchliche Gemeinschaften, Freiwilligendienste und Mitarbeiter der Medien sollen sich einträchtig dafür einsetzen, dass solche verwerflichen Vorfälle verhütet werden und sich in der Gesellschaft ein Klima der Toleranz und echter Solidarität festigt.

4. Empfänglich und aufgeschlossen für die Welt der Sinti und Roma, erinnert die Kirche daran, dass die Berufung zur Heiligkeit universal ist. Das Zeugnis von Ceferino Jiménez Malla, ein Roma und heldenhafter Christ bis zur Hingabe des eigenen Lebens, ist dafür ein leuchtendes Beispiel. In der heutigen Zeit gehen Sinti und Roma durch eine Periode tiefgreifender Umstellung ihrer Traditionen hindurch und müssen daher gegen die Gefahr eines Zerfalls ihres Gemeinschaftslebens ankämpfen. Es ist wichtig, dass der christliche Glaube kraftvoll und fest von neuem angeboten wird. Es braucht eine Neuevangelisierung, die sich jedem Mitglied als einem geliebten Teil des wandernden Gottesvolkes zuwendet, um ihm zu helfen, die zweifache Versuchung zu überwinden, sich in sich selbst zu verschließen und Zuflucht bei den Sekten zu suchen oder aber das eigene religiöse Erbe in einem Materialismus zu verlieren, der jeden Bezug auf das Göttliche erstickt.
Wie tief die Liebe der Kirche zu den Sinti und Roma ist, bezeugt in ihrer mannigfachen Vielfalt die pastorale Aktion, die von apostolisch engagierten Sinti- und Roma-Gruppen, von den Schulen des Glaubens und den Schulen des Wortes, von den nationalen und diözesanen Dienststellen, von den Kaplaneien für Sinti und Roma und schließlich vom Päpstlichen Rat der Seelsorge für die Migranten und Menschen unterwegs vorangebracht wird. Allen Anwesenden möchte ich meinen lebhaften Dank für diese unentbehrliche Sendung aussprechen, jeden möchte ich ermutigen, mit stets wachsendem Eifer auf diesem Weg voranzuschreiten.
Liebe Sinti und Roma, liebe Seelsorger, haltet Euren Blick immer fest auf Christus, den Erlöser, und auf Maria, seine und unsere Mutter, gerichtet! Auch der Herr war während seines Erdendaseins gezwungen, sich von Ort zu Ort zu begeben. Er, der von sich selbst sagte, dass er keinen Ort habe, wo er sein Haupt hinlegen könne (vgl. Lk 9,58), leite Euch und bringe alle Eure apostolischen Anstrengungen zur Vollendung.

Und Maria, die ihr als "Amari Develeskeridaj" - Unsere Muttergottes - anruft, sei allezeit der Leitstern Eures Weges. Euch begleite auch mein Segen, den ich von Herzen Euch allen hier Anwesenden, euren wandernden Gemeinschaften und allen Angehörigen eures Volkes erteile.

Atti del IV Convegno lnternazionale della Pastorale per gli Zingari

JOHN PAUL II TO THE PARTICIPANTS OF THE IV INTERNATIONAL MEETING ON THE PASTORAL CARE OF TRAVELLING PEOPLE

Dear Brothers and Sisters.

1. Welcome, representatives of the Gypsy people and pastoral workers who generously devote yourselves to serving them! The Pope is pleased to greet you on the occasion of your IV International Meeting, appropriately organized by the Pontifical Council for the Pastoral Care of Migrants and itinerant People on the theme: "Gypsies Today: From Their History to New Pastoral Demands".
You have come from Eastern and Western Europe and from other parts of the world to reinvigorate your Christian commitment through prayer, reflection on the challenges to the faith today, the exchange of experiences and the search for increased solidarity and openness to your brothers and sisters. At this historical moment you are seeking new forms of participation in social life for the Gypsy people and new expressions of their religious sense.
You have not corne empty-handed! On behalf of the Gypsy people you renew your readiness to make a specific contribution to coexistence and the building of a more just and harmonious society, stressing those values which distinguish this people's culture, such as respect for the elderly and for the family, love of freedom, a just pride in their own traditions and generous support of peace.
Likewise, you are giving a new expression to the Gypsy people's willingness to co-operate actively in the solution of the complex problems that still affect their life in various parts of the world: discrimination and racism, the lack of housing and properly equipped caravan sites, non-acceptance, inadequate education and marginalization. At the same time, you recognize that Gypsies, whether they lead a settled or a nomadic life, cannot but feel committed to cooperation with the peoples arnong whom they find themselves, appreciating their qualities, accepting their laws and making their own contribution to the necessary mutual awareness and the common quest for fruitful co-existence.'

2. In the Church, the People of God on their way to the Father, as the Second Vatican Council recalls (cfr. Lumen Gentium, n. 9), no ethnic or linguistic group must feel a stranger: all must be accepted and fully appreciated by her. When my venerable predecessor, Paul VI, met the first Gypsy pilgrimage 30 years ago, he had this to say: "You are in the heart of the Church" (Insegnamenti III, [1965], p. 492).
Today I would like to make those words my own, hoping that the Church, whose activity is also being reorganized in Eastern Europe, may continue to be actively involved with the Gypsies through generous pastoralworkers and projects that witness in daily life to the love of Jesus, the Good Shepherd, for the lowly and the weak.

3. The evangelization of the Gypsy people must not overlook their history, often marked by tragic suffering and serious hostility. In my recent Message an the Fiftieth Anniversary of the End of the Second World War in Europe I asked that the memory of what happened during those terrible years be kept alive: "The memories of the War must not grow dim, rather, they ought to become a stern lesson for our Generation and for generations yet to come" (L'Osservatore Romano En.glish edition, 17 May 1995, p. 1). In the Nazi extermination camps as I recalled, "millions of Jews ana hundreds of thousands of Gypsies and other human beings met their death in atrocious conditions; their only fault was that they belonged to another people" (ibid.). To forget what happened in the past can open the way to new forms of rejection and Aggression.
Indifference could lead to killing today too. In this context, then, how can we fail to condemn the recent acts of violence of which Gypsies and especially the defenceless, such as children, were the object? Episodes of the kind cannot pass unnoticed.
Public administrators, ecclesial communities, volunteer workers, those who work in the media, must unanimously commit themselves to preventing these shameful episodes and to strengthening a social climate of tolerance and true solidarity.

4. Sensitive and attentive to the Gypsy world, the Church recalls that the vocation to holiness is universal. The witness of Ceferino Jimenez Malla, a Gypsy and a Christian, who was heroic to the point of giving his fife, is a shining exainple. In o ur time, the Gypsy people are going through a period of radical readaptation Of their traditions and thus find themselves face to face with the danger of the disintegration of their community's very life. lt is important that the Christian faith be firmly and vigorously represented. A new evangelization is necessary, addressed to each member as well as to a beloved portion of the pilgrim People of God, to help them overcome the double temptation of withdrawing into themselves, seeking a way out with the sects, or losing their own religious heritage in a materialism that stifles every appeal to the divine.
The many forms of pastoral activity carried out by groups of Gypsies who have an apostolic commitment by the Schools of Faith and the Schools of the Word, by the national and diocesan services, by the chaplaincies for Gypsies and finally, by the Pontifical Council for the Pastoral Care of Migrants and Itinerant People, shows how deeply the Church loves the Gypsy people. I would like to express to them all my sincere gratitude for this indispensable mission, encouraging each one to continue on this path with ever greater enthusiasm.
Dear Gypsies and pastoral workers, always keep your gaze fixed on Jesus the Redeemer, and Mary, his and our Mother! Even the Lord in bis earthly life was obliged to move from one place to another. May he, who said of himself that he had nowhere to lay bis head (cf. Lk 9:58), guide you and bring to fulfillment every apostolic task.

May Mary, invoked by you as "AMARI DEVELESKERIDAJ" - "Out Mother of God" - always be the Star on your way. May my Blessing, which I affectionately impart to all of you present here, to your nomadic communities and to all the members of your peoples, go with you.

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Bausteine: Sinti und Roma
Zwischen Romantisierung und Rassismus"
Sinti und Roma 600 Jahre in Deutschland

"Zwischen Romantisierung und Rassismus"
Sinti und Roma 600 Jahre in Deutschland
als Bausteine ausgearbeitet

Hrsg: LpB, 1998

INHALT

Vorwort

Jacqueline Giere
Einleitung

Michail Krausnick
Null problemo

Werner Heil
Streiflichter zur Kultur der Sinti und Roma

Reinhold Lagrene
Die Geschichte von Chinto Mari

Michail Krausnick
Der Völkermord der unterschlagen wurde
oder: Der Bericht des Hermann W.

Daniel Strauß
„da muß man wahrhaft alle Humanität ausschalten..."
Zur Nachkriegsgeschichte der Sinti und Roma in Deutschland

Wolfgang Wippermann
Antiziganismus - Entstehung und Entwicklung der wichtigsten Vorurteile

Franz Hamburger
Antiziganismus in den Medien von heute

Wilhelm Solms
Zigeunerbilder deutscher Dichter

Egon Schweiger
Zur Darstellung und Wahrnehmung der Geschichte und Gegenwart der Sinti und Roma in den Schulbüchern

Katrin Reemtsma
Exotismus und Homogenisierung - Verdinglichung und Ausbeutung

Aspekte ethnologischer Betrachtungen der „Zigeuner" in Deutschland nach 1945

Materialhinweise

Die Autoren

 

Herausgegeben
von der Landeszentrale
für politische Bildung

Baden-Württemberg

Stuttgart,  1998

Redaktion:
Karl-Ulrich Templ

Mitarbeiter:
Jacqueline Giere
Werner Heil
Reinhold Lagrene
Egon Schweigerer
Daniel Strauß

Die abgedruckten Beiträge stellen keine Meinungsäußerung des Herausgebers dar. Sie dienen lediglich der Unterrichtung und Meinungsbildung.

Web: http://www.lpb.bwue.de/publikat/sinti/sinti.htm

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Sinti und Roma (Zigeuner) (I)

1. Das Ursprungsland der Zigeuner ist Nordostindien. Gezwungen durch Kriege, wirtschaftliche Krisen, Hunger und Elend verließen sie um das Jahr 900 n.Chr. ihre Heimat und gelangten in mehreren Wanderungswellen und -gruppen immer weiter nach Westen. Eine große Gruppe zog über Rußland bis nach Skandinavien, eine andere über die Türkei in den Balkan und bis nach Westeuropa, eine dritte Gruppe über Palästina und Ägypten nach Spanien. Sie nahmen dabei Sprachelemente und Religionen ihrer jeweiligen Gastvölker an. Daher stammen auch die sehr unterschiedlichen Bezeichnungen für dieses Volk. So nennen sie sich in Deutschland Sinti, in Rumänien vor allem Roma, in Frankreich Gitanes, in England Gypsies ("Ägypter"). Besonders die deutschen Sinti (nicht jedoch die Roma) wehren sich gegen die Bezeichnung "Zigeuner", weil diesem Begriff die diskriminierende und falsche Ableitung von "ziehende Gauner" anhaftet. Der Begriff Zigeuner hat sich aber aus dem Byzantinischen "atsiganoi" entwickelt und bedeutet "Unberührbare", möglicherweise eine Erinnerung an ihren kastenlosen Status in der indischen Heimat.

2. Die Geschichte der Sinti und Roma ist eine Geschichte der Verfolgung, Vertreibung und Diskriminierung. Wo immer Zigeuner in Europa auftauchten, begegnete man dem fremden Volk mit Abneigung, Misstrauen, Hass und Ausgrenzung. Zweifellos unterschieden sie sich schon damals deutlich von der einheimischen Bevölkerung. Sie hatten meist keine festen Wohnsitze, sondern zogen wie Nomaden von Ort zu Ort. Da sie kein Zunft-Gewerbe ausüben durften, widmeten sie sich dem Handel mit Pferden, arbeiteten als Kesselflicker, spielten Musik auf Hochzeiten und betätigten sich als Hellseher und Bärenführer. Sie durften keinen Landbau betreiben und mussten daher in schlechten Zeiten durch Nahrungsdiebstähle ihr Überleben sichern.

3. Wie die Juden wurden die Zigeuner überall in die Rolle der Sündenböcke gedrängt. Ihnen wurde vorgeworfen, Kinder zu entführen, zu schlachten und zu verspeisen. Sie wurden verantwortlich gemacht für Feuer, Epidemien und Mäuseplagen. War ein Gegenstand verschwunden, gab die Kuh keine Milch mehr oder hatte Hagel die Ernte vernichtet, machte man die Zigeuner dafür verantwortlich. Zigeuner seien es gewesen, welche die Nägel zur Kreuzigung Christi gehämmert hätten. Im 16. Jahrhundert vermutete man in ihnen Spione des türkischen Heeres, das damals Europa bedrohte. Diese Beschuldigung entbehrte jeder Grundlage, da die Zigeuner gerade vor den Türken hatten fliehen müssen. Einige Jahrzehnte später galten sie im protestantischen England als Spione des Vatikans. Als "schwarzer Mann" mussten Zigeuner generationenlang als Kinderschreck herhalten.

4. Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Europa einige Versuche, die Sinti und Roma sesshaft zu machen. Das Ziel war, sie zu assimilieren und als Volk verschwinden zu lassen. In Österreich-Ungarn nahm man den Roma-Familien systematisch ihre Kinder weg und untersagte ihnen, ihre Sprache, das Romanes, zu gebrauchen. Wo sie angesiedelt wurden, waren sie Leibeigene ohne Rechte, wurden auf Sklavenmärkten verkauft und zu Zwangsarbeit verdammt.

5. In der Zeit des Nationalsozialismus wurden die Zigeuner als "Träger minderen Erbgutes", als "nutzlose Fremdkörper", als "Gift für deutsche Seelen und deutsche Körper" grausam verfolgt. Im Dezember 1942 ordnete der SS-Chef Heinrich Himmler die "totale Liquidierung" der Zigeuner an. In allen Gebieten Europas, die von den Deutschen während des 2. Weltkrieges besetzt wurden, kam es zu Massentötungen, oft unterstützt durch die einheimischen Bevölkerungen. In den Konzentrationslagern wurden mehr als 200.000, womöglich doppelt so viele Zigeuner ermordet. Die Opfer wurden in speziellen Fahrzeugen vergast, "durch Arbeit vernichtet" oder von Medizinern bis zum Tode bei Kälteversuchen oder bei der Erforschung neuer Sterilisierungs- oder Kastrationsmethoden missbraucht. Nach dem Krieg geriet das Schicksal der Zigeuner für lange Zeit in Vergessenheit. Wiedergutmachung wurde ihnen, im Gegensatz zu den Juden, kaum zuteil.
 

Gerald Gohlke, November 1993

Web: Zigeuner1.html 

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Sinti und Roma (Zigeuner) (II)

1. Während der Bevölkerungsanteil der Zigeuner in den westeuropäischen Ländern sehr gering blieb, wuchs ihre Zahl in Osteuropa auf mehrere Millionen an. Die meisten von ihnen, ca. 2 Millionen, leben in Rumänien. Dort sind sie, wie fast überall, die Bevölkerungsgruppe mit der höchsten Analphabetenquote, der bittersten Armut, der kürzesten Lebenserwartung und der größten Kindersterblichkeit. Sie leben am Rande der Gesellschaft, vom überwiegenden Teil der Bevölkerung verachtet und isoliert. Durch die kommunistische Ordnung waren sie aber zumindest vor offenem Rassismus jahrzehntelang geschützt.

2. Der politische Umsturz im Ostblock setzte schlagartig die uralten Vorurteile gegen die Zigeuner wieder frei. Besonders in Rumänien sehen sich die Roma durch eine Welle von Fremdenhass und Nationalismus bedroht und verfolgt. 1990 und 1991 wurden dort in 24 Dörfern die Roma-Viertel überfallen, ihre Häuser abgebrannt und die Bewohner verprügelt und vertrieben. Die staatlichen Behörden griffen überhaupt nicht oder nur halbherzig ein. Neben solchen Übergriffen sind es Willkür, Schikanen und Beleidigungen, die den Roma das Leben erschweren: sie werden angepöbelt, ihre Kinder werden von der Schule verwiesen, in den Läden werden sie nicht bedient, "weil Zigeuner nicht das Brot der Rumänen essen sollen". Gewalttätige Übergriffe auf Roma beschränken sich keineswegs auf Rumänien. Auch in Bulgarien und Ungarn sind sie an der Tagesordnung.

3. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sich viele Roma bereits auf der Flucht in den Westen befinden. In die Bundesrepublik dürfen sie aber nur einreisen, wenn sie ein Visum besitzen. Dafür ist eine polizeilich beglaubigte Einladung nötig, ferner der Abschluss einer Krankenversicherung und der Nachweis, dass der Betreffende in Rumänien keine Schulden hat. Da nur wenige Roma diese Dokumente vorlegen können, überqueren sie illegal die Grenze. Nur sehr wenige stellen einen Asylantrag; die meisten entziehen sich einer Betreuung durch die Sozialbehörden. Das hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass sie tief durch die permanente Angst vor Gewalt und Vertreibung geprägt sind und großes Misstrauen allen staatlichen Behörden gegenüber entwickelt haben. Die Folge ist, dass sie keine Unterkünfte haben und deshalb in Bahnhöfen und in Einkaufspassagen kampieren müssen. Sie betteln und begehen kleinere, in manchen Fällen auch organisierte Diebstähle um zu überleben. Man schätzt, dass 1991 etwa 15.000 bis 20.000 Roma in die Bundesrepublik gekommen sind und sich hier illegal aufhalten.

4. In der deutschen Bevölkerung stoßen Sinti und Roma zunehmend auf Ablehnung, und alte Vorurteile ihnen gegenüber brechen wieder auf. Umfragen zeigen, dass von allen fremden Volksgruppen die Sinti und Roma auf der Ablehnungsskala die mit Abstand höchsten Werte zu verzeichnen haben. In den Augen der Mehrheit der Deutschen gelten sie als unzuverlässig, als potentielle Diebe und Faulenzer. Es gibt aber auch Zeichen der Solidarität. Kirchengemeinden und Bürgerrechtsorganisationen haben sich in letzter Zeit mehrfach und erfolgreich gegen die Versuche gewandt, ganze Roma-Familien nach Rumänien oder Jugoslawien in ein ungewisses Schicksal abzuschieben.

5. Die ca. 50.000 Sinti, die seit langer Zeit legal in Deutschland leben, haben sich trotz großer Schwierigkeiten mehr oder weniger in unsere Gesellschaft integriert. Sie haben sich - eigentlich erstmals in der Geschichte dieses Volkes - in Kulturorganisationen und Bürgerrechtsbewegungen politisch organisiert, mit dem Ziel, Menschenrechtsverletzungen aufzudecken und darauf aufmerksam zu machen, wie Angehörige ihres Volkes europaweit im täglichen Leben benachteiligt und unterdrückt werden. Sie vertreten auch rechtlich die Interessen ihres Volkes den staatlichen Behörden gegenüber und fordern seit langem eine Wiedergutmachung des in der Nazizeit an ihnen begangenen Unrechts.
 

Gerald Gohlke, November 1993

Web: Zigeuner2.html

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Informationen zu Sinti und Roma
Quelle: Senatsverwaltung für Schule, Jugend und Sport

 Zur Situation von Sinti und Roma in Berlin

Deutschland hat 1997 die Europäische Rahmenkonvention zum Schutz nationaler Minderheiten ratifiziert, durch die erstmals auch traditionell in Deutschland ansässige Sinti und Roma mit deutscher Staatsangehörigkeit als nationale ethnische Minderheit anerkannt werden. Die Bundesregierung ist 1998 der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen beigetreten. In ihrer Anwendung wird auch die von deutschen Sinti und Roma gesprochene Sprache Romanes geschützt und gefördert.
Das Land Berlin hat angesichts der Verfolgungen und des nationalsozialistischen Völkermordes an Sinti und Roma für die Achtung ihrer Lebensweise und Kulturvorstellungen immer eine besondere Verantwortung gezeigt.
Die Koordination der Hilfen für in Berlin ansässige und für auswärtige durchreisende Sinti und Roma mit deutscher Staatsangehörigkeit sowie für die ihnen gleichgestellten Staatsangehörigen aus Mitgliedsstaaten der Europäischen Union liegt in der Zuständigkeit der Senatsverwaltung für Schule, Jugend und Sport. Diese Behörde ist vergleichbar mit einem Berliner Landesministerium.
Seit 1990 wird eine sozialpädagogische Beratungsstelle beim Landesverband Deutscher Sinti und Roma Berlin-Brandenburg finanziert. 1997 erhielt der Verein eine Zuwendung von 122.000,00 DM. Die Mitarbeiter dieser Stelle sind selbst Sinti. Ihre Hauptaufgabe ist soziale Beratung und Betreuung sowie Mithilfe bei der Durchsetzung von Entschädigungsansprüchen für Angehörige dieser nationalen ethnischen Minderheit. Daneben wird mit Informationsveranstaltungen im Rahmen schulischer und außerschulischer Jugend- und Erwachsenenbildung und in öffentlichen Veranstaltungen versucht, durch grundlegende Informationen über Sinti und Roma Unkenntnis und Vorurteile abzubauen. Kulturelle Aktivitäten werden seit 1994 mit rund 20.000,00 DM jährlich unterstützt.
Die große Mehrheit der in Berlin mit festem Wohnsitz ansässigen Sinti und Roma lebt verstreut in den westlichen Bezirken Berlins. Ihre Zahl ist unbekannt. Seit 1995 finanziert und betreibt das Land Berlin einen Wohnwagenplatz für auswärtige durchreisende Sinti- und Roma-Familien. Familien reisegewerbetreibender Sinti und Roma wird in der üblichen Durchreisezeit zwischen Mai/Juni bis Oktober ein Stellplatz für ihre Wohnwagen gegen Entgelt zur Verfügung gestellt. Sie können ihre Kinder in einer benachbarten regulären Schule oder auf dem Wohnwagenplatz unterrichten und betreuen lassen. Eine Sozialpädagogin der Caritas berät die Familien. Die jährlichen Kosten des provisorischen Wohnwagenplatzes für etwa 50 Wohnwagen liegen bei rund 700.000,00 DM.
Sinti und Roma und die zuständige Behörde wünschen insbesondere dauerhafte Stellplätze. Diese Absicht konnte wegen politischen Widerstands und angesichts knapper gewordener Haushaltsmittel noch nicht verwirklicht werden.
Um ausländische Roma, die nicht Bürger eines Mitgliedsstaates der Europäischen Union sind, kümmern sich in sozialen, menschenrechtlichen und integrationspolitischen Angelegenheiten das Büro der Berliner Ausländerbeauftragten sowie andere Dienststellen der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales. Eine dort eingerichtete Arbeitsgruppe "Antidiskriminierung und Gewaltprävention" bezieht auch Sinti und Roma in ihre Aktivitäten ein. Darüber hinaus stehen selbstverständlich die Regelangebote der sozialen Versorgung des Landes Berlin allen Sinti und Roma offen.
Freizügigkeit ist für aufenthalts- und arbeitsrechtlich legal in Deutschland lebende bzw. durchreisende ausländische Sinti und Roma gewährleistet. Davon ausgenommen sind Roma (z. B. aus Rumänien oder dem ehemaligen Jugoslawien), die politisches Asyl begehren. Sie unterliegen wie alle Asylbewerber den räumlichen Beschränkungen des Asylverfahrensgesetzes.
Als Asylbewerber oder Kriegsflüchtlinge in Berlin lebende Roma sind in Wohnheimen untergebracht. Nach Schätzungen gibt es etwa 6.000 Roma unter den Kriegsflüchtlingen aus Bosnien-Herzegowina.
Das Büro der Ausländerbeauftragten koordiniert die freiwillige Rückkehr bosnischer Kriegsflüchtlinge, finanziert zwei Wiederaufbauprojekte für Roma in Bosnien-Herzegowina und eine Rückkehrberatungsstelle. Der Leiter dieser Beratungsstelle ist zugleich Präsident der Internationalen Romani-Union. Ein Mitarbeiter ist im Vorstand der Romani-Union Berlin aktiv.
Der Berliner Rundfunksender "Multi-Kulti" strahlt zweimal monatlich ein 15minütiges Programm in Romanes aus.
Bisher ohne Erfolg waren die Bestrebungen der neugegründeten Romani-Union Berlin, staatliche Gelder zur Förderung ihrer kulturellen, sozialen und bürgerrechtlichen Arbeit zu erhalten, da die finanziellen Möglichkeiten des Landes Berlin angesichts der knappen Kassen inzwischen begrenzt sind. Das Land Berlin sucht jedoch nach Wegen, wie mit Hilfe von Privatinitiativen und der Europäischen Kommission ein Roma-Kulturzentrum in Berlin aufgebaut werden kann.

(Quelle: SenSchulJugSport, Stand: 7/98)

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Die Volksgruppe der deutschen Sinti und Roma

Die Volksgruppe der deutschen Sinti und Roma wird auf etwa 50.000 bis 70.000 Angehörige geschätzt. Die Mehrheit der deutschen Sinti und Roma lebt in den Hauptstädten der alten Bundesländer einschließlich Berlin und Umgebung sowie in den Ballungsgebieten des Raums Hamburg, des Rhein-Ruhr-Gebiets mit dem Zentrum Düsseldorf/Köln, des Rhein-Main- und des Rhein-Neckar-Ballungszentrums. Teilweise leben die deutschen Sinti und Roma auch in größerer Zahl in Regionen räumlich nicht weit voneinander entfernter kleinerer Städte. So gibt es deutsche Sinti und Roma z. B. in Mittel- und Kleinstädten Ostfrieslands, Nordhessens, der Pfalz, Badens und Bayerns.
Die deutschen Sinti und Roma hatten wie die Sinti und Roma insgesamt, während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft unter Verfolgung und Völkermord zu leiden.
Heute sind die deutschen Sinti und Roma weitgehend in die Gesellschaft integriert, jedoch bestehen hier auch noch Defizite. Die Angehörigen der Volksgruppe haben sich zur Vertretung ihrer Interessen in Vereinen und - entsprechend der föderalen Struktur der Bundesrepublik Deutschland - in Landesverbänden organisiert. Neun dieser Landesverbände sind im Zentralrat Deutscher Sinti und Roma zusammengeschlossen, dem auch noch weitere Institutionen wie der Verein Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma und größere Vereine auf lokaler Basis angehören. Ein weiterer Landesverband ist nicht Mitglied des Zentralrats, dem auch einige andere lokale und regionale Büros und Vereine deutscher Sinti und Roma nicht angehören.
Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma ist zusammen mit den Verbänden der dänischen Minderheit, des sorbischen Volkes und der Volksgruppe der Friesen in Deutschland Mitglied der Föderalistischen Union Europäischer Volksgruppen (FUEV), des Dachverbandes der nationalen Minderheiten und traditionellen (autochthonen) Volksgruppen in Europa.
Wegen der großen räumlichen Streuung der Wohnsitze der deutschen Sinti und Roma ist die direkte Mitwirkung der Volksgruppe im politischen Leben schwieriger als bei den geschlossen lebenden nationalen Minderheiten. Dem Zentralrat Deutscher Sinti und Roma ist die Wahl einzelner Sinti in Kommunalparlamente bekannt. Angehörige der Volksgruppe sind - soweit bekannt - nicht als Abgeordnete im Deutschen Bundestag oder in den Landtagen vertreten. Die Verbände der deutschen Sinti und Roma sprechen daher Parlamente und Regierungen, parlamentarische Gremien und Gremien der Parteien sowie einzelne Politiker an, um für ihre Interessen zu werben und politische Unterstützung zu erhalten.
Die Bundesregierung finanziert das Büro des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg, in dem fünf Mitarbeiter hauptamtlich tätig sind. Außerdem erhalten Landesverbände in acht Ländern Landesförderung, die ihnen überwiegend auch die Finanzierung hauptamtlicher Mitarbeiter ermöglicht. Damit ist durch staatliche Mittel die Infrastruktur gesichert, um die Interessen der Volksgruppe in der Öffentlichkeit vertreten zu können und am öffentlichen Leben teilzunehmen. Der Zentralrat und die Landesverbände können sich dabei auch auf die Arbeit des Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma stützen, das zu 90 Prozent aus Bundesmitteln und zu 10 Prozent aus Mitteln des Landes Baden-Württemberg finanziert wird. Im Dokumentations- und Kulturzentrum sind 14 Mitarbeiter hauptamtlich tätig. Das Zentrum gibt auch Publikationen heraus und gestaltet kulturelle Projekte. Außerdem erhält eine Reihe von örtlichen Vereinen der Sinti und Roma regelmäßig Förderung auf kommunaler Ebene. Neben der Verbandsarbeit und Beratungsaufgaben werden seitens der Länder und Kommunen ergänzend insbesondere kulturelle, aber auch soziale Projekte gefördert. Die Förderungsprogramme des Bundes und der Länder sowie die Projektförderungen der Kommunen verfolgen das Ziel, der Teilhabe der deutschen Sinti und Roma am gesellschaftlichen Leben unter Erhaltung ihrer kulturellen Identität zu dienen und die soziale Integration der Sinti und Roma zu unterstützen.
Zu den langfristigen Projekten gehört beispielsweise die Förderung des Theaters "Pralipe" in Mülheim an der Ruhr, das seine Stücke in Romanes spielt, durch das Land Nordrhein-Westfalen. Der Berliner Radiosender SFB 4 Multikulti sendet zweimal im Monat 15 Minuten in Romanes. Das Land Baden-Württemberg fördert z. B. die Kulturtage der Kurpfälzer Sinti und Roma, eine Kooperation mit Volkshochschulen und wissenschaftliche Projekte. Hamburg unterstützt kulturelle Aktivitäten wie z. B. die Kulturinitiative Sam Roma, die musikalische Traditionen pflegt und öffentlich präsentiert. Hessen hat u. a. staatliche Mittel für eine Sinti und Roma betreffende Veranstaltungsreihe zum Thema Kultur, Information, Koordination und Begegnung bewilligt. Daneben fördern auch einige Kommunen lokale Kultur- und Begegnungsprojekte.
Der Unterricht der Sprache Romanes ist in keinem Schulgesetz der Länder vorgesehen. Dies entspricht auch den Wünschen des Zentralrats deutscher Sinti und Roma. Der Zentralrat ist aufgrund des Missbrauchs der sogenannten wissenschaftlichen Forschung über die Volksgruppe - unter Einschluss der Erforschung des Romanes - in der Zeit des Nationalsozialismus und des sich daran anschließenden Völkermords an Sinti und Roma der Auffassung, dass die Sprache allein innerhalb der Volksgruppe weitergegeben und nicht durch Außenstehende im staatlichen Bildungssystem gelernt und gelehrt werden soll. Somit wird die Muttersprache Romanes überwiegend durch mündliche Überlieferung innerhalb der Familien und der Volksgruppe gepflegt. Die starke räumliche Zerstreuung von Wohnsitzen der Sinti und Roma auch in Ballungsgebieten würde auch die Einrichtung spezieller Klassen mit Unterricht in Romanes erschweren oder unmöglich machen.
Die Verwendung von Romanes im öffentlichen Schulsystem beschränkt sich daher auf Pilotmaßnahmen für (ausländische) Roma-Kinder, die in räumlicher Nähe zusammenleben. Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma legt größten Wert darauf, dass das vorhandene staatliche und staatlich anerkannte Schul- und Bildungssystem für die Kinder der Volksgruppe uneingeschränkt wie bisher genutzt wird. Er lehnt daher separate Schulen für Roma oder Schulklassen nur für Sinti und Roma ab. Das entspricht augenscheinlich auch dem Wunsch der Eltern, denn die Kinder der deutschen Sinti und Roma besuchen überwiegend die örtlichen Regelschulen bzw. weiterführende Schulen.
Besondere Möglichkeiten der Förderung der schulischen Entwicklung für Kinder von Sinti und Roma unter Einbeziehung ihrer kulturellen Traditionen und ihrer Sprache haben sich in einigen Ländern der Bundesrepublik Deutschland im Rahmen standortbezogener Projekte ergeben. So wurden beispielsweise in Hamm und in Köln unter Beteiligung der örtlich ansässigen Sinti und Roma Materialien für Unterricht und regionale Fortbildung erstellt, die über den Kulturkreis und die Geschichte der Sinti und Roma informieren und im Unterricht den Bezug zwischen Volksgruppe und Schule stärken sollen.

(Quelle: BMI, Stand: 1996)

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Minderheitenschutzabkommen

Am 1. Februar 1998 tritt das Rahmenübereinkommen des Europarats zum Schutz nationaler Minderheiten - zunächst für zwölf Mitgliedstaaten des Europarats, darunter Deutschland - in Kraft. Für weitere vier Staaten, die das Rahmenübereinkommen inzwischen ratifiziert haben, wird es zu einem späteren Zeitpunkt in Kraft treten. Das deutsche Vertragsgesetz zum Rahmenübereinkommen eröffnet mit dem Minderheiten-Namensänderungsgesetz Möglichkeiten für die Angehörigen von nationalen Minderheiten, unter bestimmten Voraussetzungen durch Erklärung gegenüber dem Standesbeamten ihren Namen zu ändern.
Bundesjustizminister Prof. Dr. Edzard Schmidt-Jortzig: "Das Inkrafttreten des Rahmenübereinkommens zum Schutz nationaler Minderheiten ist ein wichtiger Beitrag zur Förderung von Demokratie, Frieden und Stabilität in Europa. Das Minderheiten-Namensänderungsgesetz sichert ein Kernelement der kulturellen Identität eines Menschen: den ursprünglichen Namen. Der umfassende und konsequente Schutz nationaler Minderheiten ist ein wesentlicher Garant für Stabilität und den inneren Friedensprozess in einem zusammenwachsenden, aber gleichzeitig immer mehr über die traditionellen Außengrenzen hinausreichenden Europa. Die furchtbaren Auswirkungen ethnischer Konflikte sind uns erst jüngst angesichts der grausamen Auseinandersetzungen im ehemaligen Jugoslawien schmerzlich bewusst geworden. Das Rahmenübereinkommen kann in vielen europäischen Staaten dazu beitragen, Konflikte abzubauen sowie der Entstehung neuer Konflikte entgegenzuwirken. Völkerrechtliche Garantien für mehr Demokratie, Toleranz und Stabilität sind nicht zuletzt für die deutschen Minderheiten wichtig, die in den Staaten Mittel- und Osteuropas leben. Für die traditionell in Deutschland heimischen Volksgruppen bedeutet das Rahmenübereinkommen vor allem eine breitere völkerrechtliche Absicherung ihrer tatsächlichen und rechtlichen Situation, die den Anforderungen des Rahmenübereinkommens bereits weitgehend entspricht. Mit dem Minderheiten-Namensänderungsgesetz sichern wir jetzt darüber hinaus ein Kernelement der kulturellen Identität eines Menschen - seinen ursprünglichen Namen."
Das Übereinkommen enthält völkerrechtlich verbindliche Grundsätze zum Schutz nationaler Minderheiten und verpflichtet die Staaten zu Maßnahmen des Schutzes und der Förderung. Es verbietet jede Diskriminierung einer Person wegen ihrer Zugehörigkeit zu einer nationalen Minderheit und untersagt die Assimilierung von Angehörigen nationaler Minderheiten gegen deren Willen. Außerdem enthält das Übereinkommen, das auch Nicht-Mitgliedstaaten des Europarates zum Beitritt offen steht, die Verpflichtung der Vertragsstaaten zum Schutz der Freiheitsrechte der Europäischen Menschenrechtskonvention, die für Angehörige nationaler Minderheiten besondere Bedeutung haben: Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit, Meinungsfreiheit, Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit.
Über die Einhaltung der Verpflichtungen aus dem Rahmenübereinkommen durch die Mitgliedstaaten wacht das Ministerkomitee des Europarates, das bei dieser Aufgabe durch einen Beratenden Ausschuss von bis zu 18 unabhängigen Experten unterstützt wird. Auf die Einzelheiten der Durchführung des Rahmenübereinkommens hatte sich das Ministerkomitee im September des vergangenen Jahres geeinigt. Die ersten Berichte der Mitgliedstaaten über die Umsetzung des Rahmenübereinkommens müssen spätestens Anfang 1999 vorliegen und werden zunächst durch den Beratenden Ausschuss geprüft.
Das Übereinkommen überlässt es den Vertragsstaaten, seinen Anwendungsbereich festzulegen. Die Bundesregierung hat im Einvernehmen mit den Ländern beschlossen, das Übereinkommen auf die Angehörigen der dänischen Minderheit, des sorbischen Volkes mit deutscher Staatsangehörigkeit und außerdem auf die Angehörigen der weiteren traditionell in Deutschland heimischen Volksgruppen der Friesen sowie der Sinti und Roma deutscher Staatsangehörigkeit anzuwenden. Sie hat dies auch bei der Hinterlegung der Ratifikationsurkunde erklärt. Das Zustimmungsgesetz nimmt auf diese Erklärung ebenfalls Bezug.
Das Bundesministerium der Justiz hat eine Broschüre mit Texten, Materialien und Erläuterungen zum Rahmenübereinkommen herausgegeben. Sie kann kostenlos beim Bundesministerium der Justiz, Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, 53170 Bonn, angefordert werden.

(Quelle: BMJ, Stand: 29. Januar 1998)

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Sprachbezeichnung: Zigeuner oder Sinti und Roma ?


Wir haben am 11.11.03 eine Anfrage von Herrn Gino bekommen:
"Zigeuner" ist eine in ihren Ursprüngen bis ins Mittelalter zurückreichende Fremdbezeichnung durch die Mehrheitsbevölkerung und wird von der Minderheit selbst als diskriminierend abgelehnt.

An ihre Stelle ist der authentische Eigenname "Sinti und Roma" getreten. Dabei bezeichnet "Sinti" die in Mitteleuropa seit dem Spätmittelalter beheimateten Angehörigen der Minderheit, "Roma" diejenigen südosteuropäischer Herkunft. Außerhalb des deutschen Sprachkreises wird Roma - oder einfach Rom - auch als Sammelname für die gesamte Minderheit verwendet. Wird im Kontext der historischen Quellen die Bezeichnung "Zigeuner" benutzt, so müssen die hinter diesem Begriff stehenden Klischees und Vorurteile stets mit bedacht werden. 

Aus den Unterlagen der Archive kann man sehen, dass die Nazis sehr wohl auch die Bezeichnung Sinti und Roma kannten. Ich denke, dass auch ihnen die negative Bedeutung von "Zigeuner" bewusst war und sie den Begriff deshalb auch eingesetzt haben. Deshalb denke ich, dass man die Nazi-Sprache nicht zitieren sollte. Viele benutzen den Begriff doch auch heute noch provozierend gern, obwohl sie es besser wissen und die Bezeichnung "Sinti und Roma" kennen. Nein, man sollte auf keinen Fall das Wort "Zigeuner" verwenden.
Liebe Grüße

Gino

Sehr geehrter Herr Gino!

Ich danke Ihnen für Ihren Besuch auf unserer www-Seite, Ihr Interesse um die Angelegenheiten der Zigeuner und auch für Ihre Meinung, die Sie uns mitgeteilt haben. Weil Sie nicht der Einzige sind, der uns in letzter Zeit diesen Hinweis gegeben hat, wollen wir in diesem Fall eine Antwort geben und unsere Meinung in dieser Angelegenheit allen erklären.
Eins steht fest: In keinem Fall wollen wir jemanden beleidigen, das ist uns fern. Wir, d.h. die Katholische Zigeunerseelsorge, wollen Gott dienen und den Menschen, den Zigeunern helfen. Helfen – ihre eigene, persönliche Identität vor Gott zu erkennen. Wir haben keine politischen Ziele und wollen uns von der Politik nicht steuern lassen.

Beleidigung ist Sache der Emotionen, und die sind nie exakt und objektiv. Wenn es so wäre, hätte die Hälfte von allen Rechtsanwälten keine Arbeit... Wenn sich jemand beleidigt fühlt – wie Sie uns das mitgeteilt haben – dann besteht die wichtige Frage, ob er wirklich beleidigt ist, oder sich nur beleidigt fühlt, oder beleidigt fühlen will. Dagegen kann man - leider - nichts tun. Das ist eine Waffe einiger politischer Gruppierungen, die damit gerne spielen. Wir lassen uns dadurch nicht beeinflussen.

Wir bemühen uns nur um Objektivität. Benennung eines Volkes oder einer Volksgruppe muss auch objektiv und exakt sein. Es hat mit den Gefühlen nichts zu tun. Und meistens bestimmen den Namen nicht die Genannten, sondern die, die mit ihnen leben. z.B.: Wenn Sie ein Deutscher sind, sind Sie in Italien ein Tedesco, in der Tschechei ein Nemec, in Frankreich ein Alemand und so weiter. Und es hat keinen Sinn, dagegen zu protestieren.

Das Wort Zigeuner (Tsigans, Gypsies, Gitanos...) ist – wie Sie richtig schreiben – uralt und weltweit verbreitet und bekannt als Name des Volkes, das aus vielen und verschiedenen Stämmen, Sippen und Großfamilien besteht. Die uns bekannten Stammnamen können Sie auch auf unserer Home Page-Seite lesen: Sinti, Manush, Lalu, Laleri, Lovara, Kalderara, Beasha, Aschkali, Kale, Roma, Churara, Saxi, Lautari... Einige Forscher behaupten, dass in Indien noch mehrere Gruppen leben, die uns nicht bekannt sind, aber zu diesem Volk gehören. Es handelt sich also um ein Volk und um einen Oberbegriff, der alle Gruppen umfasst. Es ist uns bekannt, dass einige von diesen Gruppen sehr radikal die Benennung Rom bzw. Roma ablehnen. Ein anderes Wort, das alle Angehörige einschließt, ist uns nicht bekannt.

Es ist wie z.B. das Wort Vogel: Es ist exakt bestimmt, was unter diesem Begriff zu verstehen ist. Wenn jemand das Wort Vogel für eine Beleidigung hält und fordert, dass man von nun an nur Adler und Spatzen sagen darf, ist es unkorrekt und nicht exakt. Und wo sind dann die Tauben und Hühner? Wir wollen von unserer pastoralen Zuwendung niemanden ausschließen und deswegen benutzen wir das einzige Wort, das überall in der Welt bekannt ist als Name des Volkes, das wir unterstützen und dem wir helfen wollen.

Als Beweis für unseren Standpunkt möchte ich die Geschichte der Aufschrift am Mahnmal in Berlin erwähnen, wo sich genau andere Gruppen der Zigeuner beleidigt fühlten durch die Aufschrift „Sinti und Roma“ und die Änderung „Zigeuner“ erwirkt haben.

Wenn sich die Wissenschaftler und Politiker aus den Reihen der Zigeuner einigen werden, in Romanes ein Wort oder einen Namen zu finden und in den UNO-Weltrat eintragen lassen (es ist uns bekannt, dass Zigeuner auch in Columbien, Argentina, Mexico und USA leben und mit dem Wort Zigeuner kein Problem haben – es handelt sich also um eine Sache der ganzen Welt, nicht nur Deutschlands), dann werden wir gerne diese neue Benennung annehmen und auch unseren Namen ändern.

                                                           Mit freundlichen Grüßen

                                                                       Ihr Rashai Jozef

Bezeichnungen für Řomani-Gruppen, bzw. -Sprachgruppen - in Beispielen
von Paul Meissner Ottweiler Saarland
E-Mail:
meissner-ottweiler@t-online.de

  Vorwort  Fremdbezeichnungen  Eigenbenennungen  Untergruppen der Roma  Einige Bezeichnungen für Nichtzigeuner  Fußnoten 

Vorwort:

Diese Zusammenstellung ergab sich aus dem Bedürfnis, die Vielfalt und Unterschiedlichkeit der Namen der "Zigeuner" darzustellen, die sich eben nicht mit "Sinti und Roma" erschöpft. Sie stützt sich zum geringen Teil auf eigene Erkundung, im wesentlichen auf vorhandene Hinweise bei Mozes Heinschink9, Martin Block 10 und Norbert Boretzky11, u.a. Wichtige Hinweise zum Verständnis, nicht nur Namensgebung, finden sich bei Rüdiger Vossen "Zigeuner" (Hamburg, 1983). Dennoch erhebt die Liste bei weitem keinen Anspruch auf Vollständigkeit; z.B. sind die Namen der russischen Rroma hier (noch) nicht vertreten.
Die anfänglich angestrebte Systematik war kaum einzuhalten, Überschneidungen ließen sich nicht vermeiden. Eine Unterscheidung zwischen Eigen- und Fremdbezeichnungen erweist sich vielfach als problematisch. Die Notwendigkeit einer Benennung ergibt sich weniger für außenstehende Nichtzigeuner, als für Roma, die nicht der benannten Gruppe angehören, oder sich von ihr unterscheiden wollen. Andererseits gibt es sogar Gruppen (z.B. bei den Vatradzi in Rumänien), die sich nicht als Roma, sondern als "Cigani" bezeichnen.
Viele Fragen bleiben offen, Zuordnung zweifelhaft. Der Autor ist für jeden Hinweis dankbar.
Aus technischen Gründen ist es momentan nicht möglich Sonderzeichen, wie sie korrekter weise notwendig wären, in den Text einzufügen.

 

  1. Fremdbezeichnungen
    a) auf griech. 'atsinganoi' zurückgehend:
    Cigani, Cingar(i), Zigeuner, Zigüner (allem.), Tsiganes (frenz. LW), Tschingiane (türk.)

    b) auf (E)gyptos (Ägypter) zurückgehend:
    Gypsies, Gitanos, Gitans

    c) Romanichals, Bohémiens, Caraques u.a.m. - in Frankreich
    Tinkers1 (Kesselflicker), Pedlars (Hausierer) - in England

    d) Landfahrer, Voyageurs (F), Camminanti (I) - umfasst prinzipiell alle Gruppen, auch nicht-řomani, von "Reisenden", Camminanti aber angeblich nur eine Gruppe aus Sizilien2.

    e) Mustalainen . in Finnland

    f) Caganie Nizinni - Polen (Flachland-Zig.)

    g) Cyganie Wyzinni - südl. Polen, nördl. Ungarn, Slowakei, Tschechien (auch Bergitka Řoma, Berg-, Karpathen-Zig.), - Unterschiede jeweils durch Einfluss der Landessprache.

    h) Rumungre = Ungrike Roma (in Slowakei auch Servi) . depreziative Bez. seitens Vlach für andere Řoma im ung. Sprachraum (Ungarn, Slowakai, > Tschechien), z.B. Venden in Ost-Ungarn; Gurvari, Non-Vlach-Dialektgruppen, Übergangsformen s > h (>Sintetikes)

    i) Servike Řoma - R. in der Slowakei, - Dialekt ähnlich Ungrike R.

    k) Saxi, Sasti, - "sächsische" = deutsche (aus deutschsprach. Raum) Zig. in Rußland
     
  2. Eigenbenennungen
    Řom3 (sg.m.), Řomni (sg.f.), Řoma (Řom[a]) (pl.m.), Řomnia (Řomnia) (pl.f.)
    Sinto, Sintica, (Sintizza), Sinti (e), Sinice (sprich: Sintizze)
    Manuš, Manuš(a)4 - Frankreich
    Kaló5 Kalé - Spanien
    Beaš (ehem. Sklaven der ~Bojaren~ ?, oder Abl. v. rum. Bajesi - Goldwescher??) Beasa - Slavonien, südl. Ungarn, sprechen altrumänischen Dialekt'
     
  3. Untergruppen der Řoma
    a) Berufsbezeichnungen
    (nach meist nicht mehr ausgeübten Berufen)
    aa) Vlachgruppen
    Kalderáră (rum. 'Kessler'), bzw. dial. Kalderaš, mit vielen Untergruppen wie Bunkulešti, Markulešti, Mercenara, Kajnjara (="nacie")
    - Zlatari (rum. 'Goldschmiede')
    - Caramidari (rum. 'Ziegelbrenner')
    - Tidari (Maurer
    - Bidinari (Pinselmacher)
    Lautari (Musiker)
    Cositorarja ( rum. 'Verzinner'; "türkische"Zigeuner), Bewohner der Ebene (aus der Dobrudscha kommend, leben vornehmlich in den Städten Olteniens und Munteniens)
    Fierarjă (Eisenbearbeiter, rum.)
    Lovară (-ung. Pferdehändler),
    Curară (rum. Siebmacher)
    Drzară (Lumpenhändler)
    Poxtanară (Stoff-, Teppichhändler)
    Kalpazea (Griechenland)

    ab) Andere
    Ursarjă ([ehem.] Bärenführer); Rumänien, Bulgarien; Non-Vlach-Dial.
    Gurvari, Gurvasi, Pfannenmacher, Kuhhirten auch Kolompari

    Linguarară (Löffelmacher), Kaštanară (Holzbearbeiter)
    Rudaria (rum. "Verwandte"; oder von slav. "ruda", Erz > Bergleute, rum. "Baesi" ??)
    Waldbewohner, Holz- und Rindenbearbeiter; leb(t)en in Erdhütten; sprechen rumänischen Dialekt, auch in Serbien und Bulgarien
    Arabeğides (Wagenmacher), in Mazed.
    Bugurğides / Burgudžides (s.-kr. Bohrermacher, türk.; scuh Rabadžides), von anderen Roma meist 'Kovači - auch Eigenbezeichnung - (Schmiede, Hufschmiede) genannt,; sprachlich eng verwandt mit den bulgarischen Drindari ("Wallschläger", meist Musiker)
    Parpulia (griech.) - Bohrermacher im ehem. Jugoslawien.
    Sepečides Korbmacher, fr. Griechenland, heute Izmir.
    Finčira Verwandte der Sepecides, in Griechenland
    Kalajdžides (türk.) Verzinner, Bulgarien; Nachbarn der Erlides. Eigenbez. Kalburgia

    b) Herkunfts- oder Sprachbezeichnungen
    Gağkene (Sinti=) 'deutsche' S. (z.B. in Italien)
    Valštike (Sinti) - welsche = französische S. (>'Manus')
    Estrexarijă (Sinti) - 'österreichische' S. (in Italien, Slowenien, Ungarn, Slowakei, ...)
    Praistike (Sinti)
    Vitembergaria - Württemberger Sinti
    Piemontakeri (Sinti) - Piemontesische S.
    Lombardi, Marchigiani (Markigani), ecc.
    Abruzzese (Řoma) - aus den Abruzzen (I)
    Istriani (aus Istrien; identisch mit Slivčari, Gopti?)
    Dassikane ('serbische' R. = orthodoxe R.)
    Xolaxane (Khorakane - muslimische Roma (eigentlich 'türkische')
    Mačvano (sg.), Mačvaja (pl.) -Rromagruppe in Nordamerika, aus der serbischen Mačva stammend; Dialekt ähnlich Kalderaš.
    Olah (in CZ, SK) - aus der Walachei stammend
    Xaladitke Řoma (baltische R.); Lofitke Řoma (lettische R.);
    Polske Řoma (zu ihnen sind auch die Tobolaxe - sibirische R. - zu rechnen).

    c) Bezeichnung nach Lebensweisen (historisch!; teils Vitsanamen, teils Fremdbezeichnung)
    Čergarja (Zeltbewohner), auch Cortorara (rum.);
    - hierher auch Čerharja (Lovarerstamm in Ungarn) - Mischdialekt?
    Vatradži (tigani de Vatra - "Herd-" zigeuner; sesshaft, sprechen meist nur noch rumänisch):
    - Fierari (Eisenschmiede), Lautari (Musiker), Plugari (Ackerbauer), Rogojinari (Mattenhersteller)
    Khanjara (Huhner-R.; Vlachgruppe)
    Slivčari (Heckenzigeuner, auch 'Gopti' genannt, in Slovenien und Norditalien)
    Konoplarja (Hanfanbauer)
    Bokurešti, Bukunešti, Gunarešti (Lumpensammler), Kunešti, Mihaješti, (Bergleute),
    Zlatari (Goldwäscher)

    d) Bezeichnung nach einem Vorfahren
    Bumbulešti, Zankovešti, Papinesti, Zigarešti, Lajdkešti, Balkesši, ...

    e) Bezeichnung nach anderen Kategorien
    Arlij, Arlije, (türk. 'Einheimische') - große Sprachgruppe am südlichen Balkan (Makedonien, Kosovo), eng verwandt mit bulgarischen Erli/Yerli (Sofia)
    Lalere (wtl. 'Stumme') - in Deutschland von den Sinti für die böhmischen Z. verwandt. Allgemein für "Anderssprachige, einen anderen Dialekt sprechende".
    Gurbet(i) (türk. 'Fremde') - verstreute Gruppe im ehem. Jugoslawien und angrenzenden Gebieten, sprachlich den Kalderas nahestehend; teilweise auch "Džambasi" genannt (Mazedonien)
    Džambasi (Pferdehändler im Banat, auch am Balkan); (Name abgeleitet von Džamba 'Frosch' - Spitzname??); Sprache ähnlich Gurbeti.

    Rudari ("Verwandte", Waldbewohner, Holz- u. Rindenbearbeiter; lebten in Erdhütten; gelten nicht als "echte" Zigeuner, sprechen rumänischen Dialekt, auch in Serbien und Bulgarien, Rudari aus Kragujevac, Serbien, sind während des jugosl. Bürgerkrieges nach Italien geflüchtet; dort als Baumverkäufer tätig)6

    Kaulja (?), algerische (muslimische) Roma in Italien.

    u.v.a.m.
     
  4. Einige von Sinti/Roma für Nichtzigeuner verwendete Bezeichnungen
    Gago (m.sg.), Gadzi (f.sg.), Gadze (pl.) - eig. "Bauer"; p.ext. "Fremder, -e, i.S.v. "Nichtzig."
    Xalo, -i, -e (sehr abwertend, vorwiegend von Sinti gebraucht)
    Xuilo, -i*, -e (andere Fahrende?)7
    Cindo, -e (angeblich Bezeichnung für "Albaner" . 'Beschnittener')
    Barengro, -i, -e (Jenischer)
    Raj, Rani, Raja (Herr, Dame, generell für 'Autoritätspersonen - Ämter, Behörden")
    Balamo (Balamno, Balavno, Balamni, Balame* (von Gurbet und Kaladeras für Nichtzigeuner, bes. Christen, auch Händler, Polizisten etc.)8

 

1 Tinkers (eigentlich: 'Verzinner') wird wohl heute meist für nicht-romani Wanderarbeiter verwendet.
2 in Julia Hartlieb "Roma in Rom", (Diss. FU Berlin, 1997).
3 Der Begriff Řom ist bei einigen Gruppen, wie den Sinti und den englischen Romanies, auf die Bedeutung "Ehemann" eingeschränkt. Andererseits nannten deutsche Sinti bis vor kurzem alle aus Osteuropa stammenden Řoma 'Ungarja'.
4 Die Französischen Sinti ziehen den Ausdruck 'Manus=' vor, auch in Unterscheidung zu den "Jenischen", die ihnen 'Baéngere' (Steineklopfer, Maurer; von 'bar' Stein) heißen. 'Manuš' wird hingegen von Rromasprechern auch in der Bedeutung 'Mensch', in Unterscheidung zu Řrom 'Zigeunermensch' verwendet.
5 Kalé: Catalani, Andalusi, Beticos, Portughesi ...
6 Hinweis bei Julia Hartlieb, ds. (s. Fn.5)
7 "Xwilo" bei Joseph Valet, Vocabulaire Menouche d'Auvergne, 1986
8 Boretzky/Igla, Wörterbuch 1994
9 Fennesz-Juchacz 1997, Verzeichnis der in der Sammlung Heinschink dokumentirten Romagruppen.
10 Martin Block "Die materielle Kultur der rumänischen Zigeuner" (Diss. Leipzig 1923), in Studien zur Tsiganologie und Folkloristik, Bd. 3 (Joachim S. Hohmann Hg. U. Bearb.)
11 u. a. in N. Boretzky/B.Igla "Lautwandel und Natürlichkeit, ...", Univ. Essen, 1993

 Vorwort  Fremdbezeichnungen  Eigenbenennungen  Untergruppen der Roma  Einige Bezeichnungen für Nichtzigeuner  Fußnoten 

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EKD Texte 42, SINTI UND ROMA, Eine Studie der Evangelischen Kirche in Deutschland
Herausgegeben vom Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)
Herrenhäuser Straße 12, D-30419 Hannover

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Informationen über Jenische
http://www.wu-wien.ac.at/usr/h92/h9251606/bal/Jenisch/Jenisch_Geschichte.html

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