| Mit seiner provokanten These, dass Wärme- dämmung sinnlos sei, sorgt der deutsche Architekt Konrad Fischer für heftige Diskussionen BERNHARD SCHREGLMANN
BERNHARD Schreglmann Salzburg (SN). Mit seiner Meinung hält der deutsche Architekt und Sachverständige Konrad Fischer beim Thema Wärmedämmung gar nicht hinterm Berg: "Die herkömmliche Wärmedämmung an Fassaden ist Unsinn, spart keine Energie und fördert Krankheiten."
Mit Aussagen wie dieser hat Konrad schon heftige Diskussionen ausgelöst, stellt er doch die weit verbreitete Meinung über Energiesparmöglichkeiten bei Immobilien völlig in Frage. Grund für die landläufigen, seiner Ansicht nach falschen Schlussfolgerungen sind die Grundlagen der Berechnung. Fischer: "Der K-Wert sagt überhaupt nichts über die Beurteilung des Wärmetransports durch Baustoffe aus." Die Berechnung des K-Wertes geht auf den französischen Wissenschafter Jean Baptiste Fourier (1768-1830) zurück. "Damals wusste man aber noch nichts von Strahlung und speziell Wärmestrahlung", sagt Fischer. Dennoch seien dessen Annahmen bis heute die Grundlagen.
Dass die Dämmmaterialien nicht halten, was sie versprechen, sei im so genannten "Lichtenfelser Experiment" nachgewiesen worden. Hier habe sich bei Bestrahlung mit einer Wärmequelle gezeigt, dass gerade die Dämmstoffe sich sehr rasch sehr hoch aufheizten, während etwa eine Fichtenplatte keine Erwärmung zeigte. Fischer: "Fichtenholz hat aber einen erbärmlich schlechten K-Wert." Ähnlich habe auch Ziegel reagiert, der sich nur wenig aufheizte.Die geringste Temperaturerhöhung unter den künstlichen Isolierstoffen habe das Schaumglas gezeigt, das "im praktischen Dauereinsatz am Bau auch formstabil bleibt und im Unterschied zu den anderen kein Wasser aufnehmen kann", sagt der Architekt. Fischers Folgerung: "Wichtig ist allein das Verhalten der Baustoffe gegenüber Wärmestrahlung."
Dünner Schlafsack bleibt dennoch warm Er belegt seine Theorie mit einem einfachen Beispiel: "Ein Bergsteiger kann mit einem vergleichsweise dünnen Schlafsack auch bei Minus-Graden übernachten. Ginge es nach dem K-Wert, wäre er nach drei Minuten erfroren." Der "Witz" der Sache sei: Das Material reflektiere die Wärme des Körpers, sorge für den Feuchtigkeitsabfluss und sei winddicht.
Genau auf diese Faktoren komme es auch bei der Hausdämmung an, die Dämmstoffe würden diesen Anspruch aber nicht erfüllen, behauptet Fischer. Da die üblichen Dämmstoffe keine Speicherfähigkeit besitzen, kühlten sie jede Nacht aus. Die Folge seinen Bauschäden, Feuchtigkeit, Algen- und Schimmelbildung. Deshalb sei für ihn die propagierte "Diffusionsoffenheit" der "nächste Schwindel". Energiespareffekte durch eine Fassadendämmung sind für Fischer deshalb auch nicht nachweisbar. In Deutschland gebe es vergleichende Untersuchungen von benachbarten Wohnblöcken, die ergaben, dass eine wärmegedämmte Fassade sogar mehr Energie verbrauchte als eine ungedämmte.
Für Fischer sind solche Ergebnisse nicht überraschend, denn die neue Fassade verhindere beispielsweise die Aufnahme und Speicherung von Solarenergie durch das Mauerwerk. Mit dem Ergebnis, dass es drinnen nun kühler sei als ohne Isolierung.
Fischer appelliert statt dessen, Häuser so massiv wie möglich zu bauen, entweder aus Vollziegel oder aus Holz und auf eine Fassadendämmung zu verzichten.
Um Energie zu sparen sei es wesentlich einfacher und effektiver, das Heiz- und Lüftungsverhalten zu verändern. So empfiehlt er, die Nachtabsenkung abzuschalten, da die Erwärmung der kühlen Luft in der Früh ein wahrer Energiefresser sei. Die Raumtemperatur gleich zu halten, benötige dagegen um 25 bis 30 Prozent weniger Energie, behauptet der streitbare Architekt.
Auch die dichten Isolierglasfenster sind ihm ein Dorn im Auge. Isolierglas verhindere das Eindringen des kurzwelligen Lichts, das den Raum erwärmt. Außerdem sei die permanente Zufuhr frischer, trockener Winterluft notwendig. Das werde durch dichte Fenster verhindert, was zu Feuchtigkeit und Schimmelbildung führe. Seine Empfehlung: "Man sollte die obere Gummilippe beim Fenster entfernen, dadurch sinkt die Luftfeuchtigkeit im Raum um bis zu 15 Prozent. Gleichzeitig lässt sich trockene Luft viel schneller erwärmen, was wiederum Energie spart." Und schließlich sei trockene Luft auch noch viel gesünder. Fischer: "Wer die Luft und damit die Wände trocken hält, wohnt schimmelfrei."
Investitionen sind nicht rentabel Neben seiner bauphysikalischen Kritik an der übertriebenen Wärmedämmung weist Fischer auch auf das seiner Ansicht nach miserable Kosten-Nutzen-Verhältnis einer solchen Investition hin. Ein Vollwärmeschutz für ein Einfamilienhaus koste grob geschätzt rund 15.000 Euro. Fischer: "Wenn jemand Heizkosten von 1000 Euro im Jahr hat und sich tatsächlich durch die Wärmedämmung 50 Prozent erspart, wie das immer propagiert wird, sind das 500 Euro im Jahr. Ohne Zinsen gerechnet wäre die Investition erst nach 30 Jahren herinnen. Zwölf Jahre sind aber das absolute Limit der Wirtschaftlichkeit."
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