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Stars in der Manege © BR
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Das Erste

Vier Jahrzehnte Zirkuszauber

Blick auf die Kulissen © BR
Hans-Dietrich Genscher leiht einer Dame gentleman-like sein Jackett, bevor er ihr dicke Eisenketten anlegt. Sepp Maier im Fesselballon schwebt engelsgleich zur Decke.

Stefanie Hertel und Stefan Mross zerdeppern unter freundlichem Applaus Geschirr, mit dem sie eigentlich jonglieren wollten. Helge Schneider macht kleine Katzen froh, Lisa Fitz lehrt große Tiger das Fürchten und Marianne Sägebrecht spielt mit Elefanten: Wo sonst kann man sowas erleben? Reminiszenzen an vier Jahrzehnte "Stars in der Manege".

1959: Der Vorhang hebt sich ...

... und im Zirkusrund erscheint Münchens Oberbürgermeister Thomas Wimmer mit einem Geparden an der Leine: So beginnt am Abend des 11. Aprils 1959 die erste Ausgabe von "Stars in der Manege", damals noch beworben als "Wohltätigkeitsveranstaltung zur Rückführung der Münchner Evakuierten" - sprich: NS-Verfolgten, die nach 1933 ins Exil gehen mussten.

Das Benefiz-Event ist in den frühen Tagen von Wirtschaftswunder und westdeutschem Sozialstaat kein ungewöhnliches, auch kein unumstrittenes Ereignis: Als provinziellen "Zirkus der Eitelkeiten" 
brandmarkt die "Berliner Zeitung" die Show, und ein Hamburger Blatt gibt lokalpatriotisch der Revue der "Hamburger Künstlerhilfe" den Vorzug. In der Tat ist die Atmosphäre noch mehr von Nerven- und Zeltplanenflattern als von Glamour geprägt: 1944 ist die schöne Holzarena des Traditionszirkus von einer Fliegerbombe getroffen worden, der heutige Bau wird erst 1962 eingeweiht.


Scheinwerfer © BR
Spot an... Klicken sie hier für eine vergrößerte Version des Bildes
Messerwerfer © BR
für fliegende Messer Klicken sie hier für eine vergrößerte Version des Bildes
©
und tanzende Teller Klicken sie hier für eine vergrößerte Version des Bildes


A wie Anfang: Nervöse Stars und überbreite Tiger

Auch die "Süddeutsche Zeitung" berichtet von Startproblemen: "Eine Reihe von Schauspielern sagte zu und wieder ab, eine bekannte Filmfamilie mit drei Generationen sogar dreimal" - ein Problem, das die Veranstalter bis heute zittern lässt. Verstummt sind in den letzten Jahrzehnten hingegen Klagen wie die der "Neuesten Zeitung" aus Recklinghausen, die Kameraleute seien "zu schwerfällig, um die weiträumig angelegten Raubtiernummern auf den Bildschirm zu übertragen."

Das Live-Publikum war ohnehin vom Start weg begeistert von den Stars, die sich - anders als jene "bekannte Filmfamilie" - zur Premiere die Ehre gaben: Marianne Koch, Toni Sailer, Margot Hielscher und "Immenhof-Mädchen" Heidi Brühl mit einer Pferdenummer brachten nicht nur den Jet Set in den "edlen 30 Mark-Logen" zum Schwärmen. Der Reinerlös im ersten Jahr: 25.198 Mark.

"Die Elefanten-Beatles" © BR
Willkommen in den "Swingin' Sixties": Klicken sie hier für eine vergrößerte Version des Bildes
Peter Frankenfeld und Oswalt Kolle © BR
Deutschland hat aufgeklärten Sex... Klicken sie hier für eine vergrößerte Version des Bildes
Mondlandung in der Manege © BR
... und landet beinahe auf dem Mond! Klicken sie hier für eine vergrößerte Version des Bildes



Z wie Zirkus... oder Zeitgeschichte

Kaum einer der Premierenstars ahnte wohl, dass er eine Tradition begründete. Spätestens nachdem der Sendetermin auf Weihnachten verlegt wurde, versammelte sich die halbe Nation via BR im Münchner Zirkus Krone. Die andere Hälfte frönte bis 1988 der "Nacht der Prominenz", die das DDR-Fernsehen aus den Traditionszirkussen Busch und Berolina übertrug.

Das Prinzip "Brot durch Spiele" hat inzwischen 3,5 Millionen Euro eingebracht, deren Großteil der Stiftung von Werner Friedmann - ehedem Herausgeber der Münchner "Abendzeitung" - für Not leidende Künstler und Journalisten zugute kam. Seit 1998 fließen die Eintrittsgelder zu zwei Dritteln an die neu gegründete Stiftung "Ein Herz für kranke Kinder", für die so bis 2005 weitere knapp 300.000 Euro zusammengekommen sind.

Und trotz - oder wegen - der "Superstar"-Invasion auf allen Kanälen: Die Möglichkeit, Stars und Sternchen mal so richtig ackern und schwitzen zu sehen, bringt bis heute Quotenrekorde. Dass die Leistung der "Amateure" in jedem Jahr Diskussionsstoff bietet, ist Teil des Spiels. Mal wird die Leistung als "dilettantisch" abgetan, mal fürchtet eine Leserbriefschreiberin, die Prominenz im Zirkusrund sei so gut, dass sie die echten Artisten aus der Manege vertreiben werde. Dem Ehrgeiz der Stars tut die Aufmerksamkeit in jedem Fall gut.


 
 
Stand: 05.12.2005