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09.02.2008 | 22:12 Uhr
ARD Ratgeber Heim+Garten

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Effektive Mikroorganismen im Test

Topp oder Flop?

von Friedemann Borchert

WDR 03.02.2008: WDR, Sonntag, den 03.02.2008 16:30 Uhr im Ersten

Beitrag als WebTV mit Gebärden-Dolmetscher

 

 

EM-Präparat und Melasse; Rechte: WDR (TV-Bild) Bildunterschrift: EM-Präparat und Melasse]
Seit Jahren schon macht ein geheimnisvoller Begriff nicht nur in Gärtnerkreisen die Runde: EM - Effektive Mikroorganismen! Eine ganze Gruppe von Produkten ist da inzwischen entstanden. Kaum zu glauben, wo EM alles drin sein soll. Ob EM-Schmuck oder EM-Reinigungsmittel - Effektive Mikroorganismen müssen wahre Alleskönner sein!

Zunächst waren EM vom Japaner Teruo Higa als Bodenhilfsstoff kreiert worden. Sie belebten den Boden, wird behauptet, würden Erträge in Landwirtschaft und Gartenbau steigern und könnten so durchaus die Ernährungsprobleme der Menschheit lösen helfen. Diese Wirkung von EM hat für uns Dr. Timo Kautz vom Institut für Organischen Landbau der Universität Bonn unter die Lupe genommen. Doch was in EM alles drin ist, weiß auch er nicht. "Es weiß auch eigentlich niemand, außer dem Hersteller ", meint der Wissenschaftler.

Effektive Mikroorganismen aktivieren

Aktivierung von EM erzeugt Milchsäure; Rechte: WDR (TV-Bild) Bildunterschrift: Aktivierung von EM erzeugt Milchsäure]
Laut Hersteller müssen EM mit zuckerhaltiger Melasse 'aktiviert' werden. Die Melasse wird in warmem Wasser aufgelöst und die EM dann eingerührt. Diese Lösung soll dann für eine Woche bei 37 Grad, luftdicht verschlossen, aufbewahrt werden. Für den Wissenschaftler ein Anlass, zu prüfen, ob sich innerhalb von neun Tagen mehr tut als bei einer Melasselösung ohne EM-Zusatz. Vor allem Milchsäurebakterien, das immerhin wird vom Hersteller verraten, seien bei den EM vertreten. Das kann Dr. Kautz zumindest indirekt bestätigen: "Wir haben in der Kontrollvariante nur einen relativ geringen Anstieg der Milchsäure. Während wir in der Variante, in der wir die Effektiven Mikroorganismen zugesetzt haben, einen sehr deutlichen Anstieg der Milchsäure haben. "

Der Test an Roter Bete

Womit erwiesen wäre: Diese Mikroorganismen leben und sind rege, sollten aber vor der Anwendung noch mit mehreren Litern Wasser verdünnt werden. Doch haben sie auch die versprochenen ertragssteigernden Wirkungen? Für unseren Test wurde Mitte Juli Saatgut von Roter Bete auf knapp 100 Quadratmeter Versuchsfläche des Institutes ausgesät, unterteilt in insgesamt acht Parzellen. Diese Böden werden schon seit langem ökologisch bewirtschaftet.
 
Die EM-Lösung wurde mit Gießkannen auf vier der Parzellen ausgebracht. Zunächst einmal wöchentlich, nach vier Wochen dann alle 14 Tage. Zur Kontrolle bekamen vier weitere Parzellen die gleiche Menge Wasser ohne EM-Zusatz. Solche Wiederholungen auf verschiedenen Parzellen sind notwendig, um statistisch aussagekräftige Werte zu bekommen.

Ernte von Roter Bete; Rechte: WDR (TV-Bild) Bildunterschrift: Ernte von Roter Bete]
Gute zwölf Wochen nach der Aussaat erfolgte dann die Ernte der Rote-Bete-Knollen. Dabei wurden nur Pflanzen der drei mittleren Reihen einer jeden Parzelle erfasst - ein gängiges Verfahren bei Feldversuchen, um Einflüsse der Nachbar-Parzellen möglichst auszuschließen. Sowohl die Blattmassen als auch Knollenerträge jeder Parzelle wurden erfasst und ausgewertet. Dazu mussten die Knollen aber erst einmal gründlich gewaschen werden, damit anhaftende Erde die Messwerte nicht verfälscht. Bodenproben waren bereits am Vortag genommen worden und wurden nach allen Regeln der Laborkunst analysiert. Dazu wurden alle wichtigen chemischen Werte, wie Gehalte an Stickstoff, Phosphor, Kalium, aber auch die pH-Werte bestimmt, natürlich für jede Parzelle einzeln.

Bodenleben nicht gefördert

Das Ergebnis aus den Bodenanalysen: "Um es kurz zu machen: Bei allen Parametern, die wir untersucht haben, haben wir keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Varianten gefunden", sagt Dr. Timo Kautz. Die Mittelwerte für den pH-Wert des Bodens beispielsweise betrugen in der Variante, die mit Wasser behandelt wurde 5,79 und in der Variante mit der EM-Anwendung 5,76. Bei diesen geringen Unterschieden "handelt es sich einfach um die normale Schwankung, die man im Feld einfach findet. " Besonders aufschlussreich sind die fast identischen Mittelwerte für die „Dehydrogenaseaktivität“ (DHA in μg TPF (Triphenylformazan)/g Boden/24 h: 67,06 für Parzellen nur mit Wasser und 66,74 bei EM-Anwendung). Die DHA gilt als ein verlässliches Maß für die biologische Aktivität eines Bodens. Die Anwendung von EM hatte die Aktivität des Bodenlebens also nicht erkennbar gefördert, lautet die Schlussfolgerung.

Keine Wirkung auf Laub und Knollen

Effektive Mikroorganismen sollen auch über das Laub wirken! Unsere Rote Bete Blätter wurden auf ihre Inhaltsstoffe hin (Kohlenstoffgehalt, Stickstoff, Phosphor usw) analysiert und die Mittelwerte miteinander verglichen. Bei keinem einzigen Wert ließen sich nennenswerte Unterschiede zwischen EM-Anwendung und reinem Wasser nachweisen - Wissenschaftler sprechen hier auf der Grundlage der statistischen Auswertung von fehlender Signifikanz. Die Wahrscheinlichkeit eines Irrtums bei diesem Urteil liegt dann unter fünf Prozent.

In gut gedüngten Böden leben Milliarden von Mikroorganismen; Rechte: WDR (TV-Bild) Bildunterschrift: In gut gedüngten Böden leben Milliarden von Mikroorganismen]
Und wie sah es bei den Rote-Bete-Knollen aus? "Auch hinsichtlich der Knollenerträge und der Inhaltsstoffe der Knollen, die wir bestimmt haben, haben wir keine signifikanten Unterschiede feststellen können zwischen unseren beiden Varianten", sagt Dr. Kautz, "Die Schlussfolgerung, die ich aus diesen Ergebnissen ziehen kann, ist, dass die Effektiven Mikroorganismen, so wie wir sie angewendet haben, keine Wirkung auf Boden- oder Pflanzenparameter hatten." Dass EM-Zusätze womöglich unter ganz anderen Bedingungen wirksam sind, möchte der Wissenschaftler nicht ausschließen. Ob das allerdings wahrscheinlich ist? Schließlich tummeln sich in einem Kilogramm Boden bereits mehrere Milliarden effektiver Organismen. Fazit: EM schaden Pflanzen, Mensch und Tieren zwar nicht. Risiken und Nebenwirkungen sind jedenfalls nicht bekannt - ein Nutzen aber auch nicht! Eigentlich viel Lärm um teures Nichts.

 

Dieser Text gibt den Inhalt des Fernsehbeitrags von Ratgeber Heim+Garten vom 03.02.2008 wieder, ergänzt um Zusatzinformationen der Redaktion. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.